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Marty Schwartz: wie der „Pit Bull“ vom Dauerverlierer zum Champion-Trader wurde

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026

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14 Min

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Neun Jahre lang verdiente Marty Schwartz als Wertpapieranalyst an der Wall Street ein gutes Gehalt und war trotzdem fast immer pleite. Er verlor das Geld an der Börse. Wenige Jahre später verdiente er bei den US Trading Championships laut Jack Schwager in neun von zehn Vier-Monats-Wettbewerben mehr Geld als alle anderen Teilnehmer zusammen. Dazwischen lag keine geheime Formel, sondern ein Wechsel der Methode und der Einstellung.

Schwartz ist einer der Trader aus Jack Schwagers Buch „Magier der Märkte“ und Autor des Buchs „Pit Bull“. In diesem Porträt bekommst du seinen belegten Werdegang und seine Regeln: warum er vom Analysten zum Techniker wurde, wie er Verluste behandelte und wo die Rekordzahlen für dich als Trader an Grenzen stoßen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Marty Schwartz: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Champion-Trader aus Market Wizards: Jack Schwager widmete ihm 1989 das Kapitel „Champion Trader“, nachdem Schwartz zehn Jahre lang als Analyst an der Börse Geld verloren hatte.
  • Rekorde bei den US Trading Championships: In neun von zehn Vier-Monats-Wettbewerben kam er im Schnitt auf 210 Prozent, nicht annualisiert, in seinem einzigen Ein-Jahres-Wettbewerb auf 781 Prozent.
  • Der Wechsel zur Charttechnik: Erst als er von der Fundamentalanalyse zur technischen Analyse wechselte, drehte seine Bilanz.
  • Kleine Rückschläge: Nach eigener Angabe im Interview von 1989 lag sein größter Rückgang, gemessen an den Monatsendständen, bei 3 Prozent.
  • Seine Lieblingsregel: In seinem Buch „Pit Bull“ nennt er den exponentiellen 10-Tage-Durchschnitt seinen liebsten Indikator: Kurs darüber heißt grünes Licht, darunter rotes.

Wer Marty Schwartz ist

Marty Schwartz ist ein US-amerikanischer Trader, der in den 1980er-Jahren die US Trading Championships dominierte, vor allem mit S&P-500-Futures handelte und durch Jack Schwagers Buch „Market Wizards“ bekannt wurde.

Mit vollem Namen heißt er Martin S. Schwartz, Spitzname „Buzzy“. Geboren wurde er laut einem Besitzerprofil des US-Galoppverbands NTRA von 2006 am 23. März 1945 in New Haven. Wer bei Google nach Marty Schwartz sucht, landet meist bei einem Namensvetter: dem Gitarrenlehrer, der auf YouTube als Marty Music bekannt ist. Mit dem Trader hat er nichts zu tun. Der Trader machte sich später einen Namen als Besitzer von Rennpferden, die unter anderem zweimal die Beverly D. Stakes gewannen, 2005 und 2006.

NameMartin „Marty“ Schwartz
Geboren23. März 1945 in New Haven, Connecticut (laut NTRA)
AusbildungAmherst College (Abschluss 1967), MBA der Columbia Business School
StationenWertpapieranalyst u. a. bei Kuhn Loeb und E. F. Hutton, ab 1979 selbstständiger Trader
MärkteS&P-500-Futures, Anleihe-Futures, Aktien und Optionen
Bekannt aus„Magier der Märkte“ (1989), Kapitel „Champion Trader“
Eigenes Buch„Pit Bull“ (1998), deutsch „Pit-Bull: Lektionen von Wall Streets Champion-Trader“ (1999)

Zehn Jahre Verluste: vom Analysten zum Trader

Schwartz stammt aus einfachen Verhältnissen in New Haven, Connecticut. Bildung war in seiner Familie der Weg nach oben. Er machte 1967 seinen Abschluss am Amherst College und begann danach an der Columbia Business School. Als die Regierung die Zurückstellung vom Wehrdienst für Studenten aufhob, ging er in eine Reserveeinheit der Marines und durchlief die Offiziersschule in Quantico. Die Ausbildung, sagt er, habe ihm das Vertrauen gegeben, mehr leisten zu können, als er sich vorher zugetraut hatte.

Danach schloss er seinen MBA ab und wurde Wertpapieranalyst, zuerst bei Kuhn Loeb für Gesundheits- und Handelswerte. Bei seinem nächsten Arbeitgeber erlebte er die bitterste Episode seiner Laufbahn. Ein Kollege gab einen noch unveröffentlichten, negativen Bericht von Schwartz über Klinikbetreiber an einen Kunden weiter, die Aktien fielen vorab. Schwartz musste sechs Stunden vor der New York Stock Exchange aussagen und wurde vollständig entlastet. Den Antrieb hatte er danach trotzdem verloren.

Im Bärenmarkt verlor er den Job. Mit rund 20.000 Dollar Ersparnissen wollte er traden und gab einen Teil einem Entwickler computergestützter Rohstoffsysteme, der mit gleitenden Durchschnitten arbeitete. Das meiste Geld war bald weg. Er kehrte als Analyst zurück, über Edwards & Hanly und Loeb Rhoades zu E. F. Hutton. Trotz gutem Gehalt war er nach eigenen Worten fast pleite, weil er an der Börse ständig verlor.

Die Wende 1978/79: Charttechnik statt Fundamentaldaten

Den Ausschlag gaben zwei Menschen. Seine spätere Frau, die er 1976 kennenlernte, machte ihm klar, dass sein Leben keine Generalprobe sei. Und sein Freund Bob Zoellner, ein erfolgreicher Trader, brachte ihm bei, das Verhalten des Marktes zu lesen: Fällt ein Markt auf gute Nachrichten, ist er schwach; steigt er auf schlechte, ist er gesund.

Schwartz bestellte Probeabos von Börsenbriefen und baute aus mehreren Methoden eine eigene. Technische Analyse wurde sein Werkzeug, mit Oszillatoren, Verhältniszahlen und selbst gezeichneten Charts. Bis Mitte 1979 machte er aus 5.000 Dollar in zwei Jahren 140.000 Dollar. Sein Fazit ist bis heute ein gern zitierter Satz: Er habe neun Jahre lang Fundamentaldaten genutzt und sei als Techniker reich geworden.

Technische Analyse ist die Untersuchung von Kursverläufen und daraus abgeleiteten Kennzahlen, um Einstiege, Ausstiege und Trendrichtungen zu bestimmen.

Entscheidend war für ihn aber etwas anderes als die Methode. Er wurde zum Gewinner, als er sein Ego vom Geldverdienen trennen konnte. Vorher sei es ihm schwerer gefallen, einen Fehler zuzugeben, als Geld zu verlieren. Danach lautete seine Haltung: Ich habe es mir überlegt, aber wenn ich falsch liege, bin ich raus. 1979 kaufte er für 92.500 Dollar einen Sitz an der American Stock Exchange und begann als Market Maker mit rund 70.000 Dollar Arbeitskapital, davon 50.000 Dollar von seinen Schwiegereltern geliehen. Nach vier Monaten lag er 100.000 Dollar vorn, im Jahr darauf verdiente er 600.000 Dollar.

Später wechselte er vom Parkett an den Schreibtisch und vor allem zu Futures, auch weil eine Steueränderung 1981 sie lukrativer machte. Dort machte er aus 40.000 Dollar rund 20 Millionen Dollar, nach eigener Angabe nie mit mehr als 3 Prozent Rückgang, gemessen an den Kontoständen zum Monatsende. Rückgänge innerhalb eines Monats erfasst diese Zahl nicht. Wie Futures funktionieren, erklärt unser Ratgeber zum Futures-Trading.

Die US Trading Championships: 210 und 781 Prozent

Bekannt wurde der Einzelkämpfer ohne Angestellte durch Wettbewerbe. Die US Trading Championships richtete der Mathematiker Norman Zadeh aus. Gehandelt wurde mit echtem Geld, nicht mit Spielkonten. Schwartz trat meist mit rund 400.000 Dollar Startkapital an.

Schwager fasst die Ergebnisse so zusammen: In neun von zehn Vier-Monats-Wettbewerben verdiente Schwartz mehr Geld als alle anderen Teilnehmer zusammen. Seine durchschnittliche Rendite in diesen neun Runden lag bei 210 Prozent, nicht auf das Jahr hochgerechnet. Im zehnten Wettbewerb kam er ungefähr bei null heraus. In seinem einzigen Ein-Jahres-Wettbewerb erzielte er 781 Prozent.

Schwager deutet die Teilnahme als Botschaft an die Welt, dass Schwartz der beste Trader sei. Gemessen am Verhältnis von Rendite zu Risiko könne er das tatsächlich sein. In welchen Jahren genau er welche Runde bestritt, nennt Schwager nicht. Nach seinem Buch endete die Wettbewerbszeit 1989, als er mit Sabrina Partners einen eigenen Fonds für fremdes Geld startete. Ein anderer Wettbewerb mit eigenem Veranstalter sind die World Cup Trading Championships, für die es von Schwartz keine belegten Ergebnisse gibt. Wie sie heute laufen, beschreibt unser Beitrag zu den World Cup Trading Championships.

Die Methode: gleitende Durchschnitte, Oszillatoren und Divergenzen

Sein wichtigstes Werkzeug war der gleitende Durchschnitt. Vor jeder Position prüfte Schwartz, ob der Kurs über oder unter seinem Durchschnitt lag. Das funktioniere besser als jedes andere Werkzeug, das er habe, sagt er bei Schwager. Gegen die gleitenden Durchschnitte zu handeln, hielt er für selbstzerstörerisch.

Ein einfacher gleitender Durchschnitt ist der Mittelwert der Schlusskurse über eine feste Zahl zurückliegender Tage, der mit jedem neuen Tag weiterrückt. Beim exponentiellen Durchschnitt zählen die jüngeren Kurse stärker.

Welchen Durchschnitt er meinte, verrät erst sein eigenes Buch. In „Pit Bull“ nennt Schwartz den exponentiellen 10-Tage-Durchschnitt seinen Lieblingsindikator, und er zieht ihn dem einfachen Durchschnitt vor. Sein Bild dafür ist eine Ampel: Notiert ein Markt über der Linie, hat er grünes Licht, darunter rotes. Er rechnete diese Linie für mehrere Indizes, Anleihen, Eurodollar und den S&P-Future. Daneben nutzte er die Magic-T-Methode des Börsenbriefautors Terry Laundry, Oszillatoren und die Stochastik.

Dazu kamen Divergenzen. Hält eine Aktie über ihrem letzten Tief, während der Gesamtmarkt sein letztes Tief unterschreitet, ist sie gesünder als der Markt. Solche Abweichungen suchte er gezielt. Eine eigene Regel betraf die Zinsen: Lagen Anleihen und kurzlaufende Schatzwechsel auf verschiedenen Seiten ihrer Durchschnitte, nahm er gar keine Position, bis einer den anderen bestätigte. Wie du einen gleitenden Durchschnitt selbst einsetzt, steht in unserer Anleitung zum gleitenden Durchschnitt.

Gehandelt hat er vor allem den S&P-500-Future, weil man dort deutlich mehr Wirkung pro eingesetztem Dollar erzielt als mit einzelnen Aktien. Aktien hielt er eher über längere Zeiträume. Den Leerverkauf einzelner Aktien fand er schwieriger als den Short im Index. Wer den Index heute mit kleinerem Konto handeln will, findet die Grundlagen bei den Micro E-mini S&P 500 Futures.

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Die Handelsregeln von Marty Schwartz

Schwartz las Schwager seine Regeln von einem Zettel vor, und sie sind auffallend praktisch. Am Ende der Liste stand: Arbeit, Arbeit und noch mehr Arbeit. Dazu kam auf Nachfrage der Satz, das Wichtigste sei Money Management, dreimal hintereinander. Die Grafik darunter fasst die Regeln nach Situationen zusammen.

Marty Schwartz Handelsregeln: Verlustgrenze vor dem Einstieg, nach großen Verlusten ein Fünftel der Größe, nach Gewinnserien kleiner handeln
Die Regeln, die Schwartz Jack Schwager vorlas, geordnet nach der Situation, in der sie greifen.

Der „Uncle Point“ ist bei Schwartz die vorab festgelegte Verlustgrenze eines Trades, an der er ohne Diskussion aussteigt.

  • Vor dem Einstieg die Grenze kennen: Er wusste vor jeder Position, wie viel er bereit war zu verlieren, und hielt sich daran.
  • Bodenfischen ist teures Glücksspiel: Gegen fallende Kurse zu kaufen, erlaubte er sich nur mit gutem Grund und einem vorher notierten Einstiegsniveau.
  • Nach großen Gewinnen kleiner werden: Seine größten Verluste kamen immer nach seinen größten Gewinnen. Nach einer starken Serie nahm er sich einen Tag frei.
  • Nach großen Verlusten ganz klein werden: Er verkleinerte auf ein Fünftel bis ein Zehntel der normalen Größe, bis wieder schwarze Zahlen kamen.

Eine Schwäche gab er offen zu: Gewinne laufen zu lassen, lag ihm nicht. Er höre Musik, wenn die Kasse klingelt. Das passt zu seinem Ziel, möglichst jeden Monat im Plus zu sein. Über 90 Prozent seiner Monate seien profitabel gewesen, und vor April habe er fast nie einen Verlustmonat gehabt. Ein solcher Stil verschenkt Teile großer Trends, hält aber die Rückschläge klein. Wie du die eigene Kapitalseite planst, steht im Guide zum Money Management.

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Wahltag 1982 und Crash 1987: wie Schwartz mit Verlusten umging

Seinen schlimmsten Tag erlebte er am 4. November 1982. Nach den Kongresswahlen stieg der Markt kräftig, Schwartz war short und verkaufte sogar noch nach, als der S&P-Future bereits limit-up gesperrt war. Er verlor 600.000 Dollar an einem Tag. Seine Frau, die damals mit ihm arbeitete, sagte ihm am nächsten Tag alle zehn Minuten: kleiner werden. Er verkleinerte radikal und beendete den November mit einem Minus von nur rund 57.000 Dollar.

Die Lehre daraus formuliert er klar: Wer nach einem schweren Verlust alles auf einmal zurückholen will, scheitert meistens. Besser sei es, flach zu gehen und den Markt mit Abstand neu zu sehen. Den Auslöser des Fehlers sah er selbst in seinen großen Gewinnen des Vormonats, die ihn sorglos gemacht hatten.

Am 19. Oktober 1987 ging er mit rund 40 S&P-Kontrakten long in den Crashtag. Er stieg früh aus und verlor 315.000 Dollar. Hätte er nachgekauft, wären es nach seiner Schätzung 5 Millionen gewesen. Am Nachmittag holte er sein Gold aus dem Schließfach und zog Bargeld von der Bank ab, weil er einen Zusammenbruch der Banken für möglich hielt. Zwei Tage später war er mit zwölf Kontrakten short und verdiente damit über Nacht rund eine Viertelmillion Dollar. 1987 wurde sein bestes Jahr.

Für dich als Trader ist der zweite Teil wichtiger als der erste. Schwartz handelte nach dem Crash zunächst nur ein oder zwei Kontrakte, weil er die neue Volatilität nicht einschätzen konnte. Sein Satz dazu: Riskiere nie die Sicherheit deiner Familie. Wie stark solche Phasen ein Konto treffen können, zeigt unser Beitrag zum Drawdown im Trading.

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„Pit Bull“: das Buch von Marty Schwartz

1998 erschien seine Autobiografie „Pit Bull: Lessons from Wall Street’s Champion Trader“, geschrieben mit Dave Morine und Paul Flint bei HarperBusiness. Ein Jahr später kam die deutsche Ausgabe „Pit-Bull: Lektionen von Wall Streets Champion-Trader“ im Börsenbuchverlag in Kulmbach heraus, 383 Seiten stark, so steht es im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Der Titel spielt auf seine Haltung am Markt an: Schwager beschreibt ihn als Trader, der den Markt als Arena und die anderen Trader als Gegner sieht.

Das Buch erzählt dieselbe Geschichte wie das Market-Wizards-Kapitel, nur ausführlicher und persönlicher. Neu sind vor allem die Jahre nach 1989: der eigene Fonds, die Belastung durch das Geld anderer Leute und der Rückzug nach Florida. Für Trader am wertvollsten ist der Methodenteil mit der 10-Tage-Ampel. Grenzen hat das Buch auch: Es ist eine Selbstdarstellung mit Anekdoten, kein Lehrbuch mit prüfbaren Handelsregeln, und die deutsche Ausgabe gibt es nur noch gebraucht. Weitere Lesetipps findest du in unserer Liste der Trading-Bücher.

Was Trader heute von Marty Schwartz lernen können

Schwartz handelte mit Telefon, Kursmaschine und selbst gezeichneten Charts. Seine Ratschläge an normale Trader sind trotzdem zeitlos und überraschend schlicht.

Der erste lautet: Lerne, Verluste zu nehmen. Das Wichtigste beim Geldverdienen sei, Verluste nicht ausufern zu lassen. Warum die meisten Trader verlieren, erklärt er so: Sie verlieren lieber Geld, als zuzugeben, dass sie falsch liegen. Die typische Ausrede heiße „Ich steige aus, wenn ich wieder bei null bin“. Sie schützt das Ego, nicht das Konto.

Der zweite betrifft die Größe: Erhöhe deine Positionen erst, wenn du dein Kapital verdoppelt oder verdreifacht hast. Die meisten machen es umgekehrt und setzen mehr ein, sobald die ersten Gewinne kommen. Der dritte ist die tägliche Vorbereitung: Schwartz arbeitete abends seine Zahlen durch, auch noch während des Interviews mit Schwager. Wer das in feste Regeln gießen will, beginnt mit einem schriftlichen Trading-Plan.

Grenzen der Legende: was die Rekorde nicht zeigen

Die Wettbewerbszahlen sind echte Ergebnisse, aber sie beschreiben kurze Zeiträume. 210 Prozent in vier Monaten sind kein Jahreswert, und ein einzelnes Jahr mit 781 Prozent lässt sich nicht hochrechnen. Wettbewerbe belohnen außerdem hohe Einsätze, weil am Ende nur die Rendite zählt.

Die meisten Zahlen zu seiner Bilanz stammen von Schwartz selbst. Die 3 Prozent maximaler Rückgang und die 90 Prozent Gewinnmonate nannte er im Interview, gestützt auf Unterlagen, die für einen Vermögensverwaltungs-Deal geprüft worden waren. Eine öffentlich prüfbare Jahresreihe gibt es nicht. Auch wie sein Fonds ab 1989 abschnitt, ist öffentlich nicht dokumentiert.

Dazu kommt der Survivorship Bias, also der Blick nur auf die Gewinner. Schwartz versuchte selbst, vier Trader nach seiner Methode auszubilden, und keiner hielt durch. Er habe ihnen alles beigebracht, aber den Magen könne man nicht lehren. Vergleichszahlen zu anderen Tradern mit belegten Renditen findest du in unserer Übersicht zur Trading-Performance der besten Trader der Welt.

Fazit: was von Marty Schwartz bleibt

Marty Schwartz ist der Beweis, dass ein langer Fehlstart kein Urteil ist. Zehn Jahre verlor er Geld, bevor er eine Methode fand, die zu ihm passte, und vor allem eine Haltung: lieber falsch liegen und aussteigen, als recht behalten wollen und verlieren. Seine Wettbewerbsrekorde sind spektakulär, sein eigentliches Kennzeichen ist aber die geringe Schwankung seiner Bilanz.

Ich handle seit 1980 diskretionär nach Price Action und nutze keine gleitenden Durchschnitte. Seine Regel, nach großen Gewinnen kleiner statt größer zu werden, halte ich trotzdem für die wichtigste in diesem Porträt. Schwartz beschreibt selbst, dass seine größten Verluste auf seine größten Gewinne folgten. Wer nach einem starken Monat sorglos wird, setzt genau dann zu viel ein, wenn die Vorsicht am niedrigsten ist.

Wenn du einen Satz mitnimmst, dann diesen: Kenne deine Verlustgrenze vor dem Einstieg, und werde nach Erfolgen bescheidener. Weitere Trader-Porträts findest du in unserer Übersicht der Trading-Experten, bekannte Sätze von Schwartz und anderen in unseren Trading-Zitaten.

Häufige Fragen zu Marty Schwartz

Wer ist Marty Schwartz, der Trader?

Marty Schwartz ist ein US-amerikanischer Trader, der in den 1980er-Jahren die US Trading Championships dominierte. Bekannt wurde er durch sein Kapitel „Champion Trader“ in Jack Schwagers Buch „Magier der Märkte“ und durch sein eigenes Buch „Pit Bull“.

Welche Rendite erzielte Marty Schwartz?

In neun Vier-Monats-Wettbewerben kam er laut Jack Schwager im Schnitt auf 210 Prozent, in seinem einzigen Ein-Jahres-Wettbewerb auf 781 Prozent. Im Futures-Handel machte er nach eigener Angabe aus 40.000 Dollar rund 20 Millionen Dollar.

Welche Strategie nutzte Marty Schwartz?

Schwartz handelte nach Charttechnik, vor allem mit gleitenden Durchschnitten. Vor jeder Position prüfte er, ob der Kurs über oder unter dem Durchschnitt lag, und suchte Divergenzen zwischen einzelnen Werten und dem Gesamtmarkt. Gehandelt hat er vor allem S&P-500-Futures.

Was bedeutet „Pit Bull“ bei Marty Schwartz?

„Pit Bull“ ist der Titel seiner 1998 erschienenen Autobiografie. Die deutsche Ausgabe heißt „Pit-Bull: Lektionen von Wall Streets Champion-Trader“ und erschien 1999 im Börsenbuchverlag. Der Name passt zu seinem Stil: hartnäckig, kampflustig und mit dem Markt als Gegner.

Was ist Marty Schwartz‘ wichtigste Regel?

Lerne, Verluste zu nehmen. Schwartz legte vor jedem Trade fest, wie viel er verlieren durfte, und nannte Money Management das Wichtigste überhaupt. Positionen solle man erst vergrößern, wenn sich das Kapital verdoppelt oder verdreifacht hat.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 an den internationalen Märkten. Sein Schwerpunkt liegt auf der diskretionären Price-Action-Analyse in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.

Über 17 Jahre vertrat er den US-Trading-Ausbilder Joe Ross im deutschsprachigen Raum und übersetzte dessen zehn Bücher. Ende der 1980er-Jahre übertrug er zudem die Elliott-Wellen-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Den Crash vom Oktober 1987, den Schwartz im S&P-Future durchstand, hat Karsten selbst als aktiver Trader erlebt. Schwartz’ Regeln zu Verlustgrenzen und Positionsgröße nach Gewinnserien ordnet er aus der eigenen Praxis und der Arbeit mit Seminarteilnehmern ein.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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