Wo nimmst du Gewinne mit, wenn der Trend nach dem Rücksetzer weiterläuft? Die Fibonacci Extension gibt darauf drei konkrete Preise. Wo das Retracement fragt, wie tief ein Rücksetzer geht, fragt die Extension, wie weit die Bewegung danach trägt. Viele Trader planen damit ihre Gewinnmitnahmen.
Ich nutze die Extension regelmäßig für Kursziele und behandle diese Ziele als Orte, nicht als Versprechen. Hier lernst du das Dreipunkt-Werkzeug, warum es andere Preise liefert als die Level über 100 %, die viele Anleitungen zeigen, wie du es berechnest und in TradingView einzeichnest. Dazu kommen drei echte SPY-Beispiele, darunter eines ohne einen einzigen Treffer. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Fibonacci Extension: das Wichtigste in 30 Sekunden
Die wichtigsten Punkte vorweg, falls du den Rest später liest:
- Was sie ist: ein Werkzeug der technischen Analyse, das vom Ende einer Korrektur aus Kursziele projiziert, als Vielfache der vorangegangenen Bewegung.
- Drei Punkte: der Start einer Bewegung (A), ihr Ende (B) und das Ende der Korrektur (C). Gemessen wird ab C.
- Die üblichen Ziele: 61,8 %, 100 % und 161,8 % der Strecke von A nach B, im Aufwärtstrend auf C addiert, im Abwärtstrend von C abgezogen.
- Nicht dasselbe wie Level über 100 %: 127,2 % oder 161,8 % des Swings selbst sind eine Zweipunkt-Rechnung und ergeben andere Preise.
- Ziele, keine Signale: Die Extension zeigt, wo du Gewinnmitnahmen planst. Wann du einsteigst und ob ein Ziel erreicht wird, sagt sie nicht.
- Keine belegte Trefferquote: Mir ist kein belastbarer Test von Extension-Zielen bekannt. Welchen Swing du wählst, entscheidet das Ergebnis.
Was ist eine Fibonacci Extension?
Eine Fibonacci Extension ist ein Werkzeug der technischen Analyse, das vom Ende einer Korrektur aus Kursziele projiziert, und zwar als Vielfache der vorangegangenen Bewegung.
Du markierst dafür drei Punkte im Chart. A ist der Start der Bewegung, B ihr Ende und C das Ende der Korrektur gegen diese Bewegung. Das Werkzeug nimmt die Strecke von A nach B, multipliziert sie mit Fibonacci-Verhältnissen und trägt das Ergebnis ab C ab. Die Verhältnisse stammen aus der Fibonacci-Folge, die ich im Ratgeber zum Fibonacci Retracement erkläre.
In TradingView heißt das Werkzeug Trend-basierte Fib-Verlängerung. Die deutsche Hilfeseite von TradingView beschreibt dieselben drei Punkte: den Beginn einer Bewegung, ihr Ende und das Ende der Korrektur. In deutschen Texten liest du auch Fibonacci-Erweiterung, Projektion oder Expansion. Was hinter den Namen steckt, klärt der Abschnitt über die Dreipunkt- und Zweipunkt-Rechnung.
Je nach Tiefe der Korrektur liegt ein Ziel unter, auf oder über B. Eine tiefe Korrektur legt C weit weg von B, dann kann das 61,8-%-Ziel unter dem alten Hoch landen. Eine flache Korrektur schiebt alle Ziele darüber. Deshalb lohnt vor jeder Planung der Blick, wo die Ziele im Verhältnis zu B liegen.
Fibonacci-Extension-Level: welche Ziele zählen
Für die meisten Trades reichen drei Level: 61,8 %, 100 % und 161,8 %. Genau diese drei nennt TradingView in seiner Hilfe für Alarme auf Gewinnziele, und genau diese drei zeigt auch unser Fibonacci-Rechner. Andere Programme bieten mehr Level. Die Tabelle zeigt die üblichen und wie Trader sie lesen.
| 61,8 % | Erstes Ziel, kann unter dem alten Hoch liegen. Rechnung ab C: 0,618 × AB |
| 100 % | Zweite Welle so lang wie die erste, oft Measured Move genannt. Rechnung ab C: 1 × AB |
| 161,8 % | Erweitertes Ziel, der Goldene Schnitt. Rechnung ab C: 1,618 × AB |
| 127,2 % | Zweipunkt-Level jenseits des Swings, die Wurzel aus 1,618. Rechnung ab A: 1,272 × AB |
| 261,8 % | Zweipunkt-Level für sehr starke Bewegungen, 1,618 zum Quadrat. Rechnung ab A: 2,618 × AB |
Die Lesarten in der Tabelle sind übliche Praxis, keine gemessenen Trefferquoten. AB ist die Länge des Swings von A nach B, immer eine positive Zahl. Im Aufwärtstrend wird sie addiert, im Abwärtstrend abgezogen. Mir ist kein Test bekannt, der zeigt, dass ein Level besser funktioniert als die anderen. Wähle einen kleinen, festen Satz und nutze ihn jedes Mal gleich, damit du deine Trades später auswerten kannst.
Dreipunkt oder Zweipunkt: warum deine Ziele abweichen
Die häufigste Verwechslung bei der Fibonacci Extension: Zwei verschiedene Rechnungen tragen denselben Namen. Die Dreipunkt-Extension misst ab C, dem Ende der Korrektur. Die Zweipunkt-Extension nutzt nur A und B und verlängert das Retracement-Werkzeug über 100 % hinaus. Deren Level wie 127,2 % und 161,8 % werden also ab dem Start des Swings gemessen. Was beide trennt, ist der Ausgangspunkt, nicht das Verhältnis: Auch ein Dreipunkt-Werkzeug kann 127,2 % oder 261,8 % zeigen, dann ab C gemessen.
Ein einfaches Beispiel zeigt den Abstand. Nimm eine Bewegung von 100 auf 150 und eine Korrektur auf 125. Das Dreipunkt-Werkzeug setzt das 161,8-%-Ziel auf 125 + 50 × 1,618 = 205,9. Das Zweipunkt-Werkzeug setzt sein 161,8-%-Level auf 100 + 50 × 1,618 = 180,9. Gleiches Verhältnis, gleicher Swing, zwei Preise rund 25 Punkte auseinander. Die Grafik unten stellt beide Rechnungen untereinander.

Quelle: eigene Darstellung
Falsch ist keine der beiden Varianten, aber du musst wissen, welche du benutzt. Zeichnet eine Anleitung drei Punkte, rechnet die Preise aber ab A, vermischt sie beide Methoden. Für Kursziele eignet sich die Dreipunkt-Variante besser, weil sie die Korrektur berücksichtigt. Alles Weitere in diesem Ratgeber nutzt sie.
Fibonacci Extension berechnen: Formel und Beispiel
Von Hand rechnen musst du die Ziele nicht, aber die Formel zeigt dir, was das Werkzeug tut. Die Rechnung ist für jeden Markt gleich. Im Aufwärtstrend gilt:
Extension-Ziel = C + (B − A) × Verhältnis
Im Abwärtstrend wird die Formel gespiegelt. A ist dann das Swing-Hoch, B das Swing-Tief und C das Hoch der Gegenbewegung. Das Ziel lautet C − (A − B) × Verhältnis, die Ziele liegen also unter C.
Ein echtes Beispiel aus dem SPY-Tageschart vom Sommer 2026. Der SPY ist ein börsengehandelter Fonds auf den S&P 500. Er stieg vom Tief bei $716,58 am 26. Juni (A) auf ein Hoch bei $755,58 am 15. Juli (B), eine Strecke von $39,00. Die Korrektur endete am 29. Juli bei $729,10 (C):
- 61,8-%-Ziel: 729,10 + 39,00 × 0,618 = $753,20
- 100-%-Ziel: 729,10 + 39,00 × 1 = $768,10
- 161,8-%-Ziel: 729,10 + 39,00 × 1,618 = $792,20
Das erste Ziel, $753,20, liegt unter B, weil die Korrektur tief war. Sie gab rund 68 % der Bewegung von A nach B wieder ab. Mit dem 61,8-%-Ziel unter dem alten Hoch lag die erste Stelle für Gewinnmitnahmen schon vor einem neuen Hoch. Was der SPY danach tat, zeigt der Abschnitt mit den Beispielen.
Fibonacci-Rechner: Ziele ohne Kopfrechnen
Die Formel musst du nicht selbst eintippen: Unser Fibonacci-Rechner rechnet die drei Extension-Ziele für dich aus. Trag Swing-Hoch, Swing-Tief und Punkt C ein und wähle den Trend. Im Aufwärtstrend ist das Swing-Tief A, im Abwärtstrend das Swing-Hoch. Mit den SPY-Werten von oben liefert er genau $753,20, $768,10 und $792,20. Zusätzlich zeigt er die Retracement-Level desselben Swings.
Der Rechner erledigt nur die Arithmetik, schwer ist die Wahl von A, B und C. Nutze jedes Mal dieselbe Swing-Regel und prüf das Ergebnis am Chart. Die Rechnung läuft in deinem Browser, nichts wird gespeichert oder übertragen.
Fibonacci Extension in TradingView einzeichnen
Das Werkzeug liegt in der linken Werkzeugleiste, bei den übrigen Fibonacci-Werkzeugen wie dem Fib-Retracement. Bist du neu auf der Plattform, erklärt mein TradingView-Ratgeber die Grundlagen. Für die Extension brauchst du drei Klicks und zwei Einstellungen.
Schritt 1: A, B und C anklicken
Im Aufwärtstrend klickst du das Swing-Tief (A), dann das Swing-Hoch (B), dann das Tief der Korrektur (C). Im Abwärtstrend klickst du Swing-Hoch, Swing-Tief und das Hoch der Gegenbewegung. TradingView zeichnet die Ziellinien ab dem dritten Punkt.
Schritt 2: Level auswählen
Ein Doppelklick auf die Zeichnung öffnet die Einstellungen. Im Abschnitt Stil schaltest du Level ein oder aus, trägst eigene Werte ein, füllst die Zonen und verlängerst die Linien nach rechts. Für Kursziele genügen 61,8 %, 100 % und 161,8 %, den Rest kannst du ausschalten.
Schritt 3: Alarm setzen
Per Rechtsklick auf die Zeichnung wählst du „Alarm für trendbasierte Fib-Verlängerung hinzufügen“. Für Zielalarme nennt TradingView die Bedingung „Größer als“ oder „Kreuzend“. Prüf die Bedingung passend zur Handelsrichtung: Für fallende Ziele im Abwärtstrend passt „Kreuzend“, „Größer als“ nur für steigende. So musst du nicht vor dem Bildschirm warten, bis das Ziel erreicht ist.
Auf logarithmischen Charts zählt eine Einstellung. Nutzt dein Chart eine logarithmische Skala, bietet TradingView die Option „Fib-Levels basierend auf der Log-Skala“, die die Level anders berechnet. Der Rechner und die Formeln in diesem Ratgeber nutzen die lineare Rechnung. Auf einem Log-Chart können beide deshalb voneinander abweichen.
Drei echte Beispiele: zwei Ziele erreicht, ein Swing gescheitert
Beispiele lehren mehr, wenn die Fehlschläge dabei sind. Die drei SPY-Swings unten wurden mit derselben Swing-Regel gefunden: Ein Tief oder Hoch gilt als Wende, sobald ein späteres Tageshoch oder Tagestief mindestens 3 % davon entfernt liegt. Diese Regel bestätigt C erst Tage später. Die Charts zeigen also in der Rückschau, wo die Ziele lagen, keine Trades, die jemand am Tag von C hätte planen können. Sie sind ausgewählt, um das Werkzeug zu erklären, und keine Statistik.
Aufwärtstrend: zwei Ziele erreicht, das dritte verfehlt
Der Sommer 2026 ist das Beispiel aus der Rechnung oben. Nach C am 29. Juli erreichte der SPY das 61,8-%-Ziel bei $753,20 am 3. August und das 100-%-Ziel bei $768,10 am 4. August. Die Rally endete am 13. August bei $779,37. Bis zum 31. August wurde das 161,8-%-Ziel bei $792,20 nicht erreicht. Die Grafik zeigt den Swing mit allen drei Zielen.

Quelle: Daten von Yahoo Finance, Schlüsselwerte identisch mit den Tageskerzen von Interactive Brokers; eigene Darstellung
In der Rückschau wirken die ersten beiden Ziele nützlich, für einen geplanten Trade waren sie es nicht. Die 3-%-Regel bestätigte C erst am 3. August, dem Tag, an dem der SPY durch das erste Ziel lief. Eine Kauforder über dem Tageshoch von $758,58 hätte schon über dem 61,8-%-Ziel gelegen. Am nächsten Tag eröffnete der SPY bei $760,63, über diesem Einstieg. Wer Trades auslässt, die schon über dem geplanten Einstieg eröffnen, hätte hier gar nicht gekauft. Das 161,8-%-Ziel wurde nie gebraucht: Am 20. August fiel der SPY auf $762,04 zurück.
Abwärtstrend: dasselbe Muster nach unten
Im fallenden Markt funktioniert die Extension genauso. Der SPY fiel vom Hoch bei $613,23 am 19. Februar 2025 (A) auf $549,68 am 13. März (B) und stieg bis zum 25. März auf $576,41 (C). Die Ziele lagen bei $537,14 für 61,8 %, also schon unter B, bei $512,86 für 100 % und bei $473,59 für 161,8 %.
Zwei Ziele wurden an zwei aufeinanderfolgenden Tagen erreicht. Der SPY handelte am 3. April bis zum 61,8-%-Ziel und am 4. April durch das 100-%-Ziel. Die 3-%-Regel hatte C schon am 28. März bestätigt, vor dem ersten Treffer. Der Ausverkauf endete am 7. April bei $481,80, rund acht Punkte über dem 161,8-%-Ziel, das bis zum 30. April, dem Ende des Charts, nicht erreicht wurde. Am 9. April stieg der SPY an einem Tag um 10,5 % und schloss bei $548,62, rund einen Dollar unter B.

Quelle: Daten von Yahoo Finance, Schlüsselwerte mit Interactive Brokers abgeglichen; eigene Darstellung
Ein gescheiterter Swing: kein Ziel erreicht
Nicht jedes A-B-C führt zu einer zweiten Welle. Der SPY stieg vom Tief bei $650,85 am 21. November 2025 (A) auf $697,84 am 28. Januar 2026 (B) und korrigierte bis zum 5. Februar auf $675,79 (C). Das erste Ziel lag bei $704,83, also über B.
Die Gegenbewegung stoppte knapp unter dem alten Hoch. Der SPY erreichte am 11. Februar $697,14, 70 Cent unter B, und drehte. Am 6. März schloss er bei $672,38, der erste Schlusskurs unter C, und fiel bis zum 30. März auf $629,28. Bis zum 2. April 2026, dem Ende des Charts, wurde keines der Ziele erreicht. Die 3-%-Regel hatte C am 10. Februar bestätigt.

Quelle: Daten von Yahoo Finance, Schlüsselwerte identisch mit Interactive Brokers; eigene Darstellung
Dieser Chart zeigt auch, warum der Stop nicht genau auf C gehört. Am 17. Februar handelte der SPY bei $675,78, einen Cent unter C, und schloss bei $682,85. Ein Stop genau auf C wäre ausgelöst worden, obwohl die Struktur noch intakt war. Wie viel Abstand richtig ist, verrät ein einzelnes Beispiel nicht, das hängt von Markt und Zeiteinheit ab. Wo der Stop stattdessen hingehört, erklärt der nächste Abschnitt.
Extension-Ziele im Trade: ein Ablauf in sieben Schritten
Die Extension beantwortet genau eine Frage: Wo sind die Gewinnmitnahmen geplant? Der Einstieg kommt von woanders, etwa aus einem Rücksetzer in eine Unterstützungszone, aus einer Reaktion der Kerzen im Candlestick-Chart oder aus dem Bruch einer Trendlinie. Die Extension liefert dann die Ziele für diesen Trade. Der folgende Ablauf ist ein möglicher Handelsplan, der zeigt, wie sie sich sauber einbinden lassen. Andere Ausstiegsvarianten sind genauso legitim.
- C bestätigen lassen: C ist erst dann das Ende der Korrektur, wenn der Kurs gedreht hat und eine Signalkerze davon weg geschlossen hat. Das ist eine Einschätzung, keine feste Formel. Vorher wandert das Werkzeug mit jedem neuen Tief im Aufwärtsswing mit, im Abwärtsswing mit jedem neuen Hoch der Gegenbewegung. Maßgeblich ist der Schlusskurs der Signalkerze, nicht eine Berührung im Tagesverlauf.
- Einstieg nach dem Schluss festlegen: für einen Long eine Buy-Stop-Order über dem Hoch der Signalkerze, für einen Short eine Sell-Stop-Order unter ihrem Tief, gültig nur für die nächste Sitzung. Eröffnet der Markt jenseits der Ungültigkeitsmarke oder schon jenseits des Einstiegs, entfällt der Trade.
- Ziele gegen den Einstieg prüfen: Bevor die Order rausgeht, muss das erste Ziel jenseits des geplanten Einstiegs liegen und weit genug entfernt sein, um das Risiko zu rechtfertigen. Ist der Markt schon hindurchgelaufen, gibt es auf diesem Swing keinen Trade.
- Stop jenseits von C, mit Luft: Der Schutz-Stop liegt im Aufwärtstrend etwas unter dem Tief von C, im Abwärtstrend etwas über dem Hoch von C, nicht genau auf der Marke. Er kann im Tagesverlauf ausgelöst werden, auch wenn die Kerze wieder auf der richtigen Seite von C schließt. Die Schlussregel in Schritt 7 macht einen ausgelösten Stop-Loss nicht rückgängig.
- Erstes Ziel vor dem alten Extrem: Im Long kann das 61,8-%-Ziel unter dem alten Hoch B liegen, im Short über dem alten Tief B. Dort lassen sich die ersten Teilgewinne planen. Am alten Hoch können Verkäufer auftreten, am alten Tief Käufer.
- Gestaffelt aussteigen: einen Teil der Position am ersten Ziel, einen weiteren am 100-%-Ziel, einen kleinen Rest mit nachgezogenem Stop laufen lassen. Teilverkäufe verkleinern die Position früh, begrenzen aber auch den Gewinn, wenn die Bewegung bis zum letzten Ziel weiterläuft. Weitere Varianten zeigt der Überblick über die Arten der Gewinnmitnahme.
- Plan streichen, wenn C bricht: Ein Schlusskurs jenseits von C heißt, der Swing ist gescheitert. Die Ziele gelten dann nicht mehr, egal wie der Chart vorher aussah.
Ein Ziel ist keine garantierte Ausführung. Eine Limit-Order genau auf dem Ziel wird nicht unbedingt ausgeführt, wenn das Tageshoch sie nur berührt. In einem schnellen Markt kann der Kurs über Nacht auch durch ein Ziel springen: Eine Limit-Order wird dann womöglich zu einem besseren Kurs ausgeführt, eine ausgelöste Stop-Order wird zur Market-Order ohne garantierten Kurs. Deshalb ist jedes Ziel als Zone zu lesen.
Jeder Trade braucht vor der Order einen geplanten Verlust in Geld. Die Formel lautet: geplanter Verlust = Stückzahl × Stop-Abstand × Punktwert. Bei Aktien und ETFs ist der Punktwert 1. Mit 50 Anteilen und einem Stop $8,00 entfernt beträgt der geplante Verlust vor Kosten 50 × 8,00 × 1 = $400. Eine Kurslücke kann den echten Verlust größer machen als geplant. Ich selbst riskiere pro Trade zwischen 0,5 und 1 Prozent meines Kontos. Wie du aus diesem Anteil die Stückzahl ableitest, erklärt der Ratgeber zur Positionsgröße.
Fibonacci Extension oder Retracement: der Unterschied
Retracement und Extension nutzen dieselben Verhältnisse für zwei verschiedene Aufgaben: Das Retracement misst, wie tief eine Korrektur geht, die Extension projiziert, wie weit die nächste Welle laufen kann.
Das Retracement blickt zurück in die Korrektur und markiert mögliche Einstiegszonen. Die Extension blickt vom Ende der Korrektur nach vorn und markiert mögliche Ziele. Zusammen geben sie dir einen Rahmen für Einstieg und Ausstieg.
| Frage | Retracement: Wie tief geht die Korrektur? Extension: Wie weit läuft die nächste Welle? |
| Punkte | Retracement: zwei, Swing-Tief und Swing-Hoch. Extension: drei, A, B und C |
| Typische Level | Retracement: 38,2 %, 50 %, 61,8 %. Extension: 61,8 %, 100 %, 161,8 % |
| Einsatz | Retracement: Einstiegszonen, Stop an der Struktur. Extension: Gewinnziele |
| TradingView | Retracement: Fib-Retracement. Extension: Trend-basierte Fib-Verlängerung |
Vorteile und Nachteile der Fibonacci Extension
Für die Planung ist die Extension nützlich, aber sie hat klare Grenzen. Die Übersicht stellt Stärken und Schwächen für den Einsatz im Trading gegenüber.
Was für die Fibonacci Extension spricht
- Ziele vor dem Trade: Du weißt vorher, wo Gewinnmitnahmen geplant sind, und kannst das Chance-Risiko-Verhältnis vor der Order prüfen.
- Passt sich der Korrektur an: Eine tiefe Korrektur ergibt nähere, eine flache weitere Ziele.
- Jeder Markt, jede Zeiteinheit: Das Werkzeug braucht keine Einstellungen und funktioniert bei Aktien, Devisen und Futures gleich.
- Leicht kombinierbar: Ziele lassen sich direkt mit Unterstützungs- und Widerstandszonen abgleichen.
Was gegen die Fibonacci Extension spricht
- Subjektive Punkte: Zwei Trader wählen verschiedene A, B und C und bekommen verschiedene Ziele.
- Kein belegter Vorteil: Mir ist kein Test bekannt, der zeigt, dass Extension-Ziele häufiger erreicht werden als andere Preise.
- C steht erst später fest: Die Korrektur kann tiefer gehen und die ganze Projektion verschieben.
- Zwei Methoden, ein Name: Dreipunkt- und Zweipunkt-Level werden oft verwechselt.
Häufige Fehler mit der Fibonacci Extension
Der erste Fehler ist, beide Werkzeuge zu vermischen. Ein Chart mit drei Punkten, dessen Preise ab A statt ab C gerechnet sind, zeigt keine Dreipunkt-Ziele. Leg fest, welche Methode du nutzt, und beschrifte sie.
Der zweite ist, das Werkzeug zu zeichnen, bevor C bestätigt ist. Solange die Korrektur läuft, wandert C und mit ihm jedes Ziel. Warte, bis der Kurs von C weggedreht und geschlossen hat, dann zeichne die Extension.
Der dritte ist, das letzte Ziel zum Plan zu machen. Viele Trader warten auf 161,8 %, weil es die berühmte Zahl ist. In zwei der drei Beispiele oben wurde das 161,8-%-Ziel nicht erreicht, im dritten gar kein Ziel. Plane die ersten Gewinne an den näheren Zielen.
Der vierte ist, die Marken im Chart zu übersehen. Ein Extension-Ziel knapp unter einer alten Widerstandszone ist ein anderes Ziel als eines im leeren Raum. Prüf jedes Ziel gegen die Zonen aus dem Ratgeber zu Support und Resistance und gegen die Pivot Points des Tages, bevor du es als Ausstieg einplanst.
Wie zuverlässig sind Fibonacci-Extension-Ziele?
Mir ist kein belastbarer Beleg bekannt, dass Extension-Ziele häufiger erreicht werden als andere Preise. Ein viel zitierter Test des US-Traders Adam Grimes hat Retracements in Aktien, Futures und Devisen über zehn Jahre gemessen und keine Häufung an Fibonacci-Verhältnissen gefunden (Testing Fibonaccis, Adam Grimes). Er hat auch die Bewegung nach der Korrektur gemessen. Eine Trefferquote von Extension-Zielen, wie sie dieser Ratgeber beschreibt, testet die Studie aber nicht, und eine eigene Messung mit genug Fällen für eine Trefferquote habe ich nicht.
Zeigen lässt sich, wie stark das Ergebnis von der Swing-Regel abhängt. Dieselben zwei Jahre SPY-Tagesdaten wurden mit drei Regeln durchsucht. Mit einer 2-%-Regel hat der Swing ab November 2025 sein B am 11. Dezember ($689,25) und sein C am 17. Dezember ($671,20); das 61,8-%-Ziel bei $694,93 wurde am 9. Januar 2026 erreicht. Mit der 3-%-Regel von oben endet derselbe Swing am Hoch vom 28. Januar, und kein Ziel wurde erreicht. Die 5-%-Regel ändert einen anderen Teil des Charts: Der Sommer-Swing 2026 verschwindet ganz, und die Ziele des größeren Swings ab dem 30. März wurden bis zum 30. September nicht erreicht.
Gleicher Chart, drei Regeln, drei Antworten. Wertlos macht das die Extension nicht. Es heißt aber, dass jede Trefferquote, die du liest, so viel über die Swing-Definition sagt wie über das Werkzeug. Leg deine Regel fest, bevor du zeichnest, schreib sie auf und werte deine Trades damit im Trading-Journal aus.
Fazit: erst den Ausstieg planen, dann den Einstieg
Die Fibonacci Extension ist ein Planungswerkzeug für Kursziele. Sie macht aus drei Punkten im Chart wenige Preise, an denen du vorher entscheidest, was mit deiner Position passiert. Mit der Dreipunkt-Methode, einem Stop jenseits von C und Teilgewinnen an den ersten Zielen bekommt dein Trade einen klaren Ausstiegsplan.
Die Extension liefert mögliche Zielmarken, aber keine verlässliche Vorhersage, dass der Kurs sie erreicht. Die Beispiele zeigen zwei erreichte Ziele im Aufwärtstrend, zwei im Abwärtstrend und einen Swing ganz ohne Treffer. Lies jedes Ziel als Zone, prüf es gegen die Marken im Chart und streich den Plan, wenn C bricht. Wie du den Einstieg findest, erklären der Retracement-Ratgeber und der Ratgeber zum Swing Trading.
Häufige Fragen zur Fibonacci Extension
Was versteht man unter einer Fibonacci Extension?
Eine Fibonacci Extension ist ein Werkzeug, das vom Ende einer Korrektur aus Kursziele als Vielfache der vorangegangenen Bewegung projiziert. Du markierst den Start der Bewegung (A), ihr Ende (B) und das Ende der Korrektur (C). Die Ziele liegen meist bei 61,8 %, 100 % und 161,8 % der Strecke von A nach B, gemessen ab C.
Wie zeichnet man eine trendbasierte Fib-Extension ein?
In TradingView wählst du die Trend-basierte Fib-Verlängerung und klickst drei Punkte. Im Aufwärtstrend: Swing-Tief, Swing-Hoch und das Tief der Korrektur. Im Abwärtstrend: Swing-Hoch, Swing-Tief und das Hoch der Gegenbewegung. Die Ziellinien erscheinen ab dem dritten Punkt.
Wie berechnet man Fibonacci-Extension-Level?
Im Aufwärtstrend gilt: Ziel = C + (B − A) × Verhältnis. Mit A bei $716,58, B bei $755,58 und C bei $729,10 liegt das 100-%-Ziel bei 729,10 + 39,00 = $768,10. Im Abwärtstrend ziehst du die Strecke von C ab. Der Fibonacci-Rechner erledigt das für dich.
Was bedeutet das 61,8-%-Level bei der Extension?
Beim Retracement ist 61,8 % das bekannteste Level innerhalb der Korrektur, bei der Extension ist es das erste Ziel. Das Verhältnis 0,618 ist der Kehrwert des Goldenen Schnitts von rund 1,618. Als Extension-Ziel werden 61,8 % der Strecke von A nach B auf C addiert. Nach einer tiefen Korrektur kann es deshalb unter dem alten Hoch liegen.
Welche Fibonacci-Level sind wichtig?
Ein offizielles Set gibt es nicht. Üblich sind beim Retracement 23,6 %, 38,2 %, 50 %, 61,8 % und 78,6 %, bei der Extension 61,8 %, 100 % und 161,8 %, dazu 127,2 % und 261,8 % als Zweipunkt-Level. Dass ein Level stärker ist als die anderen, zeigt kein mir bekannter Test. Mehr Gewicht bekommt ein Level, wenn es auf eine alte Unterstützung oder einen Widerstand trifft.
Was ist der Unterschied zwischen Fibonacci Retracement und Extension?
Das Retracement misst, wie weit eine Korrektur geht, und liefert Einstiegszonen. Die Extension projiziert, wie weit die nächste Welle laufen kann, und liefert Ziele. Das Retracement braucht zwei Punkte, die Dreipunkt-Extension drei.
Was ist der Unterschied zwischen Extension, Projektion und Expansion?
Viele Trader nennen die Dreipunkt-Extension auch Projektion. Andere sagen zum Dreipunkt-Werkzeug Expansion und behalten das Wort Extension für Level über 100 % eines Zweipunkt-Swings. Prüf vor jedem Vergleich, welche Rechnung ein Werkzeug nutzt: Entscheidend ist, ob die Preise ab A oder ab C gemessen werden.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader an den Märkten.
Sein Handel kommt ohne technische Indikatoren aus. Er tradet Forex-Majors und -Minors allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Die Chartbeispiele in diesem Artikel beruhen auf Tagesdaten von Yahoo Finance. Die Schlüsselwerte wurden mit den Tageskerzen von Interactive Brokers abgeglichen, alle Ziele per Skript aus den benannten Ankerpunkten gerechnet und in einer Zweitprüfung nachgerechnet. Die Beispiele sind ausgewählt, um das Werkzeug zu erklären, sie sind keine ausgeführten Trades und keine Statistik. Dies ist Bildungsinhalt, keine Anlageberatung: Trading kann zu Verlusten führen, Kosten und Slippage schmälern Ergebnisse, und Hebel vergrößert Verluste wie Gewinne.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.








