Zwei Anläufe auf dieselbe Marke, und beide scheitern. Genau das ist der Moment, in dem ein Trend kippt. Der Doppelboden und das Doppeltop gehören zu den ältesten Umkehrmustern der Chartanalyse, und sie sind deshalb so beliebt, weil man sie im Chart sofort sieht. Der Doppelboden sieht aus wie ein W, das Doppeltop wie ein M.
In diesem Artikel zeige ich dir beide Muster an echten Charts. Du erfährst, wo die Nackenlinie liegt, wie du Einstieg, Stop-Loss und Kursziel festlegst und wie oft die Muster in einer der größten Auswertungen zu Chartformationen tatsächlich getroffen haben. Denn die ehrliche Antwort vorweg: Jedes vierte Doppeltop scheitert. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Double Bottom und Double Top: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der Doppelboden (Double Bottom, W-Formation) ist ein bullisches Umkehrmuster am Ende eines Abwärtstrends. Das Doppeltop (Double Top, M-Formation) ist sein bärisches Gegenstück am Ende eines Aufwärtstrends.
- Die Nackenlinie ist die entscheidende Linie: Sie liegt beim Doppelboden auf dem Zwischenhoch, beim Doppeltop auf dem Zwischentief. Erst wenn der Kurs sie durchbricht, ist das Muster gültig.
- Das Muster ist kein Selbstläufer: Nach den Auswertungen von Thomas Bulkowski scheitern 16 Prozent der Doppelböden und 25 Prozent der Doppeltops, bevor sie auch nur 5 Prozent in die erwartete Richtung laufen.
- In rund zwei von drei Fällen kehrt der Kurs nach dem Ausbruch noch einmal an die Nackenlinie zurück. Wer diesen Rücklauf abwartet, steigt ruhiger ein, verpasst aber jedes dritte Muster.
- Das Kursziel ergibt sich aus der Musterhöhe: Abstand zwischen den beiden Wendepunkten und der Nackenlinie, vom Ausbruch aus abgetragen. Erreicht wird es je nach Variante in 43 bis 73 Prozent der Fälle.
- Auf höheren Zeitebenen wie dem Tages- und Wochenchart sind beide Muster verlässlicher als im Minutenbereich, weil dort mehr Marktteilnehmer dieselbe Marke sehen.
Was ist das Double Bottom/Double Top Pattern?
Das Double Bottom und das Double Top sind Umkehr-Chartmuster, bei denen der Kurs zweimal an derselben Marke scheitert und anschließend in die Gegenrichtung dreht.
Beide Muster erzählen dieselbe Geschichte. Eine Seite des Marktes versucht zweimal, eine Marke zu überwinden, und schafft es nicht. Beim Doppelboden sind es die Verkäufer, die den Kurs nicht mehr tiefer drücken. Beim Doppeltop sind es die Käufer, die an einem Widerstand zweimal abprallen. Dieser gescheiterte zweite Versuch ist die eigentliche Information, nicht die Form.
Der Doppelboden: die W-Formation
Der Doppelboden bildet sich am Ende eines Abwärtstrends. Der Kurs fällt auf ein erstes Tief, erholt sich, fällt erneut auf ungefähr dasselbe Niveau und dreht dort nach oben. Verbindet man die Punkte, entsteht die Form eines W. Im deutschsprachigen Raum heißt das Muster deshalb auch W-Formation oder doppelter Boden.

Ein bestätigter Doppelboden ist ein Kaufsignal. Er zählt zu den klassischen Long-Signalen, auf die Trader für den Einstieg in eine Kaufposition warten. Wichtig ist die Reihenfolge: Erst muss ein Abwärtstrend vorausgegangen sein. Ohne vorherigen Trend gibt es nichts umzukehren, und dann sind zwei Tiefs auf gleicher Höhe schlicht eine Seitwärtsrange.
Das Doppeltop: die M-Formation
Das Doppeltop ist das gespiegelte Gegenstück. Es entsteht am Ende eines Aufwärtstrends. Der Kurs erreicht ein erstes Hoch, fällt zurück, läuft ein zweites Mal auf dieselbe Marke und scheitert dort. Die Form erinnert an ein M, weshalb auch von der M-Formation gesprochen wird.

Die beiden Hochs müssen nicht exakt gleich hoch sein. In der Praxis gilt eine Toleranz von rund zwei bis drei Prozent als üblich. Läuft das zweite Hoch deutlich über das erste, hat der Aufwärtstrend ein neues Verlaufshoch gesetzt, und von einer Umkehr kann keine Rede mehr sein. Genau hier liegt die häufigste Fehlinterpretation: Wer das Muster zu großzügig auslegt, findet es überall.
Die Nackenlinie entscheidet über alles
Die Nackenlinie ist die waagerechte Linie durch den Wendepunkt zwischen den beiden Tiefs oder Hochs und markiert die Schwelle, an der das Muster gültig wird.
Ohne Durchbruch existiert das Muster nicht. Solange der Kurs die Nackenlinie nicht überschritten hat, sind zwei Tiefs nur zwei Tiefs. Das ist der wichtigste Unterschied zwischen einem Chartmuster und einer Vermutung. Beim Doppelboden liegt die Linie auf dem Zwischenhoch, und der Kurs muss sie nach oben durchbrechen. Beim Doppeltop liegt sie auf dem Zwischentief, und der Durchbruch erfolgt nach unten.
Denselben Begriff kennst du von der Schulter-Kopf-Schulter-Formation. Dort trägt die Nackenlinie dieselbe Funktion, verläuft aber oft schräg statt waagerecht. Wie die Nackenlinie dort gezogen wird, steht in unserem Leitfaden zur Schulter-Kopf-Schulter-Formation.
Umkehr ist nicht gleich Fortsetzung. Während Doppeltop und Doppelboden eine Wende ankündigen, signalisieren bullische und bärische Wimpel die Fortsetzung des laufenden Trends. Wie sich beide Gruppen in die übrigen Formationen einordnen, zeigt unsere Chartmuster-Übersicht für das Price-Action-Trading.
Wie wird das Double Bottom/Double Top Muster gebildet?
Beide Muster entstehen in vier Schritten. Sie brauchen Zeit, und genau das unterscheidet sie von einzelnen Kerzenformationen. Zwischen dem ersten und dem zweiten Wendepunkt liegen auf dem Tageschart häufig mehrere Wochen. Wer ein Muster nach drei Kerzen erkennt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit keines vor sich.
So entsteht der Doppelboden Schritt für Schritt

- Erster Tiefpunkt: Nach einem ausgeprägten Abwärtstrend findet der Kurs einen ersten Halt und dreht nach oben.
- Erholung: Der Kurs steigt an und bildet ein Zwischenhoch. Auf dessen Höhe liegt die Nackenlinie.
- Zweiter Tiefpunkt: Der Kurs fällt erneut auf ungefähr dasselbe Niveau. Fällt er deutlich darunter, ist das Muster hinfällig und der Abwärtstrend intakt.
- Ausbruch: Der Kurs steigt wieder und durchbricht die Nackenlinie. Erst mit diesem Durchbruch ist der Doppelboden bestätigt.
Das Chartbeispiel oben stammt aus der Finanzkrise. Die Deutsche Bank bildete den Doppelboden Anfang 2009 aus, nach einem Absturz von rund 60 auf unter 12 Euro. Es ist ein Lehrbuchfall, aber auch ein Beispiel dafür, wie weit die beiden Tiefs auseinanderliegen können. Zwischen ihnen lagen mehrere Wochen, und der Stop-Loss unter dem zweiten Tief war entsprechend weit entfernt.
So entsteht das Doppeltop Schritt für Schritt

- Erster Hochpunkt: Nach einem Aufwärtstrend erreicht der Kurs ein Hoch und prallt ab.
- Rückgang: Der Kurs fällt zurück und bildet ein Zwischentief. Dort verläuft die Nackenlinie.
- Zweiter Hochpunkt: Der Kurs läuft erneut nach oben und scheitert auf Höhe des ersten Hochs. Ein neues Verlaufshoch würde das Muster zerstören.
- Durchbruch: Der Kurs fällt unter die Nackenlinie. Damit ist das Doppeltop bestätigt.
Was das Volumen verrät
Das Handelsvolumen ist der beste Zusatzfilter für dieses Muster. Im klassischen Fall liegt das Volumen am zweiten Wendepunkt niedriger als am ersten. Das ist die sichtbare Form der Aussage, die das Muster ohnehin macht: Der zweite Anlauf hat weniger Kraft als der erste. Beim Ausbruch über die Nackenlinie sollte das Volumen dann anziehen.
Verlass dich nicht allein darauf. Im Forexhandel gibt es kein zentrales Börsenvolumen, dort siehst du nur das Volumen deines Brokers oder ersatzweise das des Währungs-Futures. Und auch bei Aktien gibt es Doppelböden, die ohne auffälliges Volumen sauber funktionieren. Wie stark Volumen und Kursbewegung zusammenhängen, zeigt der Beitrag zu geringem Handelsvolumen und explosiven Kursbewegungen.
Wie zuverlässig sind Doppelboden und Doppeltop wirklich?
Fast jeder Ratgeber nennt diese Muster zuverlässig, kaum einer nennt eine Zahl. Der US-Analyst Thomas Bulkowski hat genau das getan. Er hat über Jahre tausende Formationen in US-Aktien ausgewertet und je Muster festgehalten, wie oft es scheitert und wie oft es sein Kursziel erreicht. Die folgenden Werte stammen aus seinen veröffentlichten Auswertungen für den Bullenmarkt.
| Muster | Fehlerrate | Kursziel erreicht |
|---|---|---|
| Doppelboden Eve & Eve | 12 % | 65 % |
| Doppelboden Adam & Adam | 16 % | 73 % |
| Doppeltop Eve & Eve | 20 % | 43 % |
| Doppeltop Adam & Adam | 25 % | 64 % |
Die Fehlerrate meint etwas sehr Konkretes. Sie zählt die Muster, die nach dem Ausbruch nicht einmal 5 Prozent in die erwartete Richtung laufen. Bei jedem vierten Doppeltop passiert genau das. Das Muster bricht aus, und dann geschieht nichts. Wer diese Zahl kennt, plant seinen Trade anders als jemand, der das Muster für ein sicheres Signal hält.
Der Doppelboden ist das verlässlichere der beiden Muster. Seine Fehlerrate liegt mit 12 bis 16 Prozent deutlich unter der des Doppeltops mit 20 bis 25 Prozent. Das hat einen einfachen Grund: Abwärtsbewegungen laufen schneller und panischer ab als Aufwärtsbewegungen. Ein Boden bildet sich, wenn die Verkäufer erschöpft sind, und das ist ein klareres Ereignis als das langsame Auslaufen einer Aufwärtsbewegung.
Adam und Eve: warum die Form der Wendepunkte zählt
Bulkowski unterscheidet die Muster nach der Form ihrer Wendepunkte. Ein Adam-Wendepunkt ist schmal und spitz, oft nur eine einzelne lange Kerze, die aus dem Kursverlauf heraussticht. Ein Eve-Wendepunkt ist breit und gerundet und besteht aus mehreren Kerzen auf ähnlichem Niveau. Ein Doppelboden aus zwei gerundeten Tiefs heißt entsprechend Eve & Eve.
Die runden Wendepunkte sind die besseren. Der Eve & Eve-Doppelboden ist mit einer Fehlerrate von 12 Prozent die stärkste der vier Varianten und rangiert in Bulkowskis Gesamtwertung auf Platz 5 von 39 Aufwärtsmustern. Praktisch heißt das: Ein Boden, an dem der Kurs mehrere Tage lang zäh liegen bleibt, ist verlässlicher als eine einzelne Kursspitze nach unten. Ein breiter Boden zeigt, dass dort tatsächlich gekauft wurde, statt dass nur ein paar Stop-Orders abgeräumt wurden.
Was diese Zahlen nicht sagen
Die Werte stammen aus US-Aktien im Bullenmarkt. Ob sie sich eins zu eins auf Forex, Futures oder Kryptowährungen übertragen lassen, ist offen. Für Krypto gibt es schlicht keine vergleichbar große und über Jahrzehnte gepflegte Auswertung. Die Muster treten dort auf, das ist im Chart sichtbar, aber eine belastbare Trefferquote für Bitcoin kann seriös niemand nennen.
Auch die durchschnittlichen Bewegungen sind nicht das, was ein Trade einbringt. Bulkowski nennt für den Adam-&-Adam-Doppelboden einen mittleren Anstieg von 39 Prozent. Diese Zahl misst bis zum ultimativen Hoch, also bis zum Ende der gesamten Folgebewegung, die Monate dauern kann. Kein realistischer Trade hält so lange. Behandle die Prozentwerte als Rangfolge zwischen den Mustern, nicht als Renditeerwartung.
Und die Muster wurden nach strengen Regeln ausgewählt. Bulkowski spricht ausdrücklich von perfekten Formationen. Was du im echten Chart siehst, ist selten perfekt. Je großzügiger du die Regeln auslegst, desto weiter entfernst du dich von diesen Zahlen. Behandle die Tabelle deshalb als Rangfolge zwischen den Varianten, nicht als Versprechen für deinen nächsten Trade.
Wie man Double Bottoms/Tops erfolgreich handelt
Der Handelsplan steht, bevor der Ausbruch kommt. Bei einem Umkehrmuster kennst du alle drei Marken schon während der Musterbildung: die Nackenlinie als Einstieg, den zweiten Wendepunkt als Stop und die Musterhöhe als Ziel. Das ist der eigentliche Vorteil dieser Formationen. Du musst im Moment des Ausbruchs nichts mehr entscheiden.
Einstieg: sofort am Ausbruch oder im Rücklauf
Hier trennen sich zwei Lager. Die eine Möglichkeit ist der Einstieg direkt beim Durchbruch der Nackenlinie. Du bekommst den besten Kurs, der Stop liegt vergleichsweise nah, und du verpasst kein Muster. Dafür erwischst du jeden Fehlausbruch mit, und davon gibt es reichlich.
Die zweite Möglichkeit ist der Rücklauf an die Nackenlinie. Nach Bulkowskis Auswertungen kehrt der Kurs in 64 bis 67 Prozent der Fälle noch einmal an die durchbrochene Linie zurück, bevor er weiterläuft. Diese Bewegung heißt beim Doppeltop Pullback und beim Doppelboden Throwback. Wer sie abwartet, sieht vorher, ob die Linie als neue Unterstützung oder neuer Widerstand hält.
Der Preis dafür ist ein Drittel der Muster. In rund einem von drei Fällen läuft der Kurs ohne Rücklauf davon, und dann bleibst du draußen. Es gibt hier kein Richtig und kein Falsch, sondern eine Entscheidung: mehr Trades bei mehr Fehlsignalen, oder weniger Trades mit besserer Bestätigung. Wichtig ist nur, dass du dich vorher festlegst und es nicht im Moment des Ausbruchs entscheidest.
Den Stop-Loss richtig setzen

Der Stop gehört hinter den zweiten Wendepunkt. Beim Doppeltop also über das zweite Hoch, beim Doppelboden unter das zweite Tief. Die Logik dahinter ist einfach: Läuft der Kurs dorthin zurück, war die Marke eben doch kein Widerstand, und die Annahme hinter dem Trade ist widerlegt. Wie du die Order technisch platzierst, steht im Beitrag zum Setzen von Stop-Loss-Orders.
Achte auf die Höhe des Musters, bevor du einsteigst. Der Abstand von der Nackenlinie zum Wendepunkt ist gleichzeitig dein Risiko und die Grundlage deines Ziels. Bei einem sehr hohen Muster wird der Stop weit, und die Positionsgröße muss entsprechend klein ausfallen. Genau daran scheitert der Doppelboden der Deutschen Bank aus dem Beispiel oben als praktischer Trade: Das Muster ist lehrbuchhaft, aber der Stop liegt so weit entfernt, dass die Position winzig sein müsste.
Das Kursziel berechnen
Das Kursziel eines Doppeltops oder Doppelbodens entspricht der Musterhöhe, gemessen vom Wendepunkt bis zur Nackenlinie und vom Ausbruchspunkt aus abgetragen.
Am Adidas-Chart lässt sich das nachrechnen. Die beiden Hochs liegen bei rund 93 Euro, die Nackenlinie bei rund 88,50 Euro. Die Musterhöhe beträgt damit etwa 4,50 Euro. Vom Ausbruch bei 88,50 Euro nach unten abgetragen ergibt das ein rechnerisches Ziel von rund 84 Euro. Tatsächlich fiel die Aktie danach bis unter 78 Euro und übertraf das Ziel deutlich.
Das ist der Normalfall, nicht die Ausnahme. Das gemessene Ziel ist eine Mindesterwartung, keine Obergrenze. Deshalb lohnt es sich, einen Teil der Position am rechnerischen Ziel zu schließen und den Rest mit einem nachgezogenen Stop laufen zu lassen. Welche Verfahren es dafür gibt, zeigt der Beitrag zu den Arten der Gewinnmitnahme. Umgekehrt gilt: Erreicht wird das Ziel je nach Variante nur in 43 bis 73 Prozent der Fälle.
Bestätigung durch Divergenzen im RSI
Ein Indikator kann das Muster stützen, aber nicht ersetzen. Der häufigste Filter ist eine Divergenz im RSI. Beim Doppeltop macht der Kurs zwei etwa gleich hohe Hochs, während der RSI beim zweiten Hoch tiefer steht als beim ersten. Die Aufwärtsbewegung hat also an Kraft verloren, obwohl der Preis dasselbe Niveau erreicht. Beim Doppelboden ist es umgekehrt.
Nimm die Divergenz als Zusatzargument, nicht als Auslöser. Sie tritt auch in intakten Trends auf, ohne dass etwas passiert. Der Einstieg bleibt der Durchbruch der Nackenlinie. Die Divergenz hilft dir nur bei der Frage, welches von mehreren Mustern du überhaupt handelst. Wie du dabei die umliegenden Unterstützungs- und Widerstandsbereiche einbeziehst, entscheidet mehr über das Ergebnis als die Wahl des Indikators.
In einem Chart ohne Zeitachse ist dasselbe Muster streng definiert. Ein Double Top im Point-and-Figure-Chart entsteht, sobald eine X-Säule die vorherige um genau eine Box überragt. Damit entfällt die Frage, ob zwei Hochs nah genug beieinanderliegen. Die Konstruktionsregel entscheidet.
Abgrenzung zu ähnlichen Formationen
Drei Muster werden regelmäßig mit dem Doppeltop verwechselt. Alle drei sind ebenfalls Umkehrformationen, und sie unterscheiden sich nur in der Zahl und Anordnung ihrer Wendepunkte. Wer sie auseinanderhält, ordnet den Chart schneller ein.
- Triple Top und Triple Bottom: Hier scheitert der Kurs dreimal an derselben Marke statt zweimal. Der dritte Anlauf gilt als zusätzliche Bestätigung, dafür kommt das Signal später. Die Nackenlinie und die Kurszielberechnung funktionieren identisch.
- Schulter-Kopf-Schulter: Drei Hochs, von denen das mittlere das höchste ist. Beim Doppeltop liegen beide Hochs dagegen auf gleicher Höhe. Die Nackenlinie verläuft bei dieser Formation zudem häufig schräg statt waagerecht.
- Das 1-2-3-Kursmuster: Es beschreibt dieselbe Wende mit anderen Begriffen und klaren Regeln. Wer das 1-2-3-Kursmuster kennt, erkennt darin die Nackenlinie als Punkt 2 wieder.
Eine Seitwärtsrange ist dagegen kein Umkehrmuster. Zwei Tiefs auf gleicher Höhe ohne vorherigen Abwärtstrend sind die untere Begrenzung einer Range, mehr nicht. Diese Verwechslung ist der häufigste Fehler beim Doppelboden. Wie du einen Trendwechsel sauber von einer Seitwärtsphase trennst, ist deshalb die Voraussetzung für dieses Muster.
Vor- und Nachteile des Double Bottom/Double Top Pattern
Wie jedes Chartmuster hat auch dieses zwei Seiten. Die Stärken liegen in der Klarheit der Regeln, die Schwächen in der Zahl der Fehlsignale und in der Größe des Risikos. Beides gehört in die Entscheidung, ob du das Muster überhaupt handelst.
Vorteile des Double Bottom und Double Top Pattern
- Klare Handelsmarken: Einstieg, Stop-Loss und Kursziel stehen schon fest, bevor der Ausbruch kommt. Du musst im Moment der Bewegung nichts mehr entscheiden.
- Einfach zu erkennen: Die W- und M-Form ist auch für Einsteiger sichtbar, ohne dass ein Indikator nötig wäre.
- Belegte Trefferquoten: Für dieses Muster gibt es im Gegensatz zu vielen anderen Formationen veröffentlichte Auswertungen über tausende Fälle, an denen du deine Erwartung ausrichten kannst.
- Früher Einstieg in den neuen Trend: Als Umkehrmuster bringt es dich nah am Wendepunkt in die Position und damit früher als ein Fortsetzungsmuster.
Nachteile des Double Bottom und Double Top Pattern
- Jeder vierte Trade läuft ins Leere: Beim Doppeltop scheitern 25 Prozent der Muster, bevor sie überhaupt 5 Prozent in die erwartete Richtung laufen.
- Weite Stops: Bei hohen Mustern liegt der Stop hinter dem zweiten Wendepunkt sehr weit entfernt. Die Positionsgröße muss dann klein bleiben, und der Trade lohnt sich womöglich nicht mehr.
- Erkennung ist Auslegungssache: Wie gleich hoch zwei Hochs sein müssen, steht nirgends verbindlich. Wer die Regeln dehnt, findet das Muster überall und entfernt sich von den Trefferquoten.
- Späte Bestätigung: Das Signal entsteht erst mit dem Durchbruch der Nackenlinie. Ein guter Teil der Bewegung ist dann bereits gelaufen.
Mein Fazit zum Double Bottom/Top
Doppelboden und Doppeltop sind solide Muster, aber keine Selbstläufer. Sie geben dir klare Marken für Einstieg, Stop und Ziel, und sie sind im Chart schnell zu finden. Gleichzeitig sagen die Auswertungen deutlich, dass jedes vierte Doppeltop scheitert. Beides gehört zusammen. Ein Muster, das in drei von vier Fällen funktioniert, ist gut genug für einen Handelsplan und viel zu schlecht für einen Trade ohne Stop-Loss.
Zwei Dinge machen in der Praxis den größten Unterschied. Erstens der vorausgegangene Trend: Ohne ihn ist das Muster keine Umkehr, sondern eine Range. Zweitens die Form der Wendepunkte: Ein breiter, gerundeter Boden ist verlässlicher als eine einzelne Kursspitze. Wer nur diese beiden Filter anlegt, sortiert einen großen Teil der Fehlsignale schon vor dem Einstieg aus.
Ich selbst nutze das Muster als Orientierung, nicht als Auslöser. Ein Doppelboden sagt mir, dass an dieser Marke zweimal gekauft wurde, und damit ist sie ein ernstzunehmender Unterstützungsbereich. Ob ich dort einsteige, entscheidet die Marktstruktur darum herum. Wer nach der Umkehr die Fortsetzungsmuster dazunehmen will, findet im Dreieck-Chartmuster die passende Ergänzung.
Teste das Muster, bevor du es mit echtem Geld handelst. Geh die letzten Monate deines Marktes durch und markiere jeden Doppelboden und jedes Doppeltop, das du findest. Du wirst schnell merken, wie oft die Form nur ungefähr passt und wie unterschiedlich die Muster ausgehen. Diese Übung ist mehr wert als jede Trefferquote aus einer Tabelle, weil sie deinen Markt betrifft und nicht US-Aktien aus einer Auswertung.
FAQ zu den Double Top und Double Bottom
Was ist ein Double Bottom Muster?
Ein Double Bottom ist ein bullisches Umkehrmuster am Ende eines Abwärtstrends. Der Kurs fällt zweimal auf ungefähr dasselbe Niveau und dreht dort nach oben, wodurch die Form eines W entsteht. Bestätigt ist das Muster erst, wenn der Kurs das Zwischenhoch zwischen den beiden Tiefs durchbricht.
Was ist ein Double Top Muster?
Das Double Top ist das bärische Gegenstück zum Double Bottom. Es bildet sich am Ende eines Aufwärtstrends, wenn der Kurs zweimal an derselben Marke scheitert. Die Form erinnert an ein M. Das Signal entsteht, sobald der Kurs unter das Zwischentief fällt.
Ist ein Double Top bullisch oder bärisch?
Ein Double Top ist eindeutig bärisch. Es kündigt das Ende eines Aufwärtstrends an und wird als Verkaufssignal gehandelt. Verwechslungsgefahr besteht nur mit dem Double Bottom, das genau umgekehrt funktioniert und bullisch ist. Eine Ausnahme gibt es: Bricht der Kurs statt nach unten über beide Hochs aus, ist das Muster hinfällig.
Wie hoch ist die Trefferquote beim Double Top und Double Bottom?
Nach den Auswertungen von Thomas Bulkowski für US-Aktien im Bullenmarkt scheitern 25 Prozent der Doppeltops und 16 Prozent der Doppelböden in der Adam-&-Adam-Variante, bevor sie 5 Prozent in die erwartete Richtung laufen. Das rechnerische Kursziel wird je nach Variante in 43 bis 73 Prozent der Fälle erreicht. Der Doppelboden ist damit das verlässlichere der beiden Muster.
Was passiert nach dem Durchbruch der Nackenlinie?
In 64 bis 67 Prozent der Fälle kehrt der Kurs noch einmal an die durchbrochene Nackenlinie zurück, bevor er weiterläuft. Diese Bewegung heißt Pullback beziehungsweise Throwback und ist ein zweiter möglicher Einstiegspunkt. Bleibt sie aus, läuft der Kurs direkt in Richtung Kursziel.
In welchen Zeitrahmen sind die Muster am zuverlässigsten?
Auf dem Tages- und Wochenchart sind beide Muster verlässlicher als im Minutenbereich. Der Grund ist nicht der Zeitrahmen selbst, sondern die Zahl der Marktteilnehmer, die dieselbe Marke sehen und dort handeln. Auf sehr kleinen Zeitebenen entstehen laufend Formen, die wie ein Doppeltop aussehen, ohne dass eine nennenswerte Umkehr folgt.
Worin unterscheidet sich das Double Top vom Triple Top?
Beim Triple Top scheitert der Kurs dreimal an derselben Marke statt zweimal. Der zusätzliche Anlauf gilt als weitere Bestätigung des Widerstands, dafür kommt das Handelssignal später und ein größerer Teil der Bewegung ist bereits gelaufen. Nackenlinie und Kurszielberechnung sind bei beiden Mustern identisch.
Über den Autor: Bjarne Claussen
Bjarne Claussen ist seit 2018 im Trading aktiv und schreibt als Autor für Kagels Trading zu den Schwerpunkten Prop Trading, KI- und Algo-Trading, Kryptowährungen, Makroökonomie und Fundamentalanalyse.
Als Algo-Trader handelt er selbst primär Rohöl und den S&P 500. Chartmuster interessieren ihn vor allem dort, wo sie sich in überprüfbare Regeln übersetzen lassen. Genau diese Brille legt er auch an klassische Umkehrformationen an.
Für diesen Artikel hat er die Trefferquoten beider Muster gegen die veröffentlichten Auswertungen von Thomas Bulkowski geprüft und die im Bestand unbelegte Aussage korrigiert, Doppelboden und Doppeltop seien zuverlässige Umkehrsignale. Die gezeigten Chartbeispiele stammen aus der Deutsche Bank und der Adidas Aktie.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.













