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Trading: Glück oder Können? Was die Daten wirklich zeigen

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2026

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5 Min

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Wer im Bekanntenkreis erzählt, dass er an der Börse handelt, hört fast immer denselben Satz: Das ist doch Zocken. Die Frage ist berechtigt, aber sie lässt sich beantworten, und zwar nicht mit einer Meinung, sondern mit dem Gesetzestext und mit Daten aus Millionen echter Konten. Beides fällt eindeutiger aus, als die meisten erwarten, und zwar in beide Richtungen.

Dieser Artikel klärt zuerst, was Glücksspiel juristisch überhaupt ist und warum Trading nicht darunter fällt. Danach geht es um die Zahlen: wie viele Trader dauerhaft gewinnen, woran sich Können von Zufall überhaupt unterscheiden lässt und ab welchem Punkt aus Handeln tatsächlich Zocken wird. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Trading, Glück oder Können? Das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Rechtlich ist Trading kein Glücksspiel. Der Glücksspielstaatsvertrag verlangt, dass der Gewinn überwiegend vom Zufall abhängt. Beim Handel an der Börse entscheiden Analyse, Einstieg und Risikosteuerung mit.
  • Der Gesetzgeber hat das ausdrücklich geregelt. Nach § 99 WpHG kann gegen Ansprüche aus Finanztermingeschäften der Spieleinwand des § 762 BGB nicht erhoben werden. Ein Trade ist damit einklagbar, eine Wette nicht.
  • Können existiert, ist aber selten. In der bislang größten Auswertung zu Daytradern waren über zwölf Jahre hinweg konstant rund 5 Prozent profitabel. Vorhersagbar profitabel war weniger als 1 Prozent.
  • Genau diese Beständigkeit ist der Beweis. Bei reinem Zufall dürfte vergangener Erfolg nichts über künftigen aussagen. Er tut es aber. Also gibt es eine Fähigkeit, und sie ist messbar.
  • Die Mehrheit verliert trotzdem. Die Anbieter müssen ihre Quote ausweisen: 72 Prozent bei IG, 77 Prozent bei XTB und 84 Prozent bei ActivTrades der Kleinanlegerkonten verlieren beim CFD-Handel Geld (Stand 16.09.2026).
  • Zum Glücksspiel wird Trading durch das Verhalten, nicht durch den Markt. Wer ohne Plan handelt, Verluste sofort zurückholen will und den Nervenkitzel sucht, betreibt Zocken mit Börsenkursen.
  • Verschulden kannst du dich in der EU nicht mehr. Seit dem 1. August 2019 gilt für Privatkunden ein Negativsaldoschutz. Dein Verlust ist auf das Guthaben im Handelskonto begrenzt.

Ist Trading Glücksspiel? Was das Gesetz dazu sagt

Trading ist kein Glücksspiel im Sinne des Glücksspielstaatsvertrags, weil die Entscheidung über Gewinn und Verlust nicht überwiegend vom Zufall abhängt, sondern von Analyse, Einstiegszeitpunkt, Positionsgröße und Risikosteuerung. Der Gesetzgeber hat Finanztermingeschäfte zusätzlich ausdrücklich vom Spieleinwand ausgenommen.

Die maßgebliche Definition steht im Glücksspielstaatsvertrag 2021. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder gibt sie wörtlich so wieder: Glücksspiel ist ein Spiel, bei dem für den Erwerb einer Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird und die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt. Nachzulesen ist das in den Erläuterungen der Glücksspielbehörde.

Zwei Merkmale müssen zusammenkommen, und beide passen beim Trading nicht. Du zahlst kein Entgelt für eine Gewinnchance, sondern kaufst ein Wirtschaftsgut oder einen Vertrag darauf. Und der Ausgang hängt nicht überwiegend vom Zufall ab: Wann du kaufst, wie groß deine Position ist und wo dein Stop-Loss liegt, bestimmst du selbst. Beim Roulette bestimmst du nichts davon.

Der deutlichste Beleg steht aber im Wertpapierhandelsgesetz. Nach § 762 BGB begründen Spiel und Wette keine Verbindlichkeit, wer verliert, muss also nicht zahlen. Genau diesen Einwand schließt § 99 WpHG für Finanztermingeschäfte aus, sobald ein gewerblicher Vertragspartner beteiligt ist. Der Gesetzgeber hat also ausdrücklich entschieden, dass diese Geschäfte nicht wie eine Wette nach § 762 BGB behandelt werden.

Das ist mehr als eine Formalie. Eine Wettschuld ist rechtlich nicht durchsetzbar, ein Trade schon. Historisch war das anders: Der Differenzeinwand hat Termingeschäfte lange wie Spiel behandelt. Diese Einordnung hat der Gesetzgeber bewusst beendet.

Der Unterschied lässt sich an vier Merkmalen festmachen. Sie beantworten zugleich, warum sich Casino und Börse beim Zuschauen ähnlich anfühlen und trotzdem grundverschieden funktionieren.

MerkmalGlücksspielTrading
AusgangZufallAnalyse
ChanceNegativOffen
VerlustNicht stoppbarStoppbar
RechtSpiel und WetteVertrag

Die Zeile „Chance“ meint den Erwartungswert, und die dritte Zeile ist in der Praxis die wichtigste: Im Casino steht dein Einsatz nach dem Setzen fest, beim Trading begrenzt ein Stop-Loss den Verlust im Voraus. Und die letzte Zeile meint den Unterschied von oben: Beim Spiel greift der Einwand des § 762 BGB, bei Finanztermingeschäften schließt § 99 WpHG ihn aus.

Ein Punkt darin wird gern überlesen. Im Casino ist der Erwartungswert für den Spieler immer negativ, das ist mathematisch eingebaut. An der Börse ist er offen. Er kann positiv sein, er ist es für die meisten aber nicht. Warum, zeigt der nächste Abschnitt.

Glück oder Können? Was die Zahlen zeigen

Die Frage nach Glück oder Können ist empirisch längst untersucht, nur kennt kaum jemand das Ergebnis. Die größte Auswertung stammt von Brad Barber und Terrance Odean mit Kollegen. Sie werteten sämtliche Daytrader an der Börse in Taiwan über den Zeitraum 1992 bis 2006 aus, also über fünfzehn Jahre und Millionen von Transaktionen.

Das erste Ergebnis ist ernüchternd. Über den gesamten Zeitraum lag der Anteil profitabler Daytrader konstant bei rund 5 Prozent. Die unprofitable Gruppe wuchs auf über zwei Drittel an und verursachte in den letzten Jahren der Stichprobe etwa 80 Prozent des gesamten Handelsvolumens. Die Studie steht als PDF an der University of California öffentlich zur Verfügung.

Das zweite Ergebnis ist das eigentlich interessante. Die Forscher fanden eine kleine Gruppe, die vorhersagbar Gewinne erzielte: weniger als 3 Prozent aller Daytrader an einem durchschnittlichen Tag, und in einer früheren Auswertung derselben Daten sogar weniger als 1 Prozent. Wörtlich halten die Autoren fest, dass eine ausgedehnte Vorgeschichte von Profitabilität ein starker Prädiktor für künftige Profitabilität ist.

Genau darin liegt die Antwort auf die Titelfrage. Wäre Handelserfolg reines Glück, dürfte der Erfolg der Vergangenheit nichts über die Zukunft verraten. Beim Roulette sagt keine Gewinnserie etwas über den nächsten Wurf. An der Börse sagt sie sehr wohl etwas aus. Diese Persistenz ist der wissenschaftliche Nachweis dafür, dass es eine Fähigkeit gibt. Sie sagt nur nichts darüber, wie verbreitet sie ist.

Was für Können spricht

  • Erfolg ist beständig: Wer über lange Zeit profitabel war, ist es mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auch weiterhin. Reiner Zufall verhält sich nicht so.
  • Der Erwartungswert ist gestaltbar: Über Positionsgröße und Verlustbegrenzung beeinflusst du, wie viel ein Fehler kostet.
  • Verluste sind planbar: Anders als im Casino steht dein maximaler Verlust je Trade vor dem Einstieg fest, wenn du ihn festlegst.
  • Es gibt eine Lernkurve: Unprofitable Trader hören häufiger auf als profitable, die Gruppe filtert sich also über die Zeit.

Was für den Zufall spricht

  • Der einzelne Trade ist nicht steuerbar: Was der Markt in den nächsten Stunden tut, weiß niemand. Auf diesen Ausgang hast du keinen Einfluss.
  • Die Mehrheit verliert dauerhaft: Rund 95 Prozent der untersuchten Daytrader schafften keinen Gewinn.
  • Kosten fressen den Vorsprung: In der Taiwan-Studie erzielte die aktivste Gruppe vor Gebühren Gewinne und nach Gebühren Verluste.
  • Kurze Serien täuschen: Fünf Gewinne hintereinander sind auch bei reinem Zufall nicht selten und belegen deshalb gar nichts.

Die aktuellen Zahlen aus der Praxis passen dazu. CFD-Anbieter müssen seit der europäischen Produktintervention angeben, welcher Anteil ihrer Privatkunden Geld verliert. Am 16.09.2026 standen dort 72 Prozent bei IG, 77 Prozent bei XTB und 84 Prozent bei ActivTrades. Das sind Pflichtangaben der Anbieter über ihre eigenen Kunden, keine Schätzungen von außen.

Eine Einschränkung gehört dazu. Diese Quoten messen den CFD-Handel mit Hebel, also die riskanteste Variante, und sie zählen Konten, nicht Personen. Wer Aktien ohne Hebel über Jahre hält, taucht darin gar nicht auf. Die Zahlen sagen also etwas über kurzfristigen Hebelhandel aus, nicht über jede Form der Geldanlage.

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Was Können im Trading konkret bedeutet

Können heißt beim Trading nicht, den Markt vorherzusagen. Es heißt, sauber zu trennen zwischen dem, was du beeinflussen kannst, und dem, was du nicht beeinflussen kannst. Der Kursverlauf gehört zur zweiten Gruppe. Alles andere zur ersten.

Trading Glück oder Können: Chartanalyse als Grundlage jeder Handelsentscheidung
Wer Charts lesen kann, ersetzt das Bauchgefühl durch eine nachvollziehbare Entscheidung.

Die Abbildung darüber zeigt den Ausgangspunkt: einen Kursverlauf, aus dem sich eine Entscheidung ableiten lässt. Ein erfahrener Trader weiß vor dem Einstieg, wann er wieder aussteigt. Er kennt den Punkt, an dem seine Annahme widerlegt ist, und er kennt den Betrag, den ihm dieser Irrtum kostet. Genau das unterscheidet ihn vom Anfänger, der erst beim Verlust anfängt nachzudenken. Wie sich das systematisch festlegen lässt, steht im Risikomanagement und im Trading-Plan.

Die zweite Fähigkeit ist Geduld. Die meisten Verluste entstehen nicht aus schlechten Einstiegen, sondern aus zu vielen Einstiegen. Wer nur handelt, wenn seine Bedingungen erfüllt sind, hat weniger Gelegenheiten, Geld zu verlieren. Das klingt banal und ist in der Praxis der schwerste Teil.

Die dritte Fähigkeit ist die Steuerung der Verlusthöhe. George Soros hat das Prinzip auf den Punkt gebracht: Entscheidend ist nicht, wie oft du richtig liegst, sondern wie viel du verdienst, wenn du richtig liegst, und wie wenig du verlierst, wenn du falsch liegst. Eine Trefferquote unter 50 Prozent kann profitabel sein, eine über 70 Prozent ruinös. Wie sich das rechnen lässt, zeigt das Money Management.

Diese drei Fähigkeiten sind lernbar, aber nicht schnell. Die Taiwan-Daten zeigen, dass Erfahrung allein nicht reicht: Viele Trader handelten über Hunderte von Tagen weiter, obwohl sie durchgehend verloren. Wer den Weg strukturiert gehen will, findet in unserer Übersicht zur Trading-Ausbildung die üblichen Wege und in den Trading-Kursen die Anbieter, die wir geprüft haben.

Warum auch gute Trader Verluste haben

Können schützt nicht vor dem einzelnen Verlust, und das ist kein Widerspruch. Es ist der Kern der Sache: Der einzelne Trade ist zu einem großen Teil Zufall, die Serie aus hundert Trades ist es nicht. Dieselbe Logik gilt beim Poker, wo ein einzelnes Blatt nichts beweist und ein Jahr am Tisch sehr wohl.

Trading Glück oder Können: Kursbewegungen lassen sich nicht steuern, nur einschätzen
Den Ausgang eines einzelnen Trades bestimmt der Markt. Die Summe vieler Trades bestimmt die Methode.

Die Grafik darüber macht das Problem sichtbar: Der Verlauf entsteht, ohne dass ein einzelner Marktteilnehmer ihn steuert. Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz. Ein gewonnener Trade beweist nicht, dass deine Entscheidung gut war, und ein verlorener nicht, dass sie schlecht war. Beurteilen lässt sich nur der Prozess: Hast du dich an deine Regeln gehalten? Diese Frage ist nach jedem einzelnen Trade beantwortbar, die Frage nach dem Können erst nach einigen Hundert.

Deshalb ist die Bilanz eines Quartals selten aussagekräftig. Wer in einer starken Marktphase eingestiegen ist, verwechselt leicht Rückenwind mit Fähigkeit. Der Test kommt erst, wenn der Markt dreht. Trader wie Paul Tudor Jones oder Warren Buffett sind nicht deshalb bekannt, weil sie einzelne Jahre gewonnen haben, sondern weil sie über Jahrzehnte bestanden haben.

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Wann Trading doch zum Glücksspiel wird

Die rechtliche Einordnung sagt nichts darüber, wie jemand tatsächlich handelt. Trading ist kein Glücksspiel, aber es lässt sich wie eines betreiben. Diese Hälfte der Antwort fehlt in fast jedem Ratgeber zum Thema, und sie ist die wichtigere.

Der Unterschied liegt im Motiv. Wer handelt, um eine Analyse umzusetzen, trifft eine wirtschaftliche Entscheidung. Wer handelt, um den Nervenkitzel zu spüren, sucht dasselbe wie am Spielautomaten. Die Suchtberatungsstelle Check dein Spiel der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung beschreibt genau diesen Kipppunkt: Problematisch wird es, wenn nicht mehr die Geldanlage im Vordergrund steht, sondern der Kick.

Die Parallele ist nicht nur sprachlich. Kurze Haltedauern, ständige Kursabfragen und schnelle Ergebnisse erzeugen dasselbe Belohnungsmuster wie ein Glücksspiel. Genau deshalb behandeln Suchtberatungen exzessives Daytrading inzwischen als eigenes Thema, obwohl es rechtlich kein Glücksspiel ist.

Es gibt einige klare Warnzeichen. Sie sind keine Diagnose, aber wenn mehrere davon zutreffen, ist die Antwort auf die Titelfrage im eigenen Fall bereits beantwortet.

Wann aus Trading Zocken wird

  • Du handelst ohne festgelegten Ausstieg: Es gibt keinen Punkt, an dem die Position geschlossen wird, weder im Gewinn noch im Verlust.
  • Du willst Verluste sofort zurückholen: Nach einem Minus folgt der nächste, größere Trade, um das Konto auszugleichen.
  • Du erhöhst den Einsatz nach Verlusten: Die Positionsgröße richtet sich nach deiner Stimmung statt nach deinem Kontostand.
  • Du handelst häufiger, als deine Strategie erlaubt: Die Gelegenheiten werden gesucht, nicht abgewartet.
  • Du kannst nicht aufhören hinzusehen: Kursabfragen bestimmen den Tag, auch außerhalb der Handelszeit.
  • Du handelst mit Geld, das du brauchst: Miete, Rücklagen oder Kredit stehen im Risiko.

Wer sich hier wiederfindet, hat kein Strategieproblem. Anlaufstellen sind die Suchtberatungsstellen vor Ort und die kostenlose, anonyme Beratung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Eine neue Handelsmethode löst dieses Muster nicht, sie verlängert es.

Ein Punkt spricht immerhin für den regulierten Handel. Seit dem 1. August 2019 dürfen CFDs an Privatkunden in Deutschland nur noch mit unabdingbarem Negativsaldoschutz verkauft werden. Das hat die BaFin mit ihrer Allgemeinverfügung vom 23. Juli 2019 festgelegt. Deine Haftung ist damit auf das Guthaben im Handelskonto begrenzt. Eine Nachschusspflicht, die früher zu Schulden führen konnte, gibt es für Privatanleger nicht mehr.

Der Traum vom schnellen Geld

Kaum jemand beginnt mit dem Vorsatz, langsam zu werden. Die Erwartung lautet, mit einem überschaubaren Konto in kurzer Zeit ein Einkommen zu erzeugen. Genau diese Erwartung ist der häufigste Grund für die Verluste aus dem vorigen Abschnitt, denn sie erzwingt zu große Positionen.

Trading Glück oder Können: Die Faszination der Börse verleitet zu überhöhten Erwartungen
Die Börse zieht an, weil niemand weiß, was morgen passiert. Das ist zugleich ihr größtes Risiko.

Das Bild darüber trifft die Stimmung, in der die meisten starten. Die Rechnung dahinter geht aber selten auf. Ein Konto von 5.000 Euro müsste sich vervielfachen, um ein Gehalt zu ersetzen. Um das in wenigen Monaten zu schaffen, braucht es Positionsgrößen, bei denen einige Fehlschläge das Konto leeren. Wer realistisch rechnen will, findet die Zahlen im Artikel zu Trading als Nebenjob.

Hohe Gewinne bedeuten immer hohes Risiko

Beides lässt sich nicht trennen. Eine Position, die in einer Woche 50 Prozent bringen kann, kann in derselben Woche 50 Prozent kosten. Anfänger sehen zuverlässig nur die erste Hälfte. Kleine Positionen führen langsamer zum Ziel, aber sie überstehen eine Verlustserie, und Verlustserien kommen bei jeder Methode vor.

Trading ist deshalb weniger spektakulär, als es aussieht. Wer die Frage nach dem Beruf stellt, findet die nüchterne Einordnung unter Trader als Beruf. Wer den kurzfristigen Handel verstehen will, für den ist Daytrading der Einstieg. Und wer sehen will, wen wir uns bereits angesehen haben, findet das in unserer Übersicht der geprüften Trading-Experten.

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Fazit: Können schlägt Glück, aber erst auf Dauer

Trading ist kein Glücksspiel, weder rechtlich noch praktisch. Der Glücksspielstaatsvertrag verlangt, dass der Zufall überwiegt, und § 99 WpHG nimmt Finanztermingeschäfte ausdrücklich vom Spieleinwand aus. Wer Einstieg, Positionsgröße und Ausstieg festlegt, überlässt das Ergebnis nicht dem Zufall.

Zugleich ist Können seltener, als die Werbung nahelegt. Rund 5 Prozent der untersuchten Daytrader waren profitabel, unter 3 Prozent verlässlich. Dass es diese Gruppe überhaupt gibt und dass ihr Erfolg beständig ist, beweist die Existenz einer Fähigkeit. Dass sie so klein ist, beweist, wie schwer sie zu erwerben ist.

Für die Praxis folgt daraus ein einfacher Maßstab. Beurteile nicht den einzelnen Trade, sondern ob du dich an deine Regeln gehalten hast. Und prüfe ehrlich, ob du handelst, um eine Analyse umzusetzen, oder um etwas zu spüren. Die erste Haltung ist ein Handwerk, die zweite ist ein Spiel mit Kursen statt mit Karten.

Häufige Fragen zu Trading, Glück und Können

Ist Trading Glücksspiel?

Nein. Nach dem Glücksspielstaatsvertrag liegt Glücksspiel nur vor, wenn die Entscheidung über den Gewinn ganz oder überwiegend vom Zufall abhängt und für die Gewinnchance ein Entgelt verlangt wird. Beim Trading bestimmst du Einstieg, Positionsgröße und Ausstieg selbst.
Zusätzlich schließt § 99 WpHG den Spieleinwand des § 762 BGB für Finanztermingeschäfte ausdrücklich aus. Ein Trade ist einklagbar, eine Wettschuld nicht.

Ist Trading eher Glück oder Können?

Beides, aber auf verschiedenen Zeitebenen. Der einzelne Trade ist zu einem großen Teil Zufall, weil niemand den nächsten Kursimpuls kennt. Über hunderte Trades entscheidet dagegen die Methode.
Der Vergleich mit Poker trifft es: Ein einzelnes Blatt sagt nichts, ein Jahr am Tisch sehr wohl.

Wie viele Trader sind wirklich erfolgreich?

In der Auswertung von Barber, Lee, Liu und Odean zu sämtlichen Daytradern in Taiwan von 1992 bis 2006 lag der Anteil profitabler Daytrader über zwölf Jahre konstant bei rund 5 Prozent. Vorhersagbar profitabel waren weniger als 3 Prozent an einem durchschnittlichen Tag.
Bei CFD-Anbietern liegt der Anteil verlierender Privatkonten je nach Anbieter zwischen 72 und 84 Prozent (Stand 16.09.2026).

Woran erkennt man, dass Erfolg kein Zufall war?

An der Beständigkeit. Bei reinem Zufall sagt vergangener Erfolg nichts über künftigen aus, so wie eine Gewinnserie beim Roulette nichts über den nächsten Wurf verrät.
Die Taiwan-Daten zeigen das Gegenteil: Eine lange Vorgeschichte von Profitabilität ist ein starker Hinweis auf künftige Profitabilität. Genau das ist der Nachweis für eine Fähigkeit.

Kann man sich mit Trading verschulden?

Als Privatkunde in Deutschland nicht mehr über das Kontoguthaben hinaus. Seit dem 1. August 2019 dürfen CFDs an Kleinanleger nur mit unabdingbarem Negativsaldoschutz verkauft werden, so die Allgemeinverfügung der BaFin vom 23. Juli 2019.
Deine Haftung ist damit auf das Geld im Handelskonto begrenzt. Eine Nachschusspflicht gibt es für Privatanleger nicht mehr. Wer allerdings mit geliehenem Geld handelt, bleibt dem Kreditgeber gegenüber in der Pflicht.

Wann wird Trading zum Glücksspiel?

Wenn das Motiv wechselt. Sobald nicht mehr eine Analyse umgesetzt wird, sondern der Kick gesucht wird, entspricht das Verhalten dem eines Glücksspiels, auch wenn das Produkt keines ist.
Typische Warnzeichen sind Handeln ohne festgelegten Ausstieg, das sofortige Zurückholen von Verlusten, steigende Einsätze nach Verlusten und der Einsatz von Geld, das für den Lebensunterhalt gebraucht wird.

Ist Daytrading gefährlicher als langfristiges Anlegen?

Ja, gemessen an den verfügbaren Zahlen. Die hohen Verlustquoten stammen durchgehend aus dem kurzfristigen Hebelhandel. Je kürzer die Haltedauer und je größer der Hebel, desto stärker fallen Kosten und Schwankungen ins Gewicht.
In der Taiwan-Studie erzielte die aktivste Gruppe vor Gebühren Gewinne und nach Gebühren Verluste. Die Transaktionskosten waren dort der entscheidende Faktor.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980.

Er handelt Forex-Majors und -Minors ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Für dieses Thema ist er qualifiziert, weil er seit 1980 selbst handelt und in seinen Seminaren erlebt, wie oft Einsteiger eine Gewinnserie für Können und eine Verlustserie für Pech halten.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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