The Motley Fool Erfahrungen: Lohnt sich Stock Advisor für deutsche Anleger?

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2026

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19 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026
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The Motley Fool gehört zu den bekanntesten Aktien-Empfehlungsdiensten der Welt. Millionen Anleger lesen die kostenlosen Artikel auf fool.com, zehntausende zahlen für den Stock Advisor und die anderen Premium-Dienste. Wer aus Deutschland danach sucht, stößt allerdings schnell auf ein Problem: Vieles, was in deutschen Testberichten steht, beschreibt einen Stand, den es so nicht mehr gibt. Wie gut Buy and Hold im Vergleich zu einem regelbasierten Ausstieg abschneidet, zeigt eine kalenderbasierte Gegenprobe über 21 Jahre DAX.

Der wichtigste Punkt vorweg: Die deutsche Seite fool.de existiert seit Anfang 2023 nicht mehr. The Motley Fool hat das Deutschland-Geschäft verkauft und sich aus dem deutschsprachigen Raum zurückgezogen. Wer heute ein Abo abschließt, landet bei einem rein englischsprachigen US-Dienst, der überwiegend US-Aktien abdeckt. Das ändert die Rechnung für deutsche Anleger deutlich.

Für diesen Bericht habe ich die aktuellen Preise und Leistungen direkt bei fool.com geprüft, die Trustpilot-Profile beider Marken ausgewertet und die Unternehmensmeldung zum Verkauf des Deutschland-Geschäfts nachgelesen. Ich bewerte den Dienst dabei von außen, als diskretionärer Price-Action-Trader: Buy and Hold über zehn Jahre ist nicht meine Handelsweise, und genau deshalb sage ich klar, für wen dieser Dienst passt und für wen nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

The Motley Fool: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was es ist: The Motley Fool ist ein US-Aktien-Empfehlungsdienst, 1993 von den Brüdern Tom und David Gardner gegründet. Kostenlose Artikel auf fool.com, kostenpflichtige Empfehlungen im Abo.
  • Deutschland-Aus: Die deutsche Seite fool.de wurde am 3. Januar 2023 verkauft und heißt heute Aktienwelt360. Der US-Konzern hat sich damit aus dem deutschsprachigen Raum zurückgezogen.
  • Was es kostet: Der Einstiegsdienst Stock Advisor kostet 199 Dollar pro Jahr, für Neumitglieder wirbt der Anbieter mit 99 Dollar im ersten Jahr. Darüber liegen Epic mit 499 Dollar und weitere Stufen bis 13.999 Dollar pro Jahr.
  • Was der Anbieter verspricht: Laut eigener Angabe legte Stock Advisor seit Auflage 907 % zu, der S&P 500 im selben Zeitraum 208 % (Stand 01.08.2026). Diese Zahl ist eine Anbieterangabe und nicht unabhängig geprüft.
  • Was die Bewertungen sagen: Auf Trustpilot steht fool.com bei 2,5 von 5 aus 9.236 Bewertungen, das alte deutsche Profil bei 1,3 von 5 aus 161 Bewertungen. Hauptkritik: aggressive Werbemails und Probleme bei der Kündigung.
  • Für wen es passt: Für langfristige Anleger mit gutem Englisch, die US-Einzelaktien kaufen und mindestens fünf Jahre halten wollen. Nicht geeignet für Trader, für Anleger ohne Englischkenntnisse und für alle, die deutsche Werte suchen.

Was ist The Motley Fool?

The Motley Fool ist ein US-amerikanischer Finanzmediendienst, der kostenlose Börsenartikel veröffentlicht und im Abonnement konkrete Aktienempfehlungen für langfristige Anleger verkauft.

Gegründet wurde das Unternehmen 1993 von den Brüdern Tom und David Gardner in Alexandria im US-Bundesstaat Virginia. Angefangen haben die beiden mit einem gedruckten Newsletter für Freunde und Familie. Heute ist fool.com eine der reichweitenstärksten Finanzseiten der USA. Tom Gardner führt das Unternehmen als CEO, David Gardner hat sich Mitte 2021 aus der aktiven Aktienauswahl zurückgezogen und ist weiter als Co-Chairman an Bord.

Der Name klingt für deutsche Ohren merkwürdig und ist bewusst als Provokation gewählt. Er stammt aus Shakespeares Stück „Wie es euch gefällt“ und spielt auf den Hofnarren an. Der Narr war bei Hofe oft der Einzige, der dem König ungestraft die Wahrheit sagen durfte. Genau diese Rolle beansprucht das Unternehmen für sich: gegen die gängige Meinung der Wall Street argumentieren, auch wenn es unbequem ist.

Wer die Seite zum ersten Mal öffnet, merkt schnell, dass hier zwei sehr verschiedene Angebote nebeneinander stehen. Da ist einmal der kostenlose Teil mit täglich zahlreichen Artikeln zu Einzelunternehmen, Quartalszahlen, Branchentrends und Grundlagenwissen. Und da ist der kostenpflichtige Teil, in dem die konkreten Kaufempfehlungen liegen. Der kostenlose Teil ist im Kern Marketing für den kostenpflichtigen Teil, was legitim ist, beim Lesen aber im Hinterkopf bleiben sollte.

Steckbrief The Motley Fool

AnbieterThe Motley Fool, LLC
SitzAlexandria, Virginia, USA
Gegründet1993 durch Tom und David Gardner
Spracheausschließlich Englisch
SchwerpunktUS-Einzelaktien, langfristig
Bekanntester DienstStock Advisor
Deutsche Seiteseit Januar 2023 eingestellt, heute Aktienwelt360
Kostenloses AngebotArtikel, Podcasts, Newsletter, YouTube
Geld-zurück-Frist30 Tage laut Anbieter
Trustpilot2,5 von 5 aus 9.236 Bewertungen (Stand 01.08.2026)

The Motley Fool Startseite mit kostenlosen Aktienartikeln, Stand August 2026
Die kostenlose Startseite von The Motley Fool. Der gesamte Auftritt ist englischsprachig.

Gibt es The Motley Fool noch auf Deutsch?

Das ist die Frage, die in den Suchanfragen mit Abstand am häufigsten auftaucht, und die Antwort überrascht die meisten. Eine deutschsprachige Motley-Fool-Seite gibt es nicht mehr. Die Domain fool.de war jahrelang die deutsche Ausgabe mit eigenen Autoren und eigenen Empfehlungsdiensten. Dieses Geschäft wurde verkauft.

Am 3. Januar 2023 übernahm die Aktienwelt360 Holding GmbH das deutsche Geschäft von The Motley Fool. Firma und Marke wurden zu Aktienwelt360 umbenannt, der US-Konzern zog sich damit aus dem deutschsprachigen Raum zurück.

Hinter dem Käufer stehen laut der Unternehmensmeldung Privatinvestoren und langjährige Autoren der übernommenen Gesellschaft. Die Redaktion blieb also weitgehend erhalten, die Anbindung an die USA fiel weg. Auf der eigenen Seite beschreibt sich Aktienwelt360 heute als unabhängig, mit Wurzeln in der Gründung von The Motley Fool im Jahr 1993. Die Details zur Übernahme stehen in der Unternehmensmeldung vom April 2023.

Für dich als deutschen Anleger hat das drei sehr konkrete Folgen. Erstens: Alles, was du bei The Motley Fool heute buchst, ist komplett auf Englisch, von den Analysen über die Mails bis zum Support. Zweitens: Die Empfehlungen betreffen fast ausschließlich US-Werte, oft auch kleinere Nebenwerte, die über deutsche Broker nicht immer handelbar sind. Drittens: Bei Fragen zu Abrechnung oder Kündigung landest du bei einem US-Support ohne deutsche Ansprechpartner.

Ältere Testberichte im Netz mischen beide Welten und beschreiben deutsche Produktnamen, die es seit Jahren nicht mehr gibt. Wenn du auf einen Bericht stößt, der von „Motley Fool Deutschland“ als aktivem Angebot spricht, ist er inhaltlich überholt, egal welches Datum darüber steht. Wer deutschsprachige Aktienempfehlungen sucht, findet in unserem Vergleich der Börsenbriefe die passenden Anbieter für den DACH-Raum.

Die Anlagephilosophie: Buy and Hold statt Trading

The Motley Fool richtet sich ausdrücklich an langfristige Anleger. Kurzfristiges Handeln auf Tagesbewegungen wird dort nicht nur nicht empfohlen, sondern aktiv abgelehnt. Wer Daytrading betreiben will, ist bei diesem Dienst grundsätzlich falsch. Die Grundüberzeugung lautet: Mit sorgfältig ausgewählten Einzelaktien lässt sich der Markt über lange Zeiträume schlagen.

Buy and Hold bezeichnet eine Anlagestrategie, bei der Aktien gekauft und über viele Jahre gehalten werden, ohne auf kurzfristige Kursschwankungen zu reagieren.

Die Empfehlungen des Anbieters ruhen auf vier einfachen Regeln, die in allen Diensten immer wieder auftauchen. Sie sind der eigentliche Kern der Methode:

  • Mindestens 25 Werte kaufen: Ein Depot soll aus mindestens 25 empfohlenen Unternehmen bestehen. Der Gedanke dahinter ist Streuung, weil einzelne Fehlgriffe sonst zu stark durchschlagen.
  • Mindestens fünf Jahre halten: Wer früher verkauft, realisiert nach dieser Logik nur die zwischenzeitlichen Buchverluste. Die Haltedauer ist das zentrale Element der ganzen Methode.
  • Regelmäßig nachlegen: Statt einmalig eine große Summe zu investieren, sollen Anleger monatlich frisches Geld in bestehende oder neue Positionen stecken.
  • Rücksetzer aussitzen: Kursrückgänge von 10 % kommen etwa jährlich vor, Einbrüche von 20 % alle paar Jahre. Der Anbieter rät, in solchen Phasen nicht zu verkaufen, sondern eher nachzukaufen.

Der Anbieter selbst gibt an, dass etwa 60 bis 70 % seiner Empfehlungen im Plus enden. Das klingt zunächst nach einer schwachen Quote, ist es bei diesem Ansatz aber nicht: Die Rechnung geht nur auf, wenn die wenigen sehr großen Gewinner die vielen kleinen Verlierer überkompensieren. Genannt werden dafür gern Amazon, Netflix oder Shopify. Das ist die ehrliche Kehrseite dieser Methode: Ohne die Ausreißer nach oben funktioniert sie nicht, und welcher Wert zum Ausreißer wird, weiß vorher niemand.

Aus meiner Sicht als Trader liegt hier der eigentliche Knackpunkt für Einsteiger. Die Methode verlangt, mehrere Jahre lang an Positionen festzuhalten, die zwischenzeitlich 50 % oder mehr im Minus stehen können. Das ist psychologisch deutlich schwerer, als es auf dem Papier aussieht. Genau daran scheitern viele Abonnenten, und genau davon handeln auch etliche der kritischen Bewertungen weiter unten. Ein sauber geführtes Depot und eine Watchlist helfen dabei mehr als jede zusätzliche Empfehlung.

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Stock Advisor, Epic und Co.: die Premium-Dienste 2026

Stock Advisor ist der Einstiegsdienst von The Motley Fool. Abonnenten erhalten regelmäßig neue Aktienempfehlungen, laufende Einschätzungen zu bestehenden Empfehlungen und Zugriff auf die Auswahllisten des Anbieters.

Der Dienst ist seit 2002 am Markt und damit das Aushängeschild des Unternehmens. Neben den laufenden Empfehlungen bekommst du zwei kuratierte Listen: die Foundational Stocks als Grundgerüst für ein neues Depot und die Timely Stocks als aktuelle Kaufideen. Dazu kommen ein Aktien-Screener, mit dem sich das Empfehlungsuniversum nach Kriterien filtern lässt, eine Watchlist mit Benachrichtigungen bei größeren Kursbewegungen und Zugang zur Community.

Die Produktpalette hat sich in den vergangenen Jahren spürbar verändert. Der früher eigenständige Dienst Rule Breakers, der wachstumsstärkere und schwankungsanfälligere Werte abdeckte, wird nicht mehr einzeln verkauft. Er ist heute Teil des Bündels Epic. Wer nur an einzelnen Empfehlungen interessiert ist, kann stattdessen Einzelreports kaufen. Ältere Testberichte, die Rule Breakers als separates Abo mit eigenem Preis führen, beschreiben einen überholten Stand.

Rule Breakers ist seit der Umstellung der Produktpalette kein eigenständiges Abo mehr. Der Dienst für wachstumsstarke Werte ist heute Teil des Bündels Epic.

Oberhalb von Epic staffelt der Anbieter weitere Stufen bis in den vierstelligen und fünfstelligen Bereich: Epic Plus ergänzt unter anderem Optionsstrategien und Modellportfolios, Fool Portfolios und Fool One richten sich an vermögende Anleger mit entsprechend hohen Jahresgebühren. Für die allermeisten Privatanleger ist das nicht die relevante Frage. Die relevante Frage ist, ob sich schon die unterste Stufe rechnet.

Die Zahl, mit der der Anbieter wirbt, ist die Wertentwicklung seit Auflage. Laut der Produktseite von Stock Advisor liegt sie bei 907 % gegenüber 208 % beim S&P 500 (Stand 01.08.2026). Diese Angabe stammt vom Anbieter und wird nicht von einer unabhängigen Stelle geprüft. Sie ist außerdem eine Durchschnittsrendite aller Empfehlungen seit 2002, nicht die Rendite eines real handelbaren Depots. Wer erst 2021 eingestiegen ist und die Empfehlungen aus den Boomjahren gekauft hat, hat eine völlig andere Erfahrung gemacht. Wie sich der Vergleichsindex selbst entwickelt, zeigt unsere laufende S&P-500-Prognose.

Was kostet The Motley Fool?

Die kostenlosen Inhalte auf fool.com sind vollständig ohne Anmeldung zugänglich. Geld kostet erst der Zugang zu den konkreten Empfehlungen. Alle folgenden Preise habe ich am 01.08.2026 direkt auf den Seiten des Anbieters geprüft, sie verstehen sich in US-Dollar pro Jahr.

Stock Advisor kostet regulär 199 Dollar pro Jahr. Für Neumitglieder bewirbt The Motley Fool das erste Jahr mit 99 Dollar, danach gilt der reguläre Preis.

DienstFür wen gedachtPreis pro Jahr
Stock AdvisorEinstieg, Standard-Empfehlungen199 Dollar (Neukunden 99 Dollar)
EpicBündel inkl. Rule Breakers499 Dollar
Epic Pluszusätzlich Optionen und Modellportfolios1.999 Dollar
Fool Portfoliosvermögende Anleger3.999 Dollar
Fool OnePremium-Betreuung13.999 Dollar

Beim Einstiegspreis lohnt ein genauer Blick auf das Kleingedruckte. Die beworbenen 99 Dollar gelten laut Anbieter als Aktion für Neumitglieder im ersten Jahr. Danach greift der reguläre Preis von 199 Dollar. Die Verlängerung läuft automatisch. Genau dieser Punkt taucht in den Bewertungen auffällig oft auf, und zwar negativ.

Der Anbieter räumt eine Geld-zurück-Frist von 30 Tagen ein. Wörtlich heißt es auf der Produktseite, man bekomme bei Kündigung innerhalb dieser Frist jeden Cent zurück. Zwei Einschränkungen solltest du kennen: Die Frist gilt ab Kaufdatum, nicht ab erster Empfehlung. Und wenn das Abo über einen Drittanbieter abgeschlossen wurde, gelten laut Support dessen abweichende Bedingungen.

Für deutsche Anleger kommt noch ein praktischer Kostenpunkt dazu, der in keiner Preisliste steht. Die Abrechnung erfolgt in US-Dollar, deine Bank berechnet dafür in der Regel eine Fremdwährungsgebühr. Und die empfohlenen Werte sind teilweise kleinere US-Nebenwerte, die über deutsche Broker nur mit größeren Spannen zwischen An- und Verkaufskurs oder gar nicht handelbar sind.

The Motley Fool Preise 2026 mit Stock Advisor, Epic und Epic Plus im Vergleich
Die Preisstaffel des Anbieters. Stock Advisor ist der Einstieg, darüber liegen mehrere teurere Stufen.

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Ist The Motley Fool seriös? Was die Bewertungen zeigen

Die Frage nach der Seriosität lässt sich in zwei Teile zerlegen. Der erste Teil ist schnell beantwortet: The Motley Fool ist ein real existierendes, seit 1993 tätiges Unternehmen mit Sitz in Virginia, das seine Dienste offen bewirbt und eine Geld-zurück-Frist einräumt. Es handelt sich nicht um ein anonymes Konstrukt und nicht um ein Schneeballsystem. Der zweite Teil ist heikler und betrifft die Geschäftspraktiken.

Auf Trustpilot steht das Profil von fool.com am 01.08.2026 bei 2,5 von 5 Punkten aus 9.236 Bewertungen. Die Verteilung ist stark gespalten: 34 % vergeben fünf Sterne, 16 % vergeben einen Stern. Es gibt also eine große zufriedene Gruppe und eine große enttäuschte Gruppe, und wenig dazwischen. Trustpilot vermerkt außerdem, dass das Unternehmen auf negative Bewertungen nicht antwortet. Die vollständige Übersicht findest du im Trustpilot-Profil von fool.com.

Deutlich schlechter sieht das alte deutsche Profil aus. Für www.fool.de stehen 1,3 von 5 Punkten aus 161 Bewertungen, davon 38 % mit nur einem Stern. Dabei ist eine Einordnung wichtig, die andere Testberichte weglassen: Dieses Profil bewertet ein Angebot, das es seit Anfang 2023 nicht mehr gibt. In den vergangenen zwölf Monaten kamen nur noch zwei Bewertungen dazu. Die Note ist ein Rückblick auf die frühere deutsche Ausgabe, kein Urteil über den heutigen US-Dienst. Nachlesen kannst du das im Trustpilot-Profil von fool.de.

Inhaltlich wiederholen sich in den kritischen Stimmen vier Muster. Sie betreffen weniger die Analysequalität als den Vertrieb:

  • Werbedruck: Kunden berichten von häufigen E-Mails mit Upgrade-Angeboten. Ein Bewerter schreibt: „Tägliche emails werden upgrades.“ Trustpilot listet Spam und Upgrade als häufige Themen der Bewertungen.
  • Kündigung und Abbuchung: Mehrere Bewerter beschreiben Probleme mit der automatischen Verlängerung. Ein Kunde schildert, er habe seine Kreditkarte sperren lassen, weil sich die Verlängerung nicht online stoppen ließ.
  • Selektive Erfolgsdarstellung: Ein Bewerter kritisiert, es würden „nur die offenbar guten Tipps 1000-mal wiedergegeben“, während weniger erfolgreiche Empfehlungen in Vergessenheit gerieten.
  • Verluste nach Empfehlungen: Eine Kundin berichtet, ihre Positionen lägen „bei mehr -50%“, einzelne Titel deutlich tiefer. Solche Erfahrungen häufen sich bei Bewertungen aus den Jahren nach 2021, als viele Wachstumswerte stark verloren.

Positive Stimmen gibt es ebenfalls, und sie sind zahlenmäßig nicht klein. Ein österreichischer Kunde lobt die laufenden Informationen als „professionell und hilfreich“. Das Muster dahinter ist gut erkennbar: Wer die Methode versteht, breit streut und wirklich Jahre durchhält, berichtet überwiegend positiv. Wer wenige Empfehlungen herausgreift und bei Verlusten verkauft, berichtet überwiegend negativ. Das ist weniger eine Aussage über den Anbieter als über die Passung zwischen Methode und Anleger.

Ein Punkt gehört zur ehrlichen Einordnung dazu: The Motley Fool verdient sein Geld mit Abonnements, nicht mit der Wertentwicklung deines Depots. Die Anreize sind damit klar verteilt. Das ist bei Börsenbriefen die Regel und kein Skandal, es erklärt aber den hohen Werbedruck. Wie man solche Dienste grundsätzlich einordnet, haben wir im Überblick zu Börsenbriefen beschrieben. Ein deutschsprachiges Beispiel für denselben Mechanismus liefert sharedeals.de, wo der teuerste Dienst 2.495 Euro im Jahr kostet.

Vorteile und Nachteile im Überblick

Nach der Prüfung von Angebot, Preisen und Bewertungen ergibt sich ein gemischtes, aber klar sortierbares Bild. Die Stärken liegen im kostenlosen Bereich und in der Konsequenz der Methode. Die Schwächen liegen im Vertrieb und in der fehlenden Passung für den deutschen Markt.

Das spricht für The Motley Fool:

  • Sehr großes kostenloses Angebot: Täglich neue Artikel zu Einzelwerten, Quartalszahlen und Branchen, dazu Grundlagenwissen und Podcasts. Für Anleger mit gutem Englisch ist das eine ergiebige Quelle, auch ohne Abo.
  • Klare, nachvollziehbare Methode: Streuen, lange halten, regelmäßig nachlegen. Die Regeln sind einfach und werden konsequent wiederholt, statt bei jeder Marktphase gewechselt zu werden.
  • Lange Historie: Der Dienst läuft seit 2002 und hat mehrere volle Marktzyklen durchlaufen. Das ist mehr, als die meisten Empfehlungsdienste vorweisen können.
  • Geld-zurück-Frist: 30 Tage Rückgaberecht laut Anbieter senken das Risiko beim ersten Test spürbar.
  • Brauchbare Werkzeuge im Abo: Screener, Watchlist mit Benachrichtigungen und die kuratierten Listen nehmen Arbeit ab, wenn man ohnehin US-Einzelaktien kauft.

Das spricht dagegen:

  • Kein deutschsprachiges Angebot mehr: Seit Anfang 2023 gibt es nichts auf Deutsch. Analysen, Mails und Support laufen ausschließlich auf Englisch.
  • Starker Werbedruck: Der häufigste Kritikpunkt in den Bewertungen sind Upgrade-Mails und aggressives Bewerben teurerer Stufen.
  • Kündigung als wiederkehrendes Problem: Mehrere Kunden schildern Schwierigkeiten mit der automatischen Verlängerung. Wer bucht, sollte sich den Verlängerungstermin notieren.
  • Werbezahlen sind Anbieterangaben: Die 907 % seit Auflage sind nicht unabhängig geprüft und beschreiben keinen real handelbaren Depotverlauf.
  • US-Fokus mit praktischen Hürden: Fremdwährungsgebühren, teilweise schwer handelbare Nebenwerte und keine Rücksicht auf deutsche Steuerthemen.
  • Für Trader ungeeignet: Wer kurzfristig handelt, findet hier weder Setups noch Ausstiege, sondern das genaue Gegenteil seiner Arbeitsweise.

Für wen sich The Motley Fool lohnt und welche Alternativen es gibt

Die ehrliche Antwort auf die Lohnt-sich-Frage hängt an drei Voraussetzungen. Sie müssen alle drei erfüllt sein. Fehlt eine davon, ist das Geld schlecht angelegt.

  • Englisch auf Lesekompetenz-Niveau: Die Analysen sind ausführlich und fachlich. Wer sie nur überfliegt, kauft Empfehlungen, ohne die Begründung zu verstehen. Das ist genau der Fehler, der zu den enttäuschten Bewertungen führt.
  • Wirklich langer Anlagehorizont: Mindestens fünf Jahre, eher zehn. Wer das Geld in zwei Jahren braucht, sollte diese Methode nicht wählen.
  • Bereitschaft zu breiter Streuung: Die Methode funktioniert nur über viele Positionen. Wer sich drei Empfehlungen herausgreift, trägt das volle Einzelwertrisiko ohne den Ausgleich, auf dem die ganze Rechnung beruht.

Für Trader ist der Dienst schlicht das falsche Werkzeug. Als diskretionärer Price-Action-Trader arbeite ich mit Marken, Einstiegen und Ausstiegen im Chart, nicht mit Zehnjahresprognosen zu Geschäftsmodellen. Beides kann nebeneinander bestehen, aber es sind zwei getrennte Welten. Wer sein Depot langfristig aufbaut und daneben kurzfristig handelt, sollte beides strikt trennen, auch auf zwei Konten.

Wenn eine der drei Voraussetzungen nicht passt, gibt es bessere Wege zum selben Ziel. Je nach Sprachhürde, Budget und gewünschtem Aufwand kommen vier Alternativen infrage:

  • Deutschsprachige Börsenbriefe: Wer Empfehlungen auf Deutsch und mit Bezug zum europäischen Markt sucht, wird bei etablierten Anbietern wie PLATOW Börse eher fündig.
  • Eigene Recherche statt Empfehlung: Mit einem guten Aktienscreener filterst du selbst nach Kennzahlen, statt eine fertige Liste zu kaufen. Das kostet Zeit, macht aber unabhängig.
  • Research-Plattformen: Seeking Alpha deckt denselben US-Markt ab, setzt aber auf viele Autorenmeinungen statt auf eine Hausmeinung. Auf Trustpilot steht die Plattform mit 4,0 Punkten deutlich besser da.
  • Kostenlose Datenquellen: Für Kennzahlen, Termine und Nachrichten reichen oft frei zugängliche Börsenportale und die Investor-Relations-Seiten der Unternehmen selbst.
  • Der Klassiker als Gegenprobe: Wer wissen will, wie langfristiges Investieren ohne Abo funktioniert, findet bei Warren Buffett die ältere und billigere Antwort auf dieselbe Frage.
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Beiträge von The Motley Fool erscheinen auch auf großen Finanzportalen. Wie sich Inhalte und Datenqualität dort einordnen lassen, beschreibt unser Testbericht über das Finanzportal Investing.com.

Fazit: solide Quelle, schwieriger Vertrieb, kein Deutschland-Angebot

The Motley Fool ist kein unseriöser Anbieter, aber auch keine Abkürzung zur Rendite. Der kostenlose Teil auf fool.com gehört zum Besten, was es an frei zugänglichen Aktieninformationen gibt, wenn man Englisch liest. Die Methode dahinter ist ehrlich kommuniziert und in sich schlüssig: breit streuen, lange halten, Rücksetzer aussitzen. Wer das durchhält, kann damit gut fahren.

Die Schwächen liegen woanders. Der Werbedruck ist hoch, die automatische Verlängerung sorgt seit Jahren für Ärger, und die beworbene Wertentwicklung von 907 % ist eine Anbieterangabe, die kein reales Depot abbildet. Wer nur die große Zahl sieht und das Kleingedruckte überliest, wird enttäuscht. Genau dieses Muster steckt hinter einem Großteil der negativen Bewertungen.

Für deutsche Anleger kommt der entscheidende Punkt obendrauf: Seit Anfang 2023 gibt es kein deutschsprachiges Angebot mehr. Was bleibt, ist ein englischsprachiger US-Dienst mit US-Werten, US-Support und Abrechnung in Dollar. Das ist für einen Teil der Leser völlig in Ordnung und für einen anderen Teil ein Ausschlusskriterium. Ich würde es so zusammenfassen: Lies die kostenlosen Artikel, bevor du über ein Abo nachdenkst. Wenn du sie mühelos verstehst und ihre Argumentation überzeugend findest, ist der Test der 30-Tage-Frist die Sache wert. Wenn nicht, sparst du dir das Geld und suchst dir eine deutschsprachige Alternative.

Häufige Fragen zu The Motley Fool

Was ist The Motley Fool?

The Motley Fool ist ein US-amerikanischer Aktien-Empfehlungsdienst, den die Brüder Tom und David Gardner 1993 gegründet haben. Auf fool.com erscheinen täglich kostenlose Börsenartikel, die konkreten Kaufempfehlungen liegen hinter kostenpflichtigen Abos wie Stock Advisor.

Was kostet The Motley Fool im Jahr?

Der Einstiegsdienst Stock Advisor kostet regulär 199 Dollar pro Jahr, für Neumitglieder wirbt der Anbieter mit 99 Dollar im ersten Jahr. Das Bündel Epic liegt bei 499 Dollar, darüber gibt es Stufen bis 13.999 Dollar jährlich. Die kostenlosen Artikel auf fool.com sind frei zugänglich.

Gibt es The Motley Fool auf Deutsch?

Nein. Die deutsche Seite fool.de wurde am 3. Januar 2023 verkauft und heißt seitdem Aktienwelt360. The Motley Fool hat sich damit aus dem deutschsprachigen Raum zurückgezogen. Alle heutigen Angebote sind ausschließlich englischsprachig.

Ist The Motley Fool seriös?

Das Unternehmen besteht seit 1993, arbeitet offen und räumt eine 30-Tage-Geld-zurück-Frist ein. Kritik gibt es weniger an der Existenz als an den Vertriebsmethoden: Auf Trustpilot steht fool.com bei 2,5 von 5 aus 9.236 Bewertungen, häufigste Beschwerdepunkte sind Werbemails und Probleme bei der Kündigung.

Wie hoch ist die Erfolgsquote von The Motley Fool?

Der Anbieter gibt selbst an, dass etwa 60 bis 70 % seiner Empfehlungen im Plus enden. Die beworbene Wertentwicklung von 907 % seit Auflage gegenüber 208 % beim S&P 500 ist eine Anbieterangabe ohne unabhängige Prüfung und bildet keinen real handelbaren Depotverlauf ab.

Wie kündige ich mein Motley-Fool-Abo?

Die Kündigung läuft über den Support des Anbieters, per E-Mail oder Kontaktformular. Ein Online-Schalter zum Stoppen der automatischen Verlängerung fehlt, was in den Bewertungen regelmäßig kritisiert wird. Wer bucht, sollte sich den Verlängerungstermin notieren und rechtzeitig kündigen.

Gibt es Rule Breakers noch als eigenes Abo?

Nein. Rule Breakers wird nicht mehr einzeln verkauft und ist heute Teil des Bündels Epic. Alternativ bietet der Anbieter Einzelreports an. Ältere Testberichte, die Rule Breakers als separates Abo mit eigenem Jahrespreis führen, sind überholt.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader aktiv. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet dabei mit Kursmarken im Chart statt mit fundamentalen Langfristprognosen.

Seine Laufbahn ist eng mit der Vermittlung von Handelswissen im deutschsprachigen Raum verbunden. Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für die Einordnung von The Motley Fool bringt er eine bewusst externe Perspektive mit. Er ist kein Abonnent des Dienstes und bewertet das Angebot als erfahrener Trader von außen: anhand der öffentlich einsehbaren Preise und Leistungen, der Bewertungsprofile und der Unternehmensmeldungen zum deutschen Geschäft. Diese Distanz erlaubt ihm, den Nutzen des kostenlosen Angebots ebenso klar zu benennen wie die Schwächen im Vertrieb.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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