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Keilformation: Rising Wedge und Falling Wedge erkennen und handeln

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026

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20 Min

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Der steigende Keil gilt in den meisten Ratgebern als Verkaufssignal, doch in der Statistik von Thomas Bulkowski schneidet sein Abwärtsausbruch schlechter ab als jedes andere Abwärtsmuster: In seiner Auswertung von US-Aktien im Bullenmarkt kommen 51 Prozent dieser Ausbrüche keine 5 Prozent weit nach unten, das ergibt Platz 36 von 36. Bulkowski hat als US-Analyst Tausende Chartmuster ausgewertet. Die Keilformation ist trotzdem nützlich, nur anders, als sie meist erklärt wird.

Hier lernst du, wie du einen Rising Wedge und einen Falling Wedge erkennst, woran du sie von Dreieck und Wimpel unterscheidest und wie du Einstieg, Stopp und Kursziel festlegst. Du siehst, was die Statistik über beide Keile sagt und wo ihre Grenzen liegen. Und du erfährst, warum ein gescheiterter Keil selbst ein Signal sein kann. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Keilformation: das Wichtigste in 30 Sekunden

Die wichtigsten Punkte vorweg, falls du die Details zum Rising Wedge und Falling Wedge später liest:

  • Was sie ist: ein Chartmuster aus zwei Trendlinien, die in dieselbe Richtung zeigen und aufeinander zulaufen. Der Kurs pendelt dazwischen in immer kleineren Schwüngen.
  • Rising Wedge: Beide Linien steigen, die untere steiler. Er gilt als bärisch, bricht laut Bulkowski aber nur in 60 Prozent der Fälle nach unten aus.
  • Falling Wedge: Beide Linien fallen, die obere steiler. Er gilt als bullisch und bricht in 68 Prozent der Fälle nach oben aus.
  • Gültig ist erst der Schlusskurs außerhalb einer Linie. In 62 bis 74 Prozent der Fälle kehrt der Kurs danach noch einmal zur Ausbruchsstelle zurück.
  • Ehrlich eingeordnet: 51 Prozent der Abwärtsausbrüche aus dem steigenden Keil laufen keine 5 Prozent weit, das ist keine Verlustquote eines Handelssystems. Die Zahlen stammen aus US-Aktien im Tageschart und im Bullenmarkt, für Forex und Intraday liefern unsere Quellen keine Werte.

Was ist eine Keilformation?

Eine Keilformation (englisch Wedge) ist ein Chartmuster aus zwei Trendlinien, die in dieselbe Richtung zeigen und aufeinander zulaufen, sodass der Kurs zwischen ihnen in immer kleineren Schwüngen pendelt.

Der Name beschreibt die Form. Die obere Linie verbindet die Hochs, die untere die Tiefs. Weil beide Linien sich annähern, sieht das Muster aus wie ein Keil, der schräg im Chart liegt. Zeigt er nach oben, heißt er Rising Wedge oder steigender Keil. Zeigt er nach unten, heißt er Falling Wedge oder fallender Keil.

Die Botschaft steckt in der Verengung. Im steigenden Keil macht der Kurs zwar neue Hochs, aber jedes Hoch liegt nur noch knapp über dem letzten. Die Käufer schaffen immer weniger Raumgewinn. Im fallenden Keil ist es umgekehrt: Die Tiefs fallen, aber jedes neue Tief liegt nur wenig unter dem vorigen. Die Verkäufer verlieren an Schwung. Deshalb erwartet die klassische Lehre einen Ausbruch gegen die Neigung des Keils. Die Grafik darunter zeigt beide Keile untereinander, mit den Berührungen, dem Ausbruch und den Quoten nach Bulkowski.

Rising Wedge und Falling Wedge im Vergleich: zwei zusammenlaufende Trendlinien mit Ausbruchsquoten nach Bulkowski
Rising Wedge und Falling Wedge: Linien, Berührungen und Ausbruch per Schlusskurs, Quoten nach Bulkowski (US-Aktien). Zum Vergrößern antippen.

Für ein sauberes Muster braucht es genug Berührungen. Bulkowski nennt in seiner Auswertung zum Falling Wedge als Merkmal eines guten Musters mindestens fünf Berührungen, drei an der einen und zwei an der anderen Linie, und eine Dauer von mindestens drei Wochen. Kürzer ist es für ihn ein Wimpel. Die ChartSchool von StockCharts nennt für den fallenden Keil als Umkehrmuster eine typische Bildungszeit von drei bis sechs Monaten nach einem mindestens dreimonatigen Abwärtstrend. Beide Angaben beziehen sich auf den Tageschart.

Keil, Dreieck oder Wimpel: der Unterschied

Drei Muster laufen spitz zusammen, und sie werden ständig verwechselt. Entscheidend ist die Neigung der beiden Trendlinien:

MusterWoran du es erkennst
KeilBeide Linien zeigen in dieselbe Richtung, nach oben oder nach unten
DreieckEine Linie waagerecht oder beide in Gegenrichtung
WimpelWie ein kleines Dreieck nach einem steilen Impuls, meist nur Tage bis drei Wochen

Beim Dreieck ist mindestens eine Seite flach oder die Linien kommen von oben und unten. Das aufsteigende Dreieck hat eine waagerechte Oberkante und steigende Tiefs, der steigende Keil dagegen steigende Hochs und steigende Tiefs. Alle Dreiecksformen zeigt der Ratgeber zum Dreieck-Chartmuster. Der Wimpel ist eine kurze Pause nach einer schnellen Bewegung, erklärt im Beitrag zum Wimpel-Chartmuster. Die übrigen Formationen im Überblick findest du unter den zehn wichtigsten Chartmustern.

Rising Wedge: der steigende Keil

Ein Rising Wedge (steigender Keil) ist eine Keilformation mit zwei steigenden, zusammenlaufenden Trendlinien, bei der die untere Linie steiler steigt als die obere.

Der Kurs macht höhere Hochs und höhere Tiefs, also formal einen Aufwärtstrend. Die Tiefs steigen aber schneller als die Hochs. Jede Erholung von der unteren Linie trägt den Kurs ein Stück weniger weit nach oben. Die ChartSchool zum Rising Wedge beschreibt genau diese immer kürzeren Anstiege als Zeichen nachlassender Kaufkraft. Das Volumen fiel laut Bulkowski in 79 Prozent der Fälle bis zum Ausbruch.

Der steigende Keil kommt in zwei Lagen vor. Am Ende eines Aufwärtstrends gilt er als Umkehrmuster: Die Bewegung läuft aus, und ein Bruch der unteren Linie leitet die Wende ein. Innerhalb eines Abwärtstrends gilt er als Fortsetzungsmuster: Der Kurs erholt sich zäh nach oben und fällt danach weiter. In beiden Fällen erwartet die Lehre den Ausbruch nach unten. Wie du eine Wende von einer bloßen Pause unterscheidest, zeigt der Ratgeber Trendumkehr erkennen.

Die Statistik bremst die Erwartung. In Bulkowskis Auswertung von mehr als 1.400 Fällen brach der steigende Keil in 60 Prozent nach unten aus, in 40 Prozent also nach oben. Ein Keil, der in vier von zehn Fällen gegen die Lehrmeinung ausbricht, ist kein Verkaufssignal. Er ist ein Hinweis, dass der Trend an Kraft verliert, und die Richtung entscheidet erst der Ausbruch.

Falling Wedge: der fallende Keil

Ein Falling Wedge (fallender Keil) ist eine Keilformation mit zwei fallenden, zusammenlaufenden Trendlinien, bei der die obere Linie steiler fällt als die untere.

Der Kurs macht tiefere Hochs und tiefere Tiefs, aber die neuen Tiefs werden flacher. Die Verkäufer drücken den Kurs zwar noch unter das letzte Tief, doch nur noch knapp. Die ChartSchool zum Falling Wedge liest daraus, dass Käufer nach jedem neuen Tief früher einsteigen. Das Volumen fiel laut Bulkowski in 72 bis 75 Prozent der Fälle bis zum Ausbruch.

Auch der fallende Keil hat zwei Lagen. Nach einem längeren Abwärtstrend gilt er als Bodenbildung und kündigt eine Wende nach oben an. Innerhalb eines Aufwärtstrends ist er eine Korrektur, die schräg nach unten läuft, ähnlich einer Flagge. Danach erwartet die Lehre die Fortsetzung nach oben. Wie sich der Keil von der parallelen Flagge unterscheidet, zeigt der Beitrag zur Bull Flag.

Der fallende Keil hält, was die Lehre verspricht, öfter als sein Gegenstück. Bei Bulkowski brach er in 68 Prozent der mehr als 800 Fälle nach oben aus. Bulkowski hält ihn trotzdem für ein schwaches Muster, weil die Fehlerrate hoch und der durchschnittliche Anstieg im Vergleich zu anderen bullischen Formationen gering ist. Er selbst schreibt am Ende seines Beispiels, das sei ein gutes Beispiel, warum er Keile meidet.

Wie zuverlässig ist die Keilformation? Bulkowskis Zahlen

Viele Ratgeber nennen Keile zuverlässig, aber keine Zahl. Thomas Bulkowski hat Chartmuster in US-Aktien ausgewertet und für jedes Muster festgehalten, wie oft es scheitert, wie oft es sein Ziel erreicht und wie es im Vergleich abschneidet. Die Werte unten gelten für den Bullenmarkt und jeweils für den Ausbruch in die Richtung, die die Lehre erwartet, beim Rising Wedge also nach unten, beim Falling Wedge nach oben:

KennzahlRising: abwärtsFalling: aufwärts
Ausbruch in Lehrrichtung60 %68 %
Fehlerrate51 %26 %
Kursziel erreicht32 %62 %
Rücklauf zum Ausbruch72 %62 %
Rang (1 = bester)36/3631/39

Die Ränge stammen aus zwei getrennten Ranglisten, einer für Abwärtsausbrüche mit 36 Mustern und einer für Aufwärtsausbrüche mit 39 Mustern, jeweils im Bullenmarkt. Sie sind deshalb nicht unmittelbar miteinander vergleichbar.

Die Fehlerrate (Break Even Failure Rate) gibt bei Bulkowski an, wie viele Muster nach dem Ausbruch nicht wenigstens 5 Prozent in die Ausbruchsrichtung laufen.

Der Abwärtsausbruch aus dem steigenden Keil ist das Sorgenkind. Jeder zweite scheitert an dieser 5-Prozent-Hürde, nur knapp ein Drittel erreicht das Kursziel, und im Vergleich aller Abwärtsmuster liegt er auf dem letzten Platz. Bulkowski nennt steigende Keile mit Abwärtsausbruch eines der schlechtesten Chartmuster überhaupt. Der fallende Keil schneidet besser ab: Drei von vier Aufwärtsausbrüchen schaffen die 5 Prozent, knapp zwei von drei das Ziel. In der Rangliste liegt er trotzdem nur auf Platz 31 von 39.

Überraschend ist der Ausbruch gegen die Lehrmeinung. Bricht der steigende Keil nach oben aus, scheitert er laut Bulkowskis Seite zum Rising Wedge nur in 19 Prozent der Fälle, und 63 Prozent erreichen das Ziel. Der seltene Fall ist hier der stärkere. Für den fallenden Keil mit Abwärtsausbruch liegen die Werte bei 29 Prozent Fehlerrate und 29 Prozent erreichtem Ziel. Praktisch heißt das: Lege dich nicht vorab auf eine Richtung fest, sondern lass den Schlusskurs entscheiden. Die Grafik darunter stellt Fehlerrate und Zielquote für alle vier Fälle nebeneinander.

Keilformation Statistik nach Bulkowski: Fehlerrate und erreichte Kursziele für Rising und Falling Wedge je Ausbruchsrichtung
Fehlerrate und erreichte Kursziele beider Keile je Ausbruchsrichtung nach Bulkowski (US-Aktien, Bullenmarkt, Stand 2020). Zum Vergrößern antippen.

Was diese Zahlen nicht sagen

Die Statistik hat klare Grenzen, und du solltest sie kennen, bevor du sie zitierst. Bulkowski misst US-Aktien im Tageschart. Für Devisen, Kryptowährungen, Futures oder den Intraday-Chart liefern die hier verwendeten Quellen keine vergleichbaren Zahlen. Die Werte wurden zuletzt am 27. August 2020 aktualisiert. Der Bullenmarkt ist bei ihm alles außer den beiden großen Baissen 2000 bis 2002 und 2007 bis 2009.

Den durchschnittlichen Anstieg lasse ich bewusst weg. Bulkowski misst ihn rückblickend ab der Eröffnung am Tag nach dem Ausbruch bis zum späteren Extremkurs, den beim Trade niemand im Voraus kennt. Fehlerrate und Zielquote beschreiben, wie oft bestimmte Kursmarken erreicht werden. Ob vorher dein Stopp ausgelöst worden wäre, zeigen sie nicht. Beide sind Musterstatistik und keine Ergebnisse des hier beschriebenen Handelsplans. Wer selbst messen will, wie gut ein Muster in seinem Markt funktioniert, findet das Vorgehen im Ratgeber zum Backtesting.

So handelst du den Rising Wedge und den Falling Wedge

Der Handel mit dem Keil folgt drei Fragen: Wo steige ich ein, wo liegt mein Stopp, wo nehme ich Gewinn mit? Die Regeln gelten für beide Keile und beide Richtungen. Im Long handelst du den Ausbruch nach oben, im Short den Ausbruch nach unten.

Einstieg: am Ausbruch oder im Rücklauf

Ein Ausbruch aus dem Keil gilt erst als bestätigt, wenn eine Kerze außerhalb einer der beiden Trendlinien schließt.

Ein Docht durch die Linie reicht nicht. Bulkowski rät, vor dem Einstieg einen Schlusskurs außerhalb abzuwarten. Die ChartSchool hält es zusätzlich mitunter für klug, beim fallenden Keil den Bruch des letzten Zwischenhochs abzuwarten, beim steigenden Keil den Bruch des letzten Zwischentiefs. Damit wartest du auf eine zusätzliche Bestätigung und steigst später ein. Ob das in deinem Markt genug Fehlausbrüche aussortiert, müsste ein eigener Test zeigen. Mehr zu Ausbrüchen allgemein steht im Beitrag zum Breakout-Trading.

Ein Rücklauf ist die Rückkehr des Kurses zur Ausbruchsstelle nach dem Ausbruch, bei Bulkowski innerhalb von 30 Tagen; nach oben heißt er Throwback, nach unten Pullback.

Der häufige Rücklauf bietet eine zweite Einstiegsmöglichkeit, aber keinen belegten Vorteil. Bei beiden Keilen kehrte der Kurs in 62 bis 74 Prozent der Fälle zur Ausbruchsstelle zurück. Wer nicht am Ausbruch einsteigt, wartet im Long auf den Rücksetzer an die gebrochene Oberkante, im Short auf die Erholung an die gebrochene Unterkante. Das Signal ist eine Kerze, die dort wieder in Ausbruchsrichtung schließt, im Long über ihrer Eröffnung, im Short darunter. Eingestiegen wird zur Eröffnung der folgenden Kerze. Dafür verpasst du die Ausbrüche, die ohne Rücklauf durchlaufen. Beim steigenden Keil schreibt Bulkowski außerdem, dass Rückläufe die spätere Wertentwicklung verschlechtern. Wie du solche Rücksetzer handelst, zeigt der Beitrag zu Pullback-Strategien.

Stopp: an die letzte Spitze im Keil

Der Stopp gehört dorthin, wo das Muster widerlegt wäre. Im Long, also nach einem Ausbruch über die Oberkante, liegt er unter dem letzten Tief im Keil. Im Short, nach einem Ausbruch unter die Unterkante, liegt er über dem letzten Hoch im Keil. Das gilt für beide Keile, auch für die Ausbrüche gegen die Lehrrichtung. Gemeint ist knapp jenseits der Marke, nicht auf ihr. Ein Stopp garantiert keinen Preis: Springt der Kurs über Nacht darüber hinweg, wird er erst zum nächsten handelbaren Kurs ausgeführt. Wer am Rücklauf einsteigt, kann den Stopp unter das Rücklauftief im Long oder über das Rücklaufhoch im Short legen. Wie du die Order sauber setzt, steht unter Stop-Loss-Order richtig setzen.

Kursziel: die Messregel

Die Messregel ist bei Chartmustern eine Faustformel, die aus der Höhe des Musters ein Mindestziel für die Bewegung nach dem Ausbruch ableitet.

Für den Keil gibt es zwei gängige Varianten. Bulkowski nimmt beim fallenden Keil das höchste Hoch im Muster als Kursziel, also den Startpunkt des Keils. Beim steigenden Keil mit Abwärtsausbruch ist es das tiefste Tief. Als zweite Variante misst er die Höhe des Keils vom höchsten Hoch bis zum tiefsten Tief, multipliziert sie mit der Quote der erreichten Ziele und trägt das Ergebnis ab dem Ausbruchskurs ab. Für die Ausbrüche gegen die Lehrrichtung gibt Bulkowski kein Ziel am Startpunkt an. Dort bleibt die zweite Variante mit der passenden Quote: 0,63 für den steigenden Keil nach oben, 0,29 für den fallenden Keil nach unten. Die ChartSchool hält eine Messtechnik für den steigenden Keil für nicht verfügbar und rät, das Ziel aus anderen Marken abzuleiten.

Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen zeigt, wie weit die Varianten auseinanderliegen. Ein fallender Keil beginnt am Hoch bei 120 und hat sein tiefstes Tief bei 100, die Höhe beträgt also 20. Der Ausbruch über die Oberkante erfolgt bei 106. Das Ziel am Startpunkt liegt bei 120. Die zweite Variante ergibt 106 plus 20 mal 0,62, also rund 118. Die volle Keilhöhe ab Ausbruch ergäbe 126, für dieses Ziel nennt Bulkowski keine Trefferquote. Ob sich der Trade lohnt, rechnest du mit dem Chance-Risiko-Verhältnis nach. Die Grafik darunter zeigt das Beispiel mit Ausbruch, Rücklauf, Stopp und beiden Zielen.

Falling Wedge Kursziel berechnen: Rechenbeispiel mit Ausbruch bei 106, Stopp unter 100 und Zielen bei 118 und 120
Falling Wedge als Rechenbeispiel mit runden Zahlen: Ausbruch bei 106, Stopp unter 100, Ziele bei rund 118 und 120. Zum Vergrößern antippen.

Volumen: beim fallenden Keil wichtiger

Beim fallenden Keil ist steigendes Volumen am Ausbruch ein gutes Zeichen. Die ChartSchool nennt es einen wesentlichen Bestandteil, und Bulkowski schreibt, dass Aufwärtsausbrüche mit hohem Volumen am Ausbruchstag besser abschneiden. Beim steigenden Keil hält die ChartSchool das Volumen für weniger wichtig, wertet steigendes Volumen am Bruch der Unterkante aber als Bestätigung. Im Devisenmarkt gibt es kein zentrales Volumen, dort zeigt die Software nur die Zahl der Kursänderungen. Wie du Umsätze im Chart liest, erklärt der Ratgeber zur Volumenanalyse im Trading.

Ein möglicher Handelsplan in fünf Schritten

Die Schritte unten fassen die Regeln zusammen. Sie sind ein möglicher Handelsplan und kein getestetes System. Jeder Schritt gilt im Long wie im Short:

  1. Muster prüfen: Beide Linien zeigen in dieselbe Richtung, laufen zusammen und haben zusammen mindestens fünf Berührungen. Im Tageschart dauert das Muster mindestens drei Wochen.
  2. Ausbruch abwarten: Eine Kerze schließt außerhalb, im Long über der Oberkante, im Short unter der Unterkante. Die Richtung des Keils allein ist kein Grund für eine Position.
  3. Einstieg wählen: zur Eröffnung der nächsten Kerze oder im Rücklauf. Dort erst, wenn an der gebrochenen Linie eine Kerze wieder in Ausbruchsrichtung schließt, im Long über ihrer Eröffnung, im Short darunter, und dann zur Eröffnung der folgenden Kerze.
  4. Stopp setzen: im Long knapp unter das letzte Tief im Keil, im Short knapp über das letzte Hoch im Keil.
  5. Ziel festlegen: In den Lehrfällen, also beim fallenden Keil nach oben und beim steigenden Keil nach unten, ist es der Startpunkt des Keils. In den Gegenfällen trägst du die Keilhöhe mal 0,63 (steigender Keil nach oben) oder mal 0,29 (fallender Keil nach unten) ab dem Ausbruchskurs ab, im Long nach oben, im Short nach unten. Reicht der Weg bis dorthin nicht für ein vernünftiges Verhältnis zum Stopp, lässt du den Trade aus.
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Fehlausbrüche und gescheiterte Keile

Ein gescheiterter Keil (Busted Pattern) liegt vor, wenn der Kurs nach dem Ausbruch höchstens 10 Prozent in die Ausbruchsrichtung läuft, dann dreht und per Schlusskurs auf der gegenüberliegenden Seite des Musters ausbricht.

Bei einem Muster mit hoher Fehlerrate ist das Scheitern selbst eine Information. Bulkowski beschreibt beim fallenden Keil einen Ablauf, der manchmal vorkommt: Der Kurs bricht nach unten aus, biegt dann um die Spitze des Keils herum und steigt kräftig. Er nennt das eine Gelegenheit auf der Long-Seite. Beim steigenden Keil ist der Spiegelfall denkbar: Ein Abwärtsausbruch scheitert, der Kurs kehrt in den Keil zurück und bricht über die Oberkante aus. Die Zahlen zu Aufwärtsausbrüchen weiter oben gelten für alle Aufwärtsausbrüche und erlauben keine Aussage über diesen besonderen Ablauf.

Den Fehlausbruch erkennst du am Schlusskurs, nicht am Docht. Schließt die Kerze nach dem Ausbruch wieder im Keil, ist der Ausbruch fraglich, aber der Keil ist damit noch nicht gescheitert. Gescheitert ist er erst mit dem Schlusskurs auf der Gegenseite. Kurze Überschreitungen einer Linie können Stopps auslösen. Aus dem Chart allein erkennst du aber nicht, welche Orders ausgeführt wurden oder wodurch die Bewegung entstand. Wie solche Bewegungen ablaufen, erklären die Beiträge zum Liquidity Sweep und zur Bullenfalle und Bärenfalle. Wie du gezielt gegen einen gescheiterten Ausbruch handelst, zeigt der Beitrag zum Fake-Out-Trading.

Ein weiterer Hinweis ist der Ort des Ausbruchs. Laut Bulkowski erfolgen die Ausbrüche im Schnitt nach 61 bis 62 Prozent des Wegs zur Spitze beim fallenden Keil und nach 67 Prozent bei Aufwärtsausbrüchen aus dem steigenden Keil. Läuft der Kurs weit darüber hinaus bis fast in die Spitze, weicht das Muster vom typischen Verlauf ab. Dann prüfst du, ob noch ein Keil vorliegt oder schon eine Seitwärtsphase, wie sie der Ratgeber zur Konsolidierung im Trading beschreibt.

Verwandte Muster: Wolfe Wave, Broadening Wedge und Flagge

Der Keil hat Verwandte, die ähnlich aussehen und anders gelesen werden. Die Tabelle grenzt sie ab, damit du im Chart das richtige Muster benennst:

MusterUnterschied zum Keil
Wolfe WaveFünf Wellen in einem Keil, mit eigener Ziellinie von Punkt 1 zu 4
Broadening WedgeDie Linien laufen auseinander statt zusammen
FlaggeParallele Linien gegen den Trend, kurz nach einem Impuls

Die Wolfe Wave ist eine Sonderform des Keils mit festem Wellenschema. Sie zählt fünf Wendepunkte und leitet das Ziel aus der Linie von Punkt 1 zu Punkt 4 ab. Wie das geht, steht im Beitrag zur Wolfe Wave. Der Broadening Wedge, bei Bulkowski Ascending oder Descending Broadening Wedge, öffnet sich statt sich zu schließen. Die Flagge läuft parallel und gegen den Trend, die bärische Variante erklärt der Beitrag zur Bärenflagge. Die Linien selbst zeichnest du mit den Regeln aus dem Beitrag zu Trendlinien im Trading.

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Vorteile und Nachteile der Keilformation

Der Keil ist ein brauchbares Werkzeug, solange du ihn nicht als Richtungsprognose liest. Die Liste fasst zusammen, was die Bauart und Bulkowskis Zahlen zeigen:

Was für die Keilformation spricht

  • Klare Marken: Linien, letztes Hoch und letztes Tief geben Einstieg und Stopp vor.
  • Früher Hinweis: Die Verengung zeigt nachlassende Kraft, bevor der Trend bricht.
  • Zweite Chance: In 62 bis 74 Prozent der Fälle kehrt der Kurs zur Ausbruchsstelle zurück.
  • Falling Wedge solide: In Bulkowskis Bullenmarkt-Auswertung 68 Prozent Aufwärtsausbrüche, drei von vier schaffen die 5-Prozent-Hürde.

Was gegen die Keilformation spricht

  • Unsichere Richtung: Der steigende Keil bricht in vier von zehn Fällen nach oben aus.
  • Schwacher Abwärtsausbruch: In Bulkowskis Bullenmarkt-Auswertung läuft jeder zweite keine 5 Prozent weit, Rang 36 von 36.
  • Ermessenssache: Wo die Linien liegen, entscheidet der Zeichner, und zwei Trader sehen zwei Keile.
  • Schmale Datenbasis: Die genutzten Zahlen gelten nur für US-Aktien im Tageschart.
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Fazit: Der Keil zeigt nachlassende Kraft, die Richtung zeigt der Ausbruch

Die Keilformation beschreibt sehr gut, was im Markt passiert: Eine Bewegung verliert an Schwung. Das ist eine wertvolle Information, weil sie dich warnt, bevor der Trend bricht. Eine verlässliche Richtungsprognose ist sie nicht, vor allem beim steigenden Keil.

Die Zahlen widersprechen der verbreiteten Lehre an einer Stelle deutlich. Der fallende Keil hält meist, was er verspricht. Der steigende Keil mit Abwärtsausbruch dagegen verfehlt in jedem zweiten Fall schon die 5-Prozent-Marke, während sein seltener Ausbruch nach oben gut abschneidet. Das ist eine Auswertung aus US-Aktien im Bullenmarkt, aber sie reicht, um den Satz vom zuverlässigen Verkaufssignal zu streichen.

Ich würde den Keil deshalb so nutzen: als Hinweis, wo du hinschauen solltest, nicht als Signal. Warte auf den Schlusskurs außerhalb, nimm den Rücklauf als zweite Chance und lege den Stopp an die letzte Spitze im Keil. Scheitert der Ausbruch, ist das kein bloßes Ärgernis: Bulkowski sieht im gescheiterten fallenden Keil ausdrücklich eine Gelegenheit in die Gegenrichtung. Die Feinarbeit am Einstieg leistet die Price Action.

Häufige Fragen zur Keilformation

Was ist eine Keilformation im Trading?

Eine Keilformation ist ein Chartmuster aus zwei Trendlinien, die in dieselbe Richtung zeigen und aufeinander zulaufen. Zeigt der Keil nach oben, heißt er Rising Wedge, zeigt er nach unten, Falling Wedge. Die Verengung zeigt, dass die laufende Bewegung an Schwung verliert.

Ist ein Rising Wedge bullisch oder bärisch?

Der Rising Wedge gilt als bärisch, die Statistik ist aber nur knapp auf dieser Seite. Laut Thomas Bulkowski bricht er in 60 Prozent der Fälle nach unten aus. Von diesen Abwärtsausbrüchen laufen 51 Prozent keine 5 Prozent weit, bei den selteneren Aufwärtsausbrüchen sind es nur 19 Prozent. Die Werte gelten für US-Aktien im Bullenmarkt.

Ist ein Falling Wedge bullisch?

Ja, der Falling Wedge gilt als bullisch und bestätigt das in der Statistik öfter als sein Gegenstück. Bulkowski zählt in seiner Bullenmarkt-Auswertung 68 Prozent Ausbrüche nach oben. Drei von vier davon laufen mindestens 5 Prozent weiter, knapp zwei von drei erreichen das Kursziel am Startpunkt des Keils.

Was ist der Unterschied zwischen Keil und Dreieck?

Beim Keil zeigen beide Linien in dieselbe Richtung, beim Dreieck nicht. Ein Dreieck hat entweder eine waagerechte Seite oder zwei Linien, die von oben und unten aufeinander zulaufen. Der steigende Keil hat steigende Hochs und steigende Tiefs, das aufsteigende Dreieck eine flache Oberkante.

Wie berechnet man das Kursziel eines Keils?

In den beiden Lehrfällen dient der Startpunkt des Keils als Ziel. Beim fallenden Keil mit Aufwärtsausbruch ist das das höchste Hoch im Muster, beim steigenden Keil mit Abwärtsausbruch das tiefste Tief. Alternativ misst du die Höhe des Keils, multiplizierst sie mit der Quote der erreichten Ziele und trägst sie ab dem Ausbruchskurs ab. Diese Variante gilt auch für die Ausbrüche gegen die Lehrrichtung.

Funktioniert die Keilformation auch im Forex und bei Krypto?

Das Muster lässt sich in jedem Markt zeichnen, die hier genutzten Zahlen gelten aber nur für US-Aktien. Bulkowskis Zahlen stammen aus Aktien im Tageschart. Für Devisen, Kryptowährungen und den Intraday-Chart liefern die hier verwendeten Quellen keine vergleichbaren Zahlen, im Devisenmarkt fehlt zudem echtes Volumen.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader an den Märkten.

Sein Handel kommt ohne technische Indikatoren aus. Er tradet Forex-Majors und -Minors allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für dieses Thema ist er qualifiziert, weil er Chartmuster an veröffentlichten Daten prüft, statt ihren Ruf zu übernehmen. Die Kennzahlen stammen aus der Auswertung von Thomas Bulkowski, Statistikstand 27. August 2020, abgerufen am 18. Oktober 2026, mit den Begriffsdefinitionen aus seinem Glossar. Die Merkmale der Muster sind zusätzlich an der ChartSchool von StockCharts abgeglichen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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