Am 3. Mai 2025 stand Warren Buffett auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway und kündigte an, den Chefposten zum Jahresende abzugeben. Seit dem 1. Januar 2026 führt Greg Abel das Unternehmen. Was danach mit dem Depot passierte, hat viele Anleger überrascht: Abel hat das Portfolio im ersten Quartal 2026 radikal zusammengeschnitten, von rund 40 auf 29 Positionen.
Dieser Artikel zeigt Dir den tatsächlichen Stand des Berkshire-Depots, geprüft am Original-Pflichtbericht bei der US-Börsenaufsicht und nicht an Zweitquellen. Du erfährst, welche zehn Positionen das Depot heute tragen, welche 16 Aktien komplett verkauft wurden, warum der Konzern auf einem Cash-Berg sitzt, der größer ist als sein gesamtes Aktienportfolio, und was von Buffetts Prinzipien nach dem Wechsel übrig bleibt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Buffetts Grundsatz, gute Unternehmen einfach zu behalten, findet auch im deutschsprachigen Raum Nachahmer. Am besten dokumentiert ist das 3,6-Millionen-Dollar-Depot von Tim Schäfer, der seine Positionen seit Jahren öffentlich offenlegt und dabei auch Fehlkäufe benennt.
Buffetts Portfolio: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Buffett ist seit dem 1. Januar 2026 nicht mehr CEO: Er kündigte den Schritt am 3. Mai 2025 auf der Hauptversammlung an. Als Chairman des Verwaltungsrats bleibt er im Amt und kommt weiter täglich ins Büro.
- Das Depot umfasst 263,1 Milliarden Dollar: Verteilt auf 29 Positionen, Stand 31. März 2026. Ein Quartal davor waren es noch 274,2 Milliarden Dollar und rund 40 Positionen.
- Fünf Aktien machen gut zwei Drittel aus: Apple, American Express, Coca-Cola, Bank of America und Chevron stehen zusammen für 67 Prozent des Depotwerts.
- Abels erstes Quartal brachte 16 Komplettverkäufe: Unter anderem Amazon, Visa, Mastercard und UnitedHealth flogen ganz heraus. Gleichzeitig verdreifachte er die Alphabet-Position.
- Der Cash-Bestand liegt bei rund 397 Milliarden Dollar: Damit hält Berkshire mehr Liquidität und kurzlaufende US-Staatsanleihen als Aktien. Apple blieb dagegen unangetastet.
- Buffetts Privatvermögen wird auf 140 bis 150 Milliarden Dollar geschätzt: Die Schätzungen gehen je nach Quelle auseinander, weil sie am schwankenden Berkshire-Kurs hängen.
Was ist das Warren-Buffett-Portfolio?
Das Warren-Buffett-Portfolio ist das Aktiendepot der Holding Berkshire Hathaway, das die US-Börsenaufsicht SEC vierteljährlich in einem Pflichtbericht namens Formular 13F veröffentlicht.
Den Gegenentwurf zu dieser Geduld liefert die Methode des Corporate Raiders Carl Icahn. Beide suchen dieselbe Bewertungslücke, doch Buffett wartet darauf, dass der Markt sie schließt, während Icahn das Management dazu zwingt.
Dahinter steckt eine gesetzliche Pflicht: Jeder Vermögensverwalter mit mehr als 100 Millionen Dollar in US-Aktien muss seine Bestände offenlegen. Die Frist beträgt 45 Tage nach Quartalsende. Genau deshalb kennst Du Buffetts Depot überhaupt so genau, und genau deshalb siehst Du es immer mit etwas Verzögerung.
Zwei Einschränkungen solltest Du dabei kennen. Ein 13F-Bericht zeigt nur börsennotierte US-Aktien, also weder die vollständig übernommenen Töchter wie Geico oder BNSF noch ausländische Beteiligungen wie die japanischen Handelshäuser. Und er zeigt einen Stichtag, keine laufende Position. Wer Buffetts Ansatz verstehen will, findet die Grundlagen in unserem Leitfaden zur Fundamentalanalyse. Wie der Handel mit Aktien praktisch abläuft, erklärt unser Leitfaden für Einsteiger.
Buffetts Denkweise stammt aus einem einzigen Buch. Sein Lehrer Benjamin Graham legte dafür das Fundament, und was davon heute noch trägt, steht in unserer Rezension zu „Intelligent investieren“.

Warum hat sich Warren Buffett zurückgezogen?
Der Rückzug kam nicht leise, sondern auf der größten Bühne, die Berkshire hat. Am 3. Mai 2025 sagte Buffett am Ende der Hauptversammlung in Omaha, er werde den Verwaltungsrat bitten, Greg Abel zum Jahresende zum CEO zu machen. Zehntausende Aktionäre im Saal reagierten mit stehendem Applaus. Selbst Abel und die meisten Verwaltungsräte erfuhren es in diesem Moment.
Zwei Tage später bestätigte der Verwaltungsrat die Nachfolge. Buffetts letzter Tag als CEO war der 31. Dezember 2025, seit dem 1. Januar 2026 führt Abel das Unternehmen operativ. Buffett bleibt Chairman und geht nach eigenen Angaben weiter jeden Tag ins Büro. Den Anlass für den Zeitpunkt nannte er selbst: das Alter. Buffett wurde im August 2025 95 Jahre alt.
Im November 2025 folgte ein Aktionärsbrief, der die Rollenverteilung abschloss. Darin schrieb Buffett, er werde weder den Geschäftsbericht weiterschreiben noch auf der Hauptversammlung ausführlich sprechen. Seine eigene Formulierung dafür war „I’m going quiet”. Eine jährliche Thanksgiving-Botschaft will er behalten. Die Originalbriefe findest Du im Archiv von Berkshire Hathaway.
Vorbereitet war der Wechsel lange. Abel verantwortete seit 2018 als Vice Chairman das komplette Nicht-Versicherungsgeschäft des Konzerns und galt seit Jahren als gesetzter Nachfolger. Mit dem Tod von Charlie Munger im November 2023 war die alte Doppelspitze ohnehin Geschichte. Für Anleger war die Personalie also keine Überraschung, wohl aber der Zeitpunkt der Ankündigung.
Der Rückzug mit 94 ist unter Marktveteranen keine Regel. Marktveteran Heiko Thieme, seit 1972 an den Märkten, kommentiert mit 82 Jahren weiterhin werktäglich das Geschehen. Die Frage, wann ein Marktkommentator aufhört, beantwortet jeder anders, und sie sagt wenig über die Qualität der Einschätzungen aus.
So sieht Buffetts Portfolio 2026 aus
Zum 31. März 2026 hielt Berkshire Hathaway US-Aktien im Wert von 263,1 Milliarden Dollar. Die Konzentration ist das auffälligste Merkmal dieses Depots: Die fünf größten Positionen stehen für rund 67 Prozent des Gesamtwerts. Wer Diversifikation als Streuung über viele Namen versteht, findet hier das Gegenteil.
Apple bleibt mit 21,99 Prozent die klar größte Beteiligung. Bemerkenswert daran ist weniger die Größe als die Unterbrechung eines langen Trends: Buffett hatte die Position über fast zwei Jahre hinweg Quartal für Quartal verkleinert. Im ersten Quartal unter Abel blieben die 227,9 Millionen Aktien unverändert.
Neu unter den größten Positionen ist Alphabet. Der Google-Konzern rückte binnen eines Quartals auf Platz sieben vor und ist damit die erste große Technologie-Wette neben Apple. Daneben tragen die Klassiker aus Finanz-, Energie- und Konsumsektor das Depot: American Express, Coca-Cola, Bank of America, Chevron und Occidental Petroleum.
Die zehn größten Positionen im Berkshire-Depot zum 31. März 2026:
| Aktie | Anteil | Wert | Bewegung im Q1 2026 |
|---|---|---|---|
| Apple (AAPL) | 21,99 % | 57,8 Mrd. Dollar | unverändert, Verkaufsserie gestoppt |
| American Express (AXP) | 17,43 % | 45,9 Mrd. Dollar | unverändert |
| Coca-Cola (KO) | 11,56 % | 30,4 Mrd. Dollar | unverändert seit Jahrzehnten |
| Bank of America (BAC) | 9,52 % | 25,0 Mrd. Dollar | leicht reduziert, minus 0,7 % |
| Chevron (CVX) | 6,64 % | 17,5 Mrd. Dollar | deutlich reduziert, minus 35 % |
| Occidental Petroleum (OXY) | 6,55 % | 17,2 Mrd. Dollar | unverändert |
| Alphabet (GOOGL, GOOG) | 6,32 % | 16,6 Mrd. Dollar | mehr als verdreifacht |
| Chubb (CB) | 4,24 % | 11,2 Mrd. Dollar | unverändert |
| Moody’s (MCO) | 4,09 % | 10,8 Mrd. Dollar | unverändert |
| Kraft Heinz (KHC) | 2,78 % | 7,3 Mrd. Dollar | unverändert |
Zwei Zahlen daraus lohnen einen zweiten Blick. Coca-Cola liegt seit den späten 1980er-Jahren unverändert mit 400 Millionen Aktien im Depot, ein Bestand, der schlicht nie angetastet wurde. Und Chevron verlor rund ein Drittel, nachdem die Aktie zuvor stark gelaufen war. Die verkauften Anteile waren über 8 Milliarden Dollar wert. Den Originalbericht kannst Du direkt im EDGAR-Archiv der SEC einsehen.
Welche Aktien hat Berkshire zuletzt gekauft und verkauft?
Das erste Quartal 2026 war Greg Abels erstes volles Quartal mit Verantwortung für das Depot, und er nutzte es für einen Großreinemachen. Sieben Positionen wurden gekauft oder aufgestockt, 16 komplett verkauft. Die Zahl der Beteiligungen fiel von rund 40 auf 29. Unter Buffett wäre ein solcher Umbau in einem einzigen Quartal ungewöhnlich gewesen.
Auf der Kaufseite dominiert ein Name. Die Alphabet-Position wurde von 17,8 auf 54,2 Millionen Aktien mehr als verdreifacht, dazu kam eine zweite Aktiengattung. Damit ist der Google-Mutterkonzern binnen zwei Quartalen von einer Neuanschaffung zur siebtgrößten Beteiligung geworden. Wie sich das Feld der Technologiewerte insgesamt entwickelt, liest Du in unserer Übersicht zu KI-Aktien.
Käufe und Aufstockungen im ersten Quartal 2026:
| Aktie | Veränderung | Bestand danach |
|---|---|---|
| Alphabet Klasse A (GOOGL) | plus 204 % | 15,6 Mrd. Dollar |
| New York Times (NYT) | plus 199 % | 1,3 Mrd. Dollar |
| Lennar Klasse A (LEN) | plus 43 % | 877 Mio. Dollar |
| Lennar Klasse B (LEN.B) | plus 31 % | 20 Mio. Dollar |
| Delta Air Lines (DAL) | Neuaufnahme | 2,6 Mrd. Dollar |
| Alphabet Klasse C (GOOG) | Neuaufnahme | 1,0 Mrd. Dollar |
| Macy’s (M) | Neuaufnahme | 55 Mio. Dollar |
Die Verkaufsseite ist die eigentliche Nachricht. Berkshire trennte sich vollständig von 16 Beteiligungen, darunter mehrere, die als Buffett-typisch galten. Visa und Mastercard gingen ebenso wie Amazon, UnitedHealth, Domino’s Pizza, HEICO und Pool Corp. Ein Detail für Leser älterer Fassungen dieses Artikels: Genau diese letzten drei Namen galten vor einem Jahr noch als Buffetts frischeste Zukäufe.
Die größten Reduzierungen im ersten Quartal 2026:
| Aktie | Veränderung | Einordnung |
|---|---|---|
| Constellation Brands (STZ) | minus 95 % | faktischer Ausstieg, Restposten bleibt |
| Nucor (NUE) | minus 39 % | Stahlwert deutlich verkleinert |
| Chevron (CVX) | minus 35 % | größter Einzelverkauf des Quartals |
| DaVita (DVA) | minus 5 % | leichte Reduktion im Gesundheitssektor |
| Bank of America (BAC) | minus 0,7 % | Kernbeteiligung bleibt bestehen |
Ein Muster ist erkennbar. Abel räumt die Randpositionen auf und stärkt wenige große Wetten, statt breit zu streuen. Die vielen Kleinbeteiligungen unter einem Prozent Depotanteil, die sich über Jahre angesammelt hatten, sind größtenteils verschwunden. Auf der Hauptversammlung im Mai 2026 schloss Abel eine Zerschlagung des Konzerns ausdrücklich aus und betonte Kontinuität. Fortlaufend aktualisierte Bestandsdaten findest Du bei dataroma.com.
Als erklärtes Vorbild nennt ihn auch Bill Ackman, der Buffetts Auswahlkriterien übernimmt und sie um aktive Einflussnahme ergänzt.
Warum Berkshire auf 397 Milliarden Dollar Cash sitzt
Die vielleicht wichtigste Zahl des Konzerns steht in keiner Depotliste. Ende März 2026 hielt Berkshire Hathaway rund 397 Milliarden Dollar in Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen. Das ist mehr als das gesamte Aktienportfolio von 263 Milliarden Dollar. Für ein Unternehmen, das vom Investieren lebt, ist das eine ungewöhnliche Aufstellung.
Der Grund ist Buffetts alte Regel, dass sich Kaufgelegenheiten nicht erzwingen lassen. Ein hoher Cash-Bestand ist in dieser Logik kein Versäumnis, sondern eine Option. Solange die Bewertungen hoch sind, verzinst sich das Geld in Treasury Bills und wartet. Fällt der Markt, ist Berkshire der Käufer, der nicht verkaufen muss.
Für Dich als Anleger steckt darin eine praktische Lesart. Die Cash-Quote sagt mehr über die Markteinschätzung des Managements als jeder Kommentar. Sie ist über die vergangenen Quartale weiter gestiegen, während gleichzeitig 16 Positionen verkauft wurden. Beides zusammen deutet auf Zurückhaltung bei den aktuellen Kursniveaus, nicht auf Aufbruchstimmung. Wie Du Bewertungen selbst einordnest, zeigt unser Beitrag zum Value Investing.
Eine Grenze hat diese Interpretation allerdings. Ein Konzern dieser Größe kann gar nicht anders, als Liquidität zu halten, weil das Versicherungsgeschäft jederzeit zahlungsfähig sein muss. Ein Teil der 397 Milliarden Dollar ist also gebundenes Betriebskapital und keine freie Kriegskasse. Wer die Zahl als reines Markt-Signal liest, überdehnt sie.
Welche ETFs empfiehlt Warren Buffett?
Bei dieser Frage ist Buffett seit Jahrzehnten unverändert deutlich. Für die meisten Privatanleger hält er einen kostengünstigen Indexfonds auf den S&P 500 für die bessere Wahl als Einzelaktien. Er hat diese Empfehlung mehrfach in Aktionärsbriefen wiederholt und sie in seinem Testament für den Nachlass an seine Frau festgeschrieben, dort in Kombination mit kurzlaufenden Staatsanleihen.
Ein Punkt wird dabei oft falsch wiedergegeben. Buffett hat nie ein konkretes europäisches Produkt empfohlen, sondern eine Fondsgattung. Er nennt regelmäßig einen günstigen S&P-500-Indexfonds und lobt Vanguard-Gründer John Bogle für dessen Idee. Welches Wertpapier Du in Deutschland dafür nutzt, ist seine Sache nicht.
Praktisch bilden hierzulande UCITS-ETFs denselben Index ab, etwa der Vanguard S&P 500 UCITS ETF mit der ISIN IE00B3XXRP09. Die laufenden Kosten solcher Produkte liegen typischerweise bei etwa 0,07 Prozent im Jahr. Das ist die Größenordnung, die Buffett meint, wenn er von niedrigen Gebühren spricht. Wie sich der Index selbst entwickelt, verfolgen wir in der S&P 500 Prognose.
„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und gierig, wenn andere ängstlich sind.”
Wer ist Greg Abel, Buffetts Nachfolger?
Greg Abel ist seit dem 1. Januar 2026 Chief Executive Officer von Berkshire Hathaway und damit Warren Buffetts Nachfolger an der operativen Spitze des Konzerns.
Der gebürtige Kanadier kam über einen Umweg zu Berkshire. Abel arbeitete zunächst als Wirtschaftsprüfer bei PricewaterhouseCoopers, wechselte dann in die Energiewirtschaft und landete über einen Versorger, aus dem später Berkshire Hathaway Energy wurde, im Konzern. Seit 2018 war er Vice Chairman und Mitglied des Verwaltungsrats.
Sein Zuständigkeitsbereich war schon vorher gewaltig. Abel verantwortete alle Beteiligungen außerhalb des Versicherungsgeschäfts, also Eisenbahn, Energieversorger, Industrie und Handel. Wer das Depot kennt, sollte diesen Teil nicht unterschätzen: Die vollständig übernommenen Töchter erwirtschaften den größeren Teil des operativen Gewinns, tauchen aber in keiner 13F-Liste auf.
Sein erstes Quartal zeigt trotzdem eine eigene Handschrift. Der Umbau von 40 auf 29 Positionen ist entschiedener, als Buffett je vorgegangen wäre, und die Verdreifachung der Alphabet-Beteiligung ist eine klare Technologie-Wette. Auf der Hauptversammlung im Mai 2026 betonte Abel dennoch Kontinuität und schloss eine Aufspaltung des Konzerns aus.
Buffetts fünf Investment-Regeln
- Investiere nur in das, was Du verstehst: keine blinden Wetten auf Trends oder heiße Aktien.
- Langfristig denken: Buffett plant in Jahren und Jahrzehnten, nicht in Quartalen.
- Cash ist kein Problem: Liquidität bedeutet Sicherheit und Handlungsfähigkeit, nicht Stillstand.
- Qualität statt Schnäppchen: starke Marken mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil bevorzugt.
- Ruhig bleiben, wenn andere nervös werden: Geduld und Gelassenheit zahlen sich aus.
Fazit: Was Anleger aus Buffetts Rückzug mitnehmen
Der Wechsel an der Spitze hat gezeigt, wie viel von Buffetts Erfolg an der Person hing und wie viel am System. Reich geworden ist er nicht durch Timing, sondern durch Halten: Coca-Cola liegt seit den späten 1980er-Jahren unverändert im Depot, Apple über ein Jahrzehnt. Die Rendite entstand aus Zeit, nicht aus Aktivität.
Mich überzeugt an diesem Ansatz weniger die Aktienauswahl als die Zurückhaltung. Als diskretionärer Trader arbeite ich in völlig anderen Zeiträumen, aber die Fähigkeit, bei hohen Bewertungen einfach nichts zu tun und 397 Milliarden Dollar liegen zu lassen, ist auch im kurzfristigen Handel die schwerste Disziplin. Wer keinen Grund zum Handeln hat, hat keinen.
Für die Beurteilung des Depots heißt das zweierlei. Berkshire ist nach einem Quartal unter Abel ein anderes Portfolio als unter Buffett, konzentrierter und mit einer echten Technologie-Wette. Ob daraus eine bessere oder nur eine andere Bilanz wird, entscheiden die nächsten Jahre. Wer die Berichte selbst mitlesen will, findet die Quartalsmeldungen im EDGAR-Archiv der SEC und braucht dafür keinen Anbieter dazwischen.
Ein letzter Hinweis zur Einordnung. Ein 13F-Bericht ist eine Momentaufnahme mit bis zu 45 Tagen Verzögerung und keine Handlungsempfehlung. Wer Positionen einfach nachkauft, kauft eine Entscheidung, deren Begründung er nicht kennt, und häufig zu einem deutlich anderen Kurs. Wer Buffetts Ansatz datenbasiert nachbilden möchte, findet mit der Best-of-Buffett-Strategie von InvestingPro eine Annäherung.
Einen zweiten Rückzug auf dem Höhepunkt gab es schon 1990: Peter Lynchs Bilanz beim Magellan-Fonds endete freiwillig, mit 46 Jahren.
In unserer Übersicht der bekanntesten Finanzexperten steht Buffett neben deutschen Stimmen wie Gerd Kommer und Robert Halver.
Wie stark wenige große Gewinner die Marktrendite tragen, belegt auch die Tenbagger-Statistik: Nur rund 1,6 Prozent aller Aktien verzehnfachten sich im letzten Jahrzehnt.
Dieselbe Nachfolgefrage stellt sich auch hierzulande: Bei der DJE Kapital AG bereitet der 84-jährige Gründer Jens Ehrhardt die Übergabe an seinen Sohn Jan vor.
Auf denselben Grundsatz setzen auch kommerzielle Empfehlungsdienste: breit streuen und lange halten. Wie konsequent The Motley Fool diesen Ansatz verkauft, haben wir uns im Detail angesehen.
Häufige Fragen zu Warren Buffetts Portfolio
Welche Aktien hat Warren Buffett aktuell im Depot?
Zum 31. März 2026 hielt Berkshire Hathaway 29 Positionen im Wert von 263,1 Milliarden Dollar. Die fünf größten sind Apple, American Express, Coca-Cola, Bank of America und Chevron, zusammen rund 67 Prozent des Depots.
Wie viel Prozent von Apple gehören Berkshire Hathaway?
Berkshire hält 227,9 Millionen Apple-Aktien, das entspricht rund 1,55 Prozent des Unternehmens. Der Anteil war früher deutlich höher, Buffett hatte die Position zwischen 2024 und 2025 stark verkleinert.
Welche Aktie hat Berkshire zuletzt gekauft?
Im ersten Quartal 2026 wurde Alphabet um mehr als 200 Prozent aufgestockt. Neu ins Depot kamen Delta Air Lines mit 2,6 Milliarden Dollar und eine kleine Position in Macy’s.
Was macht Warren Buffett jetzt?
Buffett gab den CEO-Posten zum 31. Dezember 2025 ab und ist seither Chairman des Verwaltungsrats. Nach eigenen Angaben kommt er weiter täglich ins Büro, schreibt aber keinen Geschäftsbericht mehr und spricht nicht mehr ausführlich auf der Hauptversammlung.
Warum hat Berkshire so viel Cash?
Ende März 2026 lagen rund 397 Milliarden Dollar in Bargeld und kurzlaufenden US-Staatsanleihen, mehr als im Aktienportfolio. Ein Teil davon ist gebundenes Betriebskapital des Versicherungsgeschäfts, der Rest wartet auf günstigere Bewertungen.
Welchen ETF empfiehlt Warren Buffett?
Er empfiehlt keine einzelne Produktmarke, sondern einen kostengünstigen Indexfonds auf den S&P 500. In Europa lässt sich das über UCITS-ETFs abbilden, etwa den Vanguard S&P 500 UCITS ETF mit rund 0,07 Prozent laufenden Kosten.
Wie hoch ist das Vermögen von Warren Buffett?
Die Schätzungen liegen im Sommer 2026 bei rund 140 bis 150 Milliarden Dollar und schwanken je nach Quelle, weil sie fast vollständig am Berkshire-Aktienkurs hängen. Buffett hat zugesagt, den Großteil zu verschenken.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1978 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte.
In den späten 1980er-Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und brachte dessen zehn Bücher ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Buffetts Aufstieg hat Karsten als aktiver Marktteilnehmer über vier Jahrzehnte begleitet, vom Crash 1987 bis zur Übergabe an Greg Abel. Aus dieser Distanz zwischen kurzfristigem Handel und langfristigem Beteiligungsgeschäft ordnet er ein, welche Teile der Buffett-Erzählung durch Pflichtberichte gedeckt sind und welche nur oft wiederholt werden.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











