Interactive Brokers ist ein 1978 gegründeter US-amerikanischer Online-Broker mit Hauptsitz in Greenwich, Connecticut, der über seine Handelsplattform Trader Workstation (TWS) Zugang zu mehr als 170 Märkten in über 30 Ländern bietet.
Ich handle selbst über Interactive Brokers — seit 1996, also seit rund 30 Jahren. Wenn mich jemand fragt, welchen Broker ich für Futures, Forex und Aktienindizes nutze, ist die Antwort immer dieselbe. Trotzdem: IB ist nicht für jeden die richtige Wahl, und genau darum geht es in diesem Erfahrungsbericht.
Was du hier liest, basiert auf meiner eigenen täglichen Nutzung der Plattform, auf offiziellen Unternehmenszahlen und auf verifizierten externen Quellen — nicht auf Pressemitteilungen oder Werbeversprechen. Meine Bewertung orientiert sich an den redaktionellen Richtlinien von Kagels Trading.
Interactive Brokers vorgestellt in 30 Sekunden
- Interactive Brokers (IBKR) wurde 1978 von Thomas Peterffy gegründet, Hauptsitz in Greenwich, Connecticut, USA
- Über 4,4 Millionen Kundenkonten weltweit aus mehr als 200 Ländern (Stand: Q4 2025)
- Mehr als 170 handelbare Märkte — Aktien, ETFs, Optionen, Futures, Forex, CFDs, Anleihen und Fonds
- Konsolidiertes Eigenkapital von 20,5 Milliarden US-Dollar — einer der kapitalstärksten Broker weltweit
- Über 3.180 Mitarbeiter an Standorten in den USA, Europa, Asien und Australien
- Seit August 2025 im S&P 500 Index gelistet, Aktie notiert an der Nasdaq unter dem Kürzel IBKR
- Keine Mindesteinzahlung und keine Depotführungsgebühren
- Regulierung durch SEC, FINRA, Central Bank of Ireland, FCA und weitere Aufsichtsbehörden
- Einlagensicherung über SIPC bis 500.000 US-Dollar, zusätzlich 30 Millionen US-Dollar über Lloyd’s of London
- Zinsen auf Guthaben von bis zu 4,83 % (USD) und 3,49 % (EUR)
Was ist Interactive Brokers? Unternehmensportrait
Interactive Brokers Group, Inc. (IBKR) ist ein börsennotiertes US-amerikanisches Brokerage-Unternehmen, das als einer der weltweit größten elektronischen Broker direkten Marktzugang zu Aktien, ETFs, Optionen, Futures, Forex, CFDs, Anleihen und Fonds an über 170 Märkten bietet.
Gegründet hat das Ganze Thomas Peterffy im Jahr 1978 — ursprünglich unter dem Namen T.P. & Co. Peterffy ist eine schillernde Figur: ein gebürtiger Ungar, der in den 1970er Jahren an die American Stock Exchange kam und als einer der ersten überhaupt tragbare Computer auf dem Börsenparkett einsetzte. Damals hielten ihn viele für verrückt. Heute ist er Milliardär, und sein Unternehmen wickelt täglich über 4,4 Millionen Transaktionen ab.
Die Zentrale sitzt nach wie vor in Greenwich, Connecticut. Weltweit beschäftigt IB über 3.180 Mitarbeiter — verteilt auf Standorte in den USA, der Schweiz, Kanada, Hongkong, Großbritannien, Irland, Ungarn, Indien, China, Japan, Singapur, Australien und Estland.
Ein paar Zahlen, die verdeutlichen, in welcher Liga IB spielt: Das Unternehmen verwaltet Kundenvermögen von knapp 780 Milliarden US-Dollar, hat ein konsolidiertes Eigenkapital von 20,5 Milliarden US-Dollar und wurde im August 2025 in den S&P 500 Index aufgenommen. Im Juni 2025 gab es außerdem einen Aktiensplit im Verhältnis 4:1. Der Umsatz im vierten Quartal 2025 lag bei rund 1,64 Milliarden US-Dollar — ein Plus von 18 % gegenüber dem Vorjahr.
Kurz gesagt: Das hier ist kein kleiner Neobroker, sondern ein institutioneller Schwergewichtler, der zufällig auch Privatanleger bedient.
Die Geschichte von Interactive Brokers
Die Wurzeln reichen bis 1977 zurück, als Thomas Peterffy einen Platz an der American Stock Exchange erwarb. 1978 gründete er T.P. & Co., aus der später die Interactive Brokers Group hervorging. Sein Unternehmen Timber Hill war das erste, das Computer auf dem Börsenparkett einsetzte — ein Novum, das die Branche nachhaltig veränderte.
1990 gründete IB die Timber Hill Deutschland GmbH mit Fokus auf den vollelektronischen Handel an der Deutschen Terminbörse (heute Eurex). Ab 1993 wurde die Trader Workstation entwickelt. 2001 erfolgte die Umbenennung zu Interactive Brokers Group LLC, der Börsengang an der Nasdaq kam am 3. Mai 2007. Und im August 2025 schließlich die Aufnahme in den S&P 500 — ein Meilenstein nach fast fünf Jahrzehnten.
Wie kann ich Interactive Brokers kontaktieren?
EU-Kunden erreichen den Support unter +41-41-726-9500 (Mo–Fr, 09:00–18:00 Uhr). Alternativ gibt es einen Live-Chat im Client Portal und ein Kontaktformular.
Meine ehrliche Einschätzung: Der Live-Chat funktioniert meistens passabel, aber der telefonische Support kann langwierig sein. Es gibt zwar deutschsprachige Mitarbeiter, allerdings läuft die Kommunikation je nach Tageszeit auch mal komplett auf Englisch. Für mich kein Problem — aber wer kein Englisch spricht, sollte das wissen.
Seit 2025 gibt es außerdem den iBot — einen text- und sprachbasierten Assistenten, der Fragen in natürlicher Sprache versteht und direkt Informationen liefert oder Orders entgegennimmt.
Kurzcheck: Alle Vor- und Nachteile von Interactive Brokers
Vorteile
- Günstigster Broker für aktive Trader — bei keinem anderen Anbieter habe ich niedrigere Gesamtkosten über alle Assetklassen hinweg gefunden
- Ein Konto, alle Märkte — Aktien, Futures, Optionen, Forex, CFDs und Anleihen über eine einzige Plattform handelbar
- Orderausführung auf institutionellem Niveau — Smart Routing, über 100 Ordertypen, stabile Ausführung auch in volatilen Phasen
- TradingView-Integration — IB-Konto direkt mit TradingView verknüpfbar, Orders direkt aus dem Chart
- Zinsen auf nicht investiertes Kapital — bis zu 4,83 % (USD), 3,49 % (EUR)
- API-Schnittstelle — eigene automatisierte Handelssysteme in Python, Java oder C# umsetzbar
- Höchste Finanzkraft der Branche — S&P 500-Mitglied, Einlagensicherung weit über dem Standard
Nachteile
- Steuer-Selbstveranlagung — als ausländischer Broker keine automatische Abführung der Abgeltungsteuer
- Keine Sparpläne — wer ETF-Sparpläne will, ist hier falsch
- Steile Lernkurve — die TWS ist mächtig, aber Einsteiger brauchen Zeit, um sich zurechtzufinden
- Support auf Deutsch eingeschränkt — funktioniert, aber nicht immer und nicht immer schnell
- Keine Einzahlung per Kreditkarte — nur Banküberweisung möglich
Ist Interactive Brokers seriös? Regulierung und Sicherheit
Interactive Brokers Ireland Limited (IBIE) ist die europäische Tochtergesellschaft von Interactive Brokers mit Sitz in Dublin, reguliert durch die Central Bank of Ireland, die für alle EU-Kunden einschließlich deutscher Anleger zuständig ist.
Diese Frage bekomme ich erstaunlich oft gestellt — vermutlich, weil IB eben kein deutscher Broker ist und die Oberfläche auf den ersten Blick nicht gerade Vertrauen ausstrahlt. Aber die Fakten sprechen eine klare Sprache: Das Unternehmen ist seit 48 Jahren am Markt, wird von mehreren renommierten Aufsichtsbehörden reguliert, ist an der Nasdaq börsennotiert und seit August 2025 Mitglied im S&P 500.
Regulierung
IB wird gleich in mehreren Ländern überwacht: In den USA durch die SEC, FINRA und CFTC. Für EU-Kunden ist die Central Bank of Ireland zuständig (Referenznummer C423427). In Ungarn gibt es eine weitere Niederlassung unter Aufsicht der Magyar Nemzeti Bank (Referenznummer H-EN-III-623/2020). Und für Nicht-EU-Europäer ist die FCA im Vereinigten Königreich zuständig (Referenznummer 208159).
Wichtig für deutsche Kunden: Die Interactive Brokers Ireland Limited ist auch bei der BaFin eingetragen — ein Punkt, der oft übersehen wird.
Einlagensicherung
Alle Kundenkonten werden bei IB als segregierte Konten geführt — also streng getrennt vom Firmenvermögen. Das ist Standard bei seriösen Brokern, aber IB geht deutlich weiter als die meisten Wettbewerber.
Die Kundengelder bei der Interactive Brokers LLC in den USA sind über die SIPC bis maximal 500.000 US-Dollar geschützt, davon bis zu 250.000 US-Dollar auf Bareinlagen. Zusätzlich besteht eine Police über Lloyd’s of London mit einem Schutz von 30 Millionen US-Dollar pro Kunde, bei einem Gesamtmaximum von 150 Millionen US-Dollar pro Schadensfall.
Für EU-Kunden kommt noch das Irish Investor Compensation Scheme (ICS) hinzu, das im Insolvenzfall bis zu 20.000 Euro pro Anleger erstattet. Die ungarische Niederlassung IBCE ist Mitglied im Hungarian Investor Protection Fund (IPF) mit einer Absicherung bis 100.000 Euro.
Welche Bank steckt hinter Interactive Brokers?
Diese Frage taucht regelmäßig in den Google-Suchergebnissen auf. Die Antwort: Keine Bank steht hinter IB. Interactive Brokers ist ein eigenständiger, börsennotierter Broker. Die Wertpapierverwahrung erfolgt über Depotbanken wie die Bank of New York, Fifth Third Bank und Huntington Bank.
Aus meiner Sicht kannst du bei Interactive Brokers davon ausgehen, dass dein Geld so sicher ist, wie es bei einem Broker eben sein kann. Eine 100-prozentige Garantie gibt es nirgends — aber 20,5 Milliarden US-Dollar Eigenkapital und eine S&P 500-Mitgliedschaft sind schon ein ziemlich starkes Signal.
Interactive Brokers Erfahrungen und Bewertungen
Meine eigenen Erfahrungen
Ich bin seit 1996 Kunde bei Interactive Brokers — angefangen noch über die US-Niederlassung, heute über die Interactive Brokers Ireland Limited (IBIE). In dieser Zeit habe ich so ziemlich jede Version der Plattform mitgemacht, vom frühen TWS-Interface bis zur heutigen Mosaic-Oberfläche.
Das Client Portal macht einen aufgeräumten Eindruck: Kontoübersicht, Quick-Trade-Funktion, Berichte — alles an einem Ort. Für den schnellen Überblick reicht das völlig aus.
Richtig beeindruckt hat mich aber die Trader Workstation (TWS). Ich muss ehrlich sagen: So eine umfangreiche Handelsplattform habe ich in über 40 Jahren Trading selten gesehen. Die Menge an Funktionen ist fast schon erschlagend — und genau das ist gleichzeitig Stärke und Schwäche.
Die Trader Workstation (TWS) ist die Desktop-Handelsplattform von Interactive Brokers, die Zugang zu über 100 Ordertypen, Echtzeit-Marktdaten und fortgeschrittenen Analysetools für Aktien, Optionen, Futures und Devisen bietet.
Was mir besonders gefällt: Die Mosaic-Variante der TWS ist deutlich übersichtlicher als die klassische Ansicht. Hier hast du schnellen Zugriff auf Charts, Watchlisten, Portfolio-Tools und Ordertypen — und alles lässt sich individuell anordnen. Die Orderausführung ist schnell und zuverlässig, auch in volatilen Marktphasen. Und das Risikomanagement mit dem IB Risk Navigator gehört zum Besten, was ich in diesem Bereich kenne.
Was mich stört: Der deutschsprachige Support ist zwar vorhanden, aber nicht immer erreichbar. Wer ein dringendes Problem hat, landet oft in einer englischsprachigen Warteschleife. Das mag für international orientierte Trader kein Problem sein — für jemanden, der primär auf Deutsch kommunizieren möchte, kann das frustrierend sein.
Bewertungen auf Trustpilot
Auf Trustpilot hat Interactive Brokers aktuell 5.216 Bewertungen bei einer Gesamtnote von 3,4 Sternen. Das ist solide, aber kein Überflieger. Die positiven Stimmen loben vor allem die niedrigen Gebühren und die Zuverlässigkeit der Orderausführungen. Die negativen Bewertungen drehen sich fast immer um den Support und die Komplexität der Plattform. Ein Muster, das ich aus eigener Erfahrung bestätigen kann.
Bewertungen auf Finanzfluss
Bei Finanzfluss gibt es mittlerweile 27 Bewertungen mit einer Durchschnittsnote von 3,4 von 5 Sternen. Auch hier: Die Gebühren kommen gut an, die Bedienbarkeit weniger.
Welche Märkte und Produkte sind handelbar?
Bei Interactive Brokers hast du Zugang zu über 170 Märkten — und zwar alles über ein einziges Konto. Das ist einer der größten Vorteile gegenüber den meisten deutschen Brokern, die oft nur eine Handvoll Handelsplätze anbieten.
Im Bereich Aktien und ETFs kannst du an über 90 Börsenplätzen handeln — darunter deutsche Marktplätze wie XETRA, Frankfurt Stock Exchange und gettex. IB bietet den Handel mit Aktienbruchteilen an, und du kannst durch den Verleih deiner Aktien an IBKR ein zusätzliches Einkommen erzielen. Auf den Handel mit westeuropäischen Aktien fällt kein zusätzlicher Spread an.
Optionen lassen sich über mehr als 30 Märkte weltweit handeln. Hier sticht IB besonders hervor: Tools wie der OptionTrader, der Strategy Builder und das Probability Lab machen die Plattform für Optionshändler fast konkurrenzlos.
Für den Futures-Handel stehen ebenfalls über 30 Marktzentren zur Verfügung. Handelbar sind unter anderem Agrarprodukte, Energie, Aktienindizes, festverzinsliche Wertpapiere, Metalle und Volatilitätsindizes. Wer wie ich regelmäßig den DAX-Future oder den E-mini S&P 500 handelt, findet hier konkurrenzlos günstige Konditionen.
Beim Forex-Handel bietet IB über 100 Währungspaare mit Echtzeit-Kursen von 17 führenden FX-Händlern weltweit — und Spreads ab 1/10 Pip. Wer CFDs bevorzugt, handelt bei IB auf Aktien, Indizes, Metalle und Devisen mit direktem Zugang zu Interbank-Kursen.
Dazu kommen Krypto-ETPs an über 50 Märkten, über 1 Million Anleihen und mehr als 46.000 Investmentfonds aus über 520 Fondsfamilien — davon über 19.000 ohne Transaktionsgebühren.
Aus meiner eigenen Erfahrung nach 30 Jahren als IB-Kunde kann ich sagen: Egal ob Forex, Futures, Optionen oder Aktien — die Ausführungsqualität ist durchweg auf hohem Niveau, und ich hatte in all den Jahren nie ein ernsthaftes Problem mit der Orderabwicklung.
Kosten und Gebühren bei Interactive Brokers
Hier wird es für viele Trader erst richtig interessant: Bei börsengehandelten Produkten schlägt IB keinen eigenen Spread auf die Marktpreise drauf — du handelst direkt zu den Börsenkursen. Auch bei Forex und CFDs gibt es keinen zusätzlichen Markup, sondern direkten Zugang zu Interbank-Kursen. Statt versteckter Kosten arbeitet IB mit transparenten Provisionen.
Grundsätzlich gibt es zwei Modelle für börsengehandelte Produkte: Bei der Festpreis-Variante zahlst du eine günstige Pauschale pro Produkt. Beim gestaffelten Modell sinkt die prozentuale Gebühr mit steigendem Handelsvolumen — interessant für Vieltrader.
Die Festpreise an US-Marktplätzen: Aktien kosten 0,005 US-Dollar pro Aktie, Optionen 0,65 US-Dollar pro Kontrakt, Futures 0,85 US-Dollar pro Kontrakt und Anleihen 0,1 % des Handelswertes.
An deutschen Marktplätzen sieht es so aus: Aktien kosten 0,05 % des Transaktionsvolumens mit IB Smart Routing (Mindestgebühr 3 Euro). Optionen liegen bei 1,50 Euro pro Kontrakt für Indexoptionen (DAX: 1,70 Euro), Aktienoptionen bei 1,10 Euro. Futures kosten 2 Euro pro Kontrakt, der Mini-DAX 0,80 Euro und der Micro-DAX 0,40 Euro.
Beim Forex-Handel sind die Provisionen volumengestaffelt — je mehr du handelst, desto günstiger wird es pro Trade. Aktien-CFDs auf europäische Werte kosten 0,05 % pro Ausführung (Mindestgebühr 3 Euro), US-Aktien-CFDs 0,005 US-Dollar pro Aktie.
Um es auf den Punkt zu bringen: In meiner gesamten Trading-Karriere habe ich keinen günstigeren Broker gefunden. Wer viel und über verschiedene Assetklassen handelt, spart bei IB im Vergleich zu deutschen Brokern schnell mehrere Hundert Euro pro Monat.
Hebel und Marginanforderungen
Die Marginanforderungen bei IB richten sich nach den ESMA-Vorgaben und internen Risikoberechnungen. Für Privatkunden gelten unter anderem: Aktien-CFDs 20 % Margin (Hebel 1:5), große Indizes wie DAX oder S&P 500 mit 5 % Margin (Hebel 1:20), große Devisenpaare mit 3,33 % Margin (Hebel 1:30).
Bei Futures hängt die Margin vom Kontrakt ab. Die Werte werden täglich an die aktuelle Volatilität angepasst — an unruhigen Tagen können sie also auch mal höher ausfallen. Es gibt keine Nachschusspflicht für Privatanleger: Offene Positionen werden automatisch liquidiert, wenn das Konto unter 50 % der ursprünglichen Margin fällt.
Welche Handelsplattformen bietet Interactive Brokers?
IB stellt mehrere Plattformen bereit — und die Wahl hängt davon ab, wie erfahren du bist und wie du handeln willst.
Die Trader Workstation (TWS) ist die Primärplattform für erfahrene Trader. Sie bietet alles: Echtzeit-Marktdaten, über 100 Ordertypen, algorithmische Strategien, Risikobewertungstools und ein Paper-Konto zum Üben. Du kannst zwischen der Mosaic-Variante (meine Empfehlung — intuitiver, anpassbar) und der klassischen Version (mehr Tools, Schnellklick-Funktionen) wählen.
Das Client Portal ist ein Web-Dashboard für die schnelle Kontoübersicht. Hier siehst du Performance, platzierst einfache Trades und verwaltest dein Konto. Für den täglichen Trading-Betrieb reicht es nicht — aber als Ergänzung zur TWS ist es praktisch.
Bei den Apps gibt es zwei Varianten: IBKR Mobile richtet sich an fortgeschrittene Trader mit Zugriff auf alle Handelsinstrumente und Streaming-Kurse in Echtzeit. Der IBKR GlobalTrader ist die vereinfachte Version für Einsteiger, die unkompliziert Aktien und Optionen von unterwegs handeln möchten.
TradingView-Integration
Seit 2022 lässt sich das IB-Konto direkt mit TradingView verknüpfen — du kannst also direkt aus dem TradingView-Chart heraus über Interactive Brokers handeln. Die Verknüpfung erfolgt über das Trading Panel in TradingView in drei Schritten. Für mich persönlich eine der besten Neuerungen der letzten Jahre, weil ich TradingView ohnehin als Analysetool nutze.
Wichtige Trading-Tools in der TWS
Die TWS bietet dutzende spezialisierte Tools. Die wichtigsten im Schnelldurchlauf:
- ChartTrader: Direkt im Echtzeit-Chart handeln, mit über 120 technischen Indikatoren
- BookTrader: Für besonders schnelle Orderübermittlung direkt im Orderbuch
- BasketTrader: Eigene Wertpapierkörbe erstellen und gleichzeitig handeln
- FXTrader: Ein-Klick-Handel für aktive Devisenhändler mit über 20 Ordertypen
- OptionTrader: Optionskontrakte darstellen und analysieren, mit Risiko- und Portfoliomodulen
- Fundamentals Explorer: Unternehmensprofile, Analysten-Ratings, Bilanzdaten, ESG-Ratings
- Strategy Builder: Komplexe Optionsstrategien mit wenigen Klicks bauen
Bracket Orders
Ein Feature, das ich selbst ständig nutze: Bracket Orders. Damit platzierst du gleichzeitig mit deiner Einstiegs-Order einen Take Profit und einen Stop Loss. Das klingt simpel, spart aber im Alltag enorm viel Zeit und schützt vor emotionalen Entscheidungen. In diesem kurzen Video zeige ich den Vorgang in der TWS:
Der gleiche Vorgang funktioniert so auch bei Lynx-Broker, CapTrader und Agora Direct.
API-Schnittstelle
Wer eigene Trading-Anwendungen entwickeln will, kann das über die IB-API tun. Unterstützt werden Java, Python, C++, .NET (C#) und ActiveX. Damit lassen sich automatisierte, regelbasierte Handelsstrategien umsetzen — ein Feature, das IB klar von den meisten Retail-Brokern unterscheidet.
Weiterbildungsangebot: Der IBKR Campus
Was viele nicht wissen: IB hat einen bemerkenswert umfangreichen Ausbildungsbereich. Im IBKR Campus findest du 36 kostenlose Kurse zu technischer und fundamentaler Analyse, regelmäßige Webinare (live und aufgezeichnet), kurze Video-Tutorials zur TWS und ein ausführliches Traders’ Glossar.
Für Einsteiger gibt es zusätzlich die IBKR InvestMentor App — eine Mikro-Lern-App mit interaktiven Lektionen. Das Angebot ist deutlich umfangreicher als das, was die meisten anderen Broker bieten — und komplett kostenlos.
Wie erfolgt die Kontoeröffnung bei Interactive Brokers?
Die Kontoeröffnung läuft komplett online und war bei mir nach wenigen Tagen erledigt. Du brauchst einen Identitätsnachweis, einen Adressnachweis, deine Steueridentifikationsnummer und Angaben zu Vermögen, Einkommen und Handelserfahrung — letzteres wegen der MiFID-Risikoeinstufung.
Es gibt keine Mindesteinzahlung. Die Depotführung ist kostenlos, und auch die frühere Inaktivitätsgebühr von 10 US-Dollar ist seit dem 01.07.2021 komplett weggefallen. Das war lange ein Kritikpunkt — gut, dass IB hier nachgebessert hat.
Nach den MiFID-Bestimmungen kannst du dich als professioneller Kunde einstufen lassen, wenn du mindestens zwei von drei Bedingungen erfüllst: mindestens 10 Transaktionen erheblichen Umfangs pro Quartal im letzten Jahr, Bankguthaben und Finanzinstrumente über 500.000 Euro, oder mindestens ein Jahr Berufserfahrung am Kapitalmarkt.
IB bietet außerdem ein kostenloses Paper-Trading-Konto mit 1.000.000 US-Dollar virtuellem Kapital — unbegrenzt und ohne Zeitlimit. Die Anmeldung erfolgt direkt über die Website von Interactive Brokers.
Interactive Brokers Steuern in Deutschland
Da Interactive Brokers kein deutscher Broker ist, wird die Abgeltungsteuer nicht automatisch ans Finanzamt abgeführt. Das ist für viele der größte Haken — und gleichzeitig ein Vorteil, wenn man es richtig betrachtet.
In Deutschland unterliegen Kapitalerträge der Abgeltungsteuer von 25 % plus 5,5 % Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer. Der Freibetrag liegt aktuell bei 1.000 Euro pro Person und Jahr.
Den informativen Steuerbericht findest du im Client Portal unter „Performance & Berichte” > „Steuerdokumente”. Der Bericht enthält alle relevanten Angaben inklusive Zeilenhinweisen für die Steuererklärung. Allerdings ist das kein offizielles Dokument — die Angaben solltest du also selbst nochmal prüfen.
Der Vorteil der Selbstveranlagung: Die Steuer wird erst am Jahresende fällig, nicht bei jedem einzelnen Trade. Das bedeutet, dass du das ganze Jahr über mit dem vollen Betrag arbeiten kannst — ein Steuerstundungseffekt, den deutsche Broker nicht bieten. Ein Freistellungsauftrag ist bei IB weder nötig noch möglich.
Für wen eignet sich Interactive Brokers?
Nach Jahren der Nutzung ist mein Urteil hier ziemlich eindeutig.
IB ist hervorragend geeignet für aktive Trader, die regelmäßig Aktien, Optionen, Futures oder Forex handeln und dabei auf niedrigste Gebühren achten. Ebenso für international orientierte Trader, die Zugang zu Märkten weltweit brauchen, und für professionelle Kunden wie Fondsmanager und Vermögensverwalter. Optionshändler finden hier dank OptionTrader, Strategy Builder und Probability Lab Tools, die sonst kaum ein Broker bietet.
IB ist weniger geeignet für absolute Anfänger, die eine simple App ohne Einarbeitungszeit suchen. Auch Sparplan-Anleger kommen nicht auf ihre Kosten — IB bietet schlicht keine automatisierten Sparpläne an. Und wer steuerliche Einfachheit oder durchgehend deutschsprachigen Support erwartet, wird an manchen Stellen frustriert sein.
Fazit: Interactive Brokers ist der beste Broker für aktive Trader
Ich will es nicht schönreden: Interactive Brokers ist nicht perfekt. Die Plattform ist komplex, der Support könnte besser sein, und die Steuerthematik schreckt viele Deutsche ab.
Aber unter dem Strich kenne ich nach über 40 Jahren Trading keinen Broker, der ein besseres Gesamtpaket bietet. Die Gebühren sind in jeder Assetklasse kaum zu unterbieten. Die Finanzkraft mit 20,5 Milliarden US-Dollar Eigenkapital ist beeindruckend. Die Handelsplattform ist extrem stabil — auch wenn sie eine Einarbeitung erfordert. Und der Zugang zu über 170 Märkten weltweit ist in dieser Breite einzigartig.
Die Nachteile — fehlende Sparpläne, die Steuer-Selbstveranlagung, die Lernkurve bei der TWS — wiegen für mich als aktiver Trader deutlich weniger als die Vorteile. Für Buy-and-Hold-Anleger, die einfach nur einen ETF-Sparplan wollen, gibt es bessere Alternativen. Aus meiner Erfahrung als Trader seit 1978 — und als IB-Kunde seit 1996 — kann ich sagen: Für Trader, die es ernst meinen, führt an Interactive Brokers kaum ein Weg vorbei.
Häufige Fragen zu Interactive Brokers
Ist Interactive Brokers seriös?
Ja. IB ist seit 48 Jahren am Markt, wird von SEC, FINRA, der Central Bank of Ireland und weiteren Behörden reguliert, ist an der Nasdaq notiert und seit August 2025 im S&P 500. Das Eigenkapital liegt bei 20,5 Milliarden US-Dollar.
Kann man Interactive Brokers in Deutschland nutzen?
Ja. Deutsche Kunden handeln über die Interactive Brokers Ireland Limited (IBIE), reguliert durch die Central Bank of Ireland und bei der BaFin eingetragen. Die Website ist auf Deutsch verfügbar.
Welche Bank steckt hinter Interactive Brokers?
Keine. IB ist ein eigenständiger, börsennotierter Broker. Die Wertpapierverwahrung läuft über Depotbanken wie die Bank of New York, Fifth Third Bank und Huntington Bank.
Wie hoch sind die Gebühren bei Interactive Brokers?
Zu den niedrigsten am Markt. US-Aktien kosten 0,005 USD pro Aktie, europäische Aktien 0,05 % (Mindestgebühr 3 Euro). Keine Depotführungsgebühren, keine Plattformgebühren, keine Mindesteinlage.
Ist Interactive Brokers kostenlos?
Kontoeröffnung und Depotführung sind kostenlos. Für den Handel fallen Provisionen an, die nach Assetklasse und Volumen variieren. Auf nicht investiertes Kapital zahlt IB Zinsen — bis zu 4,83 % (USD) bzw. 3,49 % (EUR).
Gibt es bei Interactive Brokers Sparpläne?
Nein. IB bietet keine automatisierten Aktien- oder ETF-Sparpläne an. Der Broker ist auf aktives Trading und professionelle Geldanlage ausgerichtet.
Muss ich bei Interactive Brokers die Steuern selbst abführen?
Ja. Als ausländischer Broker führt IB die deutsche Abgeltungsteuer nicht automatisch ab. Du gibst deine Kapitalerträge in der jährlichen Steuererklärung an. Im Client Portal steht ein informativer Steuerbericht zum Download bereit.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist aktiver Trader seit 1978 und handelt an den Forex-, Aktienindex-, Rohstoff- und Zinsmärkten. Er übersetzte Robert Prechters Elliott-Wellen-Standardwerk ins Deutsche und war über 17 Jahre lang als Repräsentant von Joe Ross in Deutschland tätig, in dessen Rahmen er alle zehn Trading-Bücher von Ross übersetzte und veröffentlichte.
Als Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH verantwortet Karsten die strategische Ausrichtung und redaktionelle Qualität aller Inhalte auf kagels-trading.de.
Karsten nutzt Interactive Brokers seit 1996 als seine primäre Handelsplattform und bewertet den Broker in diesem Artikel aus der Perspektive eines langjährigen Kunden, der die Plattform für den Handel mit Indizes, Devisen und Futures einsetzt — mit besonderem Fokus auf Orderausführung, Gebührenstruktur und Plattformstabilität.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer gegengelesen und auf fachliche Richtigkeit geprüft.



