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Trading Tipps für den Alltag: Diese 10 Regeln schützen dein Konto

Zuletzt aktualisiert: 17. September 2026

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16 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Die meisten Trading Tipps, die im Netz kursieren, sind Sprüche: Geduld haben, diszipliniert bleiben, aus Fehlern lernen. Wer sie liest, weiß danach genauso wenig wie vorher, weil kein einziger davon sagt, was du am Montagmorgen konkret anders machst. Die Anbieter selbst nennen dagegen eine sehr konkrete Zahl: Bei den großen CFD-Brokern verlieren zwischen 72 und 77 Prozent der Kleinanlegerkonten Geld.

Dieser Artikel sammelt deshalb keine Motivationssätze, sondern zehn Regeln mit Zahlen dahinter: wie viel Prozent deines Kontos ein einzelner Trade kosten darf, was vor dem Einstieg schriftlich feststehen muss und welche Technik du wirklich brauchst. Dazu kommt eine Steueränderung, die viele Ratgeber bis heute falsch darstellen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Trading Tipps: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Die Anbieter nennen die Quote selbst: IG weist 72 Prozent, IC Markets 72,52 Prozent und XTB 77 Prozent verlierende Kleinanlegerkonten aus (Stand 16.09.2026). Jeder gute Tipp setzt an dieser Quote an.
  • Das Risiko je Trade ist die wichtigste Einzelzahl: Üblich sind ein bis zwei Prozent des Kontos. Nicht der Einsatz zählt, sondern der Abstand bis zum Stop-Loss.
  • Ein Regelwerk gehört vor den Trade, nicht danach: Einstieg, Ziel, Stop und maximales Gesamtrisiko stehen schriftlich fest, bevor die erste Order läuft.
  • Technik entscheidet weniger, als Werbung suggeriert: Ein stabiler Rechner, zwei Bildschirme und eine verlässliche Leitung reichen. Ein neues Smartphone macht niemanden profitabel.
  • Die 20.000-Euro-Grenze bei Termingeschäften ist abgeschafft. Das Jahressteuergesetz 2024 hat sie gestrichen, viele Ratgeber nennen sie trotzdem weiter.
  • Ein Trading-Tagebuch ist der einzige Tipp mit Rückkopplung: Nur wer seine Trades notiert, erkennt Muster im eigenen Verhalten statt im Chart.
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Was sind gute Trading Tipps?

Gute Trading Tipps sind überprüfbare Regeln für wiederkehrende Entscheidungen im Handelsalltag. Sie legen vor dem Einstieg fest, wie viel Kapital ein Trade riskieren darf, wo der Stop liegt und wann nicht gehandelt wird. Von Aktientipps unterscheiden sie sich darin, dass sie kein einzelnes Wertpapier empfehlen, sondern das Verhalten des Traders steuern.

Der Unterschied ist kein sprachlicher, sondern ein praktischer. Ein Aktientipp ist nach dem Trade erledigt. Eine Regel wie das Risikolimit gilt beim nächsten Mal wieder und wirkt damit über hunderte Entscheidungen. Genau deshalb ist sie messbar: Du kannst im Nachhinein auszählen, wie oft du dich daran gehalten hast.

Ein Tipp, der sich nicht überprüfen lässt, ist keiner. „Handle diszipliniert“ lässt sich nicht nachzählen, „riskiere nie mehr als ein Prozent“ schon. Die zehn Regeln weiter unten sind deshalb alle so formuliert, dass du sie in deinem Trading-Journal abhaken kannst.

Die Ausgangslage: 72 bis 77 Prozent verlieren Geld

Bevor der erste Tipp Sinn ergibt, gehört die Ausgangslage auf den Tisch. CFD-Anbieter in der EU müssen seit den ESMA-Vorgaben von 2018 auf jeder Seite angeben, welcher Anteil ihrer Kleinanlegerkonten im vergangenen Jahr Geld verloren hat. Die Zahl steht offen da, wird aber selten zitiert.

AnbieterVerlierende KontenStand
IG72,00 %16.09.2026
IC Markets (EU)72,52 %16.09.2026
XTB77,00 %16.09.2026
Pflichtangaben der Anbieter auf ihren deutschsprachigen Startseiten

Diese Quoten beschreiben den CFD-Handel, nicht das Trading insgesamt. Die Spanne reicht je nach Anbieter noch höher: Eine Abfrage von fünf Brokern ergab im August 2026 Werte bis 89 Prozent. Wer Aktien über ein Depot kauft und Monate hält, taucht dort nicht auf. Für den kurzfristigen, gehebelten Handel sind sie aber der ehrlichste verfügbare Maßstab, und sie sind über Jahre stabil geblieben.

Der praktische Schluss daraus ist unbequem. Die Mehrheit verliert nicht, weil sie den Markt nicht versteht, sondern weil einzelne Verluste zu groß werden. Genau dort setzen die Regeln eins bis drei an, und alles andere kommt danach.

Trading Tipps: Verlustquoten von IG, IC Markets und XTB und die drei Regeln zu Risiko je Trade, Stop-Loss und Gesamtrisiko
Die Anbieter weisen die Quoten selbst aus. Die drei Regeln setzen genau dort an.

Die Grafik stellt beides nebeneinander: was die Anbieter ausweisen und was daraus folgt. Die drei Regeln darin sind die ersten drei aus der Liste weiter unten, und sie stehen dort in dieser Reihenfolge, weil sie in genau dieser Reihenfolge wirken.

Die 10 Trading Tipps für den Alltag

Die folgenden zehn Regeln sind nach Wirkung sortiert, nicht nach Beliebtheit. Die ersten drei entscheiden darüber, ob ein Konto eine Verlustserie übersteht. Die restlichen sieben machen den Unterschied zwischen Zufall und Handwerk.

1. Begrenze das Risiko je Trade auf ein bis zwei Prozent

Nicht der Einsatz entscheidet über dein Risiko, sondern der Abstand bis zum Stop-Loss. Bei 10.000 Euro Konto und einem Prozent Limit darf ein Trade höchstens 100 Euro kosten. Liegt der Stop 2 Prozent unter dem Einstieg, darfst du für 5.000 Euro kaufen; liegt er 10 Prozent darunter, nur für 1.000 Euro.

Diese Rechnung dreht die übliche Reihenfolge um. Die meisten legen zuerst die Stückzahl fest und setzen den Stop irgendwo darunter. Richtig herum wird aus dem Stop-Abstand die Positionsgröße abgeleitet. Wie das im Detail funktioniert, steht im Artikel zum Money Management.

2. Lege den Stop-Loss fest, bevor du kaufst

Ein Stop, den du erst nach dem Einstieg suchst, wird zum Wunschdenken. Sobald Geld im Markt ist, verschiebt sich der Maßstab: Aus „hier ist meine Idee widerlegt“ wird „gleich dreht es bestimmt“. Der Stop-Loss gehört deshalb in dieselbe Order wie der Einstieg.

Der Stop begründet sich aus dem Chart, nicht aus deinem Schmerzempfinden. Sinnvolle Marken sind das letzte Verlaufstief, die Gegenseite einer Kerzenformation, ein gleitender Durchschnitt oder ein Fibonacci-Retracement. Ein runder Eurobetrag ist keine Begründung.

3. Deckle das Gesamtrisiko über alle offenen Positionen

Fünf Positionen mit je einem Prozent Risiko sind kein Prozent Risiko, sondern fünf. Wenn alle fünf im selben Sektor oder derselben Währung liegen, sind es faktisch sogar mehr, weil sie sich gleichzeitig gegen dich bewegen. Üblich ist ein Deckel von fünf Prozent über alle offenen Trades.

Korrelation ist dabei der blinde Fleck. Wer gleichzeitig DAX, EuroStoxx und einen deutschen Einzelwert long ist, hat dreimal dieselbe Wette laufen. Ein Drawdown entsteht selten aus einem Trade, sondern fast immer aus mehreren gleichgerichteten.

4. Schreibe dein Regelwerk auf, bevor du es brauchst

Ein Regelwerk, das nur im Kopf existiert, passt sich der Lage an. Auf Papier tut es das nicht. Es muss nicht lang sein, aber es muss vor jedem Trade dieselben Fragen beantworten.

  • Welche Erwartung liegt dem Trade zugrunde?
  • Bei welchem Kurs steige ich ein, bei welchem bin ich widerlegt?
  • Wo liegt das Ziel, und wie ist das Verhältnis zum Risiko?
  • Wie viel Prozent des Kontos riskiere ich hier?
  • Was muss passieren, damit ich heute gar nicht handle?

Der letzte Punkt fehlt in fast jedem Regelwerk und ist der wichtigste. Ein Trading-Plan muss auch den Nicht-Handel erlauben, sonst erzwingt er Trades an Tagen ohne Signal.

5. Führe ein Trading-Tagebuch mit Gründen, nicht nur mit Zahlen

Dein Broker protokolliert, was du getan hast. Warum du es getan hast, protokolliert niemand. Genau darin stecken die Muster: der Trade nach dem Verlust, die vergrößerte Position nach drei Gewinnen, der aufgeweichte Stop am Freitagnachmittag.

Zwei Sätze je Trade reichen völlig. Erwartung vor dem Einstieg, Bewertung nach dem Ausstieg. Nach fünfzig Einträgen lässt sich auszählen, welche Setups tatsächlich tragen und welche du nur magst. Werkzeuge dafür stehen in der Übersicht zu Trading-Berichten und Auswertungssoftware.

6. Starte den Handelstag mit derselben Routine

Eine feste Reihenfolge am Morgen schützt vor dem teuersten Fehler des Tages: dem ungeprüften Einstieg in die Eröffnung. Sie dauert zwanzig Minuten und ist jeden Tag dieselbe.

  • Übergeordnete Lage im Tages- und Wochenchart prüfen, bevor kleinere Zeiteinheiten drankommen.
  • Termine des Tages ansehen: Notenbanken, Konjunkturdaten, Quartalszahlen der eigenen Werte.
  • Offene Positionen kontrollieren und Stops an die neue Lage anpassen.
  • Watchlist durchgehen und Alarme auf die relevanten Marken setzen.

Der dritte Punkt ist der, der am häufigsten ausfällt. Wer nachts gehaltene Positionen morgens nicht ansieht, handelt den Tag über gegen ein Risiko, das er nicht kennt.

7. Handle nicht, wenn der Kopf woanders ist

Ärger im Beruf oder in der Familie verändert die Risikobereitschaft messbar, und zwar nach oben. Wer gereizt vor dem Chart sitzt, sucht Bestätigung statt Signale. Der Tipp lautet deshalb nicht „bleib ruhig“, sondern: an solchen Tagen bleibt die Plattform zu.

Das Umfeld gehört zur Vorbereitung wie der Chart. Ein separater Arbeitsplatz, keine Benachrichtigungen, kein zweiter Bildschirm mit Nachrichten. Manche brauchen Stille, andere Hintergrundmusik. Wichtig ist nur, dass es jeden Tag gleich ist.

8. Wähle den Handelsstil nach deinem Zeitbudget

Der häufigste Konstruktionsfehler ist ein Stil, der nicht zum Kalender passt. Wer tagsüber arbeitet und trotzdem auf dem Fünf-Minuten-Chart handeln will, verpasst jede zweite Bewegung und steigt zu spät ein.

Zeit am TagPassender StilZeiteinheit
15 bis 30 MinutenSwingtrading4 Stunden bis 1 Tag
1 bis 2 StundenDaytrading15 Minuten bis 1 Stunde
mehrere StundenScalping1 bis 5 Minuten
Welcher Handelsstil zu welchem Zeitbudget passt

Zwischen Daytrading und Swingtrading liegt mehr als die Haltedauer. Der Daytrader schließt vor Feierabend alles und vermeidet damit Overnight-Risiko, begrenzt aber auch seine Gewinne. Der Swingtrader nimmt Kurslücken in Kauf, dafür reichen ihm zwei Blicke am Tag.

9. Streue über Märkte, nicht nur über Positionen

Anfänger konzentrieren sich auf heimische Aktien, oft sogar auf die des eigenen Arbeitgebers. In einer Rezession geraten dann Arbeitsplatz und Depot gleichzeitig unter Druck. Dieselbe Falle gilt für Branchen: Wer einen Autohersteller hält, braucht nicht noch zwei weitere.

US-Märkte sind für Berufstätige oft praktischer als der Heimatmarkt. Sie sind liquider, bieten mehr Auswahl und laufen bis in den späten Abend. Wer absichern will, kann mit Short-Positionen oder Long Puts gegensteuern, statt zu verkaufen.

10. Übe auf dem Demokonto, aber nicht zu lange

Ein Demokonto zeigt dir die Plattform, nicht dich selbst. Solange kein eigenes Geld im Spiel ist, fallen Entscheidungen leichter, als sie es später tun werden. Für das Kennenlernen der Software ist ein Demokonto richtig, als Bewährungsprobe taugt es nicht.

Der sinnvolle Übergang läuft über die Positionsgröße, nicht über den Kontotyp. Wer vom Demokonto direkt auf volle Größe wechselt, überspringt genau den Teil, den er üben wollte. Starte klein genug, dass ein Verlust nicht weh tut, aber groß genug, dass er dich interessiert.

Was steckt hinter der 3-5-7-Regel?

Die 3-5-7-Regel ist eine Faustregel für Risikogrenzen: höchstens 3 Prozent des Kontos je Trade, höchstens 5 Prozent über alle offenen Positionen und ein Gewinnziel, das mindestens 7 Prozent über dem Risiko liegt. Sie stammt aus keiner Studie und von keiner Aufsichtsbehörde, sondern kursiert seit einigen Jahren in Trading-Foren.

Die Regel wird oft so zitiert, als gäbe es eine Quelle dafür. Es gibt keine. Wer nach ihrem Ursprung sucht, landet bei Blogbeiträgen, die einander zitieren. Das macht sie nicht falsch, aber es heißt: Sie ist eine Merkhilfe, kein belegtes Ergebnis.

Inhaltlich ist die erste Zahl für die meisten zu hoch. Drei Prozent je Trade bedeuten nach zehn Fehlschlägen in Folge rund ein Viertel des Kontos. Die in der Praxis verbreitete Grenze liegt bei ein bis zwei Prozent. Der zweite Wert, der Deckel über alle Positionen, ist dagegen sinnvoll und deckt sich mit Regel drei weiter oben.

Dasselbe gilt für die „10 goldenen Börsenregeln“, nach denen ebenfalls oft gesucht wird. Es existiert keine autorisierte Liste, sondern mehrere Fassungen, die sich in Zahl und Inhalt unterscheiden. Nützlich sind sie als Gedächtnisstütze, nicht als Regelwerk.

Technik: Was du wirklich brauchst

Die Technikfrage wird in Ratgebern regelmäßig aufgeblasen, weil sich daran Geräte verkaufen lassen. Für den Handelsalltag zählen vier Dinge, und keines davon ist das neueste Modell.

  • Rechenleistung und Bildschirme: Ein aktueller PC oder Laptop mit mindestens zwei Monitoren, damit Chart, Orderbuch und Watchlist gleichzeitig sichtbar sind.
  • Stabile Leitung: Wichtiger als hohe Bandbreite ist eine Verbindung, die nicht abreißt. Ein Mobilfunk-Hotspot als Rückfallebene gehört dazu.
  • Echtzeitdaten: Ohne sie handelst du gegen verzögerte Kurse. Für die großen europäischen und US-Märkte sind sie meist günstig, für Nischenmärkte teuer.
  • Aktuelle Software und ein Passwort-Manager: Zugangsdaten zu Broker und Bank gehören weder in den Browser noch auf einen Zettel am Monitor.

Auf dem Smartphone wird nicht gehandelt, sondern höchstens nachjustiert. Die Ansicht ist zu klein, um eine Lage zu beurteilen, und das Wechseln zwischen Zeiteinheiten kostet zu viel Zeit. Setups entstehen am Rechner, das Handy verschiebt allenfalls einen Stop.

Welche Hardware konkret sinnvoll ist, hängt am Handelsstil. Für Einsteiger reicht meist ein solider Laptop, die Details stehen im Trading-Laptop Vergleich und im Artikel zum Trading-Computer.

Lesezeichen, die sich lohnen

Kein Mensch behält alle Datenquellen im Kopf, deshalb gehören sie in die Lesezeichenleiste. Drei davon decken den Großteil der täglichen Fragen ab.

  • Finviz: Aktienscreener für US-Werte, mit dem sich Watchlists nach sehr vielen Kriterien bauen lassen.
  • Aktienfinder: Werkzeug für die Fundamentalanalyse, in Teilen kostenlos nutzbar.
  • Bundesanzeiger: das amtliche Register der Netto-Leerverkaufspositionen in deutschen Aktien. Ein hoher Anteil zeigt, dass viele Marktteilnehmer auf fallende Kurse setzen.

Leerverkaufsdaten sind ein Stimmungsbild, keine Handelsanweisung. Dreht ein stark leerverkaufter Wert nach oben, können Rückkäufe die Bewegung verstärken. Wie weit das gehen kann, zeigte GameStop: Vom Schlusskurs am 13. Januar 2021 bis zum Tageshoch am 28. Januar 2021 stieg die Aktie um rund 1.440 Prozent (Kursdaten Yahoo Finance, splitbereinigt). Solche Fälle sind Ausnahmen und kein Geschäftsmodell.

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Steuern: Die 20.000-Euro-Grenze ist abgeschafft

Hier steht der Punkt, bei dem die meisten Ratgeber bis heute veraltet sind. Von 2021 an durften Verluste aus Termingeschäften nur bis 20.000 Euro im Jahr mit Gewinnen verrechnet werden. Diese Beschränkung stand in § 20 Absatz 6 Satz 5 EStG und machte ganze Strategien steuerlich unattraktiv.

Das Jahressteuergesetz 2024 hat die Regelung gestrichen. Der aktuelle Gesetzestext zu § 20 EStG enthält in Absatz 6 nur noch fünf Sätze, und keiner davon nennt eine Betragsgrenze für Termingeschäfte. Verluste aus Futures, Optionen und CFDs sind damit wieder unbeschränkt mit Gewinnen aus Kapitalvermögen verrechenbar.

Was heute gilt

  • Termingeschäfte: keine Betragsgrenze mehr, Verluste voll mit Kapitalerträgen verrechenbar.
  • Aktienverluste: weiterhin nur mit Gewinnen aus Aktienverkäufen verrechenbar (§ 20 Abs. 6 Satz 4 EStG). Dieser eigene Verlusttopf besteht unverändert fort.
  • Sparer-Pauschbetrag: 1.000 Euro je Person, 2.000 Euro bei Zusammenveranlagung.

Zwei praktische Hinweise bleiben unabhängig von der Gesetzesänderung. Führe dein Konto in Euro, sonst musst du für jeden Trade den Wechselkurs des Ausführungszeitpunkts belegen. Und rechne bei ausländischen Brokern damit, dass keine Steuer einbehalten wird und du alles selbst erklären musst.

Das ersetzt keine Steuerberatung. Die Grundlagen und die Einordnung der einzelnen Anlageklassen stehen im Artikel zu Trading und Steuern; bei größeren Volumina lohnt ein Steuerberater, der selbst handelt.

Vorteile und Nachteile fester Trading-Regeln

Ein starres Regelwerk hat einen Preis, und den verschweigen die meisten Ratgeber. Es schützt dich vor deinen schlechtesten Entscheidungen und kostet dich gelegentlich eine gute. Beides gehört nebeneinander.

Was feste Regeln dir bringen

  • Verluste bleiben kalkulierbar: Ein Limit je Trade verhindert, dass eine einzelne Position das Konto beschädigt.
  • Entscheidungen werden vergleichbar: Wer immer nach denselben Kriterien einsteigt, kann im Nachhinein auswerten, welche Setups tragen.
  • Emotionen verlieren an Gewicht: Steht der Stop vor dem Einstieg fest, musst du ihn nicht im Verlust neu verhandeln.
  • Der Alltag wird planbar: Eine feste Routine passt in einen Kalender, ein ständiges Beobachten nicht.

Wo feste Regeln an Grenzen stoßen

  • Gute Gelegenheiten fallen durch: Ein Setup, das knapp an einem Kriterium scheitert, wird nicht gehandelt, auch wenn es funktioniert hätte.
  • Regeln altern: Was in einer ruhigen Marktphase funktioniert, kann bei hoher Volatilität zu engen Stops und Ausstoppen führen.
  • Disziplin lässt sich nicht erzwingen: Ein aufgeschriebenes Regelwerk hilft nur, wenn du es auch dann liest, wenn es unbequem ist.
  • Kein Regelwerk ersetzt eine Marktmeinung: Risikogrenzen sagen dir, wie viel du riskierst, nicht wofür.
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Die Fehler, die am meisten kosten

Drei Fehler tauchen in fast jedem Auswertungsgespräch auf, und alle drei haben dieselbe Wurzel. Sie entstehen nicht aus Unwissen, sondern aus dem Wunsch, einen laufenden Verlust nicht anzuerkennen.

  • Den Stop nachziehen, aber in die falsche Richtung: Der Kurs läuft gegen dich, der Stop wandert weiter weg. Aus einem geplanten kleinen Verlust wird ein ungeplant großer.
  • Nach einem Verlust sofort nachlegen: Die Position wird größer, um das Vorherige aufzuholen. Genau dann ist das Risiko am höchsten und die Urteilskraft am schwächsten.
  • Gewinne zu früh mitnehmen: Wer Verluste laufen lässt und Gewinne abschneidet, kann eine Trefferquote über 70 Prozent haben und trotzdem verlieren.

Der dritte Punkt ist der unauffälligste. Entscheidend ist nicht, wie oft du richtig liegst, sondern wie sich durchschnittlicher Gewinn und durchschnittlicher Verlust zueinander verhalten. Eine ausführliche Liste steht im Artikel zu den häufigsten Trading-Fehlern, die Systematik dahinter im Risikomanagement.

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Fazit: Regeln schlagen Ratschläge

Die brauchbaren Trading Tipps sind die langweiligen. Risiko je Trade begrenzen, Stop vorher festlegen, Gesamtrisiko deckeln, alles aufschreiben. Sie klingen nach wenig und entscheiden doch darüber, ob ein Konto eine Verlustserie übersteht.

Die Quoten der Anbieter zeigen, woran es meistens liegt. Wenn rund drei Viertel der Kleinanlegerkonten Geld verlieren, ist das kein Analyseproblem, sondern ein Risikoproblem. Die ersten drei Regeln dieses Artikels setzen genau dort an, alles danach ist Handwerk.

Fang mit einer Regel an, nicht mit zehn. Nimm dir das Risikolimit vor, halte es dreißig Trades lang durch und schreibe mit, wie oft du davon abgewichen bist. Wer tiefer einsteigen will, findet den Rahmen unter Traden lernen und die passenden Ansätze in der Übersicht der Trading-Strategien.

Häufige Fragen zu Trading Tipps

Was sind die wichtigsten Trading Tipps für Anfänger?

Begrenze das Risiko je Trade auf ein bis zwei Prozent deines Kontos, lege den Stop-Loss fest, bevor du kaufst, und schreibe dein Regelwerk auf. Diese drei Punkte entscheiden darüber, ob dein Konto eine Verlustserie übersteht.

Wie viel Prozent sollte man pro Trade riskieren?

In der Praxis verbreitet sind ein bis zwei Prozent des Kontokapitals. Entscheidend ist dabei nicht der Einsatz, sondern der Abstand bis zum Stop: Aus ihm ergibt sich die Positionsgröße, nicht umgekehrt.

Was ist die 3-5-7-Regel im Trading?

Sie besagt, höchstens 3 Prozent je Trade und 5 Prozent über alle offenen Positionen zu riskieren und ein Gewinnziel mindestens 7 Prozent über dem Risiko anzusetzen. Es gibt keine belegte Quelle dafür, und drei Prozent je Trade sind für die meisten Konten zu hoch.

Wie viele Trader verlieren Geld?

Die CFD-Anbieter müssen es selbst ausweisen: IG nennt 72 Prozent, IC Markets 72,52 Prozent und XTB 77 Prozent verlierende Kleinanlegerkonten (Stand 16.09.2026). Die Zahlen gelten für den gehebelten Handel, nicht für langfristige Depots.

Gilt die 20.000-Euro-Grenze für Verluste aus Termingeschäften noch?

Nein. Das Jahressteuergesetz 2024 hat die Beschränkung gestrichen. § 20 Absatz 6 EStG enthält heute keine Betragsgrenze für Termingeschäfte mehr. Der eigene Verlusttopf für Aktienverluste besteht dagegen weiter.

Welche Technik braucht man wirklich zum Traden?

Einen stabilen Rechner mit möglichst zwei Bildschirmen, eine zuverlässige Internetverbindung, Echtzeitdaten für die gehandelten Märkte und einen Passwort-Manager. Auf dem Smartphone sollte man Positionen höchstens anpassen, nicht eröffnen.

Wie lange sollte man auf dem Demokonto üben?

Nur so lange, bis die Plattform sitzt. Ein Demokonto zeigt dir die Software, nicht dein Verhalten unter Druck. Der Übergang läuft besser über kleine echte Positionsgrößen als über eine lange Demophase.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980.

Er handelt Forex-Majors und -Minors ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für dieses Thema ist er qualifiziert, weil er seit 1980 selbst handelt und in seinen Seminaren immer wieder erlebt, dass Einsteiger nicht an der Analyse scheitern, sondern an Positionsgröße und Risiko.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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