Das Hindenburg Omen in 30 Sekunden erklärt

- Das Hindenburg Omen ist eine spezifische Konstellation mehrerer Parameter der Technischen Analyse. Erfinder ist der US-Mathematiker James Miekka.
- Wie der Name anklingen lässt, soll der auch Hindenburg-Tracker genannte Indikator bevorstehende Kursrückgänge ankündigen: der Grund für viele Sorgenfalten auf der Stirn des Traders wie des Investors.
- Es ist ein eher zeitlich selten auftretendes Phänomen, das eine innere Zerrissenheit des Marktes widerspiegelt.
- Voraussetzung ist ein intakter Aufwärtstrend – Basis NYSE, New York Stock Exchange – eine bestimmte Anzahl von Aktien bildet neue 52-Hochs, gleichzeitig aber bildet eine gleich hohe Anzahl von Aktien neue 52-Wochen-Tiefs.
- Das Hindenburg Omen ist – fachkundig eingesetzt – ein nützlicher Indikator, der helfen kann, den eigenen Börsenerfolg zu optimieren, dadurch, dass vor allem auf konkrete Warnsignale vor möglichen Crashs oder starken Wertrückgängen geachtet wird.
Das Hindenburg Omen – Erfinder und Definition
In regelmäßigen, wenn auch eher größeren zeitlichen Abständen mäandert das sog. Hindenburg Omen durch die (digitalen) Finanzmedien. Folgt nun der Crash? Lautet stets die bange Frage in den Headlines der Presse und Fachmedien.
Der Name erinnert an den Absturz bzw. den totalen Ausbrand des sicher dem ein oder anderen Leser bekannten Zeppelins namens Hindenburg im Mai 1937 beim Anlegemanöver in New York City.
Tragischerweise erwies sich das Omen auch für seinen Erfinder, den US-amerikanischen Mathematiker James Miekka in gewisser Weise als böses Vorzeichen. So kam er – seinerseits blind – bei einem Verkehrsunfall 2014 ums Leben.
Wie ist der Hindenburg Indikator konzipiert und was leistet er?
Von seiner Konstruktion her betrachtet das Hindenburg Omen nicht einzelne Aktien, sondern beschäftigt sich mit dem Zustand des Marktes als Ganzes. Es ist also den sogenannten Marktbreite-Indikatoren zuzuordnen.
Grundlage der Messungen ist das Marktgeschehen an der New York Stock Exchange – der nach Marktkapitalisierung größten Börse der Welt.
Folgende Kriterien müssen erfüllt sein:
- Der Markt muss sich in einem Aufwärtstrend befinden. Dies materialisiert sich in einem steigenden gleitenden Durchschnitt über 10 Wochen.
- Die Anzahl der Aktien, die an einem Handelstag neue 52-Wochen-Hochs ausbilden, soll mehr als 2,2 % der gehandelten Titel betragen, gleichzeitig sollen mindestens ebenso viele Aktien neue 52-Wochen-Tiefs ausbilden.
- Die Anzahl der Aktien, die neue 52-Wochen-Hochs ausbilden, darf nicht um den Faktor 2 größer sein als die Anzahl der Aktien, die neue 52-Wochen-Tiefs ausbilden.
- Der McClellan Oszillator sollte an dem Tag, an dem das Hindenburg-Omen entsteht, negativ sein.
- Wenn in einem zeitlichenAbstand von 36 Tagen ein zweites Hindenburg-Omen auftritt, gilt das Signal als bestätigt. Darüber hinaus ist es günstig, wenn mehrere Hindenburg-Omen in zeitlicher Nähe auftreten, ohne ein ‘je mehr Omen, desto stärker das Signal’ postulieren zu können.
Zum McClellan Oszillator:
Die Konstruktion ist einfach, die Aussage evident. Es wird die Differenz eines 19-Tage und eines 39-Tage exponentiell geglätteten gleitenden Durchschnitts (EMA) auf die täglichen Netto-Advanced-Decline-Werte gebildet. Der Oszillator fluktuiert um eine Nulllinie. Ein – wie für das Hindenburg Omen gefordert – negativer McClellan sagt also aus, das an diesem Tag im Schnitt von 19 Tagen weniger Aktien neue Hochs markiert haben als im Schnitt der letzten 39 Tage.
Den tagesaktuellen McClellan Oszillator sowie weitere Infos um Konstruktion, Geschichte und aktuelle Anwendungen gibt es unter: Stock Market Breadth Data | Daily Oscillator Data. Die Seite https://www.mcoscillator.com/ führt übrigens Tom Mc Clellan, der Sohn des Begründers.
Was sagt der Hindenburg-Indikator aus?
Der Markt befindet sich in einem fortgeschrittenen Trend – ausgedrückt in einem steigenden 10 Wochen- (50 Handelstage) Durchschnitt. Der Trend ist intakt – es bilden sich nach wie vor neue 52-Wochen-Hochs in einzelnen Titeln, aber gleichzeitig entsteht auch ein bedeutsamer Anteil neuer 52-Wochen-Tiefs. Dies weist zusammen mit dem negativen McClellan Oszillator auf nachlassende Trendstärke hin bzw. soll eine bevorstehende Kursschwäche ankündigen.
Was steht hinter diesem Phänomen?
So gern das Hindenburg-Omen von der Finanzpresse aufgegriffen wird, so wenig sollte die im selben Atemzug immer wieder gerne angeführte Crash-Warnung den Adrenalin-Spiegel bei Tradern und Investoren steigen lassen. Denn erstens gibt es Fehlsignale – die kennt jeder erfahrene Börsianer, und so sprechen wir im Kontext der Technischen Analyse richtigerweise stets nur von Wahrscheinlichkeiten – und zweitens vermag der Indikator nicht zu unterscheiden zwischen einem bevorstehenden Abverkauf im Sinne eines (vorläufigen) Trendendes oder gar Crashs und einer durch Rotation hervorgerufenen temporären Korrektur. Letztere bezeichnet lediglich einen Favoriten-Wechsel, der sich in den Anlegerdepots vollzieht – Gewinne bei gut gelaufenen Titeln werden mitgenommen, weniger gut gelaufenen Aktien wird Aufholpotenzial zugetraut.
Was leistet das Hindenburg-Omen?
Der weitaus überwiegende Teil der Auswertungen zum Hindenburg-Omen ist rein qualitativer Natur. Das heißt, der Focus liegt weniger auf quantitativ bezifferten Kursrückgängen nach einem Hindenburg-Omen als die Zurkenntnisnahme des Auftretens eines negativen Omens. Die Beurteilungen, die sich mittlerweile bei den Marktteilnehmern herausgebildet haben, reichen von „Bestes Topbildungssignal“ bis zu „Zu hohe Fehlerquote“ – leider ohne konkretere Ausführungen in den einschlägigen Fachpublikationen.
Deshalb ein kurzer Blick auf einige praktische Beispiele – allen voran das in der Presse am häufigsten im Kontext des Hindenburg-Omens zitierten Crashs vom 19.10.1987. Dies war zugleich der erste Börsencrash nach dem Zweiten Weltkrieg.
Der Dow Jones Index fiel innerhalb eines Tages um 22,6 % (508 Punkte); dies ist lt. Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_Montag bis heute der größte prozentuale Rückgang innerhalb eines Tages in dessen Geschichte.
Folgende Grafik zeigt die wichtigsten Marker des Hindenburg-Omens der letzten 40 Jahre am Beispiel des Dow Jones Industrial Average.

Diese waren neben o.a. 1987ger Crash:
- Die Dot-Com Bubble – Kursrückgang im Dow Jones 37,9 %
- Die Finanzkrise – Kursrückgang im Dow Jones um 53,8 %
- Covid-Crash – Kursrückgang mehr als 20 %
Auf eine vollständige Darstellung aller Signale wurde hier aus Gründen der Übersichtlichkeit verzichtet.
Und damit ergibt sich bereits die bis jetzt wichtigste Conclusio: Die durch das Hindenburg-Omen beschriebene Chartkonstellation ergibt zwar Fehlsignale. Aber: die wichtigsten größten Kursrückgänge der letzten 40 Jahre hat der Hindenburg-Tracker erfasst. Das lässt uns das Omen mehr in den Fokus stellen, als dies seine Kritiker wohl gedacht hätten. Wir widmen uns dem Phänomen also mit offenem Blick und unvoreingenommen.
Überblick über die wichtigsten vom Hindenburg-Indikator angekündigten Kurseinbrüche der letzten 40 Jahre
Das Kombi-Signal aus Hindenburg-Omen und Omaha Titanic Syndrom
When Bad meets Evil – Hindenburg-Omen und Omaha Titanic Syndrom
Hierzulande weit weniger bekannt als das Hindenburg-Omen ist das sog. Omaha Titanic Syndrom. Was wenig verheißungsvoll klingt, beschreibt ganz einfach einen technischen Marktzustand, bei dem im Anschluss an ein neues Indexhoch die Zahl neuer 52-Wochen-Tiefs sprunghaft ansteigt und die Differenz neuer 52-Wochen-Hochs und neuer 52-Wochen-Tiefs negativ wird. Um es in einfacher Sprache auszudrücken: Es brodelt also gehörig unter der Oberfläche eines scheinbar intakten Bullenmarktes und wir versuchen einen Blick unter die Wasserlinie, wo bekanntlich 6/7 des Eisberges sich befinden.
Was generell für den Einsatz von Tools der Technischen Analyse gilt, findet auch im Kontext des Hindenburg-Omens und des Omaha Titanic Syndroms seine Bestätigung: Für sich alleine genommen lösen die Indikatoren noch nicht die große Begeisterungswelle aus, jedoch das gleichzeitige Auftreten beider Phänomene verbessert die Signal-Qualität sowohl hinsichtlich Trefferquote als auch Ausprägung des Rückgangs sehr deutlich.
Es wurde ein Kombi-Signal gebildet: Um in die Zählung einzufließen, müssen in den letzten fünf Trading-Tagen Hindenburg-Omen und Titanic Syndrom zusammen genommen mindestens fünf Mal auftreten.
Nachfolgende Tabellen für die Zeit von 1987 bis 2024 zeigen die Ergebnisse jeweils für das Hindenburg-Omen und das Titanic-Syndrom alleine sowie für das gleichzeitige Auftreten beider Konstellationen in besagtem Kombi-Signal zusammen.


Besonders kurz- und mittelfristig erscheint die Performance des Nasdaq Composite historisch gesehen schwach.

Ergebnisse:
Es ergaben sich 43 Fälle für das Hindenburg-Syndrom sowie 27 Fälle für das Titanic-Syndrom – das Kombi-Signal reduziert die Fallzahl auf 16.
Das Ergebnis für die Performance des Nasdaq Composite ist nach Auftreten des Kombi-Signals in der Mehrzahl der Fälle unterdurchschnittlich bis negativ, Mittelwert und Median sind sogar durchgehend negativ.
Das Kombi-Signal ist – wie beschrieben – ein eher seltenes Phänomen – nur 16 Fälle in knapp 40 Jahren. Dies ist beim Vergleich und der Einordnung der in den Tabellen aufgelisteten Ergebnisse zu berücksichtigen und für überzeugte Statistiker intellektuell bzw. akademisch mitunter schwer verdaulich.
Durch die statistische Brille betrachtet bedeutet dies am Beispiel der Prozentwerte, das ein einziger Fall mehr oder weniger das Ergebnis bereits um deutliche 6,2 % verschiebt. Ebenso sind die Differenzen zwischen den einzelnen Spalten zu sehen: Was sich als nackte Zahl – z.B. in 38 % der Fälle zeigt sich trotz vorausgegangenem Kombi-Signal nach einem Monat eine positive Performance und kein Rückgang im Kursgeschehen vs. 50 % positive Performance nach 2 Monaten – als deutliche Differenz zeigt, macht in realiter nur einen Unterschied von gerade einmal zwei Fällen aus.
Trotz der geringen Fallzahl darf man dem Kombi-Signal prognostische Qualität zugestehen. Und darauf kommt es uns an.
Wo gibt es weitere Auswirkungen des Kombi-Signals?
Untersucht man die Frage, ob nach Auftreten eines Kombi-Signals Unterschiede in der Wertentwicklung einzelner Branchen auftreten, so lautet die Antwort eindeutig: Ja. D.h. die Anlegerschaft wittert durchaus Ungemach und shiftet zumindest Teile ihres Kapitals in die als defensive Investments bekannten Branchen: wie z.B. Consumer Staples (Grundnahrungsmittel), Utilities (Versorger) und Healthcare um. Es findet also nach einem Signal eine messbare Änderung im Verhalten der Investoren statt. Auch dies darf als Bestätigung für die Prognosequalität des Kombisignals gewertet werden und kann dem Trader eine gute Entscheidungshilfe sein.
Gibt es weitere Märkte, die das Kombi-Signal unterstützen?
Ja, auch beim Nasdaq 100 (18 Fälle) und dem S&P 500 (ebenfalls 18 Fälle) sind nach einem Signal messbare Kursrückgänge zu verzeichnen. Die Mediane für die Performance sind fast durchgängig negativ. Dies ist als weitere Bestätigung für die Validität des Kombi-Signals zu werten und hält auch einer akademischen Überprüfung stand.
Wie geht es nach dem Ende des Untersuchungszeitraums weiter mit Hindenburg und Co?
Zur Ergänzung obiger Ergebnistabellen und Illustration sind die Kombi-Signale vom 17.12.24 sowie die aktuelle Situation nach dem Kombi-Signal vom 5.11.2025 dargestellt.

Im Chart recht deutlich zu sehen – weniger in den Tabellen: Ein unmittelbarer Kursrückgang wurde korrekt angekündigt, – wenn auch in einem Fall nur ein recht kleiner – der eigentliche Rücksetzer folgte jedoch erst mit einer Latenz von mehreren Wochen.
Die Jahresperformance des Nasdaq 100 ist – gemessen vom 17.12.2024 – date-to-date mit ca. 10% positiv.
Wie geht es weiter?
Spannend zu beobachten wird sein, wie sich der Kursverlauf in 2026 entwickelt. Folgt er den letzten Mustern, so wäre – möglicherweise nach einem kurzfristigen Anstieg auf ein neues Allzeithoch im Rahmen der Santa-Claus-Rallye – eine weitere Abwärtsstrecke zu erwarten.
Welche Alternativen und weiteren Konzepte gibt es?
In den letzten Jahrzehnten hat sich die prognostische Basis stark verändert, die guten alten Zeiten von Kostolany sind vorbei. Die an den Börsen bewegten Geld- und Kapitalsummen sind enorm gestiegen (siehe die Entwicklungen der Geldmengentheorie); heute belaufen sie sich bei ca. 3 Billionen USD täglich.
Hochleistungsrechner setzen eine Vielzahl analytischer Trading-Signale zugunsten großer Investoren und zu deren eigenem Vorteil ein. Und die Anzahl der Marktteilnehmer hat sich enorm vergrößert wie auch die Wertstellung börsennotierter Unternehmen. Das und andere Faktoren (wie z. B. die Geld- und Wirtschaftspolitik) haben Auswirkungen auf das Börsengeschehen, das in einem eigenen Rhythmus und durch eigene Kräfte angetrieben prozediert. Aber dennoch haben Zyklen ihre Gültigkeit behalten.
Zyklen – der Rhythmus der Märkte
Die meisten Trader und Investoren wie auch die etablierten Methoden der Technischen Analyse richten ihr Hauptaugenmerk auf Preisentwicklungen – für den Chart-Techniker meint dies die Y-Achse im Chart. Die zeitliche Dimension im Marktgeschehen – also die x-Achse der Kursgrafik – findet sich weit weniger berücksichtigt.
Während das Hindenburg-Omen versucht, bevorstehende Kursrückgänge durch Veränderungen unter der intakten Oberfläche eines gesunden Trends zu erkennen, bietet die Zyklusanalyse explizite Konzepte zur Identifikation potenzieller Tops und Bottoms.
Die wichtigsten Ansätze und Vertreter sollen hier in einem kurzen Exkurs angerissen werden.
Hoch- und Tiefpunktbestimmung mit Fibonnacci und Fibonnacci -Ableitungen
Es ist so gut wie unmöglich, Fibonnacci-Konzepte nicht zu kennen und nicht zu berücksichtigen, wenn man sich mit den Finanzmärkten beschäftigt. Fibonnacci Time Zones und Extensions, zu deutsch: Zeitzonen und Zeitprojektionen sind in fast jeder Chart-Software enthalten.
Folgender Chart zeigt eine einfache Anwendung am Beispiel der SAP-Aktie:

Was im Beispiel so mühelos gelingt, lässt sich leider nur sehr eingeschränkt auf eine Vielzahl von Assets übertragen.
Dennoch gibt es profilierte Spezialisten, die die Ergründung zeitlicher Zusammenhänge zu Ihrem Schwerpunktthema gewählt haben, was lange Zeit schlichtweg übersehen oder gar ignoriert worden war.
Prominenter Vertreter hier ist Stan Harley, Herausgeber des Harley Market Letter, der mittlerweile seit ca. 30 Jahren existiert – eine derart lange Marktpräsenz kann im Kontext der Finanzmärkte immer als Qualitätsmerkmal betrachtet werden.
Stan Harley wurde mehrfach lt. CMT (Chartered Market Technicians) Association – dem globalen Berufsverband technischer Analysten mit mehr als 4.500 Mitgliedern weltweit – als „Stock Market Timer of the Year“ und „Bond Market Timer of the Year“ für seine erfolgreichen Analysen ausgezeichnet. (https://cmtassociation.org/presenter/stan-harley/).
Stan Harley ist u.a. häufiger Gast von Larry Pesavento in seiner Sendung: Trade what you see.
Einblick in seine Methodik erlauben folgende Videos:
Ausschnitt aus einem Interview mit Larry Pesavento vom 10. Dezember 2025 – Timing von Bottoms
Min. 24:56, 10.12.25
sowie Timing von Tops ein Jahr zuvor:
Min. 27:33, 11.12.2024
Erwähnenswert ist außerdem die gemeinnützige „Foundation for the study of cycles“ (https://cycles.org/), die sich mit Zyklen nicht nur im Bereich der Finanzmärkte, sondern auch im Bereich der Ökonomie, der Natur- und Sozialwissenschaften sowie der Kunst beschäftigt.
Wer sich also für das Thema Zyklus auch jenseits der Finanzmärkte interessiert, findet hier reichlich wissenschaftlich fundierten Lesestoff.
In den hauseigenen Youtube-Channel mit Beiträgen und Interviews unterschiedlichster Gäste kann man unter Foundation for the Study of Cycles (FSC) – YouTube gerne hineinsehen.
Die Hurst-Zyklusanalyse ist ein weiterer rein zeitbasierter Ansatz. Hier wurden charakteristische Zykluslängen durch reine Beobachtung gewonnen. Diese periodisch wiederkehrenden Hochs und Tiefs reichen von wenigen Tagen bis zu 54 Jahren, was gleichzeitig den bekannteren Kondratieff-Zyklen entspricht. Die Länge der empirisch ermittelten Bewegungen variiert, bleibt aber als Zyklus erkennbar.
In Verbindung mit den von seinem Begründer JM Hurst entwickelten proprietären Tools stellt die Hurst Zyklusanalyse ein eigenständiges Tradingsystem dar.
Die Klassiker: Welche bekannteren Tools und Techniken helfen bei der Ermittlung von Tops und Bottoms?
Nun hat ja nicht jeder Trader und Investor jederzeit Zugriff auf eine Studie wie die oben beschriebenen zum Hindenburg-Omen & Co. oder die Ressourcen, sich mit so komplexen Phänomenen wie der Zyklusanalyse zu beschäftigen.
Deshalb an dieser Stelle eine kurze Zusammenstellung von Tools der Technischen Analyse, die die Identifikation von kurz- oder mittelfristigen Wendepunkten unterstützen und den Trader in seinen Entscheidungen weiterhelfen können.
Tools in der klassischen Charttechnik:
Topbildungs- und Bodenbildungsmuster
Doppel- und Dreifachtops, V- und W-Bottoms
Schulter-Kopf-Schulter (SKS-) Formationen, inverse Schulter-Kopf-Schulter
Bärische und bullische Keile, u.v.m
in Verbindung z.B. mit folgenden Indikatoren
Volatilitätsindizes als vorlaufende Indikatoren
Gleitende Durchschnitte – 200-Tage-Linie und Co.
Bollinger Bänder, Keltner Channel, Trendkanäle u.a. – Überdehnung dieser Kanäle bzw. Bruch von Trendlinien
Unterstützende Parameter:
Divergenzen in Indikatoren
Überproportional großer Abstand zum Mittelwert
Momentumverlust, u.a.
Links zu weiterführenden Artikeln und Tradingstrategien auf kagels-trading.de:
Abschließendes Fazit
Der kritische Leser mag das Hindenburg-Omen aufgrund des klangvollen Namens gerne in das Reich des Voodoo oder abergläubischer Beschwörungsansätze geschoben haben.
Die Empirie zeigt jedoch, dass es immerhin alle Crashs der letzten 40 Jahre einfangen konnte. Andersherum gilt jedoch auch: Nicht jedem Hindenburg-Omen folgt ein Crash oder deutlicher Kursrückgang. Das heißt: Fehlsignale sind einzukalkulieren. Aber ein Ausrufezeichen bleibt!
Die Konstruktion des Omen spiegelt eine Zerrissenheit des Marktes wider. Der Trend erscheint äußerlich intakt, aber unter der Oberfläche tut bzw. verbirgt sich etwas, dem man näher kommen kann, blickt man unter die Wasserlinie. Konkret: Es entstehen bei mehr als 2,2% aller Aktien eines Index neue 52-Wochen-Tiefs.
Steigt die Zahl neuer Tiefs nach Erreichen eines neuen Allzeithochs sprunghaft an, spricht man von einem Titanic-Syndrom – hierzulande bedauerlicherweise nur äußerst selten erwähnt.
Bedauerlich, weil kombiniert man die beiden magischen Prognose-Gestalten, so steigt die Aussagekraft dieses Kombi-Signals im Vergleich zu den Einzelsignalen deutlich an und Fehlsignale werden deutlich reduziert.
Mehrheitlich kommt es zu einem Kursrückgang, und die Performance in der Folgezeit liegt überwiegend unter dem Durchschnitt. Dies haben Untersuchungen für mehrere Märkte bestätigt (Nasdaq Composite, S&P 500 und Nasdaq 100).
Darüber hinaus findet ein Shift des Kapitals in weniger volatile Segmente wie Healthcare, Grundnahrungsmittel, etc. statt. Diese Branchen erzielen in der Marktphase nach einem Kombi-Signal für den Investor/Trader häufiger spürbar bessere Erträge.
Aus methodischer Sicht führt das gleichzeitige Auftreten von Hindenburg-Omen und Titanic-Syndrom also oftmals zu einer tatsächlichen Verhaltensänderung von Investoren/Tradern.- das heißt somit: Es wirkt.
Ergänzend wurden die wichtigsten Ansätze zur Zyklusanalyse vorgestellt. Diese sind rein zeitbasiert und beschäftigen sich mit der Logik der periodischen Schwankungen in den Finanzmärkten.
Auch wenn die Materie komplex ist, lohnt die Beschäftigung. Entsprechende Angebote im Internet leisten Hilfestellung und reduzieren den Zeitaufwand.
FAQ: Das Hindenburg-Omen
Soll ich vorsichtshalber alles verkaufen, wenn ein Hindenburg-Omen in den Medien erscheint?
Nein, das ist nicht nötig. Ein Blick auf das Risikomanagement, d.h. Stopp-Anhebung, evtl. Teilgewinnsicherung ist aber schon lohnenswert. Betrachte das Hindenburg-Omen einfach als Ausrufezeichen.
Was kann ich alternativ noch tun, wenn ein Hindenburg-Omen sich ankündigt?
Wenn möglich, kann eine intensivere Beobachtung des Marktgeschehens jetzt sinnvoll sein, Kündigt sich eine höhere Volatilität an, kann der Trader sie für sich nutzen – vorausgesetzt er verfügt über erprobte Handelsstrategien für solche Marktphasen.
Gibt es auch die Möglichkeit, von einem Hindenburg-Omen zu profitieren?
Ja, gegebenenfalls findet eine sog. Sektor-Rotation statt. D.h. Investoren realisieren (Teil-)Gewinne und legen ihre freiwerdenden Gelder z.B. in sog. defensiveren Branchen wie z.B. Healthcare an.
Um die Möglichkeit eines Favoriten-Wechsels zu prüfen, hilft ein Blick auf die zugehörigen Branchenindizes. Auch Nebenwerteindizes können von einer möglichen Rotation profitieren.
Welche Tools sollte man neben Hindenburg- und Titanic-Indikator zur Prognostik von Crashs und starken Kursverlusten zur Hilfe nehmen?
Topbildungs-Muster in Verbindung mit Verkaufssignalen langfristiger Durchschnitte. Idealerweise in Verbindung mit dem Erreichen wichtiger Kursziele oder langfristiger zyklischer Tops.



