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Turtle Soup im Trading: Raschkes Original, die ICT-Variante und 25 Jahre im Test

Zuletzt aktualisiert: 31. Oktober 2026

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13 Min

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Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

Ein Markt fällt unter sein tiefstes Tief der letzten 20 Tage, die Ausbruchshändler verkaufen, und kurz darauf steht der Kurs wieder darüber. Genau diesen gescheiterten Ausbruch handelt Turtle Soup, und zwar in die Gegenrichtung. Die Strategie stammt von Linda Bradford Raschke, die sie mit Laurence Connors im Buch „Street Smarts“ veröffentlichte. Heute taucht der Name vor allem in der ICT-Lehre auf, also bei den Anhängern des Inner Circle Traders Michael Huddleston, und dort mit anderen Regeln.

Hier stehen die Originalregeln, die Variante Turtle Soup Plus One und die ICT-Fassung nebeneinander, dazu ein Test über 25 Jahre im S&P 500 und im Nasdaq 100. Die Zahlen zeigen in allen getesteten Fassungen eine negative durchschnittliche Kursrendite. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Turtle Soup: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Bedeutung: Turtle Soup handelt einen gescheiterten Ausbruch über ein 20-Tage-Hoch oder unter ein 20-Tage-Tief in die Gegenrichtung.
  • Herkunft: Linda Bradford Raschke und Laurence Connors beschrieben das Setup 1995 in „Street Smarts“ als Gegenstück zu den Ausbruchsregeln der Turtle Trader.
  • Original: Neues 20-Tage-Tief, das alte Tief liegt einige Tage zurück, Einstieg per Stopp-Order knapp über dem alten Tief, Stopp unter dem neuen Tief.
  • ICT-Variante: Ein Liquidity Sweep über ein markantes Hoch oder unter ein Tief, Einstieg meist über ein gebrochenes Fair Value Gap, eine Kurslücke aus drei Kerzen, auf kurzen Zeitrahmen.
  • Unser Test: Auf SPY und QQQ von 2001 bis 2026 hatten alle getesteten Regelvarianten eine negative durchschnittliche Kursrendite je Trade. Ein Vorteil ist damit nicht nachgewiesen, der typische Trade endete im Stopp.

Was ist Turtle Soup?

Turtle Soup ist eine Trading-Strategie, die einen gescheiterten Ausbruch über ein 20-Tage-Hoch oder unter ein 20-Tage-Tief in die Gegenrichtung handelt, sobald der Kurs wieder hinter das alte Extrem zurückkehrt.

Die Idee ist ein Gegenentwurf zum klassischen Ausbruchshandel. Wer Ausbrüche kauft, steigt über einem markanten Hoch ein und verkauft unter einem markanten Tief. Scheitert der Ausbruch, liegen diese Trader sofort falsch und müssen raus. Turtle Soup setzt darauf, dass genau diese Gegenbewegung Schwung bekommt. Das ist dasselbe Grundmuster wie beim Fehlausbruch, nur mit festen Regeln.

Turtle Soup ist ein antizyklisches Setup. Du handelst gegen die letzte Bewegung, nicht mit ihr. Damit gehört die Strategie zur Familie der kurzfristigen Mean-Reversion-Ansätze, die auf eine Rückkehr in die vorherige Spanne setzen. Gedacht ist sie für eine kurze Haltedauer von wenigen Tagen.

Woher der Name Turtle Soup kommt

Der Name ist ein Seitenhieb auf die berühmten Turtle Trader. Richard Dennis und William Eckhardt brachten in den 1980er-Jahren einer Gruppe von Anfängern ein Trendfolgesystem bei, das unter anderem bei einem neuen 20-Tage-Hoch kaufte. Wie dieses System genau funktionierte, steht in unserem Artikel zu den Turtle-Trading-Regeln.

Ein Trendfolgesystem lebt mit vielen Fehlsignalen. Es verliert bei den meisten Ausbrüchen ein wenig und verdient an den wenigen großen Trends. Raschke und Connors drehten diese Logik um: Sie handeln gezielt die gescheiterten 20-Tage-Ausbrüche, an denen Trendfolger Geld verlieren. Aus den Schildkröten wird so die Suppe. Mehr über Raschkes Grundsätze liest du in ihren 50 Trading-Regeln.

Die Originalregeln von Raschke und Connors

Die Regeln für einen Long-Trade lauten in den gängigen Darstellungen des Buches so. Für einen Short-Trade gilt alles spiegelbildlich an einem 20-Tage-Hoch.

  1. Neues Tief: Der Kurs fällt heute unter das tiefste Tief der letzten 20 Handelstage.
  2. Altes Tief mit Abstand: Dieses bisherige 20-Tage-Tief muss einige Handelstage zurückliegen.
  3. Einstieg: Eine Kauf-Stopp-Order knapp über dem alten Tief, laut MQL5-Darstellung 5 bis 10 Punkte darüber. Kehrt der Kurs dorthin zurück, wird sie ausgeführt.
  4. Stopp: Knapp unter dem heutigen Tief, in der MQL5-Darstellung ein Punkt darunter.
  5. Ausstieg: Die MQL5-Darstellung beschreibt einen nachgezogenen Stopp. Ein festes Kursziel nennt keine der beiden Quellen.

Beim Mindestabstand des alten Tiefs widersprechen sich die Quellen. Die Strategiebibliothek von LuxAlgo nennt mindestens vier Handelstage, der Text einer Umsetzung auf MQL5 drei Tage, deren Programmcode prüft allerdings eine strengere Bedingung. Das Buch selbst konnten wir nicht einsehen. In unserem Test haben wir deshalb drei und vier Tage als eigene Varianten gerechnet.

Der Altersfilter soll frische Marken ausschließen. Ein Tief, das erst gestern entstand, hatte noch wenig Zeit, als Unterstützung beachtet zu werden. Welche Orders tatsächlich an einem Tief liegen, zeigt der Chart nicht. Die Idee ist nur, dass ein älteres Tief mehr Beachtung fand.

Die Grafik zeigt den Ablauf an einem Long-Setup. Das alte 20-Tage-Tief liegt mindestens vier Tage zurück, die neue Kerze sticht darunter und schließt wieder darüber. Der Kauf-Stopp liegt knapp über dem alten Tief, der Schutzstopp unter dem neuen.

Turtle Soup Schema: neues 20-Tage-Tief unter dem alten Tief, Kauf-Stopp knapp über dem alten Tief und Stopp unter dem neuen Tief
Schematische Zeichnung, keine Marktdaten. Turtle Soup kauft, wenn ein neues 20-Tage-Tief sofort wieder über das alte Tief zurückläuft.

Turtle Soup Plus One: der Einstieg am Folgetag

Turtle Soup Plus One gibt dem Ausbruch einen Tag mehr Zeit. Statt noch am Tag des neuen Tiefs einzusteigen, wartet die Variante, ob der Ausbruch über den Schlusskurs bestätigt wird, und steigt erst am nächsten Tag ein, wenn er dann scheitert.

  1. Tag 1: Neues 20-Tage-Tief, das alte Tief liegt einige Tage zurück, und der Schlusskurs liegt auf oder unter dem alten Tief.
  2. Tag 2: Einstieg, sobald der Kurs wieder über das alte 20-Tage-Tief steigt, meist per Kauf-Stopp-Order.
  3. Stopp: Laut MQL5-Darstellung unter dem tieferen Tief der beiden Tage.

Der Vorteil ist die Planbarkeit. Die Order steht schon vor Handelsbeginn fest, du musst nicht während des Tages auf einen Rücklauf lauern. Der Nachteil: Der Stopp liegt meist weiter weg, weil er unter zwei Tagestiefs sitzt.

Turtle Soup bei ICT: Sweep statt 20-Tage-Regel

In der ICT-Lehre ist Turtle Soup kein festes Regelwerk mehr, sondern ein Name für ein Muster. Gemeint ist ein Liquidity Sweep: Der Kurs läuft kurz über ein markantes Hoch oder unter ein markantes Tief und kehrt sofort zurück. Der Einstieg kommt danach auf einem kurzen Zeitrahmen, meist über ein Inverse Fair Value Gap, also eine durchbrochene Kurslücke aus drei Kerzen, oder über einen Market Structure Shift.

MerkmalOriginalICT
Marke20-Tage-Hoch oder -Tiefmarkantes Hoch oder Tief
Zeit­rahmenTages­chartoft Minuten­chart
EinstiegStopp-Order über dem alten TiefBruch eines Gaps oder der Struktur
RegelnfestErmessen

Ein Beispiel für die ICT-Fassung zeigt unser Artikel zum IFVG. Dort beschreibt die Scalperin Candace Lau, wie sie zur Börseneröffnung im Nasdaq-Future über gleiche Hochs gelaufene Kurse über ein gebrochenes Gap handelt. Mit Raschkes 20-Tage-Regel hat das außer dem Grundgedanken wenig zu tun. Den Rahmen der ICT-Begriffe erklärt unser Artikel zum ICT Trading.

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Turtle Soup im Test: 25 Jahre S&P 500 und Nasdaq 100

Ob Turtle Soup als feste Regel trägt, haben wir an zwei Märkten gezählt. Grundlage sind die Tageskerzen des SPY auf den S&P 500 und des QQQ auf den Nasdaq 100 vom 2. Januar 2001 bis zum 16. Oktober 2026 (Kurse von Yahoo Finance). Gerechnet haben wir Long- und Short-Setups, gemessen in Prozent je Trade und in R: 1 R ist der Abstand zwischen Einstieg und Stopp.

  1. Turtle Soup: Neues 20-Tage-Tief, das alte Tief mindestens vier Tage alt, und der Schlusskurs liegt wieder über dem alten Tief. Kauf zur Eröffnung am nächsten Tag, Stopp einen Cent unter dem Tief des Signaltags. Eröffnet der Kurs schon unter dem Stopp, ist die Position sofort zum Eröffnungskurs wieder geschlossen (idealisiert, ohne Slippage, Ergebnis null).
  2. Turtle Soup Plus One: Neues 20-Tage-Tief mit Schluss auf oder unter dem alten Tief. Am nächsten Tag Kauf-Stopp genau am alten Tief, nur an diesem Tag gültig (eigene Festlegung). Stopp einen Cent unter dem Tief des ersten Tages, weil das Tief des zweiten Tages beim Einstieg noch nicht feststeht.
  3. Ausstieg: Ziel beim Doppelten des Risikos (2R), Stopp wie oben, spätestens nach 20 Handelstagen zum Schlusskurs.

Beim Einstieg weicht unser Test bewusst vom Original ab. Die Originalregel steigt per Stopp-Order im Tagesverlauf ein. Tageskerzen zeigen aber nicht, ob der Kurs zuerst gefallen und dann gestiegen ist. Vier frühere Fassungen unserer Zählung haben wir deshalb verworfen: Die erste schätzte die Ausführung über den Schlusskurs und verlor so gefüllte Orders, die bis zum Abend wieder fielen. Die zweite kaufte zum Schlusskurs, der zum Zeitpunkt des Signals noch gar nicht handelbar war. Die dritte und vierte setzten den Stopp bei Plus One zu spät oder zählten Sonderfälle am Einstiegstag falsch. Die jetzige Fassung nutzt nur Kurse, die beim Einstieg schon bekannt sind.

VarianteSPYQQQ
Turtle Soup198 Trades, −0,13 % je Trade192 Trades, −0,37 % je Trade
Plus One (Spanne)137 Trades, −0,28 % bis −0,09 %127 Trades, −0,45 % bis −0,30 %

Die Grafik fasst die vier Ergebnisse zusammen. Die roten Balken reichen bis zum ungünstigeren Ergebnis, die gestrichelten Umrisse zeigen bei Plus One die günstigere Annahme. Alle Balken liegen unter der Nulllinie.

Turtle Soup Test auf SPY und QQQ 2001 bis 2026: durchschnittliches Ergebnis je Trade in Prozent
Eigene Auswertung, Tageskerzen SPY und QQQ vom 2. Januar 2001 bis 16. Oktober 2026, Kurse Yahoo Finance, ohne Gebühren. Ausstieg bei 2R, Stopp oder nach 20 Tagen. Bei Plus One zeigt die Spanne die ungünstige und die günstige Annahme zum Stopp am Einstiegstag.

Alle getesteten Varianten hatten eine negative durchschnittliche Kursrendite je Trade. In R lag Turtle Soup bei −0,12 R (SPY) und −0,19 R (QQQ). Der Median war überall ein voller Verlust von −1 R: Mehr als die Hälfte der Trades endete im Stopp, bei Turtle Soup gut 40 Prozent schon am Einstiegstag, 33 Trades im SPY und 30 im QQQ direkt zur Eröffnung.

Bei Plus One geben wir eine Spanne statt einer Zahl an. Der Kauf-Stopp wird oft im Tagesverlauf ausgeführt, und bei 64 von 137 Trades im SPY und 61 von 127 im QQQ erreichte der Kurs am selben Tag den Stopp, bei Longs das Tagestief, bei Shorts das Tageshoch. Ob das vor oder nach dem Einstieg geschah, zeigt eine Tageskerze nicht. Die ungünstige Annahme zählt diese Fälle als Stopp. Die günstige zählt zuerst einen Zieltreffer, der sicher nach dem Einstieg lag, und dann einen Schlusskurs jenseits des Stopps. Auch die günstige Annahme blieb in Prozent im Minus, in R lag sie im SPY bei +0,17 R.

Mit anderen Einstellungen änderte sich das Bild nicht. Mit einem Mindestabstand von drei statt vier Tagen und mit einem festen Ausstieg nach fünf Tagen statt des 2R-Ziels war die durchschnittliche Kursrendite in allen Kombinationen negativ. Zur Einordnung, ohne dass die Regeln vergleichbar wären: Ein Kauf an einem beliebigen Tag mit fünf Tagen Haltedauer und ohne Stopp brachte im SPY im Schnitt +0,17 Prozent, im QQQ +0,24 Prozent. Die Long-Trades von Turtle Soup mit Ausstieg nach fünf Tagen lagen darunter.

So haben wir gerechnet: Ein Long und ein Short je Markt können parallel laufen, eine zweite Position in derselben Richtung nicht. Ab dem Einstiegstag gilt der Stopp, berühren Stopp und Ziel am selben Tag beide, zählt der Stopp. Öffnet der Kurs jenseits von Stopp oder Ziel, gilt der Eröffnungskurs. Gebühren und Slippage sind nicht abgezogen, die Kurse sind um Splits bereinigt, nicht um Dividenden. Die 95-Prozent-Intervalle der Mittelwerte in R, berechnet mit der Normalverteilung als Näherung und unter der Annahme unabhängiger Trades, schließen bei Turtle Soup meist die Null ein. Nur bei SPY mit vier Tagen Mindestabstand und Ausstieg nach fünf Tagen lag das Intervall vollständig unter null.

Was der Test nicht beantwortet: Ein diskretionärer Trader wählt Setups aus und steuert seine Ausstiege, das lässt sich nicht als feste Regel abbilden. Über die ICT-Variante auf Minutencharts sagt unser Test nichts. Er zeigt nur, dass die getesteten Fassungen auf diesen beiden Märkten eine negative durchschnittliche Kursrendite hatten. Ein Vorteil ist damit nicht nachgewiesen. Wie du eine eigene Version prüfst, steht im Artikel zum Backtesting.

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Turtle Soup, Fakeout und Liquidity Sweep: der Unterschied

Die drei Begriffe beschreiben dasselbe Ereignis aus drei Richtungen. Ein Fakeout ist der allgemeine Name für einen Ausbruch, der sofort scheitert. Der Liquidity Sweep ist die SMC-Deutung desselben Ablaufs: Der Bruch soll Stop-Orders ausgelöst haben, die großen Marktteilnehmern als Gegenseite dienten. Turtle Soup ist dagegen ein Handelsregelwerk, das diesen Fehlausbruch mit festen Bedingungen handelt.

Für deine Praxis zählt die Reihenfolge. Erst siehst du einen Bruch, dann prüfst du, ob der Kurs zurückkehrt, und erst dann entscheidest du über einen Einstieg. Ob dabei tatsächlich Stops ausgelöst wurden, zeigt dir der Chart nicht. Du siehst nur, dass der Kurs die Marke nicht halten konnte.

Typische Fehler beim Turtle-Soup-Trading

Die meisten Fehler entstehen, weil jeder Bruch eines Tiefs als Setup gezählt wird. Diese vier Fehler kosten am häufigsten Geld:

  • Zu junges Extrem: Ein Tief von gestern hatte kaum Zeit, als Marke beachtet zu werden. Das Original verlangt einige Tage Abstand.
  • Kein Rücklauf: Ohne Rückkehr über das alte Tief ist es kein gescheiterter, sondern ein gelungener Ausbruch.
  • Zu enger Stopp: Ein Stopp knapp unter dem Tagestief wird oft schon am Folgetag ausgelöst. In unserem Test endete mehr als die Hälfte der Trades im Stopp.
  • Gegen einen starken Trend: Shorts an neuen Hochs in einem steigenden Markt tragen das Risiko, dass der Trend den Ausbruch bestätigt statt widerlegt. Einen Trendfilter haben wir nicht getestet.
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Vor- und Nachteile von Turtle Soup

Ob Turtle Soup zu dir passt, hängt davon ab, wie du mit vielen kleinen Verlusten umgehst. Diese Stärken und Schwächen solltest du kennen.

Vorteile von Turtle Soup

  • Klare Marke: Das alte 20-Tage-Extrem liefert eine eindeutige Referenz. Einstieg und Stopp bestimmt die gewählte Regelvariante.
  • Planbares Risiko: Das geplante Risiko lässt sich über Stoppabstand und Positionsgröße festlegen. Kurslücken können den Verlust vergrößern.
  • Prüfbar: Eine vollständig definierte eigene Regelvariante lässt sich auf jedem Markt nachzählen.

Nachteile von Turtle Soup

  • Kein belegter Vorteil: In unserem Test auf SPY und QQQ hatten alle Varianten eine negative durchschnittliche Kursrendite je Trade.
  • Viele Stopps: Der typische Trade endete mit einem vollen Verlust.
  • Unklare Originalquelle: Selbst beim Mindestabstand des alten Tiefs widersprechen sich die Darstellungen.

Fazit: Ein guter Gedanke, als feste Regel im Test im Minus

Turtle Soup beschreibt eine echte Marktsituation: Ausbrüche scheitern, und dann liegen Ausbruchshändler auf der falschen Seite. Das ist ein nützlicher Blick auf den Chart, gerade an markanten 20-Tage-Extremen. Als feste Regel auf Tageskerzen lag das Muster in unserem Test über 25 Jahre im S&P 500 und im Nasdaq 100 aber bei der durchschnittlichen Kursrendite im Minus.

Wenn du mit Turtle Soup arbeiten willst, nutze sie als Baustein und nicht als System. Verbinde sie mit dem übergeordneten Trend, mit einer klaren Vorstellung vom Kursziel nach dem Fehlausbruch, und prüfe deine genaue Version vorher selbst.

Häufige Fragen zu Turtle Soup

Was ist Turtle Soup im Trading?

Turtle Soup ist eine Strategie, die einen gescheiterten Ausbruch über ein 20-Tage-Hoch oder unter ein 20-Tage-Tief in die Gegenrichtung handelt. Sie stammt von Linda Bradford Raschke und Laurence Connors und wurde 1995 im Buch „Street Smarts“ veröffentlicht. In der ICT-Lehre steht der Name heute für einen Liquidity Sweep mit anschließender Umkehr.

Warum heißt die Strategie Turtle Soup?

Der Name spielt auf die Turtle Trader an. Diese kauften nach dem Regelwerk von Richard Dennis neue 20-Tage-Hochs. Turtle Soup handelt genau die gescheiterten Ausbrüche dieser Art in die Gegenrichtung, aus den Schildkröten wird sozusagen die Suppe.

Was ist Turtle Soup Plus One?

Turtle Soup Plus One ist die Variante mit Einstieg am Folgetag. Am ersten Tag entsteht ein neues 20-Tage-Tief, und der Schlusskurs liegt auf oder unter dem alten Tief. Am zweiten Tag folgt der Einstieg per Kauf-Stopp-Order, sobald der Kurs über das alte Tief zurückkehrt. Den Stopp setzt die MQL5-Darstellung unter das tiefere Tief beider Tage.

Was ist der Unterschied zwischen Turtle Soup und ICT Turtle Soup?

Das Original von Raschke und Connors ist ein festes Regelwerk auf dem Tageschart mit 20-Tage-Extremen. Die ICT-Variante nutzt beliebige markante Hochs und Tiefs, wird meist auf Minutencharts gehandelt und steigt über ein gebrochenes Fair Value Gap oder einen Strukturbruch ein.

Funktioniert Turtle Soup?

In unserem Test auf SPY und QQQ von 2001 bis 2026 hatten alle getesteten Varianten eine negative durchschnittliche Kursrendite je Trade. Getestet haben wir Turtle Soup und Turtle Soup Plus One mit Ziel bei 2R oder Ausstieg nach fünf Tagen. Diskretionäres Handeln mit eigenem Ermessen lässt sich so nicht abbilden.

Ist Turtle Soup dasselbe wie ein Fakeout?

Turtle Soup handelt einen Fakeout, ist aber nicht dasselbe. Ein Fakeout beschreibt nur den gescheiterten Ausbruch. Turtle Soup legt zusätzlich fest, welche Marke zählt, wann du einsteigst und wo dein Stopp liegt.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.

Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Dieser Artikel trennt die beschriebenen Originalregeln, die ICT-Deutung und die ausdrücklich festgelegten Testvarianten. Die Auswertung folgt festen, im Skript dokumentierten Regeln, die Schemagrafik ist eine Zeichnung und keine Marktdaten.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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