Revolut hat sich vom Reisekonto zur Bank mit eingebautem Depot entwickelt. Über 75 Millionen Privatkunden nutzen die App laut Jahresbericht 2025 weltweit, rund drei Millionen davon in Deutschland. Wer dort schon sein Geld verwaltet, steht früher oder später vor der Frage, ob er seine Aktien und ETFs gleich mit dazunimmt.
Ich nutze Revolut seit mehreren Jahren, aktuell im Metal-Abo, und investiere darüber auch. Für diesen Bericht habe ich alle Gebühren, Rechtsträger und Schutzgrenzen direkt bei Revolut nachgeschlagen, nicht bei Vergleichsportalen. Der Grund: Die Konditionen ändern sich häufig, und in vielen Testberichten stehen noch die Preise von vorgestern.
Der Artikel zeigt dir, was der Handel wirklich kostet, wo die Steuerfalle für deutsche Anleger liegt und welche Sicherheitsgrenzen gelten. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Revolut Trading: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Freitrades je Abo: 1 im Standard, 3 im Plus, 5 im Premium, 10 im Metal und Ultra. Danach greift die Kommission.
- Kommission nach dem Kontingent: 0,25 Prozent vom Orderbetrag, mindestens 1 Euro. Im Ultra-Abo sind es 0,12 Prozent ohne Mindestgebühr.
- Keine Depotgebühr, aber teurer Auszug: Revolut berechnet keine Verwahrgebühr. Ein Depotübertrag zu einem anderen Anbieter kostet 35 Dollar je Position.
- Steuer bleibt deine Aufgabe: Revolut führt keine deutsche Kapitalertragsteuer ab. Du erklärst Gewinne und Verluste selbst.
Was ist Revolut?
Revolut ist eine europäische Digitalbank mit Sitz in Litauen, die Girokonto, Karte, Sparprodukte und ein Wertpapierdepot in einer einzigen App bündelt.
Revolut startete 2015 in London. Gegründet haben es Nikolay Storonsky und Vlad Yatsenko, zunächst mit einem sehr schmalen Angebot: günstige Auslandszahlungen und faire Wechselkurse. Filialen gibt es bis heute keine, alles läuft über die App.
Aus dem Reisekonto ist inzwischen eine breite Plattform geworden. Laut Jahresbericht 2025 verwaltet Revolut 67,5 Milliarden Dollar an Kundenguthaben, ein Plus von 66 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Über 750.000 Unternehmen nutzen zusätzlich das Geschäftskonto. Im Jahr 2026 kam die britische Banklizenz dazu, eine US-Zulassung ist beantragt.
Für dich als Anleger ist eine Sache wichtiger als jede Wachstumszahl: Revolut ist kein einzelnes Unternehmen, sondern ein Verbund. Dein Girokonto, dein Depot, deine Rohstoffe und deine Kryptowerte liegen bei vier verschiedenen Gesellschaften. Das entscheidet später darüber, wie viel Schutz du im Ernstfall hast.
| Merkmal | Angabe |
| Anbieter | Revolut Bank UAB, Vilnius (Litauen), mit deutscher Zweigniederlassung |
| Depot-Anbieter | Revolut Securities Europe UAB, Unternehmenscode 305799582 |
| Aufsicht Depot | Bank of Lithuania |
| Gegründet | 2015 in London |
| Privatkunden | über 75 Millionen weltweit, rund 3 Millionen in Deutschland |
| Handelbar | Aktien, ETFs, Anleihen, Rohstoffe, Kryptowährungen |
| Mindestanlage | 1 Euro über Teilaktien |
| Einlagensicherung | 100.000 Euro auf dem Konto, 22.000 Euro im Depot |
| Deutsche IBAN | auf Antrag über die deutsche Zweigniederlassung |
Trading und Revolut: was du handeln kannst
Revolut ist keine klassische Broker-App, sondern legt den Handel direkt neben dein Konto. Der Einstieg ist dadurch extrem kurz: Geld liegt schon da, ein paar Wischer später hältst du eine Aktie. Genau diese Bequemlichkeit ist die Stärke und zugleich der Grund, warum viele Nutzer die Gebühren nie nachrechnen. Einen ähnlichen Weg vom Trading-Anbieter zum reinen Depot ist BUX aus den Niederlanden gegangen.
Eine Teilaktie ist der Bruchteil einer Aktie, den ein Anleger kaufen kann, ohne das ganze Papier zu bezahlen. Bei Revolut liegt die Einstiegsgröße bei 1 Euro.
Handelbar sind US-amerikanische und europäische Aktien, ETFs, Anleihen, Rohstoffe wie Gold und Silber sowie Kryptowährungen. Bei den ETFs gilt eine wichtige Einschränkung: Revolut bietet nach eigener Angabe nur nicht komplexe, in der EU registrierte Fonds an. US-Produkte fallen damit weg, was allerdings kein Revolut-Problem ist, sondern an den PRIIPs-Regeln liegt. Eine ähnlich breite Mischung aus einer Hand bietet Bitpanda, dort zusätzlich mit Edelmetallen im selben Depot.
Bei den Ordertypen wird es dünner. Revolut kennt Limit-Orders, Stop-Orders und Sparpläne. Eine Stop-Limit-Order, mit der du gleichzeitig Auslöseschwelle und schlechtesten Ausführungskurs festlegst, fehlt. Wer sein Risiko fein steuern will, sollte sich vorher ansehen, wie eine saubere Stop-Loss-Order aufgebaut ist und ob ihm die reine Stop-Variante reicht.
Ebenfalls nicht im Angebot: Hebelprodukte. CFDs, Optionsscheine und Futures findest du in der App nicht. Für aktives Daytrading ist Revolut damit schlicht das falsche Werkzeug, und das ist ausdrücklich keine Kritik: Die App ist für Anleger gebaut, nicht für Trader.
Kosten der Konten: Abos, Freitrades und Ordergebühren
Bei Revolut hängt fast alles am Abo. Die Kontoführung selbst ist im Standard-Tarif kostenlos, aber je höher die Stufe, desto mehr kommissionsfreie Orders bekommst du pro Monat. Alle folgenden Werte stammen von der Preisseite und der Gebührenübersicht von Revolut, Stand 14.08.2026.
| Abo | Preis pro Monat | Freie Trades pro Monat |
|---|---|---|
| Standard | 0 € | 1 |
| Plus | 2,99 € | 3 |
| Premium | 8,99 € | 5 |
| Metal | 15,99 € | 10 |
| Ultra | 65 € | 10 |

Das Kontingent gilt ausschließlich für Aktien und ETFs, nicht für Anleihen. Und es zählt großzügiger, als dir lieb sein dürfte: In das Limit fallen auch Orders, die gar nicht ausgeführt wurden. Eine Limit-Order, die den ganzen Monat unberührt im Markt liegt und am Ende verfällt, hat deinen Freitrade trotzdem verbraucht.
Die Kommissionsgebühr bei Revolut beträgt 0,25 Prozent des Orderbetrags, mindestens jedoch 1 Euro. Kunden im Ultra-Abo und mit Trading Pro zahlen 0,12 Prozent ohne Mindestgebühr.
Diese Mindestgebühr von 1 Euro ist der Punkt, an dem kleine Orders unwirtschaftlich werden. Bei einem Kauf über 100 Euro wären 0,25 Prozent rechnerisch 25 Cent, du zahlst aber den vollen Euro. Das entspricht einem Prozent deines Einsatzes, und diese Hürde muss der Kurs erst wieder hereinholen. Erst ab rund 400 Euro Ordervolumen greift der Prozentsatz statt des Mindestbetrags.
Vier weitere Posten übersehen die meisten Vergleiche:
- Verwahrgebühr: Revolut erhebt nach eigener Angabe keine Depotgebühr. Anderslautende Angaben in älteren Testberichten sind überholt.
- Depotübertrag: Der Wechsel einer Position zu einem anderen Anbieter kostet 35 Dollar je Position. Bei einem Depot mit zwölf Werten sind das über 400 Dollar für den Umzug.
- Währungsumtausch: US-Aktien werden in Dollar abgerechnet. Im Standard- und Plus-Abo tauschst du monatlich bis 1.000 Euro ohne Aufschlag, darüber werden 1 Prozent (Standard) beziehungsweise 0,5 Prozent (Plus) fällig. Ab Premium ist der Umtausch unter der Woche unbegrenzt.
- ADR-Gebühren: Bei hinterlegten Aktienzertifikaten zieht die Verwahrstelle üblicherweise einmal jährlich 0,01 bis 0,05 Dollar je Anteil ein.
Der Depotübertrag verdient dabei besondere Aufmerksamkeit. Er ist keine laufende Gebühr, sondern eine Austrittshürde. Wer später zu einem günstigeren Broker wechseln will, zahlt für jede einzelne Position. Verkaufen und neu kaufen ist oft billiger, löst dafür aber Steuern aus.
ETF-Sparpläne bei Revolut: kommissionsfrei, mit einer Einschränkung
Bei den Sparplänen hat Revolut deutlich nachgelegt. Das ist die angenehmste Überraschung im ganzen Angebot.
Ein Investitionsplan bei Revolut ist ein Sparplan auf ausgewählte börsengehandelte Produkte, dessen Käufe ohne Kommission ausgeführt werden, auch wenn das monatliche Freitrade-Kontingent bereits aufgebraucht ist.
Der Vorteil ist größer, als er zunächst klingt. Wer einen Sparplan auf einen berechtigten ETF einrichtet, zahlt für diese Käufe keine Kommission und keine Mindestgebühr, unabhängig vom Abo. Damit ist selbst das kostenlose Standard-Konto für regelmäßiges Sparen brauchbar, während Einzelkäufe außerhalb des Plans schnell teuer werden.
Die Einschränkung steckt im Wort „ausgewählt”: Der kommissionsfreie Zugang gilt nicht für jeden ETF, sondern nur für die Produkte in der Sammlung „Investment-Abos“. Vor der Einrichtung solltest du prüfen, ob dein Wunsch-ETF überhaupt dabei ist. Auf der Anlagedaten-Seite des Fonds erscheint dazu ein entsprechendes Banner.
Beim Ablauf gibt es zwei Details, die in der Praxis zählen. Sparplan-Käufe werden eine Stunde nach Handelsbeginn ausgeführt, nicht zum Eröffnungskurs. Und wenn zum Ausführungstermin zu wenig Geld auf dem Investmentkonto liegt, schlägt der Kauf nicht nur fehl, sondern der regelmäßige Kauf wird storniert. Die automatische Einzahlung vom Hauptkonto lässt sich aktivieren und sollte es auch, sonst reißt der Plan irgendwann unbemerkt ab.
Die Bonitätsfrage stellt sich hier anders als beim Konto. Was bei Depot und Schufa tatsächlich gemeldet wird, haben wir gegen die zwölf Score-Kriterien geprüft.
Steuern: warum deutsche Anleger bei Revolut mehr Arbeit haben
Hier entscheidet sich, ob Revolut für dich als Hauptdepot taugt. Es ist zugleich der Punkt, den freundliche Testberichte am liebsten in einem Nebensatz abhandeln, obwohl er jedes Jahr Arbeit kostet.
Die Kapitalertragsteuer wird bei Revolut nicht automatisch an das deutsche Finanzamt abgeführt. Anleger mit Steuerwohnsitz in Deutschland müssen Gewinne, Dividenden und Verluste selbst in der Steuererklärung angeben.
Ein deutscher Broker nimmt dir diese Arbeit ab. Er behält die Steuer ein, verrechnet Gewinne und Verluste über das Jahr, berücksichtigt deinen Freistellungsauftrag und meldet alles weiter. Revolut tut nichts davon. Die Gesellschaft, über die dein Depot läuft, sitzt in Litauen und ist zu diesem Einbehalt nicht verpflichtet. Revolut formuliert es selbst so, dass es in deiner Verantwortung liegt, die fälligen Steuern zu erklären und zu zahlen.
Praktisch heißt das drei Dinge:
- Du brauchst den Jahresbericht selbst. Er liegt in der App unter deinem Profilsymbol im Bereich „Dokumente & Auszüge” als benutzerdefinierter Auszug bereit.
- Du erklärst selbst. Kursgewinne, Dividenden und die Vorabpauschale auf ETFs gehören in die Anlage KAP beziehungsweise KAP-INV deiner Steuererklärung.
- Der Sparer-Pauschbetrag wirkt nicht automatisch. Ohne deutschen Broker greift kein Freistellungsauftrag, du holst den Betrag erst über die Erklärung zurück.
Dazu kommt die US-Quellensteuer. Bei amerikanischen Dividenden zieht der Fiskus in den USA standardmäßig 30 Prozent ein. Über das Doppelbesteuerungsabkommen sinkt der Satz auf 15 Prozent, aber nur, wenn beim Eröffnen des Investmentkontos das W-8BEN-Formular korrekt ausgefüllt wurde. Revolut fragt die Angaben im Onboarding ab, prüfen solltest du sie trotzdem.
Wer eine größere Struktur plant, findet die steuerliche Alternative in unserem Überblick zur Trading GmbH. Für den normalen Privatanleger gilt schlicht: Revolut kostet dich Zeit im Frühjahr, dafür bekommst du alles in einer App. Ob dieser Tausch aufgeht, musst du selbst entscheiden. Revolut berät ausdrücklich nicht in Steuerfragen.
Wie sicher ist Revolut? Regulierung und Einlagensicherung
Bei der Sicherheit trennt Revolut sauber, aber unübersichtlich. Vier Gesellschaften, vier Aufsichtsbehörden, zwei völlig unterschiedliche Schutzgrenzen. Wer nur „Revolut ist reguliert” liest, bekommt die halbe Wahrheit.
Revolut Securities Europe UAB ist die litauische Wertpapierfirma der Revolut-Gruppe, die den Handel mit Aktien, ETFs und Anleihen für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum erbringt und von der Bank of Lithuania beaufsichtigt wird.
Dein Bargeld auf dem Girokonto liegt bei der Revolut Bank UAB. Deine Wertpapiere liegen bei der Revolut Securities Europe UAB in Vilnius. Rohstoffe laufen über die britische Revolut Ltd, Kryptowerte über eine zyprische Gesellschaft mit CySEC-Zulassung. Vier Verträge, die sich in der App wie ein einziges Konto anfühlen.
Die Einlagensicherung schützt Guthaben auf dem Revolut Konto bis 100.000 Euro je Kunde über das litauische Einlagensicherungssystem. Wertpapiere und Geld im Investmentkonto fallen stattdessen unter die Anlegerentschädigung bis 22.000 Euro.

Diese 22.000 Euro irritieren viele Anleger, sind aber weniger dramatisch, als sie wirken. Revolut erläutert den Schutz der Investments auf einer eigenen Hilfeseite. Deine Wertpapiere sind Sondervermögen: Sie werden getrennt von Revoluts eigenem Vermögen verwahrt und gehören dir, auch wenn die Gesellschaft ausfällt. Die Entschädigung greift erst, wenn bei einer Liquidation etwas schiefgeht und Bestände nicht herausgegeben werden können. Das ist der seltene Fall, nicht der Regelfall. Trotzdem lohnt der Vergleich mit deinem Klumpenrisiko: Ein Anbieter, der Konto, Depot und Krypto zugleich hält, bündelt eben auch dein Gegenparteirisiko.
Eines solltest du dabei nicht überlesen: Rohstoffe und Kryptowerte fallen unter keine der beiden Grenzen. Wer bei Revolut Gold oder Bitcoin hält, hat dort weder Einlagensicherung noch Anlegerentschädigung.
Ein Punkt, der deutschen Nutzern lange gefehlt hat, ist inzwischen gelöst. Revolut hat eine deutsche Zweigniederlassung gegründet, und Kunden mit Wohnsitz in Deutschland können ihr Konto dorthin übertragen. Sie bekommen dann eine deutsche IBAN, was Gehaltseingänge und Lastschriften deutlich unkomplizierter macht. Der Wechsel läuft nicht automatisch: Revolut fragt per E-Mail nach deiner Zustimmung, du bestätigst in der App und akzeptierst neue Geschäftsbedingungen. Die alte litauische IBAN bleibt für laufende Lastschriften weiter nutzbar.
Was die Bewertungen sagen
Auf Trustpilot kommt Revolut auf 4,7 von 5 Sternen bei 443.464 Bewertungen (Stand 14.08.2026). Achtzig Prozent davon sind Fünf-Sterne-Urteile, sieben Prozent Ein-Stern-Urteile. Für ein Finanzinstitut ist das ein sehr gutes Ergebnis.
Diese Note braucht allerdings Kontext. Revolut betreibt ein kostenpflichtiges Trustpilot-Abonnement und fordert Kunden aktiv zur Bewertung auf. Ein großer Teil der Rezensionen trägt entsprechend den Hinweis „Auf Einladung”. Allein in den letzten zwölf Monaten kamen 182.637 Bewertungen zusammen, also gut 41 Prozent des Gesamtbestands. Eingeladene Bewertungen fallen erfahrungsgemäß freundlicher aus als spontane. Die Note ist damit kein Etikettenschwindel, aber sie misst eher die Alltagszufriedenheit als die Qualität des Depots.
Meine Erfahrungen mit Revolut
Angefangen hat es bei mir aus einem sehr praktischen Grund. Ich war viel unterwegs und wollte im Ausland Geld abheben, ohne an jedem Automaten und in jeder Wechselstube Gebühren zu lassen. Der Wechselkurs direkt in der App, transparent und in Echtzeit, war damals ein echtes Argument.
Überzeugt hat mich dann eine Kleinigkeit. Ich habe meine Karte verloren, und der Ersatz lag in weniger als einer Woche im Briefkasten. Schneller, als ich es von einer Filialbank je erlebt habe. Solche Momente sagen mehr über einen Anbieter als jede Werbeseite: Hinter der App steckt ein funktionierender Service.
Die Bedienung finde ich bis heute sehr gelungen. Transaktionen sind klar sortiert, man findet sich sofort zurecht. Was mich stört, ist etwas anderes: Die Konditionen ändern sich ständig. Was in meinem Abo enthalten ist, war vor einem Jahr anders als heute. Wer die Änderungsmitteilungen nicht liest, zahlt irgendwann für etwas, das früher inklusive war.
Ich bin im Metal-Abo und nutze daraus vor allem den Zugang zu WeWork-Coworking-Spaces. Wenn ich in einer Stadt bin, in der es einen Standort gibt, arbeite ich dort. Das ist der Vorteil, der bei mir am häufigsten zum Einsatz kommt, und er hat mit Trading nichts zu tun.
Investiert habe ich über Revolut irgendwann fast nebenbei. Der Reiz ist die Zusammenführung: Einkommen, Ausgaben und Anlagen in einer Übersicht, ohne zwischen Bank-App und Depot-App zu wechseln. Für den Bestandsaufbau reicht mir das. Mein aktives Geschäft läuft weiter über spezialisierte Plattformen, weil Revolut dafür schlicht nicht gebaut ist.
Einen Punkt muss ich einordnen, weil er leicht falsch verstanden wird. Dass Revolut keine Kapitalertragsteuer abführt, ist für mich angenehm, weil ich nicht in Deutschland lebe. Für dich als Anleger mit deutschem Steuerwohnsitz ist genau dasselbe Merkmal ein Nachteil, kein Vorteil. Du bekommst die Arbeit, die dir ein deutscher Broker abnimmt.
Vorteile und Nachteile von Revolut
Bei Stärken und Schwächen ist Revolut ungewöhnlich klar sortiert. Was die App gut macht, macht sie sehr gut. Wo sie schwach ist, ist sie es deutlich. Graubereiche gibt es kaum.
Vorteile von Revolut
- Alles in einer App: Konto, Karte, Sparen und Depot laufen zusammen. Kein Anbieterwechsel, keine zweite Anmeldung, eine Vermögensübersicht.
- Sparpläne ohne Kommission: Käufe auf berechtigte ETFs sind gebührenfrei, auch über dem monatlichen Kontingent und selbst im kostenlosen Standard-Abo.
- Einstieg ab 1 Euro: Über Teilaktien kannst du auch teure Werte in kleinen Schritten aufbauen.
- Keine Depotgebühr: Für die reine Verwahrung berechnet Revolut nichts.
- Starke Reisefunktionen: Günstiger Währungsumtausch und niedrige Auslandsgebühren sind nach wie vor das Kernargument.
- Deutsche IBAN verfügbar: Über die deutsche Zweigniederlassung werden Gehaltseingang und Lastschrift unkompliziert.
Nachteile von Revolut
- Keine Steuervereinfachung: Ohne automatischen Steuerabzug landet die komplette Steuererklärung bei dir, inklusive Vorabpauschale.
- Mindestgebühr trifft kleine Orders: Unter rund 400 Euro Ordervolumen zahlst du effektiv mehr als die beworbenen 0,25 Prozent.
- Teurer Ausstieg: Der Depotübertrag kostet 35 Dollar je Position und macht einen späteren Wechsel unattraktiv.
- Dünne Ordertypen: Stop-Limit fehlt, Hebelprodukte gibt es gar nicht. Für aktives Trading unbrauchbar.
- Nur 22.000 Euro Anlegerentschädigung: Deutlich weniger als die 100.000 Euro auf dem Girokonto, und Rohstoffe sowie Krypto fallen ganz heraus.
- Wechselnde Konditionen: Die Abo-Inhalte werden regelmäßig umgebaut. Du musst die Änderungen aktiv verfolgen.
Revolut im Vergleich zu Trade Republic und Scalable Capital
Die häufigste Frage dazu lautet, ob Revolut die deutschen Neobroker ersetzen kann. Die kurze Antwort: bei den Gebühren ja, bei den Steuern nein. Genau daran hängt für die meisten Anleger die Entscheidung.
Trade Republic und Scalable Capital sind deutsche Broker. Sie behalten die Kapitalertragsteuer ein, verrechnen Verluste und berücksichtigen deinen Freistellungsauftrag. Dieser Unterschied wiegt für die meisten Privatanleger schwerer als ein paar Cent Ordergebühr. Er ist der eigentliche Grund, warum Revolut selten als Hauptdepot empfohlen wird.
Beim Handelsangebot punkten die Spezialisten mit einer deutlich größeren Sparplan-Auswahl. Revolut hat dafür etwas, das beide nicht bieten: das integrierte Bankkonto. Wer seine Finanzen ohnehin komplett bei Revolut führt, spart sich einen Anbieter. Wer über den Wechsel nachdenkt, findet die Schwachstellen der Konkurrenz in unserer Übersicht zu den Nachteilen von Scalable Capital sowie im direkten Vergleich beider Anbieter.
Für wen eignet sich Revolut?
Revolut passt gut zu Vielreisenden, digitalen Nomaden und allen, die ihre Finanzen ohnehin komplett digital führen. Wer regelmäßig in Fremdwährung zahlt, holt den Abo-Preis über den günstigen Währungsumtausch meist wieder herein.
Als Anleger ist Revolut dann sinnvoll, wenn du in kleinen Schritten und mit Sparplänen Vermögen aufbaust und den Komfort der einen App höher gewichtest als die Steuerarbeit im Frühjahr. Für den Einsatz als Zweitdepot neben einem deutschen Broker funktioniert das gut.
Nicht geeignet ist Revolut für aktive Trader. Ohne Stop-Limit, ohne Hebelprodukte und ohne Charting-Werkzeuge fehlt schlicht die Grundausstattung. Wer in diese Richtung will, ist mit einer der Plattformen aus unserem Vergleich der besten Trading-Apps besser bedient. Ebenfalls nicht passend ist Revolut für Anleger, die eine steuerlich fertige Abrechnung erwarten.
Fazit: solide Bank, ordentliches Zweitdepot, kein Trading-Werkzeug
Revolut hat sich vom Reisekonto zu einer ernstzunehmenden Digitalbank entwickelt, und das Depot ist längst kein Feigenblatt mehr. Die kommissionsfreien Sparpläne sind ein echtes Argument. Dass keine Verwahrgebühr anfällt, ist bei ausländischen Anbietern nicht selbstverständlich.
Für mich bleibt es trotzdem eine Ergänzung, kein Hauptdepot. Zwei Punkte geben den Ausschlag: die fehlende Steuervereinfachung, die dir jedes Jahr Arbeit macht, und der Depotübertrag für 35 Dollar je Position, der den späteren Wechsel unnötig teuer macht. Wer heute alles zu Revolut zieht, sollte wissen, dass der Rückweg Geld kostet.
Meine Empfehlung fällt deshalb nüchtern aus. Nutze Revolut für das, was es wirklich gut kann: Alltag, Reisen und regelmäßiges Sparen in kleinen Beträgen. Für den ernsthaften Vermögensaufbau mit größeren Summen und erst recht für aktives Trading greifst du besser zu einem spezialisierten Anbieter. Diese Arbeitsteilung kostet dich eine zweite App und spart dir eine Menge Ärger.
Häufige Fragen zu Revolut Trading
Was ist der Haken an Revolut?
Der größte Nachteil ist die fehlende Steuervereinfachung. Revolut führt keine deutsche Kapitalertragsteuer ab und verrechnet keine Verluste, du erledigst das komplett selbst in der Steuererklärung. Dazu kommen die Mindestgebühr von 1 Euro bei kleinen Orders und 35 Dollar je Position beim Depotübertrag.
Was kostet ein Trade bei Revolut?
Je nach Abo hast du 1 bis 10 kommissionsfreie Orders pro Monat. Danach kostet ein Trade 0,25 Prozent des Orderbetrags, mindestens jedoch 1 Euro. Im Ultra-Abo und mit Trading Pro sinkt die Gebühr auf 0,12 Prozent ohne Mindestbetrag. Käufe über einen Sparplan auf berechtigte ETFs sind kostenlos.
Wie seriös ist Revolut?
Revolut ist eine regulierte Bank, keine Grauzone. Das Konto läuft über die Revolut Bank UAB unter Aufsicht der Bank of Lithuania, das Depot über die Revolut Securities Europe UAB. Guthaben ist bis 100.000 Euro gesichert, Wertpapiere bis 22.000 Euro über die litauische Anlegerentschädigung. Auf Trustpilot kommt der Anbieter auf 4,7 von 5 Sternen.
Führt Revolut die Kapitalertragsteuer automatisch ab?
Nein. Die Wertpapierfirma sitzt in Litauen und behält keine deutsche Steuer ein. Du lädst deinen Jahresbericht in der App unter „Dokumente & Auszüge” herunter und trägst Gewinne, Dividenden und die Vorabpauschale selbst in die Anlage KAP beziehungsweise KAP-INV ein. Ein Freistellungsauftrag wirkt hier nicht.
Kann man bei Revolut ETF-Sparpläne einrichten?
Ja. Über die Investitionspläne richtest du regelmäßige Käufe auf ausgewählte ETFs ein, und diese Käufe sind ohne Kommission, auch über dem monatlichen Freitrade-Limit. Der Vorteil gilt allerdings nur für die Fonds in der Sammlung „Investment-Abos”, nicht für jeden ETF im Angebot.
Ist Revolut besser als Trade Republic?
Für Vielreisende und alle, die Konto und Depot in einer App wollen, ja. Für den reinen Vermögensaufbau in Deutschland nicht: Trade Republic führt die Steuer automatisch ab und bietet eine deutlich größere Sparplan-Auswahl. Viele Anleger nutzen Revolut deshalb als Zweitdepot.
Bekomme ich bei Revolut eine deutsche IBAN?
Ja. Revolut hat eine deutsche Zweigniederlassung, und Kunden mit Wohnsitz in Deutschland können ihr Konto dorthin migrieren. Du bekommst dann eine DE-IBAN, die Gehaltseingänge und Lastschriften vereinfacht. Der Wechsel erfordert deine Zustimmung per E-Mail und die Bestätigung in der App.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1978.
Er handelt verschiedene Märkte ohne technische Indikatoren, basierend auf Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diesen Artikel bringt er die Perspektive des langjährigen Nutzers mit: Er hält seit mehreren Jahren ein Revolut-Konto im Metal-Abo und investiert darüber. Die Einordnung der Gebühren und Schutzgrenzen stammt aus dieser Praxis, ergänzt um die aktuellen Angaben aus den Primärquellen des Anbieters.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.












