Long Position und long gehen: Was der Trade bei Aktien, Forex und CFDs kostet

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

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16 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026
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Eine Long-Position ist der Normalfall an der Börse: Du kaufst etwas und hoffst, dass es teurer wird. Genau deshalb wird sie meist in zwei Sätzen abgehandelt und danach für erklärt gehalten. Der interessante Teil kommt aber erst danach — nämlich dann, wenn die Position über Nacht offen bleibt.

Wie viel das ausmacht, zeigt ein Trade aus meinem eigenen Konto. Ein Kauf im EUR/USD, eine Stunde gehalten, Bruttogewinn 1,61. Nach Swap und Kommission stand unter dem Strich ein Verlust von 0,86. Der Trade lag richtig und hat trotzdem Geld gekostet, weil er einen bestimmten Zeitpunkt überschritten hat.

Dieser Artikel erklärt, was eine Long-Position ist, woran du ein Long-Signal erkennst, was das Halten in Aktien, Forex, CFDs und Futures kostet und welche Risiken es nur auf der Long-Seite gibt. Die Kostenbeispiele stammen aus eigenen Kontoauszügen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Long-Position: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Definition: Bei einer Long-Position kaufst du einen Wert und profitierst, wenn sein Kurs steigt. Der Gewinn ist die Differenz zwischen Verkaufs- und Kaufkurs.
  • Verlust begrenzt: Ungehebelt verlierst du höchstens den Einsatz, weil ein Kurs nicht unter null fällt. Das ist der zentrale Unterschied zur Short-Position.
  • Long-Signal: ein Chartereignis, das für steigende Kurse spricht — etwa der Ausbruch über einen Widerstand oder ein bestätigtes Umkehrmuster. Ein Signal ist ein Anlass zu prüfen, keine Kaufempfehlung.
  • Kosten beim Halten: Spread beim Einstieg, dazu bei gehebelten Produkten Finanzierungskosten für jede Nacht. Beim Kauf echter Aktien im Depot fallen sie nicht an.
  • Ein Zeitpunkt entscheidet, nicht die Dauer: In meinem eigenen EUR/USD-Trade kostete eine Stunde Haltedauer 1,64 Swap — mehr als der Bruttogewinn von 1,61, weil der Trade über den Abrechnungszeitpunkt lief.
  • Hebel bei Aktien nur 5:1: Die ESMA begrenzt CFDs auf Einzelaktien für Privatkunden auf 5:1. Die oft genannten 30:1 gelten ausschließlich für die großen Währungspaare.
  • Dividende ist kein Zusatzgewinn: Der Kurs fällt am Ex-Tag um die Ausschüttung. Bei Long-CFDs schreibt der Broker sie dir gut, damit du weder gewinnst noch verlierst.
  • Größtes Risiko ist die Kurslücke: Ein Stop-Loss schützt nicht im Gap. Er löst aus, aber zum nächsten handelbaren Kurs — und der kann deutlich tiefer liegen.

Was ist eine Long-Position?

Eine Long-Position ist eine Kaufposition: Der Trader erwirbt einen Wert und profitiert, wenn dessen Kurs steigt. Der Gewinn ist die Differenz zwischen dem höheren Verkaufskurs und dem niedrigeren Kaufkurs.

Der Begriff sagt nichts über die Haltedauer aus, auch wenn „long” das nahelegt. Eine Long-Position kann zwanzig Minuten oder zwanzig Jahre bestehen. Gemeint ist ausschließlich die Richtung: Du bist auf der Seite, die von steigenden Kursen profitiert.

Genauso wenig sagt der Begriff etwas darüber, was du gekauft hast. Long gehen kannst du mit einer echten Aktie im Depot, mit einem CFD, mit einem Future oder mit einem Hebelprodukt. Der Unterschied liegt nicht in der Richtung, sondern in den Kosten und im Risiko.

Long und Short: der Unterschied in einem Satz

Long ist die Wette auf steigende Kurse, Short die auf fallende. Wichtiger als die Richtung ist aber, dass beide Seiten nicht spiegelbildlich sind. Wer long ist, besitzt etwas. Wer short geht, schuldet etwas — und daraus folgt ein anderes Risiko.

Rechne es einmal durch: Kaufst du eine Aktie zu $50, ist dein maximaler Verlust $50 je Stück, denn tiefer als null fällt kein Kurs. Nach oben ist dein Gewinn dagegen offen. Bei der Short-Position ist es genau umgekehrt: begrenzter Gewinn, offener Verlust. Das macht die Long-Seite zur strukturell ruhigeren von beiden.

Wo du long gehen kannst

Praktisch in jedem Markt. Üblich sind vier Wege, und sie unterscheiden sich vor allem darin, ob laufende Kosten anfallen und ob ein Hebel im Spiel ist.

WegHebelLaufende Kosten
Aktie im Depotneinkeine
CFDja, bis 5:1 bei AktienFinanzierung je Nacht
FuturejaRollkosten zum Verfall
Knock-out oder Optionsscheinjaim Produktpreis eingerechnet
Vier Wege in eine Long-Position und ihre laufenden Kosten

Die dritte Spalte ist die wichtigste und wird am häufigsten übersehen. Nur der Kauf echter Aktien im Depot ist frei von Haltekosten. Bei allen anderen Wegen zahlst du für jede Nacht, in der die Position offen bleibt — und genau das entscheidet, ab wann sich ein Trade rechnet.

Was ist ein Long-Signal?

Ein Long-Signal ist ein Ereignis im Chart oder in den Daten, das für steigende Kurse spricht und damit den Anlass für eine Kaufposition liefert. Es ist ein Prüfauftrag, keine Kaufempfehlung.

Der Begriff wird oft so verwendet, als gäbe es eine eindeutige Anzeige, die ein Programm oder ein Indikator ausgibt. So funktioniert es nicht. Ein Signal ist immer die Beobachtung eines Musters, das in der Vergangenheit häufiger zu steigenden als zu fallenden Kursen geführt hat. Häufiger, nicht immer.

Woran du ein Long-Signal erkennst

In der Chartanalyse gibt es einige wiederkehrende Anlässe. Sie ersetzen einander nicht, sondern bestätigen sich gegenseitig — je mehr davon zusammenkommen, desto belastbarer ist der Anlass.

  • Ausbruch über einen Widerstand: Der Kurs überwindet eine Marke, an der er zuvor mehrfach gescheitert ist. Aussagekräftig wird das erst mit steigendem Volumen.
  • Bestätigtes Umkehrmuster: Formationen wie ein Doppelboden oder eine umgekehrte Schulter-Kopf-Schulter markieren das Ende einer Abwärtsbewegung. Bestätigt heißt: Die Nackenlinie ist überschritten.
  • Rücksetzer in einem Aufwärtstrend: Der Kurs fällt auf eine steigende Trendlinie oder einen gleitenden Durchschnitt zurück und dreht dort nach oben. Das ist statistisch der ruhigste der vier Anlässe.
  • Indikator-Signal: Ein MACD, der seine Signallinie von unten schneidet, oder ein RSI, der aus dem überverkauften Bereich nach oben dreht. Allein genommen sind das die schwächsten Anlässe.

Warum ein Signal keine Garantie ist

Kein Muster funktioniert zuverlässig genug, um es blind zu handeln. Ein Long-Signal sagt dir, wo du hinschauen sollst, nicht was passieren wird. Wer das verwechselt, handelt jedes Signal und zahlt die Fehlsignale mit — und die sind bei jedem Muster in der Mehrheit der Fälle vorhanden.

Praktisch heißt das: Zu jedem Signal gehört von Anfang an die Gegenfrage, woran du erkennst, dass du falsch liegst. Das ist der Punkt, an dem der Stop-Loss hingehört — nicht in einen runden Abstand, sondern dorthin, wo das Signal widerlegt ist. Beim Ausbruch über einen Widerstand ist das der Rückfall darunter, beim Rücksetzer der Bruch der Trendlinie.

Was eine Long-Position kostet

Hier trennen sich die vier Wege deutlich. Eine gekaufte Aktie liegt kostenlos im Depot, eine gehebelte Position kostet jede Nacht Geld. Wer beides in einen Topf wirft, rechnet den Break-even eines Trades falsch — und merkt es erst an der Abrechnung.

Spread und Ordergebühr

Beim Einstieg zahlst du immer den Spread, also die Differenz zwischen An- und Verkaufskurs. Er fällt einmalig an und wirkt wie ein Startrückstand: Direkt nach dem Kauf steht die Position leicht im Minus. Dazu kommt je nach Broker eine Ordergebühr oder eine Kommission.

Finanzierungskosten über Nacht

Das ist der Block, der die meisten überrascht. Bei jedem gehebelten Produkt streckt dir der Broker den Teil des Positionswerts vor, den du nicht selbst hinterlegst — und dafür zahlst du Zinsen, jede Nacht neu. Im Forex-Handel heißt derselbe Vorgang Swap und errechnet sich aus der Zinsdifferenz der beiden Währungen plus einem Aufschlag des Brokers.

Entscheidend ist dabei nicht die Haltedauer, sondern ein einziger Zeitpunkt: der Abrechnungszeitpunkt des Brokers, meist am späten Abend. Wer ihn überschreitet, zahlt einen vollen Tagessatz — auch bei wenigen Minuten Haltedauer. Die Broker veröffentlichen ihre Sätze, LYNX etwa in seinem Service-Bereich. Wer kurz davor schließt, zahlt nichts. Für das Wochenende berechnen die meisten Broker am Mittwoch oder Freitag den dreifachen Satz.

Was ich selbst gezahlt habe

Der folgende Trade ist das anschaulichste Beispiel dafür, das ich habe. Ein Kauf im EUR/USD, der die Richtung richtig getroffen hat und trotzdem Geld gekostet hat.

Long Position im EUR/USD mit Swap-Gebühr und Kommission in der Handelsplattform
Ein Kauf im EUR/USD vom 20. auf den 21. Mai 2019: 1,61 Bruttogewinn, davon gehen 1,64 Swap und 0,83 Kommission ab

Die Zahlen im Einzelnen: Position 0,15 Lot, eröffnet am 20. Mai 2019 um 23:02 Uhr, geschlossen am 21. Mai um 00:03 Uhr. Einstieg bei 1,11647, Ausstieg bei 1,11659, also 1,61 Bruttogewinn. Abgezogen wurden 1,64 Swap und 0,83 Kommission. Unter dem Strich steht ein Verlust von 0,86.

Der Trade war eine Stunde und eine Minute offen. In dieser Stunde ist der Abrechnungszeitpunkt überschritten worden, und damit war der volle Tagessatz fällig — er war höher als der gesamte Kursgewinn. Das ist die praktische Lehre: Nicht die Haltedauer treibt die Kosten, sondern die Frage, ob der Trade den Roll-over erlebt.

Ein Vergleich macht es noch deutlicher. Im Artikel zur Short-Position steht ein Trade aus demselben Konto, der fünf Stunden lief und nur 0,25 Swap kostete. Die längere Position war die günstigere — weil sie ein anderes Währungspaar betraf und auf der anderen Seite des Zinsgefälles lag.

Ein verbreiteter Merksatz, der so nicht stimmt

In vielen Erklärtexten steht, beim Long zahle man Zinsen und beim Short bekomme man welche. Die erste Hälfte stimmt meistens, die zweite oft nicht. Der Swap hängt an der Zinsdifferenz der beiden Währungen und am Aufschlag des Brokers — und dieser Aufschlag wirkt auf beiden Seiten gegen dich.

Belegen lässt sich das mit denselben zwei Kontoauszügen: Der Long im EUR/USD kostete 1,64, der Short im AUD/NZD kostete 0,25. Beide waren negativ. Ein positiver Swap ist möglich, aber er ist die Ausnahme und kein Grund, eine Position länger zu halten.

Dividendenanpassung

Hält jemand eine Aktie über den Ex-Tag, bekommt er die Dividende und der Kurs fällt am selben Morgen um ungefähr denselben Betrag. Unterm Strich ändert sich am Depotwert nichts — eine Dividende ist keine Zusatzrendite, sondern eine Umbuchung.

Bei Long-CFDs gilt dasselbe auf einem anderen Weg: Der Kurs fällt, und der Broker schreibt dir eine Dividendenanpassung gut, die den Abschlag ausgleicht. Bei Short-CFDs wird sie umgekehrt belastet. Wer den Kursabschlag sieht und die Gutschrift übersieht, hält seinen Trade fälschlich für einen Verlust.

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Vorteile und Nachteile der Long-Position

Die Long-Seite gilt als die einfachere von beiden, und in einem wichtigen Punkt ist sie das auch. Einfach heißt aber nicht folgenlos — vor allem dann nicht, wenn ein Hebel im Spiel ist.

Vorteile der Long-Position

  • Verlust ist begrenzt: Ungehebelt kannst du höchstens den Einsatz verlieren. Nach oben ist der Gewinn dagegen offen.
  • Der Markt hilft mit: Aktienmärkte steigen über lange Zeiträume. Eine Long-Position liegt damit auf der Seite der langfristigen Grundtendenz.
  • Ohne Haltekosten möglich: Die gekaufte Aktie im Depot verursacht keine laufenden Gebühren. Du kannst eine These aussitzen, ohne dass sie teurer wird.
  • Überall zugänglich: Jedes Depot erlaubt den Kauf. Anders als beim Leerverkauf brauchst du kein Margin-Konto und keinen speziellen Broker.
  • Dividenden und Zinsen: Bei echten Aktien und Anleihen bekommst du Ausschüttungen, solange du hältst.

Nachteile der Long-Position

  • Kurslücken schlagen durch: Ein Stop-Loss greift im Gap nicht zum gesetzten Kurs, sondern zum nächsten handelbaren — und der liegt nach schlechten Nachrichten deutlich tiefer.
  • Gehebelt wird es teuer: Bei CFDs und Futures fallen Finanzierungskosten für jede Nacht an, unabhängig davon, wie der Trade läuft.
  • Der Hebel wirkt in beide Richtungen: Er vergrößert den Gewinn und den Verlust. Bei 5:1 auf Einzelaktien genügen 20 Prozent Kursverlust für einen Totalverlust des Einsatzes.
  • Währungsrisiko bei Fremdwährungen: Bei einer US-Aktie kann der Kurs steigen und die Position trotzdem in Euro verlieren.
  • Geduld wird zur Kostenfrage: Was beim Aktienkauf nichts kostet, wird beim gehebelten Produkt mit jeder Woche teurer.

Welche Risiken auf der Long-Seite zählen

Vier Risiken treffen Long-Positionen besonders. Keines davon ist der Kursverlauf selbst — der ist das eingegangene Risiko und kein unerwartetes. Es geht um das, was zusätzlich passieren kann.

Kurslücken über Nacht

Nachrichten erscheinen bevorzugt nach Handelsschluss. Der Kurs eröffnet dann an einem Punkt, an dem dazwischen gar nicht gehandelt wurde. Ein Stop-Loss schützt in dieser Kurslücke nicht: Er löst aus, aber zum nächsten verfügbaren Kurs. Wie groß solche Lücken werden, zeigt der DAX im Stundenchart.

Long Position im DAX Index mit mehreren Overnight-Gaps im Chartverlauf
Kurslücken im DAX: Zwischen Schluss- und Eröffnungskurs liegen mehrere hundert Punkte, in denen kein Handel stattgefunden hat

Praktisch heißt das zweierlei. Der Stop-Loss gehört an die Stelle, an der deine These widerlegt ist, nicht an einen bequemen runden Wert. Und wer eine Position über Nacht hält, sollte wissen, ob am nächsten Morgen Quartalszahlen anstehen — das ist der planbare Teil eines sonst unplanbaren Risikos.

Währungsrisiko bei Fremdwährungen

Kaufst du eine US-Aktie, hältst du zwei Positionen gleichzeitig: die Aktie und den Dollar. Beide können sich unabhängig voneinander bewegen, und der Wechselkurs entscheidet mit, was in Euro ankommt.

Ein Rechenbeispiel: Du kaufst drei Aktien zu je $220, zusammen $660. Beim Kauf steht EUR/USD bei 1,20, du zahlst also 550 Euro. Der Aktienkurs bleibt unverändert, aber der Euro fällt auf 1,10: Für dieselben $660 bekommst du jetzt 600 Euro, also 50 Euro mehr, ohne dass sich die Aktie bewegt hat.

Die Gegenrichtung tut entsprechend weh. Steigt der Euro auf 1,40, sind dieselben $660 nur noch 471,43 Euro wert — ein Verlust von 78,57 Euro bei unverändertem Aktienkurs. Wer in Fremdwährung anlegt, sollte diese zweite Position mitdenken, statt sie zu übersehen.

Hebel

Ein Hebel vergrößert Gewinn und Verlust im selben Verhältnis. Die verbreitete Angabe, in der EU seien 30:1 möglich, ist dabei nur die halbe Wahrheit: Dieser Wert gilt ausschließlich für die großen Währungspaare. Die ESMA staffelt die Grenzen nach Anlageklasse.

BasiswertMaximaler HebelTotalverlust ab
Haupt-Währungspaare30:13,3 % Kursverlust
Gold und große Indizes20:15 % Kursverlust
Andere Rohstoffe, Nebenindizes10:110 % Kursverlust
Einzelaktien5:120 % Kursverlust
Kryptowährungen2:150 % Kursverlust
ESMA-Hebelgrenzen für Privatkunden und der Kursverlust, der den Einsatz aufzehrt

Die dritte Spalte ist die eigentliche Botschaft. Bei 5:1 auf eine Einzelaktie genügen 20 Prozent Kursverlust, um den Einsatz aufzubrauchen — eine Größenordnung, die eine einzelne Gewinnwarnung erreicht. Der Hebel macht aus dem begrenzten Verlustrisiko der Long-Position also sehr schnell einen Totalverlust.

Die Zeit kostet nur gehebelt

Hier liegt der freundlichste Unterschied zur Short-Seite. Eine gekaufte Aktie darfst du aussitzen: Sie kostet nichts, solange sie im Depot liegt, und der langfristige Aufwärtsdrift der Aktienmärkte arbeitet für dich.

Bei jedem gehebelten Produkt kippt das ins Gegenteil. Dort läuft die Finanzierung weiter, und eine These, die drei Monate zum Aufgehen braucht, kann trotz richtiger Richtung im Minus enden. Wer gehebelt long geht, braucht deshalb nicht nur ein Kursziel, sondern auch eine Vorstellung vom Zeitraum.

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Wie lange hältst du eine Long-Position?

Eine feste Antwort gibt es nicht, aber eine klare Faustregel: Das Instrument bestimmt den sinnvollen Zeitraum, nicht die Marktmeinung.

  • Daytrading: Die Position wird noch am selben Tag geschlossen. Daytrader vermeiden damit sowohl die Finanzierungskosten als auch das Gap-Risiko über Nacht.
  • Swing Trading: Ein paar Tage bis mehrere Wochen. Beim Swing Trading werden die Übernachtkosten zum Faktor und gehören in die Zielrechnung.
  • Positionstrading: Monate bis Jahre. Positionstrader arbeiten deshalb fast immer mit echten Aktien statt mit gehebelten Produkten.

Daraus folgt eine praktische Regel, die den meisten Ärger erspart: Je länger du halten willst, desto weniger Hebel verträgt der Trade. Wer eine Jahresthese über ein Knock-out-Zertifikat spielt, zahlt nicht nur die Finanzierung, sondern riskiert auch, auf dem Weg dorthin ausgeknockt zu werden.

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Fazit: Die Richtung ist der einfache Teil

Long zu gehen ist schnell erklärt, und genau deshalb wird der Rest übersehen. Die Richtung zu treffen reicht nicht, wenn das Instrument die Position mit jeder Nacht teurer macht. Mein EUR/USD-Trade lag richtig und endete trotzdem im Minus — nach einer Stunde.

Für die Praxis folgen daraus drei Dinge, und sie hängen alle an derselben Frage: wie lange du die Position halten willst.

  • Ein Signal ist ein Prüfauftrag: Zu jedem Long-Signal gehört von Anfang an die Stelle, an der es widerlegt ist. Wer die nicht benennen kann, hat kein Signal, sondern eine Hoffnung.
  • Lange halten heißt wenig Hebel: Am besten gar keinen. Was bei der gekauften Aktie Geduld ist, wird beim gehebelten Produkt mit jeder Nacht teurer.
  • Der Stop gehört an die These, nicht an die runde Zahl: Er steht dort, wo deine Annahme falsch ist. Gegen die Kurslücke am Morgen schützt aber auch er nicht.

Und der Vergleich mit der Gegenseite lohnt sich, bevor du dich festlegst. Die Long-Position ist die strukturell ruhigere von beiden: begrenzter Verlust, keine Leihgebühr, keine Zwangseindeckung, und der langfristige Aufwärtsdrift des Aktienmarkts arbeitet für dich statt gegen dich.

Häufige Fragen zur Long-Position

Was ist eine Long-Position im Trading?

Eine Long-Position ist eine Kaufposition. Du erwirbst einen Wert und profitierst, wenn sein Kurs steigt. Der Gewinn ist die Differenz zwischen dem höheren Verkaufskurs und dem niedrigeren Kaufkurs. Das Gegenstück ist die Short-Position, die auf fallende Kurse setzt.

Was bedeutet ein Long-Signal?

Ein Long-Signal ist ein Chartereignis, das für steigende Kurse spricht — etwa der Ausbruch über einen Widerstand, ein bestätigtes Umkehrmuster oder ein Rücksetzer auf eine steigende Trendlinie. Es ist ein Anlass zu prüfen, keine Garantie und keine Kaufempfehlung.

Wie lange kann man eine Long-Position halten?

Beliebig lange. Entscheidend ist das Instrument: Eine gekaufte Aktie kannst du jahrelang halten, ohne dass Haltekosten anfallen. Bei CFDs, Futures und Hebelprodukten zahlst du für jede Nacht Finanzierungskosten, was lange Haltedauern teuer macht.

Was kostet eine Long-Position?

Immer den Spread und je nach Broker eine Ordergebühr. Bei gehebelten Produkten kommen Finanzierungskosten für jede Nacht dazu. In meinem eigenen EUR/USD-Trade waren das 1,64 Swap bei nur einer Stunde Haltedauer — mehr als der Bruttogewinn von 1,61.

Kann man bei einer Long-Position mehr verlieren als den Einsatz?

Ungehebelt nicht: Der Verlust ist auf den eingesetzten Betrag begrenzt, weil ein Kurs nicht unter null fällt. Mit Hebel sieht es anders aus — bei 5:1 auf eine Einzelaktie zehren bereits 20 Prozent Kursverlust den Einsatz vollständig auf.

Bekomme ich bei einer Long-Position die Dividende?

Bei einer echten Aktie ja, aber es ist kein Zusatzgewinn: Der Kurs fällt am Ex-Tag um ungefähr denselben Betrag. Bei Long-CFDs schreibt der Broker dir eine Dividendenanpassung gut, die den Kursabschlag ausgleicht.

Welcher Hebel ist bei Long-Positionen erlaubt?

Die ESMA staffelt die Grenzen für Privatkunden nach Basiswert: 30:1 bei Haupt-Währungspaaren, 20:1 bei Gold und großen Indizes, 10:1 bei anderen Rohstoffen, 5:1 bei Einzelaktien und 2:1 bei Kryptowährungen.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.

Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die Kostenrechnung in diesem Artikel stammt aus seinem eigenen Kontoauszug und nicht aus einem fremden Ratgeber. Für die Aktualisierung hat er zusätzlich die ESMA-Hebelgrenzen und die Behandlung der Dividendenanpassung bei CFDs gegen die Angaben der Broker gegengelesen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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