Gold: Erstes Fibonacci Retracement erreicht

Zuletzt aktualisiert: 14. Juni 2026

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Karsten Kagels

Überprüft von

Karsten Kagels

Analyst. Björn Heidkamp
Markt: Gold Future Endlos Kontrakt (COMEX)
Zeitpunkt der Analyse: 26.04.2026
Letzter Kurs: 4.238,80 USD/Unze

Gold Future im Quartalschart betrachtet

Der abgebildete Chart zeigt die historische Kursentwicklung des Gold Futures von 1995 bis heute, bei Kursen von 4.238,80 USD/Unze. Ein Notierungsstab bildet die Kursschwankungen des Gold Futures für ein Quartal ab.

Quartalschart des Goldpreis Futures mit Fibonacci Werten
Quartalschart des Goldpreis Futures

Quartalstief unterschritten

Der seit März 2024 bestehende primäre Aufwärtstrend gipfelte am 29. Januar in einem Kaufhöhepunkt (buying Climax) auf einem fulminanten Rekordhoch bei 5.581,30. Derartige progressive Kursverläufe überreizen den Trend. Vergleichbare Anstiege müssen oftmals erst einmal verdaut werden, was offenbar gerade in einer ausgedehnten Korrektur geschieht. 

In der abgelaufenen Börsenwoche hat der Gold Future erstmalig seit dem vierten Quartal 2023 ein Vorquartalstief (Tief vom 23. März bei 4.351) unterschritten. Somit wurde der übergeordnete Aufwärtstrend durch eine sekundäre langfristige Korrekturbewegung abgelöst.

38,2% Fibonacci Korrekturniveau erreicht

Bei der Fragestellung, wie weit eine entsprechende Bewegung gegen den Haupttrend laufen kann, ohne den übergeordneten Aufwärtstrend zu gefährden, muss die vorherige Aufwärtsbewegung mit ins Kalkül gezogen werden. Mithilfe der Fibonacci-Korrekturlevel lassen sich virtuelle Bereiche erhöhter Aufnahmebereitschaft ermitteln, welche genau das machen und bei institutionellen Investoren starke Berücksichtigung finden.

Bezogen auf die Aufwärtsbewegung seit der letzten vollen Korrektur auf dem langfristigen Quartalschart vom Oktober 2023 bei 1.824 bis auf die Bestmarke vom 29. Januar bei 5.581 hat der Gold Future mit dem Tief der abgelaufenen Woche das erste Fibonacci Korrekturniveau (38,2%) bei 4.146 erreicht und unterschritten.

Die nächsttieferen Korrekturlevel wären bei 3.702 (50%) und bei 3.259 (61,8%) zu beziffern. Bis zu diesen Niveaus kann demnach eine langfristige Korrektur laufen, ohne den übergeordneten Aufwärtstrend zu gefährden.

Hohe Volatilität der letzten Quartale im Vergleich zu 1979

In den letzten drei Quartalen (3. und 4. Quartal 2025 und das 1. Quartal 2026) ist durch die Explosion der Goldkurse eine extreme Zunahme der Schwankungsbreite zu beobachten. Alle drei genannten Quartale hintereinander weisen jeweils die höchste Volatilität der letzten sieben Quartale auf.

Seit Bestehen des Goldcharts ist dieses Phänomen lediglich einmal in einer ähnlichen Konstellation in den letzten beiden Quartalen 1979 und im ersten Quartal 1980 aufgetreten. In dieser Phase ist der Goldpreis von 282 auf 873 gestiegen. In den folgenden zwei Jahren ist der Goldpreis dann wieder bis April 1982 auf 298 zurückgefallen. 

Bezogen auf die aktuelle Aufwärtsbewegung würde ein ähnlicher Verlauf einen Rückgang in Richtung 3. Quartalstief aus 2025 bei etwa 3.300 bedeuten.

Goldpreis Kursentwicklung im Monatschart
Goldpreis Kursentwicklung im Monatschart

Aufwärtstrendlinie seit Januar 2025 unterschritten

Ende Mai hat der Gold Future die eingezeichnete steile, seit Januar 2025 bestehende, Aufwärtstrendlinie erstmalig unterboten. Auch das technische Bild verschlechtert sich: Zum ersten Mal seit Februar 2024 dreht der Stochastik Indikator aus dem „Bull-Modus“ nach unten. Derartige Signale sind langfristig gut, da sich die „überhitzte“ Marktsituation der letzten Monate neutralisiert. Nichtsdestotrotz deuten solche technischen Ereignisse eine weitere Fortsetzung der Korrekturbewegung an.

Wochenchart: 20 Wochen GD unterboten, Abwärtstrend erneut bestätigt

In den letzten beiden Börsenwochen hat der Gold Future innerhalb des mittelfristigen Abwärtstrends neue Bewegungstiefs bei 4.073 erreicht. Damit wurde die Chance auf eine Bodenbildung zunichtegemacht und der Abwärtstrend erneut bestätigt. Parallel wurde erstmalig seit Oktober die eingezeichnete 20 Wochen Linie unterboten. Dieser gleitende Durchschnitt entspricht in etwa der viel beobachteten 200-Tage-Linie.

Goldkurse im Wochenchart analysiert
Goldkurse im Wochenchart analysiert

Gold saisonal ab Juli bullisch

Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Rohstoffe, Währungen, Aktien und Indizes statistische Durchschnittswerte berechnen.

Aus dieser rein statistischen Sicht pendelt der Gold Future in den geglätteten Durchschnittsverläufen der letzten 20 Jahren zwischen Mitte April und Ende Juni leicht negativ, aber insgesamt richtungslos seitwärts hin und her. Ab Anfang Juli setzt dann die stärkste Phase des Jahres im Gold Future ein. Im Zusammenhang mit diesen Kalendereffekten besteht für die Bullen berechtigte Hoffnung auf eine Kurserholung. Ob ein etwaiger Anstieg zur Wiederaufnahme des langfristigen Aufwärtstrends reicht, ist aktuell aus der Gesamtgemengesituation eher unwahrscheinlich.

Fazit:

Aus der Perspektive des langfristigen Quartalscharts ist der Gold Future in einen überhitzten Aufwärtstrend gelaufen. Aktuell haben die Bären das Zepter übernommen und eine Korrektur im Aufwärtstrend eingeleitet. Bestätigt wurde diese Korrekturbewegung durch das Unterschreiten des Quartalstiefs, des seit Januar 2025 bestehenden Aufwärtstrends und der 20 Wochen-Linie (in etwa 200-Tage-Linie).

Aus der mittelfristigen Sichtweise des Wochencharts bleibt das Chartbild auf Verkauf. Durch die technischen Verkaufssignale und der erneuten Bestätigung des Abwärtstrends konnten sich die Bären gegenüber den Bullen weiter durchsetzen und eine entsprechende mittelfristige untere Umkehrformation muss erst einmal im Chart geformt werden, was momentan noch nicht zu sehen ist und einige Wochen benötigt.

Fällt der Gold Future mit neuen Bewegungstiefs unter die psychologisch wichtige 4.000er Marke wäre innerhalb des primären Aufwärtstrends die nächsttiefere Unterstützung zwischen 3.850 und 3.700 als nächstes Korrekturziel innerhalb des primären Aufwärtstrends zu beziffern. Letztlich könnte diese Korrektur in Richtung 3.300 bis 3.259 laufen, ohne den langfristigen Aufwärtstrend zu gefährden.

Steigt Gold über 4.564 ist ein weiterer Anstieg in Richtung 4.900 anzunehmen, aber erst Kurse über dem Aprilhoch bei 4.917,70 würden den übergeordneten langfristigen Aufwärtstrend wieder durchsetzen. Ein Test des Bereichs erhöhter Abgabebereitschaft zwischen 5.000, 5.280 bis 5.432 wäre dann wieder im Bereich des Möglichen. 

In der Gesamtgemengelage bleibt die Fortsetzung der Korrektur aufgrund der Verkaufssignale der letzten Wochen, zumindest in den kommenden Wochen das wahrscheinlichere Szenario.