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Parabolic SAR Indikator: Trading-Anleitung, Einstellung, Berechnung, Beispiele (2026)

Zuletzt aktualisiert: 06. September 2026

|

22 Min

Galen Woods

Autor

Galen Woods

Karsten Kagels

Überprüft von

Karsten Kagels

Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026
Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026

Der Parabolic SAR ist eine Punktreihe, die im Chart mal über und mal unter dem Kurs liegt. Sie rückt mit jeder Kerze näher heran. Berührt der Kurs die Punkte, springt die Reihe auf die andere Seite. Genau das macht den Indikator so leicht abzulesen und so leicht zu überschätzen.

Diese Anleitung nimmt ihn auseinander statt ihn zu bewerben. Du bekommst die Formel, die Standardwerte 0,02 und 0,20, vier Handelsstrategien mit Chartbeispielen und einen eigenen Test über zehn Jahre DAX und S&P 500. Der Test zeigt auch, wo das System scheitert. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Parabolic SAR Indikator: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was er anzeigt: Punkte unter dem Kurs stehen für einen Aufwärtstrend, Punkte über dem Kurs für einen Abwärtstrend. Wechselt die Seite, dreht das System die Richtung um.
  • Die Standardwerte: Der Beschleunigungsfaktor startet bei 0,02, steigt bei jedem neuen Extrempunkt um 0,02 und ist bei 0,20 gedeckelt. Diese drei Zahlen sind in jeder gängigen Chartsoftware voreingestellt.
  • Der gemessene Befund: Im eigenen Test über zehn Jahre Tageskerzen lieferte das reine System 238 Signale im DAX bei einer Trefferquote von 35,3 Prozent und einem Profitfaktor von 0,93. Im S&P 500 waren es 41,3 Prozent und 1,05. Beide Male schlug simples Halten die Strategie deutlich.
  • Die Hauptschwäche: 71 Prozent aller DAX-Signale entstanden, während der ADX unter 25 lag, es also keinen belastbaren Trend gab. Ohne einen Trendfilter davor ist der Indikator ein Signalgenerator ohne Richtung.
  • Wofür er taugt: Als Trailing Stop in einem laufenden Trend. Als alleiniger Einstiegsauslöser nicht.

Denselben Zweck mit anderer Rechenlogik erfüllt der Supertrend: Er nutzt die Average True Range statt eines Beschleunigungsfaktors und legt die Linie dadurch volatilitätsabhängig an. Wie er im Chart arbeitet und welche Einstellungen sich lohnen, zeigt unser Ratgeber zum Supertrend Indikator.

Was ist der Parabolic SAR?

Der Parabolic SAR ist ein Trendfolge-Indikator von J. Welles Wilder, der als Punktreihe über oder unter dem Kurs liegt und mit jedem Kursstab näher an den Kurs heranrückt. Berührt der Kurs die Punktreihe, wechselt sie die Seite und dreht die Handelsrichtung um.

SAR steht für Stop and Reverse, also für Stopp und Umkehr. Wilder stellte den Indikator 1978 in seinem Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“ vor, zusammen mit dem RSI-Indikator, dem ADX und der Average True Range. Vier Werkzeuge, die bis heute in jeder Chartsoftware stecken.

Der Indikator unterscheidet sich in einem Punkt von fast allen anderen: Er läuft nicht in einem eigenen Fenster unter dem Chart, sondern direkt im Kursbild. Damit liest du Trendrichtung und mögliches Stop-Level an derselben Stelle ab. Er folgt der Price Action, er sagt sie nicht voraus.

Parabolic SAR Indikator im Tageschart mit Punktreihe über und unter dem Kurs
Der Parabolic SAR im Tageschart: Die Punkte springen bei jeder Trendumkehr auf die andere Seite des Kurses.

So liest du die Punkte im Chart

  • Punkte unter dem Kurs: Der Indikator steht auf Aufwärtstrend. Jeder Punkt markiert das Niveau, auf dem ein Long-Trade beendet würde.
  • Punkte über dem Kurs: Der Indikator steht auf Abwärtstrend. Die Punkte sind das Stop-Level für eine Short-Position.
  • Abstand der Punkte: Je länger der Trend läuft, desto enger rücken sie an den Kurs. Das ist gewollt und der Kern der Rechenlogik.

Parabolic SAR berechnen: Formel, Beschleunigungsfaktor und Maximalwert

Wenn dir Formeln nichts sagen, überspring diesen Abschnitt und geh direkt zu den Strategien. Verstehen musst du hier nur eine Sache: warum die Punkte im Verlauf eines Trends immer schneller auf den Kurs zulaufen.

Die meisten Indikatoren sind reine Rechenformeln. Der Parabolic SAR hat zusätzlich einen logischen Teil, eine Wenn-dann-Abfrage. Erst sie entscheidet, ob der Indikator auf Aufwärts- oder Abwärtstrend steht. Drei Größen brauchst du dafür:

  • Vorheriger SAR: der Indikatorwert der letzten Kerze. Er ist der Ausgangspunkt jeder neuen Berechnung.
  • Extrempunkt (EP): das höchste Hoch im laufenden Aufwärtstrend oder das tiefste Tief im laufenden Abwärtstrend.
  • Beschleunigungsfaktor (AF): der Wert, der den SAR an den Kurs heranzieht. Er startet bei 0,02 und steigt um 0,02, sobald der Extrempunkt ein neues Extrem erreicht.
  • Maximaler Beschleunigungsfaktor: die Obergrenze 0,20. Ab hier wird der Indikator nicht mehr schneller, egal wie lange der Trend noch läuft.

Der Beschleunigungsfaktor bestimmt, wie schnell sich der Parabolic SAR dem Kurs nähert. Er startet bei 0,02, steigt bei jedem neuen Extrempunkt um 0,02 und ist bei 0,20 gedeckelt.

Die eigentliche Rechnung passt in eine Zeile und ist für Aufwärts- und Abwärtstrend identisch aufgebaut:

Aktueller SAR = Vorheriger SAR + Vorheriger AF × (Vorheriger EP − Vorheriger SAR)

Im Aufwärtstrend liegt der Extrempunkt über dem SAR, das Ergebnis der Klammer ist positiv und der SAR steigt. Im Abwärtstrend liegt er darunter, die Klammer wird negativ und der SAR fällt. Der SAR bewegt sich also immer in Trendrichtung, nie dagegen.

Eine Schutzregel steckt zusätzlich in jeder Implementierung: Der neue SAR darf nicht in die Spanne der letzten beiden Kerzen hineinragen. Ohne sie würde der Indikator schon bei normalem Rauschen auslösen. Deshalb siehst du im Chart gelegentlich Punkte, die eine Kerze lang stehen bleiben statt weiterzulaufen.

Wann dreht der Parabolic SAR?

An dieser Stelle steckt der häufigste Lesefehler, deshalb beide Fälle einzeln. Der Auslöser ist immer der Kurs, nie der Indikator:

  • Aus Aufwärts wird Abwärts: Der Kurs fällt unter den letzten SAR-Wert. Die Punktreihe springt über den Kurs. Der erste Punkt der neuen Reihe ist der bisherige Extrempunkt, also das Hoch des beendeten Aufwärtstrends.
  • Aus Abwärts wird Aufwärts: Der Kurs steigt über den letzten SAR-Wert. Die Punktreihe springt unter den Kurs. Startwert ist wieder der bisherige Extrempunkt, diesmal das Tief des beendeten Abwärtstrends.

Bei jeder Umkehr wird der Beschleunigungsfaktor zurück auf 0,02 gesetzt. Der neue Trend fängt also wieder langsam an und der Stop hat zu Beginn den größten Abstand zum Kurs. Das ist der Grund, warum frische Signale mehr Luft lassen als späte.

Die Idee hinter dem Parabolic SAR

Die Formel wirkt sperrig, der Gedanke dahinter ist es nicht. Wilder wollte einen Stop, der mit der Zeit ungeduldig wird. Ein Trend, der nur noch seitwärts dahindümpelt, soll die Position verlieren, auch wenn der Kurs gar nicht gefallen ist.

Dafür sorgt der Beschleunigungsfaktor. Mit jedem neuen Extrem steigt er, und der SAR rennt dem Kurs schneller hinterher. Nach zwanzig Kerzen in einem Trend klebt die Punktreihe deutlich enger am Kurs als nach dreien. Zeit ist beim Parabolic SAR ein eigener Faktor, und darin unterscheidet er sich von einem gleitenden Durchschnitt oder einem festen Prozent-Stop.

Die Konsequenz siehst du im Chart sofort: Lange Trends werden eng begleitet, kurze Trends werden schnell beendet. In einem Seitwärtsmarkt löst der Indikator deshalb ständig aus. Er hat dort keine Trendinformation, an der er sich festhalten könnte.

Vier Trading-Strategien für den Parabolic SAR

Alle vier Ansätze benutzen den Parabolic SAR als Hauptwerkzeug. Sie unterscheiden sich darin, wie sie mit Seitwärtsphasen umgehen, denn genau dort verliert der Indikator sein Geld. Die ersten beiden stammen von Wilder selbst, die anderen beiden sind gängige Abwandlungen.

  • Strategie 1: das reine Stop-and-Reverse-System ohne Filter.
  • Strategie 2: Parabolic SAR mit dem Directional-Movement-System als Trendfilter.
  • Strategie 3: Parabolic SAR mit einem gleitenden Durchschnitt als Filter.
  • Strategie 4: zwei Parabolic SAR gleichzeitig, einer für die Richtung, einer für den Einstieg.

Strategie 1: Das Stop-and-Reverse-System von Wilder

Diese Strategie steht so in Wilders Buch von 1978. Du bist permanent im Markt, entweder long oder short. Jedes Ausstiegssignal ist zugleich das Einstiegssignal für die Gegenrichtung. Eine Pause gibt es nicht.

Trading-Regeln zum Parabolic SAR

  • Punkte unter dem Kurs: Du hältst eine Long-Position und ziehst eine Sell-Stop-Order auf den letzten SAR-Wert nach.
  • Punkte über dem Kurs: Du hältst eine Short-Position und ziehst eine Buy-Stop-Order auf den letzten SAR-Wert nach.
  • Beim Auslösen: Die Order schließt die alte Position und eröffnet im selben Schritt die neue. Deshalb doppelte Stückzahl, wenn du das wörtlich umsetzt.

Trading-Beispiele zum Parabolic SAR

Der folgende Chart zeigt die ausgelösten Orders. Achte auf die linke Hälfte: Dort läuft der Markt seitwärts, und die Punkte springen im Zweitagesrhythmus hin und her.

  • Rote Kreise: ausgelöste Sell-Stop-Orders, also der Wechsel in die Short-Position.
  • Grüne Kreise: ausgelöste Buy-Stop-Orders, also der Wechsel in die Long-Position.
Parabolic SAR Kauf- und Verkaufssignale im Chart mit markierten Stop-Orders
Kauf- und Verkaufssignale des Parabolic SAR: Im Seitwärtsmarkt links reiht sich Fehlsignal an Fehlsignal.

Im Seitwärtsmarkt schneidet das System schlecht ab, und das war Wilder bewusst. Er empfahl deshalb selbst, den Parabolic SAR mit dem Directional-Movement-System zu kombinieren. Genau das ist Strategie 2.

Strategie 2: Parabolic SAR mit dem Directional-Movement-System

Wilder baute Systeme ohne Interpretationsspielraum. Das Directional-Movement-System liefert die Richtung, der Parabolic SAR den Einstieg und den Stop. Es besteht aus drei Linien: dem ADX als Trendstärke, sowie DI+ und DI− als Richtungsanzeiger.

Trading-Regeln für Parabolic SAR und DM

  • Grundfilter: Ein Signal zählt nur, wenn der ADX über 25 steht. Darunter gibt es keinen belastbaren Trend.
  • Long: zusätzlich DI+ über DI−. Die Käufer haben die Oberhand.
  • Short: zusätzlich DI− über DI+.
  • Kein automatisches Reverse: Der Filter unterbindet die Umkehr. Du steigst aus und wartest, bis die Bedingungen für die Gegenrichtung erfüllt sind.

Trading-Beispiele für den Parabolic SAR und den DM

Parabolic SAR mit Directional-Movement-Filter im Tageschart der AMD Aktie
Parabolic SAR mit DM-Filter: 1. ADX unter 25, keine klare Richtung. 2. ADX über 25 bei DI+ über DI−. 3. Buy-Stop ausgelöst. 4. Nachgezogener Stop-Loss.
  • Phase 1: Der ADX lag unter 25. Alle SAR-Signale in diesem Bereich werden ignoriert.
  • Phase 2: Der ADX stieg über 25, DI+ lag über DI−. Ab hier ist die Struktur bullisch.
  • Phase 3: Von allen SAR-Signalen im Chart überlebte genau eines den Filter.
  • Phase 4: Der Stop wird an den Punkten nachgezogen, statt die Position zu drehen.

Das ist ein Lehrbeispiel, keine fertige Handelsstrategie. Wie hart der Filter wirklich zuschlägt, zeigt der Messabschnitt weiter unten. Der Wert dieser Kombination liegt darin, dass sie ein vollständiges System aus drei Bausteinen zeigt: Richtung über das DM-System, Einstieg über den SAR, Stop und Ausstieg ebenfalls über den SAR.

Strategie 3: Parabolic SAR mit gleitendem Durchschnitt

Das Directional-Movement-System ist dir zu umständlich? Dann übernimmt ein exponentieller gleitender Durchschnitt die Trendbestimmung. Er liefert dieselbe Information mit einer einzigen Linie, dafür reagiert er träger.

Trading-Regeln für den EMA-Filter

  • Kaufsignale: nur, wenn der 50-Perioden-EMA nach oben zeigt.
  • Verkaufssignale: nur, wenn der 50-Perioden-EMA nach unten zeigt.
  • Flacher EMA: Pendeln die Kurse um eine waagerechte Linie, ist das ein Seitwärtsmarkt. Alle Signale fallen weg.

Trading-Beispiel für den EMA-Filter

Parabolic SAR mit 50-Perioden-EMA als Trendfilter im Chart
Parabolic SAR mit EMA-Trendfilter: 1. Abwärtstrend. 2. Kurse pendeln um den flachen EMA, Signale ignorieren. 3. Der Markt hält sich über dem EMA. 4. Verwertbare Kaufsignale.
  • Punkt 1: klarer Abwärtstrend, nur Short-Signale kommen infrage.
  • Punkt 2: Die Kerzen gruppieren sich um einen flachen EMA. Das ist das optische Warnsignal für eine Seitwärtsphase.
  • Punkt 3: Der Markt hält sich erstmals dauerhaft über dem EMA. Das Verhalten der Kerzen ändert sich sichtbar.
  • Punkt 4: Erst hier sind die Kaufsignale des SAR verwertbar.

Mit der Periodenlänge lässt sich experimentieren, allerdings nicht beliebig. Bei den Standardeinstellungen des Parabolic SAR passt ein EMA zwischen 50 und 200. Kürzere Einstellungen schwingen zu stark mit und filtern kaum noch etwas heraus.

Strategie 4: Doppelter Parabolic SAR

Der letzte Ansatz braucht keinen zweiten Indikatortyp. Ein Parabolic SAR gibt die Richtung vor, ein zweiter den Einstieg. Dafür gibt es zwei gängige Umsetzungen.

Zweifacher Zeitrahmen

Du legst den Indikator auf zwei Zeitrahmen an. Der höhere Zeitrahmen bestimmt die erlaubte Richtung, im kleineren suchst du das Signal. Der folgende Chart zeigt einen Wochen-SAR, eingeblendet in einen Tageschart.

Parabolic SAR auf zwei Zeitrahmen mit Wochenwerten im Tageschart
Parabolic SAR mit zwei Zeitrahmen: 1. Blaue Punkte zeigen den Wochenwert. 2. Wochen-SAR unter dem Kurs, bullische Ausrichtung. 3. Mögliche Long-Einstiege.
  • Blaue Punkte: der Wochenwert des Parabolic SAR, projiziert auf den Tageschart.
  • Wochenwert unter dem Kurs: übergeordneter Aufwärtstrend.
  • Konsequenz: Solange das gilt, kommen nur Long-Einstiege infrage. Short-Signale des Tages-SAR werden ignoriert.

Unterschiedliche Empfindlichkeiten des Indikators

Die zweite Variante bleibt in einem Zeitrahmen und nutzt zwei verschiedene Einstellungen. Der träge SAR mit kleinem Beschleunigungsfaktor liefert die Richtung, der schnelle die Signale. Das Prinzip entspricht der Arbeit mit zwei gleitenden Durchschnitten. Welche Werte dabei was verändern, steht im nächsten Abschnitt.

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Einstellungen des Parabolic SAR: was die Schrittweite wirklich verändert

Jede Chartsoftware liefert den Indikator mit 0,02 als Startwert und Schrittweite und 0,20 als Obergrenze aus. Diese Werte gehen auf Wilder selbst zurück und sind bis heute der Standard, den auch unsere Übersicht der Indikator-Einstellungen benutzt.

In vielen Anleitungen steht danach der Satz, man solle die Einstellung „optimieren“. Wir haben stattdessen gemessen, was sich dabei tatsächlich ändert. Grundlage sind zehn Jahre Tageskerzen im DAX und im S&P-500-ETF SPY, ausgewertet vom 22.08.2016 bis zum 21.08.2026. Gezählt wurde jede Umkehr der Punktreihe als Trade bis zur nächsten Umkehr.

Schritt / MaximumSignale DAXØ Haltedauer
0,01 / 0,1015116,7 Tage
0,02 / 0,20 (Standard)23810,6 Tage
0,03 / 0,303048,3 Tage
0,04 / 0,403507,2 Tage
Eigene Auswertung, DAX-Tageskerzen 22.08.2016 bis 21.08.2026. Datenquelle: Yahoo Finance.

Die Schrittweite steuert die Signalzahl, nicht die Trefferquote. Von 0,01 auf 0,04 verdoppelt sich die Zahl der Trades, die Haltedauer halbiert sich. Die Trefferquote bewegte sich dabei im DAX nur zwischen 35,1 und 39,4 Prozent, im SPY zwischen 37,7 und 41,5 Prozent. Das ist der stabile Teil des Ergebnisses.

Der unstabile Teil ist die Richtung: Im DAX schnitten die schnellen Einstellungen besser ab, im S&P 500 die langsamen. Der Profitfaktor stieg im DAX von 0,83 bei 0,01 auf 1,15 bei 0,04, im SPY fiel er im selben Schritt von 1,20 auf 0,91. Wer aus einem der beiden Märkte eine allgemeine Empfehlung ableitet, hat sie im anderen bereits widerlegt.

Für die Praxis folgt daraus eine simple Reihenfolge: Fang mit dem Standard an. Ist dir das Ergebnis zu unruhig, verkleinere Schrittweite und Maximum, statt am Stop-Abstand zu drehen. Und teste jede Änderung im Markt, den du wirklich handelst, nicht in dem, für den die Zahlen im Netz stehen.

Parabolic SAR im Test: zehn Jahre DAX und S&P 500

Zum Parabolic SAR steht viel im Netz, belegte Zahlen findest du kaum. Deshalb haben wir das reine Stop-and-Reverse-System selbst nachgerechnet, mit den Standardwerten 0,02 und 0,20, auf Tageskerzen, ohne Filter, ohne Gebühren. Jede Umkehr ist ein Trade, gehalten bis zur nächsten Umkehr, bewertet zum Schlusskurs.

KennzahlDAXS&P 500 (SPY)
Trades in 10 Jahren238235
Trefferquote35,3 %41,3 %
Profitfaktor0,931,05
Ø Haltedauer10,6 Tage10,6 Tage
Signale bei ADX unter 2571 %57 %
Eigene Auswertung, Tageskerzen 22.08.2016 bis 21.08.2026, Beschleunigungsfaktor 0,02 / 0,20. Datenquelle: Yahoo Finance. Historische Werte, keine Aussage über die Zukunft.

Das reine System hat in beiden Märkten kein Geld verdient. Im DAX summierten sich die 238 Trades auf ein Minus von rund 3.400 Punkten, während schlichtes Halten im selben Zeitraum etwa 15.600 Punkte einbrachte. Im SPY endete das System bei plus 52 Punkten gegen 548 Punkte für Buy-and-Hold. Der Profitfaktor von 0,93 beziehungsweise 1,05 sagt dasselbe: ungefähr eine Nullsumme, vor Kosten.

Denselben Test haben wir für einen Oszillator gefahren, mit demselben Ergebnis. Beim Stochastik-Indikator stand die Linie im S&P 500 an 44,8 Prozent aller Handelstage über 80, und das reine Kreuzungssignal blieb unter der Basisrate eines beliebigen Einstiegstages.

Die Verteilung dahinter ist typisch für Trendfolge. Zwei von drei Trades gehen schief, die Gewinner sind dafür deutlich größer: Im DAX brachte ein Gewinntrade im Schnitt 507 Punkte, ein Verlusttrade kostete 299 Punkte. Wer dieses Verhältnis nicht aushält, wird die Strategie nach einer Verlustserie abbrechen, genau bevor der Trend kommt, der sie trägt.

Der wichtigste Befund steht in der letzten Zeile der Tabelle. Im DAX entstanden 167 von 234 auswertbaren Signalen, während der ADX unter 25 lag. Diese Signale hatten von vornherein keinen Trend, dem sie hätten folgen können. Der Indikator produziert sie trotzdem, weil seine Rechenlogik keine Trendstärke kennt.

Interessant ist, was der Filter aus Strategie 2 daran ändert: er reduziert die Signale drastisch, ohne das Ergebnis zu retten. Mit ADX über 25 und passender DI-Lage blieben im DAX nur 22 von 238 Trades übrig, im SPY 44 von 235. Beide Reste lagen im ausgewerteten Zeitraum im Minus. Bei so kleinen Stichproben ist das kein Urteil über den Filter, aber es widerlegt die verbreitete Behauptung, ein ADX-Filter mache aus dem Parabolic SAR ein tragfähiges Einstiegssystem.

Der Test bewertet den Indikator als Einstiegsauslöser, nicht als Stop-Werkzeug. Genau dort liegt seine eigentliche Stärke, und darum geht der nächste Abschnitt.

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Parabolic SAR als Trailing Stop nutzen

Trade-Management heißt: Du passt Stop und Ziel an, nachdem du drin bist. Hier spielt der Parabolic SAR seine Stärke aus, weil er dir bei jeder Kerze ein fertiges Stop-Level liefert, ohne dass du rechnen musst.

Das Nachziehen des Stop-Loss an den Punkten funktioniert in beide Richtungen. Im Long-Trade wandert der Stop mit den Punkten unter dem Kurs nach oben, im Short-Trade mit den Punkten darüber nach unten. Zurück geht der Stop nie, das ist in der Rechenlogik ausgeschlossen.

Der Zeitfaktor bringt eine Eigenschaft mit, die andere Trailing-Stops nicht haben: Der Stop wird enger, je länger die Position läuft. Verliert der Trend seine Dynamik, wirst du ausgestoppt, auch ohne echten Rücksetzer. Für Optionskäufer, die eine Zeitprämie bezahlen, passt das gut. Wer eine Position über Wochen halten will, findet den Mechanismus schnell lästig.

Beispiel für Trailing-Stops und Gewinnmitnahmen

Parabolic SAR als Trailing Stop im Chart mit zwei Seitwärtszonen
Trade-Management mit dem Parabolic SAR: 1. Die Punkte dienen als nachgezogener Stop. 2. Zwei ähnliche Seitwärtszonen, nur die zweite löst den Stop aus.
  • Abschnitt 1: Ein sauberer Trend, der Stop läuft an den Punkten mit. Kein Eingriff nötig, die Position bleibt mehrere Wochen im Markt.
  • Abschnitt 2: Zwei Seitwärtszonen, die im Chart fast identisch aussehen. Ausgestoppt wurde nur die zweite. Der Grund ist der Beschleunigungsfaktor: Er war zu diesem Zeitpunkt weiter oben und der Stop damit enger am Kurs.

Zwei gleich aussehende Chartbilder führen also zu unterschiedlichen Ergebnissen, je nachdem, wie lange der Trend zu diesem Zeitpunkt schon lief. Das ist die eine Sache, die du beim Parabolic SAR im Kopf behalten musst: Nicht das Chartbild allein entscheidet, sondern auch die verstrichene Zeit.

Vor- und Nachteile des Parabolic SAR

Der Indikator hat eine klare Stärke und eine ebenso klare Schwäche, und beide hängen an derselben Rechenlogik. Die folgende Aufstellung stützt sich auf die gemessenen Zahlen aus dem Test weiter oben, nicht auf allgemeine Einschätzungen.

Vorteile des Parabolic SAR

  • Eindeutig ablesbar: Punkte oben oder unten, dazwischen gibt es nichts. Der Indikator lässt keinen Interpretationsspielraum, anders als Trendlinien oder Chartmuster.
  • Fertiges Stop-Level bei jeder Kerze: Du musst keine Prozentsätze oder Volatilitätswerte rechnen, das Niveau steht im Chart.
  • Der Stop geht nie zurück: Aufgelaufene Gewinne werden strukturell abgesichert. Ein manuelles Aufweichen des Stops ist nicht vorgesehen.
  • Große Gewinner in echten Trends: Im DAX-Test brachte ein Gewinntrade im Schnitt 507 Punkte gegen 299 Punkte Durchschnittsverlust.
  • Überall verfügbar: In jeder gängigen Chartsoftware vorinstalliert, mit identischen Standardwerten.

Nachteile des Parabolic SAR

  • Niedrige Trefferquote: 35,3 Prozent im DAX und 41,3 Prozent im S&P 500 über zehn Jahre. Zwei von drei Trades gehen schief.
  • Kein Trendfilter eingebaut: 71 Prozent der DAX-Signale entstanden bei einem ADX unter 25, also ohne belastbaren Trend.
  • Als eigenständiges System nicht tragfähig: Profitfaktor 0,93 im DAX, 1,05 im SPY. Beide Male schlug einfaches Halten die Strategie deutlich.
  • Der Zeitfaktor stoppt gesunde Positionen aus: Eine ruhige Konsolidierung im Trend reicht, um den Trade zu beenden.
  • Keine Aussage zur Trendstärke: Der Indikator kennt nur oben und unten, nicht stark oder schwach.

Der Parabolic SAR ist ein gutes Stop-Werkzeug in einem schlechten Einstiegssystem. Wer ihn so einsetzt, bekommt einen disziplinierten Trailing Stop. Wer ihm die Einstiegsentscheidung überlässt, handelt im Wesentlichen Rauschen.

Parabolic SAR effizient nutzen: fünf Regeln aus der Praxis

Aus allem, was oben steht, lassen sich fünf Regeln ableiten. Sie beantworten dieselbe Frage aus verschiedenen Richtungen: Wie gehst du mit den Zickzackbewegungen um, die der Indikator zwangsläufig produziert?

  • Nie allein einsetzen. Ein Trendfilter gehört davor, ob ADX, gleitender Durchschnitt oder ein zweiter SAR im höheren Zeitrahmen. Ohne ihn handelst du die 71 Prozent Fehlsignale mit.
  • Nicht jedes Signal nehmen. Wilder baute das System für den Dauereinsatz im Markt. Für aktive Trader ist Selektion die bessere Wahl.
  • Als Stop stärker als als Einstieg. Nimm den Einstieg aus deiner eigenen Analyse und überlass dem SAR das Nachziehen des Stops.
  • Die Marktphase vor die Einstellung stellen. In einer richtungslosen Marktphase hilft keine Optimierung. Erkenne die Phase, statt an den Parametern zu drehen.
  • Die Verlustserie einplanen. Bei einer Trefferquote um 35 bis 41 Prozent sind fünf Fehlschläge in Folge normal. Wer das nicht vorher weiß, steigt zur falschen Zeit aus.

Wie sich der Indikator in ein Gesamtkonzept einfügt, zeigt unser Überblick zu Trendfolgestrategien. Dort steht auch, welche Rolle Trendfolge-Werkzeuge gegenüber Oszillatoren spielen.

Chart-Plattformen und weiterführende Quellen

Den Parabolic SAR findest du in praktisch jeder Chartsoftware, meist unter dem vollen Namen oder als „SAR“. Fehlt er, ist das ein Argument für einen Wechsel. Drei verbreitete Plattformen:

  • TradingView: webbasiert, Basisversion kostenfrei, größte Auswahl an Märkten.
  • NinjaTrader: stark im Futures-Handel, mit eigener Backtest-Umgebung.
  • MetaTrader: Standard bei vielen Forex-Brokern, mit automatisierbaren Strategien.

Für den Blick in die Originalquelle führt kein Weg an Wilders Buch vorbei. Es ist knapp, technisch und enthält neben dem Parabolic SAR auch RSI, ADX und die Average True Range. Eine deutsche Übersetzung gibt es nicht.

Buchcover New Concepts in Technical Trading Systems von J. Welles Wilder

„New Concepts in Technical Trading Systems“ von J. Welles Wilder, Trend Research, 1978. Die Originalquelle des Indikators und die Grundlage für die Strategien 1 und 2 in diesem Artikel.

Eine frei zugängliche Untersuchung zur Kombination mit anderen Indikatoren ist „MACD Trend Forex Trading Strategy With Parabolic SAR and ATR“ (PDF). Sie testet den Parabolic SAR zusammen mit MACD und ATR auf Forex-Daten. Die Ergebnisse stammen aus einem einzelnen Datensatz und sind entsprechend vorsichtig zu lesen.

Dieser Artikel geht auf einen Beitrag von Galen Woods zurück, den er im Original unter The Ultimate Parabolic SAR Trading Guide veröffentlicht hat. Übersetzung und Bearbeitung: Karsten Kagels und Gaby Boutaud. Die Messungen zu Einstellungen und Zehnjahrestest stammen aus eigener Auswertung der Redaktion.

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Fazit: Der Parabolic SAR ist ein Stop-Werkzeug, kein Handelssystem

Wilders Indikator löst ein einziges Problem gut: Er sagt dir in jedem Moment, wo dein Stop stehen sollte, und er zieht ihn konsequent nach. Dafür braucht er keine Interpretation und keine Erfahrung. Das ist mehr, als die meisten Indikatoren leisten.

Als eigenständige Strategie hält er dagegen nicht, was sein Aufbau verspricht. 238 Trades im DAX endeten über zehn Jahre bei einem Profitfaktor von 0,93, und 71 Prozent der Signale entstanden ohne belastbaren Trend im Rücken. Das ist keine Frage der richtigen Einstellung, sondern liegt daran, dass die Rechenlogik keine Trendstärke kennt.

Die sinnvolle Arbeitsteilung ist deshalb einfach: Deine Analyse liefert Richtung und Einstieg, der Parabolic SAR übernimmt den Stop. Wer ihn als Einstiegssignal handeln will, braucht zwingend einen Filter davor und sollte auch dann die Erwartung niedrig halten. Der Test oben zeigt, wie wenig von den Signalen übrig bleibt und wie wenig das am Ergebnis ändert.

Häufige Fragen zum Parabolic SAR Indikator

Was ist der Parabolic SAR Indikator?

Der Parabolic SAR ist ein Trendfolge-Indikator von J. Welles Wilder, den er 1978 in „New Concepts in Technical Trading Systems“ vorstellte. Er erscheint als Punktreihe über oder unter dem Kurs und markiert dabei laufend das Niveau, auf dem eine Position beendet würde. SAR steht für Stop and Reverse.

Wie funktioniert der Parabolic SAR Indikator?

Der Indikator zieht bei jeder Kerze einen neuen Punkt in Richtung des Kurses. Wie schnell das geschieht, steuert der Beschleunigungsfaktor: Er startet bei 0,02, steigt bei jedem neuen Extrempunkt um 0,02 und ist bei 0,20 gedeckelt. Je länger ein Trend läuft, desto enger rückt die Punktreihe an den Kurs heran.

Wie wird der Parabolic SAR interpretiert?

Punkte unter dem Kurs stehen für einen Aufwärtstrend, Punkte über dem Kurs für einen Abwärtstrend. Bricht der Kurs durch die Punktreihe, springt sie auf die andere Seite und das System dreht die Richtung um. Den Ausschlag gibt immer der Kurs, nicht der Indikator.

Welche Einstellung ist beim Parabolic SAR die richtige?

Der Standard lautet 0,02 als Schrittweite und 0,20 als Maximum. In unserer Auswertung über zehn Jahre DAX-Tageskerzen änderte eine größere Schrittweite vor allem die Signalzahl: von 151 Trades bei 0,01 auf 350 bei 0,04, bei nahezu unveränderter Trefferquote. Eine marktübergreifend beste Einstellung gibt es nicht, im DAX wirkten schnelle Werte besser, im S&P 500 langsame.

Wie zuverlässig ist der Parabolic SAR?

Im eigenen Test über zehn Jahre Tageskerzen erreichte das reine Stop-and-Reverse-System eine Trefferquote von 35,3 Prozent im DAX und 41,3 Prozent im S&P 500, bei einem Profitfaktor von 0,93 beziehungsweise 1,05. Beide Male schlug einfaches Halten die Strategie deutlich. Es handelt sich um historische Werte im ausgewerteten Zeitraum, nicht um eine Aussage über künftige Ergebnisse.

Welche Vor- und Nachteile hat der Parabolic SAR Indikator?

Sein Vorteil ist die Eindeutigkeit: Der Indikator liefert bei jeder Kerze ein fertiges Stop-Level ohne Interpretationsspielraum, und der Stop geht nie zurück. Sein Nachteil ist der fehlende Trendfilter. 71 Prozent der DAX-Signale entstanden bei einem ADX unter 25, also ohne belastbaren Trend.

Kann man den Parabolic SAR allein handeln?

Davon ist abzuraten, und Wilder selbst empfahl bereits die Kombination mit dem Directional-Movement-System. Sinnvoll ist die Arbeitsteilung: Richtung und Einstieg kommen aus der eigenen Analyse, der Parabolic SAR übernimmt das Nachziehen des Stops.

Über den Autor: Galen Woods

Galen Woods ist Price-Action-Daytrader und Betreiber von Trading Setups Review. Sein Schwerpunkt liegt auf der Analyse einzelner Kursstäbe und dem Handel ohne Indikatoren, sein Wissen gibt er im Kurs „Day Trading With Price Action“ weiter.

Auf kagels-trading.de erscheinen seit Jahren über 100 seiner Beiträge in deutscher Übersetzung. Sie decken Setups, Chartformationen und Handelstechniken ab, die er an eigenen Marktbeispielen entwickelt hat.

Für dieses Thema ist er einschlägig, weil er den Parabolic SAR nicht als Auslöser behandelt, sondern als Stop-Werkzeug. Sein wiederkehrender Hinweis in diesem Artikel lautet, die Richtung aus einem zweiten Instrument zu holen und dem Indikator nur das Nachziehen des Stops zu überlassen. Die Messungen zu Einstellungen und Zehnjahrestest hat die Redaktion ergänzt.

Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.

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