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Golden Cross (Goldenes Kreuz): was 55 Jahre Kursdaten über das Kaufsignal verraten

Zuletzt aktualisiert: 20. August 2026

|

18 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Kaum ein Chartsignal bekommt so viel Aufmerksamkeit wie das Golden Cross. Sobald der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von unten schneidet, laufen Schlagzeilen über die Finanzportale und in den sozialen Netzwerken wird ein neuer Bullenmarkt ausgerufen. Was dabei fast immer fehlt: eine Zahl, die belegt, was das Signal tatsächlich wert ist.

Für diesen Artikel habe ich deshalb alle 33 Golden Crosses ausgewertet, die der Nasdaq Composite seit November 1971 gebildet hat. Rund 55 Jahre Tagesschlusskurse, gerechnet gegen eine ehrliche Vergleichsgröße: die Rendite an einem beliebigen Einstiegstag im selben Zeitraum. Das Ergebnis ist unbequemer und deutlich brauchbarer als die üblichen Behauptungen.

Du erfährst hier, wie das Signal entsteht, was es statistisch bringt, wo es zuverlässig versagt und warum es als Risikofilter taugt, als Renditemaschine dagegen nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Golden Cross: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Definition: Ein Golden Cross entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben durchkreuzt. Es gilt als bullisches Signal für einen beginnenden Aufwärtstrend.
  • Häufigkeit: Im Nasdaq Composite gab es seit 1971 genau 33 Golden Crosses, also im Schnitt eines alle 1,7 Jahre. Das Signal ist selten, nicht alltäglich.
  • Trefferquote: Zwölf Monate nach dem Signal stand der Index in 88 Prozent der Fälle höher. An einem beliebigen Tag zu kaufen führte in 76 Prozent der Fälle zum selben Ergebnis.
  • Der Haken: Der Median liegt mit 14,8 gegen 14,7 Prozent praktisch gleichauf. Der Vorsprung im Durchschnitt stammt aus wenigen sehr starken Signalen, nicht aus dem Normalfall.
  • Der eigentliche Nutzen: Als Handelsstrategie halbiert das Golden Cross den größten Rückgang von 78 auf 46 Prozent, kostet dabei aber Rendite: 8,9 statt 10,7 Prozent pro Jahr.
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Was ist ein Golden Cross?

Ein Golden Cross ist ein bullisches Chartsignal, das entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt eines Kurses den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben durchkreuzt.

Der deutsche Name lautet Goldenes Kreuz, im Handel gebräuchlich ist aber fast durchgängig der englische Begriff. Beide meinen dasselbe Chartmuster.

Trendfolge bezeichnet alle Handelsansätze, die einen bereits bestehenden Trend mitgehen, statt seinen Beginn oder sein Ende vorherzusagen.

Das Golden Cross gehört genau in die Familie der Trendfolgestrategien. Es sagt nichts über die Zukunft voraus, sondern stellt lediglich fest, dass sich am Kursniveau etwas geändert hat. Diese Unterscheidung ist der ganze Unterschied zwischen einem Filter und einer Prognose.

Ein gleitender Durchschnitt ist der über eine feste Anzahl vergangener Handelstage gemittelte Kurs, der sich mit jedem neuen Tag mitbewegt.

Er glättet die täglichen Ausschläge und macht die übergeordnete Richtung sichtbar. Der 50-Tage-Durchschnitt bildet die mittelfristige Lage ab, der 200-Tage-Durchschnitt die langfristige.

Kreuzen sich beide Linien nach oben, bedeutet das rechnerisch nur eines: Das Kursniveau der letzten Wochen liegt inzwischen über dem der letzten Monate. Das ist kein Blick in die Zukunft, sondern eine Zustandsbeschreibung der Vergangenheit. Genau diese Nüchternheit geht in den Schlagzeilen regelmäßig verloren.

Das Gegenstück heißt Death Cross oder Todeskreuz und entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten durchkreuzt.

Wie brauchbar dieses Verkaufssignal wirklich ist, klärt der Abschnitt zum Todeskreuz weiter unten. Die kurze Antwort vorweg: deutlich weniger, als sein dramatischer Name verspricht.

Wie entsteht ein Golden Cross im Chart?

Damit sich beide Linien überhaupt kreuzen können, muss der Kurs vorher längere Zeit gefallen sein. Ein Golden Cross setzt also einen abgeschlossenen Abwärtstrend voraus. Es taucht nie mitten in einem laufenden Bullenmarkt auf, sondern immer nach einer Bodenbildung.

Die 200-Tage-Linie ist der Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 200 Handelstage und gilt als wichtigste Orientierungsmarke für den langfristigen Trend eines Wertpapiers.

Wie stark die 200-Tage-Linie im Markt beachtet wird, zeigt sich jedes Mal, wenn ein großer Index sie von oben testet: Dort sitzen Kaufaufträge vieler institutioneller Anleger, und genau deshalb wirkt die Marke oft wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.

Der typische Ablauf hat drei Phasen. Zuerst verliert der Abwärtstrend an Kraft, der Kurs findet einen Boden und der 50-Tage-Durchschnitt dreht nach oben. Dann kreuzt die schnellere Linie die langsamere: das eigentliche Signal. Danach entscheidet sich, ob der neue Aufwärtstrend trägt oder ob der Markt in eine Seitwärtsphase zurückfällt.

Dieser Aufbau erklärt die größte Schwäche des Signals. Bis die 200 Tage im Durchschnitt nachgezogen sind, ist ein erheblicher Teil der Bewegung gelaufen. In meiner Auswertung lag das Golden Cross im Median 85 Handelstage nach dem Kurstief, der Index notierte da bereits 23 Prozent über seinem Tiefpunkt. Wer auf das Kreuz wartet, verpasst planmäßig den ersten Schub.

Golden Cross im Nasdaq Composite mit 50-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt und markierten Kreuzungen 2023 bis 2026
Das Golden Cross vom 15. März 2023 lief bis zum Gegensignal im April 2025 rund 50 Prozent weit. Zwischen Kurstief und Signal lagen vier Monate.

Das Signal vom 15. März 2023 ist ein Lehrbuchfall. Der Index stand bei rund 11.434 Punkten, das Gegensignal folgte erst am 9. April 2025 bei etwa 17.125 Punkten. Das sind knapp 50 Prozent zwischen Ein- und Ausstieg. Der Kurs hatte sein Tief allerdings schon im Dezember 2022 gesehen.

Der kurze Durchschnitt in dieser Kreuzung ist der GD 50. Wie er gerechnet wird, wo der Unterschied zwischen SMA und EMA liegt und wie er sich außerhalb von Kreuzungen einsetzen lässt, steht im Artikel zur 50-Tage-Linie (GD 50).

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SMA oder EMA: welche Einstellung passt zum Golden Cross?

Ein einfacher gleitender Durchschnitt (SMA) gewichtet alle Kurse des Zeitfensters gleich, ein exponentieller gleitender Durchschnitt (EMA) gewichtet die jüngsten Kurse stärker.

Der EMA reagiert dadurch schneller auf Kursbewegungen, der SMA bleibt träger.

Für das Golden Cross ist der einfache Durchschnitt die gängige Wahl, und das aus einem sachlichen Grund: Das Signal soll die langfristige Lage beschreiben, nicht die letzte Woche. Ein schnellerer EMA produziert mehr Kreuzungen, und die zusätzlichen Signale sind überwiegend Fehlalarme. Wer Reaktionsschnelligkeit braucht, ist mit einem Kreuzungssignal ohnehin am falschen Werkzeug.

Auch die Perioden sind nicht in Stein gemeißelt. Zwei Regeln solltest du trotzdem einhalten. Erstens: Beide Linien müssen träge genug sein, dass einzelne Handelstage sie nicht verbiegen. Zweitens: Zwischen den beiden Einstellungen braucht es einen deutlichen Abstand. Eine Kombination aus 50 und 200 funktioniert, eine aus 180 und 200 erzeugt nur Rauschen.

Der praktisch wichtigste Punkt ist ein anderer: Bleib bei einer Variante. Wer heute SMA und morgen EMA liest, vergleicht Signale, die nicht vergleichbar sind, und findet im Nachhinein immer eine Einstellung, die gepasst hätte. Weitere Kombinationen und ihre Wirkung findest du im Leitfaden zum gleitenden Durchschnitt.

Was 33 Golden Crosses seit 1971 wirklich gebracht haben

Hier wird es konkret. Ich habe die Tagesschlusskurse des Nasdaq Composite von November 1971 bis August 2026 genommen, 50-Tage- und 200-Tage-Durchschnitt berechnet und jede Kreuzung markiert. Die Datenbasis stammt von der Federal Reserve Bank of St. Louis, die die Nasdaq-Reihe frei veröffentlicht. Herausgekommen sind 33 Golden Crosses und ebenso viele Gegensignale.

Entscheidend ist die Vergleichsgröße. Eine Trefferquote von 88 Prozent klingt beeindruckend, sagt für sich genommen aber nichts. Aktienindizes steigen langfristig, also gewinnt auch ein völlig wahlloser Einstieg in der Mehrzahl der Fälle.

Die Basisrate ist die durchschnittliche Rendite eines beliebigen Einstiegstags im selben Zeitraum und die Messlatte, an der sich jedes Handelssignal beweisen muss.

Ohne diese Messlatte lässt sich jede Strategie schönrechnen. Genau deshalb steht sie in diesem Artikel in jeder Tabelle direkt neben den Signalwerten.

Golden Cross Auswertung über 55 Jahre mit Rendite nach dem Signal, Vergleich zur Basisrate und Kennzahlen gegen Kaufen und Halten
33 Signale im Nasdaq Composite. Der Mittelwert spricht für das Golden Cross, der Median entzaubert es.

Die Tabelle zeigt beide Seiten nebeneinander. Links steht, was nach einem Golden Cross tatsächlich passierte, rechts die Basisrate, also derselbe Zeitraum ohne jedes Signal.

Horizont nach dem SignalGolden Crossbeliebiger Kauftag
3 Monate, Durchschnitt+6,5 %+3,2 %
6 Monate, Durchschnitt+9,9 %+6,3 %
12 Monate, Durchschnitt+17,8 %+13,0 %
12 Monate, Median+14,8 %+14,7 %
12 Monate positiv88 %76 %

Der Mittelwert spricht klar für das Signal: 17,8 gegen 13,0 Prozent auf Jahressicht sind knapp fünf Prozentpunkte Vorsprung. Auch auf drei und sechs Monate liegt das Golden Cross vorn, jeweils um rund das Anderthalbfache.

Dann kommt der Median, und der ist der ehrlichere Wert. Er liegt bei 14,8 gegen 14,7 Prozent, also praktisch gleichauf. Das heißt: Der typische Verlauf nach einem Golden Cross unterscheidet sich kaum von einem beliebigen Einstieg. Der Vorsprung im Durchschnitt stammt aus einer Handvoll außergewöhnlich starker Signale, allen voran dem vom Dezember 1998, dem binnen zwölf Monaten 80 Prozent Plus folgten.

Was das Signal verlässlich liefert, ist eine höhere Quote positiver Ausgänge: 88 statt 76 Prozent. Es senkt also die Wahrscheinlichkeit eines schlechten Einstiegszeitpunkts, ohne den guten Einstieg spürbar besser zu machen. Merk dir diesen Satz, er trägt den ganzen Artikel.

Ein zweiter Befund widerspricht dem verbreiteten Vorwurf, das Golden Cross sei ein reiner Fehlsignalgenerator. Nur 3 der 33 Signale wurden binnen drei Monaten wieder kassiert. Das sind 9 Prozent Fehlstarts, und damit ist das Kreuz stabiler als sein Ruf. Selten und träge ist es trotzdem.

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Golden Cross gegen Kaufen und Halten: der ehrliche Vergleich

Statistik über einzelne Signale ist eine Sache. Die praktisch entscheidende Frage lautet: Was passiert, wenn du das Golden Cross konsequent handelst? Also beim Kreuz nach oben kaufst und beim Gegensignal wieder verkaufst, über 55 Jahre hinweg, ohne Ausnahme.

Kennzahl, 1971 bis 2026Golden CrossKaufen und Halten
Rendite pro Jahr8,9 %10,7 %
größter Rückgang46 %78 %
Schwankung pro Jahr14,9 %20,3 %
Zeit im Markt70 %100 %

Das Ergebnis fällt eindeutig aus, nur nicht so, wie es die Schlagzeilen nahelegen. Die Strategie verliert bei der Rendite: 8,9 gegen 10,7 Prozent pro Jahr. Über ein halbes Jahrhundert ist das ein gewaltiger Unterschied. Aus einem Startkapital wurden bei stur gehaltenem Index das 258-Fache, mit dem Golden Cross nur das 104-Fache.

Der maximale Rückgang, im Handel Drawdown genannt, misst den größten Verlust vom höchsten bis zum tiefsten Punkt einer Kapitalkurve.

Gewonnen wird genau an dieser Stelle. Der größte zwischenzeitliche Rückgang fiel von 78 auf 46 Prozent, und die Schwankungsbreite sank von 20,3 auf 14,9 Prozent pro Jahr. Wer den Nasdaq von 2000 bis 2002 durchgehalten hat, weiß, was der Unterschied zwischen diesen beiden Zahlen im Depot bedeutet.

Damit ist die Rolle des Signals sauber beschrieben. Das Golden Cross ist ein Risikofilter, kein Renditebooster. Es kauft dir Ruhe und bezahlt sie mit Rendite. Ob dieser Tausch für dich aufgeht, hängt allein davon ab, ob du einen Rückgang von 78 Prozent aussitzen könntest, ohne zum falschen Zeitpunkt zu verkaufen.

Eine Einschränkung gehört dazu: In den 30 Prozent der Zeit außerhalb des Marktes habe ich das Kapital unverzinst liegen lassen. Mit Geldmarktzinsen fiele die Bilanz etwas freundlicher aus. Handelskosten und Steuern sind umgekehrt nicht berücksichtigt, und die schlagen bei 33 Ein- und Ausstiegen zu Buche. Beide Effekte gehen in entgegengesetzte Richtungen.

Wenn das Golden Cross scheitert: Fehlsignale erkennen

Ein Fehlsignal, im Handel Whipsaw genannt, ist ein Kaufsignal, dem kurz darauf das Gegensignal folgt, ohne dass der erwartete Trend einsetzt.

Der Dezember 2015 liefert das Musterbeispiel. Am 9. Dezember 2015 kreuzte der 50-Tage-Durchschnitt nach oben, der Index stand bei rund 5.023 Punkten. Sechs Wochen später, am 20. Januar 2016, folgte das Gegensignal bei etwa 4.472 Punkten. Wer das Signal mechanisch gehandelt hat, verlor in dieser Runde 11 Prozent.

Golden Cross Fehlsignal im Nasdaq Composite Dezember 2015 mit Gegensignal nach sechs Wochen
Vier Kreuzungen in vierzehn Monaten. In einer Seitwärtsphase liegen beide Durchschnitte so eng beieinander, dass jede Schwankung ein Signal auslöst.

An diesem Chart siehst du auch die Ursache. Die beiden Linien verlaufen über Monate dicht beieinander und schlängeln sich umeinander. In einer solchen Phase reicht eine gewöhnliche Korrektur, um ein Signal auszulösen. Das Golden Cross braucht einen Trend, und in einem Seitwärtsmarkt gibt es keinen.

Zwei Warnzeichen lassen sich daraus ableiten. Erstens: Liegen beide Durchschnitte beim Kreuzen fast auf gleichem Niveau und verlaufen flach, ist die Aussagekraft gering. Zweitens: Wiederholen sich Kreuzungen in beide Richtungen auf ähnlichem Kursniveau, steckt der Markt in einer Konsolidierung. Wie du solche Phasen einordnest, zeigt der Artikel zur Konsolidierung im Trading.

Die schwersten Fehlsignale der 55 Jahre trafen alle in einen Bärenmarkt: Januar 2002 kostete auf Jahressicht 28,5 Prozent, November 1972 26,4 Prozent und Februar 1987 14,4 Prozent. Alle drei sahen im Moment des Signals genauso überzeugend aus wie die erfolgreichen. Ein Kreuzungssignal weiß nicht, in welchem Marktumfeld es entsteht.

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Golden Cross und Death Cross: warum nur eines der beiden taugt

Beide Signale werden meist als Spiegelbilder behandelt: das eine kauft, das andere verkauft. Die Daten geben das nicht her.

Ein Death Cross entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von oben nach unten durchkreuzt, und gilt als Warnsignal für einen beginnenden Abwärtstrend.

Ich habe für die 33 Todeskreuze im Nasdaq dieselbe Rechnung gemacht wie für die Golden Crosses. Das Ergebnis: Zwölf Monate nach einem Death Cross stand der Index im Durchschnitt 14,7 Prozent höher, im Median sogar 22,1 Prozent. In 73 Prozent der Fälle ging es nach dem angeblichen Verkaufssignal aufwärts.

Das liegt an derselben Trägheit, die auch das Golden Cross spät macht. Bis die 200-Tage-Linie unterschritten ist, hat der Markt den Großteil seines Rückgangs hinter sich. Wer beim Death Cross verkauft, verkauft häufig in die Erschöpfung hinein. Der Name ist reißerisch, die Prognosekraft schwach.

Für die Praxis heißt das: Nutze das Todeskreuz als Positionsausstieg in einer Trendfolgestrategie, wenn du eine feste Regel brauchst. Behandle es nicht als Crashwarnung und schon gar nicht als Anlass für Leerverkäufe.

Wie du das Golden Cross im Trading einsetzt

Ich handle selbst keine Kreuzungssignale. Meine Arbeit läuft über Price Action, also über das, was Kerzen, Hochs und Tiefs im Chart direkt zeigen. Genau aus dieser Distanz heraus lässt sich sagen, wofür das Golden Cross taugt und wofür nicht.

Sein Nutzen liegt in der Einordnung, nicht im Einstieg. Das Signal beantwortet die Frage, in welcher Marktphase du dich befindest. Liegt der 50er über dem 200er und weiten sich beide Linien auseinander, hast du einen tragfähigen Aufwärtstrend. Schlängeln sie sich umeinander, liegt eine Seitwärtsphase vor, in der Trendfolge nicht funktioniert.

Der Einstieg selbst gehört auf eine kleinere Ebene. Sobald das übergeordnete Bild bullisch ist, suchst du Rücksetzer und lässt dir vom Kurs zeigen, wann die Käufer zurück sind. Pin Bars an einer vorherigen Widerstandszone sind so ein Einstieg. Der Punkt, an dem sich zwei Rechenlinien kreuzen, hat mit der aktuellen Kursstruktur dagegen nichts zu tun.

Drei Regeln für die Praxis haben sich bewährt, wenn du mit gleitenden Durchschnitten als Filter arbeitest:

  • Kein Handeln auf das Kreuz selbst. Nutze das Signal als Filter für die Richtung und suche den Einstieg über Price Action in einem Rücksetzer.
  • Keine Durchschnitte als Unterstützung missbrauchen. Wer auf den Abpraller von der 200-Tage-Linie wartet, handelt eine Rechenlinie statt echter Angebots- und Nachfragezonen.
  • Abstand der Linien beobachten. Ein wachsender Abstand zeigt Dynamik, ein schrumpfender kündigt eine Seitwärtsphase oder einen Trendwechsel an.

Ein Golden Cross ersetzt außerdem kein Risikomanagement. Egal wie überzeugend das Signal aussieht, Positionsgröße und Stop-Loss entscheiden über das Ergebnis. Von 33 Signalen gingen acht in die Hose, das schlechteste mit 24,8 Prozent Verlust bis zum Gegensignal. Wer ohne Absicherung arbeitet, trifft irgendwann genau dieses eine.

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Vorteile und Nachteile des Golden Cross

Aus den Daten und der praktischen Anwendung ergibt sich ein klares Bild. Das Signal hat echte Stärken, aber auch Schwächen, die sich nicht wegoptimieren lassen.

Vorteile des Golden Cross

  • Eindeutig und regelbasiert: Es gibt keinen Interpretationsspielraum. Die Linien kreuzen sich oder nicht.
  • Halbiert den größten Rückgang: 46 statt 78 Prozent maximaler Verlust gegenüber Kaufen und Halten.
  • Wenige Fehlstarts: Nur 9 Prozent der Signale wurden binnen drei Monaten kassiert.
  • Höhere Trefferquote: 88 statt 76 Prozent positive Zwölf-Monats-Verläufe.
  • Marktphasenfilter: Zeigt zuverlässig, ob Trendfolge gerade überhaupt sinnvoll ist.

Nachteile des Golden Cross

  • Strukturell zu spät: Im Median lag das Signal 85 Handelstage nach dem Tief, der Kurs bereits 23 Prozent darüber.
  • Kostet Rendite: 8,9 statt 10,7 Prozent pro Jahr über 55 Jahre.
  • Wertlos im Seitwärtsmarkt: Ohne Trend erzeugen beide Linien Signal um Signal ohne Folgebewegung.
  • Kein Renditevorsprung im Normalfall: Der Median liegt gleichauf mit einem beliebigen Einstiegstag.
  • Verführt zu Selbstüberschätzung: Die mediale Aufmerksamkeit suggeriert eine Sicherheit, die die Zahlen nicht decken.

Golden Cross bei Aktien, Krypto und Devisen

Die Rechenvorschrift funktioniert auf jedem Markt und in jedem Zeitrahmen. Ob sie sinnvoll ist, hängt allein davon ab, wie sich der jeweilige Markt bewegt.

Bei Aktienindizes ist das Signal am besten aufgehoben. Sie haben eine langfristige Aufwärtstendenz, laufen in ausgedehnten Trends und schwanken moderat. Genau darauf ist ein 50/200-Filter ausgelegt, und darauf beruhen auch die Zahlen in diesem Artikel. Bei Einzelaktien wird es unschärfer: Eine Gewinnwarnung setzt jeden gleitenden Durchschnitt außer Kraft.

Bei Kryptowährungen wird das Golden Cross besonders gern zitiert, taugt dort aber am wenigsten. Bitcoin bewegt sich in Zyklen mit extremen Ausschlägen, und bis die 200-Tage-Linie reagiert, ist ein großer Teil der Bewegung gelaufen. Die verbreitete Vorstellung, ein Krypto-Kreuz läute verlässlich einen Bullenmarkt ein, hält keiner nüchternen Prüfung stand.

Im Devisenhandel fehlt die strukturelle Aufwärtstendenz vollständig. Währungspaare pendeln über Jahre in Bandbreiten, und ein Trendfolgefilter erzeugt dort überdurchschnittlich viele Fehlsignale. Wer im Forexmarkt mit gleitenden Durchschnitten arbeitet, braucht zusätzliche Bedingungen, sonst zahlt er sich an Whipsaws arm.

Fazit: ein guter Kompass, ein schlechtes Kaufsignal

Nach 33 ausgewerteten Signalen aus 55 Jahren fällt mein Urteil nüchtern aus. Das Golden Cross ist kein Mythos, aber auch nicht annähernd das, was die Schlagzeilen daraus machen. Es liefert eine messbar höhere Trefferquote und schneidet in den Durchschnittswerten besser ab als ein beliebiger Einstieg. Beim Median verschwindet dieser Vorsprung fast vollständig.

Der eigentliche Wert liegt woanders. Als Handelsstrategie halbiert das Signal den größten Rückgang und senkt die Schwankungsbreite deutlich, kostet dafür aber knapp zwei Prozentpunkte Rendite pro Jahr. Das ist ein Tausch, kein kostenloser Vorteil. Wer schlecht schläft, wenn das Depot 70 Prozent unter Wasser steht, bekommt hier ein brauchbares Werkzeug. Wer ohnehin durchhält, verschenkt Rendite.

Für mich als Price-Action-Trader hat das Kreuz eine andere Funktion: Es sagt mir, ob Trendfolge in diesem Markt gerade überhaupt Sinn ergibt. Den Einstieg suche ich woanders, nämlich dort, wo der Kurs selbst zeigt, dass die Käufer zurück sind. Ein Signal, das im Median 85 Handelstage nach dem Tief kommt, ist als Einstiegssignal schlicht das falsche Werkzeug.

Und das Death Cross? Das würde ich nach diesen Zahlen niemandem als Verkaufssignal empfehlen. Zwölf Monate danach stand der Index im Schnitt höher, nicht tiefer. Wenn ein Signal in drei von vier Fällen das Gegenteil dessen anzeigt, was sein Name verspricht, gehört es nicht ins Regelwerk.

Häufige Fragen zum Golden Cross

Was ist ein Golden Cross?

Ein Golden Cross ist ein bullisches Chartsignal. Es entsteht, wenn der 50-Tage-Durchschnitt eines Kurses den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben durchkreuzt. Auf Deutsch heißt es Goldenes Kreuz und gilt als Hinweis auf einen beginnenden Aufwärtstrend.

Wie zuverlässig ist das Golden Cross?

In 55 Jahren Nasdaq-Historie stand der Index zwölf Monate nach einem Golden Cross in 88 Prozent der Fälle höher. Ein Kauf an einem beliebigen Tag führte in 76 Prozent der Fälle zum selben Ergebnis. Der Vorsprung ist real, aber kleiner als oft behauptet.

Wie oft kommt ein Golden Cross vor?

Der Nasdaq Composite bildete seit November 1971 genau 33 Golden Crosses, also im Schnitt eines alle 1,7 Jahre. Bei Einzelaktien und in kleineren Zeitrahmen treten sie häufiger auf, dafür mit geringerer Aussagekraft.

Sollte man beim Golden Cross kaufen?

Nicht auf das Signal selbst. Das Golden Cross liegt im Median 85 Handelstage nach dem Kurstief, der Kurs notiert dann schon rund 23 Prozent darüber. Sinnvoller ist es, das Kreuz als Richtungsfilter zu nutzen und den Einstieg in einem Rücksetzer zu suchen.

Was ist der Unterschied zwischen Golden Cross und Death Cross?

Beim Golden Cross kreuzt der 50-Tage-Durchschnitt den 200-Tage-Durchschnitt von unten nach oben, beim Death Cross von oben nach unten. Statistisch sind beide aber keine Spiegelbilder: Nach einem Death Cross stieg der Nasdaq zwölf Monate später im Schnitt um 14,7 Prozent.

Funktioniert das Golden Cross bei Bitcoin?

Die Berechnung funktioniert, die Aussagekraft ist geringer. Kryptowährungen bewegen sich in Zyklen mit sehr großen Ausschlägen, sodass die 200-Tage-Linie besonders spät reagiert. Ein Golden Cross im Bitcoin-Chart ist kein verlässlicher Startschuss für einen Bullenmarkt.

Sollte man SMA oder EMA für das Golden Cross verwenden?

Üblich und sinnvoll ist der einfache gleitende Durchschnitt (SMA). Ein EMA reagiert schneller und erzeugt dadurch mehr Kreuzungen, von denen die zusätzlichen überwiegend Fehlsignale sind. Wichtiger als die Wahl selbst ist, dauerhaft bei einer Variante zu bleiben.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.

Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für diesen Artikel hat er die Golden-Cross-Signale des Nasdaq Composite seit 1971 selbst ausgewertet und gegen eine Basisrate gerechnet. Als Price-Action-Trader beurteilt er das Signal von außen: Er handelt keine Kreuzungssignale, kennt aber aus über vier Jahrzehnten Marktpraxis die Grenzen von Trendfolgefiltern.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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