Orderblock im Trading: wie du die Zone erkennst, richtig einzeichnest und mit klarem Stopp handelst

Zuletzt aktualisiert: 29. Juli 2026

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18 Min

Christian Möhrer

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Die meisten Trader suchen den Einstieg dort, wo die Bewegung schon läuft. Große Adressen machen es umgekehrt. Sie brauchen Gegenparteien für ihre Order, und die finden sie dort, wo viele private Stopps liegen: unter markanten Tiefs, über markanten Hochs, an runden Kursmarken. Der Orderblock ist die Kerze, die diesen Vorgang im Chart sichtbar macht.

Dieser Artikel zeigt dir, was einen Orderblock von einer beliebigen Kerze unterscheidet, wie du ihn einzeichnest, wo Einstieg und Stopp liegen und woran valide Zonen scheitern. Dazu die Abgrenzung zu Fair Value Gap, Supply-Demand-Zone und Breaker Block. Und eine ehrliche Einordnung, was das Konzept leisten kann und was nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Orderblock: das Wichtigste in
30 Sekunden

  • Definition: Ein Orderblock ist die letzte entgegengesetzte Kerze vor einem impulsiven Richtungswechsel. Ihre Spanne von Tief bis Hoch bildet die Zone.
  • Drei Bedingungen: Erst Liquidity Sweep, dann impulsiver Ausbruch mit Fair Value Gap, dann Bruch der Marktstruktur. Fehlt eine davon, ist es keine handelbare Zone.
  • Zwei Richtungen: Der bullische Orderblock ist die letzte rote Kerze vor dem Aufwärtsimpuls, der bärische die letzte grüne vor dem Abwärtsimpuls.
  • Einstieg: Gehandelt wird nicht der Impuls, sondern der Rücklauf in die Zone. Die 50-Prozent-Marke trennt intakt von gebrochen.
  • Grenze: Ein Orderblock ist ein Kontext-Werkzeug, kein Signalgeber. Ohne übergeordnete Struktur bleibt die Zone bedeutungslos.

Was ist ein Orderblock im Trading?

Ein Orderblock ist die letzte entgegengesetzte Kerze vor einem impulsiven Richtungswechsel im Chart. Ihre Spanne von Tief bis Hoch markiert den Preisbereich, in dem große Marktteilnehmer aktiv geworden sind.

Der Begriff stammt aus den Smart Money Concepts, einer Handelsmethodik, die den Markt aus Sicht der großen Adressen liest. Die Grundannahme: Banken, Fonds und andere institutionelle Akteure können ihre Positionen nicht in einem Zug in den Markt legen. Sie brauchen Gegenparteien. Und die entstehen dort, wo viele kleine Order gleichzeitig ausgelöst werden.

Die Größenordnung dahinter ist keine Behauptung, sondern gemessen. Der Triennial Central Bank Survey der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich beziffert den täglichen Umsatz im Devisenmarkt auf 9,6 Billionen Dollar im April 2025, ein Plus von 28 Prozent gegenüber 2022. Ein einzelner Akteur mit einem Bruchteil dieses Volumens bewegt einen Kurs zwangsläufig, wenn er unvorbereitet in den Markt geht. Genau deshalb wird Liquidität gesucht, bevor sie gebraucht wird.

Warum Orderblocks überhaupt entstehen

Stell dir vor, ein Fonds will eine große Long-Position aufbauen. Kauft er einfach zum Marktpreis, treibt er den Kurs gegen sich selbst. Günstiger wird es, wenn er wartet, bis der Markt unter ein markantes Tief fällt. Dort liegen die Stop-Loss-Order der Longs, und jeder ausgelöste Stopp ist ein Verkauf, der als Gegenseite dient.

Der Kurs fällt also kurz unter das Tief, füllt die großen Kauforder ein, und dreht dann mit Tempo nach oben. Was im Chart zurückbleibt, ist die letzte rote Kerze vor dem Anstieg. Diese Kerze markiert den Bereich, in dem die Order tatsächlich lagen. Läuft der Kurs später wieder dorthin, treffen neue Order auf denselben Bereich, und die Zone reagiert häufig erneut.

Das Muster ist nicht neu. Angebot und Nachfrage an markanten Kursbereichen beschreibt die technische Analyse mit Unterstützung und Widerstand seit Jahrzehnten. Der Beitrag der Smart Money Concepts liegt in der Präzisierung: nicht ein grober Bereich, sondern eine einzelne Kerze, und nicht irgendeine, sondern die letzte vor dem Bruch.

Orderblock und Block Order sind nicht dasselbe

Zwei Begriffe werden regelmäßig verwechselt, und die Verwechslung führt in die Irre. Der eine beschreibt einen realen Handelsvorgang, der andere eine Chartzone.

Eine Block Order ist der außerbörsliche Handel eines großen Aktienpakets zwischen zwei Parteien. Ein Orderblock ist dagegen ein Kursbereich im Chart, der aus dem Verlauf abgeleitet wird.

Die Block Order ist ein realer Vorgang mit realem Volumen. Das Gabler Banklexikon beschreibt sie als Besitzerwechsel eines vergleichsweise großen Aktienpakets, üblicherweise bei Umplatzierungen zwischen Finanzinvestoren. Der Orderblock dagegen ist eine Interpretation des Charts.

Niemand sieht die Order im Orderbuch, du siehst nur die Kerze und schließt daraus zurück auf das, was passiert sein könnte. Der Unterschied zählt, wenn du das Konzept realistisch einschätzen willst. Wer wirklich sehen will, wo Volumen liegt, braucht Volumen- und Orderflow-Analyse. Der Orderblock ist eine Hypothese über Liquidität, kein Beweis.

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Bullischer und bärischer Orderblock

Beide Varianten folgen derselben Abfolge, nur die Richtung dreht sich. Der eine liefert das Long-Setup, der andere das Short-Setup.

Ein bullischer Orderblock ist die letzte rote Kerze vor einem impulsiven Aufwärtsimpuls. Die Zone wirkt danach als Unterstützung.

Ein bärischer Orderblock ist die letzte grüne Kerze vor einem impulsiven Abwärtsimpuls. Die Zone wirkt danach als Widerstand.

Bullischer und bärischer Orderblock im Chartschema mit Liquidity Sweep, Fair Value Gap und Market Structure Shift
Die Zone entsteht immer nach demselben Ablauf. Beim bullischen Orderblock wird die Liquidität unter dem Tief abgeholt, beim bärischen über dem Hoch.

Bullischer Orderblock (Long-Setup)

Der Kurs fällt, läuft unter ein markantes Tief und löst dort die Stopps aus. Direkt danach dreht er mit einer kraftvollen Aufwärtsbewegung und bricht das letzte relevante Hoch. Die letzte rote Kerze vor diesem Impuls ist der bullische Orderblock.

Die Zone reicht vom Tief bis zum Hoch dieser Kerze. Kommt der Kurs später zurück, ist die Oberkante der erste Kontaktpunkt. Manche Trader arbeiten stattdessen mit der Zone bis zum Kerzenkörper, ohne den Docht. Beide Varianten sind verbreitet. Wichtig ist, dass du dich für eine entscheidest und dabei bleibst.

Bärischer Orderblock (Short-Setup)

Spiegelbildlich: Der Kurs steigt, läuft über ein markantes Hoch, sammelt dort die Stopps der Shorts ein, und fällt anschließend impulsiv unter das letzte relevante Tief. Die letzte grüne Kerze vor dem Abwärtsimpuls bildet die Zone.

Beim Rücklauf ist hier die Unterkante der erste Kontaktpunkt. In der Praxis fallen bärische Orderblocks in Aufwärtstrends häufiger aus als in Abwärtstrends, weil der übergeordnete Druck gegen die Zone arbeitet. Das ist kein Argument gegen das Konzept, sondern eines dafür, den übergeordneten Trend zuerst zu bestimmen.

Orderblock erkennen: die drei Bedingungen

Nicht jede entgegengesetzte Kerze vor einer Bewegung ist ein Orderblock. Drei Bedingungen müssen zusammenkommen: Sweep, Impuls und Strukturbruch. Sonst markierst du beliebige Korrekturkerzen.

Orderblock erkennen in vier Schritten: Liquidity Sweep, impulsiver Ausbruch mit Fair Value Gap, Bruch der Marktstruktur und Rücklauf in die Zone
Die ersten drei Schritte entscheiden, ob die Zone überhaupt valide ist. Erst der vierte Schritt ist der Einstieg.

Bedingung 1: der Liquidity Sweep

Ein Liquidity Sweep ist das kurze Über- oder Unterschreiten einer markanten Kursmarke, bei dem die dort liegenden Stopps ausgelöst werden, bevor der Kurs in die Gegenrichtung dreht.

Praktisch erkennst du ihn an einem Docht über oder unter einem vorherigen Extrem. Der Kurs war kurz dort, hat aber nicht dort geschlossen. Fehlt dieser Vorgang, fehlt die Erklärung dafür, warum an dieser Stelle plötzlich große Order im Markt liegen sollten. Mehr zum Ablauf steht im Liquidity Sweep.

Bedingung 2: der impulsive Ausbruch mit Fair Value Gap

Auf den Sweep folgt eine Bewegung mit sichtbarem Tempo. Große Kerzenkörper, wenig Gegenwehr, oft eine Kurslücke zwischen den Kerzen.

Eine Fair Value Gap ist ein Kursbereich, den der Markt so schnell durchlaufen hat, dass zwischen dem Hoch der einen und dem Tief der übernächsten Kerze eine Lücke bleibt.

Diese Lücke ist das sichtbare Zeichen für ein kurzfristiges Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage. Sie ist kein Muss, aber sie hebt die Qualität des Setups deutlich. Wie du solche Lücken einordnest, steht in der Fair Value Gap.

Bedingung 3: der Bruch der Marktstruktur

Ein Market Structure Shift ist der Bruch des letzten relevanten Hochs oder Tiefs, der belegt, dass der vorherige Trend beendet ist.

Ohne diesen Bruch fehlt der Beweis, dass sich das Kräfteverhältnis gedreht hat. Der Kurs kann kurz nach oben gezuckt sein und danach seinen Abwärtstrend fortsetzen. Erst der Strukturbruch macht aus einer Zuckung eine belastbare Trendwende.

Die Abgrenzung zwischen Market Structure Shift, Break of Structure und Change of Character ist dabei feiner, als die meisten Videos vermuten lassen. Der BoS bestätigt einen laufenden Trend, der CHoCH zeigt den ersten Riss. Die Unterscheidung lohnt sich, wenn du sauber arbeiten willst.

Marco Reis von Noc Trading erklärt einen Orderblock auf YouTube

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Orderblock einzeichnen: so gehst du vor

Das Einzeichnen ist Handwerk, keine Interpretation. Fünf Schritte, immer in derselben Reihenfolge:

  • Übergeordneten Timeframe zuerst: Bestimme im Tages- oder Vier-Stunden-Chart die Richtung. Ohne diese Vorentscheidung suchst du Zonen in beide Richtungen und findest immer eine.
  • Markante Extrempunkte markieren: Zeichne die letzten relevanten Hochs und Tiefs ein. Das sind die Stellen, an denen Liquidität liegt.
  • Sweep identifizieren: Suche die Kerze, deren Docht über oder unter einem dieser Extrempunkte liegt, ohne dort zu schließen.
  • Die letzte entgegengesetzte Kerze markieren: Zeichne ein Rechteck von Tief bis Hoch dieser Kerze und ziehe es nach rechts. Das ist deine Zone.
  • Strukturbruch abwarten: Erst wenn der Kurs das letzte relevante Hoch oder Tief gebrochen hat, ist die Zone handelbar. Vorher ist sie nur eine Markierung.

In TradingView genügt dafür das Rechteck-Werkzeug. Es gibt zwar Indikatoren, die Orderblocks automatisch einzeichnen, aber sie markieren in der Regel jede entgegengesetzte Kerze vor einem Impuls, unabhängig von Sweep und Struktur. Als Vorfilter taugen sie, als Entscheidungsgrundlage nicht.

Etwas weiter geht der Alphamonics-Scanner, der die Zone nicht isoliert markiert, sondern als Teil eines ABCD-Pattern-Scorings bewertet. Auch das ist eine Vorauswahl, keine Freigabe: Ob die Struktur darunter stimmt, entscheidest weiterhin du am Chart.

Orderblock traden: Einstieg, Stopp und Ausstieg

Gehandelt wird nicht der Impuls. Der ist vorbei, wenn du ihn siehst. Gehandelt wird der Rücklauf in die Zone, nachdem die Struktur gebrochen ist.

Wo die Order in der Zone liegt

Für den Einstieg gibt es zwei gängige Wege. Die Limit-Order an der Zonenkante füllt früh: beim bullischen Orderblock am Hoch der Kerze, beim bärischen am Tief. Vorteil ist der enge Stopp, Nachteil sind Fehlsignale, wenn der Kurs die Zone nur streift und weiterläuft.

Die zweite Variante ist der Einstieg nach sichtbarer Reaktion. Du wartest, bis der Kurs die Zone erreicht und dort ein Umkehrverhalten zeigt, etwa einen Strukturbruch auf kleinerem Timeframe. Der Einstieg liegt dann schlechter, die Trefferqualität ist erfahrungsgemäß besser.

Die 50-Prozent-Marke als Trennlinie

Die Mitte der Zone, gemessen von Tief zu Hoch, dient als technischer Referenzpunkt. Sie trennt eine intakte von einer gebrochenen Zone.

Solange der Kurs bei einem bullischen Orderblock nicht unterhalb dieser Marke schließt, gilt die Zone in vielen Ansätzen als intakt. Beim bärischen Orderblock entsprechend oberhalb. Das ist keine Naturkonstante, sondern eine Konvention mit praktischem Nutzen: eine klare, vorher definierte Grenze statt einer Bauchentscheidung im laufenden Trade.

Dochte zählen anders als Schlusskurse

Ein Eindringen mit dem Docht unter die 50-Prozent-Marke gilt als unkritisch. Dochte entstehen durch kurzfristige Ausschläge und sagen wenig über die Kräfteverteilung.

Entscheidend ist der Schlusskurs. Schließt eine Kerze deutlich unterhalb der Zonenmitte, ist die Annahme, dass dort noch unausgeführte Kauforder liegen, schwer haltbar. Die Zone gilt dann als geschwächt oder gebrochen. Welchen Timeframe du für diese Bewertung heranziehst, legst du vorher fest, nicht im Trade.

Stopp und Positionsgröße

Der Stopp gehört hinter die Struktur, nicht an eine bequeme Zahl. Beim bullischen Orderblock heißt das: unter das Tief der Orderblock-Kerze, mit etwas Puffer. Wird dieses Tief unterschritten, war die Annahme falsch, und du willst raus sein.

Genau hier machen viele den Fehler in der Reihenfolge. Sie setzen zuerst die Positionsgröße fest und quetschen den Stopp dann so eng, dass das Chance-Risiko-Verhältnis rechnerisch schön aussieht. Richtig ist der umgekehrte Weg: Stopp aus der Struktur ableiten, Abstand messen, und daraus die Positionsgröße berechnen.

Ein großer Orderblock bedeutet dann eben eine kleinere Position. Das fühlt sich falsch an, weil der Gewinn im Erfolgsfall kleiner ausfällt. Es ist aber der einzige Weg, das Risiko je Trade konstant zu halten. Die Grundlagen dazu stehen im Risikomanagement im Trading und bei der Stop-Loss-Order.

Orderblock im Chart markiert mit Einstiegszone und Stopp unterhalb der Kerze
Marco Reis von Noc Trading zeigt im Video, wie die Zone im Chart aufgebaut ist und wo der Stopp sitzt.

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Mitigierter Orderblock und Breaker Block

Zwei Begriffe fallen im Alltag ständig und werden selten sauber erklärt. Beide beschreiben eine Zone nach ihrem ersten Test, der eine mit verbrauchter, der andere mit umgekehrter Wirkung.

Ein mitigierter Orderblock ist eine Zone, in die der Kurs bereits zurückgelaufen ist und in der die dort vermuteten Order deshalb als ausgeführt gelten.

Der erste Rücklauf ist der interessante. Danach ist die Grundannahme aufgebraucht. Ein zweiter oder dritter Test derselben Zone hat erfahrungsgemäß eine deutlich schwächere Reaktion, weil die Order, um die es ging, längst im Markt sind. Wer alte Zonen immer wieder handelt, handelt eine Idee, die es nicht mehr gibt.

Ein Breaker Block ist ein Orderblock, der in die Gegenrichtung gebrochen wurde und danach als Zone in umgekehrter Funktion wirkt.

Ein bullischer Orderblock, der klar nach unten durchbrochen wird, kann beim späteren Rücklauf von unten als Widerstand dienen. Das ist im Kern der klassische Rollentausch zwischen Unterstützung und Widerstand, nur im Smart-Money-Vokabular. Wer das Prinzip aus der klassischen Chartanalyse kennt, muss hier wenig Neues lernen.

Orderblock, Fair Value Gap oder Supply-Demand-Zone?

Drei Konzepte überschneiden sich und beschreiben trotzdem etwas anderes. Sie unterscheiden sich vor allem in der Zonengröße und damit im Stopp-Abstand:

KonzeptWas markiert wirdTypische Zonengröße
OrderblockLetzte entgegengesetzte Kerze vor dem ImpulsEng, eine Kerze
Fair Value GapLücke zwischen zwei Kerzen im ImpulsSehr eng
Supply-Demand-ZoneKonsolidierungsbereich vor dem ImpulsBreit, mehrere Kerzen

In der Praxis liegen die drei oft direkt übereinander. Der Orderblock ist die präziseste und damit riskanteste Markierung: enge Zone, enger Stopp, häufigere Fehlsignale. Die Supply-Demand-Zone ist der breiteste Ansatz mit mehr Puffer und schlechterem Chance-Risiko-Verhältnis. Welchen du wählst, ist eine Frage des Stils, nicht der Wahrheit.

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Typische Fehler beim Orderblock-Trading

Die meisten Fehlversuche entstehen nicht am Konzept, sondern an der Umsetzung. Fünf Muster tauchen immer wieder auf, und alle fünf lassen sich mit klaren Regeln abstellen.

Zone ohne Strukturbruch handeln

Der häufigste Fehler. Eine entgegengesetzte Kerze vor einem Impuls sieht schnell nach Orderblock aus, aber ohne Bruch der Marktstruktur fehlt die Grundlage. Der vorherige Trend ist dann noch intakt, und die Zone liegt gegen die dominante Richtung. Warte den Bruch ab, auch wenn der Einstieg dadurch schlechter wird.

Beliebige Kerzen markieren

Ohne Sweep, ohne Impuls und ohne Strukturbruch wird jede Korrekturkerze zum Orderblock. Am Ende ist der Chart voller Rechtecke, und irgendeines reagiert immer. Das fühlt sich nach Bestätigung an, ist aber nachträgliche Mustersuche. Die drei Bedingungen sind kein Ritual, sie sind der Filter.

Mitigierte Zonen erneut handeln

Wurde eine Zone schon einmal tief getestet, ist die Idee dahinter verbraucht. Trotzdem stehen die alten Rechtecke oft wochenlang im Chart und werden weiter gehandelt. Markierungen brauchen ein Verfallsdatum. Räume Zonen weg, sobald sie mitigiert sind.

Rücklauf als automatisches Signal lesen

Der Kurs erreicht die Zone, also wird gekauft. So funktioniert es nicht. Der Orderblock ist ein Bereich erhöhter Aufmerksamkeit, keine Einstiegsanweisung. Ohne sichtbare Reaktion im Preisverhalten fehlt die Bestätigung, und die Trefferquote fällt deutlich ab.

Stopp zu eng an der Zone

Ein Orderblock kann über viele Ticks reichen, und der Kurs darf innerhalb der Zone schwanken. Wer den Stopp direkt an die Zonenkante legt, um das Chance-Risiko-Verhältnis zu schönen, wird regelmäßig ausgestoppt und sieht danach zu, wie die Bewegung ohne ihn läuft. Der Stopp gehört hinter die Struktur. Wie du das rechnerisch sauber löst, steht beim Chance-Risiko-Verhältnis.

Orderblocks auf verschiedenen Zeiteinheiten

Märkte sind fraktal aufgebaut. Dieselben Abläufe wiederholen sich auf allen Zeitebenen, nur in unterschiedlicher Größenordnung. Ein Sweep mit anschließendem Strukturbruch entsteht im Minutenchart genauso wie im Tageschart.

Die Bedeutung ist aber nicht dieselbe. Auf M1 und M5 entstehen Zonen durch kurzfristige Bewegungen, kleinere Akteure oder Nachrichtenimpulse. Sie eignen sich für schnelle Trades, halten aber oft nur lokal.

Auf H4 und im Tageschart braucht es deutlich mehr Volumen und Kapital, um eine Struktur zu brechen. Wer dort eine Spur hinterlässt, hat entsprechend große Order im Markt. Deshalb gelten höhere Zeiteinheiten als verlässlicher.

Ein bewährter Kompromiss: die Zone im übergeordneten Chart bestimmen, den Einstieg im kleineren feinjustieren. Das ist auch der Ansatz, den Hedgefonds und andere große Adressen strukturell erzwingen, weil sie ihre Positionen gar nicht anders aufbauen können.

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Was ein Orderblock nicht leistet

Ich handle selbst nicht nach dem Vokabular der Smart Money Concepts. Meine Methodik kommt aus der klassischen Price Action nach Joe Ross, und dort heißen die Dinge anders. Das Prinzip dahinter ist mir trotzdem seit Jahrzehnten vertraut: Der Markt holt sich Liquidität, bevor er dreht. Das war lange vor der ICT-Terminologie bekannt.

Daraus folgt eine nüchterne Einschätzung. Ein Orderblock ist ein Kontext-Werkzeug. Er sagt dir, wo du hinschauen solltest, nicht was du tun sollst. Er liefert keine Trefferquote, keine Kursziele und keine Bestätigung.

Dazu kommt eine Eigenschaft, die selten erwähnt wird: Das Konzept ist nicht überprüfbar. Du siehst nie, ob dort tatsächlich institutionelle Order lagen. Du siehst nur, dass der Kurs reagiert hat oder eben nicht. Wer daraus eine Gewissheit ableitet, verwechselt eine plausible Erzählung mit einem Beleg.

Vorsicht ist auch beim Umfeld angebracht. Rund um ICT und die Smart Money Concepts hat sich eine große Szene aus Coaches und Kanälen gebildet, deren Geschäftsmodell nicht immer der Handel ist. Die BaFin weist darauf hin, dass Anleger auf Basis von Informationen aus sozialen Medien deutlich spekulativer investieren, und rät bei Anlagetipps in sozialen Medien zu Vorsicht. Prüfe jedes Konzept am eigenen Chart, bevor du dafür bezahlst.

Fazit: Orderblocks ordnen den Chart, sie ersetzen keine Strategie

Der Orderblock ist eines der brauchbareren Konzepte aus dem Smart-Money-Umfeld, weil er einen prüfbaren Ablauf beschreibt: Liquidität wird abgeholt, ein Impuls folgt, die Struktur bricht. Diese drei Schritte kannst du an jedem Chart nachvollziehen, ohne an eine Erzählung glauben zu müssen.

Was ihn von klassischen Unterstützungs- und Widerstandszonen unterscheidet, ist die Präzision der Markierung. Eine einzelne Kerze statt eines groben Bereichs. Das ist ein Vorteil beim Stopp und ein Nachteil bei der Trefferquote, denn enge Zonen werden häufiger durchschlagen. Wer das nicht einkalkuliert, hält das Konzept für unzuverlässig, obwohl nur die Positionsgröße nicht passt.

Meine Empfehlung nach vielen Jahren am Chart: Nimm den Orderblock als Werkzeug zur Priorisierung, nicht als Signalgeber. Er hilft dir zu entscheiden, welche der fünf Zonen im Chart die relevante ist. Ob du handelst, entscheidet weiterhin der übergeordnete Kontext. Und wie groß du handelst, entscheidet dein Risikomanagement.

Häufige Fragen zum Orderblock

Was ist ein Orderblock im Trading?

Ein Orderblock ist die letzte entgegengesetzte Kerze vor einem impulsiven Richtungswechsel. Ihre Spanne von Tief bis Hoch markiert den Bereich, in dem große Marktteilnehmer aktiv geworden sind. Typischerweise geht ein Liquidity Sweep voraus, und danach folgt ein Bruch der Marktstruktur.

Wie erkenne ich, ob ein Orderblock valide ist?

Drei Bedingungen müssen zusammenkommen: Der Markt holt vorher Liquidität ab, startet danach einen klaren Impuls, und bricht anschließend die bestehende Struktur. Fehlt eine davon, ist es keine handelbare Zone, sondern nur eine Kerze vor einer Bewegung.

Was ist der Unterschied zwischen bullischem und bärischem Orderblock?

Der bullische Orderblock ist die letzte rote Kerze vor einem Aufwärtsimpuls und wirkt danach als Unterstützung. Der bärische ist die letzte grüne Kerze vor einem Abwärtsimpuls und wirkt als Widerstand. Der Ablauf ist identisch, nur die Richtung dreht sich.

Wie funktioniert der Einstieg nach einem Orderblock?

Gehandelt wird der Rücklauf in die Zone, nicht der Impuls. Entweder mit Limit-Order an der Zonenkante oder nach sichtbarer Reaktion im Preisverhalten. Die 50-Prozent-Marke der Zone dient als Grenze: Schlusskurse jenseits davon gelten als Bruch.

Was ist ein Breaker Block?

Ein Breaker Block ist ein Orderblock, der in die Gegenrichtung gebrochen wurde. Ein durchbrochener bullischer Orderblock kann beim späteren Rücklauf von unten als Widerstand wirken. Das entspricht dem klassischen Rollentausch zwischen Unterstützung und Widerstand.

Funktionieren Orderblocks auf allen Zeiteinheiten?

Ja, Märkte sind fraktal aufgebaut. Orderblocks entstehen im M1-Chart genauso wie im Tageschart. Zonen auf höheren Zeiteinheiten gelten allerdings als stabiler, weil dort mehr Volumen nötig ist, um eine Struktur zu brechen.

Ist ein Orderblock dasselbe wie eine Block Order?

Nein. Eine Block Order ist der reale außerbörsliche Handel eines großen Aktienpakets zwischen zwei Parteien. Ein Orderblock ist dagegen ein Kursbereich im Chart, der aus dem Verlauf abgeleitet wird. Der eine ist ein Vorgang, der andere eine Interpretation.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 an den Märkten. Sein Schwerpunkt liegt auf diskretionärem Price-Action-Trading in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.

Er übersetzte Ende der 1980er-Jahre die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche und war über 17 Jahre Repräsentant von Joe Ross in Deutschland, dessen zehn Bücher er übersetzte und verlegte. Zwischen 2000 und 2010 gab er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für das Thema Orderblock bringt er die Perspektive des langjährigen Praktikers mit: Er handelt selbst nicht nach dem Vokabular der Smart Money Concepts, kennt den zugrunde liegenden Mechanismus aus der klassischen Price Action aber seit Jahrzehnten. Diese Distanz erlaubt eine Einordnung, die weder das Konzept überhöht noch es pauschal abtut.

*Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.*

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