Wer auf YouTube nach deutschsprachigem Trading sucht, landet zuerst bei denselben großen Namen. Dahinter sendet eine zweite Reihe: Trader mit fünfstelligen statt sechsstelligen Abonnentenzahlen, die trotzdem seit Jahren regelmäßig veröffentlichen. Zehn dieser Kanäle habe ich mir angesehen. Wer dahintersteht, worüber gesendet wird und vor allem: womit verdient der Kanal Geld.
Dieser Artikel erschien im November 2024 und ist im August 2026 vollständig überarbeitet. Das war überfällig: Keine einzige Abonnentenzahl der Erstfassung stimmt noch. Zwei Kanäle stehen inzwischen über der 10.000er-Marke, unter der sie damals einsortiert waren. Einer ist geschrumpft. Einer hat seit April 2025 kein Video mehr hochgeladen. Alle Zahlen in diesem Artikel habe ich am 21. August 2026 direkt bei YouTube abgerufen.
Abonnenten sind ein Reichweitenmaß, kein Leistungsnachweis. Sie sagen, wie viele Menschen ein Video im Feed sehen. Sie sagen nichts darüber, ob der Kanalbetreiber profitabel handelt. Ich stelle die Kanäle vor, nenne die Angebote dahinter und schreibe dazu, was ich davon überprüfen konnte und was nicht. Eine Aufforderung, irgendjemandes Strategie nachzuhandeln, ist das ausdrücklich nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Trading-YouTuber: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Zehn Kanäle, abgerufen am 21. August 2026: Die Spanne reicht von 5.910 Abonnenten bei Selftrade Money bis 66.000 bei Luke Michels Trading.
- Keine Zahl der Erstfassung gilt noch: Tim Flossbach hat sich auf 50.100 verdoppelt, Decker Capital steht bei 33.900, Scalp-Trading.de ist von 7.300 auf 6.130 geschrumpft.
- Ein Kanal schläft: Selftrade Money hat sein letztes Video am 13. April 2025 veröffentlicht und steht seither bei 61 Videos.
- Hinter FirstClass Trading steht eine Firma in Dubai: Die F&S Coaching FZCO mit Maximilian Steinauer in der Geschäftsleitung verkauft eine Signal-Membership für 899 Euro im Jahr und ein Copy-Trading-Abo für 99,95 Euro im Monat.
- Sechs der zehn Kanäle verlinken Broker oder Partnerangebote: Prop-Firmen, Krypto-Börsen und Chartsoftware. Kaspareit Trading führt allein fünf Broker im Kanalprofil. Keiner der zehn veröffentlicht einen von außen prüfbaren Track Record.
Was Trading-YouTuber sind und was ihre Videos leisten
Der Begriff wird selten definiert, obwohl er ein eigenes Geschäftsmodell beschreibt. Ein Kanal ist hier kein Hobby, sondern der Vertriebskanal für ein Produkt: einen Kurs, eine Signalgruppe, ein Abo oder eine Provision vom verlinkten Broker. Wer das mitliest, bewertet die Videos anders.
Ein Trading-YouTuber ist ein Trader, der seine Marktanalysen, Einstiege und Ergebnisse als Video auf YouTube veröffentlicht und über den Kanal ein eigenes Ausbildungs-, Signal- oder Copy-Trading-Angebot bewirbt.
Kostenlose Videos ersetzen keine strukturierte Ausbildung, aber sie leisten etwas, das Bücher nicht können. Du siehst jemanden live entscheiden: wo er einsteigt, wann er den Stop nachzieht, wie er sich verhält, wenn der Trade gegen ihn läuft. Genau diese Momente fehlen in der Literatur. Wer traden lernen will, bekommt hier eine Anschauung, die sonst teuer ist.
Der Preis dafür ist eine systematische Verzerrung. Ein Video mit einem gelungenen Trade bekommt mehr Klicks als eines mit einer Serie von Verlusten. Kanäle, die überleben, zeigen deshalb überdurchschnittlich viele Gewinner. Das ist kein Vorwurf an die einzelnen Trader, sondern eine Eigenschaft der Plattform. Wer daraus auf eine Erfolgsquote schließt, rechnet falsch.
Ein Track Record ist die lückenlose, von außen nachvollziehbare Aufzeichnung aller Trades eines Traders über einen zusammenhängenden Zeitraum, einschließlich der Verlusttrades.
Keiner der zehn Kanäle in diesem Artikel veröffentlicht einen solchen Nachweis. Manche zeigen Kontoauszüge in einzelnen Videos, manche streamen live. Beides ist ein Ausschnitt, keine Aufzeichnung. Der Unterschied klingt spitzfindig, entscheidet aber darüber, ob eine Zahl überprüfbar ist. Wer den Unterschied genauer verstehen will, findet ihn im Artikel zur Trading-Performance.
Die Abonnentenzahl eines YouTube-Kanals gibt an, wie viele Nutzer neue Videos in ihrem Feed angezeigt bekommen, und sagt nichts über die Handelsergebnisse des Kanalbetreibers aus.
Kanäle unter 10.000 Abonnenten
Drei der ursprünglich fünf Kanäle in dieser Gruppe stehen heute noch unter der Marke. Zwei sind herausgewachsen und stehen weiter unten. Klein heißt hier nicht jung: Der Trading Professor hat 745 Videos veröffentlicht, deutlich mehr als manche Kanäle mit dem Zehnfachen an Reichweite.
Selftrade Money
Der kleinste Kanal in dieser Auswahl ist zugleich der einzige, der stillsteht. Selftrade Money arbeitet mit Smart Money Concepts, also Ansätzen, die Kursbewegungen als Folge der Orderaktivität großer Marktteilnehmer deuten. Die 61 Videos sind als Gratiskurs aufgebaut und drehen sich um Liquidität und Strukturbrüche.
Smart Money Concepts sind Handelsansätze, die Kursbewegungen als Ergebnis der Orderaktivität großer Marktteilnehmer deuten und Einstiege dort suchen, wo zuvor Liquidität abgeholt wurde.
- Kanal: Selftrade Money
- Abonnenten: 5.910 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 61
- Letzte Veröffentlichung: 13. April 2025, seither kein neues Video
- Schwerpunkt: Smart Money Concepts nach ICT, Liquidity Sweeps, Backtesting
- Angebot dahinter: Mitgliedschaft über die Liquidity School (liquidityschool.com) mit Kursen, Webinaren und Community
Für wen das nichts ist: Wer eine laufende Community und aktuelle Marktkommentare sucht. Auf YouTube passiert seit über einem Jahr nichts. Ob die kostenpflichtige Liquidity School dahinter weiterläuft, lässt sich von außen nicht beurteilen, die Seite ist erreichbar. Als Archiv zum Nachlernen der ICT-Logik bleibt der Kanal brauchbar.
Scalp-Trading.de
Der einzige Kanal der Auswahl, der seit 2024 Abonnenten verloren hat. Aus 7.300 wurden 6.130. Thematisch bleibt der Kanal beim Scalping und damit bei einer Nische, die viele Zuschauer nach ein paar Monaten wieder verlassen.
Scalping ist eine Handelsform, bei der Positionen nur Sekunden bis wenige Minuten gehalten werden, um kleine Kursbewegungen mitzunehmen.
- Kanal: Scalp Trading
- Abonnenten: 6.130 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 225
- Letzte Veröffentlichung: vor rund drei Wochen
- Schwerpunkt: Scalping, Broker-Auswahl fürs Scalping, Handelspsychologie
- Angebot dahinter: Eigene Seite scalp-trading.de mit Artikeln und Anleitungen, dazu ein verlinkter Gratiskurs eines Partners
Für wen das nichts ist: Für Berufstätige. Scalping verlangt ununterbrochene Bildschirmzeit und niedrige Handelskosten, sonst frisst der Spread die kleinen Gewinne auf. Das ist kein Fehler des Kanals, sondern eine Eigenschaft des Handelsstils.
Der Trading Professor
Der fleißigste Kanal der Auswahl gemessen an der Schlagzahl. 745 Videos bei 9.450 Abonnenten, die letzte Veröffentlichung lag beim Abruf elf Stunden zurück. Der Kanal beschreibt sich selbst als „Leaderboard Krypto Trader” und veröffentlicht nahezu täglich.
Die Angabe aus der Erstfassung dieses Artikels stimmt nicht mehr. Damals stand hier, es seien keine Kurse oder Coachings ersichtlich. Inzwischen führt das Kanalprofil eine eigene Website, einen Discord-Server und drei Partnerlinks: zu TradingView, zur Prop-Firma Breakout Prop und zu einem Trading-Journal-Anbieter.
- Kanal: Der Trading Professor
- Abonnenten: 9.450 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 745
- Letzte Veröffentlichung: täglich, zuletzt am Abruftag
- Schwerpunkt: Krypto-Marktanalysen, Einsteigererklärungen
- Angebot dahinter: Website tradingprof.de, Discord-Community sowie Partnerlinks zu Chartsoftware und einer Prop-Firma
Für wen das nichts ist: Wer eine Strategie von Anfang bis Ende lernen will. Tägliche Marktkommentare sind ein Begleitformat, kein Lehrgang. Und die Partnerlinks bedeuten: Wenn dir hier ein Broker oder eine Prop-Firma empfohlen wird, verdient der Kanal an deiner Anmeldung mit.
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Kanäle über 10.000 Abonnenten
Diese Gruppe ist seit der Erstfassung von fünf auf sieben Kanäle gewachsen. Trader Life und Noc Trading standen 2024 noch unter der Marke und haben sie inzwischen gerissen. Vier der sieben Anbieter haben bei uns eine eigene Testseite, deshalb bleiben sie hier kurz und du findest den ausführlichen Bericht jeweils verlinkt.
Trader Life
Der Kanal hat sich seit 2024 klar auf Prop Trading zugespitzt. Aus 9.800 Abonnenten wurden 12.300, aus einem allgemeinen Trading-Kanal ein Format über Evaluierungen bei Prop-Firmen. Das Kanalprofil verlinkt eine Prop-Firma über einen Empfehlungslink.
Prop Trading bezeichnet ein Modell, bei dem ein Trader nach bestandener Prüfungsphase mit dem Kapital eines fremden Unternehmens handelt und am Gewinn beteiligt wird, statt eigenes Geld zu riskieren.
- Kanal: Trader Life
- Abonnenten: 12.300 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 428
- Letzte Veröffentlichung: wenige Tage vor dem Abruf
- Schwerpunkt: Prop Trading, Evaluierungsregeln, Risikomanagement
- Angebot dahinter: Kursangebot über traderlife-academy.de sowie ein Empfehlungslink zu einer Prop-Firma
Für wen das nichts ist: Wer sein eigenes Depot aufbauen will. Prop-Trading-Inhalte drehen sich um Regelwerke fremder Anbieter: tägliche Verlustlimits, Mindesthandelstage, Auszahlungsquoten. Für das Handeln auf eigene Rechnung ist davon wenig übertragbar.
Noc Trading
Der zweite Aufsteiger: von 6.800 auf 12.700 Abonnenten. Noc Trading veröffentlicht alle paar Tage und bleibt inhaltlich bei Grundlagen, Marktanalysen und Risikosteuerung. Im Kanalprofil stehen keine Broker- oder Partnerlinks, nur die eigene Seite.
- Kanal: Noc Trading
- Abonnenten: 12.700 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 324
- Letzte Veröffentlichung: wenige Tage vor dem Abruf
- Schwerpunkt: Handelsgrundlagen, technische Analyse, Risikosteuerung
- Angebot dahinter: Mitgliedschaft und Schulungen über noc-trading.de
Den ausführlichen Test findest du in unserem Erfahrungsbericht zu Noc Trading. Dort steht, was die Mitgliedschaft kostet und was sie enthält. Für wen das nichts ist: Fortgeschrittene, die eine spezialisierte Methode suchen. Der Kanal erklärt breit, nicht tief.
Kaspareit Trading
Der Kanal von Alexander Kaspareit hat sich von 17.000 auf 27.800 Abonnenten vergrößert. Thematisch geht es um systematisches Handeln und den Einsatz von Handelsrobotern. Auffällig ist etwas anderes: Das Kanalprofil verlinkt fünf verschiedene Broker.
Fünf Broker in einem Kanalprofil sind ein Muster, das man kennen sollte. Interactive Brokers, Tickmill, RoboForex, GBE Brokers und TegasFX stehen dort nebeneinander, teils mit erkennbaren Referral-Kennungen in der Adresse. Das ist legal und branchenüblich. Es heißt aber auch: Eine Broker-Empfehlung in einem Video ist keine neutrale Auswahl, sondern eine, an der der Kanal mitverdient.
Ein Affiliate-Link ist ein Empfehlungslink, für dessen Nutzung der Empfehlende eine Provision vom verlinkten Anbieter erhält, ohne dass dem Nutzer zusätzliche Kosten entstehen.
- Kanal: Kaspareit-Trading
- Abonnenten: 27.800 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 292
- Letzte Veröffentlichung: wenige Tage vor dem Abruf
- Schwerpunkt: systematisches Trading, Handelsroboter, Broker-Vergleiche
- Angebot dahinter: Kostenlose Ausbildung und Premium-Mitgliedschaft über kaspareit-trading.com, dazu fünf Broker-Partnerlinks
Den ausführlichen Test findest du in unserem Bericht zur Kaspareit-Trading-Ausbildung. Für wen das nichts ist: Wer diskretionär handeln lernen will, also nach eigener Chartlektüre statt nach Regelautomat.
Roman Decker (Decker Capital)
Mit 33.900 Abonnenten und 771 Videos der produktivste der großen Kanäle. Roman Decker handelt Krypto, Forex und Indizes nach Smart-Money-Logik und ergänzt sie um Elemente der Wyckoff-Methode. Im Kanalprofil stehen Kurzlinks zu einer Krypto-Börse und zu Chartsoftware.
Eine Zahl aus der Erstfassung dieses Artikels gehört eingeordnet. Dort stand, die Strategie ziele auf ein Chance-Risiko-Verhältnis von bis zu 30:1. Das ist eine Anbieterangabe aus der Kursbewerbung, kein gemessener Wert. Ein CRV von 30:1 bedeutet, dass rechnerisch ein Gewinntrade dreißig Verlusttrades trägt. Solche Setups gibt es, aber sie treffen selten.
- Kanal: Decker Capital
- Abonnenten: 33.900 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 771
- Letzte Veröffentlichung: wenige Tage vor dem Abruf
- Schwerpunkt: Krypto, Forex, Indizes nach Smart Money Concepts und Wyckoff
- Angebot dahinter: Trading-Kurs über decker-capital.de, dazu Partnerlinks zu Börse und Chartsoftware
Den vollständigen Test mit Preisen und Kursinhalten findest du in unseren Decker Capital Erfahrungen. Für wen das nichts ist: Wer ruhige Märkte bevorzugt. Der Schwerpunkt liegt auf Krypto, und dort sind Bewegungen und Rücksetzer deutlich größer als im Indexhandel.
Tim Flossbach
Der Kanal hat sich seit der Erstfassung verdoppelt: von 25.000 auf 50.100 Abonnenten. Tim Flossbach mischt Marktanalysen mit Vlogs aus seinem Alltag als Unternehmer. Die Mischung erklärt das Wachstum: Ein Teil des Publikums kommt wegen der Person, nicht wegen der Charts.
Zwei Altangaben aus diesem Artikel waren überholt oder ungenau. Er wurde hier als „24-jährig” geführt, im Kanalprofil steht inzwischen 26. Und beim Einstiegsalter widersprechen sich seine eigenen Angaben: Auf YouTube schreibt er, er habe mit 16 angefangen, auf LinkedIn mit 17. Ich gebe beides als Selbstauskunft wieder und nicht als geprüften Sachverhalt.
Sein Kanalprofil verlinkt drei Partner. Neben Chartsoftware steht dort die Prop-Firma IQ Capital mit einer personalisierten Adresse. Wie dieser Anbieter arbeitet, steht in unseren IQ Capital Erfahrungen. Dazu kommt eine Telegram-Gruppe.
- Kanal: Tim Flossbach
- Abonnenten: 50.100 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 450
- Letzte Veröffentlichung: am Tag vor dem Abruf
- Schwerpunkt: Krypto und Indizes, Scalping, Unternehmer-Vlogs
- Angebot dahinter: Mitgründer von FirstClass Trading, dazu Partnerlinks zu einer Prop-Firma und zu Chartsoftware
Für wen das nichts ist: Wer Lifestyle-Inhalte stören. Der Anteil an Vlogs ist hoch, und Dubai-Aufnahmen sind ein bekanntes Verkaufsargument der Branche. Der Trading-Anteil steht dadurch nicht automatisch schlechter da, er ist nur schwerer herauszufiltern.
Max Steinauer
Der Hauptkanal steht bei 56.100 Abonnenten und 1.297 Videos. Das sind rund 9.000 mehr als in der Erstfassung. Der Schwerpunkt liegt heute klar auf dem Kryptomarkt, mit täglichen Analysen und Livestreams. Auch der Link in der Erstfassung dieses Artikels war falsch gesetzt: Er zeigte auf ein einzelnes Video statt auf den Kanal.
Steinauer betreibt nicht einen Kanal, sondern fünf. Neben dem deutschen Hauptkanal existieren ein englischer mit 218 Abonnenten, ein spanischer, ein Livestream-Kanal mit 669 und ein Vlog-Kanal mit 5.680 Abonnenten. Die Reichweite konzentriert sich also fast vollständig auf den deutschen Kanal.
Im Kanalprofil steht ein Empfehlungslink zu einer Krypto-Börse, den man einordnen sollte. Der Anbieter wirbt auf seiner eigenen Seite mit einem Hebel von bis zu 500x. Zum Vergleich: Innerhalb der EU dürfen Broker Privatkunden bei gehebelten Krypto-Produkten seit 2018 höchstens den Hebel 2:1 anbieten. Diese Grenze existiert nicht aus Willkür, sondern weil bei höheren Hebeln die Mehrheit der Privatkonten Geld verliert.
- Kanal: Max Steinauer
- Abonnenten: 56.100 auf dem Hauptkanal (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 1.297
- Letzte Veröffentlichung: täglich, überwiegend Livestreams
- Schwerpunkt: Krypto-Trading, Bitcoin-Analysen, Live-Handel
- Angebot dahinter: Gründer von FirstClass Trading, dazu Empfehlungslinks zu einer Krypto-Börse und zu Chartsoftware
Für wen das nichts ist: Wer Aktien oder klassische Indizes handelt. Der Kanal ist praktisch ein Krypto-Kanal. Und wer den verlinkten Börsenempfehlungen folgt, handelt außerhalb des europäischen Anlegerschutzes.
Luke Michels Trading
Der reichweitenstärkste Kanal der Auswahl und zugleich der einzige ohne eigenes Verkaufsangebot. 66.000 Abonnenten, 317 Videos, der älteste Beitrag liegt fünf Jahre zurück. Im Kanalprofil steht eine Kontaktadresse für Werbeanfragen und ein Risikohinweis. Kein Kurs, kein Abo, kein Broker-Partnerlink.
Das macht den Kanal nicht automatisch besser, aber es verschiebt die Anreize. Wer nichts verkauft, muss Zuschauer nicht in einen Funnel führen. Finanziert wird der Kanal dann über Werbeeinnahmen und bezahlte Kooperationen, die als solche gekennzeichnet sein müssen. Auch das ist eine Einnahmequelle, nur eine sichtbarere.
- Kanal: Luke Michels Trading
- Abonnenten: 66.000 (Stand: 21. August 2026)
- Videos: 317
- Letzte Veröffentlichung: wenige Tage vor dem Abruf
- Schwerpunkt: Aktien, Handelsstrategien, Marktupdates
- Angebot dahinter: kein eigenes Kurs- oder Abo-Angebot ersichtlich, Kontakt nur für Werbeanfragen
Für wen das nichts ist: Wer eine Betreuung sucht. Ohne Kurs und ohne Community bleibt es bei Videos. Wer danach Fragen hat, findet hier keine Anlaufstelle.
FirstClass Trading: das Unternehmen hinter beiden Kanälen
Max Steinauer und Tim Flossbach sind die beiden meistgesuchten Namen dieser Liste, und beide führen zum selben Unternehmen. Betreiber ist die F&S Coaching FZCO mit Sitz in Dubai, als Geschäftsleitung nennt das Impressum Maximilian Steinauer. Tim Flossbach führt sich auf LinkedIn als CEO. Weil das Angebot eine eigene Prüfung verdient hat, steht sie getrennt: Was es kostet, was die AGB regeln und wie belastbar die Trustpilot-Note ist, haben wir in unseren FirstClass Trading Erfahrungen aufgeschrieben.
Von drei Produkten haben nur zwei einen öffentlichen Preis. Die Einzelausbildung wird ausschließlich nach einem Erstgespräch verkauft, die Signal-Membership kostet 899 Euro im Jahr, das Copy-Trading-Abo 99,95 Euro im Monat. Head Trader dort ist Max Steinauer: Du bekommst seine Trades gemeldet und stellst sie auf deinem eigenen Konto nach.
Copy Trading bezeichnet ein Verfahren, bei dem ein Anleger die Positionen eines anderen Traders auf dem eigenen Konto nachbildet, statt selbst zu analysieren.
Zwei Befunde aus der Prüfung gehören auch hierher. Es gibt keinen von außen nachvollziehbaren Track Record, und die eigenen Kundenzahlen widersprechen sich mehrfach, zwei der Angaben stehen sogar auf derselben Startseite. Zugute halten muss man dem Anbieter, dass er eine Gewinngarantie im eigenen FAQ ausdrücklich verneint und auf jeder Seite einen Risikohinweis führt.
Meine Einordnung nach fast fünf Jahrzehnten am Markt: Ein Abo, das dir fremde Trades meldet, macht dich nicht zum Trader. Es macht dich zum Ausführenden. Wer die Signale nachbaut, ohne zu verstehen warum, steigt beim ersten Rückgang aus, und zwar genau dann, wenn er drinbleiben müsste. Das ist keine Kritik an diesem einen Angebot, sondern die Schwachstelle jedes Copy-Trading-Modells. Mehr dazu steht in unserem Überblick zum Copy Trading.
Was YouTube als Lernquelle taugt und wo die Grenzen liegen
YouTube ist für angehende Trader die billigste Anschauung, die es gibt, und gleichzeitig die unzuverlässigste. Beides gilt zusammen. Wer die folgenden Punkte im Kopf hat, holt mehr aus den Kanälen heraus und fällt seltener auf ein Verkaufsversprechen herein.
Vorteile von Trading-Kanälen auf YouTube
- Kostenlos und sofort verfügbar: Du siehst Marktbewegungen kommentiert, bevor du einen Euro ausgegeben hast.
- Entscheidungen in Echtzeit: In Livestreams siehst du, wie jemand unter Druck handelt. Genau das fehlt in jedem Buch.
- Nischen sind abgedeckt: Für Scalping, Smart Money oder Prop Trading findest du Spezialkanäle, für die es keine deutschsprachige Literatur gibt.
- Rückfragen sind möglich: Kommentare, Discord und Telegram geben dir einen direkten Draht, den ein Videokurs nicht hat.
- Du erkennst den Ton: Nach drei Videos weißt du, ob jemand erklärt oder verkauft. Diese Vorprüfung kostet dich nichts.
Nachteile von Trading-Kanälen auf YouTube
- Gewinner werden gezeigt, Verlierer nicht: Der Algorithmus belohnt gelungene Trades. Was du siehst, ist eine Auswahl, keine Bilanz.
- Kein Kanal in diesem Test belegt seine Ergebnisse: Weder eine geprüfte Aufzeichnung noch ein durchgehender Track Record liegt vor.
- Videos ersetzen keinen Lehrgang: Du bekommst Bruchstücke in zufälliger Reihenfolge statt eines Aufbaus, der aufeinander aufbaut.
- Der Kanal ist meist ein Verkaufsweg: Sechs der zehn geprüften Kanäle verlinken Broker oder Prop-Firmen, an deren Anmeldungen sie mitverdienen.
- Nachhandeln ohne Verständnis geht schief: Ohne eigenes Regelwerk steigst du bei der ersten Verlustserie aus und hast nichts gelernt.
So prüfst du einen Trading-YouTuber in fünf Minuten
Diese fünf Handgriffe habe ich für die zehn Kanäle oben durchgeführt, und sie funktionieren bei jedem anderen genauso. Du brauchst dafür keinen Account und kein Werkzeug, nur den Info-Bereich des Kanals und ein paar Minuten Zeit.
- Letztes Video prüfen: Geh auf den Reiter „Videos”. Liegt der jüngste Beitrag Monate zurück, ist der Kanal ein Archiv, keine laufende Quelle. Bei Selftrade Money hat genau dieser Blick den Unterschied gemacht.
- Kanalinfo aufklappen: Unter „Mehr ansehen” stehen alle verlinkten Adressen. Tauchen dort Broker, Prop-Firmen oder Börsen auf, verdient der Kanal an deiner Anmeldung mit.
- Auf Kennungen in den Adressen achten: Bausteine wie ref, aff_id oder ein Name hinter einem Schrägstrich sind Partnerkennungen. Sie sind erlaubt, aber sie erklären, warum ausgerechnet dieser Anbieter empfohlen wird.
- Nach Verlustvideos suchen: Tipp den Kanalnamen plus „Verlust” oder „Drawdown” in die kanaleigene Suche. Wer nie über Verluste spricht, zeigt dir nur die halbe Wahrheit über seinen Handel.
- Das Impressum der verlinkten Seite lesen: Dort steht, wer haftet und wo. Ein Sitz außerhalb der EU ist kein Ausschlusskriterium, aber du solltest wissen, dass eine deutsche Aufsichtsbehörde dann nicht zuständig ist.
Zwei Dinge lassen sich so nicht klären, und das ist ehrlicherweise die größere Lücke. Du erfährst weder, ob jemand tatsächlich profitabel handelt, noch mit welchem Kapitaleinsatz. Beides gibt kein Kanal von sich aus preis, und es steht auch in keinem der zehn Profile. Wer Zahlen sehen will, muss nach einer geprüften Aufzeichnung fragen und akzeptieren, dass die Antwort meistens ausbleibt.
Fazit: Reichweite ersetzt keinen Nachweis
Nach der Überprüfung aller zehn Kanäle bleibt ein nüchternes Bild. Neun senden regelmäßig, einer steht seit April 2025 still. Sechs verdienen an Broker-Empfehlungen mit. Und keiner legt eine Aufzeichnung vor, an der sich seine Handelsergebnisse überprüfen ließen. Das ist kein Skandal, es ist der Normalzustand dieser Branche.
Am meisten hat mich beim Aktualisieren überrascht, wie stark sich die Zahlen verschoben haben. Zwei Kanäle sind aus der Kategorie herausgewachsen, in der sie 2024 einsortiert waren. Einer hat ein Fünftel seiner Abonnenten verloren. Wer sich an einem Ranking aus dem Vorjahr orientiert, orientiert sich an einem Foto, nicht an der Lage.
Mein Rat nach fast fünf Jahrzehnten am Markt fällt unspektakulär aus. Nutze die Kanäle als Anschauung, nicht als Anleitung. Schau dir an, wie jemand einen Verlust wegsteckt, das lernst du sonst nur auf eigene Rechnung. Aber baue deine Entscheidungen auf ein eigenes Regelwerk und nicht darauf, dass ein Fremder auf Sendung recht behält. Wenn du dafür einen strukturierten Einstieg suchst, findest du ihn in unserem Überblick zur Trading-Ausbildung und im Leitfaden zu den häufigsten Trading-Fehlern.
Und bevor du irgendetwas nachhandelst, was du in einem Video gesehen hast: Teste es in einem Demokonto. Nicht drei Trades lang, sondern über mehrere Wochen. Wenn eine Strategie taugt, überlebt sie diese Wartezeit. Wenn nicht, hat dich das Warten nichts gekostet.
Häufige Fragen zu Trading-YouTubern
Kann man mit YouTube-Videos wirklich Trading lernen?
Teilweise. Videos zeigen dir, wie jemand einen Chart liest und unter Druck entscheidet, und das leistet kein Buch. Was sie nicht liefern, ist ein aufeinander aufbauender Lehrgang mit Übungen und Rückmeldung. Als Ergänzung zu einer strukturierten Ausbildung sind sie stark, als alleiniger Weg reichen sie nicht.
Was kostet das Copy Trading von FirstClass Trading?
Das Abo kostet 99,95 Euro pro Monat bei monatlicher Zahlung. Im Jahresabo mit zwölf Monaten Laufzeit sinkt der Preis auf 79,95 Euro monatlich, gezahlt wird weiterhin monatlich. Davon getrennt läuft die Trading Membership mit Signalgruppe: 899 Euro im Jahr oder 99,99 Euro im Monat. Stand ist der 22. August 2026, abgerufen auf den Anbieterseiten.
Was sind die Nachteile von Copy Trading?
Du gibst die Entscheidung ab, ohne die Begründung zu kennen. Läuft eine Verlustserie, fehlt dir das Verständnis, um sie durchzuhalten, und du steigst meist zum schlechtesten Zeitpunkt aus. Dazu kommen laufende Abogebühren, die auch in Verlustmonaten anfallen, und das Risiko, dass der kopierte Trader seinen Stil ändert.
Woran erkenne ich einen unseriösen Trading-YouTuber?
Warnzeichen sind versprochene Renditen, Screenshots ohne überprüfbare Aufzeichnung, Zeitdruck beim Verkauf und Videos, in denen Verluste nie vorkommen. Ein weiteres Signal ist ein Kanalprofil, das vor allem Broker-Empfehlungslinks enthält. Ein sauberer Kanal nennt Risiken von sich aus und macht sein Geschäftsmodell sichtbar.
Wie viele Abonnenten hat Max Steinauer auf YouTube?
Sein deutscher Hauptkanal hat am 21. August 2026 rund 56.100 Abonnenten bei 1.297 Videos. Daneben betreibt er einen englischen Kanal mit 218 Abonnenten, einen spanischen, einen Livestream-Kanal mit 669 und einen Vlog-Kanal mit 5.680 Abonnenten.
Wie realistisch ist es, mit Trading Geld zu verdienen?
Möglich ist es, wahrscheinlich nicht. Wer es ernsthaft versucht, braucht Jahre, ein belastbares Regelwerk und Kapital, dessen Verlust er verkraftet. Keiner der zehn Kanäle in diesem Artikel belegt seine eigenen Ergebnisse mit einer nachprüfbaren Aufzeichnung, und genau daran solltest du jedes Versprechen messen.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading. Er handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader und ist in den Märkten für Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsen aktiv. Systematische Handelsansätze beurteilt er als Praktiker von außen, sein eigener Zugang zum Markt bleibt die Chartlektüre.
Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für dieses Thema qualifiziert ihn der Blick von der anderen Seite des Tisches. In Seminaren und Einzelschulungen sitzen regelmäßig Teilnehmer, die ihr Startkapital nach Videoanleitungen aus dem Netz verloren haben. Alle Kanaldaten in diesem Artikel wurden am 21. August 2026 einzeln bei YouTube und auf den Anbieterseiten abgerufen, die Firmenangaben stammen aus den jeweiligen Impressen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.




















