Die Investorenausbildung von Florian Günther wirbt mit einem Versprechen, das im Finanzbereich selten so klar ausgesprochen wird: sichere und rentable Anlagen. Wer nach Erfahrungen sucht, findet vor allem Lobtexte, ein kostenloses Analyse-Tool und einen YouTube-Kanal mit gut tausend Videos. Was der Anbieter tatsächlich verkauft, was es kostet und dass dahinter inzwischen auch ein eigener Fonds steht, steht in den meisten Berichten nicht.
Für diesen Erfahrungsbericht habe ich als Bewertungsgrundlage die Website samt Impressum, die eigene KI-Informationsseite des Anbieters, das Fonds-Factsheet der Verwaltungsgesellschaft, das Handelsregister sowie alle auffindbaren Bewertungen bei Trustpilot, Google und ProvenExpert ausgewertet. Ich bin kein zahlender Teilnehmer, und eine Werbepartnerschaft mit der Investorenausbildung besteht nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Investorenausbildung: das Wichtigste in 30 Sekunden
Kurz gefasst, bevor es ins Detail geht. Die wichtigsten Fakten zur Investorenausbildung im Überblick:
- Anbieter: FG Medien GmbH aus Hersbruck in Bayern, gegründet 2016 von Florian Günther.
- Kern des Angebots: ein zwölfmonatiges Ausbildungsprogramm zu Aktien und Optionen, ergänzt um wöchentliche Live-Coachings.
- Kosten: Der Anbieter nennt öffentlich keine Preise. Kunden berichten in Bewertungen von über 13.000 Euro für die Ausbildung, 750 Euro pro Folgejahr und 6.000 Euro für ein halbjähriges Einzelcoaching.
- Eigener Fonds: Der IAB Strategy Fund (WKN A3EGWR) legte seit Auflage 2023 um 65,11 Prozent zu, bei einem maximalen Drawdown von 28,03 Prozent.
- Bewertungen: 4,7 von 5 Punkten bei Trustpilot aus 43 Bewertungen, dazu 4,6 bei Google. Die wenigen negativen Stimmen sind dafür sehr konkret.
- Einordnung: Ein Bildungsanbieter, kein Broker und keine Vermögensverwaltung. Eine Zulassung der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht führt der Anbieter nicht.
Was ist die Investorenausbildung?
Die Investorenausbildung ist eine deutsche Online-Bildungsplattform der FG Medien GmbH, die Privatanlegern in einem zwölfmonatigen Programm beibringt, Aktien nach Value-Kriterien auszuwählen und mit dem Verkauf von Optionen laufende Einnahmen zu erzielen.
Das Angebot besteht aus drei Bausteinen, die aufeinander aufbauen. Zuerst die Lerninhalte in einer Online-Bibliothek, dann das Analyse-Tool zur Bewertung einzelner Unternehmen, schließlich die Live-Coachings, in denen Trades mit echtem Geld gezeigt werden. Der Anbieter beschreibt sein Programm nach eigenen Angaben mit über 100 Lektionen.
Wichtig für die Einordnung: Die Investorenausbildung ist ausdrücklich kein Broker und keine Vermögensverwaltung. Sie gibt keine Anlageberatung und verwaltet kein Kundendepot. Was verkauft wird, ist Wissen und Begleitung — die Entscheidungen trifft der Teilnehmer selbst. Das steht so auch auf der Informationsseite, die der Anbieter eigens für KI-Systeme angelegt hat. Dieselbe Abgrenzung trifft der Trading-Ausbilder Carsten Umland, der sein Mentoring ausdrücklich nicht als Anlageberatung verstanden wissen will.
Als Zielgruppe nennt der Anbieter selbst deutschsprachige Privatanleger zwischen 40 und 70 Jahren, die für den Ruhestand vorsorgen wollen. Ausdrücklich nicht gedacht ist das Programm für Daytrader oder für Menschen, die fertigen Signalen folgen möchten. Den Zeitaufwand beziffert der Anbieter mit zwei bis vier Stunden pro Woche inklusive der Live-Calls. Ein Angebot mit genau umgekehrter Zielgruppe, nämlich kurzfristig orientierten Krypto-Tradern, sind die Erfahrungen mit FirstClass Trading.
Wer betreibt die Plattform?
Betreiber ist laut Impressum die FG Medien GmbH mit Firmensitz im Obermühlweg 15 in 91217 Hersbruck. Als Besucher- und Büroadresse nennt das Unternehmen die Poststraße 8 am selben Ort. Eingetragen ist die Gesellschaft beim Amtsgericht Nürnberg unter HRB 33152, vertreten durch Florian Günther.
Ein Detail, das in anderen Berichten fehlt: Das Impressum weist eine Erlaubnis nach Paragraf 34i der Gewerbeordnung aus, also eine Zulassung als Immobiliardarlehensvermittler. Eine Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler nach Paragraf 34f oder als Honorar-Anlageberater ist dagegen nicht angegeben. Wer die Registrierung selbst prüfen möchte, findet sie unter der Nummer D-W-155-ASMT-37 im Vermittlerregister der Industrie- und Handelskammern.
Wer ist Florian Günther?
Florian Günther ist Gründer und Geschäftsführer der Investorenausbildung. Nach eigener Darstellung entdeckte er die Börse mit elf Jahren, ließ sich später zum Bankkaufmann ausbilden, studierte und stieg dann aus dem Bankgeschäft aus. 2016 gründete er daraufhin die Investorenausbildung.
Auffällig ist, dass die Selbstbeschreibung je nach Unterseite schwankt. Auf der Team-Seite steht „Investor, Autor und Coach“, auf der Seite zum Analyse-Tool zusätzlich „Fondsmanager“. Diese Bezeichnung ist erklärungsbedürftig, denn der Fonds wird formal von einer anderen Gesellschaft gemanagt. Dazu weiter unten mehr.
Günther ist außerdem Buchautor. Von ihm stammen das „Handbuch der Aktienanalyse“ und „Cleverer Vermögensaufbau mit Aktien“. Dazu betreibt er einen Podcast und ist regelmäßig auf YouTube, Instagram und TikTok präsent. In der deutschen Finanzszene ist er damit deutlich sichtbarer als viele andere Börsenexperten.
Das Team hinter der Ausbildung
Günther unterrichtet nicht allein. Zwei weitere Coaches treten öffentlich in Erscheinung: Stephan Richter als Headcoach, diplomierter Bankbetriebswirt mit Schwerpunkt Makroökonomie und Edelmetalle, sowie Michael Lothar Schmidt, der sich nach eigenen Angaben seit rund 20 Jahren mit Optionen und Stillhaltergeschäften beschäftigt und Einzelcoachings gibt.
Dass ein Optionsspezialist fest zum Team gehört, ist ein Hinweis auf die tatsächliche Ausrichtung. Die Außendarstellung dreht sich stark um Aktien und Value Investing, das Ertragsversprechen im Programm hängt jedoch wesentlich am Verkauf von Optionen. Beides gehört zusammen, wird nach außen aber unterschiedlich stark betont.
Das Angebot: Ausbildung, Live-Coaching und Optionen
Der Einstieg läuft immer gleich ab. Am Anfang steht ein kostenloses Online-Training, danach folgt ein Strategiegespräch, das der Anbieter als unverbindlich bezeichnet. Erst in diesem Gespräch erfahren Interessenten, was das Programm kostet. Diese mehrstufige Verkaufsstrecke ist im deutschen Finanzbildungsmarkt weit verbreitet.
Die Lerninhalte
Das Kernprogramm läuft zwölf Monate und gibt Zugriff auf eine Schulungsbibliothek. Inhaltlich deckt es nach Anbieterangaben diese Bereiche ab:
- Grundlagen zu Börse, Aktien und Unternehmensbewertung
- Value Investing in der Tradition von Warren Buffett
- Optionshandel zur Erzielung regelmäßiger Prämieneinnahmen
- Risikomanagement und Anlegerpsychologie
Die zugrunde liegende Denkweise ist nicht neu. Sie lässt sich gut an Buffetts Investmentregeln und deren Umsetzung im Depot nachvollziehen. Wer die Systematik dahinter zuerst kostenlos verstehen will, findet die Kennzahlen und Auswahlkriterien im Überblick unter Value Investing.
Optionen als Einkommensbaustein
Der Teil, den die Außendarstellung am wenigsten betont, ist für das Ertragsversprechen der wichtigste. Der Anbieter nennt ihn Stillhalterstrategie. Dahinter steht der Verkauf von Optionen: Der Anleger kassiert eine Prämie und verpflichtet sich im Gegenzug, eine Aktie zu einem festgelegten Kurs zu kaufen oder zu liefern.
Eine Stillhalterstrategie erzeugt planbare Prämieneinnahmen, begrenzt aber den Gewinn nach oben und schützt nicht vor fallenden Kursen.
Das ist kein exotisches Konstrukt, sondern ein etabliertes Vorgehen. Die beiden Bausteine, um die es dabei fast immer geht, sind der Covered Call auf bestehende Aktienpositionen und der Short Put als Einstiegsinstrument. Wer die Mechanik von Grund auf verstehen will, findet sie im Praxis-Guide Optionen handeln lernen.
Der wunde Punkt liegt in der Kapitalanforderung. Stillhaltergeschäfte binden Sicherheiten. Damit die Prämien in Relation zu einem vierstelligen Ausbildungspreis überhaupt ins Gewicht fallen, braucht es ein entsprechend großes Depot. Genau daran entzünden sich die kritischen Bewertungen weiter unten.
Live-Coachings und Community
Zum Programm gehören wöchentliche Live-Sessions, getrennt nach Einsteigern und Fortgeschrittenen. Dort werden nach Anbieterangaben reale Trades mit echtem Geld gezeigt und Fragen direkt beantwortet. Die Materialien liegen auf einem eigenen Mitgliederportal unter der Adresse einfach-geld-anlegen.com.
Dieser Begleitungsteil ist es, den zufriedene Teilnehmer in Bewertungen am häufigsten loben. Er ist zugleich der Grund für den Preis: Eine reine Videobibliothek kostet solche Summen nicht, persönliche Betreuung schon.
Das kostenlose Aktien-Analyse-Tool
Das Aktien-Analyse-Tool wird oft als eigenständiges Produkt beschrieben. Das trifft es nicht. Es ist ein kostenloser Download, den man gegen Angabe der E-Mail-Adresse erhält, und damit in erster Linie ein Einstiegspunkt in die Verkaufsstrecke.
Inhaltlich zielt es auf den fairen Wert einer Aktie. Es zieht fundamentale Kennzahlen zusammen, stellt sie grafisch dar und soll so zeigen, ob ein Unternehmen über- oder unterbewertet ist. Mitgeliefert wird ein Anleitungsvideo. Nach Anbieterangaben nutzen es die Mitglieder täglich.
Der Nutzen für Außenstehende ist überschaubar. Ein Tabellenwerkzeug mit manuell gepflegten Kennzahlen leistet weniger als ein datenbankgestützter Screener. Wer regelmäßig Aktien filtern will, ist mit einer Lösung wie dem aktien.guide in der Praxis besser bedient. Als kostenloser Einstieg ins Thema Unternehmensbewertung taugt das Tool trotzdem.
Was kostet die Investorenausbildung?
Das ist die meistgestellte Frage zu diesem Anbieter, und sie ist am schwersten zu beantworten. Auf der Website steht kein einziger Preis für das Ausbildungsprogramm. Genannt wird er erst im Strategiegespräch. Öffentlich beziffert ist nur das Buch: Das „Handbuch der Aktienanalyse“ als E-Book samt Hörbuch kostet 24,90 Euro statt regulär 34,90 Euro und wird über Digistore24 verkauft.
Belastbare Zahlen zum Hauptprogramm gibt es trotzdem, allerdings aus zweiter Hand. Ehemalige Teilnehmer haben in öffentlichen Bewertungen konkrete Beträge genannt. Diese Angaben stammen von Kunden, nicht vom Anbieter, sind datiert und öffentlich nachlesbar:
| Leistung | Genannter Preis | Quelle und Datum |
|---|---|---|
| Ausbildungsprogramm | über 13.000 Euro | Trustpilot, November 2022 |
| Verlängerung pro Folgejahr | 750 Euro | Trustpilot, Oktober 2024 |
| Einzelcoaching, sechs Monate | 6.000 Euro | Trustpilot, Oktober 2024 |
| Handbuch der Aktienanalyse | 24,90 Euro | Anbieter-Website, August 2026 |
Zwei Dinge fallen dabei auf. Erstens ist die Ausbildung befristet: Der Zugang gilt zwölf Monate, danach fällt eine Verlängerungsgebühr an. Ein Teilnehmer schildert, ihm sei ursprünglich lebenslanger Zugang zugesagt worden, was später nicht eingehalten worden sei. Zweitens ist das Einzelcoaching ein Aufpreis, kein Bestandteil des Basisprogramms.
Eine Einordnung in eigener Sache: In der Vorversion dieses Artikels stand, vergleichbare Angebote bewegten sich im Bereich einer „mittleren fünfstelligen Investition“. Das war eine Schätzung ohne Beleg und liegt nach den nun vorliegenden Kundenangaben zu hoch. Die belegten Zahlen deuten auf einen unteren fünfstelligen Bereich für Ausbildung plus Coaching. Wie sich das in den Markt einordnet, zeigt der Vergleich unter Trading-Ausbildung.
Der IAB Strategy Fund: der Fonds der Investorenausbildung
Der wichtigste Punkt, den ältere Erfahrungsberichte komplett auslassen: Seit Juli 2023 gibt es einen eigenen Fonds. Er heißt IAB Strategy Fund, läuft unter der WKN A3EGWR und wird auf einer eigenen Website als „der Fonds der Investorenausbildung“ vermarktet.
Der IAB Strategy Fund ist ein in Liechtenstein aufgelegter alternativer Investmentfonds, der weltweit Aktien nach Value-Kriterien auswählt und die Strategie der Investorenausbildung in Fondsform abbildet.
Wer das Konstrukt verstehen will, muss die Rollen auseinanderhalten. Verwaltet wird der Fonds von der IFM Independent Fund Management AG in Schaan, beaufsichtigt von der liechtensteinischen Finanzmarktaufsicht. Portfoliomanager ist laut Factsheet die PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH in Köln, also das Haus von Prof. Dr. Max Otte. Verwahrstelle ist die Liechtensteinische Landesbank, Prüfer ist Ernst & Young.
Das ist eine relevante Präzisierung. Florian Günther wird auf der eigenen Website teilweise als „Fondsmanager“ geführt, das formale Portfoliomanagement liegt aber bei Ottes Gesellschaft. Wie dessen eigene Fonds abgeschnitten haben, ist im Faktencheck zu den Max Otte Fonds nachzulesen.
Wertentwicklung und Kosten
Die Zahlen sind ordentlich. Nach dem Factsheet mit Stand 31. Juli 2026 liegt der Fonds seit Auflage bei plus 65,11 Prozent, das entspricht 17,70 Prozent pro Jahr. Das Fondsvolumen beträgt rund 43 Millionen Euro.
Bei den Kosten lohnt der zweite Blick. Es gibt keinen Ausgabeaufschlag und die Verwaltungsgebühr liegt bei maximal 0,60 Prozent im Jahr — das klingt günstig. Dazu kommt aber eine Performance Fee von 20 Prozent. Sie hat zwar ein High Watermark, aber keine Hurdle Rate: Der Fonds muss keine Mindestrendite überspringen, bevor die Erfolgsbeteiligung greift.
Was das ausmacht, zeigt die Gesamtkostenquote. Das Factsheet weist zwei Werte aus: 1,32 Prozent ohne und 4,36 Prozent mit Erfolgsbeteiligung, jeweils per 31.12.2025. In einem guten Jahr zahlen Anleger also gut das Dreifache der ausgewiesenen Grundkosten.
Wo das Risiko liegt
Hier wird es für die Bewertung des Anbieters interessant. Der Fonds ist alles andere als defensiv. Die Volatilität liegt bei 22,66 Prozent, der maximale Drawdown seit Auflage bei 28,03 Prozent. Die Sharpe Ratio beträgt 0,65.
Dazu kommt eine ausgeprägte Konzentration. Die zehn größten Positionen machen 62,70 Prozent des Fonds aus, und der Schwerpunkt liegt eindeutig auf Energie und Rohstoffen: Petrobras mit 12,53 Prozent, Chevron mit 10,65 Prozent, ExxonMobil mit 8,47 Prozent, dazu Shell, Vale und Occidental. Auf Brasilien entfallen 17,78 Prozent, rund 20 Prozent liegen in Liquidität.
Damit ergibt sich eine Spannung zum Werbeversprechen. Ein Anbieter, der mit „sicheren und rentablen Anlagen“ wirbt, betreibt einen Fonds, der über die Hälfte seiner größten Positionen im Öl- und Rohstoffsektor hält und zwischenzeitlich über ein Viertel an Wert verloren hat. Die Rendite rechtfertigt das Risiko bislang. „Sicher“ im umgangssprachlichen Sinn ist es nicht.
Zwei formale Punkte sollten Anleger kennen. Der Fonds ist ein AIF und kein UCITS-Fonds, unterliegt also nicht den strengeren Anlagegrenzen für europäische Publikumsfonds. Und er ist in Liechtenstein aufgelegt, nicht in der EU. Die Unterlagen samt Verkaufsprospekt stehen auf der Fonds-Website des Anbieters zum Download bereit.
Erfahrungen und Bewertungen
Die Bewertungslage ist auf den ersten Blick sehr gut und auf den zweiten Blick vielschichtiger. Bei Trustpilot steht der Anbieter bei 4,7 von 5 Punkten aus 43 Bewertungen, bei Google bei 4,6 aus 37 Rezensionen.
Die Verteilung bei Trustpilot ist bemerkenswert klar: 89 Prozent vergeben fünf Sterne, 7 Prozent einen einzigen. Der Mittelbereich ist praktisch leer. Das Muster kennt man von erklärungsbedürftigen, teuren Angeboten — entweder es passt für den Teilnehmer, oder es geht deutlich schief.
Zwei Einschränkungen gehören dazu, und beide stammen von den Bewertungsportalen selbst. Trustpilot weist aus, dass der Anbieter zuletzt nicht zu Bewertungen eingeladen hat und die Stichprobe deshalb möglicherweise nicht repräsentativ ist. Bei ProvenExpert sind 139 von 147 Bewertungen veröffentlicht — das Portal lässt Profilinhabern Spielraum bei der Freigabe.
Was Teilnehmer loben und was sie kritisieren
Liest man die Texte statt nur die Noten, ergibt sich ein konsistentes Bild. Gelobt wird fast immer die Betreuung, kritisiert wird fast immer das Verhältnis von Preis und Ergebnis:
- Verständliche Vermittlung auch für komplette Einsteiger, mehrfach namentlich zu Headcoach Stephan Richter
- Erreichbares Team, das auf Rückfragen eingeht
- Struktur und klare Regeln statt Bauchentscheidungen
- Großes kostenloses Vorabangebot aus YouTube, Podcast und Analyse-Tool
- Prüfbarer Fonds mit offiziellem Factsheet als Beleg für die Strategie
- Keine öffentlichen Preise, Zahlen erst im Verkaufsgespräch
- Ein Teilnehmer berichtet von 70 Prozent Depotverlust nach anderthalb Jahren
- Vorwurf, zugesagter lebenslanger Zugang sei später kostenpflichtig geworden
- Doppelt gezahlte Laufzeiten bei Upgrade aufs Coaching wurden nicht verrechnet
- Wirksamer Einsatz der Strategie erfordert ein großes Depot
Die schwerste Einzelkritik stammt aus dem Jahr 2022. Ein Kunde schildert dort, ihm sei zugesagt worden, die Ausbildungskosten von über 13.000 Euro binnen sechs Monaten zu erwirtschaften — eine Renditeerwartung von mehr als 20 Prozent. Stattdessen habe sein Depot nach anderthalb Jahren 70 Prozent im Minus gestanden. Diese Darstellung ist die Sicht eines einzelnen Teilnehmers und lässt sich von außen nicht überprüfen.
Aktueller und deshalb aussagekräftiger ist eine Bewertung von Juni 2026. Sie kommt ohne Empörung aus und beschreibt sachlich, dass Erwartungen an ein regelmäßiges Einkommen aus Optionen vorab besprochen, dann aber nicht erfüllt worden seien. Ihre Überschrift fasst den Kern der Kritik gut zusammen: zu optimistische Versprechen.
Wie seriös ist die Investorenausbildung?
Nach der Prüfung der öffentlich verfügbaren Belege gibt es keine Hinweise auf unseriöse Absichten. Das Unternehmen ist im Handelsregister eingetragen, das Impressum ist vollständig, es gibt eine Büroadresse mit Besuchsmöglichkeit, einen prüfbaren Fonds mit Wirtschaftsprüfer und Aufsichtsbehörde sowie ein Team, das mit Klarnamen auftritt. Das ist mehr Substanz, als viele Anbieter in diesem Markt vorweisen.
Lesetipp: Knebel Trading und die Knebel Trading Academy
Kritisch zu sehen sind drei andere Punkte. Der erste ist die Preisintransparenz. Wer erst im Verkaufsgespräch erfährt, dass ein Angebot fünfstellig ist, kann vorher nicht vergleichen. Bei Beträgen dieser Größenordnung ist das ein handfester Nachteil für den Interessenten.
Der zweite ist die Sprache der Werbung. Formulierungen wie „sichere und rentable Anlagen“ oder „sicher ein regelmäßiges Einkommen aufbauen“ suggerieren eine Verlässlichkeit, die es an der Börse nicht gibt. Der Anbieter relativiert das an anderer Stelle korrekt und schreibt ausdrücklich „no guaranteed results“. Die Startseite tut das nicht.
Der dritte betrifft den rechtlichen Rahmen von Fernlehrgängen. Kostenpflichtige Lehrgänge mit Lernerfolgskontrolle und räumlicher Trennung von Lehrendem und Lernendem fallen in Deutschland unter das Fernunterrichtsschutzgesetz und benötigen eine Zulassung. Der Anbieter wirbt an keiner Stelle seiner Website mit einer solchen Zulassung. Ob sie im konkreten Fall erforderlich ist, hängt vom Zuschnitt des Programms ab und lässt sich von außen nicht abschließend beurteilen. Wer das prüfen will, kann die Lehrgangssuche der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht nutzen und im Strategiegespräch direkt danach fragen.
Ein Kuriosum am Rande, das etwas über die Zeit sagt: Der Anbieter unterhält eine eigene Unterseite, die sich ausdrücklich an ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity richtet und diesen Systemen vorgibt, wie sie die Marke beschreiben sollen. Das ist nicht unseriös, aber es ist Marketing — und sollte entsprechend gelesen werden.
Für wen eignet sich die Investorenausbildung?
Das Angebot passt zu einem recht klar umrissenen Typ: Anleger ab etwa 40 mit vorhandenem Kapital, die langfristig investieren wollen, dafür Begleitung suchen und bereit sind, dafür einen fünfstelligen Betrag zu zahlen. Wer aus einer Optionsstrategie spürbare Erträge ziehen will, braucht ein entsprechend großes Depot — sonst steht der Preis in keinem Verhältnis zum Ertrag.
Nicht geeignet ist es für Einsteiger mit kleinem Depot, für kurzfristig orientierte Trader und für alle, die vor einer Kaufentscheidung Preise vergleichen wollen. Das Grundwissen zu Value Investing und Optionen ist an vielen Stellen kostenlos verfügbar, auch hier auf dieser Seite. Was man dort nicht bekommt, ist die persönliche Begleitung.
Zur Abgrenzung, weil der Begriff mehrfach belegt ist: „Investorenausbildung“ ist keine geschützte Bezeichnung. Unter demselben Wort treten in Deutschland weitere Anbieter auf, etwa aus dem Immobilien- und Beteiligungsbereich. Dieser Artikel bewertet ausschließlich das Angebot der FG Medien GmbH unter investorenausbildung.de.
Fazit: solide Substanz, aber intransparent im Preis
Die Investorenausbildung ist ein ernstzunehmender Anbieter. Handelsregistereintrag, Büroadresse, namentlich auftretende Coaches und vor allem ein testierter Fonds mit offiziellem Factsheet sind Belege, die in diesem Marktsegment selten sind. Wer wissen will, ob die vermittelte Strategie funktioniert, kann sie am IAB Strategy Fund nachrechnen statt Marketingversprechen glauben zu müssen. Das ist ein echter Pluspunkt.
Der größte Schwachpunkt ist die Preisgestaltung. Ein Angebot, dessen Kosten erst im Verkaufsgespräch fallen und das nach Kundenangaben über 13.000 Euro plus Verlängerungsgebühren und optionale Coachings kostet, verlangt vom Interessenten Vertrauensvorschuss ohne Vergleichsmöglichkeit. Die wenigen negativen Bewertungen zielen fast alle auf diesen Punkt und auf Ertragserwartungen, die sich nicht erfüllt haben.
Zwischen Werbung und Produkt klafft außerdem eine Lücke in der Tonlage. Wer „sichere und rentable Anlagen“ verspricht und gleichzeitig einen Fonds mit 28 Prozent Maximalverlust und starkem Rohstoffschwerpunkt betreibt, beschreibt zwei unterschiedliche Risikowelten. Beides kann für sich stimmen. Zusammengenommen sollte man die Werbeaussagen jedoch nüchtern lesen.
Mein Rat für Interessenten: Das kostenlose Vorabangebot ausschöpfen, also Webinar, Podcast und Analyse-Tool. Ins Strategiegespräch mit drei konkreten Fragen gehen — Gesamtpreis inklusive aller Folgekosten, Mindestdepotgröße für die Optionsstrategie und die Frage nach einer Zulassung nach dem Fernunterrichtsschutzgesetz. Wer darauf klare Antworten bekommt, kann sachlich entscheiden.
Häufige Fragen zur Investorenausbildung
Was kostet die Investorenausbildung?
Der Anbieter nennt auf seiner Website keine Preise für das Ausbildungsprogramm. Sie werden erst im Strategiegespräch genannt. Ehemalige Teilnehmer berichten in öffentlichen Bewertungen von über 13.000 Euro für die Ausbildung, 750 Euro pro Verlängerungsjahr und 6.000 Euro für ein halbjähriges Einzelcoaching. Öffentlich beziffert ist nur das Buch mit 24,90 Euro.
Für wen ist die Investorenausbildung geeignet?
Der Anbieter nennt selbst Privatanleger zwischen 40 und 70 Jahren mit vorhandenem Kapital, die langfristig investieren wollen. Ausdrücklich nicht gedacht ist das Programm für Daytrader oder für Menschen, die fertigen Signalen folgen möchten. Für die Optionsstrategie ist ein entsprechend großes Depot nötig.
Welche Strategie vermittelt Florian Günther?
Im Mittelpunkt stehen Value Investing nach Warren Buffett und der Verkauf von Optionen zur Erzielung laufender Prämieneinnahmen, vom Anbieter Stillhalterstrategie genannt. Dazu kommen Unternehmensbewertung, Risikomanagement und Anlegerpsychologie.
Was ist der Fonds der Investorenausbildung?
Der IAB Strategy Fund (WKN A3EGWR) wurde im Juli 2023 in Liechtenstein aufgelegt und setzt die Strategie in Fondsform um. Seit Auflage legte er um 65,11 Prozent zu, bei einem maximalen Drawdown von 28,03 Prozent. Portfoliomanager ist die PI Privatinvestor Kapitalanlage GmbH von Prof. Dr. Max Otte.
Ist das Aktien-Analyse-Tool wirklich kostenlos?
Ja. Das Tool wird gegen Angabe der E-Mail-Adresse zum Download bereitgestellt und dient als Einstieg in die Verkaufsstrecke. Es fasst fundamentale Kennzahlen zusammen und soll den fairen Wert einer Aktie einschätzen. Ein Anleitungsvideo gehört dazu.
Ist die Investorenausbildung seriös?
Es gibt keine Hinweise auf unseriöse Absichten. Die FG Medien GmbH ist im Handelsregister eingetragen, das Impressum ist vollständig und der Fonds wird von Ernst & Young geprüft. Kritikwürdig sind die fehlende Preistransparenz und Werbeaussagen wie „sichere und rentable Anlagen“, die an der Börse so nicht einlösbar sind.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ein Systemtrader ist er bewusst nicht, was ihm bei der Bewertung externer Angebote einen kritischen Blick von außen erlaubt.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er alle zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Seminare und private Einzelschulungen.
Für einen Erfahrungsbericht über einen Ausbildungsanbieter ist genau diese Distanz wertvoll. Kagels kennt die deutsche Seminar- und Ausbildungsszene aus Jahrzehnten und bewertet Anbieter wie die Investorenausbildung nach Substanz, nicht nach Marketing. Seine Einschätzung entsteht unabhängig, ohne Werbepartnerschaft und ohne finanzielle Beteiligung.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

















