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Michael Platt: wie der BlueCrest-Gründer seine Kunden entließ und nur noch eigenes Geld handelt

Zuletzt aktualisiert: 19. Oktober 2026

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13 Min

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Im Dezember 2015 gab Michael Platt seinen Anlegern ihr Geld zurück, und zwar alles. Seitdem handelt sein Hedgefonds BlueCrest Capital fast nur noch das Vermögen des Gründers und einiger Partner. Nach Presseberichten wurde der Rückzug zur erfolgreichsten Phase seiner Laufbahn: Forbes schätzt Platts Vermögen heute auf rund 21 Milliarden Dollar.

Platt ist zugleich einer der verschwiegensten Trader seiner Generation. In diesem Porträt bekommst du die belegten Fakten statt der Social-Media-Legenden: seinen Weg von JP Morgan zu BlueCrest, die 3-Prozent-Regel, mit der er seine Trader an der kurzen Leine hielt, die Strafen von SEC und FCA, den Steuerstreit mit der britischen Steuerbehörde und das, was du davon für dein eigenes Trading mitnehmen kannst. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Michael Platt: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Gründer von BlueCrest: Platt gründete BlueCrest 2000 mit William Reeves, nach rund acht Jahren als Zinsderivate-Händler bei JP Morgan.
  • Seit Ende 2015 ein Family Office: BlueCrest gab alle fremden Gelder zurück. Seitdem ist Platt faktisch der einzige Kunde seiner eigenen Firma.
  • Strenge Verlustgrenze: Laut „Hedge Fund Market Wizards“ (2012) halbiert ein Verlust von 3 Prozent des Startkapitals die Zuteilung eines Traders, nach weiteren 3 Prozent ist sie weg.
  • Ärger mit den Behörden: BlueCrest zahlte 2020 an die US-Börsenaufsicht 170 Millionen Dollar. Im Steuerstreit um die Partnerstruktur gewann die britische Steuerbehörde 2026 vor dem Supreme Court.
  • Vermögen: Forbes schätzt Platt auf 20,9 Milliarden Dollar (Stand 19.10.2026).

Wer Michael Platt ist

Michael Platt ist ein britischer Trader und Hedgefonds-Gründer, der im Jahr 2000 BlueCrest Capital mitgründete und die Firma 2015 in ein Family Office umbaute, das vor allem sein eigenes Vermögen handelt.

Platt gilt als Spezialist für Zinsmärkte und als Risikomanager mit ungewöhnlich harten Regeln. Einer breiten Trader-Öffentlichkeit wurde er 2012 bekannt, als Jack Schwager ihn für das Buch „Hedge Fund Market Wizards“ interviewte. Sein Kapitel trägt den Titel „The Art and Science of Risk Control“. In derselben Reihe stehen Paul Tudor Jones und andere Größen des Global-Macro-Handels.

NameMichael Edward Platt
GeborenMärz 1968 (britisches Handelsregister)
HerkunftPreston, Lancashire (laut Lokalpresse)
AusbildungLondon School of Economics (laut Forbes)
StationenJP Morgan (rund acht Jahre), BlueCrest Capital (seit 2000)
MärkteZinsen und Anleihen; bei BlueCrest auch systematische Trendfolge
Bekannt aus„Hedge Fund Market Wizards“ (2012), Kapitel 8
Vermögen20,9 Mrd. Dollar (Forbes, Stand 19.10.2026)

Werdegang: von Preston über die LSE zu JP Morgan

Den Weg an die Börse zeigte ihm seine Großmutter. Sie handelte Aktien, und über sie kam Platt zum Aktienhandel, erzählt er Schwager. Nach Berichten der Lokalpresse wuchs er in einer Arbeiterfamilie am Rand von Preston in Nordengland auf. Laut Forbes schloss er an der London School of Economics ab.

Danach folgten rund acht Jahre bei JP Morgan, in denen Platt ein breites Spektrum von Zinsderivaten handelte. Er stieg bis zum Managing Director in London auf und leitete dort den Eigenhandel mit Relative-Value-Strategien. Schwager beschreibt diese Jahre als außerordentlich profitabel.

Relative Value bezeichnet Handelsstrategien, die nicht auf die Richtung eines Marktes setzen, sondern auf die Preisdifferenz zwischen zwei eng verwandten Wertpapieren.

Im Jahr 2000 verließ Platt die Bank gemeinsam mit seinem Kollegen William Reeves und gründete BlueCrest. Ein Detail aus dem späteren Steuerstreit zeigt, wie sehr ihn die Bank geprägt hat: Das Bonusprogramm, das er für seine Partner baute, war nach seiner Aussage vor Gericht dem Bonus-Aufschubprogramm von JP Morgan nachgebildet.

BlueCrest: vom Hedgefonds zum Family Office

BlueCrest wuchs schnell zu einem der größten Hedgefonds Europas. Ende 2011 verwaltete die Firma nach Platts Angabe bei Schwager rund 29 Milliarden Dollar, etwa zur Hälfte in diskretionären und in systematischen Strategien. Den systematischen Teil bildete der Trendfolgefonds BlueTrend unter der Fondsmanagerin Leda Braga. Mehr zum Hintergrund findest du bei BlueCrest Capital Management.

2008 wurde für die Anleger das bis dahin erfolgreichste Jahr der Firmengeschichte. Trotzdem zogen viele Anleger Geld ab, sagt Platt, weil sie es nirgendwo sonst herausbekamen. In den Jahren danach geriet die Branche unter Gebührendruck. Ende 2015 zog Platt die Konsequenz.

Ein Family Office ist eine Gesellschaft, die das Vermögen einer einzelnen Person oder Familie verwaltet und kein Geld von außen annimmt.

Im Dezember 2015 wurden alle BlueCrest-Fonds für externe Anleger geschlossen und das Kapital zurückgezahlt, so steht es im Urteil des britischen Supreme Court von 2026. Seither ist Platt nach Aussage der Firma im Kern ihr einziger Kunde, neben ihm hält nur ein kleiner Kreis von Partnern Anteile. Ein Gerichtsurteil von 2022 nennt 3,9 Milliarden Dollar Eigenkapital in der Gruppe, mit dem die Trader über Kapitalzuteilungen von zusammen rund 15 Milliarden Dollar handelten, also mit deutlichem Hebel. Platt sagte selbst aus, seit der Privatisierung sei die Risikobereitschaft gestiegen.

Die 3-Prozent-Regel: wie Platt seine Trader an der kurzen Leine hält

„Ich hasse es mehr als alles andere, Geld zu verlieren“, sagt Platt bei Schwager, und Verluste seien das, was einen umbringt. Risikokontrolle nennt er den wichtigsten Punkt überhaupt. Bei BlueCrest goss er diese Haltung in eine starre Regel für jeden diskretionären Trader. Die Grafik darunter zeigt, wie sie an einem Rechenbeispiel greift.

Michael Platt Risikoregel bei BlueCrest: nach 3 Prozent Verlust halbiert sich die Kapitalzuteilung, nach weiteren 3 Prozent wird sie entzogen
Zwei Eingriffsschwellen nach dem Stand von 2012: Ziel ist, die Verluste eines Traders unter 5 Prozent seines Startkapitals zu halten.

Schon 3 Prozent Verlust auf das Startkapital genügen, damit die Kapitalzuteilung eines Traders halbiert wird. Derselbe kleine Verlust noch einmal, und die Zuteilung ist weg. Weil die zweiten 3 Prozent nur noch auf die halbierte Zuteilung anfallen, ergibt das im vereinfachten Beispiel rund 4,5 Prozent des ursprünglichen Handelsbudgets. Schwager beschreibt die Regeln als Versuch, Verluste eines Traders unter 5 Prozent seines Startkapitals zu halten. Eine Garantie ist das nicht: Kurssprünge können über die Schwellen hinausgehen, und die Zahlen beschreiben den Stand des Buchs von 2012.

Eine Kapitalzuteilung ist der Betrag, mit dem ein angestellter Trader im Namen des Fonds handeln darf, ohne dass es sein eigenes Geld ist.

Die Regel wirkt vor allem am Jahresanfang. Sie zwingt die Trader, vorsichtig zu beginnen, bis sie ein Gewinnpolster haben. Das Ergebnis beschreibt Schwager mit Zahlen bis Ende 2011: Die diskretionäre Strategie brachte im Schnitt knapp 14 Prozent pro Jahr netto, und der größte Rückgang in elf Jahren lag unter 5 Prozent, die Finanzkrise 2008 eingeschlossen. Wie du dein eigenes Risiko je Trade festlegst, steht in unserem Leitfaden zum Risikomanagement im Trading.

Platts Handelsstil: billig kaufen, zum fairen Wert verkaufen

Seinen Stil fasst Platt in einem Satz zusammen: Er kaufe gern Dinge billig und verkaufe sie zu ihrem fairen Wert. Das klingt nach Aktien-Value-Investing, gemeint sind bei ihm aber vor allem Zinsmärkte, also Anleihen und Zinsderivate, in denen er Fehlbewertungen zwischen Laufzeiten und Instrumenten sucht.

Daneben beschäftigte er sich intensiv mit systematischem Handel. Den beschreibt er als „Forschungskrieg“: Ein Handelssystem verliert mit der Zeit seinen Vorsprung, wenn es nicht ständig weiterentwickelt wird. Die BlueTrend-Strategie kam laut Schwager auf einen größten Rückgang von unter 13 Prozent und gehörte damit zu den besten Trendfolgern ihrer Zeit, blieb aber deutlich hinter der diskretionären Sparte zurück. Wie Trendfolge funktioniert, erklärt unser Beitrag zu den Trendfolgestrategien.

Für Makro-Trader formuliert er eine nüchterne Grenze: Wer eine falsche Meinung zu den Zinsen hat, kann sich dagegen nicht absichern. Darum muss das Risiko schon bei der Positionsgröße stimmen, nicht erst beim Ausstieg. Wie der Ansatz insgesamt funktioniert, liest du in unserem Beitrag zu Global Macro.

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Die Renditen seit 2016: was belegt ist und was nicht

Für die Zeit seit 2016 liegen keine öffentlich zugänglichen, geprüften Fondsberichte vor. Was über die Renditen bekannt ist, stammt aus Presseberichten, die sich auf Personen aus dem Umfeld berufen. Forbes nennt für 2020 ein Plus von 95 Prozent und für 2022 von 153 Prozent. Für 2025 meldete Bloomberg laut Hedgeweek 73 Prozent.

Diese Zahlen sind nicht mit einem Publikumsfonds vergleichbar. BlueCrest rechnet die Rendite auf das eingesetzte Kapital, nicht auf das gesamte Vermögen, und die Trader handeln mit Hebel. Dass das auch nach unten wirkt, zeigt eine Episode aus den Gerichtsakten: Im Oktober 2021 verlor der Fonds binnen sehr kurzer Zeit fast 500 Millionen Dollar.

Immer wieder liest man im Netz andere Werte, etwa „rund 50 Prozent“ für 2020 oder Jahreszahlen für 2016, 2017 und 2019. Für diese Angaben haben wir keine belastbare Quelle gefunden und lassen sie deshalb weg. Belegt ist vor allem das Ergebnis: Platts Vermögen ist seit der Rückgabe des Fremdkapitals stark gewachsen. Wie solche Zahlen im Vergleich zu anderen Tradern aussehen, zeigt unsere Übersicht zur Trading-Performance der besten Trader der Welt.

SEC und FCA: die Strafe für verschobene Trader

Der größte Makel in Platts Bilanz betrifft die Zeit vor 2015. Im Dezember 2020 einigte sich BlueCrest mit der US-Börsenaufsicht SEC auf eine Zahlung von 170 Millionen Dollar, ohne ein Fehlverhalten einzuräumen. Der Vorwurf laut Pressemitteilung der SEC: BlueCrest habe von Oktober 2011 bis Dezember 2015 die besten Trader aus dem Kundenfonds BlueCrest Capital International in den hauseigenen Fonds BSMA verlegt und im Kundenfonds durch einen Algorithmus ersetzt.

Dieser Algorithmus brachte nach Darstellung der SEC deutlich weniger Gewinn bei höheren Schwankungen als die menschlichen Trader. An BSMA waren Mitglieder der Führung zu 93 Prozent beteiligt, der Fonds erreichte in der Spitze 1,79 Milliarden Dollar. Platt selbst wird in der Anordnung der SEC nicht namentlich genannt.

Die britische Finanzaufsicht FCA verfolgte denselben Sachverhalt. Im Oktober 2025 einigte sie sich mit BlueCrest auf 101 Millionen Dollar Entschädigung für Anleger außerhalb der USA und eine öffentliche Rüge statt einer Geldbuße, so die Mitteilung der FCA. BlueCrest zog dafür eine bereits eingelegte Revision zurück.

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Der Steuerstreit mit HMRC: was die Gerichte entschieden haben

Mit der britischen Steuerbehörde HMRC streitet BlueCrest seit Jahren auf mehreren Ebenen. In der Presse ist oft pauschal von einer verlorenen 200-Millionen-Pfund-Rechnung die Rede. Die Urteile zeigen ein genaueres Bild mit drei getrennten Verfahren.

Ein „Salaried Member“ ist im britischen Steuerrecht ein Mitglied einer Partnerschaftsgesellschaft, das steuerlich wie ein Angestellter behandelt wird, weil es im Wesentlichen ein festes Entgelt bezieht und kaum Einfluss auf die Gesellschaft hat.

Das wichtigste Verfahren betrifft die Firma, nicht Platt persönlich. Am 1. Juli 2026 wies der UK Supreme Court die Revision der BlueCrest Capital Management (UK) LLP einstimmig ab. HMRC hatte für die Steuerjahre 2014 bis 2019 Lohnsteuer von rund 142 Millionen Pfund und Sozialabgaben von rund 55,3 Millionen Pfund festgesetzt, weil viele Trader der LLP in Wahrheit wie Angestellte bezahlt worden seien. Laut Urteil [2026] UKSC 18 zählt für den Einfluss eines Mitglieds nur rechtlich abgesicherter Einfluss aus der verbindlichen Ordnung der LLP, bloß faktischer Einfluss genügt nicht. Platt selbst war kein Mitglied dieser LLP. Welche einzelnen Trader betroffen sind, muss nun wieder die erste Instanz klären, die endgültige Summe ist damit offen.

Persönlich unterlag Platt in einem zweiten Verfahren schon 2023. Dort ging es um das Bonusprogramm für Partner. Der Court of Appeal entschied im Dezember 2023, dass Auszahlungen daraus an Platt und andere Partner als Einkommen zu versteuern sind, so steht es im Urteil [2023] EWCA Civ 1481. Einen Betrag für Platt nennt das Urteil nicht. Ein drittes Verfahren um eine Gesellschaftsstruktur auf den Cayman Islands verloren die betroffenen BlueCrest-Firmen ebenfalls 2023, dort fordert HMRC rund 32 Millionen Pfund Körperschaftsteuer.

BlueCrest reagierte auf das Urteil von 2026 mit dem Satz, Großbritannien sei kein ernstzunehmender Standort mehr für Geschäfte. Für die Einordnung wichtig: Die hier besprochenen Entscheidungen betreffen die steuerliche Behandlung der Strukturen und Zahlungen, keine strafrechtliche Verurteilung wegen Steuerhinterziehung. Beim Bonusprogramm stellten die Gerichte allerdings fest, dass die Verringerung der Einkommensteuer zu den Hauptzielen gehörte.

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Was Trader von Michael Platt lernen können

Platt handelt mit Milliarden und einem Team. Seine wichtigste Regel funktioniert trotzdem auch auf einem Privatkonto. Übertragen heißt sie: Lege eine feste Verlustgrenze für dein Konto fest, ab der du automatisch kleiner wirst, und eine zweite, ab der du pausierst.

Der Vorteil liegt in der Automatik. Die Entscheidung, kleiner zu handeln, fällt nicht in dem Moment, in dem du nach Verlusten aufholen willst, sondern vorher, mit kühlem Kopf. Wer 10.000 Euro handelt, könnte die Größe zum Beispiel nach 300 Euro Verlust halbieren und nach weiteren 150 Euro bis zum Monatsende aussetzen. Wie du die Positionsgröße dafür berechnest, steht in unserem Ratgeber zur Positionsgröße im Trading.

Der zweite Punkt ist die Trennung von Analyse und Risiko. Platt beurteilt seine Trader nicht nach ihren Ideen, sondern nach ihren Verlusten. Auch für dich gilt: Eine gute Marktmeinung schützt dich nicht vor einem schlechten Trade. Festgeschriebene Grenzen gehören deshalb in deinen Trading-Plan.

Grenzen der Legende: was Platts Erfolg nicht zeigt

Die spektakulären Renditen seit 2016 lassen sich nicht nachprüfen. Es gibt keine öffentlichen Fondsberichte, und die Prozentzahlen beziehen sich auf eingesetztes Kapital mit Hebel. Ein Privattrader, der solche Werte als Maßstab nimmt, vergleicht sich mit etwas, das er nicht sehen kann.

Platts Regel setzt eine Organisation voraus, die ein Einzelner nicht hat. Bei BlueCrest kürzt die Firma das Kapital eines Traders, nicht der Trader sich selbst. Auf deinem eigenen Konto musst du beides sein, Trader und Risikomanager, und genau dort scheitern die meisten. Dazu kommt der Survivorship Bias: Wir lesen über BlueCrest, nicht über die vielen Hedgefonds, die mit ähnlichen Ansätzen in derselben Zeit aufgaben.

Und schließlich gehören die Strafen zur Bilanz. Der Erfolg der Firma war nicht frei von Interessenkonflikten, wie das SEC-Verfahren zeigt. Ein ausgezeichneter Risikomanager ist nicht automatisch ein guter Treuhänder für fremdes Geld.

Fazit: was von Michael Platt bleibt

Michael Platt ist der Trader, der seine Kunden entließ und seitdem nur noch für sich selbst handelt. Hinter dem Erfolg steht weniger eine geheime Strategie als eine unbequeme Regel: Verluste werden früh und automatisch begrenzt, und Risiko gibt es nur für den, der vorher Gewinne gemacht hat. Die Schattenseiten sind dokumentiert, von der SEC-Strafe bis zum verlorenen Steuerstreit der Firma.

Ich handle seit 1980 auch Zinsmärkte, aber diskretionär nach Price Action und mit eigenem Geld. Platts gestaffelte Verlustgrenze halte ich für die nützlichste Idee in diesem Porträt. Sie nimmt dem Trader die Entscheidung ab, die er nach einer Verlustserie am schlechtesten treffen kann: ob er weitermacht wie bisher. Gerade für Privattrader ohne Risikoabteilung ist eine solche feste Regel der einfachste Schutz vor dem Nachlegen im Verlust.

Wenn du einen Satz mitnimmst, dann diesen: Lege fest, ab welchem Verlust du kleiner wirst, bevor du ihn erleidest. Weitere Porträts großer Trader findest du in unserer Übersicht der Trading-Experten.

Häufige Fragen zu Michael Platt

Wer ist Michael Platt?

Michael Platt ist ein britischer Trader und Gründer des Hedgefonds BlueCrest Capital. Er gründete BlueCrest 2000 zusammen mit William Reeves, nachdem er rund acht Jahre bei JP Morgan Zinsderivate gehandelt hatte. Seit 2015 handelt BlueCrest vor allem sein eigenes Vermögen.

Wie reich ist Michael Platt?

Forbes schätzt Michael Platts Vermögen auf 20,9 Milliarden Dollar, Stand 19. Oktober 2026. Damit gehört er zu den reichsten Briten. Der größte Teil stammt aus seinem Kapital bei BlueCrest.

Warum hat BlueCrest 2015 das Geld der Anleger zurückgegeben?

Im Dezember 2015 schloss BlueCrest alle Fonds für externe Anleger und zahlte das Kapital zurück. Die Nachrichtenagentur Reuters nannte damals Gebührendruck, steigende Kosten und eine schwache Wertentwicklung als Hintergrund. Seitdem ist Platt faktisch der einzige Kunde.

Welche Risikoregel nutzt Michael Platt?

Verliert ein Trader bei BlueCrest 3 Prozent seines Startkapitals, wird seine Kapitalzuteilung halbiert. Nach weiteren 3 Prozent auf die verbleibende Zuteilung wird sie ganz entzogen. So beschreibt es Jack Schwager 2012, Ziel ist ein Verlust von höchstens rund 5 Prozent des Startkapitals.

Worum geht es im Steuerstreit zwischen BlueCrest und HMRC?

Es geht vor allem darum, ob Trader der britischen BlueCrest-Gesellschaft steuerlich als Angestellte gelten. Der UK Supreme Court entschied am 1. Juli 2026 zugunsten der Steuerbehörde, die Lohnsteuer von rund 142 Millionen Pfund festgesetzt hatte. Die endgültige Summe muss die erste Instanz noch klären.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 an den internationalen Märkten. Sein Schwerpunkt liegt auf der diskretionären Price-Action-Analyse in Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.

Über 17 Jahre vertrat er den US-Trading-Ausbilder Joe Ross im deutschsprachigen Raum und übersetzte dessen zehn Bücher. Ende der 1980er-Jahre übertrug er zudem die Elliott-Wellen-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Als aktiver Händler an den Zins- und Devisenmärkten kennt er die Märkte, auf denen Platt groß wurde, aus eigener Praxis. Platts Regeln zur Verlustbegrenzung ordnet er aus Sicht eines Traders ein, der sein Risiko ohne Risikoabteilung im Rücken steuern muss.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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