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Die Bullenflagge (Bull Flag) erfolgreich handeln (2026)

Zuletzt aktualisiert: 27. August 2026

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17 Min

Christian Möhrer

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Christian Möhrer

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Die meisten Trader erkennen eine Bullenflagge erst, wenn der Ausbruch längst gelaufen ist. Das liegt selten am Auge und fast immer an der Erwartung: Wer nach dem Lehrbuchbild sucht, wartet auf eine saubere kleine Fahne am geraden Mast. Im echten Chart sieht das Muster meistens schiefer aus. Entscheidend ist nicht die Form, sondern der Trend, in dem die Flagge steht.

In diesem Leitfaden bekommst du die Richtlinien, mit denen ich Bullenflaggen systematisch einordne: woran du eine handelbare Flagge erkennst, wo Einstieg, Stop und Kursziel sitzen und wann du besser wegbleibst. Dazu kommen drei echte Chartbeispiele, darunter ein Verlusttrade, weil ein Muster ohne seine Fehlversionen nichts wert ist.

Ich zeige dir außerdem, was die Statistik über Flaggen sagt. Die Zahlen sind ernüchternder, als die meisten Chartmuster-Seiten zugeben, und genau deshalb gehören sie hierher. Wer die Trefferquote eines Musters kennt, handelt es anders. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Bull Flag: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Fortsetzungsmuster im Aufwärtstrend: Eine Bullenflagge (engl. Bull Flag) besteht aus einem steilen Kursschub, der Fahnenstange, und einer kurzen Korrektur gegen den Trend, der Flagge. Bricht der Kurs oben aus, setzt sich der Trend meist fort.
  • Erkennungsmerkmal statt Schönheitspreis: Der Kurs steht über dem 20er-EMA, der Rücksetzer bildet mindestens ein Swing-Hoch, und über die Zwischenhochs lässt sich eine Gegen-Trendlinie ziehen. Nach Thomas Bulkowski dauert eine Flagge typischerweise weniger als drei Wochen.
  • Einstieg, Stop und Ziel: Gekauft wird beim Schlusskurs über der Gegen-Trendlinie. Der Stop sitzt unter dem letzten Swingtief. Das Kursziel ergibt sich aus der Länge der Fahnenstange, projiziert ab dem Ausbruchspunkt.
  • Die Statistik dämpft die Erwartung: In Bulkowskis Auswertung von US-Aktien brechen nur 60 Prozent der Flaggen nach oben aus, 44 Prozent schaffen danach keine fünf Prozent Kursgewinn, und nur 46 Prozent erreichen das rechnerische Kursziel.
  • Größter Fehler: die Flagge ohne Trendkontext zu handeln. Läuft der Rücksetzer unter den gleitenden Durchschnitt zurück, ist es keine Flagge mehr, sondern eine Trendwende in Arbeit.

Was ist eine Bull Flag?

Eine Bull Flag, auf Deutsch Bullenflagge, ist ein bullisches Fortsetzungsmuster: Auf einen steilen Kursanstieg, die Fahnenstange, folgt eine kurze Korrektur gegen den Trend, die Flagge, bevor der Kurs den Aufwärtstrend nach dem Ausbruch fortsetzt.

Die bullische Flagge ist eine klassische Formation der Price Action, also der reinen Kursbewegung ohne Indikatoren. Sie dient dem Handel von Pullbacks, das sind Rücksetzer innerhalb eines bestehenden Trends. Mit der Zeit hat sie sich von einem starren Muster zu einem Handelskonzept entwickelt.

Wenn du im Netz recherchierst, wirst du feststellen: Die Beispiele unterscheiden sich stark voneinander. Einige zeigen ausgeprägte Korrekturen über mehrere Beine, also mehrere Abwärtsschübe hintereinander. Andere bestehen aus wenigen Kerzen und verlaufen fast waagerecht.

Bull Flag Chartmuster: Fahnenstange, abwärtsgerichtete Flagge und Ausbruch nach oben im Schema
Das Schema der Bullenflagge: Der Rücksetzer läuft gegen den Trend, der Ausbruch bestätigt ihn.

Manche Trader nutzen den Begriff als Sammelbezeichnung für jede bullische Fortsetzungsformation, also auch für Keile, Wimpel und Rechtecke. Das irritiert beim Vergleich von Beispielen. Für die Praxis ist es zweitrangig: Mit wachsender Erfahrung wirst du merken, dass die exakte Bezeichnung eines Musters selten Geld verdient.

Trotzdem folgen bullische Flaggen in aller Regel drei Prinzipien, an denen sich alles Weitere ausrichtet:

  • Ein Trend muss da sein. Ohne vorherrschenden Aufwärtstrend gibt es nichts fortzusetzen.
  • Die obere Begrenzung muss zeichenbar sein. Über die Zwischenhochs der Korrektur lässt sich eine Gegen-Trendlinie legen, die den Ausbruch messbar macht.
  • Der Rücksetzer bleibt harmlos. Die Flagge läuft nicht so weit zurück, dass die bullische Marktstruktur in Frage steht.

Sucht der Markt statt der Fortsetzung die Umkehr, lohnt der Blick auf die bullische Wolfe Wave. Aus den drei Prinzipien oben habe ich Richtlinien abgeleitet, mit denen sich Bullenflaggen systematisch finden lassen. Sie stehen im nächsten Abschnitt.

So erkennst du Bullenflaggen im Chart

Die Richtlinien hier sind enger gefasst als im allgemeinen Leitfaden zu den Chartmustern, der nur einen Überblick über alle Formationen gibt. Für die Bullenflagge brauchst du schärfere Filter.

Eine handelbare Bullenflagge erkennst du an drei Merkmalen: Der Kurs notiert über dem 20-Perioden-EMA, der Rücksetzer bildet mindestens ein Swing-Hoch aus, und keine Kerze der Korrektur hat ihr Hoch unterhalb des EMA.

  • Kurs über dem 20er-EMA: Der exponentiell gleitende Durchschnitt über 20 Perioden gewichtet neue Kurse stärker als alte. Er ist hier der Trendfilter, nicht das Signal.
  • Mindestens ein Swing-Hoch im Rücksetzer: Der Pullback muss auf dem Weg nach unten wenigstens ein Zwischenhoch ausbilden. Erst dadurch entsteht die Linie, an der du den Ausbruch später misst.
  • Keine Kerze mit Hoch unter dem EMA: Rutscht die Korrektur komplett unter den gleitenden Durchschnitt, ist der Trend in Frage gestellt. Dann ist es keine Flagge mehr, sondern eine mögliche Umkehr.

Auf die genaue Form der Flagge kommt es dabei weniger an, als die meisten Darstellungen suggerieren. Wichtiger sind drei Größen: die Stärke des Trends davor, die Frage, ob sich ein Ausbruchspunkt überhaupt sauber bestimmen lässt, und die Tiefe des Rücksetzers.

Ein Merkmal fehlt in vielen deutschsprachigen Beschreibungen, obwohl es zur Standardlehre gehört: das Volumen. In Bulkowskis Auswertung fällt der Umsatz bei 74 Prozent der Flaggen mit Aufwärtsausbruch während der Konsolidierung. Das ergibt Sinn, denn eine gesunde Korrektur ist ein Abwarten, kein Abverkauf. Zieht der Umsatz in der Flagge dagegen deutlich an, verkauft dort jemand ernsthaft. Wie stark Umsatz und Kursbewegung zusammenhängen, ist ein eigenes Thema.

Für Forex gilt hier eine Einschränkung, die du kennen solltest: Im Devisenhandel gibt es kein zentrales Handelsvolumen, dein Chart zeigt nur die Ticks deines Brokers. Der Volumenfilter ist deshalb ein Aktien- und Futures-Werkzeug, kein universelles.

So handelst du eine Bull Flag: Einstieg, Stop und Kursziel

Du hast die Flagge gefunden. Jetzt kommt der Teil, an dem sich entscheidet, ob daraus ein Trade wird. Vier Orientierungshilfen reichen für den Anfang.

  • Kaufe beim Schlusskurs über der Linie. Erst wenn eine Kerze oberhalb der Gegen-Trendlinie schließt, gilt der Ausbruch als bestätigt. Ein reines Durchstechen im Kerzenverlauf zählt nicht.
  • Passe die Linie an, wenn der Schluss fehlt. Bricht der Kurs durch, schließt aber darunter, ziehst du die Linie an den neuen Verlauf nach, solange der Pullback weiterläuft. Sie wird dadurch flacher.
  • Setze den Stop unter das nächste Swingtief. Die Stop-Loss-Order gehört unter das letzte Tief der Flagge, nicht unter das Tief der Einstiegskerze. Der Unterschied kostet sonst regelmäßig Trades.
  • Miss das Ziel an der Fahnenstange. Die Länge des Kursschubs vor der Flagge wird ab dem Ausbruchspunkt nach oben abgetragen. Alternativ setzt du sie an der Basis der Flagge an, was das konservativere Kursziel ergibt.

Orientierungshilfen, keine Regeln

Es sind Richtlinien, keine Gesetze. Es wird Fälle geben, in denen du sie zu Recht ignorierst. Rechne dann aber damit, dass du auch mit den Abweichungen leben musst, die daraus folgen.

Deshalb schaue ich mir in den Beispielen unten bewusst auch Flaggen an, die meine eigenen Kriterien verfehlen. Eine Anleitung, die nur die gelungenen Fälle zeigt, bereitet dich auf den Chart nicht vor.

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Vor- und Nachteile der Bull Flag

Die Bullenflagge hat einen guten Ruf, und das zu Recht: Sie liefert Einstieg, Stop und Ziel aus einer Formation heraus. Ihre Schwächen stehen aber selten dabei. Beide Seiten im Überblick, mit den Zahlen aus Bulkowskis Auswertung.

Vorteile der Bullenflagge

  • Klarer Auslöser: Der Schlusskurs über der Gegen-Trendlinie ist ein eindeutiger Einstiegspunkt. Du musst nicht schätzen, wann das Setup gültig wird.
  • Definiertes Risiko: Das Swingtief der Flagge liefert eine natürliche Stop-Marke. Der Verlust je Trade ist damit vor dem Einstieg bekannt.
  • Rechenbares Ziel: Die Länge der Fahnenstange gibt eine Projektion vor. Das macht das Chance-Risiko-Verhältnis vor dem Einstieg prüfbar.
  • Handelbar in jedem Zeitrahmen: Das Muster funktioniert im Tageschart genauso wie im 3-Minutenchart, weil es nur Trend und Korrektur beschreibt.

Nachteile der Bullenflagge

  • Vier von zehn brechen nach unten aus: Nur 60 Prozent der Flaggen lösen sich laut Bulkowski nach oben auf. Der Rest bricht in die Gegenrichtung.
  • Das Kursziel trägt selten: Nur 46 Prozent der Muster erreichen die Projektion aus der Fahnenstange. Als feste Ziel-Order ist sie zu optimistisch.
  • Abgrenzung ist Auslegungssache: Wo die Fahnenstange beginnt, sehen zwei Trader oft unterschiedlich. Damit unterscheiden sich auch ihre Kursziele.
  • Ohne Trendkontext wertlos: Die gleiche Form bedeutet im Seitwärtsmarkt nichts. Das Muster liefert nur im intakten Aufwärtstrend eine Erwartung.

Echte oder falsche Bullenflagge: vier Prüfsteine

Die häufigste Frage zu diesem Muster lautet nicht, wie es aussieht, sondern wann es hält. Vier Prüfsteine trennen im Chart die belastbare Flagge von der Form, die nur so aussieht.

Eine echte Bullenflagge steht in einem intakten Aufwärtstrend, korrigiert flach gegen diesen Trend und bricht mit einem Schlusskurs über der Gegen-Trendlinie aus. Fällt eines dieser Merkmale weg, handelt es sich um eine Konsolidierung ohne Richtungserwartung.

  • Tiefe des Rücksetzers: Nimmt die Korrektur den größten Teil des vorherigen Schubs zurück, war es kein Verschnaufen, sondern ein Angebotsüberhang. Der 20er-EMA ist dafür der schnellste Test.
  • Richtung der Flagge: Eine belastbare Flagge neigt sich gegen den Trend oder verläuft waagerecht. Steigt sie im gleichen Winkel weiter wie die Fahnenstange, fehlt die Korrektur und damit der Nachschub an Käufern.
  • Dauer: Bulkowski setzt für Flaggen weniger als drei Wochen an. Zieht sich die Konsolidierung deutlich länger, wird aus der Flagge eine Konsolidierungszone mit eigenen Regeln.
  • Qualität des Ausbruchs: Ein Ausbruch mit winziger Kerzenspanne knapp über der Linie ist schwach. Warte in dem Fall die nächste Kerze ab, auch wenn dich das ein paar Punkte kostet.

Und wenn der Ausbruch scheitert? Dann ist das kein Betriebsunfall, sondern der Normalfall in vier von zehn Fällen. Genau deshalb entscheidet nicht das Muster über dein Ergebnis, sondern die Größe deiner Position und die Frage, ob dein Risikomanagement den Fehlausbruch trägt.

Tradingbeispiele für bullische Flaggen

Drei Fälle aus unterschiedlichen Märkten und Zeitrahmen. Der dritte ist ein Verlusttrade, und er steht hier nicht aus Bescheidenheit, sondern weil er zeigt, wo das Muster aufhört und das Trade-Management anfängt.

Beispiel 1: Swing-Trading mit einer Aktie

Bullenflagge im Aktienchart mit Gegen-Trendlinie, Long-Einstieg, Stop unter dem Swingtief und projiziertem Kursziel
Eine Flagge, die den EMA-Filter verfehlt: Der Ausbruch lief, das Setup war trotzdem keins.

  • Trendfilter erfüllt: Die Kurse standen über dem 20-Perioden-EMA. Damit war die Grundbedingung für einen Aufwärtstrend gegeben.
  • Gegen-Trendlinie gezogen: Das Swing-Hoch der Korrektur lieferte den Ankerpunkt für die obere Begrenzung der Flagge.
  • Einstieg beim Tagesschluss: Der bullische Schlusskurs über der Linie war das Signal für die Longposition.
  • Stop unter dem Swingtief: Die schützende Stop-Order lag knapp unter dem vorherigen Tief der Flagge.
  • Ziel aus der Fahnenstange: Die beiden orangefarbenen Pfeile zeigen die Projektion des vorausgegangenen Kursschubs.

Und jetzt der Haken: Der Rücksetzer bildete Kerzen aus, die vollständig unterhalb des gleitenden Durchschnitts lagen. Nach meinen eigenen Richtlinien war das keine handelbare Flagge, obwohl der Ausbruch anschließend gut lief.

Hätte ich hier nach Ermessen gehandelt? Nein. Die EMA-Richtlinie schützt genau vor solchen Rücksetzern. Der Pullback hatte den größten Teil des vorherigen Kursschubs wieder abgegeben, und damit war die Markttendenz in dem Moment unklar. Dass es trotzdem funktioniert hat, macht das Setup nicht besser, sondern nur glücklicher.

Beispiel 2: Bitcoin im Tageschart

Der Kryptohandel hat die Werkzeuge der technischen Analyse früh übernommen, und die Beeinflussung läuft in beide Richtungen. Viele Trader nehmen Kryptowährungen deshalb in ihre Watchlist auf. Das folgende Beispiel zeigt zwei Flaggen im Bitcoin-Tageschart.

Bull Flag im Bitcoin-Tageschart: zwei Flaggen mit langen unteren Schatten und Pin Bar am Einstieg
Zwei Bullenflaggen in Folge: unterschiedliche Form, gleiches Prinzip.

  • Lange untere Schatten: An jedem bärischen Bein der Flagge zeigten die Kerzen lange Dochte nach unten. Käufer fingen die Rücksetzer ab.
  • Einstieg beim Schlusskurs: Der Schluss über der Linie war das Signal, der Stop lag am letzten Swingtief, markiert durch die gepunktete Linie.
  • Zweite Flagge, andere Form: Der zweite Pullback war markanter und bestand aus weniger Kerzen. Die Kriterien erfüllte er trotzdem.
  • Pin Bar als Zusatzsignal: Die Einstiegskerze war eine Pin Bar, deren Tief exakt die Stopmarke lieferte.

Bei der zweiten Flagge zeigt sich ein Problem, das keine Formel löst: Verschiedene Trader identifizieren die Fahnenstange unterschiedlich. Damit unterscheidet sich auch das Kursziel. Egal welche Distanz du hier ansetzt, der Markt hätte die Erwartung nicht erfüllt.

Das projizierte Ziel ist ein Anhaltspunkt, mehr nicht. Du kannst es für eine erste Teilverkaufsorder nutzen, solltest bei der Gewinnmitnahme aber flexibel bleiben. Die Zahl 46 Prozent aus der Statistik oben ist genau dieser Punkt in Zahlen.

Beispiel 3: Intraday-Bullenflagge als Verlusttrade

Ein 3-Minutenchart des DAX-Futures mit zwei Flaggen kurz hintereinander. Der zweite Ausbruch wäre für die meisten ein Verlust geworden.

Bull Flag im 3-Minutenchart des DAX-Futures: zwei Flaggenausbrueche, einer davon als Verlusttrade
Zwei Flaggen im Intraday-Chart: Der zweite Ausbruch hielt nicht lange genug für das volle Ziel.

  • Trendkontext zuerst: Je klarer der Aufwärtstrend bestätigt ist, desto eher lohnt der Ausbruch. Der erste Kursschub lieferte diese Bestätigung.
  • Grenzwertiger erster Einstieg: Die Ausbruchskerze hatte eine geringe Spanne und lag nur knapp über der Linie. Wer hier die nächste Kerze abwartet, handelt sauberer.
  • Zweiter Ausbruch, sofortiger Rücksetzer: Die Kurse fielen nach dem Einstieg, erreichten den Stop aber nicht.
  • Ausgang je nach Zielsetzung: Mit konservativem Ziel war der Trade im Plus. Wer auf die volle Projektion wartete, saß den Gewinn ab und ging mit einem Verlust raus.

Kein Chartmuster ist vollkommen. Hätte man beide Ausbrüche mit sauberem Risikomanagement gehandelt, wäre unterm Strich ein Plus geblieben. Genauso leicht verlierst du aber die Kontrolle über das Trade-Management und endest im Minus.

Deshalb entscheiden Muster und Einstiegspunkt nicht allein über dein Ergebnis. Entscheidend ist, wie stimmig dein gesamter Tradingplan ist: Positionsgröße, Stop, Ziel und Ausstieg müssen zusammenpassen, sonst nützt dir die beste Formation nichts.

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Erläuterungen zur Bull Flag

Dieser Leitfaden fasst die Bullenflagge bewusst weit und deckt damit auch mehrbeinige Pullbacks ab. Zwischen den einzelnen Fortsetzungsmustern wie Dreiecken, Wimpeln und Rechtecken wurde deshalb oben nicht getrennt. Für die Abgrenzung folgen hier die Begriffe, die dir anderswo begegnen.

Bullenflagge oder Wimpel?

Eine Flagge bildet einen Kanal mit gleichbleibender Breite, ein Wimpel dagegen einen sich verengenden Kanal, der einem kleinen Dreieck ähnelt.

Die Fälle in Beispiel 1 sind klassische Bullenflaggen. Der erste Fall in Beispiel 3 gleicht eher einem Wimpel. In Bulkowskis Zahlen schneidet die Flagge etwas besser ab als der Wimpel: 44 gegen 54 Prozent Fehlerquote und neun gegen sieben Prozent mittlerer Anstieg. Der Unterschied ist real, aber klein genug, um im Einzelfall keine Rolle zu spielen.

Aufsteigende Bullenflagge

Bei dieser Variante zeigt die obere Begrenzung nach oben statt nach unten. Die Korrektur läuft also in Trendrichtung weiter. Ich meide diese Formation, weil der Stop dadurch weiter entfernt liegt und das Chance-Risiko-Verhältnis schlechter wird.

Der Grund dahinter ist einfach: Ohne echte Korrektur fehlt der Nachschub an Käufern. Wer schon drin ist, bleibt drin, und neue Käufer bekommen keinen günstigen Einstieg geboten.

High and Tight Flag: die Ausnahme mit den besten Zahlen

Die High and Tight Flag ist eine Sonderform der Bullenflagge, bei der der Kurs vor der Konsolidierung um mindestens 90 Prozent in maximal zwei Monaten gestiegen ist.

Diese Variante ist selten, aber in Bulkowskis Auswertung die mit Abstand tragfähigste: 82 Prozent erreichen ihr Kursziel, die Fehlerquote liegt bei 15 Prozent, der mittlere Anstieg bei 39 Prozent. Die Konsolidierung sieht dabei oft gar nicht nach einer Flagge aus, was sie leicht übersehen lässt.

Der Preis dafür steht in derselben Auswertung: In 67 Prozent der Fälle läuft der Kurs nach dem Ausbruch noch einmal an die Formation zurück. Wer den Stop zu eng setzt, ist vor der Bewegung draußen. Bulkowski empfiehlt hier den Einstieg erst über dem höchsten Punkt des Musters, nicht schon am Linienbruch.

Verwandte Ansätze

Die hier beschriebene Strategie ähnelt dem zweibeinigen Pullback-Ansatz von Al Brooks. Der Unterschied: Wir zählen keine Beine, sondern messen den Bruch der Gegen-Trendlinie. Das macht den Auslöser eindeutiger und den Ansatz auch für Einsteiger prüfbar.

Ein zweiter Weg führt über Trendkanäle, weil sich viele Flaggen in einen Gegentrend-Kanal einpassen lassen. Solche Muster bilden allerdings meist tiefere Rücksetzer als die hier besprochenen. Das Gegenstück auf der Short-Seite ist die Bärenflagge: gleiche Logik, gespiegelte Richtung.

Die Chartbeispiele in diesem Artikel stammen aus dem englischen Originalbeitrag von Galen Woods, Bull Flag Price Action Guide, den Gaby Boutaud und ich seinerzeit ins Deutsche übertragen haben. Text, Richtlinien und Einordnung dieser Fassung sind neu. Die Statistiken stammen aus Thomas Bulkowskis Auswertung US-amerikanischer Aktien, veröffentlicht auf thepatternsite.com.

Fazit zur Trading-Anleitung für die Bullenflagge

Mechanisch arbeitende Trader wollen feste Regeln, um ihre Strategie automatisieren zu können. Diskretionäre Trader erkennen Muster aus Erfahrung. Ich fahre seit Jahrzehnten einen Mittelweg.

Zuerst suche ich systematisch nach Kandidaten, hier über EMA, Swing-Hoch und Gegen-Trendlinie. Danach entscheidet der Einzelfall. Ich schaue mir jede Flagge an und urteile nach Ermessen. Genau so ist diese Anleitung aufgebaut, und genau deshalb steht in Beispiel 1 ein Setup, das ich trotz gelungenem Ausbruch abgelehnt hätte.

Nimm aus den Zahlen mit, was sie wirklich sagen: Die Bullenflagge ist kein Signalgeber, sondern ein Filter. Sie sagt dir, wo ein Einstieg mit definiertem Risiko möglich ist, nicht, dass der Kurs steigt. Mit 44 Prozent Fehlerquote im Rücken handelst du das Muster automatisch vorsichtiger, und das ist der eigentliche Gewinn.

Die Richtlinien oben sind ein Ausgangspunkt, kein fertiges System. Passe sie an deinen Markt und deinen Zeitrahmen an. Ein Muster, das du selbst geprüft hast, hältst du im Verlust länger durch als eines, das du übernommen hast.

Häufige Fragen zur Bull Flag

Was ist eine Bullenflagge?

Eine Bullenflagge ist ein bullisches Fortsetzungsmuster aus einem steilen Kursanstieg, der Fahnenstange, und einer kurzen Korrektur gegen den Trend, der Flagge. Bricht der Kurs oben aus der Flagge aus, setzt sich der Aufwärtstrend in der Mehrzahl der Fälle fort. Das Muster beschreibt eine Verschnaufpause im Trend, keine Trendwende.

Wie erkenne ich eine Bullenflagge im Chart?

Achte auf drei Merkmale: Der Kurs steht über dem 20-Perioden-EMA, der Rücksetzer bildet mindestens ein Swing-Hoch aus, und keine Kerze der Korrektur hat ihr Hoch unter dem EMA. Über die Zwischenhochs lässt sich dann eine Gegen-Trendlinie ziehen. Diese Linie ist der eigentliche Auslöser des Trades.

Wie lange dauert eine Bullenflagge?

Nach Thomas Bulkowskis Auswertung dauert eine Flagge typischerweise weniger als drei Wochen. Zieht sich die Konsolidierung deutlich länger, verliert sie den Charakter einer Flagge und wird zur Seitwärtsphase. Der Zeitrahmen skaliert dabei mit dem Chart, im 3-Minutenchart sind es entsprechend Minuten statt Wochen.

Wo setze ich Stop-Loss und Kursziel bei einer Bull Flag?

Der Stop gehört unter das letzte Swingtief der Flagge, nicht unter das Tief der Einstiegskerze. Das Kursziel ergibt sich aus der Länge der Fahnenstange, abgetragen ab dem Ausbruchspunkt. Setze das Ziel nicht als starre Order, denn nur 46 Prozent der Muster erreichen diese Projektion.

Wie zuverlässig ist das Bull-Flag-Muster?

In Bulkowskis Auswertung US-amerikanischer Aktien brechen 60 Prozent der Flaggen nach oben aus. Danach schaffen 44 Prozent keine fünf Prozent Kursgewinn, und 46 Prozent erreichen das rechnerische Ziel. Das Muster liefert also einen Einstieg mit klarem Risiko, keine Trefferquote zum Sattwerden.

Was ist der Unterschied zwischen Bullenflagge und Wimpel?

Die Flagge bildet einen Kanal mit gleichbleibender Breite, der Wimpel einen sich verengenden Kanal in Form eines kleinen Dreiecks. In den Statistiken schneidet die Flagge etwas besser ab: 44 gegen 54 Prozent Fehlerquote. Gehandelt werden beide nach derselben Logik, nämlich über den Bruch der Begrenzungslinie.

Kann eine Bullenflagge scheitern?

Ja, und das ist der Normalfall in etwa vier von zehn Fällen. Bricht der Kurs statt nach oben nach unten aus der Flagge aus, war der vorherige Aufwärtstrend schwächer als gedacht. Ein enger Stop unter dem Swingtief begrenzt genau diesen Fall und macht den Fehlausbruch bezahlbar.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 diskretionär nach Price Action, also nach der reinen Kursbewegung, und ist damit einer der dienstältesten aktiven Trader im deutschsprachigen Raum.

Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ende der 1980er übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er der deutsche Repräsentant von Joe Ross und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Chartmuster wie die Bullenflagge gehören zum Kern seiner Arbeit, weil sie Trend und Korrektur ohne Indikatoren sichtbar machen. Für diesen Leitfaden hat er die ursprünglichen Richtlinien von Galen Woods, dessen Beitrag er gemeinsam mit Gaby Boutaud übersetzt hat, um die eigene Praxis und die Statistik zu Flaggen ergänzt. Seine Autorenseite findest du unter Karsten Kagels.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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