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Carry Trade erklärt: So funktioniert der Yen Carry Trade und so teuer wird eine Auflösung

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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Im Sommer 2024 hat der Dollar gegenüber dem Yen in zehn Wochen so viel verloren, wie der Zinsvorsprung in rund zweieinhalb Jahren eingebracht hätte. Genau das ist das Geschäft und das Risiko eines Carry Trades: Er verdient langsam und verliert schnell.

Hier bekommst du die Funktionsweise mit einem Rechenbeispiel und die Geschichte des Yen Carry Trades. Dazu kommt eine eigene Rechnung auf Basis der EZB-Referenzkurse, wie viele Jahre Zinsertrag die großen Auflösungswellen 2007/08 und 2024 gekostet haben. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Carry Trade: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Ein Carry Trade ist eine Strategie, bei der du dir Geld in einer Niedrigzinswährung leihst und es in einer Hochzinswährung anlegst. Der Ertrag ist die Zinsdifferenz.
  • Der Yen ist seit Jahren die wichtigste Finanzierungswährung. Japan hatte von 2016 bis März 2024 sogar einen negativen Leitzins.
  • Die BIZ schätzte den Yen Carry Trade vor dem August 2024 auf rund 40 Billionen Yen, also etwa 250 Milliarden Dollar, und hält das eher für zu niedrig.
  • Nach unserer Rechnung kostete die Auflösung 2024 rund 2,6 Jahre Zinsertrag, die von 2007/08 rund 4,7 Jahre. Grundlage sind die Referenzkurse der EZB.
  • Heute liegt der Zinsvorsprung des Dollars gegenüber dem Yen bei rund 2,6 Prozentpunkten. Ein Rückschlag wie 2024 würde damit gut fünf Jahre Zinsertrag kosten.

Was ist ein Carry Trade?

Ein Carry Trade ist eine Strategie, bei der ein Anleger Geld in einer Währung mit niedrigem Zins leiht und in einer Währung oder Anlage mit höherem Zins anlegt, um die Zinsdifferenz zu vereinnahmen.

Der Begriff kommt vom englischen Wort für tragen. Mit Carry ist der laufende Ertrag gemeint, den eine Position Tag für Tag abwirft, solange sich der Kurs nicht bewegt. Im Deutschen spricht man auch von Zinsdifferenzgeschäft. Eine knappe Definition findest du im Glossar der Bundesbank, eine längere bei Wikipedia.

Eine Finanzierungswährung ist die Währung, in der sich ein Carry Trader das Geld leiht, weil dort die Zinsen besonders niedrig sind.

Ein Carry Trade lebt davon, dass die Finanzierungswährung ruhig bleibt. Ob das noch gilt, siehst du nicht am Zinsunterschied, sondern daran, wohin das Geld läuft. Money Flow Tape misst genau das, in 17 Bereichen und auf zwei Zeitachsen, den letzten Wochen und den letzten Monaten. Für den Yen-Carry-Trade ist vor allem interessant, ob Anlagen, die mit geliehenem Geld gekauft werden, gerade Zuflüsse oder Abflüsse sehen.

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Die Idee ist einfach, das Risiko steckt im Wechselkurs. Solange die Hochzinswährung stabil bleibt oder steigt, kassierst du die Zinsdifferenz und oft zusätzlich einen Kursgewinn. Fällt sie aber gegenüber der Finanzierungswährung, frisst der Kursverlust den Zinsertrag auf. Weil viele Carry Trader mit Hebel arbeiten, kann das sehr schnell gehen.

Carry Trades gibt es nicht nur im Devisenhandel. Große Anleger nutzen billige Yen-Kredite auch, um US-Anleihen, Aktien oder Kryptowerte zu kaufen. Deshalb reicht die Wirkung einer Auflösung weit über den Devisenmarkt hinaus, wie der August 2024 gezeigt hat. Den typischen Makro-Ansatz dahinter beschreiben wir im Beitrag zu Global Macro.

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So funktioniert ein Carry Trade: Rechenbeispiel mit USD/JPY

Nimm an, du kaufst am 15. September 2026 US-Dollar gegen Yen im Gegenwert von 100.000 Dollar. Du verkaufst also Yen, für die aktuell rund 1,0 Prozent Zinsen anfallen, und hältst Dollar, für die die Fed ein Zielband von 3,50 bis 3,75 Prozent vorgibt. In der Mitte gerechnet bleibt ein Zinsvorsprung von rund 2,6 Prozentpunkten.

GrößeWertRechnung
Positionsgröße100.000 USDzu 155,00 Yen
Zinsvorsprungrund 2,6 %3,625 minus 1,0
Carry pro Jahrrund 2.625 USDvor Kosten
Carry pro Tagrund 7,20 USD2.625 : 365
1 % Kursverlust1.000 USD4,6 Monate Carry
Vereinfachtes Rechenbeispiel ohne Zinseszins, Spreads, Broker-Aufschläge und Steuern. Zinsen Stand 15.09.2026, USD/JPY nach EZB-Referenzkurs.

Die Tabelle zeigt das Grundproblem jedes Carry Trades. Ein einziges Prozent Kursverlust kostet mehr als vier Monate Zinsertrag. Fällt USD/JPY von 155,00 auf etwa 150,93 Yen, ist der Ertrag eines ganzen Jahres weg. Solche Bewegungen schafft das Paar in ruhigen Phasen innerhalb weniger Wochen, in unruhigen an einem Tag.

Ein Swap ist im Devisenhandel die Gutschrift oder Belastung, die ein Broker für eine über Nacht gehaltene Position verbucht und die sich aus der Zinsdifferenz der beiden Währungen ableitet.

Im Devisenhandel bekommst du den Carry nicht als Zinszahlung, sondern als Swap. Hältst du eine Position über Nacht, schreibt dir der Broker eine Swap-Gutschrift gut oder belastet dich mit einer Gebühr. Wie sich dieser Betrag berechnet, erklärt unser Beitrag zu Swaps und Rollover-Kosten. Den Grundaufbau eines Währungspaars findest du im Einstieg zum Forex-Trading.

Der Yen Carry Trade: warum ausgerechnet Japan?

Der Yen Carry Trade ist ein Carry Trade, bei dem sich Anleger Geld in japanischen Yen leihen und in höher verzinsten Währungen oder Anlagen außerhalb Japans investieren.

Japan hatte über Jahrzehnte die niedrigsten Zinsen unter den großen Volkswirtschaften. Im Januar 2016 führte die Bank of Japan sogar Negativzinsen ein und berechnete den Banken auf einen Teil ihrer Einlagen minus 0,1 Prozent. Erst am 19. März 2024 endete diese Phase. In dieser Zeit war der Yen die billigste große Währung, die man sich leihen konnte.

Von 2021 bis 2024 lief der Trade besonders gut, und das siehst du am Wechselkurs. Die Fed hob ihre Zinsen ab 2022 kräftig an, die BoJ blieb im Minus. Am 31. Juli 2024 lag das Zielband der Fed bei 5,25 bis 5,50 Prozent, so steht es im Beschluss der Fed. Nach EZB-Referenzkurs stieg USD/JPY vom 4. Januar 2021 bis zum 3. Juli 2024 von 102,98 auf 161,91 Yen, also um 57 Prozent. Wer Yen leihen und Dollar halten konnte, verdiente an Zins und Kurs zugleich.

Seit 2024 hebt die BoJ ihre Zinsen schrittweise an, und damit schrumpft der Vorsprung. Der japanische Leitzins steht seit Juni 2026 bei rund 1,0 Prozent. Wann die nächsten Entscheidungen fallen und wie stark der Yen darauf reagiert, zeigt unser Artikel zum BoJ-Zinsentscheid. Die technische Lage des Paares verfolgen wir in der USD/JPY-Prognose.

Wie groß ist der Yen Carry Trade?

Eine genaue Zahl gibt es nicht, weil sich Carry Trades in vielen Bilanzen und Derivaten verstecken. Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat es trotzdem versucht. In ihrem BIS Bulletin Nr. 90 kommt sie auf einen groben Mittelwert von 40 Billionen Yen, umgerechnet rund 250 Milliarden Dollar, vor dem August 2024.

Die BIZ hält diese Schätzung ausdrücklich eher für zu niedrig. Grund sind Datenlücken, etwa bei Geschäften über Offshore-Zentren. Allein die Yen-Kredite an Nichtbanken außerhalb Japans stiegen laut BIZ nach der Pandemie auf rund 40 Billionen Yen bis März 2024. Hinzu kommen Devisentermingeschäfte, die in keiner Kreditstatistik auftauchen.

Auch Privatanleger in Japan waren beteiligt. Laut BIZ hatten japanische Kleinanleger im Devisen-Margin-Handel den Yen nach der Pandemie überwiegend verkauft, während ihr Handelsvolumen stark wuchs. Diese Gruppe wird im Markt oft Mrs. Watanabe genannt. Als der Yen im August 2024 stieg, mussten auch viele dieser Positionen aufgelöst werden.

Carry Trade Crash: so teuer wird eine Auflösung

Wir haben nachgerechnet, wie viele Jahre Zinsertrag die großen Rückschläge im Yen gekostet haben. Dafür teilen wir den Kursverlust durch den Zinsvorsprung zu Beginn der Welle. Die Kurse stammen aus den Referenzkursen der EZB, die Zinsen aus den Beschlüssen von Fed und BoJ. 2007 lag die Fed bei 5,25 Prozent und die BoJ seit Februar 2007 bei 0,5 Prozent, der Vorsprung also bei 4,75 Punkten.

Die Auflösung eines Carry Trades, englisch Unwind, ist das gleichzeitige Schließen vieler Positionen, bei dem Anleger ihre Anlagen verkaufen und die Finanzierungswährung zurückkaufen.

AuflösungUSD/JPYZinsertrag
22.06.2007 bis 17.03.2008−22,1 %rund 4,7 Jahre
03.07. bis 16.09.2024−13,6 %rund 2,6 Jahre
Gleicher Rückschlag heute−13,6 %rund 5,2 Jahre
Eigene Rechnung: Kursrückgang von USD/JPY nach EZB-Referenzkurs geteilt durch den Zinsvorsprung zu Beginn (2007: 4,75, 2024: rund 5,3, 2026: rund 2,6 Prozentpunkte). Ohne Zinseszins, Kosten und spätere Zinsänderungen.

Die Rechnung vereinfacht, aber sie zeigt die Größenordnung. 2024 verlor der Dollar in zehn Wochen 13,6 Prozent gegenüber dem Yen. Bei rund 5,3 Punkten Zinsvorsprung entspricht das dem Carry von gut zweieinhalb Jahren. 2007/08 dauerte die Welle länger und kostete fast fünf Jahre. Dass die Fed ab September 2007 ihre Zinsen senkte, machte das Bild für Carry Trader noch schlechter.

Andere Carry-Paare traf es noch härter als den Dollar. Nach EZB-Referenzkurs fiel der australische Dollar gegenüber dem Yen vom 20. Juli 2007 bis zum 2. Februar 2009 um 47,8 Prozent. Der mexikanische Peso verlor vom 21. Mai bis zum 11. September 2024 gegenüber dem Yen 24,6 Prozent. Die BIZ nennt den Peso ausdrücklich als die Hochzinswährung, die im August 2024 am stärksten getroffen wurde. Mehr zum Australier liest du im Porträt zum Australischen Dollar.

August 2024: die Kettenreaktion

Die BIZ beschreibt den August 2024 als Auflösung gehebelter Positionen, die eine eher kleine Nachricht verstärkt hat. Nach einer als falkenhaft empfundenen Zinserhöhung der BoJ am 31. Juli und schwachen US-Arbeitsmarktdaten am 2. August verkauften viele gleichzeitig. Am 5. August fiel der japanische TOPIX laut BIZ um 12 Prozent, der S&P 500 verlor an diesem Tag 3,0 Prozent, und der VIX sprang außerbörslich über 60.

Eine Nachschussforderung, englisch Margin Call, ist die Aufforderung eines Brokers, zusätzliche Sicherheiten zu hinterlegen, wenn Verluste die hinterlegte Sicherheitsleistung aufgezehrt haben.

Der Mechanismus ist immer derselbe. Steigt die Finanzierungswährung, verlieren gehebelte Positionen an Wert. Broker verlangen mehr Sicherheiten, und wer sie nicht nachschießen kann, muss verkaufen. Diese Zwangsverkäufe drücken die Kurse weiter und lösen die nächsten Nachschussforderungen aus. Wie das beim Handel mit Sicherheitsleistung abläuft, zeigt unser Beitrag zum Margin-Trading.

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Carry Trade als Privatperson: geht das?

Ja, aber nicht so, wie ein Hedgefonds es macht. Den klassischen Weg über einen Yen-Kredit gehen vor allem Banken und Fonds. Für dich ist der übliche Weg eine Long-Position in USD/JPY oder einem anderen Yen-Paar bei einem Forex- oder CFD-Broker. Hältst du sie über Nacht, erhältst oder zahlst du den Swap, und genau der ist dein Carry.

Wenn du einen Carry wirklich selbst halten willst, brauchst du eine Antwort auf die Frage, wann du aussteigst. Der Zinsvorsprung sagt dir das nicht, die Kapitalströme geben zumindest einen Hinweis. Money Flow Tape zeigt für 17 Bereiche, ob Wochen- und Monatsachse gleich laufen oder auseinanderdriften. Das ersetzt keinen Stop, aber es ist mehr als ein Bauchgefühl.

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Prüfe vor dem Einstieg die Swap-Tabelle deines Brokers. Die Gutschrift legt der Broker selbst fest, und sie kann sich täglich ändern. Maßgeblich ist nicht die Zinsdifferenz aus der Zeitung, sondern der Swap-Satz, der tatsächlich auf deinem Konto landet.

Der Hebel ist für Privatkunden in der EU gedeckelt, und das ist bei Carry Trades ein Schutz. Seit 2018 dürfen Broker Privatkunden bei den wichtigsten Währungspaaren höchstens einen Hebel von 30 zu 1 einräumen, so hat es die Europäische Wertpapieraufsicht ESMA festgelegt. Schon dieser Hebel verwandelt einen Kursrückgang von 3,3 Prozent in einen Totalverlust des eingesetzten Kapitals. Mehr dazu erklärt unser Beitrag zum Hebel-Trading.

Was für einen Carry Trade spricht

  • Laufender Ertrag: Bei stabilem Kurs bringt die Position jeden Tag eine Swap-Gutschrift.
  • Klare Logik: Der Ertrag hängt an einer messbaren Größe, der Zinsdifferenz der beiden Notenbanken.
  • Rückenwind in ruhigen Märkten: Von 2021 bis Mitte 2024 kamen zum Zins noch 57 Prozent Kursgewinn in USD/JPY hinzu.

Was gegen einen Carry Trade spricht

  • Ungleiches Chance-Risiko-Profil: 1 Prozent Kursverlust kostet bei heutigem Zinsvorsprung mehr als vier Monate Carry.
  • Plötzliche Auflösung: 2024 waren zweieinhalb Jahre Zinsertrag in zehn Wochen weg.
  • Swap nach Broker-Vorgabe: Die Höhe der Gutschrift legt der Broker fest, nicht die Notenbank.
  • Nachtrisiko: Zinsentscheide in Japan fallen in der europäischen Nacht, dein Stop-Loss kann übersprungen werden.

Unsere Einordnung: Ein Carry Trade ist keine Zinsanlage, sondern eine Devisenwette mit Zinsbonus. Wer ihn eingeht, sollte die Positionsgröße so wählen, dass ein Rückschlag wie 2024 das Konto nicht gefährdet. Beachte auch, dass die Yen-Paare untereinander stark korrelieren, wie unsere Übersicht zur Forex-Korrelation zeigt.

Carry Trade Türkei und andere Hochzinswährungen

Ein hoher Zins ist oft der Preis für eine schwache Währung. Genau das macht Carry Trades in Schwellenländerwährungen so riskant. Die türkische Lira ist dafür das deutlichste Beispiel: Nach EZB-Referenzkurs kostete ein Euro am 2. Januar 2018 noch 4,53 Lira, am 15. September 2026 sind es 56,13 Lira. Die Lira hat damit gegenüber dem Euro rund 92 Prozent ihres Werts verloren.

Hohe Zinsen gleichen einen solchen Verfall nicht automatisch aus. Ob ein Lira-Carry-Trade am Ende Geld gebracht hätte, hängt davon ab, wann er begonnen und beendet wurde und welche Zinsen in dieser Zeit tatsächlich galten. Sicher ist nur, dass der Wechselkurs den Ausgang stärker bestimmt als der Zinssatz. Wie wir das Paar technisch einschätzen, steht in der EUR/TRY-Prognose.

Auch der mexikanische Peso zeigt, wie schnell ein Liebling der Carry Trader kippt. Am 21. Mai 2024 stand er gegenüber dem Yen auf seinem Jahreshoch. Innerhalb von knapp vier Monaten verlor er dann fast ein Viertel gegenüber dem Yen. Für dich heißt das: Je höher der Zins, desto genauer solltest du prüfen, wofür er dich eigentlich entschädigt.

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Yen Carry Trade 2026: wie viel Zinsvorsprung bleibt?

Der Abstand zwischen Dollar und Yen hat sich seit 2024 ungefähr halbiert. Im Juli 2024 lag die Fed bei 5,25 bis 5,50 Prozent und die BoJ bei 0 bis 0,1 Prozent. Am 15. September 2026 steht die Fed bei 3,50 bis 3,75 Prozent, die BoJ bei rund 1,0 Prozent. Aus gut 5 sind rund 2,6 Prozentpunkte geworden.

Die Zinsdifferenz ist der Abstand zwischen den Leitzinsen zweier Währungsräume und bestimmt beim Carry Trade die Höhe des laufenden Ertrags.

PaarVorsprungKurs
USD/JPYrund 2,6 Punkte155,00 Yen
EUR/JPYrund 1,5 Punkte178,86 Yen
Zinsvorsprung aus Fed-Zielband (Mitte 3,625 %), EZB-Einlagensatz (2,50 %) und BoJ-Leitzins (1,0 %). Kurse nach EZB-Referenzkurs. Stand 15.09.2026, vor der Fed-Sitzung am 16.09.

Weniger Vorsprung heißt weniger Puffer. Mit 2,6 Punkten bräuchte ein Carry Trade in USD/JPY rund fünf Jahre, um einen Rückschlag wie 2024 aufzuholen. Beim Euro gegen den Yen ist der Puffer mit rund 1,5 Punkten noch dünner. Die Entwicklung von EUR/JPY verfolgen wir in der EUR/JPY-Prognose, die Zinsseite im Artikel zum EZB-Zinsentscheid.

Vorbei ist der Yen Carry Trade damit nicht, aber er ist empfindlicher geworden. Jeder weitere Schritt der BoJ nach oben und jede Senkung der Fed verkleinert den Abstand zusätzlich. Die nächste Fed-Entscheidung fällt am 16. September, die der BoJ am 18. September 2026. Aktuelle Termine und Einschätzungen findest du im Artikel zum Fed-Zinsentscheid.

Woran du eine beginnende Auflösung erkennst

Eine Auflösung kündigt sich selten mit einer einzigen Nachricht an, meist mit mehreren Signalen gleichzeitig. Die BIZ beschreibt, dass sich der Trend des Yen schon ab der ersten Julihälfte 2024 gedreht hatte, Wochen vor dem Einbruch. Dazu kam am 24. Juli ein erster Kursrutsch bei Technologieaktien.

  • Der Yen steigt schnell: Fällt USD/JPY innerhalb weniger Tage um mehrere Prozent, geraten gehebelte Positionen unter Druck.
  • Die Volatilität springt: Ein steigender VIX zeigt, dass Anleger Risiko abbauen.
  • Risikoanlagen fallen gemeinsam: Wenn Aktien, Kryptowerte und Hochzinswährungen zugleich nachgeben, spricht das für Risk-off.
  • Notenbanktermine häufen sich: Eine unerwartet straffe BoJ oder eine Fed, die die Zinsen senkt, verkleinert den Vorsprung auf einen Schlag.

Wie stark ein BoJ-Termin den Yen bewegt, ist inzwischen ausgezählt. Das Events-Modul von Money Flow Tape nennt für BoJ-Entscheide 48 Prozent ungewöhnlich große Bewegungen gegenüber 12,8 Prozent an gewöhnlichen Tagen, Stand August 2026. Das ist der stärkste Termin im ganzen Kalender und damit der, den du bei einem Yen-Carry im Blick behalten solltest. *Werbelink, für dich ändert sich am Preis nichts.

Auch Bitcoin reagiert oft früh, weil dort viel gehebelt gehandelt wird. Nach Daten von Yahoo Finance fiel der Kurs vom 31. Juli bis zum 5. August 2024 um 16,4 Prozent. Wie die Lage beim Bitcoin heute aussieht, zeigt unsere Bitcoin-Prognose.

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Fazit: Ein Carry Trade verdient langsam und verliert schnell

Der Carry Trade ist eine der ältesten Strategien am Devisenmarkt, und seine Logik ist bestechend einfach. Leihe billig, lege teuer an, kassiere die Differenz. Der Yen war dafür lange die ideale Währung, und von 2021 bis 2024 verdienten Carry Trader an Zins und Kursgewinn zugleich.

Unsere Rechnung zeigt die Kehrseite deutlich: Eine Auflösung kann Jahre an Zinsertrag in Wochen vernichten. 2024 waren es rund 2,6 Jahre in zehn Wochen, 2007/08 fast fünf Jahre. Heute ist der Vorsprung kleiner und der Puffer entsprechend dünner. Aus unserer Sicht gehört ein Carry Trade deshalb nur mit kleinem Hebel und klarer Verlustgrenze ins Depot, und die Termine der BoJ gehören in deinen Kalender.

Häufige Fragen zum Yen Carry Trade

Was ist der Japan Carry Trade?

Beim Japan oder Yen Carry Trade leihen sich Anleger Geld in Yen, weil die Zinsen dort lange besonders niedrig waren, und legen es in höher verzinsten Währungen oder Anlagen an. Die BIZ schätzte den Umfang vor dem August 2024 auf rund 40 Billionen Yen, etwa 250 Milliarden Dollar.

Woran verdient man bei einem Carry Trade?

Am Zinsabstand zwischen der geliehenen und der angelegten Währung. Im Devisenhandel kommt dieser Ertrag als Swap-Gutschrift für jede Nacht, in der die Position offen ist. Ein Kursverlust der angelegten Währung kann den Ertrag aber schnell aufzehren.

Kann man als Privatperson einen Carry Trade machen?

Ja, meist über eine Long-Position in einem Yen-Paar bei einem Forex- oder CFD-Broker. Den Ertrag bestimmt der Swap-Satz des Brokers. Der Hebel ist für Privatkunden in der EU bei wichtigen Währungspaaren auf 30 zu 1 begrenzt.

Was passiert, wenn sich Carry Trades auflösen?

Viele Anleger schließen ihre Positionen gleichzeitig und kaufen die Finanzierungswährung zurück. Der Yen steigt, und oft fallen auch Aktien und Kryptowerte. Am 5. August 2024 verlor der japanische TOPIX laut BIZ 12 Prozent an einem Tag.

Ist der Yen Carry Trade 2026 vorbei?

Nein, aber der Vorsprung ist kleiner geworden. Zwischen Dollar und Yen liegen am 15. September 2026 noch rund 2,6 Prozentpunkte, im Juli 2024 waren es gut 5. Weitere Zinserhöhungen der BoJ würden den Abstand weiter verringern.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.

Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er alle zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Als Forex-Trader beobachtet er die Yen-Paare seit Jahrzehnten. Für diesen Artikel wurden die EZB-Referenzkurse seit 2006 ausgewertet und die Zinsstände an den Beschlüssen von Fed und Bank of Japan geprüft.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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