Rainer Zitelmann kaufte nach eigener Aussage eine Immobilie in Berlin-Neukölln ohne einen Euro Eigenkapital, gegen den Rat der Deutschen Bank, und verkaufte sie zehn Jahre später für 4,2 Millionen Euro. Der promovierte Historiker wurde erst mit Ende 30 zum Immobilieninvestor und forscht heute über die Psychologie der Superreichen. Seine Folge im Börsen-Podcast Bulle & Mensch steht dort nach Wiedergaben auf Platz 1 der Bestenliste.
Ich konzentriere mich hier auf das, was dich als Trader und Anleger interessiert: wie Zitelmann sein Vermögen aufgebaut hat, warum er Diversifikation in der Aufbauphase für einen Fehler hält, wie hoch seine Cashquote ist und weshalb er nach eigener Aussage fast nie handelt. Werdegang, Bücher und seine politischen Positionen ordne ich knapp ein. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Rainer Zitelmann: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Wer: Dr. Dr. Rainer Zitelmann, geboren am 14. Juni 1957 in Frankfurt am Main, deutscher Historiker, Soziologe und Buchautor, vermögend geworden als Immobilieninvestor.
- Vermögen: Er wurde mit Berliner Immobilien und seiner PR-Agentur für die Immobilienbranche reich, die er 2016 verkaufte.
- Strategie: Konzentration zum Aufbauen, Diversifikation zum Erhalten. Im August 2026 hielt er Immobilien, Aktien-ETFs, Anleihen und Gold.
- Cash: Ohne Immobilien gerechnet liegt seine Cashquote laut Folge 33 bei über 20 Prozent, geparkt in kurzlaufenden Staatsanleihen.
- Grenzen: Keine Einzelaktien, kein Krypto, kaum Transaktionen. Sein Leitsatz: „Mache 99 Prozent der Zeit nichts.“
Wer ist Rainer Zitelmann?
Rainer Zitelmann ist ein deutscher Historiker, Soziologe und Buchautor. Er wurde als Immobilieninvestor und Gründer einer PR-Agentur für die Immobilienbranche vermögend und hat über die Psychologie von Multimillionären promoviert.
Zitelmann trägt zwei Doktortitel, daher das „Dr. Dr.“ vor seinem Namen. Den ersten erwarb er 1986 als Historiker mit einer Arbeit über Hitlers Weltbild, den zweiten 2016 in Soziologie an der Universität Potsdam. Er hat über 30 Bücher geschrieben, viele davon über Reichtum, Erfolg und Kapitalismus, und schreibt regelmäßig Kolumnen, unter anderem für Focus Online. Ein Gegenstück aus der Fondswelt ist unser Porträt über den Value-Investor Hendrik Leber, der in derselben Podcastreihe zu Gast war.
| Name | Dr. Dr. Rainer Zitelmann |
| Geboren | 14. Juni 1957 in Frankfurt am Main |
| Ausbildung | Geschichte und Politik (TH Darmstadt), Promotionen 1986 und 2016 |
| Stationen | FU Berlin, Ullstein, DIE WELT, eigene PR-Agentur |
| Vermögensquellen | Immobilien in Berlin, Verkauf seiner Agentur, ETFs und Gold |
| Bekannteste Finanzbücher | „Reich werden und bleiben“ (2015), „Psychologie der Superreichen“ (2017) |
| Partei | FDP seit 1994, nicht mehr aktiv |
Werdegang: vom Maoisten zum Historiker, Journalisten und Unternehmer
Zitelmann begann ganz links. Als 13-Jähriger gründete er an seiner Frankfurter Schule eine maoistische „Rote Zelle“ und trat mit 14 dem Jugendverband der KPD/ML bei, so beschreibt er es in seiner eigenen Lebenschronik. Sein Vater war evangelischer Pfarrer und Schriftsteller. Geld galt in der Familie als unwichtig, eine Prägung, die ihn nach eigener Darstellung bis Mitte 30 begleitete.
Die Wende kam über die Geschichtswissenschaft. Ab 1978 studierte er Geschichte und Politik an der TH Darmstadt und schloss mit Auszeichnung ab. 1986 promovierte er mit summa cum laude über Hitlers gesellschafts- und wirtschaftspolitische Vorstellungen. Danach war er fünf Jahre wissenschaftlicher Assistent an der Freien Universität Berlin.
1992 wechselte er in die Medien. Zuerst war er Cheflektor bei den Verlagen Ullstein und Propyläen, ab 1993 Redakteur bei der WELT. Dort baute er 1998 die tägliche Immobilienseite auf und leitete das Immobilienressort. Am 1. Oktober 2000 machte er sich mit der Dr. ZitelmannPB. GmbH selbstständig, einer Agentur für Pressearbeit und Positionierung von Immobilienunternehmen. Er führte sie bis Februar 2016 und verkaufte sie dann an seinen engsten Mitarbeiter, so steht es in seiner Chronik zum Jahr 2016.
Wie Rainer Zitelmann reich wurde: Immobilien gegen den Strom
Mit Ende 30 hatte Zitelmann trotz gutem Einkommen nichts angespart. Im Podcast nennt er den Stand von damals: 20.000 im Dispo und 10.000 auf dem Sparbuch, ohne Währungsangabe, damals galt noch die D-Mark. Den Anstoß zum Umdenken gab nach seiner Darstellung ein Gespräch mit dem CSU-Politiker Peter Gauweiler. Dessen Argument: Finanzielle Freiheit macht es leichter, eine eigene Meinung zu vertreten.
1996 kaufte er seine erste Wohnung, ein Steuersparmodell in Potsdam. Weitere Wohnungen folgten, vor allem in Berlin. Als der Berliner Markt nach dem Ende der Steuervorteile einbrach, kaufte er laut seiner Chronik zum Jahr 1996 gezielt antizyklisch in Berlin-Mitte, teils von Bauträgern kurz vor der Pleite. Antizyklisch heißt: kaufen, wenn die Mehrheit verkauft, und umgekehrt. Bekannt gemacht hat das Prinzip in Deutschland vor allem André Kostolany.
Seinen besten Deal beschreibt er bei Bulle & Mensch. Ein Objekt in Neukölln kaufte er für rund eine Million Euro, komplett mit Fremdkapital. Die Deutsche Bank und die Ratingagentur Feri rieten ab, Berlin galt als schlechter Standort. Zehn Jahre später verkaufte er für 4,2 Millionen Euro. Ein Haus in Charlottenburg, gekauft für 1,6 Millionen Euro, teilte er vor einer absehbaren Gesetzesänderung in Eigentumswohnungen auf und verkaufte es für rund 7,5 Millionen Euro. Alle diese Zahlen sind seine eigenen Angaben im Gespräch. Eine belastbare Zahl zu seinem Gesamtvermögen nennen die ausgewerteten Quellen nicht.
Es ging nicht alles gut. Sein schlechtestes Investment war nach eigener Aussage ein Fonds mit US-Büroimmobilien, der zu 50 Prozent mit Krediten finanziert war. Steigende Zinsen und das Homeoffice drückten die Gebäudewerte um rund ein Drittel, der Hebel vergrößerte den Verlust auf seinen Einsatz: Aus 6,2 Millionen wurden nach seiner Angabe 1,8 Millionen. Welche weiteren Effekte dabei mitspielten, sagt er im Gespräch nicht. Wer mit geliehenem Geld investiert, kennt diese Rechnung, sie gilt beim Zinsanstieg genauso wie im Trading.
Zitelmanns Anlagestrategie: Konzentration, Cash und Geduld
Diversifikation bedeutet, Kapital auf viele verschiedene Anlagen zu verteilen, damit der Verlust einer einzelnen Position das Gesamtvermögen nur begrenzt trifft.
Zitelmann hält Diversifikation für die richtige Regel, aber nur in der zweiten Lebensphase. „Mit der maximalen Diversifikation können Sie logischerweise gar nicht reich werden“, sagt er in Folge 33, weil man dann im Schnitt das mache, was alle machen. Superreiche hätten ihr Vermögen fast immer mit Konzentration aufgebaut, meist im eigenen Unternehmen. Wer reich ist und es bleiben will, solle dagegen breit streuen. Diese Zweiteilung ist der Kern seines Buchs „Reich werden und bleiben“. Das Risiko der Konzentration erklärt unser Beitrag zum Klumpenrisiko.
So beschrieb er sein Portfolio im August 2026. Rund die Hälfte seines Vermögens steckt nach eigener Angabe noch in Immobilien. Die andere Hälfte verteilt sich auf Aktien, Anleihen und Gold. Aktien hält er ausschließlich über ETFs, etwa auf den MSCI World, eingestiegen in der Coronakrise. Gold kaufte er vor rund 22 Jahren in größerer Menge und hat es seitdem behalten.
Die Cashquote ist der Anteil eines Vermögens, der in Bargeld oder liquiden, kurzfristigen Anlagen wie kurzlaufenden Anleihen gehalten wird, um für neue Käufe bereitzustehen.
Seine Cashquote ist hoch, und sie liegt nicht auf dem Bankkonto. Bezogen auf das Gesamtvermögen nennt Zitelmann etwa 10 Prozent, ohne Immobilien gerechnet mehr als 20 Prozent. Größere Beträge parkt er in kurzlaufenden Staatsanleihen von Ländern mit Bestnote oder in Fonds, die solche Anleihen kaufen, weil er dem Staat im Ernstfall direkt vertrauen will statt über den Umweg einer Bank. Hintergrund: Die gesetzliche Einlagensicherung schützt Guthaben laut BaFin in der Regel bis 100.000 Euro pro Kunde und Bank. Langlaufende Anleihen meidet er wegen des Kursrisikos. Den Preis kennt er: Nach Steuern und Inflation bringt dieser Teil bestenfalls null.
Sein wichtigstes Werkzeug ist eine Selbstfessel. In „Reich werden und bleiben“ nennt er sie die Odysseus-Strategie: Wie Odysseus sich an den Mast binden ließ, um den Sirenen nicht zu folgen, zwingt er sich, nicht zu verkaufen. Beim Gold wurde das im Podcast konkret. Als der Kilopreis nach seiner Erinnerung in kurzer Zeit von rund 110.000 auf 145.000 Euro stieg, war er versucht zu verkaufen. Er tat es nicht, weil Gold für ihn eine Versicherung ist. Ob das richtig war, lässt er offen. Unsere aktuelle Einschätzung zum Edelmetall findest du in der Goldpreis-Prognose.
Gegen die Masse, aber nicht aus Prinzip. Zitelmann liest Preise als Stimmungsindikator: Wer die Meinung der Leute kennen will, solle schauen, wie sich die Kurse entwickeln. Einfach immer das Gegenteil der Mehrheit zu tun, hält er aber für kein Rezept. Gehandelt wird erst, wenn die eigene Analyse deutlich vom Konsens abweicht. Wie man die Marktstimmung misst, zeigt unser Artikel zum Fear and Greed Index.
Was Zitelmann bewusst nicht macht
Einzelaktien kauft er nicht. Er halte sich bei der Aktienauswahl nicht für schlauer als andere Privatanleger, sagt er im Podcast. Auch an SpaceX ist er nicht beteiligt, obwohl er gerade ein Buch über Weltraumkapitalismus geschrieben hat. Das wäre für ihn ein Interessenkonflikt. Wie wir die SpaceX-Aktie sehen, steht in unserer SpaceX-Prognose.
Kryptowährungen lehnt er ab. Für ihn erfüllen sie weder die Rolle eines Zahlungsmittels noch die eines Wertspeichers, dafür seien sie zu volatil. Damit habe er sich viele Feinde gemacht, sagt er im Gespräch.
Vor allem handelt er kaum. Seinen Leitsatz fürs Investieren formuliert er so: „Mache 99 Prozent der Zeit nichts.“ Wahrscheinlich seien es sogar 99,99 Prozent. Häufiges Kaufen und Verkaufen hält er für den größten Fehler der meisten Privatanleger. Die typischen Muster hat er als Rückspiegelperspektive beschrieben: Anleger kaufen, nachdem es gestiegen ist, und verkaufen, nachdem es gefallen ist. Weitere typische Verhaltensfehler findest du in unserer Liste der Trading-Fehler.
Kritik holt er sich gezielt. Als Sparringspartner für Geldanlage nennt er den ETF-Autor Gerd Kommer, einen Gegner von Market Timing. Mit ihm diskutiert er etwa, ob hohe Bewertungen ein Grund zum Handeln sind. Sein Fazit im Podcast: Er bleibt investiert und will kein aktives Trading betreiben.
Psychologie der Superreichen: was er in 45 Interviews fand
Mit Ende 50 promovierte Zitelmann ein zweites Mal. An der Universität Potsdam schrieb er bei dem Soziologen Wolfgang Lauterbach über Persönlichkeit und Verhaltensmuster der Vermögenselite in Deutschland. Die Arbeit wurde im Dezember 2016 mit magna cum laude bewertet und erschien 2017 im FinanzBuch Verlag als „Psychologie der Superreichen“.
Grundlage sind 45 ausführliche Interviews mit Menschen, die ein Vermögen im zwei- bis dreistelligen Millionenbereich besitzen. Ein zentraler Befund: Unter den Befragten fand er keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Schulnoten und späterem Vermögen. Repräsentativ ist die Studie nicht, sie beschreibt eine kleine Gruppe bereits Vermögender. Viel wichtiger war implizites Wissen, also Erfahrungswissen, das man durch Tun erwirbt und schwer in Worte fassen kann. Viele Befragte trafen wichtige Entscheidungen aus dem Bauchgefühl heraus, waren risikobereit und zugleich ausgeprägt optimistisch.
Für Trader ist der letzte Punkt eine Warnung. Zitelmann selbst spricht im Podcast von der Gefahr des Übermuts: Wer einmal Erfolg hatte, überschätzt sich leicht. Seine Studie beschreibt Unternehmer, die ihr Risiko überwiegend im eigenen Betrieb tragen. Ein Trader, der Konzentration auf eine einzelne Position überträgt, spielt ein anderes Spiel. Dort entscheidet das Risikomanagement, nicht die Intuition allein.
Die wichtigsten Bücher von Rainer Zitelmann
Zitelmanns Werk teilt sich in drei Gruppen: Geschichte, Reichtum und Erfolg sowie die Verteidigung des Kapitalismus. Die Liste nennt die Titel, die für Anleger am interessantesten sind, mit Erscheinungsjahr der deutschen Erstausgabe laut Katalog der Deutschen Nationalbibliothek.
- Reich werden mit Immobilien (1999): Direktinvestment, Immobilienfonds und Immobilienaktien.
- Reich werden und bleiben (2015): Vermögensaufbau, Vermögenserhalt und die Odysseus-Strategie.
- Psychologie der Superreichen (2017): seine zweite Dissertation mit 45 Interviews unter Hochvermögenden.
- Wenn du nicht mehr brennst, starte neu (2017): die Autobiografie über sein Leben als Historiker, Journalist und Investor.
- Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung (2018): Wirtschaftsgeschichte im Ländervergleich.
- Weltraumkapitalismus (2026): Raumfahrt als private Industrie.
Als Einstieg empfiehlt Zitelmann selbst „Reich werden und bleiben“. Es sei leichter zugänglich als die Dissertation, sagt er bei Bulle & Mensch. Für Trader ist der zweite Teil über das Bewahren von Vermögen ergiebiger als der erste über Unternehmertum. Wer Börsenbücher im engeren Sinn sucht, findet bei unseren Tradingbüchern mehr Auswahl. Kürzer gefasst sind unsere bekanntesten Börsenweisheiten.
Politische Positionen und Kritik
Zitelmann ist ein wirtschaftsliberaler Publizist. Er ist seit 1994 FDP-Mitglied und schreibt für Focus Online, The European und wallstreet online, meist gegen staatliche Eingriffe und für Marktwirtschaft. Seine Arbeiten zum Nationalsozialismus waren unter Historikern umstritten: Fachrezensenten lobten die Quellenarbeit seiner Dissertation, Hitler-Forscher wie Ian Kershaw und Peter Longerich widersprachen seiner Deutung. Den 1990 von ihm mitherausgegebenen Sammelband „Schatten der Vergangenheit“ ordnete der Historiker Wolfgang Wippermann 1996 der Neuen Rechten zu. Eine Übersicht mit Belegen bietet der Wikipedia-Artikel über Zitelmann.
Für diesen Artikel spielt die Politik nur eine Nebenrolle. Ich bewerte hier seine Anlagemethode, nicht seine Meinungen. Wer ihm folgt, findet beides gemischt: Auf seinen Kanälen wechseln Beiträge über Geldanlage und Superreiche mit politischen Kommentaren.
Rainer Zitelmann im Podcast Bulle & Mensch
Ein ausführliches Gespräch über seine Geldanlage führte Zitelmann mit Mario Märzinger. Folge 33 von Bulle & Mensch wurde am 9. August 2026 aufgenommen und dauert über zwei Stunden. Laut der am 16. Oktober 2026 abgerufenen Bestenliste des Podcasts steht sie mit 22.073 Wiedergaben auf Platz 1. Kapitel, Sprungmarken und eine Zusammenfassung stehen im Folgenartikel bei Bulle & Mensch. Wie wir den Podcast insgesamt einordnen, liest du in unserem Vergleich der besten Börsen-Podcasts. Schon 2018 sprach Zitelmann übrigens mit Kolja Barghoorn von Aktien mit Kopf über Vorurteile gegen Reiche und psychologische Fallen für Investoren.
Was Trader von Rainer Zitelmann lernen können
Zitelmann ist kein Trader, und ich würde seine Methode niemandem eins zu eins für den kurzfristigen Handel empfehlen. Trotzdem nehme ich zwei seiner Regeln für das Trading mit. Erstens: Unnötige Trades kosten Gebühren und verleiten zu impulsiven Fehlentscheidungen. Zweitens: Wer Geld in Reserve hält, kann zugreifen, wenn sich eine echte Gelegenheit bietet, statt hinterherzulaufen.
Seine Odysseus-Strategie ist im Kern ein Handelsplan. Man legt vorher fest, was man tut, und bindet sich daran, bevor Gier oder Angst mitreden. Im Trading übernehmen feste Regeln für Einstieg, Stopp und Ziel diese Rolle. Wo ich ihm widerspreche, ist die Konzentration: Im Trading gehört zu jeder Position ein vorher festgelegtes Verlustlimit, sonst wird aus einer Überzeugung schnell ein Klumpenrisiko.
Was Trader von Zitelmanns Ansatz übernehmen können
- Wenig handeln: Weniger Transaktionen bedeuten weniger Kosten und weniger Fehlentscheidungen aus der Emotion heraus.
- Reserve halten: Eine Cashquote in kurzlaufenden Anleihen macht handlungsfähig, wenn die Kurse fallen.
- Sich selbst binden: Regeln, die man vor dem Trade festlegt, schützen vor Impulsentscheidungen.
- Kritik einholen: Einen erfahrenen Sparringspartner fragen, bevor man eine große Entscheidung trifft.
Wo seine Methode für Trader an Grenzen stößt
- Anderer Zeithorizont: Immobilien hält er zehn Jahre und länger, ein Trader denkt in Stunden bis Wochen.
- Konzentration mit Hebel: Bei seinem US-Bürofonds mit 50 Prozent Kreditanteil verloren die Gebäude rund ein Drittel. Allein der Kredithebel macht daraus rechnerisch rund zwei Drittel Verlust auf den Einsatz, nach seiner Angabe waren es über 70 Prozent.
- Kein Börsenhandwerk: Er wählt keine Einzelaktien aus und analysiert keine Charts. Dazu liefert er keine Methode.
- Intuition ist schwer zu prüfen: Bauchentscheidungen lassen sich nicht backtesten, Regeln schon.
Fazit: Rainer Zitelmann, ein Vermögensaufbauer, kein Trader
Rainer Zitelmann hat sein Vermögen nicht an der Börse gemacht, sondern mit Berliner Immobilien und einem eigenen Unternehmen. Er kaufte antizyklisch, oft mit viel Fremdkapital, und erlebte mit einem gehebelten Fonds auch die Kehrseite. Im Gespräch vom August 2026 beschrieb er ein Portfolio aus Immobilien, ETFs, Anleihen und Gold, dazu eine hohe Reserve in kurzlaufenden Staatsanleihen.
Was er Anlegern mitgibt, ist eher Haltung als Technik. Konzentration beim Aufbauen, Streuung beim Bewahren, möglichst wenige Transaktionen und Regeln, die vor dem eigenen Impuls schützen. Mich überzeugt vor allem, wie offen er über Fehler wie den gehebelten US-Fonds spricht. Seine politischen Positionen sind umstritten und für die Bewertung seiner Geldanlage nicht entscheidend.
Was heißt das für dich? Wenn du vor allem langfristig Vermögen aufbauen willst, lohnt „Reich werden und bleiben“ als Lektüre und Folge 33 bei Bulle & Mensch als Einstieg. Für dein Trading nimmst du daraus die Disziplin mit, nicht die Konzentration. Eine Anlageempfehlung ist dieser Artikel nicht.
Häufige Fragen zu Rainer Zitelmann
Wie ist Rainer Zitelmann reich geworden?
Vor allem mit Immobilien in Berlin, die er ab Ende der 1990er Jahre antizyklisch und oft mit viel Fremdkapital kaufte, und mit seiner PR-Agentur für die Immobilienbranche. Die führte er von 2000 bis 2016 und verkaufte sie dann. Nach eigener Schätzung stammt etwa die Hälfte seines Geldes aus unternehmerischer Tätigkeit.
Wie alt ist Rainer Zitelmann?
Rainer Zitelmann wurde am 14. Juni 1957 in Frankfurt am Main geboren. Er ist damit 69 Jahre alt.
Welche Bücher hat Rainer Zitelmann geschrieben?
Er hat über 30 Bücher veröffentlicht. Für Anleger am bekanntesten sind „Reich werden und bleiben“ (2015) und „Psychologie der Superreichen“ (2017). Dazu kommen seine Autobiografie, Bücher über Kapitalismus und zuletzt „Weltraumkapitalismus“ (2026).
Was hält Rainer Zitelmann von Diversifikation?
Er unterscheidet zwei Phasen. Zum Vermögensaufbau hält er Konzentration für nötig, weil man mit maximaler Streuung nur den Durchschnitt erreiche. Zum Vermögenserhalt empfiehlt er dagegen breite Diversifikation.
Investiert Rainer Zitelmann in Aktien oder Krypto?
In Aktien ja, aber nur über ETFs, Einzelaktien kauft er nicht. Kryptowährungen lehnt er ab, weil sie für ihn weder als Zahlungsmittel noch als Wertspeicher taugen.
Welche politische Ausrichtung hat Rainer Zitelmann?
Zitelmann ist wirtschaftsliberal und seit 1994 Mitglied der FDP. In seiner Jugend war er Maoist. Seine Arbeiten zum Nationalsozialismus und einige politische Veröffentlichungen der 1990er Jahre sind unter Historikern umstritten.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und diskretionärer Price-Action-Trader seit 1980. Er handelt Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte und arbeitet ohne technische Indikatoren, allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur.
Ende der Achtzigerjahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen 10 Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Bücher und Thesen über Reichtum und Vermögensaufbau liest Karsten aus der Sicht des Praktikers. Ihn interessiert, ob eine Methode im echten Markt trägt, nach Kosten, Steuern und den Fehlern, die jeder Anleger irgendwann macht, und wo sie für aktive Trader an ihre Grenzen stößt.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











