Larry Williams verwandelte 1987 zehntausend Dollar in 1.137.600 Dollar. In einem einzigen Jahr, mit echtem Geld, unter den Regeln eines Wettbewerbs. Diese Zahl steht bis heute als Rekord in der Trading-Weltmeisterschaft und sie ist der Grund, warum sein Name in fast jedem Buch über kurzfristigen Handel auftaucht.
Sie ist aber auch der Grund für hartnäckige Legendenbildung. Um Williams ranken sich Zahlen, die niemand je geprüft hat, und Behauptungen, die sich beim Nachrechnen auflösen. Ich handle seit 1978 und habe seine Methoden über Jahrzehnte im Chart gesehen. Deshalb trenne ich hier, was belegt ist, von dem, was nur oft wiederholt wird.
Du erfährst, wie sein Handelsansatz konkret funktioniert, welche zwei Muster von ihm bis heute gehandelt werden, was an seinem geschätzten Vermögen dran ist und warum die Kritik an ihm ihre Berechtigung hat. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Larry Williams: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Rekord bis heute unerreicht: Williams gewann 1987 die Robbins World Cup Championship mit 11.376 Prozent und machte aus 10.000 Dollar 1.137.600 Dollar.
- Kein reiner Charttechniker: Er kombiniert Fundamentaldaten, Charttechnik und die Positionierung der Commercials aus dem COT-Report.
- Zwei Muster tragen seinen Namen: das Oops-Pattern gegen Eröffnungslücken und der Volatility Breakout über die Vortagesspanne.
- Die Familie handelt mit: Seine Tochter Michelle Williams, heute als Schauspielerin bekannt, gewann denselben Wettbewerb 1997 mit 17 Jahren als erste Frau.
- Der wunde Punkt: Die Rekordperformance wurde nie durch Kontoauszüge belegt, und den Großteil seiner Einnahmen erzielte er mit Seminaren und Büchern.
Wer ist Larry Williams?
Larry Richard Williams ist ein US-amerikanischer Futures-Trader, Autor und Kursanbieter, der 1987 mit einer Jahresperformance von 11.376 Prozent die Robbins World Cup Championship of Futures Trading gewann und damit den bis heute höchsten Wert in der Geschichte dieses Wettbewerbs erzielte.
Williams wurde am 6. Oktober 1942 in Miles City im US-Bundesstaat Montana geboren und ist damit 83 Jahre alt. Er studierte an der University of Oregon und schloss 1964 an der dortigen School of Journalism ab. Einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund hat er nicht.
Neben dem Handel war Williams politisch aktiv. Er trat 1978 und 1982 als Kandidat für den US-Senat in Montana an und verlor beide Male. Diese Doppelrolle prägt seinen Auftritt bis heute: Er verkauft nicht nur eine Methode, er verkauft eine Geschichte.
Den Wettbewerb, der ihn berühmt machte, haben wir gesondert aufbereitet. Wer wissen will, wie die World Cup Trading Championship abläuft und wer sie sonst noch gewonnen hat, findet dort die vollständige Siegerliste.
Nicht zu verwechseln: Bill Williams ist ein anderer Trader, nämlich der Entwickler des Alligator-Indikators. Beide Namen tauchen in Suchergebnissen häufig gemeinsam auf, die Ansätze haben aber nichts miteinander zu tun.
| Voller Name | Larry Richard Williams |
| Geboren | 6. Oktober 1942 in Miles City, Montana |
| Ausbildung | University of Oregon, School of Journalism, Abschluss 1964 |
| Aktiv seit | Marktbeobachtung ab 1962, eigener Handel ab 1966 |
| Märkte | Rohstoff-Futures, Aktienindizes, Aktien |
| Bekannteste Leistung | Sieg Robbins World Cup Championship 1987, 11.376 Prozent |
| Bekannteste Indikatoren | Williams %R, Ultimate Oscillator, COT-Indizes |
| Bekannteste Muster | Oops-Pattern, Volatility Breakout |
| Kinder | fünf, darunter Michelle Williams (Trading-Weltmeisterin 1997) |
| Website | ireallytrade.com |
Larry Williams Tradingkarriere
Williams begann 1962 damit, die Futuresmärkte zu beobachten. Gehandelt hat er erst ab 1966, also nach vier Jahren reiner Beobachtung. Diese Zahl allein widerspricht dem Bild vom Naturtalent.
Angefangen hat er rein charttechnisch, mit Gleitenden Durchschnitten, Trendlinien und Chartformationen. Er verlor damit die Hälfte seines Kapitals. Danach warf er das Gelesene weg und begann mit eigenen Auswertungen.
Bis er konsistent profitabel war, vergingen weitere drei Jahre. Rechnet man die vier Beobachtungsjahre dazu, kommt man auf sieben Jahre bis zur Profitabilität und noch einige mehr, bis er richtig gut war. Wer glaubt, nach drei Monaten Trading Geld zu verdienen, sollte sich diese Zahl merken.
Der Durchbruch kam 1987 mit dem Sieg bei der Robbins World Cup Championship. Aus 10.000 Dollar wurden 1.137.600 Dollar. Williams selbst nennt diesen Wettbewerb den Wendepunkt seiner Laufbahn, und zwar nicht nur wegen des Gewinns: Der Titel machte ihn international bekannt und legte die Grundlage für den Verkauf von Seminaren und Büchern, der ihn bis heute trägt.
Sein Tradingansatz
Der Handelsansatz von Larry Williams ist ein technisch-fundamentaler Swing-Trading-Ansatz, bei dem die Fundamentaldaten bestimmen, welcher Markt gehandelt wird, und die Charttechnik über Ein- und Ausstieg entscheidet.
Es ist also eine Mischung aus Fundamentalanalyse und Technischer Analyse, umgesetzt als Swing Trading. Seine Positionen hält er in der Regel zwei bis drei Tage, gelegentlich länger. Als Plattform nutzt er den Trade Navigator von GenesisFT, dieselbe Software, mit der wir seit Jahren arbeiten.
Was die Commercials im COT-Report verraten
Williams’ eigentlicher Fingerabdruck ist die dritte Zutat: die Positionierung der Commercials. So heißen die kommerziellen Marktteilnehmer, die einen Rohstoff tatsächlich produzieren oder verbrauchen und sich am Terminmarkt absichern. Williams nennt sie die Supermächte des Marktes.
Der Grund ist einfach. Commercials sind am besten kapitalisiert und wissen durch ihr Geschäft, was in ihrem Markt real passiert. Ihre Positionen stehen im COT-Report, den die US-Aufsichtsbehörde CFTC jeden Freitag veröffentlicht. Erfasst wird der Stand von Dienstagabend nach Handelsschluss.
Die Regel, die Williams daraus ableitet, ist bewusst schlicht: Er kauft, wenn die Commercials kaufen, und verkauft, wenn sie verkaufen. Die Charttechnik liefert danach nur noch den Zeitpunkt.
Ein Hinweis zur Erwartungshaltung: Der COT-Report ist ein Wochendatensatz mit drei Tagen Verzögerung. Er taugt zur Einordnung der Großwetterlage, nicht als Einstiegssignal. Wer ihn wie einen Indikator behandelt, wird enttäuscht.
Das Oops-Pattern
Das Oops-Pattern ist ein Umkehrsetup von Larry Williams, das eine Eröffnungslücke gegen ihre eigene Richtung handelt, sobald der Kurs im Tagesverlauf in die Vortagesspanne zurückkehrt.
Den Namen verdankt das Muster den Maklern der Siebzigerjahre. Riss der Markt über Nacht eine Lücke und flogen die Kunden aus ihren Positionen, folgte der Anruf mit dem Satz „Oops, we lost”. Williams beschrieb das Setup 1979.
Die Logik dahinter: Eine Eröffnungslücke entsteht meist aus einer Überreaktion auf Nachrichten. Läuft der Kurs anschließend in die alte Spanne zurück, war die Reaktion übertrieben.
- Long: Der Markt eröffnet unter dem Vortagestief. Die Kaufmarke liegt knapp über diesem Vortagestief und wird erst bei Erreichen aktiv.
- Short: Der Markt eröffnet über dem Vortageshoch. Die Verkaufsmarke liegt knapp unter diesem Vortageshoch.
Entscheidend ist der zweite Halbsatz. Es wird nicht die Lücke selbst gekauft, sondern erst die Rückkehr in die Vortagesspanne. Bleibt der Kurs außerhalb, kommt kein Trade zustande. Genau dieser Filter macht das Muster brauchbar, und genau er wird in den meisten Nacherzählungen weggelassen.
Meine Einordnung nach über vier Jahrzehnten am Chart: Das Setup funktioniert dort am saubersten, wo Lücken selten und dann bedeutsam sind, also im Futures-Handel mit klaren Handelszeiten. Im 24-Stunden-Forexmarkt gibt es kaum echte Lücken, dort läuft das Muster ins Leere. Wie belastbar es systematisch ist, hat unter anderem Andrea Unger nachgerechnet, den wir im Unger-Academy-Erfahrungsbericht einordnen.
Der Volatility Breakout
Ein Volatility Breakout nach Larry Williams ist ein Ausbruchssetup, bei dem die Einstiegsmarke aus dem heutigen Eröffnungskurs plus oder minus einem festen Anteil der Vortagesspanne gebildet wird.
Der Gedanke stammt aus der Physik und Williams beschreibt ihn genau so: Ein Markt, der sich plötzlich weiter bewegt als zuletzt üblich, verhält sich wie ein Körper, der in Bewegung gesetzt wurde. Er läuft weiter, bis eine Gegenkraft auftritt.
Praktisch heißt das: Man misst die Spanne des Vortages von Hoch zu Tief, nimmt davon einen Anteil und legt ihn über und unter den heutigen Eröffnungskurs. Wird eine dieser beiden Marken durchhandelt, ist das der Einstieg. Der Anteil ist der eigentliche Stellhebel und je nach Markt unterschiedlich zu wählen. Ein Faktor, der im Rohöl trägt, produziert im Bund-Future nur Fehlsignale.
Der Preis dieses Ansatzes ist hoch. Ausbruchssysteme haben typischerweise viele kleine Verluste und wenige große Gewinne. Wer die Serie von Fehlausbrüchen nicht aushält, steigt genau vor dem Trade aus, der die Bilanz gerettet hätte.
Die Indikatoren von Larry Williams
Williams hat über die Jahre eine ganze Reihe eigener Indikatoren entwickelt. Der mit Abstand bekannteste ist der Williams %R, den er bereits 1966 vorstellte und der bis heute in nahezu jeder Chartsoftware steckt.
- Williams %R — Oszillator von 1966, misst überkaufte und überverkaufte Marktphasen.
- Ultimate Oscillator — kombiniert drei Zeitfenster in einer Linie, um die typischen Fehlsignale kurzer Oszillatoren zu dämpfen.
- Williams VIX Fix — bildet den Volatilitätsschock des VIX für Märkte nach, für die es keinen eigenen Volatilitätsindex gibt.
- COT-Indizes für Commercials, Large Specs und Small Specs — setzen die aktuelle Positionierung ins Verhältnis zur historischen Spanne.
- True Seasonal und Cycle Forecast — saisonale und zyklische Auswertungen für Rohstoffmärkte.
Die vollständige Übersicht mit Berechnungslogik stellt Williams als PDF auf seiner Website bereit. Saisonale Auswertungen gehören seit Jahrzehnten zum Handwerkszeug vieler Rohstoff-Trader. Wie eine moderne Umsetzung aussieht, beschreibt unser Beitrag Seasonax im Test.
Der heilige Gral des Tradings?
Ist der Ansatz von Larry Williams also der heilige Gral im Trading?
Nein. Den gibt es nicht. Was Williams hat, ist ein nachweisbarer, aber begrenzter Vorteil, und den erzielt er mit vergleichsweise wenig Zeitaufwand. Das ist viel wert und trotzdem etwas völlig anderes als eine Gelddruckmaschine.
Die Performance von 1987 bleibt ein Einzelereignis. Dass sein Ansatz grundsätzlich trägt, zeigt sich eher daran, dass mehrere spätere Weltmeister und Top-Platzierte bei ihm gelernt haben. Die wenigsten haben ihn eins zu eins übernommen. Sie haben sich inspirieren lassen und eigene Nuancen ergänzt, und genau so funktioniert Weitergabe im Trading.
Williams hat eine ganze Generation von CoT-Händlern geprägt. Einer seiner Schüler ist der deutsche Futures-Trader Max Schulz, der die Positionsdaten heute in einer eigenen Ausbildung unterrichtet und seinen kompletten Handel offenlegt. Wir haben seine Zahlen geprüft: die CoT-Ausbildung von InsiderWeek im Test.
Larry Williams Vermögen: was die Zahlen hergeben
Für das Vermögen von Larry Williams gibt es keine belastbare Quelle. Kursierende Schätzungen bewegen sich im zweistelligen Millionenbereich, sind aber weder von Williams bestätigt noch anhand veröffentlichter Zahlen überprüfbar.
Das ist die ehrliche Antwort auf eine der meistgestellten Fragen zu ihm. Wer im Netz konkrete Beträge liest, liest eine Schätzung ohne Beleg, die von Seite zu Seite weitergereicht wird.
Rechnen kann man trotzdem, und das Ergebnis ist aufschlussreich. Williams machte 1987 seine erste Million. Hätte er anschließend auch nur eine Performance erzielt, die den Markt deutlich schlägt, müsste daraus über knapp vier Jahrzehnte ein dreistelliger Millionenbetrag geworden sein. Jede kursierende Schätzung liegt weit darunter.
Fairerweise gehört die Gegenrechnung dazu: Nicht jede Strategie ist beliebig skalierbar. Kurzfristige Futures-Ansätze stoßen an Liquiditätsgrenzen, und je größer das Kapital, desto schwerer wird eine deutliche Outperformance. Wer mit 100.000 Dollar 50 Prozent macht, schafft das mit 100 Millionen Dollar im selben Markt nicht mehr.
Bleibt der zweite Teil der Wahrheit, und der ist unstrittig: Ein erheblicher Anteil seiner Einnahmen stammt aus Seminaren, Kursen, Software und Büchern, nicht aus dem Handel selbst.
Michelle Williams, die zweite Trading-Weltmeisterin der Familie
Hier hält sich ein Missverständnis besonders hartnäckig, deshalb einmal klar: Die Schauspielerin Michelle Williams und die Trading-Weltmeisterin von 1997 sind dieselbe Person. Sie ist Larry Williams’ Tochter.
1997 trat sie im Alter von 17 Jahren bei der Robbins World Cup Championship an und machte aus 10.000 Dollar über 100.000 Dollar. Das entspricht 1.000 Prozent und war die drittbeste Performance in der Geschichte des Wettbewerbs. Sie war zugleich die erste Frau, die den Titel gewann.
Danach wandte sie sich der Schauspielerei zu, in der sie ihr Vermögen verdient hat. Das ist der Grund, warum ihr Name in Trading-Kreisen und in Hollywood gleichzeitig fällt, und einer der ungewöhnlichsten Lebensläufe, die dieser Wettbewerb hervorgebracht hat.
Die Bücher von Larry Williams
Williams hat rund ein Dutzend Bücher geschrieben, mehrere davon liegen auf Deutsch vor. Die für Trader relevanten Titel:
- Erfolgsrezept Kurzfristtrading — die deutsche Ausgabe von „Long-Term Secrets to Short-Term Trading”. Das Standardwerk, in dem Oops-Pattern, Volatility Breakout und sein Money Management beschrieben sind.
- Die richtige Aktie zur richtigen Zeit — deutsche Ausgabe von „The Right Stock at the Right Time”, stärker auf Aktien und Zyklen ausgerichtet.
- Trade Stocks and Commodities with the Insiders — sein Buch zum COT-Report, bislang nur auf Englisch.
- How I Made One Million Dollars Last Year Trading Commodities — das frühe Werk, das seinen Ruf begründete.
Wenn du nur eines lesen willst, dann Erfolgsrezept Kurzfristtrading. Dort steht die Methode, alles andere ist Ergänzung. Eine breitere Auswahl findest du in unserer Übersicht der wichtigsten Tradingbücher, die aktuell lieferbaren Ausgaben zeigt die Trading-Literatur von Larry Williams auf Amazon.
Kritik an Larry Williams
Larry Williams hat viele Kritiker, und diese Kritik hat aus meiner Sicht ihre Berechtigung. Damit das nicht in eine Abrechnung kippt, hier beide Seiten nebeneinander.
Was für Larry Williams spricht und was gegen ihn
Die folgende Gegenüberstellung fasst zusammen, was sich belegen lässt, und was offen bleibt.
- Der Sieg 1987 fand mit echtem Geld unter Wettbewerbsbedingungen statt, nicht auf dem Papier.
- Seine Methoden sind nachvollziehbar beschrieben und in Büchern nachlesbar, nicht in einer Blackbox versteckt.
- Mehrere spätere Weltmeister haben bei ihm gelernt, der Ansatz ist also übertragbar.
- Er arbeitet seit über sechs Jahrzehnten an denselben Grundgedanken, ohne jeder Mode hinterherzulaufen.
- Der Williams %R ist bis heute in praktisch jeder Chartsoftware enthalten.
- Die 11.376 Prozent wurden nie durch Kontoauszüge öffentlich belegt, auch nicht auf seiner eigenen Website.
- Er hat den Wettbewerb nie wiederholt gewonnen und es seitdem auch nicht unter die Top 3 geschafft.
- Der Großteil seiner Einnahmen stammt aus Kursen und Büchern, nicht aus dem Handel.
- Zu seinem Steuerverfahren gibt es eine öffentliche Aktenlage, die zum Bild des reinen Händlers nicht passt.
- Kursierende Vermögensschätzungen sind unbelegt und werden von ihm nicht kommentiert.
Der Kernvorwurf lässt sich in einem Satz formulieren: Wer eine solche Performance erzielt hat, hätte den Nachweis als stärkstes Marketinginstrument seines Lebens. Dass dieser Nachweis fehlt, ist keine Kleinigkeit.
Das Steuerverfahren gegen Larry Williams
Der Vollständigkeit halber, und weil dazu viel Falsches kursiert: Williams wurde 2006 in Sydney festgenommen, als er zu einer Vortragsreise nach Australien einreiste. Die Festnahme erfolgte auf Ersuchen der US-Behörden. Die US-Steuerbehörde IRS wollte ihn zu unversteuerten Einnahmen aus Buchhonoraren und internationalen Seminaren der Jahre 1990 bis 2001 befragen.
Das Verfahren endete am 5. Februar 2010. Drei Anklagepunkte wegen Steuerhinterziehung wurden fallengelassen. Williams bekannte sich im Gegenzug in drei Fällen schuldig, seine Steuererklärungen für die Jahre 1999 bis 2001 nicht fristgerecht eingereicht zu haben. Das ist im US-Recht ein Vergehen und keine Verurteilung wegen Steuerbetrugs.
Bemerkenswert bleibt der Punkt, der dabei oft untergeht: Es ging um Einnahmen aus dem Verkauf seines Wissens, nicht um Handelsgewinne.
Larry Williams heute: Kurse, Prognosen und eine Warnung
Williams ist mit 83 Jahren weiter aktiv. Über seine Website ireallytrade.com bietet er Webinare, eine als Larry Williams University geführte Kursreihe und einen jährlichen Forecast-Report an, den er nach eigenen Angaben in mehr als 67 Länder ausliefert. 2026 trat er unter anderem in einem Livestream bei NinjaTrader auf.

Wichtiger als das Angebot ist eine Warnung, die er selbst auf seiner Startseite ausspricht: Williams stellt dort klar, dass er nicht in sozialen Netzwerken aktiv ist und kein persönliches Mentoring anbietet. Wer im Namen von Larry Williams über Instagram, Telegram oder WhatsApp Betreuung, Signale oder Fondsbeteiligungen verkauft, handelt ohne ihn.
Das ist kein Randthema. Bekannte Trader-Namen sind die häufigste Fassade für Anlagebetrug, und je größer die Legende, desto attraktiver der Missbrauch. Wenn dich jemand als „Larry Williams” oder in seinem Auftrag anschreibt, ist das nach seiner eigenen Aussage ein Betrugsversuch.
Zitate von Larry Williams
„Das Wichtigste an der Börse ist ganz einfach: Begrenze Verluste! Gewinne tun niemandem weh. Verluste aber sind kritisch und man muss lernen, sie zu kontrollieren. Dies ist ein Geschäft, bei dem es um Schadensbegrenzung geht. Wenn man das nicht versteht, hat man verloren.”
„Bei jedem Trade stelle ich mir vor, dass dies mein schlechtester Trade aller Zeiten wird. Und ich überlege mir vorher, wie viel von meinem Geld ich damit verlieren will.”
„Menschen, die davon leben, in Kristallkugeln zu schauen, sind verdammt dazu, sehr viele Scherben zu essen.”
Das erste Zitat ist der eigentliche Kern seiner Lehre und der Teil, der am seltensten zitiert wird. Williams ist berühmt für eine Gewinnzahl, gelehrt hat er vor allem Verlustbegrenzung.
Mein Fazit zu dem Trader Larry Williams
Meine persönliche Einschätzung: Williams hat sich einen echten Vorteil im Markt erarbeitet, aber dieser Vorteil war nie groß genug, um allein mit dem Handel wirklich reich zu werden.
Deshalb macht er das, was praktisch alle bekannten Trading-Coaches machen. Er verkauft sein Wissen. Ich kenne keinen Händler, der nachweislich zum obersten Prozent gehört und bereit wäre, seinen Vorsprung zu teilen. Wer einen so großen Vorteil hat, gibt ihn nicht her, und er hat auch gar nicht die Zeit für das ganze Marketing drumherum.
Meine Lesart der 11.376 Prozent ist entsprechend nüchtern: Das war zu einem großen Teil gelungene Promotion, für Williams und für den Wettbewerb gleichermaßen.
Und trotzdem, das gehört zur Fairness dazu: Mit seinem Ansatz lässt sich der Markt schlagen, und das ist über einen sehr langen Zeitraum von mehreren Personen gezeigt worden. Wer die Bücher liest, bekommt eine ehrlich beschriebene Methode und keine Blackbox. Das ist mehr, als man über die meisten Anbieter in diesem Geschäft sagen kann.
Häufige Fragen zu Larry Williams
Wer ist Larry Williams?
Larry Richard Williams ist ein US-amerikanischer Futures-Trader, Autor und Kursanbieter, geboren 1942 in Montana. Bekannt wurde er 1987 durch den Sieg bei der Robbins World Cup Championship of Futures Trading mit einer Jahresperformance von 11.376 Prozent.
Wie tradet Larry Williams?
Er handelt einen technisch-fundamentalen Swing-Trading-Ansatz. Die Fundamentaldaten und die Positionierung der Commercials im COT-Report bestimmen, was gehandelt wird, die Charttechnik liefert Ein- und Ausstieg. Positionen hält er meist zwei bis drei Tage.
Was ist das Oops-Pattern von Larry Williams?
Das Oops-Pattern handelt eine Eröffnungslücke gegen ihre eigene Richtung. Eröffnet der Markt unter dem Vortagestief und kehrt im Tagesverlauf in die Vortagesspanne zurück, entsteht ein Kaufsignal. Bei einer Lücke über dem Vortageshoch gilt die Regel spiegelbildlich.
Wie hoch ist das Vermögen von Larry Williams?
Dazu gibt es keine belastbare Quelle. Kursierende Angaben im zweistelligen Millionenbereich sind Schätzungen ohne Beleg und weder von Williams bestätigt noch nachprüfbar. Ein erheblicher Teil seiner Einnahmen stammt aus Seminaren, Kursen und Büchern.
Ist Michelle Williams die Tochter von Larry Williams?
Ja. Die Schauspielerin Michelle Williams ist seine Tochter und gewann 1997 mit 17 Jahren als erste Frau die Robbins World Cup Championship mit 1.000 Prozent. Es handelt sich um dieselbe Person, nicht um zwei Namensvetterinnen.
Welches Buch von Larry Williams sollte man lesen?
Erfolgsrezept Kurzfristtrading, die deutsche Ausgabe von „Long-Term Secrets to Short-Term Trading”. Dort stehen Oops-Pattern, Volatility Breakout und sein Money Management gebündelt. Alle weiteren Titel ergänzen dieses Werk.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Die Bücher von Larry Williams gehörten zu den ersten, die er in den Achtzigerjahren gelesen hat, und der Trade Navigator von GenesisFT ist bis heute auch seine eigene Plattform. Für dieses Update wurden alle biografischen Angaben, die Wettbewerbszahlen und der Verfahrensausgang gegen Primärquellen geprüft und mehrere über Jahre unwidersprochen stehende Falschangaben korrigiert.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











