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Prognosemärkte (Prediction Markets): Wie sie funktionieren, was in Deutschland gilt und was Trader daraus lesen

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2026

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13 Min

Christian Möhrer

Überprüft von

Christian Möhrer

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Die zwei größten Prognosemärkte kamen im August 2026 auf mehr als 45 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen, und Leser aus Deutschland dürfen dort nicht mitwetten. Trotzdem sind die Kurse dieser Märkte für Trader interessant: Sie übersetzen Erwartungen zu Zinsentscheiden, Wahlen oder Konjunkturdaten in Wahrscheinlichkeiten, und jeder kann sie ohne Konto ablesen. Hier steht, wie Prognosemärkte funktionieren, was die Aufsicht dazu sagt und wo ihre Grenzen liegen.

Grundlage sind Behördenmitteilungen, Forschung und Plattformunterlagen, ergänzt um Medienberichte. Ich stütze mich auf die Mitteilungen der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder, der europäischen Wertpapieraufsicht ESMA und der BaFin, auf Verfahren der US-Aufsicht CFTC und auf eigene Abrufe der Marktdaten vom 6. Oktober 2026. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Prognosemärkte: das Wichtigste in 30 Sekunden

Die Kernpunkte mit Stand 6. Oktober 2026:

  • Was sie sind: Prognosemärkte bündeln Erwartungen über künftige Ereignisse durch den Handel mit ergebnisabhängigen Kontrakten. Meist sind das Ja-Nein-Kontrakte, deren Preis sich näherungsweise als Wahrscheinlichkeit lesen lässt.
  • Englischer Begriff: Prediction Markets, auch Event Contracts oder Ereigniskontrakte.
  • Rechtslage in Deutschland: Nach der Mitteilung der GGL vom 13. August 2026 sind solche Gesellschaftswetten nicht erlaubnisfähig, die Teilnahme aus Deutschland ist nicht zulässig.
  • Als Finanzprodukt: Gelten Ereigniskontrakte als Finanzinstrument, fallen sie laut ESMA unter die Regeln für binäre Optionen, deren Vertrieb an Privatkunden in Deutschland seit 2019 grundsätzlich verboten ist.
  • Die großen Plattformen: Kalshi und Polymarket gehören zu den größten kommerziellen Prognosemärkten, dazu kommen Ereigniskontrakte bei US-Brokern wie Interactive Brokers.
  • Für Trader nützlich: die öffentlichen Kurse als zusätzliche Datenquelle, etwa zu Fed-Entscheiden neben dem FedWatch Tool.

Was sind Prognosemärkte (Prediction Markets)?

Prognosemärkte bündeln Erwartungen über künftige Ereignisse durch den Handel mit ergebnisabhängigen Kontrakten. In der häufigsten Form zahlt ein Kontrakt bei richtigem Ausgang einen festen Betrag aus, bei falschem nichts, und sein Preis zeigt deshalb ungefähr, für wie wahrscheinlich der Markt das Ereignis hält.

Im Englischen heißen sie Prediction Markets. Gleichbedeutend sind die Begriffe Event Contracts, Ereigniskontrakte oder Vorhersagemärkte. Die deutsche Aufsicht spricht dagegen von Gesellschaftswetten, sobald auf gesellschaftliche, politische oder wirtschaftliche Ereignisse gesetzt wird. Schon die Wortwahl zeigt den Streit: Die Plattformen sehen sich als Börse, die Glücksspielaufsicht sieht eine Wette.

Neu ist die Idee nicht. Bereits 1988 startete die Universität Iowa die Iowa Electronic Markets, einen Forschungsmarkt mit echtem Geld, auf dem Teilnehmer mit kleinen Einsätzen auf Wahlausgänge setzten. Die Ökonomen Justin Wolfers und Eric Zitzewitz fassten den Forschungsstand 2004 im Journal of Economic Perspectives zusammen: Marktbasierte Prognosen seien in der Regel recht genau und schlügen die meisten mäßig anspruchsvollen Vergleichsverfahren. Das ist der Kern des Versprechens, und genau daran messen sich die heutigen Plattformen.

Die US-Wahl 2024 machte vor allem Polymarket einem breiten Publikum bekannt. Seitdem zitieren Medien und Analysten die Kurse der großen Plattformen als Wahrscheinlichkeitsmaß. Anders als eine Umfrage misst ein Kurs dabei keine repräsentative Meinung, sondern das, worauf Teilnehmer Geld setzen. Die Angebote reichen heute von Sport und Krypto bis zu Wirtschaftsdaten.

Wie funktionieren Prognosemärkte?

Jeder Markt stellt eine Ja-Nein-Frage mit festem Stichtag. Etwa: Belässt die Fed den Leitzins bei ihrer nächsten Sitzung unverändert? Wer mit Ja rechnet, kauft den Ja-Kontrakt, wer mit Nein rechnet, den Nein-Kontrakt. Am Stichtag zahlt der richtige Kontrakt einen US-Dollar aus, der falsche verfällt wertlos.

Der Preis lässt sich näherungsweise als Wahrscheinlichkeit lesen. 82 Cent bei einem Dollar möglicher Auszahlung entsprechen etwa 82 Prozent. Gebühren, dünner Handel und die Handelsspanne können diese Lesart verzerren. Diese Spanne, der Spread, ist der Abstand zwischen höchstem Kaufangebot und niedrigstem Verkaufsangebot desselben Kontrakts: Steht Ja bei 80 Cent Geld und 82 Cent Brief, beträgt er zwei Cent.

Gehandelt wird gegen andere Teilnehmer, nicht gegen einen Buchmacher. Käufer und Verkäufer treffen sich in einem Orderbuch wie an einer Börse. Vor dem Stichtag lässt sich eine Position verkaufen, sofern es Gegenorders gibt. Der Betreiber verdient an Gebühren auf die Trades, nicht am Ausgang.

Am Ende entscheidet jemand über das Ergebnis, und das ist eine Schwachstelle. Bei Kalshi stellt das Team der Börse den Ausgang nach schriftlichen Marktregeln fest, bei Polymarket ein Abstimmungsverfahren auf der Blockchain. Lässt der Wortlaut einer Frage Spielraum, kann ein Markt anders ausgehen, als die Mehrheit erwartet hat. Wer die Regeln nicht liest, handelt die Frage, die er zu verstehen glaubt, nicht die, die tatsächlich gestellt ist.

Nach Einordnung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder sind Gesellschaftswetten auf politische, gesellschaftliche oder wirtschaftliche Ereignisse in Deutschland nicht erlaubnisfähig, die Teilnahme aus Deutschland ist nicht zulässig und kann strafbar sein. Bei einem konkreten Angebot kommt es auf dessen Ausgestaltung an, und als Finanzprodukt fallen solche Kontrakte grundsätzlich unter das Verbot binärer Optionen für Privatkunden.

Die Glücksspielaufsicht hat sich klar geäußert. In ihrer Mitteilung vom 13. August 2026 stellt die GGL fest, dass Gesellschaftswetten in Deutschland nicht erlaubnisfähig sind. Die Teilnahme aus Deutschland sei daher nicht zulässig und könne strafbar sein. Gleichzeitig betont die Behörde, dass bei einem konkreten Angebot dessen Ausgestaltung und Zugänglichkeit aus Deutschland geprüft werden.

Prognosemärkte in Deutschland: Mitteilung der GGL vom 13. August 2026, Gesellschaftswetten nicht erlaubnisfähig
Die Mitteilung der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder vom 13. August 2026: Gesellschaftswetten sind in Deutschland nicht erlaubnisfähig, die Teilnahme kann strafbar sein. Screenshot vom 06.10.2026.

Die Begründung steht in den Fragen und Antworten der Behörde. Erlaubnisfähig sind nach dem Glücksspielstaatsvertrag nur Sport- und Pferdewetten. Gesellschaftswetten gelten laut den FAQ der GGL als besonders manipulationsanfällig, weil viele Ereignisse schwer überprüfbar oder von Teilnehmern beeinflussbar sind. Ansprüche auf Auszahlung lassen sich bei unerlaubten Anbietern nach Angabe der GGL in der Regel nicht durchsetzen. Gegen solche Angebote kann die Behörde unter anderem Netzsperren und Zahlungsverbote gegenüber Finanzdienstleistern einsetzen.

Auch beim Weg über einen Broker bleiben enge Grenzen. Qualifiziert ein Ereigniskontrakt als Finanzinstrument, ist er nach einer Stellungnahme der ESMA vom 3. Juli 2026 ein Derivat und fällt wegen seines Ja-Nein-Ausgangs unter die nationalen Maßnahmen gegen binäre Optionen. In Deutschland verbietet die BaFin per Allgemeinverfügung seit Juli 2019 Vermarktung, Vertrieb und Verkauf binärer Optionen an Privatkunden. Ausgenommen sind nur Produkte, die eng gefasste Bedingungen erfüllen, darunter mindestens 90 Tage Laufzeit, ein veröffentlichter Prospekt und kein Marktrisiko beim Anbieter. Das Verbot richtet sich an die Anbieter, nicht als Strafvorschrift an die Kunden. Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Austausch der Aufsichten im deutschsprachigen Raum

Die Behörden im deutschsprachigen Raum stimmen sich ab. Am 9. und 10. September 2026 trafen sich die Glücksspielaufsichten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und Liechtenstein in Bern. Laut Bericht der GGL ging es dabei ausdrücklich um Prognosemärkte als neues Geschäftsmodell und um die Frage ihrer Einordnung. Eine gemeinsame Rechtsauffassung wurde nicht veröffentlicht. Für Leser in Österreich und der Schweiz lässt sich daraus keine Aussage zur Zulässigkeit im eigenen Land ableiten.

Die wichtigsten Prognosemärkte im Überblick

Kalshi und Polymarket gehören zu den größten kommerziellen Prognosemärkten. Laut The Block verzeichneten Kalshi, Polymarket und Polymarket US im August 2026 zusammen 45,33 Milliarden US-Dollar Handelsvolumen, 14,5 Prozent weniger als im Juli. Kalshi kam auf 37,17 Milliarden, Polymarket auf 8,16 Milliarden. Daneben bieten US-Broker eigene Zugänge an.

PlattformAufbauAbrechnung
KalshiUS-Börse, CFTCUS-Dollar
Polymarket internationalBlockchainUSDC
Polymarket USBörse QCX, CFTCUS-Dollar
IBKR ForecastExUS-Börse, CFTCUS-Dollar
Stand 06.10.2026. In Deutschland hat keine der Plattformen eine Erlaubnis für Gesellschaftswetten.

Kalshi: die regulierte US-Börse

Kalshi ist der größte Prognosemarkt. Die Terminmarktaufsicht CFTC hat die Börse im November 2020 zugelassen, gehandelt wird in US-Dollar. Deutschland fehlt auf Kalshis Sperrliste, eine Freigabe ist das nach unserer Lesart des Mitgliedsvertrags nicht. Alles Weitere steht im Artikel Kalshi in Deutschland.

Polymarket: der Krypto-Prognosemarkt

Polymarket rechnet in der Kryptowährung USDC ab. Der internationale Teil läuft über eine Blockchain und ist aus Deutschland erreichbar, in den USA ist die Plattform seit 2025 über die übernommene Börse QCX zugelassen. Funktionsweise, Gebühren und Rechtslage erklärt unser Polymarket-Bericht.

Prognosekontrakte bei Brokern

Auch klassische Broker steigen ein. Interactive Brokers bündelt seit Mai 2026 Kalshi, CME Group und die eigene Börse ForecastEx, bei der irischen Gesellschaft allerdings nur für professionelle Kunden, und der US-Broker Tastytrade handelt seine Prediction Markets über Kalshi. Für Privatkunden in Deutschland gilt dabei dieselbe Einordnung wie oben: Glücksspiel nach Ansicht der GGL oder binäre Option nach den Regeln der ESMA.

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Was Trader aus Prognosemärkten lesen können

Für mich sind Prognosemärkte vor allem eine Datenquelle. Die Kurse sind öffentlich, aktuell und in Prozent ausgedrückt. Wer Zinsentscheide, Inflationsdaten oder Wahlen im Blick hat, bekommt damit eine zweite Meinung zu den Erwartungen, die in Anleihen, Devisen und Indizes eingepreist sind.

Das Prinzip ist der Vergleich mit etablierten Quellen. Für Zinsentscheide ist das das CME FedWatch Tool, das Wahrscheinlichkeiten aus den Preisen der Fed Funds Futures ableitet. Liegen beide Quellen nah beieinander, zeigen zwei verschiedene Märkte ähnliche Wahrscheinlichkeiten. Einen dokumentierten Vergleich zur Fed-Sitzung im Oktober 2026 zeigt unser Kalshi-Artikel. Weichen die Werte deutlich voneinander ab, lohnt der Blick auf die Ursache: dünner Handel, neue Nachrichten oder unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Die Grenzen sind genauso wichtig wie der Nutzen. Abseits der großen Themen sind viele Märkte dünn gehandelt, und ein einzelner großer Auftrag kann den Kurs verschieben. Über das Ergebnis entscheidet der Wortlaut der Frage, und der kann von der naheliegenden Lesart abweichen. Und ein Kurs ist eine Erwartung, keine Vorhersage: Auch ein Ereignis mit 18 Prozent Wahrscheinlichkeit tritt regelmäßig ein.

Dazu kommt das Insiderproblem. Wer vorab weiß, wie ein Ereignis ausgeht, kann auf Prognosemärkten direkt daraus Kapital schlagen. Die US-Aufsicht CFTC verfolgt solche Fälle inzwischen: Im Mai 2026 verklagte sie einen Google-Mitarbeiter, der mit vertraulichem Wissen auf Polymarket rund 1,2 Millionen US-Dollar verdient haben soll. Im August 2026 verhängte sie gegen einen Teleprompter-Bediener des Weißen Hauses 172.000 US-Dollar wegen Insiderhandels mit Kalshi-Kontrakten. Ungewöhnliche Kurssprünge sind deshalb nicht immer ein Signal der Masse, manchmal sind sie das Signal Einzelner.

Erwartungen bilden auch regulierte Terminmärkte ab. Zinserwartungen stecken in den Preisen der Fed Funds Futures, Ereignisrisiken in den Preisen von Optionen, und beides wird an zugelassenen Terminbörsen gehandelt. Funktionsweise und Risiken unterscheiden sich deutlich von Ereigniskontrakten. Wie das funktioniert, erklärt unser Ratgeber zum Futures-Handel. Zugang und Eignung hängen vom Broker und von deinen Voraussetzungen ab.

Prognosemärkte: Stärken und Schwächen im Überblick

Die Stärken liegen in der Information, die Schwächen im Handel. Für Leser in Deutschland kommt hinzu, dass die Teilnahme nach Einschätzung der Aufsicht nicht zulässig ist.

Stärken von Prognosemärkten

  • Wahrscheinlichkeit auf einen Blick: der Kurs zeigt, was der Markt einem Ereignis zutraut
  • Öffentlich und aktuell: die Kurse sind ohne Konto einsehbar und reagieren sofort auf Nachrichten
  • Forschung spricht dafür: marktbasierte Prognosen gelten seit Jahrzehnten als recht genau
  • Zusätzliche Datenquelle: neben Terminmärkten und Umfragen eine zweite Lesart der Erwartungen

Schwächen von Prognosemärkten

  • In Deutschland nicht zulässig: die GGL stuft Gesellschaftswetten als nicht erlaubnisfähig ein
  • Binäre Option für Kleinanleger: als Finanzprodukt greift grundsätzlich das BaFin-Verbot von 2019
  • Wortlaut entscheidet: strittige Formulierungen können zu unerwarteten Ergebnissen führen
  • Dünne Märkte: abseits großer Themen bewegt ein einzelner Auftrag den Kurs
  • Insiderhandel möglich: Wissensvorsprung lässt sich direkt in Gewinn umsetzen
  • Totalverlust: endet ein Markt gegen dich, ist der Einsatz vollständig verloren
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Wie groß ist der Markt für Prognosemärkte?

Der Markt ist in zwei Jahren von einer Nische zu einem Milliardengeschäft gewachsen. Allein Kalshi und Polymarket setzten im August 2026 mehr als 45 Milliarden US-Dollar um. Der Börsenbetreiber ICE, Muttergesellschaft der New Yorker Börse, kündigte im Oktober 2025 an, bis zu 2 Milliarden US-Dollar in Polymarket zu investieren. Für Kalshi berichtete CoinDesk im August 2026 über Finanzierungsgespräche bei einer angestrebten Bewertung von rund 40 Milliarden US-Dollar.

Mit der Größe wächst der Gegenwind. In den USA streiten Bundesstaaten mit den Plattformen darüber, ob Ereigniskontrakte Glücksspiel sind. So forderte die Glücksspielaufsicht von New Jersey Kalshi im März 2025 per Unterlassungsaufforderung auf, keine Sportkontrakte mehr anzubieten. Kalshi verweist auf die Zuständigkeit der Bundesaufsicht CFTC. In Europa prüfen die Aufsichtsbehörden die Angebote, und die Glücksspielaufsichten im deutschsprachigen Raum beraten gemeinsam. Wohin das führt, ist offen. Diesen Artikel aktualisieren wir, sobald sich die Rechtslage in Deutschland ändert.

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Fazit: Prognosemärkte lesen, aber in Deutschland nicht handeln

Prognosemärkte machen Erwartungen sichtbar, und das ist ihr eigentlicher Wert. Die Idee ist seit den Iowa Electronic Markets von 1988 erforscht, und die großen Plattformen liefern heute in Echtzeit Wahrscheinlichkeiten zu Zinsen, Daten und Wahlen.

Für Leser aus Deutschland ist die Einordnung der Aufsicht klar. Die GGL stuft die Teilnahme an Gesellschaftswetten als nicht zulässig ein, und als Finanzprodukt fallen solche Kontrakte grundsätzlich unter das Verbot binärer Optionen für Privatkunden. Die US-Zulassung einer Plattform ersetzt keine deutsche Erlaubnis.

Mein Urteil: als zusätzliche Datenquelle nützlich, als Handelsplatz für deutsche Trader nicht. Die öffentlichen Kurse ergänzen das Bild, das die regulierten Terminmärkte von den Erwartungen zeichnen, und eignen sich als Gegenprobe.

Häufige Fragen zu Prognosemärkten

Was ist ein Prognosemarkt?

Ein Markt für Wetten auf künftige Ereignisse. Teilnehmer kaufen Ja- oder Nein-Kontrakte, die bei richtigem Ausgang einen festen Betrag auszahlen. Der Preis zeigt, für wie wahrscheinlich der Markt das Ereignis hält. Im Englischen heißt das Prediction Market.

Sind Prediction Markets in Deutschland erlaubt?

Für Wetten auf Politik, Gesellschaft und Wirtschaft nach Einschätzung der Aufsicht nicht. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder hat am 13. August 2026 erklärt, dass Gesellschaftswetten nicht erlaubnisfähig sind und die Teilnahme aus Deutschland nicht zulässig ist und strafbar sein kann. Als Finanzprodukt fallen solche Kontrakte laut ESMA grundsätzlich unter das Verbot binärer Optionen für Privatkunden.

Was ist der Unterschied zwischen Prognosemarkt und Sportwette?

Gegenpartei und Erlaubnis. Bei einer Sportwette setzt der Buchmacher die Quote, auf einem Prognosemarkt handeln Teilnehmer gegeneinander über ein Orderbuch. In Deutschland sind Sportwetten bei Anbietern mit Erlaubnis zulässig, Gesellschaftswetten auf Politik oder Wirtschaft dagegen nicht erlaubnisfähig.

Wie genau sind Prognosemärkte?

Oft recht genau, aber nicht unfehlbar. Die Ökonomen Wolfers und Zitzewitz kamen 2004 zu dem Schluss, dass marktbasierte Prognosen meist recht genau sind und die meisten mäßig anspruchsvollen Vergleichsverfahren schlagen. Dünne Märkte, unklare Fragen und Insiderhandel können die Kurse aber verzerren.

Welche Prognosemärkte gibt es?

Zwei große Plattformen und Zugänge über Broker. Zu den größten kommerziellen Plattformen gehören Kalshi und Polymarket. Dazu kommen Prognosekontrakte bei US-Brokern wie Interactive Brokers über deren Börse ForecastEx. In Deutschland hat keine davon eine Erlaubnis für Gesellschaftswetten.

Kann man mit Prognosemärkten Geld verdienen?

Gewinne sind möglich, Verluste bis zum vollständigen Einsatz ebenso. Vor Gebühren gleichen sich Gewinne und Verluste aller Teilnehmer aus, die Gebühren verschlechtern das Gesamtergebnis. Für Leser aus Deutschland stellt sich die Frage zudem nicht, weil die Teilnahme nach Einschätzung der GGL nicht zulässig ist. Nutzen bringen die öffentlichen Kurse als Datenquelle.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader an den Märkten.

Sein Handel kommt ohne technische Indikatoren aus. Er tradet Forex-Majors und -Minors allein auf Basis von Kursverlauf und Marktstruktur. In den 1980er Jahren übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Diese Fassung stützt sich auf folgende Quellen. Die rechtliche Einordnung folgt der Mitteilung der GGL vom 13. August 2026, ihren Fragen und Antworten zu Gesellschaftswetten, ihrem Bericht zum DACHL-Treffen vom September 2026, der Stellungnahme der ESMA vom 3. Juli 2026 und der BaFin-Allgemeinverfügung zu binären Optionen. Insiderfälle stammen aus Mitteilungen der CFTC, Volumenzahlen von The Block, die Forschungsaussage aus dem Journal of Economic Perspectives. Dieser Text ist keine Rechtsberatung und keine Anlageberatung. Stand: 6. Oktober 2026.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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