Ein bullisches Fair Value Gap soll den Kurs auffangen, doch er fällt mit einem klaren Schlusskurs hindurch. Für viele Trader ist die Zone damit erledigt, für ICT-Trader fängt sie gerade erst an. Sie lesen dieselbe Lücke ab jetzt als Widerstand und warten auf den ersten Rücklauf von unten. Diese gebrochene und umgedeutete Lücke heißt Inverse Fair Value Gap, kurz IFVG.
In diesem Artikel zeige ich dir, woran du ein IFVG erkennst, wie es sich vom ungültigen Gap unterscheidet, welche drei Einstiege gängig sind und was feste Regeln über 25 Jahre im S&P 500 ergeben haben, mit und ohne einen Liquidity Sweep davor. Die Zahlen sind ernüchternd, und gerade deshalb lohnt sich der Blick. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
IFVG: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Bedeutung: Ein IFVG ist ein Fair Value Gap, durch das der Kurs mit einem Schlusskurs gebrochen ist. Danach wird die Zone mit der umgekehrten Rolle gelesen.
- Rollentausch: Ein gebrochenes bullisches Gap gilt als Widerstand, ein gebrochenes bärisches Gap als Unterstützung.
- Erkennen: Entscheidend ist der Schluss jenseits der fernen Kante. Ein Docht hindurch reicht nicht.
- Einstieg: Gängig sind drei Varianten: aggressiv beim Durchbruch der Gap-Mitte, nach dem Schlusskurs oder beim Retest der Zone.
- Unser Test: Auf SPY-Tageskerzen seit 2001 brachte die IFVG-Regel im Mittel −0,10 R je Trade. Ein vereinfachter Sweep-Filter änderte daran fast nichts, mit Trendfilter lag sie bei etwa null.
Was ist ein IFVG?
Ein Inverse Fair Value Gap (IFVG) ist ein Fair Value Gap, durch das der Kurs mit einem Schlusskurs jenseits der fernen Kante gebrochen ist und das Trader danach mit der umgekehrten Rolle lesen: als Widerstand statt Unterstützung oder umgekehrt.
Die Grundlage ist das normale Fair Value Gap. Es entsteht aus drei Kerzen: Die Spannen der ersten und der dritten Kerze überlappen sich nicht, dazwischen liegt nur die mittlere Kerze. Beim bullischen Gap reicht die Zone vom Hoch der ersten bis zum Tief der dritten Kerze, beim bärischen vom Tief der ersten bis zum Hoch der dritten Kerze. Die genaue Konstruktion erklären wir im Artikel zum Fair Value Gap.
Das IFVG ist die zweite Lesart derselben Zone. Solange ein bullisches Gap hält, erwarten Trader dort Käufer. Schließt der Kurs darunter, war diese Erwartung falsch. In der Lehre der Smart Money Concepts gilt die Zone ab dann als Bereich, an dem beim Rücklauf Verkäufer auftreten. Das ist eine Konvention, kein Gesetz: Der Chart zeigt nur, dass der Kurs die Zone gebrochen hat, nicht, wer dort beim nächsten Besuch handelt.
Das Prinzip ist älter als das Kürzel. Dass eine gebrochene Unterstützung zum Widerstand wird, kennst du aus der klassischen Chartanalyse unter dem Stichwort Support und Resistance. Das IFVG wendet diesen Rollentausch auf Gap-Zonen an. Bekannt wurde der Begriff über das Umfeld des Inner Circle Traders (ICT), in Lernvideos heißt er oft auch Inversion Fair Value Gap.
Die Grafik darunter zeigt den Ablauf an einem bullischen Gap. Erst hält die Zone als Unterstützung, dann schließt eine Kerze darunter, und beim Retest von unten wirkt dieselbe Zone als Widerstand.
IFVG, FVG und verletztes Gap: der Unterschied
Nicht jedes gebrochene Gap ist ein IFVG. In Lernvideos und Foren werden drei Fälle oft durcheinandergeworfen. Der Unterschied liegt darin, wie der Kurs mit der Zone umgeht und was du daraus machst.
| Fall | Im Chart | Lesart |
|---|---|---|
| Fair Value Gap | Rücklauf in die Zone, Kurs dreht dort | Setup in der alten Richtung |
| Verletztes Gap | Docht durch die Zone, Schluss innerhalb | Rolle unverändert |
| IFVG | Schluss jenseits der fernen Kante | Umgekehrte Rolle |
Das verletzte Gap ist der häufigste Denkfehler. Wer jede Zone umdreht, durch die ein Docht gestochen hat, handelt Lücken, die nur angekratzt wurden. Die Inversion selbst entsteht durch den Schlusskurs jenseits der fernen Kante. Viele Trader verlangen zusätzlich, dass der Bruch mit einer großen Kerze kommt, im Fachjargon Displacement: eine schnelle, raumgreifende Bewegung. Sickert der Kurs über viele kleine Kerzen durch, lassen sie das IFVG aus. Das ist ein Qualitätsfilter, kein Teil der Definition, und unser Test weiter unten enthält ihn nicht.
Bullisches und bärisches IFVG erkennen
Die Prüfung läuft in vier Schritten, und jeder lässt sich am Chart ablesen. Damit unterscheidest du ein IFVG von einer Lücke, die nur angekratzt wurde.
- Gap markieren: Ober- und Unterkante des ursprünglichen Fair Value Gaps einzeichnen, wie im FVG-Artikel beschrieben.
- Schluss prüfen: Beim bullischen Gap muss eine Kerze unter der Unterkante schließen, beim bärischen über der Oberkante. Der Docht allein zählt nicht.
- Tempo prüfen (optional): Viele Trader nehmen nur Brüche, die zügig mit einer klar größeren Kerze kommen.
- Rolle umdrehen: Ab jetzt ist das gebrochene bullische Gap ein bärisches IFVG (Widerstand), das gebrochene bärische Gap ein bullisches IFVG (Unterstützung).
Ein bullisches IFVG ist ein bärisches Fair Value Gap, über dessen Oberkante der Kurs geschlossen hat und das danach als Unterstützung für Long-Einstiege gelesen wird.
Ein bärisches IFVG ist ein bullisches Fair Value Gap, unter dessen Unterkante der Kurs geschlossen hat und das danach als Widerstand für Short-Einstiege gelesen wird.
Die Namen verwirren am Anfang, weil sie sich auf die neue Rolle beziehen. Aus einem bullischen Gap wird ein bärisches IFVG. Merk dir deshalb lieber die Frage: Von welcher Seite kommt der Kurs beim Rücklauf? Kommt er von unten, ist die Zone Widerstand. Kommt er von oben, ist sie Unterstützung.
IFVG traden: drei Einstiege, ein Stopp, ein Ziel
Bei den Einstiegen gibt es drei gängige Varianten, und sie unterscheiden sich vor allem darin, wie viel Bestätigung du abwartest. Ein früher Einstieg wartet weniger Bestätigung ab. Welcher Preis und welche Trefferquote daraus folgen, hängt von der konkreten Regel ab.
- Aggressiv: Einstieg, sobald der Kurs die Mitte des Gaps durchbricht, noch bevor die Kerze schließt. Die Mitte heißt in der ICT-Sprache Consequent Encroachment.
- Konservativ: Einstieg erst nach dem Schlusskurs jenseits der fernen Kante, also nach bestätigter Inversion.
- Retest: Warten, bis der Kurs zur gebrochenen Zone zurückläuft, und dort mit einer Limit-Order einsteigen.
Consequent Encroachment ist die Mitte eines Fair Value Gaps, also der halbe Weg zwischen seiner Ober- und Unterkante.
Eine gängige Stoppregel setzt den Stopp hinter die andere Kante der Zone. Beim Short an einem gebrochenen bullischen Gap also über der Oberkante, beim Long an einem gebrochenen bärischen Gap unter der Unterkante. Manche Trader setzen ihn stattdessen hinter das Extrem der Bruchkerze. Läuft der Kurs wieder durch die ganze Zone zurück, ist die Idee widerlegt.
Als Ziel nennen die meisten Quellen ein Chance-Risiko-Verhältnis von mindestens 2:1 oder die nächste markante Marke in der neuen Richtung, etwa ein altes Hoch oder Tief. Bringt jeder Gewinn genau +2 R und jeder Verlust genau −1 R, liegt die Gewinnschwelle bei einem CRV von 2:1 vor Kosten bei einem Drittel der Trades. Kosten heben sie an. Wie das zusammenhängt, rechnen wir im Artikel zu CRV und Trefferquote vor.
Praxisbeispiel: Turtle Soup mit IFVG im Nasdaq-Future
Wie das IFVG in der Praxis eingesetzt wird, zeigt ein Video der Prop-Firma IQ Capital vom 27. Oktober 2026. Darin handelt die Scalperin Candace Lau live auf einem Konto des Anbieters. Laut Video hat sie mit ihren beiden ICT-Modellen Auszahlungen von 2,5 Millionen Dollar erhalten. Prüfen konnten wir diese Zahl nicht.
Ihr erstes Modell nennt sie Turtle Soup, und sein Einstieg ist ein IFVG. Den Ablauf beschreibt sie im Video an einem Trade vom 6. Oktober:
- Sweep: Zur Eröffnung um 9:30 Uhr New Yorker Zeit läuft der Nasdaq-Future (NQ) über eine Reihe annähernd gleicher Hochs und fällt sofort zurück.
- Gap: Auf dem Sekunden-Chart ist kurz vorher ein bullisches Fair Value Gap entstanden.
- Inversion: Der Kurs fällt durch dieses Gap. Sie steigt aggressiv ein, sobald er die Mitte durchbricht, ohne den Kerzenschluss abzuwarten.
- Risiko: Eine Bracket-Order mit festem Stopp von 25 Punkten und Ziel von 50 Punkten, also 2:1.
Zwei Einschränkungen nennt sie selbst. Läuft das Muster langsam über viele Kerzen ab, lässt sie den Trade aus, weil ihr dann das Tempo der Eröffnung fehlt. Bei der anschließenden Erklärung ihres zweiten Modells, dem ICT 2022 Model, rät sie Anfängern, den Kerzenschluss abzuwarten, statt aggressiv einzusteigen. Die eigene Trefferquote gibt sie mit rund 40 Prozent an, das Plus soll allein aus dem Verhältnis von Gewinn zu Verlust kommen.
Der Live-Trade im Video endete mit einem Verlust. Zwei Kontrakte, Einstieg später als geplant, Stopp unter einem Orderblock: Am Ende standen 656 Dollar Minus. Danach verzichtete sie auf einen zweiten Trade, weil er gegen ihre Regeln verstoßen hätte. Für mich ist das der lehrreichste Teil des Videos: nicht das Setup, sondern die Disziplin nach dem Stopp.
Das Video stammt von einem Anbieter, der damit sein Produkt bewirbt. Wie IQ Capital als Prop-Firma abschneidet, steht in unserem IQ-Capital-Test. Die Turtle-Soup-Idee selbst ist älter als ICT: Linda Bradford Raschke beschrieb sie 1995 im Buch „Street Smarts“, das sie mit Laurence Connors schrieb, als Gegenstück zu den Ausbruchsregeln der Turtle Trader, mehr dazu im Artikel über Linda Bradford Raschke.
IFVG im Test: 25 Jahre S&P 500 mit festen Regeln
Ob ein gebrochenes Gap als Signal taugt, lässt sich zählen. Wir haben alle Tageskerzen des SPY, eines ETFs auf den S&P 500, vom 2. Januar 2001 bis zum 16. Oktober 2026 ausgewertet (Kurse von Yahoo Finance). Die Regeln standen fest, bevor wir die Ergebnisse angesehen haben.
- Gap: bullisches oder bärisches Fair Value Gap mit einer Höhe von mindestens einem Viertel der durchschnittlichen Tagesspanne (ATR über 14 Tage).
- Inversion: Binnen 20 Handelstagen schließt der Kurs jenseits der fernen Kante.
- Einstieg: in der neuen Richtung per Limit-Order an der gebrochenen Kante, beim ersten Rücklauf binnen 20 Tagen. Öffnet der Kurs schon jenseits der Kante, gilt der Eröffnungskurs.
- Ausstieg: Stopp einen Cent hinter der anderen Kante, Ziel beim Doppelten des Risikos (2R), spätestens nach 40 Tagen zum Schlusskurs.
- Eine Position je Richtung: Solange eine Order oder ein Trade offen ist, zählen neue Inversionen in derselben Richtung nicht.
So haben wir gerechnet: Die ATR ist der einfache Durchschnitt der True Range über 14 Tage. Der Trendfilter prüft den Schlusskurs am Tag der Inversion, die Filter wirken vor der Regel „eine Position je Richtung“. Die 40 Tage zählen den Einstiegstag mit. Berühren Stopp und Ziel am selben Tag beide, zählt der Stopp. Wird die Limit-Order erst im Tagesverlauf gefüllt, zählt ein Zieltreffer am Einstiegstag nicht. Öffnet der Kurs jenseits von Stopp oder Ziel, gilt der Eröffnungskurs, daher gibt es Ergebnisse außerhalb von −1 R und +2 R. Gebühren und Slippage sind nicht abgezogen. Kurse von Yahoo Finance, um Splits bereinigt, nicht um Dividenden.
Dazu kamen drei Varianten. Variante Sweep ist ein vereinfachter Sweep-Filter: Zwischen der ersten Gap-Kerze und dem Bruch muss der Kurs das höchste Hoch (beim Short) beziehungsweise das tiefste Tief (beim Long) der 20 Tage davor überschritten haben. Ob er danach sofort hinter diese Marke zurückfiel, prüft der Filter nicht. Eine vollständige Turtle-Soup-Abfolge testen wir damit also nicht. Variante Trend erlaubt Shorts nur unter und Longs nur über der 200-Tage-Linie. Die dritte Variante verlangt beides.
| Variante | Trades | Ø je Trade |
|---|---|---|
| Grundregel | 449 | −0,10 R |
| Mit Sweep | 262 | −0,09 R |
| Mit Trendfilter | 195 | 0,00 R |
| Sweep und Trend | 78 | +0,05 R |
Die Grafik fasst die vier Ergebnisse zusammen. Jeder Balken zeigt das durchschnittliche Ergebnis je Trade in R, die Zahl darüber die Anzahl der Trades.

Die Grundregel hat verloren. Von 449 Trades erreichten 131 das Ziel, eine Zielerreichungsquote von 29,2 Prozent. In Summe standen −46,8 R, im Mittel −0,10 R je Trade. Am meisten kosteten die Shorts an gebrochenen bullischen Gaps: −35,4 R über 250 Trades in einem Markt, der meistens stieg.
Der Sweep davor hat auf dem Tageschart fast nichts verbessert. Mit dem Sweep-Filter blieben 262 Trades mit 28,6 Prozent Zielerreichung und im Mittel −0,09 R. Erst der Trendfilter zog das Ergebnis auf etwa null: 195 Trades, 32,3 Prozent Zielerreichung, im Mittel 0,00 R. Mit beiden Filtern blieben 78 Trades mit +0,05 R, eine zu kleine Zahl für einen Schluss.
Ehrlich gelesen zeigt keine der vier Varianten einen belegbaren Vorteil. Bei allen vieren reicht der 95-Prozent-Unsicherheitsbereich des Mittelwerts von klar negativ bis positiv. Berechnet ist er mit der Normalverteilung als Näherung, unter der vereinfachenden Annahme, dass die Trades voneinander unabhängig sind. Die Messung gilt außerdem nur für Tageskerzen eines Aktienindex-ETFs. Ein Scalper wie Candace Lau handelt den Nasdaq-Future auf Minuten- und Sekunden-Charts zur Börseneröffnung, und dafür sagt unser Test nichts. Wer ein IFVG-Modell auf einem anderen Zeitrahmen nutzen will, muss es dort selbst prüfen, etwa mit einem Backtest.
Was die Zahlen trotzdem lehren: Ein gebrochenes Gap ist für sich genommen kein Signal. Mit Trendfilter lag der Mittelwert in dieser Stichprobe höher, ein belastbarer Vorteil ist damit aber nicht nachgewiesen. Das deckt sich mit meiner Erfahrung: Ein Setup gegen den großen Trend braucht sehr gute Gründe.
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IFVG mit Orderblock, Struktur und SMT kombinieren
Kaum ein ICT-Trader handelt ein IFVG allein. Meist kommt es als Baustein in einem größeren Modell vor. Drei Kombinationen begegnen dir am häufigsten.
IFVG nach einem Market Structure Shift
Das IFVG tritt oft genau dort auf, wo die Struktur dreht. Bricht der Kurs ein letztes Tief und schließt dabei durch ein bullisches Gap, sehen SMC-Trader darin zugleich einen Market Structure Shift und das IFVG für den Einstieg. Beide Begriffe beschreiben dann dieselbe Kerze aus zwei Blickwinkeln, sie sind also keine zwei unabhängigen Bestätigungen.
IFVG und Orderblock
Überlappen ein IFVG und ein gebrochener Orderblock, markieren viele Trader beides als eine Zone. Ein Orderblock ist die letzte Gegenkerze vor einer starken Bewegung. Vereinfacht heißt ein gebrochener Orderblock mit umgekehrter Rolle Breaker Block. Die engere ICT-Definition verlangt zusätzlich einen vorausgehenden Sweep und einen Strukturbruch. Candace Lau nutzt Orderblöcke im Video nach eigener Aussage nur für den Stopp, nicht als Ziel.
IFVG und SMT-Divergenz
Eine SMT-Divergenz ist eine Abweichung zwischen zwei eng verwandten Märkten, bei der nur einer von beiden ein Hoch oder Tief überschreitet.
ICT-Trader deuten diese Abweichung als Hinweis auf eine Umkehr. Unterschreitet etwa der E-mini Nasdaq-100 Future ein Tief, der S&P-500-Future aber nicht, werten ICT-Trader das als Zeichen für eine Umkehr. Im Video nutzt Candace Lau den ES genau so als Bestätigung für Trades im NQ. Gemessen haben wir diese Kombination nicht.
Typische Fehler beim IFVG-Trading
Die meisten Fehler entstehen, weil das IFVG zu großzügig gezählt wird. Diese vier Fehler kosten am häufigsten Geld:
- Docht statt Schluss: Eine Kerze sticht durch die Zone, schließt aber wieder innerhalb. Das ist kein IFVG.
- Jedes Gap umdrehen: Kleine, alte oder mehrfach angelaufene Gaps sind meist verbraucht. Unser Test hat deshalb eine Mindesthöhe und ein Zeitfenster von 20 Tagen.
- Gegen den Trend: Gerade der Short an gebrochenen bullischen Gaps hat in einem steigenden Markt am meisten gekostet.
- Bestätigungen doppelt zählen: Strukturbruch, IFVG und Displacement sind oft dieselbe Kerze. Drei Etiketten machen daraus keine drei Belege.
Vor- und Nachteile des IFVG
Ob sich das IFVG für dich lohnt, hängt vor allem davon ab, wie streng du es definierst. Diese Stärken und Schwächen solltest du kennen.
Vorteile des IFVG
- Klare Zone: Ober- und Unterkante stehen fest, Einstieg und Stopp lassen sich vorab planen.
- Schneller Rollenwechsel: Du merkst früh, wenn eine Erwartung falsch war, und stehst nicht weiter auf der falschen Seite.
- Gut kombinierbar: Das IFVG passt in bestehende Modelle mit Struktur, Sweep und Trendfilter.
Nachteile des IFVG
- Kein belegter Vorteil: In unserem SPY-Test lag keine Variante belastbar im Plus.
- Viel Auslegung: Was als Displacement gilt, wie groß ein Gap sein muss und welcher Docht zählt, regelt jeder anders.
- Schnelle Märkte: Auf kurzen Zeitrahmen entscheidet die Ausführung, etwa Slippage bei Marktorders.
Fazit: Ist das IFVG ein Signal oder ein Etikett?
Das IFVG ist ein sauberer Name für eine alte Beobachtung: Gebrochene Zonen wechseln oft die Rolle. Als Werkzeug hilft es dir, eine falsche Erwartung schnell aufzugeben und die Zone neu zu lesen. Als Signal für sich hat es in unserem Test über 25 Jahre SPY nicht getragen, auch nicht mit einem vereinfachten Sweep-Filter.
Wenn du IFVGs handeln willst, würde ich drei Auswahlregeln setzen: nur nach einem klaren Schlusskurs jenseits der Zone, nur in Richtung des übergeordneten Trends und nur mit einer Version, die du auf deinem Markt und Zeitrahmen selbst getestet hast.
Häufige Fragen zum IFVG
Was ist ein IFVG im Trading?
Ein IFVG (Inverse Fair Value Gap) ist ein Fair Value Gap, durch das der Kurs mit einem Schlusskurs gebrochen ist. Trader lesen die Zone danach mit umgekehrter Rolle: ein gebrochenes bullisches Gap als Widerstand, ein gebrochenes bärisches Gap als Unterstützung.
Was ist der Unterschied zwischen FVG und IFVG?
Ein FVG wird in seiner ursprünglichen Richtung gehandelt: Der Kurs läuft zurück in die Lücke und dreht dort. Ein IFVG entsteht erst, wenn genau dieses Drehen ausbleibt und der Kurs jenseits der Zone schließt. Dann wird dieselbe Zone in die Gegenrichtung gehandelt.
Wann gilt ein Fair Value Gap als invertiert?
Nach gängiger Lesart erst, wenn eine Kerze jenseits der fernen Kante schließt, beim bullischen Gap also unter der Unterkante. Ein Docht durch die Zone mit Schluss innerhalb reicht nicht. Manche Trader verlangen zusätzlich einen schnellen Bruch mit großer Kerze.
Funktioniert die IFVG-Strategie?
In unserem Test auf SPY-Tageskerzen von 2001 bis 2026 brachte eine feste IFVG-Regel im Mittel −0,10 R je Trade. Mit Trendfilter lag sie bei etwa null, mit einem vereinfachten Sweep-Filter kaum besser als ohne. Für Intraday-Charts sagt dieser Test nichts aus.
Welcher Zeitrahmen eignet sich für das IFVG?
Das Muster tritt auf jedem Zeitrahmen auf. ICT-Scalper nutzen es meist auf Minuten- oder Sekunden-Charts rund um die Börseneröffnung. Je kürzer der Zeitrahmen, desto mehr Signale entstehen und desto stärker wirken Spread und Slippage auf das Ergebnis.
Was hat Turtle Soup mit dem IFVG zu tun?
Im ICT-Modell Turtle Soup läuft der Kurs zuerst über ein markantes Hoch oder unter ein markantes Tief und dreht dann. Als Einstieg dient oft ein IFVG, also der Bruch eines Gaps in die neue Richtung. Die Turtle-Soup-Idee selbst geht auf Linda Bradford Raschke zurück.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Gebrochene Zonen und ihr Rollentausch von Unterstützung zu Widerstand gehören seit Jahrzehnten zu seiner Chartarbeit, lange bevor es das Kürzel IFVG gab. Die SPY-Auswertung in diesem Artikel folgt festen, vorab festgelegten Regeln, die Schemagrafik ist eine Zeichnung und keine Marktdaten.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.










