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Liquidation Heatmap richtig lesen: was die Zonen zeigen und was sie nicht zeigen

Zuletzt aktualisiert: 24. August 2026

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Karsten Kagels

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Karsten Kagels

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Kaum ein Chart-Werkzeug hat im Krypto-Handel so schnell Karriere gemacht wie die Liquidation Heatmap. Sie färbt die Bereiche ein, in denen besonders viele gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen würden, und liefert damit eine verlockend einfache Geschichte: Dort, wo es hell leuchtet, will der Kurs hin.

Diese Geschichte stimmt in Teilen. Sie verschweigt aber den entscheidenden Punkt, den kaum ein Anbieter deutlich macht: Die eingefärbten Zonen sind nicht gemessen, sondern berechnet. Wer das nicht weiß, hält ein Modell für eine Tatsache. Dieser Artikel zeigt, wie die Heatmap entsteht, wie du sie liest und wo ihre Grenzen liegen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Liquidation Heatmap: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was sie zeigt: Preiszonen, in denen viele gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen würden, farblich nach geschätzter Größe abgestuft.
  • Der große Vorbehalt: Die Zonen sind berechnet, nicht gemessen. Kein Anbieter kennt die echten Liquidationsmarken der Marktteilnehmer.
  • Wofür sie taugt: als Risikokarte für Zonen mit erhöhter Bewegungsgefahr, nicht als Einstiegssignal.
  • Wo sie herkommt: aus dem Perpetual-Handel der Krypto-Börsen, weshalb es sie für Aktien praktisch nicht gibt.
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Was ist eine Liquidation Heatmap?

Eine Liquidation Heatmap ist eine Grafik, die neben dem Kursverlauf jene Preiszonen farbig hervorhebt, in denen nach Berechnung des Anbieters besonders viele gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen würden.

Die Darstellung ähnelt einer Wärmebildkamera: Je heller ein Band, desto größer das dort vermutete Volumen an gefährdeten Positionen. Dunkle Bereiche bedeuten wenig, helle Bereiche viel. Anders als bei einer Markt-Heatmap für Aktien geht es also nicht um Kursveränderungen, sondern um aufgestautes Risiko.

Der Unterschied zu verwandten Werkzeugen ist nicht bloß akademisch. Wie die Markt-Heatmap eines Aktienindex funktioniert und warum sie eine völlig andere Datenbasis hat, steht im Überblick zur Aktien Heatmap. Beide teilen nur das Prinzip, dass Farbe eine Intensität ausdrückt.

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Wie eine Liquidation überhaupt entsteht

Ohne Hebel gäbe es keine Liquidation. Die Heatmap ist deshalb im Kern eine Karte des fremdfinanzierten Teils des Marktes, nicht des gesamten Handelsvolumens.

Eine Liquidation ist die erzwungene Schließung einer gehebelten Position durch die Börse, sobald die hinterlegte Sicherheitsleistung den Verlust nicht mehr deckt.

Der Ablauf ist bei allen großen Krypto-Börsen gleich. Ein Trader hinterlegt eine Margin, also eine Sicherheitsleistung, und handelt damit ein Vielfaches seines Einsatzes. Läuft der Kurs gegen ihn, schrumpft der Puffer. Ab einer bestimmten Marke schließt die Börse die Position automatisch und ohne Rückfrage. Wie dieser Mechanismus im Detail funktioniert, erklärt der Guide zum Margin-Trading; die Vorstufe beschreibt der Beitrag zum Margin Call.

Der entscheidende Punkt für die Heatmap: Diese Marke ist rechnerisch vorhersehbar. Wer mit 20-fachem Hebel long geht, wird ungefähr fünf Prozent unter seinem Einstieg liquidiert. Genau daraus bauen die Anbieter ihre Karte.

Ein Perpetual Future ist ein Terminkontrakt ohne Verfallsdatum, der über regelmäßige Ausgleichszahlungen zwischen Käufern und Verkäufern nah am Kassakurs gehalten wird.

Weil dieser Kontrakttyp den Krypto-Handel dominiert und dort Hebel von 50 oder 100 üblich sind, die Privatanlegern im regulierten EU-Handel von der ESMA gar nicht erlaubt werden, gibt es Liquidations-Heatmaps praktisch nur für Kryptowährungen. Was Hebelprodukte im Krypto-Bereich sonst noch unterscheidet, steht im Guide zum Kryptohandel mit Hebelprodukten.

Liquidationszone im Chart: Bänder über und unter dem Kurs zeigen, wo gehebelte Positionen zwangsweise schließen würden
Helligkeit steht für das geschätzte Volumen, die Lage zum Kurs für die betroffene Seite.

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So liest du die Heatmap

Drei Elemente tragen die Information. Wer nur auf die hellen Stellen schaut, übersieht die Richtung und die Zeitachse.

Die Helligkeit eines Bandes steht für das geschätzte Volumen. Ein kräftig leuchtender Streifen bedeutet, dass dort nach Berechnung des Anbieters besonders viel Kapital gefährdet ist. Die Skala ist dabei relativ: Sie sagt, wo im betrachteten Zeitraum vergleichsweise viel liegt, nicht wie viele Dollar es absolut sind.

Die Lage zum Kurs verrät die Richtung. Zonen unterhalb des aktuellen Kurses stammen überwiegend von Long-Positionen, denn die werden bei fallenden Kursen liquidiert. Zonen oberhalb gehören zu Short-Positionen.

Eine Liquidationszone ist ein Preisbereich, in dem sich rechnerisch die Liquidationsmarken vieler gehebelter Positionen bündeln.

Die Zeitachse wird am häufigsten falsch gelesen. Die Bänder wachsen nach links in die Vergangenheit, weil sie zeigen, wann die zugrunde liegenden Positionen aufgebaut wurden. Ein Band, das seit Wochen unberührt liegt, ist etwas anderes als eines, das gestern entstanden ist.

Eine Liquidationskaskade entsteht, wenn erzwungene Positionsschließungen als Marktorders weitere Liquidationen auslösen und die Bewegung dadurch beschleunigen.

Daraus entsteht die vielzitierte Magnetwirkung: Kurse laufen auffällig oft in Richtung großer Zonen, weil dort Zwangsschließungen zusätzliche Orders in dieselbe Richtung werfen. Dasselbe Muster kennen Trader aus anderen Märkten als Liquidity Sweep.

Der wichtigste Punkt: die Zonen sind berechnet, nicht gemessen

Hier trennt sich die seriöse Nutzung von der gefährlichen Überinterpretation. Keine Börse veröffentlicht, wo ihre Kunden liquidiert würden. Diese Daten sind Geschäftsgeheimnis und liegen nur intern vor.

Eine Liquidations-Heatmap ist ein Modell: Sie leitet mögliche Liquidationsmarken aus Kursverlauf, Handelsvolumen und angenommenen Hebelstufen ab, statt tatsächliche Positionen zu messen.

Das ist keine Vermutung, sondern steht so beim größten Anbieter selbst. Coinglass beschreibt den Datenpunkt in seiner API-Dokumentation als Liquidationslevel, die auf Basis von Marktdaten und Hebelstufen berechnet werden. Zwei weitere Belege stützen das: Der Anbieter stellt drei verschiedene Heatmap-Modelle nebeneinander, und in der Oberfläche lässt sich ein Schwellenwert für die Liquiditätsdarstellung von Hand verstellen.

Beides wäre bei gemessenen Daten sinnlos. Messwerte haben keine Modellvarianten, und man dreht nicht an ihrem Schwellenwert. Ein Trader sollte die Karte deshalb wie eine Wettervorhersage behandeln: nützlich für die Einschätzung, aber keine Beobachtung.

Liquidation Heatmap als Modell: was sie aus Kurs, Volumen und Hebelannahmen berechnet und was sie nicht misst
Die Zonen entstehen aus Annahmen über Hebelstufen, nicht aus echten Positionsdaten der Börsen.

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Woher die Daten kommen

Der Markt ist überschaubar. Alle Anbieter arbeiten mit demselben Grundprinzip und unterscheiden sich vor allem in Abdeckung und Preis.

Davon zu unterscheiden ist die Orderbuch-Heatmap, die echte Limit-Orders abbildet statt berechneter Zonen. Wie das funktioniert, erklärt unser Test der Orderflow-Software Bookmap.

AnbieterBesonderheitKosten
CoinglassDer Marktstandard, drei Modelle, breite BörsenabdeckungBasis kostenlos, Heatmap teils kostenpflichtig
CoinAnkÄhnlicher Funktionsumfang, alternative ModellierungBasis kostenlos
TradingView-IndikatorenCommunity-Skripte direkt im Chart, Qualität schwankt starküberwiegend kostenlos

Ein Hinweis zur Einordnung: Die Community-Skripte auf TradingView rechnen die Zonen aus den Chartdaten des jeweiligen Symbols. Sie haben keinen Zugriff auf börsenübergreifende Positionsdaten und sind damit noch eine Stufe weiter von der Realität entfernt als die spezialisierten Dienste.

Wie Trader die Zonen nutzen und wo es schiefgeht

In der Praxis haben sich zwei sinnvolle Anwendungen herausgebildet. Beide behandeln die Heatmap als Kontext, nicht als Auslöser.

Die erste ist das Risikomanagement. Wer weiß, dass zehn Prozent unter dem Kurs eine große Zone liegt, kann seine Positionsgröße anpassen oder den Stop bewusst außerhalb der Zone platzieren. Das ist der unstrittig wertvollste Einsatz, weil er keine Prognose verlangt.

Die zweite ist die Zielfindung. Läuft eine Bewegung bereits, gibt eine große Zone einen plausiblen Anhaltspunkt, wo sie vorerst enden könnte. Wichtig ist die Reihenfolge: erst das Setup aus dem Chart, dann die Zone als Ziel. Nie umgekehrt.

Schiefgehen kann es auf drei Wegen, und alle drei sind im Krypto-Handel gut dokumentiert. Sie haben gemeinsam, dass der Trader die Erwartung anderer für eine Tatsache hält.

Der häufigste Fehler ist der Einstieg allein auf die Zone. Eine helle Fläche ist kein Signal, sondern eine Erwartung vieler Marktteilnehmer. Der zweite Fehler betrifft die Sichtbarkeit: Was alle sehen, wird eingepreist. Zonen, über die in sozialen Netzwerken breit gesprochen wird, verlieren an Aussagekraft, weil sich Marktteilnehmer davor positionieren.

Der dritte Fehler ist der teuerste. Er besteht darin, den eigenen Hebel zu erhöhen, weil die Zone ein Ziel verspricht. Damit wandert die eigene Liquidationsmarke genau in den Bereich, den man beobachtet. Wie schnell ein hoher Hebel die eigene Position zerlegt, rechnet der Beitrag zum Hebel-Trading vor.

Das Open Interest ist die Summe aller offenen Kontrakte in einem Markt und zeigt, wie viel Kapital dort insgesamt gebunden ist.

Für die Einordnung des Gesamtbildes lohnt der Blick auf zwei Kennzahlen aus demselben Datenraum: Das Open Interest zeigt, wie viel Kapital überhaupt im Markt steht, und die Funding Rate verrät, welche Seite gerade überwiegt.

Die Funding Rate ist die regelmäßige Ausgleichszahlung zwischen Long- und Short-Seite eines Perpetual Futures und zeigt, welche Richtung im Markt gerade überwiegt.

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Vorteile und Nachteile der Liquidation Heatmap

Das Werkzeug polarisiert. Ein nüchterner Blick zeigt eine klare Stärke und eine ebenso klare Schwäche, die sich nicht wegdiskutieren lässt.

Vorteile der Liquidation Heatmap

Vorteile der Liquidation Heatmap

  • Risiko wird sichtbar: Zonen mit erhöhter Bewegungsgefahr lassen sich vor dem Einstieg erkennen statt im Nachhinein.
  • Erklärt heftige Bewegungen: Kaskaden von Zwangsschließungen werden im Rückblick nachvollziehbar.
  • Gute Grundlage für Stops: Der Stop lässt sich bewusst außerhalb stark besetzter Bereiche platzieren.
  • Breit verfügbar: Die Basisdaten sind bei mehreren Anbietern ohne Abo einsehbar.

Nachteile der Liquidation Heatmap

Nachteile der Liquidation Heatmap

  • Geschätzt statt gemessen: Die Zonen beruhen auf Modellannahmen über Hebel, nicht auf echten Positionsdaten.
  • Modellabhängig: Verschiedene Modelle desselben Anbieters zeigen für denselben Kurs unterschiedliche Zonen.
  • Nur Krypto: Für Aktien und klassische Futures gibt es das Werkzeug nicht.
  • Verführt zu höherem Hebel: Das vermeintlich klare Ziel verleitet zu größeren Positionen, als das Setup trägt.

Für wen sich die Heatmap lohnt

Sinnvoll ist sie für alle, die Krypto-Perpetuals mit Hebel handeln und ihre Stops bewusst setzen. Für diese Gruppe ist sie eine Landkarte gefährlicher Zonen, und schon dieser eine Nutzen rechtfertigt den täglichen Blick.

Wenig bis nichts bringt sie zwei Gruppen. Wer Spot kauft und langfristig hält, wird nie liquidiert und braucht die Karte nicht. Und wer außerhalb von Krypto handelt, findet für seinen Markt schlicht keine belastbare Datengrundlage. Für Aktien ist die passende Übersicht eine ganz andere, nämlich die Markt-Heatmap aus dem Abschnitt weiter oben.

Fazit: eine Risikokarte, kein Kompass

Die Liquidation Heatmap verdient ihren Platz auf dem Bildschirm, aber nicht den Rang, den ihr ein Teil der Krypto-Szene gibt. Ihr belastbarer Kern ist das Risikomanagement: Sie zeigt, wo Bewegungen wahrscheinlich heftiger ausfallen, und das ist für die Wahl von Positionsgröße und Stop eine echte Hilfe.

Was sie nicht liefert, ist eine Prognose. Wer die hellen Zonen als Kursziel handelt, verwechselt ein Modell mit einer Messung und baut sein Risiko auf einer Annahme über fremde Hebel auf. Das Werkzeug wird gerade dort unzuverlässig, wo es am verlockendsten aussieht: bei den größten und bekanntesten Zonen.

Die nüchterne Empfehlung lautet deshalb, sie als zweite Ebene zu nutzen. Das Setup entsteht im Chart, die Heatmap beantwortet danach die Frage, wie viel Risiko auf dem Weg zum Ziel liegt. In dieser Reihenfolge ist sie wertvoll, in der umgekehrten ist sie eine teure Ablenkung.

Häufige Fragen zur Liquidation Heatmap

Was ist eine Liquidation Heatmap?

Eine Liquidation Heatmap hebt neben dem Kursverlauf die Preiszonen hervor, in denen nach Berechnung des Anbieters besonders viele gehebelte Positionen zwangsweise geschlossen würden. Je heller ein Band, desto mehr Kapital vermutet das Modell dort.

Sind die Daten einer Liquidation Heatmap echt?

Nein, sie sind berechnet. Keine Börse veröffentlicht die Liquidationsmarken ihrer Kunden. Die Anbieter leiten die Zonen aus Kursverlauf, Volumen und angenommenen Hebelstufen ab. Coinglass beschreibt das in seiner API-Dokumentation selbst so.

Zieht der Kurs die Liquidationszonen wirklich an?

Häufig, aber nicht zuverlässig. Erreichte Zonen lösen Zwangsschließungen aus, die als Marktorders die Bewegung verstärken. Weil die großen Zonen aber von vielen beobachtet werden, positionieren sich Marktteilnehmer davor, was den Effekt abschwächt.

Gibt es eine Liquidation Heatmap für Aktien?

Praktisch nicht. Das Werkzeug setzt standardisierte Hebelpositionen voraus, wie es sie im Perpetual-Handel der Krypto-Börsen gibt. Im Aktienmarkt liegen die vergleichbaren Daten nicht öffentlich vor, dort ist eine Markt-Heatmap das passende Werkzeug.

Was bedeuten die Zonen über und unter dem Kurs?

Zonen unterhalb des Kurses stammen überwiegend von Long-Positionen, die bei fallenden Kursen liquidiert werden. Zonen oberhalb gehören zu Short-Positionen. Die Lage verrät also, welche Seite in dem Bereich unter Druck geriete.

Ist eine Liquidation Heatmap kostenlos?

Teilweise. Die Grundfunktionen sind bei den großen Anbietern ohne Abo einsehbar, einzelne Heatmap-Ansichten und die historische Tiefe sind dagegen häufig kostenpflichtig.

Über den Autor: Bjarne Claussen

Bjarne Claussen ist seit 2018 im Trading aktiv und schreibt als Autor für Kagels Trading zu den Schwerpunkten Prop Trading, KI- und Algo-Trading, Kryptowährungen, Makroökonomie und Fundamentalanalyse.

Als Algo-Trader handelt er selbst primär Rohöl und den S&P 500. Sein Fokus auf systematische, datengetriebene Handelsansätze ergänzt die diskretionäre Trading-Perspektive bei Kagels Trading und bildet die Grundlage seiner kritischen Bewertungen von Trading-Software und Strategien.

Für diesen Artikel hat er die Herkunft der Heatmap-Daten bis zur Anbieter-Dokumentation zurückverfolgt und den in der Szene verbreiteten Eindruck geprüft, es handle sich um gemessene Positionsdaten. Die Modellabhängigkeit der Zonen ist danach belegt und im Text offengelegt.

Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.

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