Rheinmetall hat seit dem Rekordhoch im Herbst 2025 die Hälfte seines Kurswerts verloren, TKMS liegt 2026 dagegen ein Viertel im Plus. Beide sind Rüstungsaktien, beide profitieren von denselben Verteidigungsetats, und trotzdem trennen sie mehr als 60 Prozentpunkte. Wer den Sektor als einen einzigen Block kauft, übersieht genau diese Unterschiede.
Hier bekommst du den Überblick, den die Kurse allein nicht liefern. Du siehst die fünf deutschen Rüstungsaktien mit ihren Auftragsbeständen, die wichtigsten Werte aus Europa und den USA, drei Rüstungs-ETFs im Positionsvergleich und die Gründe für den Kursrückgang 2026. Alle Kurse stammen vom Handelsschluss am 11. September 2026. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Rüstungsaktien: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Rüstungsaktien sind Aktien börsennotierter Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit Waffen, Munition, Militärfahrzeugen oder Verteidigungselektronik erzielen.
- Fünf deutsche Rüstungsaktien sind börsennotiert: Rheinmetall im DAX, Hensoldt, Renk und TKMS im MDAX sowie seit Juni 2026 Vincorion im SDAX.
- 2026 laufen die Werte weit auseinander. Seit Jahresbeginn liegt TKMS bei plus 25,9 Prozent, Hensoldt bei plus 4,4 Prozent, Renk bei minus 22,2 Prozent und Rheinmetall bei minus 36,5 Prozent.
- Die Auftragsbücher sind so voll wie nie. Rheinmetall meldet zum 30. Juni 2026 einen Bestand von 80,5 Milliarden Euro, TKMS über 20 Milliarden, Hensoldt 10,36 und Renk 7,4 Milliarden.
- Der Kursrückgang hat politische und operative Gründe: der Stopp der Fregatte F126, Berichte über Lieferverzögerungen, Signale einer Annäherung zwischen den USA und Russland und das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt.
- Langfristig treibt das NATO-Ziel die Nachfrage: 5 Prozent der Wirtschaftsleistung bis spätestens 2035, davon 3,5 Prozent für klassische Verteidigung.
- Nicht jeder Rüstungs-ETF enthält deutsche Werte. Im größten, dem VanEck Defense, steht Rheinmetall nicht unter den zehn größten Positionen, im WisdomTree Europe Defence dagegen mit 9,07 Prozent.
Was sind Rüstungsaktien?
Rüstungsaktien sind Aktien börsennotierter Unternehmen, die einen wesentlichen Teil ihres Umsatzes mit Waffen, Munition, Militärfahrzeugen, Verteidigungselektronik oder anderen Gütern für Streitkräfte erzielen.
Der Anteil des Rüstungsgeschäfts entscheidet, wie stark eine Aktie auf Verteidigungsnachrichten reagiert. Ein Pure Play wie Renk oder TKMS lebt fast vollständig von Militäraufträgen. Ein Mischkonzern wie Airbus oder Safran verdient das meiste Geld mit ziviler Luftfahrt, und eine Nachricht aus Brüssel über Munitionsbeschaffung bewegt dort kaum den Kurs.
Ein Auftragsbestand ist die Summe aller fest bestellten, aber noch nicht ausgelieferten Aufträge eines Unternehmens.
Bei Rüstungswerten ist der Auftragsbestand die wichtigste Kennzahl, aber nicht die einzige. Er zeigt, wie viel Umsatz in den nächsten Jahren schon vertraglich gesichert ist. Er sagt nichts darüber, ob ein Unternehmen pünktlich liefert und mit welcher Marge es das tut. Genau an diesen beiden Fragen hängt 2026 ein großer Teil der Kursbewegung. Wie du solche Kennzahlen einordnest, erklärt unser Leitfaden zur Fundamentalanalyse.
Deutsche Rüstungsaktien: fünf Werte im Überblick
Deutschland hat heute fünf börsennotierte Rüstungswerte, drei davon sind erst seit 2024 an der Börse. Die Tabelle zeigt Index, Schlusskurs und Entwicklung seit Jahresbeginn. Die Spannweite von plus 25,9 bis minus 36,5 Prozent zeigt, wie unterschiedlich der Markt die einzelnen Geschäftsmodelle bewertet.
| Aktie (Index) | Kurs am 11.09.2026 | seit 1.1.2026 |
|---|---|---|
| Rheinmetall (DAX) | 990,60 € | −36,5 % |
| Hensoldt (MDAX) | 76,64 € | +4,4 % |
| Renk (MDAX) | 41,74 € | −22,2 % |
| TKMS (MDAX) | 83,20 € | +25,9 % |
| Vincorion (SDAX) | 19,00 € | +11,8 % seit IPO |

Die Grafik zeigt, dass der Sektor 2026 zweimal gemeinsam und einmal gegeneinander lief. Im Januar stiegen alle vier Werte parallel. Am 24. Juni 2026 brach das Muster: Rheinmetall verlor an diesem Tag 18,7 Prozent, TKMS gewann 16,1 Prozent. Der Grund war ein und dieselbe Nachricht, der Stopp der Fregatte F126, die unten im Abschnitt zum Kursrückgang genauer erklärt ist.
Rheinmetall: das Schwergewicht im DAX
Rheinmetall ist mit Abstand der größte deutsche Rüstungskonzern und seit dem 20. März 2023 im DAX. Der Düsseldorfer Konzern baut Munition, Artillerie, Militärfahrzeuge und Flugabwehr und hat mit Naval Systems auch eine Marinesparte. Laut Rheinmetall ersetzte die Aktie damals Fresenius Medical Care im Leitindex.
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Umsatz um 39 Prozent auf 5,23 Milliarden Euro. Der Auftragsbestand wuchs zum 30. Juni auf 80,5 Milliarden Euro, nach 56,0 Milliarden ein Jahr zuvor. Für das Gesamtjahr senkte der Konzern im Halbjahresbericht die Umsatzprognose auf 13,7 bis 14,2 Milliarden Euro, vor allem wegen des F126-Stopps. Die Aktie schloss am 11. September bei 990,60 Euro und damit 50,2 Prozent unter ihrem Schlusskurs-Hoch vom 29. September 2025. Die laufende Chartanalyse findest du in unserer Rheinmetall Prognose.
Hensoldt: Radar und Sensorik
Hensoldt liefert die Augen der Waffensysteme, nicht die Waffen selbst. Das Unternehmen aus der Nähe von München entwickelt Radare, Optronik und Sensorelektronik. Größter Aktionär ist der Bund mit 25,1 Prozent, die Aktie notiert im MDAX.
Hensoldt ist 2026 der stabilste der großen deutschen Werte. Zum Halbjahr lag der Auftragsbestand bei 10,36 Milliarden Euro, der Auftragseingang hatte sich auf 2,81 Milliarden verdoppelt. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 4,4 Prozent, genau so viel wie beim DAX. Kursmarken und Szenarien stehen in der Hensoldt Prognose, Ausschüttung und Rendite in unserem Artikel zur Hensoldt Dividende.
Renk: Getriebe für Panzer
Renk baut die Antriebe, ohne die kein Kampfpanzer fährt. Das Augsburger Unternehmen liefert Getriebe unter anderem für den Leopard 2. Seit dem Börsengang am 7. Februar 2024 zum Ausgabepreis von 15 Euro stieg die Aktie schnell auf und gehört laut Renk seit dem 24. März 2025 zum MDAX.
Operativ lief das erste Halbjahr 2026 besser als die Aktie. Der Auftragseingang stieg um 29,7 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro, der Auftragsbestand erreichte mit 7,4 Milliarden Euro einen Rekord. Der Umsatz wuchs nur um 2,7 Prozent auf 637,2 Millionen Euro. Im Halbjahresbericht bestätigte der Vorstand die Jahresprognose. Trotzdem liegt die Aktie 52,8 Prozent unter ihrem Schlusskurs-Hoch vom Oktober 2025.
TKMS: U-Boote und Fregatten aus Kiel
TKMS ist der jüngste der großen deutschen Rüstungswerte und 2026 der erfolgreichste. Der Marineschiffbauer wurde am 20. Oktober 2025 von thyssenkrupp abgespalten, das weiter 51 Prozent hält, berichtete das ZDF. Schon am 22. Dezember 2025 rückte die Aktie laut Handelsblatt in den MDAX auf.
Zwei Großaufträge aus dem Juli 2026 erklären den Vorsprung. Am 8. Juli gab der Haushaltsausschuss des Bundestags vier Fregatten vom Typ MEKO A-200 für rund 6,3 Milliarden Euro frei, wie ESUT meldete. Im selben Monat wählte Kanada TKMS als bevorzugten Anbieter für bis zu zwölf U-Boote der Klasse 212CD. Einen unterschriebenen Vertrag gibt es dafür laut Naval News noch nicht, er soll bis spätestens Ende 2027 folgen. Der Auftragsbestand liegt bereits über 20 Milliarden Euro.
Vincorion: der Neuling im SDAX
Vincorion baut weder Panzer noch Raketen, sondern die Energie- und Antriebstechnik darin. Das Unternehmen aus Wedel bei Hamburg liefert Stromversorgung und Mechatronik für Verteidigungsplattformen und ging am 20. März 2026 zum Ausgabepreis von 17 Euro an die Börse. Seit dem 22. Juni 2026 gehört es laut Vincorion zum SDAX.
Für eine Jahresbilanz ist Vincorion noch zu jung. Am 11. September lag die Aktie bei 19 Euro und damit 11,8 Prozent über dem Ausgabepreis. Einen weiteren Blick auf kleinere Zulieferer und das Drohnen-Segment wirft unser Überblick über die Drohnen-Aktien.
Warum Rüstungsaktien 2026 gefallen sind
Der Rückgang begann nicht 2026, sondern mit den Rekordhochs Ende September und Anfang Oktober 2025. Laut Handelsblatt verloren Rheinmetall, Hensoldt, Renk und TKMS bis Juli 2026 zusammen über 58 Milliarden Euro Börsenwert. Die Zeitung nennt eine Frage, die viele Anleger umtreibt: ob klassische Rüstungskonzerne schnell genug auf eine Kriegführung reagieren, die sich zunehmend in die Luft und zu Drohnen verlagert.
Der Stopp der Fregatte F126
Am 24. Juni 2026 stoppte das Verteidigungsministerium das Fregattenprogramm F126. Laut Sicherheit & Verteidigung sollten die Kosten für sechs Schiffe von rund 10 auf etwa 18 Milliarden Euro steigen. Stattdessen bekommt die Marine die MEKO A-200 von TKMS. Rheinmetall nennt für seine Marinesparte bis zu 300 Millionen Euro weniger Umsatz im laufenden Jahr. Für Anleger ist das die wichtigste Lehre des Jahres: Ein Programmstopp kann Gewinner und Verlierer im selben Sektor erzeugen.
Lieferverzögerungen und Qualitätsfragen
Seit dem Sommer steht die Frage im Raum, ob die Branche die bestellten Mengen pünktlich liefert. Der Tagesspiegel berichtete über einen Lieferverzug von 16 Monaten beim Flugabwehrsystem Skyranger 30 von Rheinmetall. Solche Meldungen treffen den Kern der Kursfantasie: Ein Auftragsbestand ist nur so viel wert wie die Fähigkeit, ihn in Umsatz zu verwandeln.
Politik: Friedenssignale und Wahlergebnisse
Anfang September kamen zwei politische Belastungen zusammen. Der Aktionär nennt am 9. September neue Andeutungen einer Annäherung zwischen den USA und Russland im Ukraine-Krieg. Dazu kam die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt vom 6. September 2026, bei der die AfD mit 43,8 Prozent stärkste Kraft wurde. Die Partei lehnt Ukraine-Hilfen und das Sondervermögen der Bundeswehr ab. Für die Märkte ist das kein unmittelbarer Haushaltseffekt, aber ein politisches Risiko für die Verteidigungsausgaben der kommenden Jahre.
Europäische Rüstungsaktien
Die europäischen Rüstungswerte haben 2026 deutlich ruhiger gehandelt als die deutschen. Keiner der vier vergleichbaren Werte in der Tabelle hat mehr als zwei Prozent verloren. Der Grund ist die breitere Aufstellung: Die großen europäischen Konzerne verdienen neben Waffen auch mit Elektronik, Luftfahrt und Exporten in viele Länder.
| Aktie (Land) | Kurs am 11.09.2026 | seit 1.1.2026 |
|---|---|---|
| BAE Systems (GB) | 18,98 £ | +10,7 % |
| Thales (FR) | 226,80 € | −1,3 % |
| Leonardo (IT) | 50,00 € | +1,7 % |
| Saab (SE) | 571,60 SEK | +6,3 % |
| Kongsberg (NO) | 303,00 NOK | nicht vergleichbar |
BAE Systems ist der größte Rüstungskonzern Großbritanniens und der Spitzenreiter der Tabelle. Das Unternehmen baut Kampfflugzeuge, U-Boote, gepanzerte Fahrzeuge und Munition und liefert stark in die USA. Thales aus Frankreich ist vor allem Spezialist für Verteidigungselektronik, Radar und Cybersicherheit.
Leonardo, Saab und Kongsberg decken jeweils eine eigene Nische ab. Leonardo aus Italien ist bei Hubschraubern und Elektronik stark, Saab aus Schweden baut den Kampfjet Gripen. Kongsberg aus Norwegen ist für Flugabwehr und Seezielflugkörper bekannt. Weil Kongsberg die Maritime-Sparte laut Euronext am 23. April 2026 als eigene Aktie an die Börse gebracht hat, ist die Kursentwicklung seit Jahresbeginn nicht mit den anderen Werten vergleichbar.
US-Rüstungsaktien: die großen Vier
Die USA stellen die größten Rüstungskonzerne der Welt, und ihre Aktien haben 2026 kaum geschwankt. Drei der vier Werte liegen im Plus. Anders als in Europa hängt ihr Geschäft vor allem am US-Verteidigungshaushalt und an Großprogrammen, die über Jahrzehnte laufen.
| Aktie | Kurs am 11.09.2026 | seit 1.1.2026 |
|---|---|---|
| Lockheed Martin | $524,19 | +8,4 % |
| RTX | $197,68 | +7,8 % |
| Northrop Grumman | $518,97 | −9,0 % |
| General Dynamics | $355,90 | +5,7 % |
Jeder der vier Konzerne steht für ein anderes Kerngeschäft. Lockheed Martin baut den Kampfjet F-35, RTX stellt über Raytheon das Flugabwehrsystem Patriot und über Pratt & Whitney Triebwerke her. Northrop Grumman entwickelt den Tarnkappenbomber B-21, General Dynamics den Kampfpanzer Abrams und Atom-U-Boote.
US-Einzelaktien kannst du bei deutschen Brokern ganz normal kaufen, US-ETFs dagegen nicht. Der Grund sind die europäischen PRIIPs-Regeln, die für Fonds ohne deutsches Basisinformationsblatt gelten. Wer US-Rüstungswerte breit streuen will, greift deshalb zu einem in Europa zugelassenen UCITS-ETF.
Rüstungs-ETFs im Vergleich: wer Rheinmetall enthält
Die Gesamtkostenquote (TER) gibt an, wie viel Prozent des angelegten Vermögens ein ETF jährlich für Verwaltung und laufende Kosten einbehält.
Drei Rüstungs-ETFs dominieren den europäischen Markt, und sie enthalten sehr unterschiedliche Aktien. Wer glaubt, mit einem Rüstungs-ETF automatisch die deutschen Werte zu kaufen, liegt bei zwei der drei Fonds falsch. Die Tabelle zeigt Schwerpunkt und Kosten, die Positionen stammen aus den Fondsdaten von Ende Juli 2026.
| ETF | Schwerpunkt | TER pro Jahr |
|---|---|---|
| VanEck Defense | weltweit, 45 Werte | 0,55 % |
| HANetf Future of Defence | weltweit mit Cyber, 60 Werte | 0,49 % |
| WisdomTree Europe Defence | Europa, 41 Werte | 0,40 % |
Der größte Fonds ist am weitesten von Deutschland entfernt. Der VanEck Defense UCITS ETF verwaltet rund 6 Milliarden Euro. Seine größten Positionen sind RTX mit 9,79 Prozent und Palantir mit 7,63 Prozent, gefolgt von Thales und Leonardo. Rheinmetall steht nicht unter den zehn größten Werten.
Der HANetf-Fonds mischt klassische Rüstung mit Cybersicherheit. Im HANetf Future of Defence UCITS ETF ist Rheinmetall mit 5,62 Prozent zwar die größte Position. Unter den zehn größten stehen aber auch Cisco, Fortinet und CrowdStrike, und knapp 59 Prozent des Fonds liegen in den USA.
Nur ein Fonds bildet die deutsche Rüstungsindustrie wirklich ab. Der WisdomTree Europe Defence UCITS ETF hält BAE Systems mit 10,34 Prozent, Thales mit 9,94 Prozent und Rheinmetall mit 9,07 Prozent. Auch Hensoldt steht mit 4,64 Prozent in den Top 10. Deutschland macht rund 20 Prozent des Fonds aus. Einen Überblick über weitere Sektorfonds bietet unser Vergleich der Branchen-ETFs.
Was Rüstungsaktien langfristig antreibt
Der wichtigste Treiber ist das neue Ausgabenziel der NATO. Beim Gipfel in Den Haag im Juni 2025 einigten sich die Mitglieder laut ZDF heute darauf, bis spätestens 2035 5 Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung auszugeben. 3,5 Prozent sollen in klassische Militärausgaben fließen, 1,5 Prozent in Infrastruktur, Rüstungsindustrie und Widerstandsfähigkeit. Das alte Ziel lag bei 2 Prozent.
In Deutschland hat das Grundgesetz den Weg für höhere Ausgaben freigemacht. Nach Artikel 115 Grundgesetz werden Verteidigungsausgaben, die über 1 Prozent der Wirtschaftsleistung hinausgehen, bei der Schuldenbremse abgezogen. Damit kann der Bund Rüstung auch über Kredite finanzieren, ohne an die übliche Grenze zu stoßen.
Die Auftragsbestände zeigen, dass die Bestellungen schon unterschrieben sind. Allein Rheinmetall hat mit 80,5 Milliarden Euro rund das Sechsfache seines Jahresumsatzes in den Büchern. Für dich als Anleger verschiebt sich die Frage deshalb von der Nachfrage zur Umsetzung: Wer liefert pünktlich, wer hält seine Margen, und wer baut die Kapazitäten schnell genug aus.
Ein Treiber wirkt in beide Richtungen, und das ist die Politik. Das NATO-Ziel wird 2029 überprüft, Regierungen wechseln, und jeder Waffenstillstand senkt die gefühlte Dringlichkeit. Wie heftig ein Sektor dann fallen kann, zeigt die Auswertung zum Drawdown.
Rüstungsaktien Prognose: zwei Szenarien bis 2030
Ein seriöses Kursziel für den ganzen Sektor gibt es nicht, wohl aber zwei klar unterscheidbare Szenarien. Beide hängen an denselben drei Größen: den Verteidigungsetats, der Umsetzung der Auftragsbestände und der politischen Stabilität. Bull und Bear stehen untereinander, damit du beide Argumentationen nacheinander lesen kannst.
Bull-Szenario bis 2030
Die NATO-Staaten halten Kurs auf das 5-Prozent-Ziel, und die Haushalte steigen jedes Jahr weiter. Die Unternehmen verwandeln ihre Rekord-Auftragsbestände in Umsatz, lösen die Lieferprobleme und halten ihre Margen. Kanada unterschreibt den U-Boot-Vertrag mit TKMS. In diesem Fall wachsen die Gewinne so stark, dass die heutigen Kurse im Rückblick als Einstiegsgelegenheit erscheinen, besonders bei Rheinmetall und Renk nach mehr als 50 Prozent Rückgang.
Bear-Szenario bis 2030
Ein Waffenstillstand in der Ukraine senkt den politischen Druck, und bei der Überprüfung 2029 bleiben mehrere Staaten hinter dem Ziel zurück. Weitere Programme werden gestoppt wie die F126, Lieferverzögerungen drücken auf die Margen, und neue Mehrheiten stellen das Sondervermögen infrage. Dann reicht selbst ein voller Auftragsbestand nicht, um die Bewertungen zu halten, und die Aktien bleiben weit unter ihren Hochs von 2025.
Für Einzelaktien lohnt ein Blick auf die laufende Chartanalyse. Kursmarken und Szenarien für Rheinmetall und Hensoldt schreiben wir fortlaufend fort. Wer auf Ausschüttungen achtet, findet die Zahlen zur Rheinmetall Dividende. Wie sich der Gesamtmarkt entwickelt, an dem auch die Rüstungswerte hängen, zeigt unsere DAX Prognose.
Rüstungsaktien kaufen: worauf Anleger achten sollten
Der häufigste Fehler ist, den Sektor als eine einzige Wette zu behandeln. 2026 lagen zwischen dem besten und dem schlechtesten deutschen Wert mehr als 60 Prozentpunkte. Kaufst du nur eine Aktie, setzt du auf ein einzelnes Geschäftsmodell und einzelne Programme. Hältst du mehrere Rüstungswerte, baust du dafür ein Klumpenrisiko auf, weil alle an denselben Etats hängen.
Drei Fragen helfen bei jeder Rüstungsaktie. Wie groß ist der Anteil des Militärgeschäfts? Wie hoch ist der Auftragsbestand im Verhältnis zum Umsatz? Und wie abhängig ist das Unternehmen von einem einzelnen Großprogramm? Gekauft werden die Aktien über jedes Depot. Welcher Anbieter günstig ist, zeigt unser Aktien-Broker-Vergleich.
Die wichtigsten Argumente für und gegen den Sektor stehen hier untereinander. Oben die Chancen, darunter die Risiken, damit du beide Seiten nacheinander abwägen kannst.
Was für Rüstungsaktien spricht
- Planbare Nachfrage: Das NATO-Ziel von 5 Prozent bis 2035 sorgt für steigende Budgets über viele Jahre.
- Volle Auftragsbücher: Rheinmetall, TKMS, Hensoldt und Renk melden Auftragsbestände auf Rekordniveau.
- Deutliche Korrektur: Rheinmetall und Renk liegen mehr als die Hälfte unter ihren Hochs von 2025.
- Breite Auswahl: Einzelaktien aus Deutschland, Europa und den USA sowie europäisch zugelassene ETFs sind handelbar.
Was gegen Rüstungsaktien spricht
- Politisches Risiko: Programmstopps wie bei der F126 und Wahlergebnisse verändern die Aussichten schnell.
- Lieferfähigkeit: Berichte über Verzögerungen zeigen, dass volle Auftragsbücher nicht automatisch Umsatz bedeuten.
- Hohe Schwankung: Einzelne Werte verlieren an einem Tag fast ein Fünftel ihres Kurswerts.
- Friedensrisiko: Jedes Signal für einen Waffenstillstand kann den ganzen Sektor gleichzeitig belasten.
Fazit: Rüstungsaktien sind 2026 kein einheitlicher Sektor mehr
Die Nachfrage nach Rüstung steht fest, die Frage ist, wer davon an der Börse profitiert. Die NATO will bis 2035 deutlich mehr ausgeben, und die Auftragsbücher der deutschen Hersteller sind voll wie nie. Trotzdem haben Rheinmetall und Renk 2026 deutlich verloren, während TKMS zulegte. Entscheidend waren einzelne Programme, die Lieferfähigkeit und die politische Stimmung.
Wenn du in Rüstungsaktien investierst, solltest du die Einzelwerte genau unterscheiden. Ein Pure Play wie Renk reagiert anders als ein breit aufgestellter Konzern wie BAE Systems. Streust du lieber, prüfst du beim ETF zuerst die Positionen: Nur einer der drei großen Fonds bildet die deutsche Rüstungsindustrie tatsächlich ab. Ich schaue deshalb weniger auf neue Etatzahlen als auf eine einfache Frage: Welche Firma liefert, was sie verkauft hat? Eine Kaufempfehlung ist dieser Überblick nicht, sondern die Grundlage für deine eigene Entscheidung.
Häufige Fragen zu Rüstungsaktien
Welche Rüstungsaktien gibt es in Deutschland?
An der Börse notiert sind fünf deutsche Rüstungswerte: Rheinmetall im DAX, Hensoldt, Renk und TKMS im MDAX sowie Vincorion im SDAX. Drei davon sind erst seit 2024 an der Börse, Vincorion seit März 2026.
Lohnen sich Rüstungsaktien jetzt noch?
Das hängt vom Anlagehorizont und von der einzelnen Aktie ab. Für den Sektor sprechen das NATO-Ziel von 5 Prozent und Rekord-Auftragsbestände. Dagegen sprechen politische Risiken, Lieferverzögerungen und hohe Schwankungen. Eine allgemeine Empfehlung lässt sich daraus nicht ableiten.
Warum ist die Rheinmetall-Aktie so stark gefallen?
Rheinmetall schloss am 11. September 2026 rund 50 Prozent unter dem Hoch vom September 2025. Belastet haben vor allem der Stopp der Fregatte F126 am 24. Juni 2026, Berichte über Lieferverzögerungen und politische Signale. Operativ wuchs der Konzern im ersten Halbjahr um 39 Prozent.
Welche Aktien profitieren von Krieg und Aufrüstung?
Direkt profitieren Hersteller von Munition, Fahrzeugen, Flugabwehr und Verteidigungselektronik. Ein Konflikt treibt die Kurse aber nicht automatisch: 2026 fielen mehrere Rüstungsaktien trotz steigender Etats, weil Programme gestoppt wurden und Friedenssignale aufkamen.
Welcher Rüstungs-ETF enthält Rheinmetall?
Rheinmetall ist im WisdomTree Europe Defence mit 9,07 Prozent und im HANetf Future of Defence mit 5,62 Prozent enthalten. Im größten Fonds, dem VanEck Defense, steht Rheinmetall nicht unter den zehn größten Positionen. Stand der Positionen ist Ende Juli 2026.
Kann ich US-Rüstungsaktien in Deutschland kaufen?
Ja, Einzelaktien wie Lockheed Martin, RTX oder Northrop Grumman sind bei deutschen Brokern normal handelbar. US-ETFs dagegen darfst du wegen der PRIIPs-Regeln meist nicht kaufen, dafür gibt es europäisch zugelassene UCITS-ETFs.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer von Kagels Trading und handelt seit 1978 an den Finanzmärkten. Er arbeitet diskretionär nach Price Action, also ohne mechanisches Handelssystem, und ist in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten aktiv.
Ende der 1980er-Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre war er Repräsentant von Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Bei Sektorthemen trennt er konsequent das Auftragsbuch vom Aktienkurs. Für diesen Überblick hat er die Schlusskurse aller vierzehn Werte vom 11. September 2026 selbst ausgewertet, die Auftragsbestände an den Halbjahresberichten der Unternehmen geprüft und die Positionen der drei großen Rüstungs-ETFs einzeln ausgelesen. Rheinmetall und Hensoldt begleitet er zusätzlich mit eigenen Prognosen.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.









