Kaum ein Kontrakt verrät so schnell, was der Markt von den Zinsen erwartet, wie der Euro-Bund-Future. Er läuft an der Eurex auf eine gedachte zehnjährige Bundesanleihe und gilt als das Zinsbarometer der Eurozone. Steigt er, rechnet der Markt mit fallenden Zinsen. Fällt er, erwartet er das Gegenteil.
Für Trader steckt darin ein doppelter Nutzen. Der Kontrakt lässt sich selbst handeln, und er liefert nebenbei ein Signal für Aktien, Anleihen und den Euro. Hier findest du die Lage kurzfristig, mittelfristig und langfristig, jeweils mit eigenem Chart und den Marken, auf die es ankommt. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Aktuelle Bund-Future Prognosen: die wichtigsten Trends und Kursziele
- Aktueller Stand: Der Euro-Bund-Future schloss am Freitag, 23. Oktober 2026, bei 122,17 Punkten. Das sind 0,55 Punkte mehr als in der Vorwoche und fast drei Punkte über dem Jahrestief von 119,19 vom 28. September.
- Kurzfristige Euro-Bund-Future Prognose: Seit dem Jahrestief setzt der Kontrakt höhere Tiefs und schließt wieder über der 20- und der 50-Tage-Linie. Der Widerstand liegt bei 122,40 bis 122,54, die erste Unterstützung beim Tief vom 19. Oktober bei 121,01.
- Mittelfristige Bund-Future Prognose 2026 bis 2027: Im Wochenchart ist die Erholung bisher nur eine Gegenbewegung. Solange der Kurs unter der 20-Wochen-Linie bei 123,53 bleibt, bestimmt die Abwärtsbewegung seit dem Märzhoch von 130,53 das Bild.
- Langfristige Prognose für den Euro-Bund-Future bis 2030: Der Boden der Jahre 2023 bis 2025 bei 126,53 ist gebrochen, das Septembertief war im fortlaufenden Kontrakt der tiefste Stand seit Juni 2009. Unter 119,19 zeigt der Chart keine weitere Marke.
Bund-Future aktuell: Kurs, Tagesspanne und Kontraktdaten
Der Bund-Future hat sich von seinem Jahrestief gelöst. Der aktiv gehandelte Kontrakt ist der Dezember 2026 mit dem Kürzel FGBL, sein letzter Handelstag ist der 8. Dezember 2026. Alle folgenden Werte beziehen sich auf diesen Kontrakt an der Eurex und auf den Wochenschluss vom Freitag, 23. Oktober. Den Kurs in Echtzeit zeigt der Chart weiter unten.
Der Euro-Bund-Future ist ein an der Eurex gehandelter Terminkontrakt auf eine fiktive deutsche Bundesanleihe mit 6 Prozent Kupon und einer Restlaufzeit zwischen 8,5 und 10,5 Jahren. Er gilt als wichtigster Gradmesser für die langfristigen Zinsen in der Eurozone.
| Kennzahl | Wert (Stand 23. Oktober 2026) |
|---|---|
| Schlusskurs Woche | 122,17 Punkte |
| Eröffnung Woche | 121,62 Punkte |
| Wochentief / Wochenhoch | 121,01 / 122,54 Punkte |
| Veränderung zur Vorwoche | +0,55 Punkte (+0,45 Prozent) |
| Vorwochentief / Vorwochenhoch | 120,65 / 122,14 Punkte |
| Jahrestief 2026 | 119,19 Punkte (28. September) |
| Letzter Tagesumsatz | 1.251.737 Kontrakte |
| Offene Positionen | 2.064.584 Kontrakte |
| Aktiver Kontrakt | FGBL Dezember 2026 |
Bemerkenswert ist, wie eng Kurs und Rendite zuletzt zusammenliefen. Am 28. September markierte der Bund-Future sein Jahrestief, am selben Tag erreichte die zehnjährige Rendite deutscher Bundeswertpapiere laut der Zinsstrukturkurve der Bundesbank (geschätzt nach der Svensson-Methode) mit 3,69 Prozent den höchsten Wert seit April 2011. Bis zum 23. Oktober fiel die Rendite auf 3,39 Prozent, der Future stieg vom Schlusskurs am 28. September (119,28) um 2,89 Punkte. Mehr als eine Erholung ist das im größeren Bild aber noch nicht.
Ein Punkt Kursbewegung entspricht 1.000 Euro je Kontrakt. Die kleinste Preisänderung beträgt 0,01 Punkte und ist 10 Euro wert. Die Wochenspanne von 1,53 Punkten bedeutete für einen einzelnen Kontrakt also 1.530 Euro. Wer diese Größenordnung im Kopf behält, schätzt das Risiko einer Position deutlich realistischer ein.
Bund-Future Chart auf TradingView
Technische Analyse Euro-Bund-Future
Eine kompakte Übersicht der technischen Lage liefert die Auswertung auf TradingView. Sie fasst Oszillatoren, gleitende Durchschnitte und Pivot-Punkte zu einem Gesamtbild zusammen. Du kannst den Chart dort frei verändern und um eigene Indikatoren ergänzen.
Verlasse dich nie allein auf eine automatische Auswertung. TradingView weist selbst darauf hin, dass die technische Zusammenfassung keine Kauf- oder Verkaufsempfehlung ist. Sie zeigt eine Auswahl an Möglichkeiten und hilft dir, günstige Bedingungen zu erkennen, wenn sie zu deiner Strategie passen.
Kurzfristige Bund-Future Prognose
Zuletzt aktualisiert: 27.10.2026 (Schlusskurs 23.10.2026)
Rückblick: Der Tageschart zeigt den Kontrakt seit Mai 2026. Nach dem Hoch am 30. Juni bei 127,69 fiel der Kurs unter alle vier gleitenden Durchschnitte und erreichte am 28. September mit 119,19 das Jahrestief. Die Lücke Anfang September fällt mit dem Wechsel vom September- auf den Dezemberkontrakt zusammen und geht vermutlich überwiegend darauf zurück.
Ausblick und Prognose: Seit dem Jahrestief setzt der Kurs höhere Tiefs. Es waren 120,35 am 8. Oktober, 121,01 am 19. Oktober. Am 22. Oktober schloss er erstmals seit Anfang Juli wieder über der 50-Tage-Linie, die zum Freitagsschluss bei 121,60 lag. Die 20-Tage-Linie (120,96) dreht nach oben. Darüber wartet der Widerstand bei 122,40 bis 122,54, also das Septemberhoch nach dem Kontraktwechsel und das Hoch vom Freitag. Die 100-Tage-Linie bei 123,60 und die 200-Tage-Linie bei 125,09 fallen weiter und liegen klar über dem Kurs.
Bund-Future Chart auf TradingView
Technische Analyse Bund-Future
Damit steht die Prognose auf zwei Beinen. Ein Tagesschluss über 122,54 öffnet Raum bis zur 100-Tage-Linie bei 123,60. Fällt der Kurs dagegen unter das Tief vom 19. Oktober bei 121,01, rücken 120,35 und danach das Jahrestief bei 119,19 wieder in den Blick.

So liest du die Charts: Die gelbe Linie ist der gleitende Durchschnitt aus 20 Perioden, die orange aus 50, die hellblaue aus 100 und die weiße aus 200. Rot gestrichelte Linien markieren Widerstände, grün gestrichelte Unterstützungen, jeweils aus früheren Hochs und Tiefs.
Jeder EZB-Zinsentscheid schlägt unmittelbar auf den Bund-Future durch. Am 29. Oktober 2026 ließ die EZB die Leitzinsen unverändert, die nächste Sitzung steht am 17. Dezember 2026 an. Der Entscheid wird um 14:15 Uhr veröffentlicht, die Pressekonferenz um 14:45 Uhr gehört zu den volatilsten Momenten im europäischen Futures-Handel. Alle Termine und den aktuellen Zinsstand findest du auf unserer Seite zum EZB Zinsentscheid.
Die Renditeseite derselben Medaille behandeln wir getrennt. Wie sich die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe entwickelt und was das für Sparer und Kreditnehmer bedeutet, steht in unserer Zinsprognose mit Chartanalyse der 10-jährigen Bundesanleihe. Was die oft zitierte Umlaufrendite der Bundesbank misst und wie sie sich von der Bundesanleihe unterscheidet, erklärt ein eigener Ratgeber.
Mittelfristige Bund-Future Prognose
Rückblick: Der Wochenchart zeigt den Bund-Future seit Juni 2024. Bis Anfang 2026 pendelte der Kurs zwischen rund 126,5 und 136. Nach dem Jahreshoch von 130,53 Anfang März brach er unter den Boden bei 126,53, das Tief von 2025, und fiel seitdem Woche für Woche tiefer.
Ausblick und Prognose: Die Erholung seit Ende September ist im Wochenbild bisher eine Gegenbewegung. Alle vier Durchschnitte fallen, der Kurs liegt unter der 20-Wochen-Linie bei 123,53. Sie ist das erste Ziel, falls die Erholung weiterläuft. Erst darüber käme die gebrochene Zone um 126,53 wieder in Reichweite, die jetzt als Widerstand wirkt. Nach unten ist das Jahrestief bei 119,19 die entscheidende Marke.
Bund-Future Chart auf TradingView
Technische Analyse Bund-Future
Der fundamentale Gegenwind kommt von der EZB. Sie hat am 11. Juni 2026 die Leitzinsen erstmals seit September 2023 wieder angehoben und den Einlagesatz auf 2,25 Prozent gesetzt. Am 23. Juli folgte eine Pause, am 10. September die zweite Anhebung auf 2,50 Prozent, gültig seit dem 16. September laut Leitzinstabelle der EZB. Steigende Marktzinsen drücken in der Regel auf den Kurs eines Anleihe-Futures, wobei der Markt eine Zinswende oft vorwegnimmt.
Langfristige Bund-Future Prognose
Rückblick: Der Monatschart zeigt den Euro-Bund-Future seit 2014. Bis 2021 lag der Kurs meist zwischen 155 und 180 Punkten. Mit dem Ende der Niedrigzinsphase fiel er 2022 um fast 40 Punkte. Von 2023 bis 2025 hielt ein Boden um 126,5, das Hoch dieser Phase lag 2023 bei 139,40.
Ausblick und Prognose: Im März 2026 ist dieser Boden gebrochen. Das Septembertief von 119,19 war im fortlaufenden, nicht bereinigten Frontkontrakt der tiefste Stand seit Juni 2009. Über so lange Zeiträume sind die Kurse aber nur eingeschränkt vergleichbar, weil jeder Kontrakt einen anderen Korb lieferbarer Anleihen hat. Die 20-Monats-Linie bei 127,36 fällt und liegt nur knapp über der gebrochenen Zone um 126,53. Erst eine Rückkehr über diesen Bereich würde das langfristige Bild verbessern. Unter dem Septembertief zeigt der Monatschart keine weitere Marke.
Bund-Future Chart auf TradingView
Technische Analyse Bund-Future
Zwei strukturelle Faktoren sprechen auf Jahressicht gegen den Bund-Future. Zum einen erhöht der gestiegene Finanzierungsbedarf für Verteidigung und Infrastruktur das Angebot an Bundesanleihen, was auf die Kurse drückt. Zum anderen hat die EZB den Zinszyklus 2026 wieder nach oben gedreht. Kippt dieser Zyklus, dürfte sich auch das langfristige Bild ändern, und der Future kann eine solche Wende schon vorher einpreisen.
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Was ist der Euro-Bund-Future?
Hinter dem sperrigen Namen steckt ein Kontrakt auf eine Anleihe, die es so gar nicht gibt. Der Euro-Bund-Future bezieht sich nicht auf ein einzelnes Wertpapier, sondern auf eine gedachte Referenzanleihe. Welche real existierenden Bundesanleihen lieferbar sind, legt die Eurex vorab fest. Bei Fälligkeit wählt der Verkäufer eine davon aus.
Der Euro-Bund-Future, kurz Bund-Future, ist ein standardisierter Terminkontrakt an der Eurex mit einem Nominalwert von 100.000 Euro. Er bezieht sich auf eine fiktive Bundesanleihe mit 6 Prozent Kupon und einer Restlaufzeit von 8,5 bis 10,5 Jahren.
Der Kurs wird in Prozent des Nominalwerts angegeben. Ein Stand von 125,08 Punkten bedeutet also 125,08 Prozent des Nennwerts. An der Eurex läuft der Handel bis 22:00 Uhr, Start im Sommer um 2:10 Uhr und im Winter um 1:10 Uhr, was den Kontrakt auch für Trader außerhalb der klassischen Börsenzeiten interessant macht. Wie das zu den US-Futures passt, zeigt unser Ratgeber zu den Futures Handelszeiten.
Die Kontraktdaten im Überblick
Die Standardisierung ist der eigentliche Vorteil eines Futures. Weil jeder Kontrakt identisch aufgebaut ist, entsteht eine hohe Liquidität und ein sehr enger Spread. Die folgenden Angaben stammen direkt von der Eurex.
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Kürzel | FGBL |
| Nominalwert je Kontrakt | 100.000 Euro |
| Kupon der Referenzanleihe | 6 Prozent |
| Restlaufzeit lieferbarer Anleihen | 8,5 bis 10,5 Jahre |
| Kleinste Preisänderung | 0,01 Punkte, entspricht 10 Euro |
| Verfallmonate | März, Juni, September, Dezember |
| Letzter Handelstag | zwei Börsentage vor dem Liefertag, Schluss 12:30 Uhr |
| Handelszeiten | 2:10 bis 22:00 Uhr (Winter ab 1:10) |
Es sind immer nur drei Verfallmonate gleichzeitig handelbar. Der Handel konzentriert sich fast vollständig auf den nächstfälligen Kontrakt. Rund zwei Wochen vor dem Verfall rollen die meisten Marktteilnehmer ihre Positionen in den nächsten Termin. Wer eine Position länger halten will, muss diesen Rollover selbst einplanen.
Bund, Bobl, Schatz und Buxl im Vergleich
Der Bund-Future ist nur einer von vier Zins-Futures auf deutsche Staatsanleihen. Sie unterscheiden sich allein durch die Restlaufzeit der lieferbaren Papiere. Je länger die Laufzeit, desto stärker reagiert der Kurs auf Zinsänderungen. Die Angaben stammen von der Deutschen Finanzagentur.
| Kontrakt | Restlaufzeit | Kupon |
|---|---|---|
| Euro-Schatz-Future | 1,75 bis 2,25 Jahre | 6 Prozent |
| Euro-Bobl-Future | 4,5 bis 5,5 Jahre | 6 Prozent |
| Euro-Bund-Future | 8,5 bis 10,5 Jahre | 6 Prozent |
| Euro-Buxl-Future | 24 bis 35 Jahre | 4 Prozent |
Für Einsteiger ist die Laufzeit die wichtigste Stellschraube. Der Schatz-Future bewegt sich bei gleicher Zinsänderung deutlich weniger als der Buxl-Future. Wer das Zinsrisiko je Kontrakt klein halten will, wählt eher die kurze Laufzeit. Wer gezielt auf eine Zinswende setzt, findet am langen Ende die größere Hebelwirkung.
Vorteile und Nachteile des Bund-Future-Handels
Bevor du eine Position eingehst, solltest du beide Seiten kennen. Der Kontrakt ist liquide und transparent, aber er verzeiht keine Nachlässigkeit beim Risikomanagement.
Vorteile des Bund-Future-Handels
- Sehr hohe Liquidität: Mit über 2 Millionen offenen Positionen gehört der Kontrakt zu den meistgehandelten Zins-Futures Europas. Ein- und Ausstieg gelingen auch in der Regel auch in größerem Umfang ohne nennenswerten Kursverlust.
- Enge Spreads: Durch die Standardisierung liegt die Differenz zwischen An- und Verkauf meist bei nur einem Tick. Das senkt die Handelskosten spürbar.
- Lange Handelszeiten: Der Handel läuft bis 22:00 Uhr, ab 2:10 Uhr im Sommer und 1:10 Uhr im Winter, und deckt damit die asiatische Session ebenso ab wie den US-Handel.
- Direkter Zugang zur Zinserwartung: Kein anderes Instrument bildet die Zinserwartung für die Eurozone so unmittelbar ab. Das macht ihn auch zur Absicherung von Anleihedepots geeignet.
Nachteile des Bund-Future-Handels
- Hoher Kapitalbedarf: Ein Punkt Kursbewegung entspricht 1.000 Euro je Kontrakt. Für ein sauberes Risikomanagement braucht es ein entsprechend großes Konto.
- Hebelwirkung in beide Richtungen: Die hinterlegte Sicherheitsleistung ist nur ein Bruchteil des Nominalwerts. Verluste können die eingesetzte Margin deshalb übersteigen.
- Rollover-Pflicht: Positionen laufen mit dem Kontrakt aus. Wer sie halten will, muss aktiv in den nächsten Verfallmonat wechseln und trägt dabei zusätzliche Kosten.
- Ereignisrisiko an Zinsterminen: Rund um EZB-Entscheide und wichtige Inflationsdaten weiten sich die Spannen schlagartig aus. Ein enger Stop wird dann leicht ausgelöst, ohne dass die These falsch war.
Warum steigt und fällt der Bund-Future?
Die wichtigste Regel ist zugleich die, die Einsteiger am häufigsten verwirrt. Kurs und Rendite laufen gegenläufig. Steigt der Bund-Future, fallen die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen. Fällt er, steigen sie. Wer das einmal verinnerlicht hat, liest den Kontrakt sofort als Zinsbarometer.
Der Bund-Future und die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen bewegen sich grundsätzlich in entgegengesetzte Richtung. Ein steigender Kurs signalisiert sinkende Zinserwartungen, ein fallender Kurs signalisiert steigende Zinserwartungen.
Der Grund dafür liegt im festen Kupon. Eine bereits ausgegebene Anleihe zahlt einen unveränderlichen Zins. Steigt das allgemeine Zinsniveau, wird dieses alte Papier unattraktiver. Sein Kurs fällt dann so lange, bis die Rendite wieder marktgerecht ist. Der Future bildet genau diese Bewegung ab. Den Mechanismus dahinter rechnen wir im Beitrag über Anleihen und ihren Kurs-Zins-Zusammenhang an einem Beispiel durch.
Diese Faktoren treiben den Kurs
- Geldpolitik der EZB: Der Einlagesatz liegt seit dem 16. September bei 2,50 Prozent. Nach der ersten Anhebung seit September 2023 im Juni und der Pause im Juli hat die EZB im September erneut erhöht. Am 29. Oktober folgte eine Pause, der nächste Entscheid fällt am 17. Dezember 2026.
- Angebot an Bundesanleihen: Höhere Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur bedeuten mehr Emissionen. Ein größeres Angebot drückt die Kurse, wenn die Nachfrage nicht mitwächst.
- Inflationsdaten: Überraschend hohe Inflationswerte verschieben die Zinserwartung nach oben und belasten den Kontrakt. Schwache Werte wirken umgekehrt.
- Risikoneigung an den Märkten: In Krisen suchen Anleger sichere Häfen. Bundesanleihen profitieren dann, der Future steigt, obwohl sich an der Geldpolitik nichts geändert hat.
- US-Zinsen als Taktgeber: Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen wirkt über den Zinsspread auf den europäischen Markt. Ein starker Zinsanstieg in den USA zieht die Bundrenditen häufig mit.
Für die Praxis heißt das: Nicht jeder Kursrutsch ist ein Trendbruch. Ein Rückgang an einem EZB-Tag hat eine andere Qualität als einer an einem ereignislosen Handelstag. Prüfe deshalb immer zuerst, ob ein Termin hinter der Bewegung steckt, bevor du die Chartlage neu bewertest.
Neben dem Bund-Future ist der DAX-Future der zweite große Eurex-Klassiker für deutsche Trader. Wie der Terminhandel grundsätzlich funktioniert, erklären wir im Ratgeber zu Futures und Terminhandel.
Fazit: Erholung vom Jahrestief, aber noch keine Wende
Der Bund-Future hat sich von seinem Jahrestief gelöst, die Abwärtsbewegung seit März ist damit aber nicht beendet. Mit 122,17 Punkten liegt der Kontrakt knapp drei Punkte über dem Jahrestief und wieder über der 20- und der 50-Tage-Linie. Die fallenden 100- und 200-Tage-Linien sowie die 20-Wochen-Linie bei 123,53 liegen aber weiter darüber.
Kurzfristig entscheidet die Zone von 122,40 bis 122,54. Darüber ist Platz bis 123,60, darunter sichert das Tief vom 19. Oktober bei 121,01 die Erholung ab. Wer langfristig denkt, schaut auf 126,53: Erst über dem gebrochenen Boden der Jahre 2023 bis 2025 hellt sich das Bild auf.
Den nächsten Anstoß liefert die EZB am 17. Dezember 2026. Der Entscheid kommt um 14:15 Uhr, die Pressekonferenz folgt um 14:45 Uhr. Bis dahin lohnt bei Positionen ein besonders sorgfältiger Blick auf die Größe, weil ein Punkt Bewegung 1.000 Euro je Kontrakt bedeutet.
FAQ zur Bund Future Prognose
Was besagt der Bund-Future?
Der Bund-Future gilt als wichtigstes Zinsbarometer der Eurozone. Er zeigt, welche Zinserwartung der Markt für die kommenden zehn Jahre einpreist. Ein steigender Kurs steht für sinkende Zinserwartungen, ein fallender Kurs für steigende. Am 23. Oktober 2026 schloss der Kontrakt bei 122,17 Punkten.
Was passiert, wenn der Bund-Future steigt?
Ein steigender Bund-Future bedeutet fallende Renditen. Kurs und Rendite bewegen sich immer gegenläufig. Klettert der Kontrakt, sinkt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe. Für Sparer heißt das schlechtere Konditionen bei Festgeld, für Kreditnehmer tendenziell günstigere Baufinanzierungen.
Warum fällt der Bund-Future?
Fallende Kurse spiegeln steigende Zinserwartungen wider. Drei Treiber wirken derzeit zusammen: Die EZB hat den Einlagesatz 2026 zweimal angehoben, zuletzt auf 2,50 Prozent, der Finanzierungsbedarf des Bundes erhöht das Anleiheangebot, und hartnäckige Inflation verhindert schnelle Zinssenkungen.
Wie ist die Bund-Future Prognose für 2026?
Kurzfristig erholt sich der Bund-Future, im größeren Bild bleibt die Lage abwärtsgerichtet. Vom Jahrestief bei 119,19 ging es bis auf 122,17 nach oben. Über 122,54 wäre Platz bis 123,60. Ein Bruch von 119,19 hieße einen neuen Tiefstand, darunter zeigt der Chart keine weitere Marke.
Wie entsteht der Preis des Euro-Bund-Futures?
Der Preis bewegt sich gegenläufig zu den Zinsen. Er wird in Prozent des Nominalwerts von 100.000 Euro angegeben. Ein spezieller Konvertierungsfaktor gleicht die real lieferbaren Anleihen an die fiktive Referenzanleihe mit 6 Prozent Kupon an. Der tägliche Abrechnungskurs spiegelt die Marktaktivität wider.
Wie kann ich am Euro-Bund-Future Handel teilnehmen?
Der Handel läuft über die Eurex und benötigt einen Broker mit Terminbörsenzugang. Du kannst auf steigende Kurse (Long) oder fallende Kurse (Short) setzen. Wichtig sind Kenntnisse über die Sicherheitsleistung und ein realistischer Blick auf die Kontraktgröße: Ein Punkt entspricht 1.000 Euro.
Welche Risiken birgt der Handel mit Euro-Bund-Futures?
Die Hebelwirkung ist das zentrale Risiko. Weil nur ein Bruchteil des Nominalwerts als Margin hinterlegt wird, können Verluste den Einsatz übersteigen. Dazu kommen Marktrisiko durch Zinsschwankungen, weite Spannen rund um EZB-Termine und die Pflicht, Positionen vor dem Verfall zu rollen.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Ein Systemtrader ist er bewusst nicht, was ihm bei der Bewertung fremder Handelsansätze einen kritischen Blick von außen erlaubt.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Für die Bund-Future Prognose liest Kagels den fortlaufenden Eurex-Kontrakt auf drei Zeitebenen. Der Tageschart zeigt die nächsten Marken, der Wochenchart ordnet die Erholung ein, und der Monatschart prüft, ob der Boden der Jahre 2023 bis 2025 wieder zurückerobert wird.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.











