Analyst: Björn Heidkamp
Markt: Gold Future Endlos Kontrakt (COMEX)
Zeitpunkt der Analyse: 26.07.2026
Letzter Kurs: 4.070,80 USD/Unze
Goldpreis im Quartalschart
Der abgebildete Chart zeigt die historische Kursentwicklung des Gold Futures von 1995 bis heute, bei Kursen von 4.070,80 USD/Unze. Ein Notierungsstab bildet die Kursschwankungen des Gold Futures für ein Quartal ab.
Quartalstief Mitte Juli unterschritten, Abwärtsdynamik bleibt aus
Der seit März 2024 bestehende primäre Aufwärtstrend gipfelte am 29. Januar in einem Kaufhöhepunkt (Buying Climax) auf einem fulminanten Rekordhoch bei 5.581,30. Derartige progressive Kursverläufe überreizen den Trend. Vergleichbare Anstiege müssen oftmals erst einmal verdaut werden, was in den letzten Monaten in einer ausgedehnten Korrektur geschehen ist.
Mitte Juli hat der Gold Future innerhalb seiner sekundären Abwärtsbewegung erneut ein Vorquartalstief (Tief vom 24. Juni bei 3.980,30) unterschritten. Somit ist im Normalfall von einer Fortsetzung der Korrekturbewegung innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends auszugehen.
Doch eine entsprechende dynamische Fortsetzung der Abwärtsbewegung ist bis dato ausgeblieben. Nach Erreichen des neuen Bewegungstiefs von 3.963 stabilisierten sich die Kurse des gelben Edelmetalls in den letzten Tagen wieder über 4.000.
Handel zwischen 38,2 %igem und 50 %igem Fibonacci-Korrekturniveau
Bei der Fragestellung, wie weit eine entsprechende Bewegung gegen den Haupttrend laufen kann, ohne den übergeordneten Aufwärtstrend zu gefährden, muss die vorherige Aufwärtsbewegung mit ins Kalkül gezogen werden. Mit Hilfe der Fibonacci-Korrekturlevel lassen sich virtuelle Bereiche erhöhter Aufnahmebereitschaft ermitteln, die genau das leisten und bei institutionellen Investoren starke Berücksichtigung finden.
Bezogen auf die Aufwärtsbewegung seit der letzten vollen Korrektur auf dem langfristigen Quartalschart vom Oktober 2023 bei 1.824 bis auf die Bestmarke vom 29. Januar bei 5.581 handelt der Gold Future zwischen dem ersten (38,2 %) Fibonacci-Korrekturniveau bei 4.146 und dem zweiten Fibonacci-Korrekturniveau bei 3.702 (50 %). Das nächsttiefere Fibonacci-Korrekturniveau darunter wäre bei 3.259 (61,8 %) zu beziffern. Bis zu diesen Niveaus kann demnach eine langfristige Korrektur laufen, ohne den übergeordneten Aufwärtstrend zu gefährden.
Monatschart: Korrektur verlangsamt sich
Aus der Sichtweise des Monatscharts setzte sich die Korrektur innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends fort. Trotz neuer Bewegungstiefs verlor die Abwärtsbewegung jedoch an Dynamik im Bereich der 4.000er-Marke.
Mit nur 229 US$ Schwankungsbreite (bis jetzt, der Juli-Bar handelt noch bis Freitag) fällt die Volatilität im Juli auf das niedrigste Niveau der letzten sieben Monate.
Steigt der Gold Future über 4.200, dürften die Bullen den übergeordneten Haupttrend erst einmal wieder durchsetzen.
MACD mit Verkaufssignal
Der viel beobachtete MACD-Indikator hat seine Signallinie von oben nach unten durchstoßen und dadurch ein neues, rein technisches Verkaufssignal geliefert. (Auch hier gilt: Der Juli-Stab handelt noch bis Freitag, ein unwahrscheinlich starker Anstieg innerhalb der kommenden Woche könnte dieses Signal entkräften.)
In der isolierten Betrachtung eines solchen Oszillators weisen Ein-/Ausstiegssignale höhere Trefferquoten in Seitwärtsbewegungen auf als in starken Trendmärkten.
Nichtsdestotrotz deuten solche technischen Ereignisse langfristig auf ein Umdenken der Investoren hin.
Wochenchart: Konsolidierung im Abwärtstrend
Aus der Perspektive des mittelfristigen Wochencharts ist der bestehende Abwärtstrend in eine richtungslose Konsolidierung übergegangen: Gepaart mit Wechselstäben handelt der Gold Future seit vier Wochen innerhalb der Spanne des Messstabes der letzten Juliwoche zwischen 4.230 und 3.980. Ein jeweiliger Wochenschlusskurs außerhalb dieses Messstabes dürfte die Richtung für die nächsten Wochen angeben.
Gold im stärksten saisonalen Zeitraum
Aufgrund historischer Erfahrungswerte lassen sich für Rohstoffe, Währungen, Aktien und Indizes statistische Durchschnittswerte berechnen.
Unter der Betrachtungsweise dieser Zyklen-Analyse aus den vergangenen 20 Jahren ist der Zeitraum von Anfang Juli bis Anfang September als saisonal stärkste Phase des Jahres klar positiv zu definieren. Dadurch erhalten die Goldbullen in den kommenden Monaten „saisonalen Rückenwind”. Insbesondere ist der Zeitraum zwischen Mitte Juli und Ende August in der Historie mit signifikanten Überrenditen aufgefallen.
Im Zusammenhang mit diesen Kalendereffekten besteht für die Bullen berechtigte Hoffnung auf eine Kurserholung. Ob ein etwaiger Anstieg in Richtung neuer Bestmarken führen kann, scheint aktuell aus der Gesamtgemengesituation in den nächsten Monaten jedoch eher unwahrscheinlich.
Fazit
Aus der Perspektive des langfristigen Quartalscharts hat sich die überhitzte Situation der Vorquartale im bestehenden primären Aufwärtstrend wieder abgebaut. Durch die laufende Korrektur haben die Bären das Zepter in den vergangenen Monaten übernommen.
Die aufkommende Nachfrage im Bereich der psychologisch wichtigen 4.000er-Marke stoppte die Abwärtsdynamik in den letzten Wochen vorerst. Aktuell scheint der Kampf zwischen Bullen und Bären ausgeglichen.
Aus der mittelfristigen Sichtweise des Wochencharts hat das negative Chartbild auf neutral gedreht. Trotz neuer potenzieller Verkaufssignale blieb eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung bis dato aus. Zurzeit handelt der Gold Future in einer richtungslosen, mit Wechselstäben geprägten Konsolidierung zwischen 4.230 und 3.960. Erst Kurse außerhalb dieser neutralen Zone dürften die Richtung für die nächsten Wochen angeben.
Steigt Gold über 4.230, ist im Besonderen im Zusammenhang mit der positiven saisonalen Phase eine Wiederaufnahme des übergeordneten Aufwärtstrends anzunehmen. Ein erster Anstieg in Richtung 4.580 bis 4.780 wäre bei diesem positiven Szenario anzunehmen. Die nächsthöheren Widerstände darüber wären im Bereich 4.920, 5.000 und 5.280 zu nennen.
Fällt der Gold Future, mit Kursen unter 3.960, auf neue Bewegungstiefs unter die psychologisch wichtige 4.000er-Marke, wäre innerhalb des primären Aufwärtstrends mit einer weiteren Fortsetzung der Korrektur zu rechnen. Als nächsttiefere Unterstützungszone wäre der Bereich zwischen 3.850 und 3.700 als nächstes Korrekturziel zu beziffern. Letztendlich könnte diese Korrektur maximal in Richtung 3.300 bis 3.259 laufen, ohne den langfristigen Aufwärtstrend zu gefährden.
Aufgrund des positiven saisonalen Zeitraums können sich die Bullen berechtigte Hoffnung auf eine Erholungsbewegung machen. In der Gesamtgemengelage ist die Wahrscheinlichkeit für eine derartige Erholungsbewegung aktuell etwas höher als die weitere Fortsetzung der Abwärtskorrektur.






