Equity heißt auf Deutsch Eigenkapital. Damit ist die Frage aber erst zur Hälfte beantwortet. Der Begriff steht je nach Zusammenhang für fünf verschiedene Dinge: für das Eigenkapital in einer Bilanz, für Aktien als Anlageklasse, für den aktuellen Wert eines Trading-Kontos, für Beteiligungen an nicht börsennotierten Firmen und für den Anteil an einer Immobilie, der nach Abzug der Hypothek übrig bleibt.
Dieser Artikel sortiert die Bedeutungen und geht dann dorthin, wo der Begriff für Trader praktisch wird, nämlich ins Handelskonto. Dort ist Equity keine feste Zahl, sondern ein Wert, der sich mit jeder Kursbewegung ändert. Wer den Unterschied zwischen Kontostand und Equity nicht kennt, versteht auch seine Margin-Auslastung nicht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Equity: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Übersetzung: Equity heißt Eigenkapital. Gemeint ist der Teil des Vermögens, der nach Abzug aller Schulden den Eigentümern gehört.
- Fünf Bedeutungen: Bilanz-Eigenkapital, Aktien als Anlageklasse, Kontowert im Trading, Private Equity und Home Equity.
- Im Handelskonto ist Equity der Kontostand plus oder minus die unrealisierten Gewinne und Verluste offener Positionen. Er ändert sich laufend.
- Equities ist die englische Sammelbezeichnung für Aktien. Ein Equity Fund ist ein Aktienfonds.
- Equity Trading bezeichnet den Handel mit eigenem Kapital, im Gegensatz zum Margin Trading auf Kredit.
- Nicht verwechseln: Private Equity meint Beteiligungen an nicht börsennotierten Unternehmen und hat mit dem Börsenhandel nichts zu tun.
Was bedeutet Equity auf Deutsch?
Equity ist der englische Begriff für Eigenkapital. Er bezeichnet den Anteil am Vermögen, der nach Abzug aller Schulden den Eigentümern gehört. Im Trading steht Equity für den aktuellen Wert eines Handelskontos einschließlich aller offenen Positionen.
Das Gabler Banklexikon definiert Equity als angelsächsischen Begriff für einen Eigenkapitalanteil an einer Gesellschaft, insbesondere für Aktien. Die kürzeste Merkformel ist eine Subtraktion: Vermögen minus Schulden gleich Equity. Was danach übrig bleibt, gehört den Eigentümern.
Die Schwierigkeit liegt nicht in der Übersetzung, sondern im Zusammenhang. Wörterbücher führen für Equity zusätzlich Billigkeit und Gerechtigkeit auf, weil der Begriff im angloamerikanischen Recht eine eigene Bedeutung hat. Im Finanzbereich spielt diese Lesart keine Rolle. Wer auf Begriffe wie Gender Equity stößt, ist in einem völlig anderen Themenfeld gelandet.
Die fünf Bedeutungen von Equity im Überblick
Der Begriff wechselt seine Bedeutung mit dem Zusammenhang, in dem er steht. Die folgende Übersicht ordnet die fünf Verwendungen, die dir im Finanzbereich tatsächlich begegnen. Nur zwei davon haben mit dem Börsenhandel zu tun.
| Zusammenhang | Was Equity dort bedeutet | Beispiel |
|---|---|---|
| Bilanz | Eigenkapital eines Unternehmens | Shareholders Equity |
| Aktienmarkt | Aktien als Anlageklasse | Equity Fund, Equity Research |
| Handelskonto | Kontowert samt offener Positionen | Equity in der Handelsplattform |
| Beteiligungen | Kapital an nicht börsennotierten Firmen | Private Equity |
| Immobilien | Wert abzüglich Restschuld | Home Equity |
Eine sechste Verwendung begegnet dir in der Konzernbilanzierung. Die Equity-Methode, im Deutschen auch At-Equity-Bewertung genannt, regelt nach § 312 HGB, wie eine Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen im Konzernabschluss angesetzt wird. Der Beteiligungswert wird dabei fortgeschrieben, sobald sich das Eigenkapital des beteiligten Unternehmens ändert. Für Trader ist das ohne Belang, für die Lektüre von Geschäftsberichten nicht.
Equity im Trading-Konto: Balance, Margin und freie Mittel
In der Handelsplattform ist Equity die wichtigste der vier Kennzahlen im Kontofenster, und zugleich die einzige, die sich ständig bewegt. Sie beantwortet die Frage, was dein Konto in diesem Moment wert wäre, wenn du alle offenen Positionen sofort schließen würdest.
Der Unterschied zur Balance ist entscheidend. Die Balance zeigt den Kontostand aus abgeschlossenen Geschäften. Sie ändert sich nur, wenn du eine Position schließt, Geld einzahlst oder abhebst. Die Equity rechnet die schwebenden Gewinne und Verluste hinzu. Solange keine Position offen ist, sind beide Werte identisch.
Ein Beispiel macht das greifbar. Du startest mit 10.000 Euro Balance und kaufst Aktien für 5.000 Euro. Stehen diese Aktien 200 Euro im Plus, beträgt deine Equity 10.200 Euro, während die Balance unverändert bei 10.000 Euro steht. Fällt der Kurs stattdessen um 300 Euro, sinkt die Equity auf 9.700 Euro. Der Verlust ist noch nicht realisiert, für dein Konto zählt er trotzdem.
Praktisch wird die Zahl bei der Margin. Aus der Equity abzüglich der gebundenen Sicherheitsleistung ergibt sich die freie Margin, also der Betrag, der für neue Positionen zur Verfügung steht. Das Verhältnis von Equity zu gebundener Margin ist das Margin-Level. Unterschreitet es die Schwelle deines Brokers, kommt der Margin Call, und darunter schließt die Plattform Positionen selbstständig. Wer nur auf die Balance sieht, bemerkt diese Entwicklung erst, wenn sie vorbei ist. Mehr dazu steht im Artikel zum Margin Trading.
Was ist die Equity Curve?
Die Equity Curve ist die Equity über die Zeit aufgetragen. Sie zeigt nicht, wie einzelne Trades gelaufen sind, sondern wie sich dein Kapital insgesamt entwickelt hat. Damit ist sie die ehrlichste Kennzahl eines Handelsansatzes, denn sie lässt sich nicht schönrechnen.
Aussagekräftig ist nicht die Steigung, sondern die Form. Eine gleichmäßig steigende Kurve spricht für sauberes Risikomanagement und eine funktionierende Strategie. Eine Kurve, die lange flach läuft und dann steil einbricht, deutet auf zu große Positionen oder fehlende Verlustbegrenzung hin. Der größte Rückgang vom letzten Hoch heißt Drawdown und ist die Zahl, die über die Haltbarkeit eines Ansatzes entscheidet.
Equities: Aktien als Anlageklasse
Im Plural meint Equities schlicht Aktien. Der Begriff taucht überall dort auf, wo Anlageklassen gegeneinander abgegrenzt werden: Equities für Aktien, Fixed Income für Anleihen, Commodities für Rohstoffe. Ein Equity Fund ist ein Aktienfonds, Equity Research ist Aktienanalyse, und ein Equity Trader handelt Aktien.
Der Grund für die Bezeichnung liegt in der Sache selbst. Wer eine Aktie kauft, erwirbt einen Eigenkapitalanteil an einem Unternehmen und wird damit Miteigentümer. Wer eine Anleihe kauft, wird Gläubiger und leiht Geld. Aus diesem Unterschied folgt alles Weitere: Aktionäre tragen das unternehmerische Risiko und werden im Insolvenzfall zuletzt bedient, haben dafür aber keine Obergrenze beim Ertrag.
In Deutschland ist diese Anlageklasse längst kein Nischenthema mehr. Nach den Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts besaßen 14,1 Millionen Menschen im Jahr 2025 Aktien, Aktienfonds oder ETFs, zwei Millionen mehr als im Vorjahr. Das ist jeder Fünfte ab 14 Jahren, und die stärkste Gruppe sind seit 2024 die unter 40-Jährigen. Wie der Einstieg praktisch abläuft, steht im Artikel zum Aktienhandel.
Was ist Equity Trading?
Equity Trading bezeichnet den Handel mit Aktien auf Basis des eigenen Kapitals. Gehandelt wird über eine Börse oder einen Online-Broker, ohne Kredit und ohne Hebel. Der maximale Verlust ist damit auf den eingesetzten Betrag begrenzt.
Der Begriff grenzt zwei Dinge voneinander ab. Nach innen unterscheidet er den aktiven Handel vom langfristigen Investieren: Daytrading und Swing-Trading zählen dazu, das Kaufen und Liegenlassen eines ETF-Sparplans nicht. Nach außen grenzt er den Handel mit eigenem Geld vom Handel mit geliehenem Kapital ab. Beide Abgrenzungen sind unscharf, und im Alltag wird der Begriff auch schlicht als englisches Wort für Aktienhandel verwendet.
Für den Einstieg ist genau diese Form die vernünftigste. Du brauchst ein Depot bei einem Broker, keine Sicherheitsleistung und keine Kenntnis von Margin-Regeln. Es gibt keine Nachschusspflicht, keinen Zinsaufwand und keine automatische Schließung deiner Positionen. Was du falsch machst, kostet dich Geld, aber es kostet dich nie mehr als das, was du eingesetzt hast.
Equity Trading und Margin Trading im Vergleich
Der Unterschied liegt in der Herkunft des Geldes, und daraus folgt alles andere. Beim Margin Trading stellt dir der Broker gegen eine Sicherheitsleistung zusätzliches Kapital, sodass du mit einem Hebel größere Positionen bewegen kannst, als dein Konto hergibt. Die folgende Gegenüberstellung zeigt, was der Verzicht darauf bringt und was er kostet.
Vorteile des Equity Tradings
- Keine Nachschusspflicht: Der Verlust ist auf den eingesetzten Betrag begrenzt. Ein Konto kann nicht ins Minus laufen.
- Kein Margin Call: Es gibt keine Sicherheitsleistung, die reißen könnte, und damit keine Zwangsliquidation zum ungünstigsten Zeitpunkt.
- Keine laufenden Kosten: Wer kein Fremdkapital nutzt, zahlt weder Finanzierungszinsen noch Übernachtgebühren.
- Nachvollziehbare Rechnung: Gewinn und Verlust beziehen sich direkt auf das eigene Geld. Das macht die Positionsgröße einfach zu bestimmen.
- Echtes Miteigentum: Du hältst die Aktie selbst, mit Dividendenanspruch und Stimmrecht, statt eines Derivats darauf.
Nachteile des Equity Tradings
- Kapitalbindung: Jede Position bindet ihren vollen Gegenwert. Mit kleinem Konto bleibt die Streuung begrenzt.
- Kein Hebel: Kleine Kursbewegungen bringen kleine Ergebnisse. Für kurzfristige Ansätze ist das oft zu wenig Bewegung.
- Long-Lastigkeit: Auf fallende Kurse zu setzen erfordert Leerverkäufe, und die brauchen wieder ein Margin-Konto.
- Handelszeiten: Aktien sind an die Börsenzeiten gebunden, anders als Devisen oder Kryptowerte.
Prop Trading als Alternative
Wer mehr Kapital einsetzen will, als er besitzt, muss es sich nicht leihen. Beim Proprietary Trading, kurz Prop Trading, stellt ein Unternehmen das Fremdkapital und beteiligt dich am Gewinn. Du haftest nicht für Verluste, zahlst aber in aller Regel eine Prüfungsgebühr, um überhaupt an ein Konto zu kommen.
Der Preis dafür sind fremde Regeln. Prop-Firmen geben Tagesverlustgrenzen, maximale Positionsgrößen und oft auch Handelszeiten vor. Wer eine dieser Grenzen überschreitet, verliert den Zugang zum Kapital, unabhängig davon, wie der Trade ausgegangen wäre. Das ist ein anderes Spiel als der Handel mit eigenem Geld, und es scheitern deutlich mehr Teilnehmer an den Regeln als am Markt. Wie die Modelle im Einzelnen funktionieren, steht im Artikel zum Prop Trading.
Private Equity, Home Equity und Brand Equity
Drei zusammengesetzte Begriffe stiften regelmäßig Verwirrung, weil sie das Wort Equity tragen, mit dem Börsenhandel aber nichts zu tun haben. Sie tauchen in den Suchergebnissen dicht neben den Trading-Themen auf, und genau deshalb lohnt die saubere Trennung. Wie professionelle Equity-Trader in New York arbeiten, zeigt der Bericht über SMB Capital.
Private Equity bezeichnet Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. Investoren geben einer Firma Eigenkapital, begleiten sie über mehrere Jahre und verkaufen den Anteil später weiter. Der Gegenbegriff ist Public Equity, also das börsengehandelte Eigenkapital. Für Privatanleger ist Private Equity kaum zugänglich, weil Mindestanlagesummen und Haltefristen dagegen stehen. Eine ausführliche Erläuterung steht bei Wikipedia.
Home Equity stammt aus dem Immobilienbereich und meint den Anteil an einer Immobilie, der dir nach Abzug der Restschuld tatsächlich gehört. Wer ein Haus im Wert von 400.000 Euro besitzt und noch 250.000 Euro abzahlt, hat 150.000 Euro Home Equity. In den USA lässt sich dieser Anteil beleihen, in Deutschland ist das unüblich.
Brand Equity schließlich kommt aus dem Marketing und beziffert den Wert einer Marke. Gemeint ist der Aufschlag, den Kunden allein wegen des Namens zu zahlen bereit sind. Mit Eigenkapital im bilanziellen Sinn hat der Begriff nur die Denkfigur gemeinsam, dass etwas nach Abzug aller anderen Faktoren übrig bleibt.
Fazit zum Equity Trading
Equity heißt Eigenkapital, und der Rest ergibt sich aus dem Zusammenhang. In der Bilanz ist es das, was den Eigentümern gehört, am Aktienmarkt sind Equities schlicht Aktien, und im Handelskonto ist Equity der Wert deiner Position samt allem, was gerade schwebt.
Für die tägliche Praxis zählt vor allem die dritte Bedeutung. Wer den Unterschied zwischen Balance und Equity verstanden hat, liest sein Kontofenster richtig und sieht einen Margin Call kommen, bevor er da ist. Und wer mit eigenem Kapital handelt, kauft sich diese Sorge von vornherein ab: Der Verlust ist begrenzt, die Rechnung bleibt einfach, und das ist für den Anfang mehr wert als jeder Hebel.
Fragen & Antworten
Was ist der Unterschied zwischen Balance und Equity?
Die Balance ist der Kontostand aus abgeschlossenen Geschäften und ändert sich nur bei Schließung einer Position, Einzahlung oder Auszahlung. Die Equity rechnet zusätzlich die unrealisierten Gewinne und Verluste aller offenen Positionen hinzu. Ohne offene Position sind beide Werte gleich.
Was sind Equities?
Equities ist die englische Sammelbezeichnung für Aktien als Anlageklasse. Ein Equity Fund ist ein Aktienfonds, Equity Research bezeichnet die Aktienanalyse. Der Begriff grenzt Aktien von Anleihen (Fixed Income) und Rohstoffen (Commodities) ab.
Was ist der Unterschied zwischen Equity Trading und Private Equity?
Equity Trading meint den Handel mit börsennotierten Aktien. Private Equity bezeichnet Beteiligungen an Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, mit Haltedauern von mehreren Jahren. Für Privatanleger ist Private Equity kaum zugänglich.
Woran erkenne ich eine gesunde Equity Curve?
An ihrer Gleichmäßigkeit, nicht an ihrer Steigung. Eine stetig steigende Kurve mit flachen Rückgängen spricht für funktionierendes Risikomanagement. Lange Seitwärtsphasen mit plötzlichen steilen Einbrüchen deuten auf zu große Positionen oder fehlende Verlustbegrenzung hin.
Was bedeutet at Equity?
Die At-Equity-Bewertung ist eine Methode der Konzernbilanzierung nach § 312 HGB. Eine Beteiligung an einem assoziierten Unternehmen wird dabei mit dem Buchwert angesetzt und fortgeschrieben, sobald sich das Eigenkapital dieses Unternehmens ändert. Mit dem Handel an der Börse hat das nichts zu tun.
Brauche ich für Equity Trading viel Startkapital?
Ein Depot lässt sich bei den meisten Brokern ohne Mindesteinlage eröffnen, und Bruchstücke von Aktien machen auch kleine Beträge handelbar. Da ohne Hebel gearbeitet wird, bindet jede Position allerdings ihren vollen Gegenwert. Mit sehr kleinen Konten bleibt die Streuung deshalb begrenzt.
Über den Autor: Bjarne Claussen
Bjarne Claussen schreibt seit 2023 für Kagels Trading. Seine Schwerpunkte sind Prop Trading, algorithmischer Handel, Kryptowerte und makroökonomische Zusammenhänge.
Er handelt algorithmisch in Rohöl und im S&P 500 und baut seine Backtesting-Pipelines selbst in Python. Aus dieser Arbeit stammt sein Blick auf die Equity Curve: Sie ist für ihn die Kennzahl, an der ein Handelssystem zuerst scheitert.
Für diesen Artikel hat er die Begriffsverwendung gegen das Gabler Banklexikon, den Gesetzestext zu § 312 HGB und die Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts geprüft und dabei die fünf Bedeutungen von Equity gegeneinander abgegrenzt, die im Netz regelmäßig durcheinandergehen.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.










