Die Bedeutung der 200 Tage Linie (GD 200)

Zuletzt aktualisiert: 03. September 2026

|

12 Min

Heiko Zeh

Autor

Heiko Zeh

Karsten Kagels

Überprüft von

Karsten Kagels

Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026
Investment Akademie: Live-Online-Seminar zum Vermögensaufbau am 20. September 2026

Die 200-Tage-Linie ist der Durchschnitt der Schlusskurse aus 200 Handelstagen. Das sind rund zehn Monate Kursgeschichte in einer einzigen Linie. Notiert der Kurs darüber, gilt der langfristige Trend als intakt. Rutscht er darunter, dreht die Großwetterlage.

Kaum eine andere Marke wird so breit beachtet. Fondsmanager, Börsenmedien und Chartdienste schauen täglich auf dieselbe Linie, und Nachrichten wie „Aktie fällt unter die 200-Tage-Linie” erscheinen jeden Handelstag. Diese Beachtung ist ein Teil ihrer Wirkung: Wenn genug Marktteilnehmer an derselben Stelle reagieren, bewegt sich der Kurs dort tatsächlich.

Dieser Artikel zeigt dir, wie der GD 200 gerechnet wird, worin sich SMA, EMA und WMA unterscheiden und wie du die Linie in stock3, TradingView und TraderFox einblendest. Dazu drei Anwendungen mit echten Charts, die Zahlen aus einem 60-Jahre-Backtest und eine ehrliche Einordnung, was die Linie nicht kann. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

GD 200 oder 200 Tage Linie: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Definition: Der GD 200 ist der Durchschnittskurs der letzten 200 Handelstage. Jeden Tag fällt der älteste Kurs heraus, der neue kommt hinzu.
  • Rechenweg: Summe der 200 Schlusskurse geteilt durch 200. Beim EMA 200 und beim WMA 200 zählen die jüngsten Kurse stärker.
  • Trendfilter: Kurs über der Linie gilt als langfristiger Aufwärtstrend, Kurs darunter als Abwärtstrend. Rund zehn Monate Kurshistorie stecken darin.
  • Unterstützung und Widerstand: In Korrekturen prallen Kurse häufig an der Linie ab. Im Abwärtstrend wirkt sie umgekehrt als Widerstand.
  • Kreuzungen: Schneidet der GD 50 den GD 200 von unten, entsteht das Golden Cross. Von oben nach unten entsteht das Death Cross.
  • Belegte Wirkung: Über 60 Jahre am S&P 500 brachte die reine 200-Tage-Regel 6,75 Prozent jährlich, Kaufen und Halten 7 Prozent. Der Unterschied liegt nicht in der Rendite.
  • Grenze: Die Linie läuft dem Kurs immer hinterher. In Seitwärtsmärkten liefert sie Fehlsignale, für kurzfristigen Handel taugt sie nicht.

Was ist ein gleitender Durchschnitt?

Ein gleitender Durchschnitt mittelt die Schlusskurse einer festgelegten Anzahl von Handelstagen und schiebt dieses Zeitfenster mit jedem neuen Tag um einen Tag weiter.

Wie viele Kurse einfließen, entscheidest du. Eine Vorschrift gibt es nicht, 200 Tage sind nur die verbreitetste Wahl. Die Berechnungsweisen unterscheiden sich vor allem darin, wie stark sie das aktuelle Kursgeschehen gewichten. Die Grundlagen dazu stehen im Ratgeber zum gleitenden Durchschnitt.

Der GD 200 ist der gleitende Durchschnitt über 200 Handelstage und gilt als Standardfilter für den langfristigen Markttrend.

200 Handelstage entsprechen etwa zehn Kalendermonaten. Genau daraus ergibt sich der Charakter der Linie: Sie ist träge, dreht selten und blendet fast alles aus, was innerhalb weniger Wochen passiert. Für den langfristigen Blick ist das ein Vorteil. Für einen Trade in dieser Woche ist es wertlos.

Welche Arten von gleitenden Durchschnitten gibt es?

Drei Varianten decken die Praxis ab. Sie glätten dieselbe Kursreihe, gewichten die einzelnen Tage aber unterschiedlich.

  • SMA (Simple Moving Average): einfacher gleitender Durchschnitt, alle Tage zählen gleich
  • EMA (Exponential Moving Average): exponentiell gewichtet, jüngste Kurse zählen mehr
  • WMA (Weighted Moving Average): linear gewichtet, das Gewicht sinkt gleichmäßig mit dem Alter

Der einfache gleitende Durchschnitt (SMA)

Beim SMA bekommt jeder Kurs im Zeitfenster dasselbe Gewicht. Das ist die schlichteste Variante und deshalb überall verfügbar. Für den SMA 200 addierst du die Schlusskurse der letzten 200 Tage und teilst durch 200.

Formel: SMA = Summe der Schlusskurse über n Tage geteilt durch die Anzahl der Schlusskurse

Beispiel: SMA 200 = 10.000 / 200 = 50

Bei einer Kurssumme von 10.000 über 200 Tage liegt der einfache GD 200 also bei 50. Jeder Tag geht mit demselben Gewicht ein, der Kurs von vor zehn Monaten genauso wie der von gestern.

Chartansicht der BASF AG mit einem einfachen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt
Ansicht des einfachen GD 200 im Kurschart der BASF AG (Quelle: stock3)

Lesetipp: Die 50-Tage-Linie (GD 50): Erklärung und Beispiele

Der exponentielle gleitende Durchschnitt (EMA)

Der EMA verrechnet den aktuellen Kurs fortlaufend mit dem EMA des Vortags. Dadurch wiegt der jüngste Kurs schwerer, und ältere Kurse verlieren ihren Einfluss allmählich, statt schlagartig aus dem Fenster zu fallen. Du brauchst dafür drei Größen: den Schlusskurs, den EMA des Vortags und einen Multiplikator.

Multiplikator für 200 Tage: 2 / (200 + 1) = 0,00995

Formel: EMA = (Schlusskurs × Multiplikator) + EMA des Vortags × (1 − Multiplikator)

Ein Rechenbeispiel mit einem Schlusskurs von 50,00 Euro und einem Vortages-EMA von 48:

EMA 200 = (50 × 0,00995) + 48 × (1 − 0,00995) = 0,50 + 47,52 = 48,02

Der neue Wert liegt bei 48,02. Ein einzelner Tag verschiebt die Linie also um zwei Hundertstel, obwohl der Kurs zwei Euro darüber schloss. Bei 200 Perioden ist selbst der EMA noch ausgesprochen träge.

Tageschart der BASF AG mit EMA 200.
Tageschart der BASF AG mit EMA 200 (Quelle: stock3)

Der gewichtete gleitende Durchschnitt (WMA)

Der WMA gewichtet linear absteigend. Ein WMA über 30 Tage gibt dem aktuellen Wert das Gewicht 30 und dem ältesten das Gewicht 1. Dazwischen sinkt das Gewicht in gleichmäßigen Schritten.

Formel: WMA = (ct × Wn + ct-1 × Wn-1 + … + ct-n+1 × W1) / (W1 + W2 + … + Wn)

Zum Nachrechnen ein WMA über fünf Tage statt über 200. Schlusskurse, ältester Kurs links: 45,00 €, 48,00 €, 49,00 €, 52,00 € und 50,00 €.

Zähler: (45 × 1) + (48 × 2) + (49 × 3) + (52 × 4) + (50 × 5) = 45 + 96 + 147 + 208 + 250 = 746

Divisor: 5 × (5 + 1) / 2 = 15

WMA: 746 / 15 = 49,73

Der Durchschnitt liegt mit 49,73 dicht am jüngsten Kurs von 50,00 Euro, obwohl der älteste Kurs bei 45,00 Euro lag. Genau das leistet die absteigende Gewichtung. Für den WMA 200 gilt dasselbe Prinzip, nur mit 200 statt fünf Kursen.

Ansicht des BASF Chart mit WMA 200
BASF Tageschart mit WMA 200 (Quelle: stock3)

Lesetipp: Die 10 besten Chartmuster für erfolgreiches Trading

Vergleich von SMA, EMA und WMA

Im Chart liegen die drei Linien sichtbar auseinander. Am langsamsten reagiert der SMA 200, weil dort jeder Tag gleich zählt. Der EMA 200 dreht etwas früher. Am dichtesten am Kursgeschehen läuft der WMA 200.

Tesla Aktie mit GD 200
Tageschart der Tesla Aktie mit GD 200 SMA, GD 200 EMA sowie GD 200 WMA (Quelle: stock3)

Für dich heißt das eine Abwägung, keine Rangfolge. Die schnelleren Varianten melden Trendwechsel früher und erzeugen dafür mehr Fehlsignale. Der SMA meldet später und liegt dafür seltener falsch. Ein Nachteil der gewichteten Rechnung fällt in der Praxis weg: Jedes gängige Chartprogramm liefert EMA und WMA fertig berechnet mit.

Ein langer Durchschnitt taugt als Richtungsfilter für Ausbrüche. Ob ein Ausbruch mit oder gegen den übergeordneten Trend läuft, lässt sich am GD 200 ablesen. Wie du das in eine Regel übersetzt, zeigt der Beitrag zu Breakout-Strategien.

Wo finde ich die 200-Tage-Linie?

Der gleitende Durchschnitt steckt in jeder gängigen Tradingplattform. Der Weg dorthin ist überall ähnlich: Chart öffnen, Indikatorenmenü aufrufen, Durchschnitt auswählen.

Ein Schritt wird dabei am häufigsten übersehen. Fast alle Programme fügen den gleitenden Durchschnitt mit einer Standardperiode ein, meist 9, 20 oder 50. Für die 200-Tage-Linie musst du diesen Wert in den Einstellungen des Indikators auf 200 ändern. Und die Linie zeigt nur dann 200 Tage, wenn der Chart auf den Tageschart gestellt ist: Im Stundenchart rechnet derselbe Indikator 200 Stunden.

Die 200-Tage-Linie bei stock3 einstellen

Bei stock3 liegt der Durchschnitt unter „Indikatoren”. Öffne den Chart des gewünschten Werts, klicke in der oberen Leiste auf Indikatoren und dort auf Durchschnitte. Nach der Auswahl öffnest du die Einstellungen des Indikators und setzt die Periode auf 200. Unsere Einschätzung zum Anbieter steht in den stock3 Erfahrungen.

Ansicht des Ausklappmenüs in stock3 zur Findung eines einfachen geleiteten Durchschnitts.
Ansicht des Ausklappmenüs in stock3 zur Findung eines gleitenden Durchschnitts. (Quelle: stock3)

Die 200-Tage-Linie bei TradingView einstellen

Bei TradingView sitzt die Schaltfläche „Indikatoren” über dem Chart. Tippe dort Moving Average in die Suche. „Moving Average Simple” ist der SMA, „Moving Average Exponential” der EMA. Der Indikator kommt mit der Länge 9 in den Chart, die du im Einstellungsdialog auf 200 setzt. Eine eigene Funktion namens „200-Tage-Linie” gibt es nicht.

Ansicht des Aufklappmenüs zur Findung eines gleitenden Durchschnitts auf der Tradingview Plattform.
Aufklappmenü von Tradingview zur Auswahl eines gleitenden Durchschnitts (Quelle: TradingView)

Die 200-Tage-Linie bei TraderFox einstellen

Bei TraderFox führt der Weg über das Trading Desk. Öffne dort den Chart und rufe über dem Chartbild die Rubrik Indikator auf. Zwischen den übrigen Indikatoren und Oszillatoren stehen die gleitenden Durchschnitte, deren Periode du anschließend auf 200 stellst. Das Desk erreichst du über traderfox.de.

Ansicht des Aufklappmenüs der Tradingplattform Traderfox zur Findung eines gleitenden Durchschnitts
TraderFox-Plattform mit Aufklappmenü zur Indikatorenauswahl (Quelle: TraderFox)

Wer keine Software installieren will, kommt auch ohne aus. Die Chartseiten der großen Börsenportale blenden den GD 200 auf Knopfdruck ein, und in unseren laufenden Analysen zu DAX, Gold und Bitcoin ist die Linie bereits eingezeichnet.

FinMent Börsenwebinar

Anwendungsbeispiele mit dem GD 200

Drei Anwendungen decken den größten Teil der Praxis ab. Alle drei brauchen nichts weiter als den Indikator im Tageschart.

Wie gut die reine 200-Tage-Regel funktioniert, ist gemessen. QuantifiedStrategies.com hat sie über 60 Jahre am S&P 500 getestet: kaufen bei Schluss über der Linie, verkaufen bei Schluss darunter. Ergebnis seit 1960: 199 Trades und 6,75 Prozent jährliche Rendite gegenüber 7 Prozent bei Kaufen und Halten. Die Regel schlug den Markt in der Rendite also nicht. Die vollständige Auswertung steht in unserem Beitrag zu Trendfolgestrategien.

Lage des Kurses zum 200-Tage-Durchschnitt

Die einfachste Anwendung ist ein Blick darauf, wo der Kurs relativ zur Linie steht. Über dem GD 200 liegt eine aufwärts gerichtete Phase vor, darunter eine abwärts gerichtete.

Das Kursgeschehen bleibt trotzdem das erste Kriterium. Bildet sich unterhalb der Linie eine Umkehrformation, kann der Kurs auch von dort nach oben drehen, lange bevor der Durchschnitt das anzeigt. Oberhalb gilt dasselbe umgekehrt.

Ansicht des Tagescharts der BMW AG mit SMA 200
Tageschart der BMW AG mit GD 200 (Quelle: stock3)

Kreuzung zweier gleitender Durchschnitte

Bei der Kreuzungsmethode schneidet ein kürzerer Durchschnitt den GD 200. Die Schnittpunkte liefern die Signale: von unten nach oben bullisch, von oben nach unten bärisch. Die bekannteste Kombination ist GD 50 gegen GD 200.

Die Berechnungsart des kürzeren Durchschnitts verändert das Ergebnis spürbar. Ein EMA reagiert schneller als ein SMA und erzeugt die Kreuzung früher, dafür auch häufiger ohne Folgebewegung. Achte auch hier auf den Kursverlauf, sonst handelst du in Seitwärtsphasen eine Kreuzung nach der anderen.

Ansicht Tageschart der BMW AG mit Kreuzung von SMA 200 und SMA 50.
Tageschart der BMW AG mit Kreuzung von SMA 200 und SMA 50 (Quelle: stock3)

Lesetipp: Was ist das Golden Cross (Goldenes Kreuz)?

Kombination des GD 200 mit einem Oszillator

Trendfilter und Oszillator teilen sich die Arbeit. Der GD 200 liefert die Richtung, der Oszillator den Zeitpunkt. Im Beispiel kombinieren wir ihn mit dem Stochastik-Oszillator in der Einstellung 5/3.

Long-Fall: Der Kurs steigt an den GD 200 heran oder notiert darüber, und die Stochastik dreht aus dem Bereich unter 20 nach oben. Diese Konstellation ist in den ersten beiden Markierungen des folgenden Charts zu sehen.

Short-Fall: Der Durchschnitt zeigt nach unten, der Kurs kreuzt ihn von oben, und die Stochastik fällt von über 80 ab. Das ist die rechte Markierung. Beide Fälle gelten nur vor dem Hintergrund des übergeordneten Kursgeschehens.

Beiersdorf AG Tageschart mit GD 200 und Stochastik Indikator
Tageschart der Beiersdorf AG mit dem GD 200 sowie dem Stochastik Indikator (Quelle: stock3)

Als übergeordneter Trendfilter taugt die Linie auch beim Handel einzelner Swings. Dort gibt der GD 200 die erlaubte Richtung vor, während ein kurzer Durchschnitt wie der GD 20 den Einstieg liefert.

Trading-Grundlagenkurs mit über 25 Videos, kostenlos anmelden
Trading-Grundlagenkurs mit über 25 Videos, kostenlos anmelden

GD 38, GD 50, GD 100: welcher Durchschnitt wofür?

In deutschen Börsenmedien tauchen vier Längen immer wieder auf. Sie unterscheiden sich nur in einem Punkt: wie viel Vergangenheit in der Linie steckt.

  • GD 38: knapp zwei Monate. In Deutschland verbreitet, weil viele Börsenportale ihn standardmäßig anzeigen. Kreuzt der GD 38 den GD 200 von unten, ist das die deutsche Variante des Golden Cross.
  • GD 50: rund zweieinhalb Monate. Der internationale Standard für die mittlere Frist und der übliche Partner des GD 200 bei Kreuzungssignalen.
  • GD 100: etwa fünf Monate. Eine Zwischenstufe, die seltener genutzt wird und meist dieselben Signale liefert wie der GD 200, nur ein paar Wochen früher.
  • GD 200: rund zehn Monate. Der Referenzwert für die lange Frist, an dem sich institutionelle Anleger und Börsenmedien orientieren.

Eine bessere Länge gibt es nicht. Je kürzer der Durchschnitt, desto früher das Signal und desto häufiger der Fehlalarm. Der Grund für die Beliebtheit von 38, 50 und 200 ist ohnehin weniger mathematisch als sozial: Genug Marktteilnehmer beobachten dieselben Linien, damit dort etwas passiert.

Vorteile und Nachteile der 200-Tage-Linie

Die Stärken und Schwächen der Linie stammen aus derselben Eigenschaft: Sie mittelt sehr viel Vergangenheit. Das macht sie ruhig und gleichzeitig langsam.

Vorteile der 200-Tage-Linie

  • Klare Großwetterlage: Ein Blick genügt, um zu sehen, ob ein Wert langfristig aufwärts oder abwärts läuft.
  • Nachvollziehbarer Rechenweg: Beim SMA teilst du die Summe der Kurse durch ihre Anzahl. Jeder Wert lässt sich nachrechnen.
  • Hohe Beachtung: Weil so viele Marktteilnehmer auf dieselbe Linie schauen, entsteht dort tatsächlich Reaktion. Das gilt für kaum einen anderen Indikator so deutlich.
  • Überall verfügbar: Gleitende Durchschnitte gehören zur Grundausstattung jedes Chartprogramms, meist auch in der App.

Nachteile der 200-Tage-Linie

  • Sehr träge: Rund zehn Monate Kurshistorie bedeuten, dass die Linie Trendwechsel erst mit deutlicher Verzögerung anzeigt. Für kurzfristigen Handel ist sie ungeeignet.
  • Fehlsignale in Seitwärtsphasen: Pendelt der Kurs um die Linie, entstehen laufend neue Kreuzungen. Hier gehört ein Oszillator ans Steuer, nicht der Durchschnitt.
  • Keine Aussage über Qualität: Die Linie kennt weder Bilanzen noch Nachrichten. Sie sagt, wo der Kurs steht, nicht warum.
  • Optimierungsfalle: Wer die Periodenlänge so lange verschiebt, bis sie an einem Wert perfekt passt, hat den Rückspiegel optimiert und nicht die Strategie.

Einsatz des GD 200 bei den Signalservices des Autors

Ich setze den GD 200 als übergeordnete Basis ein, nicht als Auswahlkriterium. Für sich genommen taugt er nicht zur Findung von Trading-Ideen. Er steckt den Rahmen ab, innerhalb dessen die eigentliche Analyse stattfindet, und wird dort mit weiteren Indikatoren kombiniert.

An erster Stelle steht das Kursgeschehen selbst. Jede Chartanalyse beginnt beim Kursverlauf. Erst danach kommen Durchschnitte, Oszillatoren und die übrigen technischen Indikatoren dazu.

Umgesetzt wird das in zwei Diensten von Kagels Trading: in den Aktien-Signalen und in den Turboschein- und Optionsschein-Signalen. Dort entstehen Trading-Ideen, in die der GD 200 als einer von mehreren Bausteinen einfließt.

Für wen das nichts ist: Wer die Linie selbst einzeichnet und eigene Entscheidungen trifft, braucht keinen Signaldienst. Die Anwendungen in diesem Artikel reichen dafür. Ein Dienst lohnt erst, wenn dir für die tägliche Marktsichtung die Zeit fehlt.

Zu den bekanntesten Anwendern der Linie gehört ein Milliardär. Warum Paul Tudor Jones den 200-Tage-Durchschnitt als seine wichtigste Kennzahl bezeichnet und was das über seinen Umgang mit Risiko verrät, steht im Porträt.

Automatisieren lässt sich die Regel ebenfalls. Unsere Anleitung Trading Bot mit Python programmieren enthält einen kompletten Backtest der SMA200-Strategie samt Beispielcode.

Forex Signale von Profi-Trader Karsten Kagels, 14 Tage testen
forex signale karsten mb

Fazit: Die 200-Tage-Linie ist ein Kompass, kein Signalgeber

Entscheide zuerst über die Länge, dann über die Berechnungsweise. Die Anzahl der Tage bestimmt, wie träge die Linie läuft, die Gewichtung, wie schnell sie reagiert. Wer früher informiert sein will, nimmt EMA oder WMA. Wer weniger Fehlsignale will, bleibt beim SMA.

Alleine trägt die Linie keine Handelsentscheidung. Der 60-Jahre-Backtest zeigt das deutlich: Die reine 200-Tage-Regel lag in der Jahresrendite unter Kaufen und Halten. Ihr Wert liegt woanders, nämlich in der Einordnung. Sie sagt dir, auf welcher Seite des Marktes du gerade stehst.

Probier eigene Einstellungen aus, aber ohne Überoptimierung. Eine Periodenlänge, die bei genau einem Wert perfekt aussieht, ist an dessen Vergangenheit angepasst und sonst nichts. Nützlich ist eine Einstellung erst, wenn sie über viele Werte hinweg brauchbare Ergebnisse liefert.

Häufige Fragen zur 200-Tage-Linie (GD 200)

Was ist die 200-Tage-Linie (GD 200)?

Die 200-Tage-Linie ist ein gleitender Durchschnitt, der den Durchschnittskurs eines Wertpapiers über die letzten 200 Handelstage darstellt. Sie dient als Filter für den langfristigen Markttrend und gehört zu den meistbeachteten technischen Indikatoren überhaupt.

Was bedeutet die 200-Tage-Linie bei Aktien?

Notiert der Kurs über der Linie, werten viele Marktteilnehmer das als intakten Aufwärtstrend. Fällt er darunter, gilt das als Warnsignal für eine längere Schwächephase. Weil rund zehn Monate Kurshistorie in der Linie stecken, ist die Aussage langfristig gemeint, nicht auf Tage oder Wochen.

Was bedeutet es, wenn die 38-Tage-Linie die 200-Tage-Linie kreuzt?

Das ist die in Deutschland verbreitete Variante des Golden Cross beziehungsweise Death Cross. Kreuzt der GD 38 den GD 200 von unten nach oben, gilt das als bullisches Signal, umgekehrt als bärisches. International wird dafür meist der GD 50 verwendet.

Wie heißt die 200-Tage-Linie bei TradingView?

Eine Funktion mit diesem Namen gibt es nicht. Du suchst im Indikatorenmenü nach Moving Average Simple und setzt die Länge in den Einstellungen von 9 auf 200. Der Chart muss dabei auf dem Tageschart stehen.

Was heißt 200-Tage-Linie auf Englisch?

Der englische Fachbegriff lautet 200-day moving average, abgekürzt 200-day MA. Für die einfache Variante steht SMA 200, für die exponentielle EMA 200.

Wie unterscheidet sich der GD 200 vom GD 50?

Der GD 200 deckt rund zehn Monate ab und läuft entsprechend träge. Der GD 50 umfasst etwa zweieinhalb Monate und dreht deutlich schneller. Der eine zeigt die Großwetterlage, der andere die mittlere Frist.

Ist die 200-Tage-Linie ein guter Indikator?

Als Trendfilter ja, als Kaufsignal nur eingeschränkt. Ein Backtest über 60 Jahre am S&P 500 ergab für die reine 200-Tage-Regel 6,75 Prozent jährlich gegenüber 7 Prozent bei Kaufen und Halten. Ihren Nutzen entfaltet sie in Kombination mit dem Chartbild und weiteren Indikatoren.

Über den Autor: Heiko Zeh

Heiko Zeh ist Profi-Trader und leitender Analyst bei Kagels Trading. Sein Schwerpunkt liegt auf Hebelprodukten und der praktischen Bewertung von Optionsscheinen, Knock-Outs und Zertifikaten.

Mit über 30 Jahren Markterfahrung nutzt er den GD 200 täglich als übergeordneten Trendfilter. Als Signalgeber für das Optionsschein- und Zertifikate-Swingtrading entscheidet die Lage des Kurses zur 200-Tage-Linie bei ihm darüber, in welche Richtung eine Idee überhaupt geprüft wird.

Alle Chartbeispiele in diesem Artikel wurden selbst erstellt, die Rechenwege zu SMA, EMA und WMA sind nachrechenbar dokumentiert. Heikos Einordnung: Der GD 200 ist ein Kompass, kein Signalgeber.

Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.

Kagels Trading GmbH 267 Bewertungen auf ProvenExpert.com