Fast jeder Ratgeber zu ETFs endet dort, wo es für dich teuer wird. Erklärt wird, was ein Indexfonds ist und warum die laufenden Kosten niedrig sind. Nicht erklärt wird, was der einzelne Kauf kostet: an welchem Handelsplatz, zu welcher Uhrzeit und mit welcher Orderart. Genau daran verlieren Anleger regelmäßig mehr Geld als an der Verwaltungsgebühr eines ganzen Jahres.
Dieser Artikel behandelt ETFs aus der Sicht des Handels. Er erklärt zuerst kurz, was ein ETF ist und wie er den Index nachbaut, und geht dann auf die Punkte, die beim Ordern zählen: Spread, Handelsplatz, Uhrzeit und Orderart. Die Zahlen dazu stammen aus der offiziellen Liquiditätsmessung der Deutschen Börse. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
ETF handeln: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Was ein ETF ist: ein börsengehandelter Fonds, der einen Index nachbildet: du kaufst ihn wie eine Aktie über die Börse.
- Die gemessenen Handelskosten: Bei den zehn liquidesten ETFs auf Xetra liegen sie zwischen 1,6 und 2,7 Basispunkten für einen Roundtrip über 100.000 Euro.
- Die Uhrzeit entscheidet mit: Der Kernhandel auf Xetra läuft von 9:00 bis 17:30 Uhr. Davor und danach wird es an den Direkthandelsplätzen regelmäßig teurer.
- Immer mit Limit: Eine Market-Order nimmt jeden Kurs an. Bei einem ETF mit dünnem Orderbuch ist das der teuerste Fehler überhaupt.
- Die TER ist nicht der ganze Preis: Zur Verwaltungsgebühr kommen Spread, Ordergebühr und bei manchen Fonds eine Abweichung zum Index.
- Stop-Loss geht, wirkt bei ETFs aber anders als bei Einzelaktien: außerhalb der Kernzeit kann er zum falschen Kurs auslösen.
Was ist ein ETF?
Ein ETF (Exchange Traded Fund) ist ein Investmentfonds, der an der Börse gehandelt wird und die Wertentwicklung eines Index nachbildet. Statt einzelne Aktien auszuwählen, kauft der Fonds die Bestandteile des Index nach festen Regeln. Weil kein Fondsmanager über die Titel entscheidet, sind die laufenden Kosten deutlich niedriger als bei aktiv verwalteten Fonds.
Der entscheidende Unterschied zum klassischen Fonds steckt im Wort „gehandelt”. Einen herkömmlichen Investmentfonds kaufst du zu einem Preis am Tag, den die Fondsgesellschaft berechnet. Einen ETF kaufst du dagegen wie eine Aktie über ein Orderbuch: Es gibt zu jeder Sekunde einen Kaufkurs und einen Verkaufskurs, und beide liegen auseinander. Wie günstig ein Sparplan am Ende wirklich ist, hängt am Anbieter: Bei BUX etwa sind Sparplan-Orders gratis, auf das Depotvermögen läuft aber eine jährliche Servicegebühr.
Genau daraus entsteht der Teil der Kosten, über den kaum jemand schreibt. Wer einen ETF ohne Rücksicht auf Handelsplatz und Uhrzeit ordert, zahlt einen Aufschlag, den er nie auf einer Abrechnung sieht. Er steckt im Kurs. Wie groß er ist, lässt sich messen, und die Deutsche Börse tut das täglich.
Physisch, synthetisch, Sampling: wie ein ETF den Index nachbaut
Ein ETF kann seinen Index auf drei Wegen abbilden, und der Weg beeinflusst, wie eng er ihm folgt. Für die reine Anlageentscheidung ist das ein Detail. Für das Verständnis, warum zwei ETFs auf denselben Index unterschiedliche Kurse zeigen können, ist es der Kern.
Bei der vollständigen physischen Replikation kauft der Fonds alle Indexwerte. Ein DAX-ETF hält dann tatsächlich Aktien aller 40 Unternehmen in der Gewichtung des Index. Das ist der einfachste und transparenteste Weg, und er funktioniert gut, solange der Index überschaubar ist und seine Werte liquide sind.
Beim Sampling kauft der Fonds nur einen repräsentativen Ausschnitt. Das ist üblich bei sehr breiten Indizes: Ein Weltindex mit über 1.000 Titeln lässt sich nicht sinnvoll vollständig nachkaufen, weil die kleinsten Positionen im Verhältnis zu den Transaktionskosten zu klein wären. Der Fonds bildet den Index dann über eine Auswahl nach, die ihm rechnerisch möglichst nahekommt.
Ein synthetischer ETF kauft die Indexwerte gar nicht. Er hält ein anderes Wertpapierbündel und tauscht dessen Wertentwicklung über einen Swap mit einer Bank gegen die des Index. Das kann günstiger und genauer sein, bringt aber ein Kontrahentenrisiko mit: Fällt der Swap-Partner aus, hängt die Absicherung an hinterlegten Sicherheiten. Die Konstruktion steht in den Fondsunterlagen, meist unter „Replikationsmethode”.
Für den Handel folgt daraus eine praktische Regel. Je exotischer der Index und je illiquider seine Bestandteile, desto größer die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs des ETF: unabhängig davon, wie günstig seine Verwaltungsgebühr aussieht. Wer das prüfen will, findet die Details bei Anbietern wie justETF, oder direkt im Factsheet des Fonds.
Was ein ETF wirklich kostet: die TER ist nur die halbe Rechnung
Die Gesamtkostenquote eines ETF ist die Zahl, mit der geworben wird, und die am wenigsten aussagt. Die TER (Total Expense Ratio) enthält die Verwaltungsgebühr des Fonds und wird laufend aus dem Fondsvermögen entnommen. Sie liegt bei breiten Standard-ETFs oft im Bereich weniger Hundertstel Prozent im Jahr. Was sie nicht enthält, sind die Kosten deines eigenen Kaufs.
Vier Posten kommen zusammen, und nur einer davon steht im Prospekt. Die TER zahlst du dauerhaft über die Haltedauer. Die Ordergebühr deines Brokers zahlst du pro Trade und siehst sie auf der Abrechnung. Den Spread zahlst du ebenfalls pro Trade, siehst ihn aber nirgends ausgewiesen: er steckt im Kurs. Dazu kommt die Nachbildungsabweichung: der Unterschied zwischen der Wertentwicklung des Fonds und der des Index.
Für den kurzfristig orientierten Anleger dreht sich das Verhältnis um. Wer einen ETF zehn Jahre hält, für den ist die TER der große Posten und der Spread eine Randnotiz. Wer denselben ETF mehrmals im Jahr kauft und verkauft, zahlt den Spread jedes Mal neu, und die Verwaltungsgebühr fällt kaum ins Gewicht. Genau deshalb sind die üblichen ETF-Ratgeber für Trader nur begrenzt brauchbar: Sie rechnen die Perspektive des Sparplans.
Der Spread: was die Xetra-Daten über die echten Handelskosten sagen
Der Spread ist die Differenz zwischen dem Briefkurs, zu dem du kaufst, und dem Geldkurs, zu dem du verkaufst. Er ist keine Gebühr, die jemand berechnet, sondern der Preis dafür, dass zu jedem Zeitpunkt jemand bereit steht, dir das Papier abzunehmen oder zu verkaufen. Bezahlt wird er in dem Moment, in dem die Order ausgeführt wird.
Die meisten Erklärungen enden hier, mit dem Hinweis, beliebte ETFs hätten „einen geringen Spread”. Das ist richtig und hilft niemandem, weil keine Zahl dabeisteht. Die gibt es aber: Die Deutsche Börse veröffentlicht mit dem Xetra Liquidity Measure die impliziten Handelskosten in Basispunkten, gemessen an einem Roundtrip, also Kauf und Verkauf zusammen.
Ein Rechenbeispiel der Börse selbst macht die Einheit greifbar. Ein XLM von zehn Basispunkten bedeutet bei einem Ordervolumen von 25.000 Euro Kosten von 25 Euro für Kauf und Verkauf zusammen. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozent; 100 Basispunkte sind ein Prozent.
So sieht die Spitzengruppe aus. Die folgende Tabelle zeigt die zehn ETFs mit den niedrigsten Handelskosten auf Xetra, gemessen für einen Roundtrip über 100.000 Euro. Die dritte Spalte rechnet den Wert auf eine Order über 10.000 Euro um: die Größenordnung, in der die meisten Privatanleger tatsächlich handeln.
| ETF | Roundtrip in Basispunkten | Kosten je 10.000 Euro |
|---|---|---|
| iShares eb.rexx Government Germany 1,5–2,5J | 1,6 | 1,60 Euro |
| iShares € Corp Bond 0–3J ESG | 2,3 | 2,30 Euro |
| Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap | 2,4 | 2,40 Euro |
| Lyxor Euro Overnight Return | 2,4 | 2,40 Euro |
| iShares $ Treasury Bond 0–1J | 2,4 | 2,40 Euro |
| Xtrackers II Germany Government Bond 1–3 | 2,5 | 2,50 Euro |
| iShares € Govt Bond 1–3J | 2,5 | 2,50 Euro |
| iShares € Govt Bond 3–5J | 2,6 | 2,60 Euro |
| iShares Core DAX | 2,7 | 2,70 Euro |
Beim Lesen dieser Liste fällt etwas auf, das kaum irgendwo steht. Von den zehn liquidesten ETFs sind neun Anleihen- oder Geldmarktfonds. Der einzige Aktien-ETF in der Spitzengruppe ist ein DAX-ETF, und er steht mit 2,7 Basispunkten am Ende der Liste. Kein einziger der breit gestreuten Welt-ETFs, die in jedem Sparplan-Ratgeber empfohlen werden, schafft es in diese Auswahl.
Daraus folgt keine Empfehlung, sondern eine Erwartungshaltung. Die 1,6 bis 2,7 Basispunkte sind die Untergrenze des Marktes, nicht der Normalfall. Wer einen Branchen-, Themen- oder Schwellenland-ETF handelt, bewegt sich in einer anderen Größenordnung, und sollte den Spread vor der Order im Orderbuch ansehen, statt ihn zu schätzen. Wie stark sich einzelne Sektoren unterscheiden, zeigt unser Überblick zu Branchen- und Themen-ETFs.
Ein Punkt zur Einordnung der Zahlen. Der XLM misst einen Roundtrip über 100.000 Euro. Bei kleineren Orders ist der prozentuale Aufschlag in der Regel nicht kleiner, sondern eher größer, weil ein Teil der Kosten nicht mit dem Volumen skaliert. Die Tabelle ist also kein Versprechen für deine Order über 500 Euro, sondern ein Maßstab dafür, was am Markt überhaupt erreichbar ist.
Wann du handelst, entscheidet mit
Die Deutsche Börse misst die Handelskosten nicht nur je ETF, sondern auch über den Tagesverlauf. Für den intraday XLM wird der Handelstag von 9:00 bis 17:30 Uhr in Halbstundenintervalle zerlegt und für jedes Intervall rückwirkend berechnet, was ein Roundtrip gekostet hätte. Dass es diese Kennzahl überhaupt gibt, ist die eigentliche Aussage: Die Handelskosten desselben ETF sind über den Tag nicht konstant.
Der Kernhandel auf Xetra läuft von 9:00 bis 17:30 Uhr. In diesem Fenster stellen die Market Maker verbindlich Kurse, und die Referenzbörse für die meisten in Deutschland gelisteten ETFs ist geöffnet. Seit Dezember 2025 reicht das gesamte Handelsfenster für Privatanleger von 8:00 bis 22:00 Uhr: der Unterschied zwischen beiden Angaben ist genau der Punkt, um den es hier geht. Die Einzelheiten stehen in unserem Überblick zu den Xetra-Handelszeiten.
Die Direkthandelsplätze sind länger offen, und das ist beides zugleich. Bei Tradegate und gettex kannst du bis in den späten Abend ordern. Der Komfort hat einen Preis: Außerhalb der Xetra-Kernzeit fehlt die Referenz, an der sich die Kursstellung orientiert, und die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs wird tendenziell weiter.
Bei ETFs auf ausländische Märkte kommt eine zweite Zeitzone dazu. Ein ETF auf den S&P 500 wird in Deutschland ab 8:00 Uhr gehandelt, aber die zugrunde liegenden Aktien werden erst ab 15:30 Uhr unserer Zeit gehandelt. Vormittags stellt der Market Maker seine Kurse also auf Basis von Erwartungen und Futures, nicht auf Basis laufender Umsätze im Basiswert. Das ist handelbar, aber es ist etwas anderes als der Nachmittag.
Als Faustregel bleibt damit ein einfacher Satz. Wer einen ETF auf einen europäischen Index handelt, ist zwischen 9:30 und 17:00 Uhr am nächsten an der Referenz. Wer einen ETF auf einen US-Index handelt, wartet nach Möglichkeit die US-Eröffnung ab. Und wer außerhalb dieser Fenster ordern muss, tut es mit Limit: dazu gleich mehr. Einen Gesamtüberblick über die Zeiten der wichtigsten Handelsplätze gibt unser Artikel zu den Börsenzeiten.
Limit statt Market: die richtige Orderart
Eine Market-Order sagt dem Markt: Gib mir das Papier, egal zu welchem Preis. Bei einem liquiden Standardwert ist das folgenlos, weil der nächste verfügbare Kurs praktisch der ist, den du erwartest. Bei einem ETF mit dünnem Orderbuch oder außerhalb der Kernzeit ist es die teuerste Art, eine Order aufzugeben. Wie eine solche Order technisch funktioniert, erklären wir im Detail bei der Market-Order.
Die Limit-Order dreht das um. Du legst fest, welchen Preis du höchstens zahlst, und nimmst dafür in Kauf, dass die Order nicht ausgeführt wird, wenn der Markt dein Limit nicht erreicht. Für einen Anleger, der ohnehin über Wochen denkt, ist das kein Nachteil, sondern der eigentliche Sinn: Ein Kauf, der einen Tag später zum besseren Kurs stattfindet, ist besser als einer, der sofort zu einem schlechten stattfindet.
Ein praktischer Weg, das Limit zu setzen, ist der Blick ins Orderbuch. Dort stehen Geld- und Briefkurs nebeneinander. Wer sein Limit auf den aktuellen Briefkurs legt oder einen Cent darüber, kauft in aller Regel sofort und hat trotzdem eine Obergrenze gesetzt für den Fall, dass sich der Kurs im Moment der Ausführung bewegt. Das kostet nichts und verhindert den Ausreißer.
Ein Sonderfall verdient eine Warnung. Rund um die Eröffnung und in den ersten Minuten nach 9:00 Uhr sind die Spannen oft weiter als später am Vormittag, weil sich die Kursstellung erst einpendelt. Wer ausgerechnet dann eine Market-Order absetzt, weil er „gleich zum Handelsstart” kaufen will, zahlt genau dafür.
Stop-Loss auf einen ETF: geht das?
Technisch ja: ein ETF wird gehandelt wie eine Aktie, also nimmt der Broker auch eine Stop-Order entgegen. Wie das in der Praxis eingerichtet wird, zeigen wir am Beispiel von Stop Loss und Trailing Stop bei Scalable Capital. Die interessantere Frage ist, ob das bei einem ETF dasselbe leistet wie bei einer Einzelaktie.
Der wichtigste Unterschied liegt in der Auslösung. Ein Stop-Loss ist keine Verkaufsorder zum Stop-Kurs, sondern ein Auslöser: Wird die Marke berührt, entsteht daraus eine Market-Order. Verkauft wird dann zum nächsten verfügbaren Kurs. Genau hier trifft die Stop-Order auf das Spread-Problem aus dem vorigen Abschnitt, und zwar in dem Moment, in dem der Markt ohnehin unruhig ist.
Besonders heikel wird es außerhalb der Kernzeit. Eine Stop-Marke, die abends um 21:00 Uhr an einem Direkthandelsplatz berührt wird, löst zu Kursen aus, die keine Referenzbörse mehr absichert. Wer eine Stop-Order über Nacht stehen lässt, sollte deshalb wissen, an welchem Handelsplatz sie liegt und wie lange dieser geöffnet ist. Welche Rolle die Wahl des Platzes über den ETF-Kauf hinaus spielt, steht in unserem Überblick, welcher Handelsplatz wann der richtige ist.
Für breit gestreute ETFs stellt sich zusätzlich eine inhaltliche Frage. Ein Stop-Loss schützt vor dem Ausfall eines einzelnen Unternehmens, und genau dieses Risiko hat ein Index-ETF durch seine Streuung bereits weitgehend abgebaut. Gegen einen breiten Marktrückgang schützt er nicht, er realisiert ihn nur. Für einen langfristig gedachten Bestand ist er deshalb oft das falsche Werkzeug; für eine taktische Position mit klarer Ausstiegsidee kann er richtig sein.
Wer ihn nutzt, setzt ihn nicht auf eine runde Zahl. Marken wie „genau zehn Prozent unter Einstand” liegen bei vielen Anlegern gleich und werden entsprechend häufig berührt. Sinnvoller ist eine Marke, die sich aus dem Chart ergibt: unter einem markanten Tief, mit etwas Abstand.
Fazit: der günstige Fonds nützt wenig bei einer teuren Order
ETFs sind als Produkt billig geworden, der Zugang zu ihnen ist es nicht automatisch. Die Verwaltungsgebühr ist über Jahre hinweg gesunken und wird in jedem Vergleich auf die zweite Nachkommastelle diskutiert. Der Spread dagegen taucht in keiner Abrechnung auf, und genau deshalb prüft ihn kaum jemand.
Die Xetra-Zahlen setzen den Maßstab, nicht die Erwartung. 1,6 bis 2,7 Basispunkte gelten für die zehn liquidesten Papiere des Marktes, von denen neun Anleihen- und Geldmarkt-ETFs sind. Alles, was spezieller ist als ein DAX- oder Staatsanleihen-ETF, liegt darüber: wie weit, zeigt nur der Blick ins Orderbuch vor der Order.
Drei Handgriffe kosten nichts und wirken sofort. Innerhalb der Kernhandelszeit ordern statt abends nebenbei. Immer ein Limit setzen, auch wenn es nur der aktuelle Briefkurs ist. Und bei ETFs auf US-Indizes den Nachmittag abwarten, wenn der Basiswert selbst gehandelt wird.
Für wen sich der Aufwand lohnt, hängt an der Haltedauer. Wer einmal im Monat einen Sparplan ausführen lässt, kann diesen Artikel getrost auf den Limit-Hinweis verkürzen. Wer eine größere Summe auf einmal investiert oder einen ETF mehrmals im Jahr handelt, zahlt jeden dieser Punkte mehrfach, und für den ist der Spread die relevantere Zahl als die TER.
Häufige Fragen zum ETF-Handel
Wie hoch ist der Spread bei einem ETF?
Für die zehn liquidesten ETFs auf Xetra misst die Deutsche Börse Handelskosten von 1,6 bis 2,7 Basispunkten für einen Roundtrip über 100.000 Euro. Das entspricht 1,60 bis 2,70 Euro je 10.000 Euro Ordervolumen für Kauf und Verkauf zusammen. Diese Werte sind die Untergrenze des Marktes; bei Branchen-, Themen- oder Schwellenland-ETFs liegen sie deutlich darüber.
Was ist ein guter Spread?
Eine allgemeingültige Grenze gibt es nicht, weil sie vom Papier abhängt. Brauchbar ist der Vergleich mit dem Referenzwert: Ein breiter Standard-ETF sollte sich während der Xetra-Kernzeit in der Größenordnung weniger Basispunkte bewegen. Wer eine konkrete Zahl braucht, liest den Geld- und Briefkurs im Orderbuch ab und rechnet die Differenz in Prozent des Kurses um.
Wirkt sich der Spread auch auf einen ETF-Sparplan aus?
Ja, aber weniger stark als beim Einzelkauf. Sparpläne werden meist gebündelt zu festen Zeitpunkten ausgeführt, oft innerhalb der Kernhandelszeit, und der Anleger hat keinen Einfluss auf den Ausführungszeitpunkt. Weil dabei kleine Beträge über viele Jahre laufen, gleichen sich Ausreißer aus. Bei einer größeren Einmalanlage lohnt die Aufmerksamkeit dagegen sofort.
Zu welcher Uhrzeit sollte ich einen ETF kaufen?
Bei ETFs auf europäische Indizes innerhalb der Xetra-Kernhandelszeit von 9:00 bis 17:30 Uhr, mit etwas Abstand zur Eröffnung. Bei ETFs auf US-Indizes am besten nach 15:30 Uhr, wenn die zugrunde liegenden Aktien selbst gehandelt werden. Die Deutsche Börse berechnet die Handelskosten sogar je Halbstundenintervall, was zeigt, dass sie über den Tag schwanken.
Warum ist der Spread bei manchen Brokern höher?
Das liegt weniger am Broker als am Handelsplatz und an der Uhrzeit. Viele Neobroker leiten Orders an einen einzelnen Direkthandelsplatz weiter, der auch außerhalb der Xetra-Zeiten geöffnet ist. Fehlt die Referenzbörse, stellt der Market Maker seine Kurse mit größerem Sicherheitsabstand. Wer die Wahl hat, prüft vor der Order, welcher Handelsplatz angesteuert wird.
Für wen lohnt sich ein ETF überhaupt?
Für Anleger, die breit gestreut in einen Markt investieren wollen, ohne einzelne Titel auszuwählen. Gegen einen allgemeinen Marktrückgang schützt die Streuung nicht: sie senkt nur das Risiko, das von einem einzelnen Unternehmen ausgeht. Wer dagegen gezielt auf einzelne Bewegungen setzen will, ist mit einem Index-ETF nicht bedient.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.
Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für diesen Artikel hat er die Handelskosten nicht geschätzt, sondern die Liquiditätsmessung der Deutschen Börse ausgewertet. Dabei fiel auf, dass unter den zehn liquidesten ETFs neun Zinsprodukte sind und kein einziger der viel empfohlenen Welt-ETFs. Aus über vier Jahrzehnten Handelspraxis kennt er den Unterschied zwischen einer günstigen Gebühr und einer günstigen Ausführung.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.












