Ein Trading-Journal ist die einzige Auswertung, die deine eigenen Entscheidungen misst und nicht den Markt. Wer seine Trades sauber dokumentiert, sieht nach ein paar hundert Einträgen Muster, die im Tagesgeschäft unsichtbar bleiben. Tradervue gehört zu den ältesten Anbietern dieser Gattung und wird seit 2011 entwickelt.
Für diesen Test haben wir jede Angabe an der Quelle geprüft, statt die Werbetexte des Anbieters zu übernehmen. Dabei sind mehrere Punkte aufgefallen, die für Trader aus dem deutschsprachigen Raum entscheidend sind und in keinem anderen deutschen Testbericht stehen. Es geht um den Import, um die unterstützten Märkte und um die Kündigung. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Tradervue: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Preise: Silver kostet $29,95 im Monat, Gold $49,95. Ein kostenloser Plan existiert weiterhin, steht aber nicht mehr in der Preistabelle.
- Automatischer Import nur bei 5 von 82 Anbietern: CMEG, DAS Trader Pro, NinjaTrader, PropReports und SpeedTrader. Bei allen anderen lädst du eine Datei hoch.
- Aktien nur an US-Börsen: Deutsche Aktien über Xetra werden nicht ausgewertet. Futures an der Eurex sind dagegen vollständig abgedeckt, inklusive DAX und Bund.
- Kein deutscher Broker in der Liste: Trade Republic, Scalable Capital, comdirect, flatex und DEGIRO fehlen. Wer dort handelt, baut seine Importdatei selbst.
- Schwache Bewertungslage: Auf Trustpilot stehen 2,4 von 5 Sternen aus 10 Bewertungen, 90 Prozent davon mit einem Stern. Fast alle drehen sich um Kündigung und Abbuchung.
- Für wen es passt: Für Daytrader an US-Märkten und für Futures-Trader. Für Aktienanleger mit deutschem Depot ist es die falsche Software.
Was ist Tradervue?
Tradervue ist ein webbasiertes Trading-Journal, das abgeschlossene Trades einliest, sie auf Kurscharts einzeichnet und daraus Auswertungen zur eigenen Handelsleistung erstellt.
Die Software läuft ausschließlich im Browser, es gibt kein Programm zum Installieren und keine mobile App. Wer im App Store oder bei Google Play sucht, findet keinen Eintrag des Anbieters. Angebote, die Tradervue als „Desktop-App“ bewerben, stammen von Dritten und verpacken lediglich die Webseite in ein eigenes Fenster.
Gegründet wurde Tradervue 2011 vom Daytrader Greg Reinacker, der die Software zunächst für sich selbst baute. Seit dem 30. März 2021 gehört sie nicht mehr ihm: An diesem Tag gab die kanadische Beteiligungsgesellschaft SureSwift Capital die Übernahme bekannt und sprach damals von mehr als 100.000 Nutzern. Inzwischen nennt der Eigentümer über 200.000 Trader. Diese Angaben stammen vom Unternehmen selbst und lassen sich von außen nicht überprüfen.
Der Eigentümerwechsel erklärt einiges am heutigen Zustand. SureSwift kauft bestehende Software-Firmen auf und führt sie weiter, statt sie neu zu erfinden. Der Blog von Tradervue trägt zwischen September 2024 und März 2026 ganze zwei Beiträge, und einen öffentlichen Änderungsverlauf zur Software gibt es nicht. Was sich zuletzt am Produkt geändert hat, lässt sich deshalb von außen kaum sagen.
Einen ernst zu nehmenden Referenzkunden gibt es aber. Die New Yorker Eigenhandelsfirma SMB Capital betreibt unter smbu.tradervue.com eine eigene Instanz für ihre Trader. Mitgründer Mike Bellafiore wird auf der Anmeldeseite mit dem Satz zitiert, SMB-Trader verließen sich beim Journaling und der Leistungsanalyse auf Tradervue. Das ist keine lose Empfehlung, sondern ein zahlender Firmenkunde.
Welche Funktionen bietet Tradervue?
Die Software gliedert sich in drei Bereiche, die aufeinander aufbauen: Erfassen, Auswerten und Teilen. Der eigentliche Wert liegt im zweiten Bereich. Das Erfassen beherrscht jede Tabellenkalkulation, die automatische Auswertung über hunderte Trades hinweg nicht.
Trades erfassen und beschriften
Jeder eingelesene Trade bekommt automatisch einen Kurschart, auf dem Einstieg und Ausstieg markiert sind. Die Charts stehen in mehreren Zeiteinheiten zur Verfügung, von der Wochenkerze bis zur Minute. Das ist der praktischste Teil der Software, weil du eine Fehlentscheidung Wochen später noch im Kursverlauf nachvollziehen kannst.
Über Tags ordnest du Trades nach eigenen Kriterien. Ein Tag ist ein selbst vergebenes Schlagwort, etwa der Name deines Setups oder eine Notiz zur Marktphase. Später kannst du auswerten, welches Schlagwort Geld verdient hat und welches nicht. Dazu kommt ein Tagebuch, in das du auch an handelsfreien Tagen schreiben kannst.
Auswertungen und Berichte
Der Anbieter nennt mehr als hundert Berichte, die sich in beiden Bezahlplänen finden. Ausgewertet wird nach Haltedauer, Tageszeit, Symbol, Volumen und Tags. Eine Kalenderansicht zeigt Gewinn und Verlust je Handelstag, was Häufungen an bestimmten Wochentagen sichtbar macht.
Zwei Kennzahlen heben Tradervue von einfachen Journalen ab. MFE und MAE messen, wie weit ein Trade zwischenzeitlich im Plus und wie weit er im Minus lag, bevor du ihn geschlossen hast. Daraus lässt sich ablesen, ob deine Stopps zu eng sitzen oder ob du regelmäßig zu früh aussteigst. Die Ausstiegsanalyse, die diese Frage systematisch beantwortet, ist allerdings dem Gold-Plan vorbehalten.
Was fehlt, ist alles rund ums Testen. Tradervue kennt weder einen Backtest noch einen Handelssimulator noch eine Wiedergabefunktion für vergangene Handelstage. Die Software wertet aus, was du bereits gehandelt hast, und hilft dir nicht beim Erproben neuer Ansätze. Genau an diesem Punkt greifen die Wettbewerber an.
Die Community-Funktion
Nutzer können einzelne Trades öffentlich teilen, wahlweise ohne Beträge und ohne Stückzahlen. Andere sehen dann den Chart, das Setup und die Notizen. Für den Firmenkunden ist das der eigentliche Zweck: Ein Ausbilder kann die Trades seiner Schützlinge einsehen und kommentieren.
Als offener Austausch trägt die Funktion dagegen wenig. Der Bereich ist ohne Konto nicht einsehbar, und ein Gespräch entsteht dort selten. Unser Screenshot vom März 2024 zeigt die Ansicht mit gut 20.000 Seiten geteilter Trades. Wer sich von der Software eine lebendige Trader-Gemeinschaft erhofft, wird enttäuscht.
Welche Broker und Märkte unterstützt Tradervue?
Das ist die Frage, an der die Software für deutschsprachige Trader steht und fällt, und sie wird in kaum einem Testbericht ehrlich beantwortet. Wir haben die Anbieterliste deshalb Zeile für Zeile ausgewertet.
Automatisch geht es nur bei fünf Anbietern
Die Liste des Anbieters führt 82 Broker und Handelsplattformen. Sie hat eine Spalte mit der Überschrift Automated, und dort steht ein Häkchen bei genau fünf Einträgen: CMEG, DAS Trader Pro, NinjaTrader, PropReports und SpeedTrader. Das sind sechs Prozent.
Bei den übrigen 77 lädst du eine Datei hoch. Der Ablauf ist immer derselbe: Du exportierst beim Broker eine Abrechnungsdatei, öffnest Tradervue und lädst sie dort hoch. Das dauert je Vorgang wenige Minuten, ist aber Handarbeit und muss regelmäßig wiederholt werden. Wer „Auto-Import“ liest und daran denkt, sein Depot einmal zu verbinden, versteht darunter etwas anderes.
Deutsche Aktien wertet Tradervue nicht aus
Auf seiner Hilfeseite zu den unterstützten Produkten schreibt der Anbieter einen Satz, der viel entscheidet: Unterstützt seien Aktien und Optionen, die an US-Märkten gehandelt werden. Papiere, die du über Xetra oder eine deutsche Regionalbörse kaufst, gehören nicht dazu.
Bei Futures sieht es umgekehrt aus. Die Liste der unterstützten Kontrakte enthält die Eurex vollständig, darunter FDAX und FDXM auf den DAX, FGBL auf den Bund, FESX auf den EURO STOXX 50, dazu MDAX, den Schweizer FSMI und den französischen FCE. Auch Euronext und ICE sind dabei. Alle aktiven Devisenpaare werden ebenfalls unterstützt.
Kein deutscher Broker in der Liste
Wir haben die gängigen Anbieter aus dem deutschsprachigen Raum einzeln gegen die Liste gehalten. Trade Republic, Scalable Capital, comdirect, Consorsbank, Smartbroker, justTRADE, flatex, DEGIRO, CapTrader und LYNX kommen darin kein einziges Mal vor. Vertreten sind aus europäischer Sicht Interactive Brokers, XTB, Plus500 und Oanda.
Ein Umweg bleibt trotzdem offen. Wer über MetaTrader 4 oder 5, cTrader oder NinjaTrader handelt, nutzt den Import dieser Plattform, unabhängig davon, welcher Broker dahintersteht. Für Forex- und CFD-Trader löst das die Frage meistens. Für ein Wertpapierdepot bei einer deutschen Bank löst es sie nicht.
Der Notausgang scheitert am deutschen Datum
Für nicht unterstützte Broker bietet Tradervue ein eigenes Dateiformat an. Du baust dabei eine Tabelle mit sechs Spalten: Datum, Uhrzeit, Symbol, Stückzahl, Preis und Richtung. Das klingt nach einer guten Lösung und hat einen Haken, den der Anbieter selbst benennt.
Erlaubt sind nur fünf Datumsformate, und alle beginnen mit Monat oder Jahr. Der Anbieter schreibt ausdrücklich, dass Formate mit dem Tag an erster Stelle nicht unterstützt werden. Genau so exportiert aber jeder deutsche Broker: 03.09.2026. Du musst die Datumsspalte deiner Datei also vor jedem Hochladen umbauen. Wer das ein paarmal im Monat macht, hat den Zeitvorteil eines Journals wieder verloren.
Auch die Uhrzeit ist festgelegt und muss im 24-Stunden-Format mit Sekunden vorliegen. Die Zeitzone wählst du dagegen beim Hochladen aus, das ist gelöst. Fehlt die Uhrzeit ganz, setzt Tradervue 12:00 Uhr ein, womit jede Auswertung nach Tageszeit wertlos wird.
Ein zweiter Punkt betrifft die Liste selbst. Sie führt weiterhin Anbieter, die es nicht mehr gibt, darunter Scottrade, TD Ameritrade, OptionsHouse, optionsXpress und SureTrader. Die Zahl 82 ist deshalb eher eine Obergrenze als ein Bestand.
Die folgende Grafik fasst den Befund zusammen. Jeder Punkt steht für einen der 82 Anbieter aus der Liste des Herstellers, die fünf grünen für die, bei denen der Import ohne dein Zutun läuft.
Was kostet Tradervue?
Der Anbieter zeigt heute zwei Pläne, abgerechnet wird monatlich in US-Dollar. Einen Rabatt für Jahreszahlung gibt es nicht. Alle Werte stammen von der Preisseite, Stand 3. September 2026.
| Plan | Umfang | Preis |
|---|---|---|
| Kostenlos | Nicht ausgewiesen | $0 |
| Silver | Unbegrenzt, 1 GB | $29,95 |
| Gold | Plus Ausstiegsanalyse | $49,95 |
Was der kostenlose Plan heute leistet
Der kostenlose Plan existiert, ist aber aus der Preistabelle verschwunden. Dort stehen nur noch Silver und Gold nebeneinander. Belegt ist er trotzdem an drei Stellen: In den Geschäftsbedingungen heißt er „kostenfreier Zugang mit eingeschränktem Funktionsumfang“, die Navigation wirbt mit „Sign Up For Free“, und beim Anmelden führt ein kleiner Link auf genau diesen Plan.
Welche Grenzen heute gelten, sagt der Anbieter nirgends öffentlich. Unser eigener Screenshot aus dem Jahr 2024 zeigt den Plan noch mit der Angabe bis zu 30 Trades im Monat. Ob diese Zahl weiterhin gilt, lässt sich ohne Konto nicht feststellen. Wer den kostenlosen Plan als dauerhafte Lösung plant, sollte das vor der Anmeldung beim Support erfragen.

Testphase und Lösungen für Firmen
Beide Bezahlpläne lassen sich sieben Tage testen. Beim Anmelden ist die Testversion des Gold-Plans voreingestellt. Wer nur den kostenlosen Zugang will, muss den Link „change“ anklicken, sonst startet die Testphase mit hinterlegter Zahlungsmethode.
Für Handelsfirmen gibt es ein eigenes Angebot mit Verwaltungsbereich, firmenweiten Auswertungen, Schnittstellen und einer eigenen Internetadresse nach dem Muster deinefirma.tradervue.com. Ein Preis wird dafür nicht mehr genannt, auch keine Mindestzahl an Nutzern. Interessenten müssen anfragen.
Kündigung, Abrechnung und Rechtslage
Dieser Abschnitt steht hier, weil sich fast alle Beschwerden über Tradervue um dieses eine Thema drehen. Wir haben deshalb die Geschäftsbedingungen des Anbieters gelesen und gegen die Schilderungen der Nutzer gehalten.
Abonnements verlängern sich laut Bedingungen automatisch, und zwar als Voreinstellung. Das ist bei Software üblich und für sich genommen unauffällig.
Ungewöhnlich ist, wie die Kündigung funktioniert. In den Bedingungen steht, dass das Beenden eines Abos den Zugang auf den kostenfreien Plan mit eingeschränktem Funktionsumfang umstellt, sobald die bezahlte Laufzeit abgelaufen ist. Es gibt also keinen Schalter mit der Aufschrift Kündigen, sondern du wechselst den Plan. Wer diesen Zusammenhang nicht kennt, sucht vergeblich und hält sein Abo für ungekündigt.
Dasselbe gilt für die Testphase. Die Bedingungen sagen, dass nach Ablauf der sieben Tage automatisch abgerechnet wird, sofern du den Plan nicht vorher auf den kostenfreien Zugang umstellst. Auch hier ist der Planwechsel die Handlung, die das Abbuchen verhindert.
Zur Rückerstattung schweigen die Bedingungen. Es gibt darin keine Klausel, die eine Erstattung regelt, weder für anteilige Zeiträume noch für versehentliche Verlängerungen. Wer zu spät wechselt, hat nach dem Wortlaut keinen vertraglichen Anspruch auf Geld zurück.
Für dich als europäischen Kunden kommt ein Punkt dazu. Der Anbieter sitzt im US-Bundesstaat Colorado und stellt seine Bedingungen unter dortiges Recht. Wer die Seite von anderswo aufruft, tut das laut Vertrag auf eigene Initiative und ist selbst für die Einhaltung örtlicher Vorschriften verantwortlich. Ein Widerrufsrecht nach europäischem Verbraucherrecht wird nirgends zugesichert. Ob es dir gesetzlich trotzdem zusteht, ist eine Rechtsfrage, die wir hier nicht beantworten. Praktisch heißt es: Du müsstest es gegenüber einem US-Unternehmen durchsetzen.
Vor- und Nachteile von Tradervue
Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was der Test ergeben hat. Sie bewertet die Software aus der Sicht eines Traders im deutschsprachigen Raum, nicht aus der eines US-Daytraders.
Erfahrungen und Bewertungen der Nutzer
Die öffentliche Bewertungslage ist schlecht, und sie ist zugleich dünn. Beides gehört zusammen genannt, sonst entsteht ein falsches Bild. Auf Trustpilot steht Tradervue bei 2,4 von 5 Sternen aus 10 Bewertungen, davon 90 Prozent mit einem Stern. Das Profil ist nicht vom Unternehmen beansprucht, und der Anbieter hat seine Kunden nie zur Bewertung eingeladen.
Zehn Stimmen bei nach Anbieterangabe über 200.000 Nutzern sind keine belastbare Statistik. Wer sich die Mühe einer Bewertung macht, ist meistens verärgert. Ein Schnitt von 2,4 sagt deshalb wenig über die durchschnittliche Zufriedenheit. Aussagekräftig ist etwas anderes: worüber die Leute schreiben.
Sechs von neun Beschwerden betreffen dasselbe
Wir haben alle zehn Bewertungen gelesen. Sechs der neun negativen Texte beschreiben denselben Vorgang: gekündigt oder heruntergestuft, trotzdem weiter abgebucht, keine Erstattung. Ein Nutzer schreibt im Februar 2026, er werde zwei Jahre nach der Kündigung noch belastet. Ein französischer Nutzer meldet im Juni 2025 eine Abbuchung von 100 Euro nach einem einzigen Anmeldevorgang.
Diese Häufung ist der Grund, warum wir die Bedingungen überhaupt gelesen haben. Mehrere Bewerter beschreiben wörtlich, dass es keinen Kündigen-Schalter gebe und man stattdessen den kostenlosen Plan wählen müsse. Genau so steht es im Vertrag. Der Mechanismus, den die Nutzer für einen Fehler halten, ist die vorgesehene Funktionsweise. Das entlastet den Anbieter juristisch und erklärt zugleich, warum so viele Kunden ihn missverstehen.
Zwei weitere Bewertungen betreffen den Support. Beide schildern, dass auf E-Mails nicht oder erst spät geantwortet wurde. Es gibt keine Telefonnummer und keinen Chat, der einzige Weg führt über ein Formular und die Adresse support@tradervue.com.
Die einzige positive Bewertung ist aufschlussreich. Ein Nutzer berichtet im Oktober 2025, er habe den Gold-Plan auf die Empfehlung von SMB Capital hin gekauft und 499 Trades aus zwei Jahren in weniger als zehn Minuten eingelesen. Er beschreibt damit genau den Anwendungsfall, für den die Software gebaut ist: ein US-Daytrader mit einem unterstützten Broker.
Der Vergleich mit den Wettbewerbern
Dieselbe Quelle führt auch die Konkurrenz, und dort sieht es deutlich anders aus. Die Zahlen stammen alle vom 3. September 2026 und beziehen sich auf dasselbe Portal, sind also untereinander vergleichbar.
| Anbieter | Bewertungen | Schnitt |
|---|---|---|
| TradeZella | 1.018 | 4,8 |
| Edgewonk | 44 | 4,7 |
| StonkJournal | 205 | 4,6 |
| TraderSync | 321 | 4,4 |
| TradesViz | 67 | 4,1 |
| Trademetria | 12 | 4,0 |
| Tradervue | 10 | 2,4 |
Tradervue steht in dieser Reihe an letzter Stelle, und zwar sowohl beim Schnitt als auch bei der Zahl der Stimmen. Der zweite Punkt ist der interessantere: Wettbewerber wie TradeZella und TraderSync sammeln aktiv Bewertungen ein, Tradervue tut das nicht. Ein Anbieter, der seine zufriedenen Kunden nie fragt, überlässt sein Profil denen, die sich beschweren wollen.
Die Bewertungen englischsprachiger Testportale fallen deutlich besser aus und liegen meist zwischen vier und viereinhalb Sternen. Diese Seiten arbeiten allerdings überwiegend mit Provisionen, ihre Noten sind deshalb keine Nutzerstimmen. Wir führen sie hier nur als Einordnung an und stützen unser Urteil nicht darauf.
Welche Alternativen gibt es zu Tradervue?
Der Markt für Trading-Journale ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Die folgenden vier Anbieter treten am direktesten gegen Tradervue an, jeder mit einem anderen Schwerpunkt.
- Edgewonk wird einmal jährlich bezahlt statt monatlich und kommt aus dem deutschsprachigen Raum. Der Schwerpunkt liegt auf der Auswertung der eigenen Disziplin und auf einem Simulator, mit dem sich Situationen erneut durchspielen lassen.
- TraderSync hat mit knapp 500 Einträgen die deutlich längere Anbieterliste und bindet einen KI-Assistenten ein. Beim automatischen Import steht es mit 75 von 497 Anbietern ebenfalls besser da als Tradervue.
- TradeZella setzt auf Berichte, Schnittstellen und eine Wiedergabefunktion für vergangene Handelstage. Es hat unter den Wettbewerbern die mit Abstand meisten öffentlichen Bewertungen.
- TradesViz tritt offensiv gegen Tradervue an und bezeichnet es auf seiner eigenen Vergleichsseite als älteres, berichtslastiges Journal. Der Anbieter wirbt mit Wiedergabe, Simulator und Werkzeugen für Optionen.
In einem Punkt ähneln sich alle genannten Anbieter. Auch sie sind auf den US-Markt ausgerichtet, und keiner löst das Problem des deutschen Depots vollständig. Wer nur wissen will, wie sein Konto insgesamt läuft, kommt oft schon mit einem reinen Kontotracker aus. Was Myfxbook dabei leistet, und wo die Zahlen anderer Nutzer täuschen können, haben wir separat aufgeschrieben.
Eine Grundsatzfrage lohnt sich vor jeder Kaufentscheidung. Ein Journal muss nicht zwingend Software sein. Welche Vorlagen, Tabellen und Werkzeuge es sonst noch gibt und worauf es beim Führen überhaupt ankommt, steht in unserem Überblick zum Trading-Journal.
Fazit: Für wen sich Tradervue lohnt
Tradervue ist eine gute Software für ein Publikum, zu dem die meisten unserer Leser nicht gehören. Die Auswertungen sind ausgereift, die automatischen Charts zu jedem Trade sind praktisch, und die MFE- und MAE-Kennzahlen beantworten eine Frage, an der viele Trader scheitern. Dass eine Firma wie SMB Capital ihre Leute damit arbeiten lässt, ist ein ernst zu nehmendes Signal.
Die Software ist aber auf den amerikanischen Markt gebaut, und das merkt man an jeder Ecke. Aktien werden nur an US-Börsen ausgewertet, kein deutscher Broker steht in der Anbieterliste, und der Ersatzweg über eine eigene Datei verlangt ausgerechnet das Datumsformat, das kein europäischer Broker liefert. Wer ein Depot bei einer deutschen Bank führt, kämpft dauerhaft gegen die Software an.
Für Futures- und Devisenhändler sieht die Rechnung anders aus. Die Eurex ist vollständig abgedeckt, alle Devisenpaare ebenfalls, und wer über NinjaTrader, MetaTrader oder cTrader handelt, hat einen funktionierenden Weg in die Software. In dieser Gruppe ist Tradervue eine ernsthafte Option.
Beim Abschließen gilt eine Regel. Kündigen bedeutet bei diesem Anbieter, den Plan auf die kostenlose Stufe zu wechseln, und die Testphase startet standardmäßig mit hinterlegter Zahlungsmethode. Wer das weiß, hat keine Probleme. Wer es nicht weiß, schreibt am Ende eine der Bewertungen, die das Profil des Anbieters heute prägen.
Wer neu mit dem Journal beginnt, sollte ohnehin klein anfangen. Der kostenlose Plan reicht, um herauszufinden, ob man das Dokumentieren durchhält. Diese Frage entscheidet über den Nutzen weit mehr als die Wahl zwischen zwei Anbietern.
Häufige Fragen zu Tradervue
Ist Tradervue kostenlos nutzbar?
Ja, ein kostenloser Plan existiert weiterhin. Er steht allerdings nicht mehr in der Preistabelle des Anbieters, sondern ist nur noch über die Schaltfläche „Sign Up For Free“ und über einen kleinen Wechsel-Link beim Anmelden erreichbar. Welche Grenzen heute gelten, weist der Anbieter öffentlich nicht mehr aus. Bis 2024 waren es bis zu 30 Trades im Monat.
Was kostet Tradervue im Monat?
Der Silver-Plan kostet $29,95 im Monat, der Gold-Plan $49,95. Einen Nachlass für Jahreszahlung gibt es nicht. Beide Pläne lassen sich sieben Tage testen, wobei eine Zahlungsmethode hinterlegt wird. Für Handelsfirmen gibt es ein eigenes Angebot, dessen Preis der Anbieter nicht mehr veröffentlicht. Stand: 3. September 2026.
Gibt es Tradervue auf Deutsch?
Nein. Die Oberfläche, die Hilfeseiten und der Support sind ausschließlich auf Englisch. Eine deutschsprachige Fassung ist nicht angekündigt. Die Fachbegriffe muss man also mitbringen oder nachschlagen.
Gibt es eine Tradervue App für iPhone oder Android?
Nein. Tradervue läuft ausschließlich im Browser, und im App Store wie bei Google Play gibt es keinen Eintrag des Anbieters. Angebote, die Tradervue als Desktop- oder Handy-App bewerben, stammen von Drittanbietern und zeigen lediglich die Webseite in einem eigenen Fenster.
Funktioniert Tradervue mit Trade Republic oder Scalable Capital?
Nicht direkt. Beide Broker stehen nicht in der Anbieterliste von Tradervue, und deutsche Aktien werden ohnehin nicht ausgewertet, weil die Software bei Aktien nur US-Märkte unterstützt. Theoretisch ließe sich eine eigene Importdatei bauen, sie müsste aber das amerikanische Datumsformat tragen.
Wie kündige ich mein Tradervue-Abo?
Indem du deinen Plan auf die kostenlose Stufe umstellst. Einen eigenen Kündigen-Schalter gibt es nicht. Laut den Geschäftsbedingungen läuft das bezahlte Abo bis zum Ende der bereits bezahlten Laufzeit weiter und verlängert sich danach nicht mehr. Wer diesen Weg nicht kennt, bleibt versehentlich im laufenden Abo.
Kann ich mit Tradervue Strategien backtesten?
Nein. Tradervue hat weder eine Backtesting-Funktion noch einen Handelssimulator noch eine Wiedergabe vergangener Handelstage. Die Software wertet ausschließlich aus, was du bereits gehandelt hast. Wer testen möchte, braucht dafür ein zweites Werkzeug.
Über den Autor: Bjarne Claussen
Bjarne Claussen ist seit 2018 im Trading aktiv und schreibt als Autor für Kagels Trading zu den Schwerpunkten Prop Trading, KI- und Algo-Trading, Kryptowährungen, Makroökonomie und Fundamentalanalyse.
Als Algo-Trader handelt er selbst primär Rohöl und den S&P 500. Seine Backtesting-Pipelines baut er in Python, wodurch er den Unterschied zwischen einer belastbaren Strategie und einer gut aussehenden Kurve aus eigener Arbeit kennt. Diese Perspektive prägt seine Bewertungen von Trading-Software.
Für diese Überarbeitung hat er jede Angabe gegen eine Primärquelle gehalten: die Preisseite, die Anbieterliste mit 82 Einträgen samt Automatik-Spalte, die Hilfeseite zu den unterstützten Märkten, das Format für eigene Importdateien und die Geschäftsbedingungen. Die Bewertungslage stammt aus dem Trustpilot-Profil, alle Werte vom 3. September 2026. Die Übernahme durch SureSwift Capital ist über deren eigene Mitteilung vom 30. März 2021 belegt.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.
















