FirstClass Trading verspricht, dich in drei Monaten zum profitablen Trader zu machen. Hinter dem Angebot stehen Max Steinauer und Tim Flossbach, zwei der reichweitenstärksten deutschsprachigen Trading-Kanäle auf YouTube. Wer nach ihren Namen sucht, landet bei Trustpilot, bei Instagram und auf der Verkaufsseite. Eine unabhängige Einordnung fehlt bisher.
Diese Prüfung stützt sich ausschließlich auf öffentlich zugängliche Primärquellen. Ich habe am 21. und 22. August 2026 Impressum, AGB, die Verkaufsseiten, die Checkout-Seite des Zahlungsdienstleisters, das Trustpilot-Profil und die YouTube-Kanäle beider Gründer einzeln abgerufen. Ich bin kein Kunde, habe keinen Kurs gekauft und beziehe kein Geld von diesem Anbieter. Was ich nicht beurteilen kann, steht ausdrücklich als offene Frage im Text.
Das Ergebnis ist gemischt und lässt sich nicht auf ein Urteil verkürzen. Es gibt Dinge, die für den Anbieter sprechen, und es gibt Widersprüche in den eigenen Angaben, die vor einer vierstelligen Kaufentscheidung zählen. Beides steht unten. Wir vergeben grundsätzlich keine Noten an andere Anbieter, deshalb findest du hier keine Sternebewertung, sondern Belege. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
FirstClass Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Betreiber sitzt in Dubai: Die F&S Coaching FZCO in Dubai Silicon Oasis, Geschäftsleitung Maximilian Steinauer laut Impressum. Tim Flossbach führt sich auf LinkedIn als CEO.
- Die Ausbildung hat keinen öffentlichen Preis: Der Weg führt über ein kostenloses Erstgespräch. Das eigene FAQ beantwortet die Preisfrage mit „Keine 500€, aber auch keine 50.000€”.
- Nur zwei Produkte sind offen bepreist: die Signal-Membership für 899 Euro im Jahr und das Copy Trading für 99,95 Euro im Monat.
- Die eigenen Kundenzahlen widersprechen sich: Auf derselben Startseite stehen 150+ Kunden und über 1.000 Trader. Instagram nennt 10.000, die Copy-Trading-Seite 140 und 370.
- Trustpilot zeigt 4,9 aus 245 Bewertungen, weist aber selbst darauf hin, dass keine aktuellen Bewertungseinladungen vorliegen und die Bewertungen deshalb möglicherweise nicht repräsentativ sind.
- Die AGB enthalten drei Punkte, die man vorher kennen sollte: automatische Vertragsverlängerung mit 14 Tagen Kündigungsfrist, vorzeitig erlöschendes Widerrufsrecht und eine Vertragsstrafe in Höhe des zwanzigfachen Kaufpreises.
Was ist FirstClass Trading?
FirstClass Trading ist ein deutschsprachiges Trading-Ausbildungsangebot der F&S Coaching FZCO mit Sitz in Dubai, das eine begleitete Einzelausbildung, eine kostenpflichtige Signalgruppe und ein Copy-Trading-Abo verkauft.
Das Angebot besteht aus drei Bausteinen, die unterschiedlich verkauft werden. Verkauft wird über firstclass-trading.com, eine inhaltsgleiche Fassung liegt zusätzlich unter der de-Domain. Der Kern ist eine Einzelausbildung im Format einer klassischen Trading-Ausbildung mit Online-Plattform, wöchentlichen Coaching-Calls und persönlichem Ansprechpartner. Daneben laufen eine Signalgruppe und seit 2026 ein Copy-Trading-Abo. Nur die letzten beiden haben einen offen einsehbaren Preis.
Die Methode heißt TSM-System und steht für Technische Analyse, Strategie und Mindset. Der Anbieter beschreibt sie als klare, wiederholbare Regeln für Ein- und Ausstiege plus Arbeit an der eigenen Disziplin, also an der Trading-Psychologie. Das ist eine gängige Dreiteilung, die du in dieser Form bei vielen Ausbildungen findest. Ein methodisches Alleinstellungsmerkmal lässt sich daraus von außen nicht ableiten.
Das TSM-System ist die von FirstClass Trading verwendete Bezeichnung für einen Ausbildungsaufbau aus drei Teilen: technischer Analyse, einer regelbasierten Strategie und der Arbeit an der eigenen Handelspsychologie.
Gehandelt wird überwiegend Krypto, daneben Forex. Max Steinauer beschreibt sich auf seinem Kanal als Trader, der täglich seine Sicht auf den Kryptomarkt teilt. Wer Aktien oder klassische Indizes handeln will, ist hier thematisch falsch. Der Screenshot der Startseite zeigt, womit geworben wird: Profitabilität in drei Monaten, 30 Minuten Aufwand am Tag und die Angabe „150+ Kunden”. Wie Krypto-Trading sich vom Handel klassischer Märkte unterscheidet, haben wir gesondert erklärt.
| Anbieter | F&S Coaching FZCO, Business Park DDP, Building A1, Dubai Silicon Oasis, Vereinigte Arabische Emirate |
| Leitung | Maximilian Steinauer (laut Impressum); Tim Flossbach führt sich auf LinkedIn als CEO |
| Gegründet | Trustpilot-Profil im April 2024 beansprucht; Steinauers YouTube-Kanal läuft seit Februar 2021 |
| Angebot | Einzelausbildung (TSM-System), Signal-Membership, Copy Trading |
| Märkte | Krypto, Forex |
| Ausbildung | nicht öffentlich, nur nach kostenlosem Erstgespräch |
| Membership | 899 Euro pro Jahr oder 99,99 Euro pro Monat |
| Copy Trading | 99,95 Euro pro Monat, 79,95 Euro pro Monat im Jahresabo |
| Zahlung | Ablefy GmbH, Berlin |
| Trustpilot | 4,9 aus 245 Bewertungen (Stand 22.08.2026) |
| Gratis testen | Discord-Community, YouTube-Livestreams, Erstgespräch |
Der Steckbrief zeigt die Lücke, um die es in diesem Artikel geht. Zwei von drei Produkten sind sauber bepreist. Das Hauptprodukt ist es nicht, und genau das ist erfahrungsgemäß das teuerste. Die Website nennt dafür nur eine Spanne, die von 500 bis 50.000 Euro alles offenlässt.
Wer dahintersteht: Max Steinauer und Tim Flossbach
Beide sind über YouTube bekannt geworden, nicht über einen Leistungsnachweis. Steinauers deutscher Hauptkanal steht bei 56.100 Abonnenten und 1.297 Videos, Flossbach bei 50.100 Abonnenten und 450 Videos, beide abgerufen am 21. August 2026. Wie sich ihre Kanäle im Vergleich zu anderen deutschen Trading-Kanälen einordnen, steht in unserem Überblick zu den Trading-YouTubern.
Max Steinauer wird im Impressum als Geschäftsleitung geführt. Er beschreibt sich als professioneller Trader und Gründer von FirstClass Trading, lebt nach eigenen Angaben in Dubai und streamt dort täglich seine Krypto-Analysen. Auf der Startseite tritt er als „ich” auf, das Angebot ist klar um seine Person gebaut.
Eine FZCO ist eine Kapitalgesellschaft in einer Freihandelszone der Vereinigten Arabischen Emirate, die dort unter eigenen Registrierungsregeln geführt wird und nicht dem Gesellschaftsrecht des Festlands unterliegt.
Bei Tim Flossbach widersprechen sich die Rollenangaben. Auf LinkedIn führt er sich als CEO von FirstClass Trading, im Impressum steht er nicht. Auch sein Einstiegsalter gibt er unterschiedlich an: auf YouTube mit 16 Jahren, auf LinkedIn mit 17. Beides sind Selbstauskünfte, keine geprüften Angaben, und ich gebe sie hier auch nur als solche wieder.
Beide verlinken auf ihren Kanälen Partnerangebote, an denen sie mitverdienen. Bei Steinauer steht ein Empfehlungslink zu einer Krypto-Börse, die auf ihrer eigenen Seite mit einem Hebel von bis zu 500x wirbt. Zur Einordnung: Innerhalb der EU dürfen Broker Privatkunden bei gehebelten Krypto-Produkten höchstens den Hebel 2:1 anbieten. Bei Flossbach führt der Partnerlink zu einer Prop-Firma.
Ein Track Record im Trading ist eine fortlaufend geführte Aufzeichnung sämtlicher Positionen eines Traders, die Zeitraum, Einstieg, Ausstieg und Ergebnis jedes einzelnen Trades ausweist und dadurch von außen nachrechenbar wird.
Ein prüfbarer Track Record der beiden existiert nicht. Weder auf den Kanälen noch auf der Verkaufsseite liegt eine durchgehende, von außen nachvollziehbare Aufzeichnung ihrer eigenen Trades. Es gibt Livestreams und einzelne Screenshots, und das ist etwas anderes. Warum dieser Unterschied bei jeder Kaufentscheidung zählt, steht in unserem Artikel zur Trading-Performance.
Was FirstClass Trading kostet
Der wichtigste Preis steht nirgends. Auf die eigene FAQ-Frage „Wie viel kostet eine Zusammenarbeit?” antwortet der Anbieter wörtlich: „Die kurze Antwort: Keine 500€, aber auch keine 50.000€.” Danach folgt der Hinweis, dass Laufzeit und Investitionssumme von Kunde zu Kunde variieren und im kostenlosen Erstgespräch besprochen werden.
Ein Erstgespräch ist im Direktvertrieb ein Verkaufsgespräch, in dem der Preis erst nach der Bedarfsermittlung genannt wird und sich am Budget des Interessenten orientieren kann.
Das ist nicht per se unseriös, aber es verschiebt die Ausgangslage. Du kannst nicht vergleichen, bevor du gesprochen hast. Und du sitzt im Gespräch jemandem gegenüber, der den Abschluss verkauft. Wer das weiß, geht anders hinein. Wer es nicht weiß, hält den Termin für eine Beratung.
Zwei Produkte haben dagegen einen offen einsehbaren Preis. Beide laufen über den Zahlungsdienstleister Ablefy GmbH aus Berlin beziehungsweise über eine eigene Verkaufsseite:
- Trading Membership (Signalgruppe): 899,00 Euro pro Jahr bei zwölf Monaten Mindestlaufzeit, alternativ 99,99 Euro pro Monat. Enthalten sind Handelssignale, Markt-Updates zu Forex und Krypto sowie der Community-Zugang.
- Copy Trading: 99,95 Euro pro Monat, im Jahresabo mit zwölf Monaten Laufzeit 79,95 Euro pro Monat. Head Trader ist Max Steinauer, du bildest seine Trades beim Copy Trading auf deinem eigenen Börsenkonto nach.
- Einzelausbildung: kein öffentlicher Preis. Nur über das Erstgespräch zu erfahren.
- Kostenlos: die Discord-Community, die YouTube-Livestreams und das Erstgespräch selbst.
Eine Signalgruppe ist ein kostenpflichtiger Nachrichtenkanal, über den ein Anbieter konkrete Handelsanweisungen mit Einstieg, Stop-Loss und Kursziel verschickt, die der Abonnent auf seinem eigenen Konto selbst ausführt.
Eine Stolperfalle steckt in den beiden Monatspreisen. 99,99 und 99,95 Euro sehen fast gleich aus, gehören aber zu völlig verschiedenen Produkten: einmal Signale zum Selbsthandeln, einmal fremde Trades zum Nachbauen. Wer den Unterschied beim Buchen übersieht, zahlt für etwas anderes, als er wollte.
Einordnung zum Preisniveau: 899 Euro im Jahr für eine Signalgruppe liegen im oberen Mittelfeld dessen, was im deutschsprachigen Raum verlangt wird. Entscheidend ist nicht der Betrag, sondern ob du den Signalen folgen kannst, wenn sie kommen. Wer tagsüber arbeitet, bekommt einen Teil der Meldungen nicht rechtzeitig umgesetzt und zahlt trotzdem den vollen Preis. Vergleichswerte für andere Anbieter stehen in unserer Übersicht zu Trading-Signalen.
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Was in den AGB steht und auf der Verkaufsseite nicht
Die AGB sind bei Ausbildungsanbietern die ergiebigste Quelle, und fast niemand liest sie vor dem Kauf. Ich referiere hier nur, was dort steht, mit dem jeweiligen Paragrafen, damit du es selbst nachschlagen kannst. Eine Bewertung, ob eine Klausel wirksam ist, steht mir nicht zu und wäre Rechtsberatung.
- Automatische Verlängerung, 14 Tage Frist (§ 5.3): Verträge verlängern sich nach Ablauf der Laufzeit automatisch um denselben Zeitraum, wenn nicht mit einer Frist von 14 Tagen zum Laufzeitende in Textform gekündigt wird. Bei der Jahres-Membership bedeutet eine verpasste Frist weitere 899 Euro.
- Kündigung nur über den Zahlungsdienstleister (§ 3.4): Kündigungen laufender Zahlungen sind ausschließlich über Ablefy abzuwickeln. Eine Kündigung gegenüber dem Anbieter selbst „ist nicht möglich und wird nicht wirksam”.
- Widerrufsrecht kann vorzeitig erlöschen (§ 5.2): Bei digitalen Inhalten erlischt das Widerrufsrecht vorzeitig, sobald mit der Ausführung begonnen wurde und der Kunde dem zugestimmt und seine Kenntnis davon bestätigt hat.
- Als Unternehmer kein Widerrufsrecht (§ 5.1): Wer beim Kauf als Gewerbetreibender auftritt, hat kein gesetzliches Widerrufsrecht. Das trifft mehr Trading-Interessenten, als man denkt.
- Vertragsstrafe in Höhe des zwanzigfachen Kaufpreises (§ 11.3): Wer Inhalte an Dritte weitergibt, verpflichtet sich zu einer Vertragsstrafe in Höhe des zwanzigfachen Kaufpreises des betroffenen Produkts. Bei der 899-Euro-Membership wären das 17.980 Euro.
- Verschwiegenheit über Inhalte und Community (§ 9.1): Der Kunde verpflichtet sich, Inhalte aus Coachings, Strategien, Analysen sowie den internen Community-Bereichen vertraulich zu behandeln.
- Kein Erfolg geschuldet (§ 10.1): Der Anbieter schuldet „ausdrücklich keinen bestimmten Erfolg”. Signale und Analysen dienen Informations- und Ausbildungszwecken und sind keine Anlageberatung.
- Keine Verbraucherschlichtung (§ 8.4): „Wir nehmen nicht an einem Streitbeilegungsverfahren vor einer Verbraucherschlichtungsstelle teil.”
- Gerichtsstand am Geschäftssitz (§ 15.3): Für Verbraucher ohne Wohnsitz in einem EU-Mitgliedstaat und für Kaufleute sind die Gerichte am Geschäftssitz des Verkäufers zuständig. Der liegt in Dubai.
Das Widerrufsrecht bei digitalen Inhalten erlischt vorzeitig, wenn der Anbieter mit der Bereitstellung beginnt, nachdem der Verbraucher dem ausdrücklich zugestimmt und bestätigt hat, dass er sein Widerrufsrecht damit verliert.
Zwei dieser Punkte greifen ineinander, und das ist der Grund, warum es kaum unabhängige Erfahrungsberichte gibt. Eine Verschwiegenheitspflicht über Community-Inhalte plus eine Vertragsstrafe in Höhe des zwanzigfachen Kaufpreises machen es für Kunden riskant, öffentlich ins Detail zu gehen. Ob die Klauseln in dieser Form durchsetzbar wären, ist eine juristische Frage, die ich nicht beantworte. Die abschreckende Wirkung entsteht schon vorher.
Ein Widerspruch zwischen Werbung und AGB ist mir dabei aufgefallen. Die Startseite nennt FirstClass Trading „die einzige Trading-Ausbildung, die dich wirklich profitabel macht”, und verspricht Profitabilität „in nur 3 Monaten”. Die AGB sagen in § 10.1, dass ausdrücklich kein Erfolg geschuldet wird. Maßgeblich für den Vertrag sind die AGB. Gelesen wird vor dem Kauf die Startseite.
Noch ein Detail aus § 10.3, das ins Auge fällt. Dort relativieren die AGB „die dort angegebene durchschnittliche Trefferquote“. Auf den öffentlichen Verkaufsseiten habe ich am 22. August 2026 keine Trefferquote gefunden. Die AGB schützen also eine Kennzahl, die aktuell nirgends beworben wird. Das deutet darauf hin, dass sie an anderer Stelle genannt wird oder wurde, etwa im Erstgespräch.
Trustpilot: was die 4,9 aussagt und was nicht
Das Profil steht bei 4,9 von 5 Punkten aus 245 Bewertungen. Die Verteilung ist ausgesprochen einseitig: 95 Prozent Fünf-Sterne-Bewertungen, 3 Prozent vier Sterne, 2 Prozent ein Stern. Das Profil wurde im April 2024 vom Unternehmen beansprucht und läuft über ein kostenpflichtiges Trustpilot-Abonnement. Alle Angaben abgerufen am 22. August 2026 auf dem Trustpilot-Profil.
Den wichtigsten Hinweis liefert Trustpilot selbst. Auf dem Profil steht: „Keine aktuellen Aufzeichnungen über Bewertungseinladungen“, darunter der Satz: „Dieses Unternehmen hat Kunden in letzter Zeit nicht zur Bewertungsabgabe eingeladen, daher sind die Bewertungen möglicherweise nicht repräsentativ.” Diesen Satz vergibt Trustpilot automatisch, er ist kein Vorwurf. Er heißt: Wer hier bewertet hat, kam von sich aus, und das sind erfahrungsgemäß die sehr Zufriedenen und die sehr Unzufriedenen.
Eine Bewertungseinladung ist eine vom Unternehmen selbst ausgelöste Aufforderung an Kunden, eine Bewertung abzugeben; Bewertungsportale kennzeichnen darüber, welche Bewertungen aus einem nachweisbaren Geschäftsvorgang stammen und welche unaufgefordert entstanden sind.
Trustpilot weist außerdem aus, dass 66 Prozent der negativen Bewertungen beantwortet wurden. Der Anbieter reagiert also, und zwar auch dort, wo es unangenehm wird. Das ist positiv zu vermerken, unabhängig davon, wie die einzelnen Antworten ausfallen.
Zwei kritische Stimmen im Wortlaut, damit du den Ton kennst. Ein Nutzer namens Madden schreibt am 9. Juli 2026 unter der Überschrift „Schlechte Signale”: „Schlechte Signale, lohnt sich nicht als kleinanleger”. Der Anbieter antwortet vier Tage später und bestreitet, dass es sich um einen Kunden handelt: Die Bewertung habe überrascht, da man den Verfasser weder in der Kundendatenbank noch in der Community finde.
Die zweite stammt von einem Nutzer aus Luxemburg vom 4. Oktober 2025. Sie lautet: „Kein Einzahlungs Bonus erhalten kein Feedback vom Suppot erhalten keine reaktion im Live stream erhalten. Was soll ich sagen, schlechter gehts kaum noch!” Auch hier hat der Anbieter geantwortet. Der erwähnte Einzahlungsbonus deutet auf das Partnerprogramm einer Krypto-Börse hin, nicht auf die Ausbildung selbst.
Mein Fazit zu den Bewertungen fällt zurückhaltend aus. 245 Bewertungen sind eine ordentliche Menge, und 95 Prozent Bestnoten sind auffällig gut. Beides zusammen mit Trustpilots eigenem Repräsentativitäts-Hinweis heißt: Die Zahl ist ein Stimmungsbild, kein Qualitätsnachweis. Sie ersetzt nicht, dass du dir das Angebot selbst ansiehst.
Die eigenen Zahlen widersprechen sich
Beim Abgleich der Anbieterkanäle bin ich auf sechs verschiedene Angaben zur eigenen Kundschaft gestoßen. Zwei davon stehen auf derselben Startseite. Ich liste sie, weil eine Kundenzahl das häufigste Vertrauensargument im Direktvertrieb ist und deshalb stimmen sollte.
| 150+ Kunden | Startseite, oberer Bereich |
| über 1.000 Trader | Startseite, Abschnitt zum TSM-System |
| 1.000+ zufriedene Trader | Startseite, Kennzahlenleiste |
| +10.000 Trader | Instagram-Profil |
| 140+ / 370+ Teilnehmer | Copy-Trading-Seite, beide Zahlen auf einer Seite |
| 7.000+ Community-Mitglieder | Copy-Trading-Seite |
Der Sprung von 150 auf über 1.000 innerhalb einer Seite ist der auffälligste. Möglich ist, dass verschiedene Dinge gemeint sind: zahlende Ausbildungskunden gegenüber allen, die je ein Produkt genutzt haben. Nur steht das nirgends dabei. Für einen Interessenten sind es schlicht zwei Zahlen, die sich widersprechen.
Dasselbe Muster zeigt sich bei der Trustpilot-Zahl. Die Copy-Trading-Seite wirbt mit „4,9/5 · Trustpilot · 212 Bewertungen“. Auf Trustpilot selbst waren es am Abrufdatum 245. Eine veraltete Zahl auf der eigenen Verkaufsseite ist eine Kleinigkeit, sie passt aber ins Bild einer nachlässigen Zahlenpflege.
Auch die Community-Subdomain wirkt unfertig. Dort steht der Anspruch „Deutschlands Trading Community Nr.1″ ohne jeden Beleg, daneben eine Telefonnummer im Platzhalterformat „+00 0000 000″ und ein Copyright-Vermerk, in dem das Wort „website” als Platzhalter stehen geblieben ist, datiert auf 2024. Das ist kein Betrugsindiz, es ist ein Sorgfaltsindiz.
Warum ich darauf herumreite: Wer eine vierstellige Summe für eine Ausbildung ausgibt, kauft in erster Linie Vertrauen. Prüfbare Angaben sind das Einzige, woran sich Vertrauen vor dem Kauf festmachen lässt. Wenn schon die leicht prüfbaren Zahlen nicht zusammenpassen, ist das ein Hinweis darauf, wie sorgfältig mit den schwer prüfbaren umgegangen wird.
Vorteile und Nachteile von FirstClass Trading
Nach der Prüfung aller öffentlichen Quellen ergibt sich ein zweigeteiltes Bild. Die folgenden Punkte beziehen sich ausschließlich auf das, was von außen überprüfbar ist. Was in der Ausbildung selbst passiert, kann ich nicht beurteilen.
Vorteile von FirstClass Trading
- Viel kostenloses Material vorab: Tägliche Livestreams auf zwei großen YouTube-Kanälen und eine offene Discord-Community. Du kannst monatelang mitlesen, bevor du zahlst.
- Die Gründer sind sichtbar: Beide treten mit Namen, Gesicht und täglicher Präsenz auf. Das ist mehr Angreifbarkeit, als anonyme Signalanbieter bieten.
- Keine Gewinngarantie im Marketing der Copy-Trading-Seite: Auf die eigene FAQ-Frage antwortet der Anbieter mit Nein und nennt jeden, der so etwas verspricht, unseriös. Ein Risikohinweis steht auf jeder Seite.
- Beim Copy Trading bleibt dein Geld bei dir: Du handelst auf deinem eigenen Börsenkonto, der Anbieter hat keinen Zugriff darauf.
- Negative Bewertungen werden beantwortet: Laut Trustpilot wurden 66 Prozent davon beantwortet, statt sie auszusitzen.
Nachteile von FirstClass Trading
- Kein Preis für das Hauptprodukt: Die Ausbildung ist nur über ein Verkaufsgespräch zu bekommen. Vergleichen kannst du vorher nicht.
- Kein prüfbarer Track Record: Weder für die Gründer noch für die Signale liegt eine durchgehende, unabhängig nachvollziehbare Aufzeichnung vor.
- Sechs widersprüchliche Kundenzahlen: 150, 1.000, 10.000, 140, 370 und 7.000, teils auf derselben Seite.
- Werbung und AGB gehen auseinander: Die Startseite verspricht Profitabilität in drei Monaten, § 10.1 der AGB schließt jeden geschuldeten Erfolg aus.
- Automatische Verlängerung mit kurzer Frist: 14 Tage vor Laufzeitende, sonst läuft das Jahresabo weiter. Gekündigt wird nur über den Zahlungsdienstleister.
- Verschwiegenheit plus Vertragsstrafe: § 9.1 und § 11.3 zusammen machen es für Kunden riskant, öffentlich über Inhalte zu sprechen.
- Sitz und Gerichtsstand in Dubai: Keine deutsche Aufsicht, keine Teilnahme an der Verbraucherschlichtung, für Kaufleute Gerichtsstand am Firmensitz.
Für wen FirstClass Trading passt und für wen nicht
Das Angebot hat eine klare Zielgruppe, und die steht nicht auf der Verkaufsseite. Wer Krypto handeln will, täglich Zeit vor dem Chart hat und eine Betreuung statt eines Selbstlernkurses sucht, findet hier ein passendes Format. Alle anderen sollten sich das gut überlegen.
- Passt, wenn du Krypto handeln willst: Der Schwerpunkt liegt eindeutig dort, mit Forex als Zweitmarkt. Aktien und klassische Indizes kommen praktisch nicht vor.
- Passt, wenn du Begleitung brauchst: Wöchentliche Coaching-Calls und ein persönlicher Ansprechpartner sind mehr, als ein reiner Videokurs bietet. Wer allein nicht durchhält, profitiert davon.
- Passt nicht, wenn du tagsüber gebunden bist: Signale und Livestreams laufen zu festen Zeiten. Wer sie nicht umsetzen kann, zahlt für etwas, das er nicht nutzt.
- Passt nicht, wenn du vergleichen willst: Ohne Preis vor dem Gespräch kannst du das Angebot nicht gegen andere halten. Wer so vorgeht, sollte sich vorher ein Budget setzen und im Gespräch dabeibleiben.
- Passt nicht, wenn du Belege brauchst: Es gibt keinen prüfbaren Track Record. Wenn das für dich Bedingung ist, hört es hier auf.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, gibt es einen günstigeren Weg. Bau dir zuerst kostenlos die Grundlagen auf, teste eine Strategie über Wochen im Demokonto und entscheide erst dann, ob du Geld für Betreuung ausgibst. Unser Leitfaden zum Traden lernen zeigt die Reihenfolge, und die häufigsten Trading-Fehler ersparen dir Lehrgeld, das keine Ausbildung zurückholt.
Fazit: solide Fassade, zu viele offene Zahlen
FirstClass Trading ist kein Anbieter, vor dem ich warnen würde, und keiner, den ich empfehlen würde. Das Unternehmen existiert, hat ein vollständiges Impressum, ordentliche AGB, sichtbare Gründer und eine reale Reichweite. Es verneint Gewinngarantien ausdrücklich und weist auf Risiken hin. Das ist mehr, als ein erheblicher Teil dieser Branche bietet.
Was fehlt, ist Überprüfbarkeit an genau den Stellen, an denen es teuer wird. Der Preis des Hauptprodukts steht nicht öffentlich. Ein Track Record existiert nicht. Und die eigenen Kundenzahlen widersprechen sich sechsfach, zweimal davon auf derselben Seite. Jeder Punkt für sich wäre eine Lappalie. Zusammen ergeben sie ein Muster.
Am meisten stört mich der Abstand zwischen Startseite und AGB. Vorne steht „die einzige Trading-Ausbildung, die dich wirklich profitabel macht” und ein Versprechen über drei Monate. Hinten steht, dass ausdrücklich kein Erfolg geschuldet wird. Rechtlich zählt das Hintere. Gekauft wird wegen des Vorderen.
Wenn du trotzdem hingehst, geh vorbereitet in das Erstgespräch. Setz dir vorher eine Obergrenze und nenne sie nicht als erster. Frag nach einem Track Record und akzeptiere kein „das zeigen wir intern”. Lass dir die Laufzeit, die Kündigungsfrist und den genauen Leistungsumfang schriftlich geben, bevor du zahlst. Und rechne damit, dass am Ende des Gesprächs ein Abschluss stehen soll.
Nach fast fünf Jahrzehnten am Markt bleibt mein Punkt derselbe wie immer. Keine Ausbildung macht dich profitabel. Sie kann dir Zeit sparen und Umwege ersparen, den Rest musst du selbst tun. Wer das im Kopf behält, kann von einer Betreuung profitieren. Wer auf die drei Monate hofft, wird enttäuscht, und zwar unabhängig davon, bei welchem Anbieter er bucht.
Häufige Fragen zu FirstClass Trading
Was kostet FirstClass Trading?
Die Einzelausbildung hat keinen öffentlichen Preis, sie wird nur im kostenlosen Erstgespräch genannt. Das eigene FAQ beantwortet die Frage mit dem Satz, es seien keine 500 Euro, aber auch keine 50.000 Euro. Offen bepreist sind zwei Produkte: die Signal-Membership für 899 Euro im Jahr oder 99,99 Euro im Monat und das Copy Trading für 99,95 Euro im Monat, im Jahresabo 79,95 Euro monatlich. Stand ist der 22. August 2026.
Ist FirstClass Trading seriös?
Der Anbieter tritt mit vollständigem Impressum, AGB und Risikohinweisen auf, die Gründer sind mit Namen und Gesicht sichtbar, und eine Gewinngarantie wird ausdrücklich verneint. Dagegen stehen sechs widersprüchliche Angaben zur eigenen Kundenzahl, ein fehlender Preis für das Hauptprodukt, kein prüfbarer Track Record und ein Werbeversprechen, dem die eigenen AGB widersprechen. Ein Betrugsvorwurf lässt sich daraus nicht ableiten, eine unkritische Empfehlung aber auch nicht.
Wer steckt hinter FirstClass Trading?
Betreiber ist laut Impressum die F&S Coaching FZCO mit Sitz in Dubai Silicon Oasis, als Geschäftsleitung wird Maximilian Steinauer genannt. Tim Flossbach führt sich auf LinkedIn als CEO des Unternehmens, im Impressum taucht er nicht auf. Beide betreiben große deutschsprachige Trading-Kanäle auf YouTube.
Wie kündige ich mein Abo bei FirstClass Trading?
Laut AGB Paragraf 3.4 laufen Kündigungen ausschließlich über den Zahlungsdienstleister Ablefy, eine Kündigung gegenüber dem Anbieter selbst wird nicht wirksam. Die Frist beträgt nach Paragraf 5.3 vierzehn Tage zum Ende der Laufzeit in Textform. Wird sie versäumt, verlängert sich der Vertrag automatisch um denselben Zeitraum.
Kann ich FirstClass Trading kostenlos testen?
Teilweise. Die Discord-Community, die täglichen YouTube-Livestreams beider Gründer und das Erstgespräch kosten nichts. Die Ausbildung selbst, die Signalgruppe und das Copy Trading sind kostenpflichtig. Eine kostenlose Testphase für die bezahlten Produkte gibt es nicht.
Gibt es einen Track Record der Signale?
Nach meiner Prüfung am 22. August 2026 nicht. Weder auf den Verkaufsseiten noch auf den Kanälen liegt eine durchgehende, von außen nachvollziehbare Aufzeichnung aller Trades vor. Es gibt Livestreams und einzelne Screenshots, was ein Ausschnitt ist und keine Aufzeichnung. Auffällig ist, dass AGB Paragraf 10.3 eine durchschnittliche Trefferquote relativiert, die auf den öffentlichen Seiten nirgends steht.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader und ist in den Märkten für Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsen aktiv. Systematische Handelsansätze beurteilt er als Praktiker von außen, sein eigener Zugang zum Markt bleibt die Chartlektüre.
Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diese Prüfung qualifiziert ihn der Blick von der anderen Seite des Tisches. In Seminaren und Einzelschulungen sitzen regelmäßig Teilnehmer, die zuvor eine bezahlte Ausbildung durchlaufen haben. Alle Angaben in diesem Artikel wurden am 21. und 22. August 2026 aus Primärquellen erhoben: Impressum, AGB, Verkaufsseiten, Checkout-Seite des Zahlungsdienstleisters, Trustpilot-Profil und die YouTube-Kanäle beider Gründer. Kagels Trading unterhält keine Geschäftsbeziehung zu diesem Anbieter und erhält für diesen Artikel keine Vergütung.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.










