WTI Future trifft auf schwächelnde Saisonalität

Zuletzt aktualisiert: 02. August 2026

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Karsten Kagels

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Karsten Kagels

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Empfehlung:

Analyst: Björn Heidkamp
Markt: leichtes Rohöl Future Endlos Kontrakt (NYMEX)
Zeitpunkt der Analyse: 02.08.2026
Letzter Kurs: 84,67 USD/Barrel

WTI Future: Charttechnische Einordnung

Der abgebildete Chart zeigt die langfristige Kursentwicklung des Rohöl-Futures von 2013 bis heute, bei Kursen von 84,67 USD/Barrel. Ein Notierungsstab bildet das Kursverhalten des Rohöl-Futures für jeden Monat ab.

WTI-Rohöl Monatschart mit Trendbruch, Break-away Gap und Rekordanstieg auf 117,63 USD
Langfristiger Monatschart des WTI-Rohöl-Futures seit 2013 mit eingezeichneter Abwärtstrendlinie, der Kurslücke vom März 2026 sowie den Widerstandszonen um 94 USD.

„Break-away-Notierungslücke” geschlossen

Ausgelöst durch den Iran-Konflikt eröffnete der WTI Future am 02. März mit einer Notierungslücke über dem Vormonatshoch. Dieses Gap ist deutlich auf dem Monats- und dem Wochenchart zwischen 70,09 und 67,83 sichtbar und lässt sich nachträglich als „Break-away Gap” klassifizieren.

Bei diesem (Gap-)Ausbruch wurde die seit September 2023 bestehende langfristige Abwärtstrendlinie deutlich überschritten und eine Bodenbildungsformation mit den mehrfachen Unterstützungen zwischen 56 (April 2025 und Oktober 2025) und 54,89 (Dezember 2025) abgeschlossen.

Im Zuge der politischen Unruhen um den Streit in der Straße von Hormus explodierten die Kurse des WTI Futures bis zum 07. April auf 117,63, den höchsten Stand seit Mitte Juni 2022. Dabei machten die Bullen nicht vor den starken Widerständen um 94, resultierend aus mehreren Marktwendepunkten aus dem letzten Quartal 2022 und September 2023, Halt.

Ausgehend von diesem Mehrjahreshoch wurde dieser steile Anstieg in den letzten Monaten wieder korrigiert. Die Kurse des WTI Futures haben Anfang Juli noch einmal kurz das Vormonatstief unterschritten und dabei das beschriebene „Break-away Gap” mit einem Bewegungstief bei 67,43 fast punktgenau geschlossen, ehe sich die Bullen wieder durchgesetzt haben. Dabei ist der WTI Future wieder bis zum 23. Juli bis auf 93,50 angestiegen.

Umkehrstab im Juli

Innerhalb des durch den Iran-Konflikt neu entstandenen Aufwärtstrends hat sich nach einer mehrwöchigen Korrektur im Juli der erste Umkehrmonat ausgebildet. Nach einer Eröffnung Anfang Juli unter 70 haben sich die Bullen wieder durchgesetzt und die Kurse des WTI Futures haben gedreht und wieder deutlich über 80 geschlossen. Ob sich der übergeordnete Haupttrend wieder durchsetzen kann, werden die nächsten Wochen zeigen.

Wochenchart: Mittelfristiger Abwärtstrend noch intakt

Aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts wurde der übergeordnete extreme Kursanstieg von März bis Anfang April durch einen sekundären mittelfristigen Abwärtstrend abgelöst. Jedoch hat sich in den letzten Wochen eine erste untere Umkehrformation ausgebildet. Steigt der WTI Future über 93,50, würde diese volatile untere Umkehrformation vollendet werden.

WTI-Rohöl Wochenchart mit sekundärem Abwärtstrend und beginnender unterer Umkehrformation
Mittelfristiger Wochenchart des WTI-Rohöl-Futures mit dem starken Anstieg von März bis April 2026, der anschließenden Korrektur und der sich aktuell bildenden unteren Umkehrformation um die Marke von 93,50 USD.

WTI Future in schwächelnder Saisonalität

Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Aktien, Indizes und Rohstoffe statistische Durchschnittswerte berechnen.

Typische Durchschnittsverläufe der vergangenen 20 Jahre zeigen für den WTI-Future Anfang Juli ein zyklisches Hoch. Diesem Pivotpunkt folgte in der Vergangenheit vermehrt, mit eindeutiger statistischer Schwäche, eine Abwärtsbewegung bis Mitte August. Eine entsprechende Erholung auf diese (Abwärts-)Bewegung endete nicht selten Ende August mit einem klaren sichtbaren Marktwendepunkt. Erfahrungsgemäß scheitert jedoch die Wiederaufnahme eines Aufwärtstrends, eine Fortsetzung der potenziellen Abwärtsbewegung endet nicht selten erst Anfang Dezember.

Hinzugefügt werden muss jedoch eindeutig, dass sich der WTI Future aufgrund der politischen Einflüsse in den letzten Monaten gegen die normalen saisonalen Verläufe entwickelt hat. Die „normale” Rally bis Ende Juni beispielsweise ist in der Abwärtsbewegung völlig untergegangen.

Fazit

Aus der Sichtweise des langfristigen Monatscharts bleibt das Chartbild auf Seiten der Bullen. Durch das Überschreiten der langfristigen Abwärtstrendlinie sowie der mehrjährigen Seitwärtsbewegung wurden wichtige Hindernisse der Bären aus dem Weg geräumt. Weiter wurde das angegebene „Break-away Gap” nahezu punktgenau geschlossen. Derartige Rücksetzer bestätigen in der Regel den vorherigen Ausbruch. Bei Kursen über dem Juli-Hoch und den alten Widerständen um 94 würde sich der übergeordnete Haupttrend wieder durchsetzen.

Nichtsdestotrotz handelt es sich bei dem WTI Future immer noch um einen Markt, welcher extrem abhängig von politischen Ereignissen ist. Auch in solchen Phasen kann eine technische Einordnung durchaus sinnvoll sein.

Aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts bleibt der sekundäre Abwärtstrend intakt.

Bei Kursen unter 77 ist ein weiteres Absinken in Richtung der Unterstützungen zwischen 70 und dem Korrekturtief aus dem Juli bei 67,40 anzunehmen.

Steigt Rohöl über die Hochs der „alten” Seitwärtsbewegung bei 94, würde eine mittelfristige untere Umkehrformation vollendet werden. Bei diesem positiven Szenario würden die Bullen den primären, übergeordneten Aufwärtstrend wieder durchsetzen. Ein erneuter Anstieg in Richtung 100 bis 107 wäre als Reaktion erwartbar.

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