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ProRealTime Erfahrungen: Was die Börsensoftware kostet und für wen sie sich lohnt

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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17 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Wer sich ProRealTime zum ersten Mal ansieht, stolpert über eine Frage, die der Anbieter selbst nicht klar beantwortet: Was genau ist eigentlich kostenlos? Auf der Preisseite stehen drei Spalten, im Downloadbereich drei Anwendungen, und beides trägt unterschiedliche Namen. Die Folge ist, dass viele Trader die Gratis-Version für eine reine Demo halten und direkt zum Abo greifen. Das ist in vielen Fällen unnötig.

Dieser Artikel sortiert das. Du erfährst, welche Echtzeitdaten ohne Gebühr enthalten sind, was Komplett und Premium wirklich unterscheidet, welche Zusatzkosten für Marktdaten anfallen und über welche drei Broker du die Software kostenlos nutzen kannst. Dazu kommt ein Blick auf Version 13, die seit Kurzem verfügbar ist. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

ProRealTime erklärt in 30 Sekunden

  • Kostenlos ist mehr als eine Demo: ProRealTime Web kostet nichts und liefert Echtzeitkurse für US-Aktien, west-, nord- und mitteleuropäische Aktien, 120 Forex-Paare, Kryptowährungen sowie Gold und Silber.
  • Drei Preisstufen, nicht drei Geräte: Web ist gratis, Komplett kostet 24 Euro netto im Monat, Premium 70 Euro netto. Die Mobil-App ist in allen dreien enthalten.
  • Der Unterschied liegt in den Limits: Premium erlaubt bis zu 1 Million Kerzen Historie, 100 laufende Handelssysteme und 20 gleichzeitige Scans. Komplett deckelt das deutlich niedriger.
  • Marktdaten kosten extra: Echtzeitkurse für den DAX liegen bei 3 bis 9 Euro monatlich, deutsche Aktien bei 9 Euro, das Modul Market Profile bei 19 Euro.
  • Über einen Broker wird die Software gratis: Bei Interactive Brokers, Saxo Bank und IG entfällt die Plattformgebühr bei aktivem Handel. Die Mindesteinlage liegt bei 3.000, 3.000 und 1.000 Euro.

Was ist ProRealTime?

ProRealTime ist eine Chartsoftware für technische Analyse und automatisierten Handel, die vom französischen Anbieter ProRealTime SAS entwickelt wird und wahlweise im Browser, als installierte Anwendung oder als Mobil-App läuft.

Der Kern der Software ist die Chartanalyse, nicht die Orderausführung. ProRealTime ist kein Broker. Das Unternehmen liefert die Analyseoberfläche, die eigentliche Order geht über einen angeschlossenen Partner. Nach Angaben des Anbieters nutzen über eine Million Trader die Plattform, verfügbar sind mehr als 1,9 Millionen Finanzinstrumente. Diese Trennung erklärt auch das Preismodell: Wer über einen Partnerbroker handelt, zahlt für die Software nichts.

Die zweite Besonderheit ist die eigene Programmiersprache. Mit ProBuilder lassen sich eigene Indikatoren schreiben, mit ProBacktest Strategien auf historischen Daten testen und mit ProOrder automatisiert ausführen. Wer nicht programmieren will, kann Bedingungen auch über einen grafischen Assistenten zusammenklicken. Wie so ein Test in der Praxis abläuft, zeigen wir am Beispiel von Backtesting mit TradingView.

Ein verbreitetes Missverständnis betrifft die Technik. ProRealTime wird oft als reine Browser-Software beschrieben. Das trifft nur auf eine der drei Anwendungen zu. Die Komplett-Anwendung wird heruntergeladen und installiert, sie läuft also lokal auf deinem Rechner. Wer die volle Funktionsbreite will, arbeitet nicht im Browser.

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Web, Komplett und Premium: die drei Versionen

Die häufigste Verwirrung bei ProRealTime entsteht durch zwei Begriffspaare, die nebeneinander laufen. Auf der einen Seite stehen die Geräte: Browser, Computer, Smartphone. Auf der anderen Seite stehen die Preisstufen: Web, Komplett, Premium. Das ist nicht dasselbe. Die Mobil-App ist in jeder Preisstufe enthalten, auch in der kostenlosen. Entscheidend ist allein, welche Stufe du buchst.

ProRealTime Web, Komplett und Premium im Vergleich mit Preis, Echtzeitdaten und Kurshistorie
Die drei Preisstufen im Vergleich. Brutto sind das 28,56 Euro für Komplett und 83,30 Euro für Premium, Stand 25. August 2026.

Die Unterschiede lassen sich auf drei Punkte reduzieren. Der erste ist die Datenhistorie, der zweite die Zahl gleichzeitig nutzbarer Werkzeuge, der dritte der Zugang zur Orderflow-Analyse. Alles andere ist in allen Stufen ähnlich.

Was die kostenlose Version wirklich kann

An dieser Stelle korrigieren wir eine Angabe, die lange auch in diesem Artikel stand. Die kostenlose Web-Version liefert nicht nur Kurse nach Handelsschluss. Sie enthält Echtzeitdaten für US-Aktien, für west-, nord- und mitteleuropäische Aktien, für 120 Forex-Paare samt Tick-Volumen, für Kryptowährungen sowie für Gold und Silber im Spot-Handel. Dazu kommen verzögerte Daten aus über 30 weiteren Märkten.

Was fehlt, sind die Profi-Werkzeuge und die Tiefe. Ohne Abo bekommst du keine ausgedehnte Kurshistorie, keine Orderflow-Analyse und keine große Zahl parallel laufender Handelssysteme. Für Chartanalyse, Trendlinien, Standardindikatoren und erste Tests reicht die Gratis-Stufe aber aus. Wer sich noch orientiert, welche Software zum eigenen Stil passt, findet in unserem Überblick zur Trading Software die Einordnung gegen andere Anbieter.

Ehrlich bleiben muss man bei einem Punkt: Sobald du deutsche Aktien oder den DAX in Echtzeit brauchst, endet die kostenlose Nutzung. Genau diese Märkte sind für Trader aus dem DACH-Raum die relevantesten, und genau sie kosten extra.

Was ProRealTime kostet

Die Grundgebühr ist nur die halbe Rechnung. ProRealTime trennt zwischen dem Softwarepreis und den Marktdatengebühren. Die Software zahlst du an ProRealTime, die Daten an die jeweilige Börse. Wer das übersieht, unterschätzt die monatlichen Kosten deutlich.

Die Grundpreise

Für die Software selbst gelten drei Stufen. Web ist dauerhaft kostenlos und werbefrei. Komplett kostet 24 Euro netto im Monat und öffnet die installierte Anwendung mit Automatisierung und Backtesting. Premium kostet 70 Euro netto und hebt die Limits an.

Die Limits sind der eigentliche Unterschied, und sie sind größer als der Preisabstand vermuten lässt. Premium erlaubt bis zu 1 Million Kerzen in der Historie, 100 laufende Handelssysteme, 20 gleichzeitige Marktscans mit je 100 Treffern und 200 Alarme. In der Komplett-Version arbeitest du mit einem Scanner, 50 Treffern und einer Instrumentenliste. Ein Beispiel des Anbieters: Beim DAX-Future im Minutenchart reicht Premium 4 Jahre und 8 Monate zurück, Komplett nur 11 Monate.

Was Echtzeitdaten zusätzlich kosten

Hier liegt der Posten, den der Anbieter auf der Startseite nicht zeigt. Echtzeitdaten für einzelne Märkte werden separat abgerechnet, und zwar pro Markt und Monat.

DatenpaketEnthältPreis pro Monat
Deutsche AktienXetra-Kurse9 €
IndizesDAX, Dow, S&P, STOXX3 bis 9 €
FuturesEurex, CME, CBOT2 bis 12 €
Market ProfileZusatzmodul19 €
Stand: 25. August 2026, Nettopreise laut Preisliste des Anbieters.

Ein Rechenbeispiel macht das greifbar. Ein Trader mit Komplett-Version, deutschen Aktien in Echtzeit und DAX-Daten zahlt 24 plus 9 plus rund 5 Euro, also etwa 38 Euro netto im Monat. Das sind rund 45 Euro brutto. Wer stattdessen die Premium-Version mit Eurex-Futures nutzt, landet schnell im dreistelligen Bereich pro Jahr. Diese Rechnung fehlt in den meisten Testberichten, sie entscheidet aber darüber, ob sich die Software für dich lohnt.

Das Modul Market Profile ist ein Sonderfall. Es kostet 19 Euro monatlich zusätzlich und liefert die Volumenverteilung über Kursniveaus. Was sich damit auswerten lässt und wo die Grenzen liegen, haben wir im Beitrag zum Market Profile mit Point of Control beschrieben.

Für den reinen Strategietest gibt es schlankere Werkzeuge. Sie handeln nicht, sondern spulen historische Kurse vor. Was so ein Simulator leistet und was er kostet, steht im Test von Forex Tester.

Die Funktionen von ProRealTime

Der Funktionsumfang ist der Grund, warum die Software überhaupt in Vergleiche kommt. Sie deckt Bereiche ab, die bei günstigeren Werkzeugen fehlen, allen voran die Orderflow-Analyse und das Backtesting mit eigenem Code.

Orderflow-Analyse

ProOrderFlow zeigt, welche Seite im Markt tatsächlich zugegriffen hat. Die Funktion stellt historische Kauf- und Verkaufsorders aus dem Orderbuch im Chart dar. Für Scalper ist das relevant, weil sich damit erkennen lässt, ob eine Bewegung von aggressiven Marktorders getragen wurde oder nur von zurückgezogenen Limits.

Ehrlich gesagt ist diese Funktion kein Anfängerwerkzeug. Sie erfordert Übung im Lesen von Markttiefe und ist in der Premium-Version deutlich brauchbarer, weil dort bis zu 20 Orderbuchzeilen sichtbar sind. Wie andere Anbieter dieselbe Analyse umsetzen, zeigt unser Test zu ATAS und der Orderflow-Analyse.

VWAP

Der VWAP ist der nach Volumen gewichtete Durchschnittskurs eines Zeitraums. ProRealTime berechnet ihn Tick für Tick und lässt dich zwischen einem täglichen und einem gleitenden Zeitraum wählen. Seit Version 13 lässt sich der Indikator zusätzlich als Zeichenobjekt direkt im Chart setzen, also frei an einen Startpunkt gebunden.

Praktisch nutzen viele Trader ihn als Referenzlinie. Liegt der Kurs darüber, haben Käufer im Schnitt besser abgeschnitten. Die Grundlagen und typische Einstiege haben wir in der Anleitung zum VWAP-Indikator beschrieben.

Volumenprofil

Das Volumenprofil dreht die übliche Chartansicht um 90 Grad. Statt Volumen pro Zeiteinheit zeigt es das Volumen pro Kursniveau. Niveaus mit viel gehandeltem Volumen wirken häufig als Unterstützung oder Widerstand, weil dort viele Positionen liegen.

Wichtig für die Kostenrechnung: Das einfache Volumenprofil ist im Chart enthalten. Das ausführlichere Market Profile ist ein kostenpflichtiges Zusatzmodul.

Market Replay

Market Replay spielt vergangene Handelstage nach, als liefen sie gerade. Du siehst den Chart Kerze für Kerze entstehen, ohne die Zukunft zu kennen, und kannst Einstiege setzen. Die Geschwindigkeit ist regelbar, eine ganze Handelswoche lässt sich in wenigen Stunden durchspielen.

Für das Üben einer Strategie ist das die ehrlichste Methode, die eine Software bieten kann. Ein Backtest rechnet Regeln durch, ein Replay konfrontiert dich mit der Entscheidung in Echtzeit. Wer schon einmal im Nachhinein einen perfekten Einstieg gefunden hat, kennt den Unterschied.

Multi-Timeframe-Indikatoren

Multi-Timeframe bedeutet, dass ein Indikator aus einer größeren Zeitebene in einer kleineren angezeigt wird. Du kannst den gleitenden Durchschnitt des Tagescharts in den Stundenchart legen. Damit siehst du die übergeordnete Richtung, ohne den Chart zu wechseln.

Scalping-Modus im Orderbuch

Der Scalping-Modus richtet sich an Trader, die im Sekundenbereich arbeiten. Er erlaubt das Verschieben von Stopps auf Break-Even per Klick, das teilweise Schließen von Positionen und die Anzeige des laufenden Gewinns offener Orders direkt im Orderbuch. Was diese Handelsart praktisch verlangt, haben wir im Beitrag zum Scalp-Trading beschrieben.

ProRealTime Version 13 mit Options Pricer, ProScreener, Code-Editor und Market Profile
Die Neuerungen von Version 13, Combo-Orders sind noch angekündigt
FinMent Börsenwebinar

Was Version 13 neu bringt

Version 13 ist verfügbar und verschiebt den Schwerpunkt in Richtung Optionen. Bis zu dieser Überarbeitung beschrieb auch dieser Artikel noch Version 12 als aktuellen Stand. Das ist überholt.

Die größte Erweiterung betrifft den Optionshandel. ProRealTime hat über eine Million US-Aktienoptionen mit Echtzeit-Datenfeed der OPRA aufgenommen und einen Options Pricer ergänzt, der Optionen in mehreren Szenarien bewertet, unter anderem nach Black-Scholes. Combo-Orders für Optionsstrategien sind angekündigt, aber noch nicht freigeschaltet.

Für Chartanalysten sind vier andere Punkte relevanter. Der ProScreener hat eine neue Oberfläche bekommen, mit der sich Bedingungen ohne Code zusammenstellen lassen und die Ergebnisse in Echtzeit aktualisieren. Der Code-Editor wurde überarbeitet und erlaubt jetzt eine Ordnerstruktur. VWAP und Volumenprofil lassen sich als Zeichenobjekte setzen. Und Chart-Registerkarten erlauben mehrere Ansichten desselben Werts in einem Fenster, etwa in verschiedenen Zeiteinheiten.

Was das praktisch bedeutet: Wer die Software wegen der Chartanalyse nutzt, bekommt vor allem Komfort. Wer Optionen handelt, bekommt einen echten Funktionszuwachs.

Welche Broker unterstützen ProRealTime?

Drei Broker sind angebunden, nicht zwei. Über sie läuft die Orderausführung, und über sie wird die Software kostenlos. Die Plattformgebühr entfällt bei allen dreien unter derselben Bedingung: wenn du aktiv handelst.

BrokerAngebotEinlage
IGnur CFDs1.000 €
Interactive BrokersAktien, Futures, Anleihen3.000 €
Saxo BankAktien, Futures, Optionen3.000 €
Mindesteinlage laut Brokerage-Übersicht des Anbieters, Stand 25. August 2026. Saxo führt zusätzlich ein VIP-Angebot ab 100.000 Euro Einlage.

Der Unterschied zwischen den dreien ist größer, als die Tabelle zeigt. Bei IG handelst du ausschließlich CFDs, also Differenzkontrakte auf Aktien, Indizes, Forex, Krypto und Rohstoffe. Du kaufst dort keine echten Wertpapiere. Interactive Brokers und Saxo Bank bieten dagegen echte Wertpapiere und Derivate, IB zusätzlich Anleihen sowie Krypto-Futures und Krypto-ETFs.

Für die Broker-Wahl heißt das: Die niedrigere Mindesteinlage bei IG erkauft man sich mit einer Beschränkung auf CFDs. Wer langfristig Aktien halten will, ist dort falsch. Wie sich der dänische Anbieter insgesamt schlägt, haben wir im Beitrag zur Saxo Bank aufgeschlüsselt.

Ein Detail lohnt den Blick für größere Depots: Saxo bietet ein VIP-Angebot ab 100.000 Euro Einlage, das die Premium-Plattform kostenlos einschließt. Das ist die teuerste Stufe, die damit für aktive Kunden dieser Größenordnung entfällt.

ProRealTime Broker im Vergleich mit Saxo Bank, Interactive Brokers und IG samt Mindesteinlage
Drei Partnerbroker: Bei allen entfällt die Plattformgebühr, wenn du aktiv handelst

Erfahrungen mit ProRealTime

Bei den öffentlichen Bewertungen steht ProRealTime auffällig gut da. Auf Trustpilot kommt der Anbieter auf 4,8 von 5 Punkten bei 1.137 Bewertungen. 92 Prozent davon vergeben die Höchstnote, 2 Prozent die schlechteste.

Solche Werte muss man einordnen, statt sie zu feiern. Eine Software mit Abo-Modell hat eine natürliche Auslese: Wer nicht zurechtkommt, kündigt in den ersten Wochen und schreibt seltener eine Bewertung als jemand, der seit Jahren zahlt. Die Zahl sagt also vor allem, dass die Bestandskunden zufrieden sind. Über die Einstiegshürde sagt sie wenig.

Die wiederkehrenden Kritikpunkte betreffen zwei Bereiche. Der erste ist die Einarbeitung: Die Oberfläche ist dicht, und wer von einer aufgeräumten Broker-App kommt, braucht Zeit. Der zweite betrifft technische Probleme beim automatisierten Handel, konkret Fehler an der Schnittstelle. Für jemanden, der Strategien nur manuell umsetzt, spielt der zweite Punkt keine Rolle.

Unsere eigene Einordnung nach Prüfung der Plattform: Die Stärke liegt eindeutig im Backtesting mit eigenem Code und in der Datenhistorie der Premium-Version. Die Schwäche liegt im Preis-Leistungs-Verhältnis für Trader, die nur Charts lesen wollen. Für reine Chartanalyse gibt es günstigere Wege, die wir im Vergleich der TradingView Alternativen durchgegangen sind.

Kundensupport

Der Support läuft über Telefon und Kontaktformular. Erreichbar ist ProRealTime unter 05141 8093010. Eine allgemeine Support-Mailadresse veröffentlicht der Anbieter nicht, technische Probleme meldest du über ein Formular oder direkt aus der Plattform heraus.

Der Firmensitz liegt in Frankreich: ProRealTime SAS, 30 avenue Edouard Belin, 92500 Rueil-Malmaison. Für Rückfragen zu Verträgen und Rechnungen ist das die maßgebliche Anschrift.

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Vorteile und Nachteile

Ob sich die Software lohnt, hängt weniger vom Funktionsumfang ab als von deinem Handelsstil. Die folgenden Punkte sortieren, für wen die Stärken zählen und wen die Schwächen tatsächlich treffen.

Vorteile von ProRealTime

  • Backtesting mit eigenem Code: Mit ProBuilder und ProBacktest lassen sich eigene Indikatoren und komplette Regelwerke schreiben und auf historischen Daten testen.
  • Sehr lange Datenhistorie: In der Premium-Version reichen Minutendaten des DAX-Future über vier Jahre zurück, EUR/USD auf Tagesbasis bis 1979.
  • Kostenlose Nutzung über den Broker: Bei IG, Interactive Brokers und Saxo Bank entfällt die Plattformgebühr bei aktivem Handel vollständig.
  • Belastbare Gratis-Stufe: Die kostenlose Web-Version enthält Echtzeitkurse für US-Aktien, europäische Aktien, 120 Forex-Paare und Krypto.
  • Orderflow und Market Replay: Beides sind Werkzeuge, die bei vielen günstigeren Anbietern schlicht fehlen.

Nachteile von ProRealTime

  • Marktdaten kosten extra: Für deutsche Aktien und DAX-Kurse in Echtzeit fallen zusätzlich zur Grundgebühr Beträge im einstelligen Bereich an. Genau diese Märkte sind für DACH-Trader zentral.
  • Steile Einarbeitung: Die Oberfläche ist dicht belegt. Ohne die Videoanleitungen dauert der Einstieg spürbar länger als bei einer Broker-App.
  • Große Lücke zwischen Komplett und Premium: Für die mittlere Stufe bekommst du einen Scanner und eine Instrumentenliste. Wer mehr braucht, springt direkt auf die teuerste Stufe, eine Zwischenstufe gibt es nicht.
  • Keine Community-Funktionen: Ein öffentliches Teilen von Analysen wie bei TradingView bietet die Plattform nicht.
  • Programmierkenntnisse zahlen sich aus: Ohne sie bleibt ein erheblicher Teil des Funktionsumfangs ungenutzt. Die aktuellen TradingView-Abos im Überblick zeigen die Alternative.

Erste Schritte mit ProRealTime

Der Einstieg läuft über die kostenlose Web-Version, und das ist der sinnvolle Weg. Du legst ein Konto an, arbeitest im Browser und entscheidest erst danach, ob du die Komplett-Anwendung herunterlädst. Für die installierte Version brauchst du einen Download, für Web und Mobile nicht.

Der Anbieter stellt deutschsprachige Videoanleitungen bereit, die nach der Kontoeröffnung freigeschaltet sind. Sie decken die Themen ab, an denen Einsteiger typischerweise hängenbleiben.

Die sechs Einstiegsthemen

  1. Grundlagen der Oberfläche: Instrumente aufrufen, Zeiteinheit wechseln, Indikatoren hinzufügen, Trendlinien zeichnen und Orders platzieren.
  2. Eigene Listen anlegen: Watchlists aufbauen und die Werte hervorheben, die zu deiner Strategie gehören.
  3. Charts verknüpfen: Mehrere Charts gruppieren, sodass sie demselben Instrument oder Zeitraum folgen.
  4. Aus dem Chart handeln: Orders direkt im Chart setzen und verwalten, statt über ein separates Fenster.
  5. Risiko und Backtesting: Handelsbeschränkungen setzen und Strategien prüfen. Wie du die passende Größe je Trade bestimmst, steht in unserem Beitrag zur Positionsgrößenberechnung.
  6. Market Replay nutzen: Vergangene Handelstage nachspielen und die eigene Umsetzung testen.

Ein Hinweis aus der Praxis: Fang nicht mit der Automatisierung an. Wer zuerst ein Handelssystem programmiert, ohne die Regeln manuell erprobt zu haben, optimiert am Ende nur die Vergangenheit. Der Weg über Market Replay ist langsamer und trägt weiter.

ProRealTime Web, Komplett und Mobile als die drei Versionen der Trading-Software
Web läuft ohne Installation, Komplett wird heruntergeladen, Mobile ergänzt beide
ProRealTime stellt deutschsprachige Erklärvideos bei YouTube bereit
Forex Signale von Profi-Trader Karsten Kagels, 14 Tage testen
forex signale karsten mb

Mein Fazit zu ProRealTime

ProRealTime ist eine Software für systematische Trader, nicht für Gelegenheitsanleger. Der Funktionsumfang bei Backtesting, Orderflow und Datenhistorie ist erheblich, und die eigene Programmiersprache ist der Grund, warum viele Nutzer trotz Preis dabei bleiben. Wer Strategien schreibt und prüft, bekommt hier Werkzeug, das bei günstigeren Anbietern fehlt.

Für reine Chartanalyse ist das Abo dagegen schwer zu rechtfertigen. Wer Trendlinien zieht und ein paar Standardindikatoren liest, nutzt einen Bruchteil der Funktionen und zahlt mit den Marktdatengebühren deutlich mehr als die reine Grundgebühr. In dem Fall lohnt sich der Vergleich mit schlankeren Werkzeugen.

Am meisten unterschätzt wird der Weg über den Broker. Wer ohnehin bei Interactive Brokers, Saxo Bank oder IG handelt, bekommt die Plattform bei aktivem Handel ohne Gebühr. Für aktive Trader ist das der günstigste Zugang zu einer Software dieser Klasse, und er wird in den meisten Testberichten nur nebenbei erwähnt.

Mein Rat für den Einstieg: Nimm die kostenlose Web-Version und arbeite vier Wochen damit. Sie enthält genug Echtzeitdaten, um ernsthaft zu testen. Erst wenn du merkst, dass dir die Historie oder der Scanner fehlt, ist das Abo die richtige Entscheidung. Eine schlankere Alternative mit automatischer Formationserkennung ist AnFin, die einen anderen Ansatz verfolgt.

Häufige Fragen zu ProRealTime

Ist ProRealTime wirklich kostenlos?

Ja, die Web-Version kostet dauerhaft nichts und ist werbefrei. Sie enthält sogar Echtzeitkurse für US-Aktien, west-, nord- und mitteleuropäische Aktien, 120 Forex-Paare, Kryptowährungen sowie Gold und Silber. Kostenpflichtig wird es erst, wenn du Echtzeitdaten für deutsche Aktien oder den DAX brauchst oder die erweiterten Funktionen der Komplett- und Premium-Version nutzen willst.

Was kostet ProRealTime im Monat?

Die Web-Version ist kostenlos. Für die Komplett- und die Premium-Version fallen monatliche Gebühren an, die der Anbieter als Nettopreise ausweist. Für Privatkunden in Deutschland kommen 19 Prozent Umsatzsteuer dazu. Wichtig ist der zweite Posten: Echtzeitdaten für einzelne Märkte werden separat abgerechnet. Die aktuellen Beträge stehen im Abschnitt zu den Kosten.

Brauche ich einen Broker, um ProRealTime zu nutzen?

Für die Analyse nicht, für den Handel schon. ProRealTime ist selbst kein Broker, sondern liefert die Software. Orders laufen über Interactive Brokers, Saxo Bank oder IG. Wer über einen dieser drei aktiv handelt, bekommt die Plattform ohne Gebühr.

Läuft ProRealTime im Browser oder muss ich etwas installieren?

Beides gibt es. Die Web-Version läuft ohne Installation im Browser, die Komplett-Version wird heruntergeladen und lokal installiert. Die Mobil-App für iOS und Android ist in allen Stufen enthalten.

Was unterscheidet die Premium- von der Komplett-Version?

Vor allem die Limits. Premium erlaubt bis zu 1 Million Kerzen Historie, 100 gleichzeitig laufende Handelssysteme, 20 parallele Marktscans und 200 Alarme. Die Komplett-Version arbeitet mit einem Scanner, 50 Treffern und einer Instrumentenliste. Beim DAX-Future im Minutenchart reicht Premium über vier Jahre zurück, Komplett elf Monate.

Kann ich Handelsstrategien automatisieren?

Ja. Mit ProBuilder schreibst du eigene Indikatoren, mit ProBacktest prüfst du Regeln auf historischen Daten und mit ProOrder lässt du sie automatisch ausführen. Wer nicht programmieren will, kann Bedingungen über einen grafischen Assistenten zusammenstellen.

Welche Neuerungen bringt Version 13?

Version 13 bringt über eine Million US-Aktienoptionen mit OPRA-Datenfeed, einen Options Pricer mit Black-Scholes-Bewertung, eine neue ProScreener-Oberfläche, einen überarbeiteten Code-Editor sowie Chart-Registerkarten. VWAP und Volumenprofil lassen sich jetzt als Zeichenobjekte setzen. Combo-Orders für Optionen sind angekündigt, aber noch nicht verfügbar.

Eine günstigere Einstiegsoption läuft im Browser. Der browserbasierte Trading-Desk bietet Charting und Realtimekurse gratis, kostenpflichtig sind dort nur Signale und Scans.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 aktiv und arbeitet als diskretionärer Price-Action-Trader in den Märkten Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsen. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte alle zehn Bücher des amerikanischen Trading-Autors, bekannt für den Ross-Haken und den Traders Trick Entry.

Chartsoftware beurteilt Karsten aus der Sicht eines diskretionären Traders, der seit Jahrzehnten mit Kursverläufen arbeitet und Werkzeuge danach bewertet, ob sie eine Entscheidung am Chart tatsächlich verbessern. Für diesen Artikel wurden die Preis-, Brokerage-, Kontakt- und Versionsseiten des Anbieters ausgewertet, die Bestandsbilder gegen den heutigen Stand geprüft und die Bewertungen auf Trustpilot herangezogen. Angaben, die sich nur bei Wettbewerbern fanden und nicht beim Anbieter belegen ließen, wurden nicht übernommen.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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