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Umlaufrendite: Was die Bundesbank misst und wo sie heute steht

Zuletzt aktualisiert: 07. Oktober 2026

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Am 28. September 2026 stand die Umlaufrendite bei 3,79 Prozent, so hoch wie zuletzt im November 2008. Fünf Jahre vorher war sie noch negativ: Am 28. September 2021 lag der Durchschnitt der erfassten deutschen Anleihen bei minus 0,04 Prozent, der der Bundeswertpapiere sogar bei minus 0,28 Prozent.

Die Zahl taucht täglich in den Börsennachrichten auf, doch hinter dem einen Wort stehen mehrere Reihen der Bundesbank mit verschiedenen Werten. Hier erfährst du, was die Umlaufrendite genau misst, welche Zahl gemeint ist, wie sie sich seit 1976 entwickelt hat und wo sie in Verordnungen als Rechengröße steht. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.

Umlaufrendite: das Wichtigste in 30 Sekunden

  • Was sie ist: die durchschnittliche Rendite festverzinslicher Anleihen inländischer Emittenten, die bereits am Markt gehandelt werden, gewichtet mit ihrem Marktwert und börsentäglich veröffentlicht von der Deutschen Bundesbank.
  • Aktueller Stand: 3,62 % für alle inländischen Anleihen am 6. Oktober 2026, 3,48 % für die öffentliche Hand, 3,42 % für börsennotierte Bundeswertpapiere.
  • Hoch 2026: 3,79 % am 28. September, zu Jahresbeginn waren es 2,95 %.
  • Verlauf: Rekord 11,70 % im September 1981, Tief minus 0,52 % im März 2020, negativ an einzelnen Tagen von 2016 bis 2021.
  • Berechnung: rund 7.500 Anleihen mit mehr als drei Jahren Restlaufzeit, gewichtet nach ihrem Marktwert.
  • Wo sie zählt: als Zinsbarometer für den deutschen Rentenmarkt und als Rechengröße in den Netzentgeltverordnungen für Strom und Gas.

Was ist die Umlaufrendite?

Die Umlaufrendite ist die durchschnittliche Rendite festverzinslicher Anleihen inländischer Emittenten, die bereits am Markt gehandelt werden, gewichtet mit ihrem Marktwert und börsentäglich von der Deutschen Bundesbank veröffentlicht.

Der Name sagt, was gemessen wird: Gemeint sind Anleihen, die sich bereits im Umlauf befinden, also schon ausgegeben sind und an der Börse den Besitzer wechseln. Die Bundesbank schreibt das Wort mit Fugen-s als Umlaufsrendite, in Nachrichten und Suchanfragen hat sich die Form ohne s durchgesetzt. Beide meinen dasselbe.

Die Emissionsrendite ist die Rendite einer Anleihe zum Zeitpunkt ihrer Ausgabe, berechnet aus dem Ausgabekurs statt aus dem aktuellen Börsenkurs.

Der Unterschied zur Emissionsrendite ist der Zeitpunkt. Eine neue Bundesanleihe wird zu einem bestimmten Kurs ausgegeben, daraus ergibt sich ihre Emissionsrendite. Ab dem ersten Handelstag schwankt ihr Kurs, und mit ihm die Rendite, die ein Käufer im Umlauf erzielt. Die Umlaufrendite fasst diese laufenden Renditen vieler Papiere zu einer Zahl zusammen.

Rendite ist nicht Kupon

Der Kupon ist der feste Zinssatz einer Anleihe, bezogen auf ihren Nennwert.

Die Umlaufrendite ist nicht der Zins, der auf dem Papier steht. Der Kupon bleibt über die ganze Laufzeit gleich. Die Rendite dagegen berücksichtigt auch den Kaufkurs und die Restlaufzeit. Die Bundesbank formuliert es so: Die Rendite gibt im Gegensatz zur Nominalverzinsung die tatsächliche jährliche Verzinsung an.

Ein Rechenbeispiel zeigt den Unterschied: Eine Anleihe mit 1 % Kupon und fünf Jahren Restlaufzeit kostet an der Börse 90 statt 100. Du bekommst jährlich 1 Euro Zins je 100 Euro Nennwert und am Ende 100 Euro zurück, obwohl du nur 90 bezahlt hast. Daraus ergibt sich eine Rendite von rund 3,20 % pro Jahr. Genau diese Rendite, nicht der Kupon, geht in die Umlaufrendite ein.

Die Grundlagen zu Laufzeiten, Kupons und Emittenten findest du in unserem Ratgeber Was sind Anleihen?. Dort stehen auch die Unterschiede zwischen Staatsanleihen, Pfandbriefen und Unternehmensanleihen.

Umlaufrendite aktuell: die Werte vom 6. Oktober 2026

Am 6. Oktober 2026 lag die Umlaufrendite aller inländischen Anleihen bei 3,62 %. Das ist die Reihe „Insgesamt“ der Bundesbank. Die Tagestabelle vom 7. Oktober führt die Gesamtreihe für diesen Tag noch ohne Wert. Die Reihe der börsennotierten Bundeswertpapiere steht dort bereits mit 3,44 %.

Die Tabelle der Bundesbank zerlegt die Umlaufrendite nach Wertpapierarten und Restlaufzeiten. Sie zeigt, wie stark die Zahl davon abhängt, wer die Anleihe ausgibt und wie lange sie noch läuft. Quelle ist die Tagestabelle Umlaufsrenditen nach Wertpapierarten mit Stand 7. Oktober 2026. Die dritte Spalte zeigt den 28. September, den Tag des bisherigen Jahreshochs der Gesamtreihe.

Reihe6. Okt. 202628. Sept. 2026
Insgesamt3,62 %3,79 %
Öffentliche Hand3,48 %3,65 %
Bundeswertpapiere, zusammen3,42 %3,61 %
Bund, Restlaufzeit 3 bis 5 Jahre3,17 %3,40 %
Bund, Restlaufzeit 9 bis 10 Jahre3,45 %3,63 %
Bund, Restlaufzeit 15 bis 30 Jahre3,81 %3,92 %
Hypothekenpfandbriefe3,66 %3,84 %
Unternehmensanleihen4,56 %4,66 %

Zwei Muster zeigt die Tabelle am Stichtag. Erstens lagen lange Restlaufzeiten höher: Bundeswertpapiere mit 15 bis 30 Jahren brachten 3,81 %, solche mit drei bis fünf Jahren 3,17 %. Zweitens rentierten Unternehmensanleihen mit 4,56 % deutlich über dem Bund. Ein Aufschlag für das Ausfallrisiko kann dazu beitragen, die Gruppen unterscheiden sich aber auch in Laufzeiten und Zusammensetzung. Die Gesamtzahl von 3,62 % ist der gewichtete Durchschnitt über alle Gruppen.

Welche Umlaufrendite ist gemeint? Drei Reihen, drei Zahlen

Wer „Umlaufrendite aktuell“ sucht, bekommt je nach Quelle eine andere Zahl. Das liegt nicht an Fehlern, sondern an drei verschiedenen Zeitreihen:

  • Insgesamt (3,62 %): alle inländischen Anleihen, also auch Bankschuldverschreibungen, Pfandbriefe und Unternehmensanleihen. Das ist die klassische Umlaufrendite, als Zeitreihe bei der Bundesbank: Umlaufsrenditen insgesamt.
  • Öffentliche Hand (3,48 %): Anleihen von Bund, Ländern und anderen öffentlichen Emittenten, als Zeitreihe: Umlaufsrenditen der öffentlichen Hand.
  • Börsennotierte Bundeswertpapiere (3,42 %): nur Anleihen, Obligationen und Schatzanweisungen des Bundes und seiner Sondervermögen, als Zeitreihe: Umlaufsrenditen börsennotierter Bundeswertpapiere. Das Finanzportal boerse.de führt diese Reihe als „Umlaufrendite DE Bundeswertpapiere“.

Die Grafik darunter zeigt, wie die drei Reihen ineinander liegen. Die Gesamtreihe enthält die Anleihen der öffentlichen Hand, und diese enthalten wiederum die börsennotierten Bundeswertpapiere. Die Werte stammen vom 6. Oktober 2026 und sind dieselben wie in der Tabelle oben.

Umlaufrendite: drei Reihen der Bundesbank ineinander, insgesamt, öffentliche Hand und Bundeswertpapiere
Die drei Umlaufrenditen der Bundesbank liegen ineinander: Die Gesamtreihe enthält die öffentliche Hand, diese die börsennotierten Bundeswertpapiere. Werte vom 6. Oktober 2026. Eigene Grafik, Daten: Deutsche Bundesbank.

Der Abstand zwischen den Reihen ist klein, aber dauerhaft. Seit Januar 2025 lag die Gesamtreihe im Schnitt 0,18 Prozentpunkte über den Bundeswertpapieren, mindestens 0,12 und höchstens 0,30 Punkte. Für den Vergleich zweier Tage gilt deshalb eine einfache Regel: immer dieselbe Reihe nehmen. Wer 3,62 % mit 3,44 % vergleicht, sieht einen Rückgang, den es so nicht gab.

Der Chart zeigt die drei Reihen seit Januar 2025 im Vergleich. Dazu kommt als gepunktete Linie die zehnjährige Rendite aus der Zinsstrukturkurve. Gut zu sehen ist, wie parallel die Linien laufen und wie gleichmäßig der Abstand zwischen ihnen bleibt.

Umlaufrendite aktuell: drei Bundesbank-Reihen und zehnjährige Zinsstruktur-Rendite seit 2025
Umlaufrendite insgesamt, öffentliche Hand und börsennotierte Bundeswertpapiere im Vergleich zur 10-jährigen Rendite aus der Zinsstrukturkurve, Tageswerte bis 6. Oktober 2026. Eigene Grafik, Daten: Deutsche Bundesbank.

Wie die Bundesbank die Umlaufrendite berechnet

Die Bundesbank nimmt nur Anleihen mit langer Laufzeit in die Rechnung. Laut ihrer Methodenbeschreibung zu den Umlaufsrenditen gehen grundsätzlich nur Inhaberschuldverschreibungen ein, deren vereinbarte Laufzeit bei der Ausgabe über vier Jahre lag. Die Fußnote der Tagestabelle ergänzt: Die Restlaufzeit muss außerdem mehr als drei Jahre betragen.

Die Regeln im Überblick, wie sie in der Tagestabelle stehen:

  1. Auswahl: rund 7.500 Emissionen inländischer Emittenten, der Kreis wird jeweils zum Monatsanfang aktualisiert.
  2. Gewichtung: Jede Rendite zählt mit dem Umlaufbetrag, bewertet zu Marktpreisen. Große Anleihen bewegen die Zahl stärker als kleine.
  3. Kurse: Grundlage sind Bundesbank-Referenzpreise oder Xetra-Kurse.
  4. Strukturbruch: Zum 1. Mai 2020 hat die Bundesbank den Kreis der einbezogenen Papiere angepasst.
  5. Ausnahme: Die Reihe für Bundeswertpapiere mit 9 bis 10 Jahren Restlaufzeit ist ein ungewogener Durchschnitt.

Was die Gewichtung bewirkt, zeigt ein vereinfachtes Beispiel. Angenommen, im Umlauf sind nur zwei Anleihen: Anleihe A mit 30 Milliarden Euro Marktwert und 3,0 % Rendite, Anleihe B mit 10 Milliarden Euro und 4,0 %. Der einfache Durchschnitt wäre 3,5 %. Gewichtet nach Marktwert ergibt sich (30 × 3,0 + 10 × 4,0) ÷ 40 = 3,25 %. Große Emissionen bewegen die Umlaufrendite also stärker als kleine.

Umlaufrendite und Bundesanleihe 10 Jahre: wie eng hängen sie zusammen?

Die Umlaufrendite und die zehnjährige Rendite aus der Zinsstrukturkurve der Bundesbank laufen fast im Gleichschritt. Von Januar bis Anfang Oktober 2026 lag die Gesamtreihe im Schnitt nur 0,04 Prozentpunkte über der zehnjährigen Rendite. Der Abstand bewegte sich zwischen minus 0,05 und plus 0,15 Punkten. Am 6. Oktober standen 3,62 % gegen 3,52 %.

Die Zinsstrukturkurve zeigt, wie hoch die Renditen von Anleihen desselben Schuldners je nach Restlaufzeit sind.

Trotzdem messen die beiden Zahlen etwas anderes. Die 10-jährige Rendite der Bundesbank ist ein Schätzwert aus der Zinsstruktur am Rentenmarkt. Sie gibt an, was eine Anleihe ohne Kupon und ohne Ausfallrisiko mit genau zehn Jahren Laufzeit rentieren würde, ermittelt aus den beobachteten Renditen umlaufender Bundeswertpapiere. Die Umlaufrendite mischt dagegen viele Laufzeiten und Emittenten. Dass beide 2026 so nah beieinander lagen, zeigen die Daten. Wie viel davon auf Laufzeiten und wie viel auf die Emittenten entfällt, lässt sich aus den veröffentlichten Tabellen nicht bestimmen.

Für Trader ist der Bund-Future das handelbare Gegenstück. Er bezieht sich auf eine lange Bundesanleihe. Steigen die Renditen in diesem Laufzeitbereich, fällt sein Kurs, und umgekehrt. Die Umlaufrendite ordnet solche Bewegungen ein, sie ist aber nicht die Rendite, an der der Bund-Future hängt. Wie ich den Future charttechnisch einordne, steht in der Euro Bund Future Prognose.

Warum Kurs und Rendite gegenläufig sind, zeigt eine kurze Rechnung. Eine zehnjährige Anleihe mit 3 % Kupon notiert bei 100, solange der Markt 3 % Rendite verlangt. Steigt die geforderte Rendite auf 3,5 %, fällt ihr Kurs auf rund 95,84. Der Besitzer verliert also gut 4 % an Kurswert, obwohl sich am Kupon nichts geändert hat. Genau das ist 2022 im großen Stil passiert.

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Verlauf der Umlaufrendite seit 1976

Die Gesamtreihe der Bundesbank beginnt im Februar 1976 bei 8,25 %. Seitdem hat sie mehr als fünfzig Jahre Zinsgeschichte aufgezeichnet: zwei Hochzinsphasen, einen langen Abstieg bis unter null und seit 2022 die Rückkehr auf ein Niveau, das es zuletzt vor der Finanzkrise gab. Der Chart zeigt den ganzen Tagesverlauf seit 1976, die Tabelle darunter die Eckwerte ausgewählter Jahre.

Umlaufrendite seit 1976 im Chart mit Hoch 1981 und Tief 2020
Umlaufrendite aller inländischen Anleihen seit Februar 1976, börsentäglich: Hoch am 7. September 1981, Tief am 9. März 2020, Stand 6. Oktober 2026. Eigene Grafik, Daten: Deutsche Bundesbank.
JahrJahresschnittHochTief
198110,55 %11,70 %9,07 %
19908,90 %9,21 %7,81 %
20005,42 %5,65 %5,02 %
20084,21 %4,97 %3,16 %
20121,38 %1,84 %1,03 %
20160,11 %0,51 %−0,15 %
2020−0,19 %0,05 %−0,52 %
20221,54 %2,95 %0,03 %
20232,90 %3,35 %2,32 %
20252,72 %2,98 %2,51 %
2026 (bis 6. Okt.)3,16 %3,79 %2,75 %

Die Hochzinsjahre: 1981 und 1990

Den Rekord stellte die Umlaufrendite am 7. September 1981 mit 11,70 % auf. Im Jahresschnitt lag sie 1981 bei 10,55 %. Ein zweiter Gipfel folgte 1990 mit einem Jahresschnitt von 8,90 % und einem Hoch von 9,21 %. Beide Werte liegen mehr als doppelt so hoch wie das Hoch von 2026.

Der lange Abstieg bis unter null

Von 1990 bis 2016 ging es abwärts, unterbrochen von Zwischenanstiegen wie 1994, 2000 und 2007. Im Jahr 2008 lag der Schnitt noch bei 4,21 %, 2012 nur noch bei 1,38 %. Am 24. Juni 2016 rutschte die Gesamtreihe erstmals unter null. Negative Tageswerte gab es danach in den Jahren 2016, 2019, 2020 und 2021, zusammen an 701 Börsentagen. Das Allzeittief stand am 9. März 2020 bei minus 0,52 %.

Eine negative Rendite entsteht, wenn der Kaufpreis einer Anleihe höher ist als die Summe aller noch ausstehenden Zinszahlungen und der Rückzahlung.

In diese Zeit fallen die negativen Einlagezinsen der EZB. Laut EZB-Leitzinstabelle lag der Einlagesatz vom 11. Juni 2014 bis zum 26. Juli 2022 unter null, zuletzt bei minus 0,50 %. Banken zahlten in dieser Phase dafür, Geld bei der Notenbank zu parken.

Die Zinswende ab 2022

Mit der Zinswende kehrte die Umlaufrendite schnell zurück. Die EZB hob den Einlagesatz am 27. Juli 2022 auf null und danach in mehreren Schritten bis auf 4,00 % im September 2023. Die Umlaufrendite sprang von 0,03 % zu Jahresbeginn 2022 auf 2,93 % am Jahresende. Wie die Notenbank heute entscheidet, verfolge ich im Artikel zum EZB-Zinsentscheid.

2026 ist das Jahr des Ausbruchs über 3 %. Am 9. März 2026 erreichte die Gesamtreihe erstmals in diesem Jahr 3,00 %, im September folgte der Anstieg auf 3,79 %. Das ist der höchste Wert seit dem 14. November 2008, als die Reihe zuletzt genauso hoch stand. Seitdem hat sie bis zum 6. Oktober wieder auf 3,62 % nachgegeben.

Wofür die Umlaufrendite verwendet wird

Die Umlaufrendite ist vor allem ein Zinsbarometer. Sie zeigt in einer Zahl, welche Rendite die erfassten inländischen Anleihen mit längerer Laufzeit am Rentenmarkt im Schnitt bringen. Für drei Gruppen hat sie eine praktische Bedeutung.

Für Anleger und Sparer

Die Umlaufrendite ist eine Messlatte für das Zinsniveau am Rentenmarkt. Ein Anleiheinvestor sieht an ihr, ob eine neue Anleihe im Vergleich zum Markt viel oder wenig bietet. Wer Anleihen schon besitzt, sieht an steigenden Renditen, dass die Kurse bestehender Papiere unter Druck stehen. Wie stark der Kurswert dabei fällt, zeigt die Rechnung im Abschnitt zur Bundesanleihe.

Für Trader

Für mich als Trader ist die Umlaufrendite eine Hintergrundgröße, kein Handelssignal. Gehandelt werden Futures auf Bundesanleihen, nicht die Umlaufrendite selbst. Ihr Wert liegt in der Einordnung: Sie zeigt, ob auch die durchschnittliche Rendite der erfassten Anleihen steigt. Ob ein Anstieg alle Laufzeiten erfasst, sehe ich erst im Vergleich der Teilreihen aus der Tabelle oben. Wie stark die Zinsmärkte schwanken, misst auf amerikanischer Seite der MOVE-Index, den Vergleich zu den Renditen in den USA findest du im Artikel zu US-Staatsanleihen.

In Verordnungen: Netzentgelte für Strom und Gas

Die Umlaufrendite steht als Rechengröße im deutschen Energierecht. Die Stromnetzentgeltverordnung begrenzt in § 7 Absatz 4 den Eigenkapitalzins für Neuanlagen der Netzbetreiber. Maßstab ist der Durchschnitt der von der Bundesbank veröffentlichten Umlaufsrenditen festverzinslicher Wertpapiere inländischer Emittenten über die letzten zehn abgeschlossenen Kalenderjahre, zuzüglich eines Wagniszuschlags. Die Gasnetzentgeltverordnung enthält in § 7 dieselbe Regel für Gasnetze. Die konkreten Eigenkapitalzinssätze legt nach Absatz 6 die Regulierungsbehörde für jede Regulierungsperiode fest. Für Neuanlagen im Kapitalkostenaufschlag hat die Bundesnetzagentur am 17. Januar 2024 zusätzlich eigene Regelungen zum Eigenkapitalzinssatz beschlossen.

Auch das Regulierungskonto der Netzbetreiber hängt an ihr. Nach § 5 Absatz 2 der Anreizregulierungsverordnung werden die Differenzen auf diesem Konto mit dem Zehnjahresdurchschnitt der Umlaufrendite verzinst. Nach meiner eigenen Rechnung lag der einfache Durchschnitt der Tageswerte von 2016 bis 2025 bei 1,03 %, von 2006 bis 2015 noch bei 2,48 %. Diese Rechnung dient nur der Veranschaulichung und ist kein amtlicher Regulierungszinssatz. Sie zeigt aber, wie lange die Nullzinsjahre in solchen Rechnungen nachwirken.

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Umlaufrendite Prognose: meine Einordnung

Für meine Einordnung orientiere ich mich an der Bundesanleihe. 2026 lief die Umlaufrendite eng mit der zehnjährigen Rendite. Solange dieser Gleichlauf hält, gilt für beide derselbe Rahmen. Den Korridor bis zum Jahresende und die Marken dafür leite ich in meiner Zinsprognose für 2026 am Chart der Bundesanleihe her.

Abweichen kann die Umlaufrendite trotzdem. Eine andere Mischung der Laufzeiten oder höhere Aufschläge bei Pfandbriefen und Unternehmensanleihen verschieben ihren Schnitt, ohne dass sich die Bundrendite bewegt. Kursziel und Szenarien stehen deshalb in der Zinsprognose, nicht hier.

Stärken und Grenzen der Umlaufrendite als Kennzahl

Die Kennzahl mischt Laufzeiten und Kreditrisiken. Die beiden Kästen fassen zusammen, wofür sie taugt und wo du besser eine andere Zahl nimmst.

Stärken der Umlaufrendite als Zinsbarometer

  • Breite Basis: rund 7.500 Anleihen statt eines einzelnen Papiers.
  • Täglich verfügbar: jeden Börsentag frei bei der Bundesbank, ohne Anmeldung.
  • Lange Historie: Tageswerte seit Februar 1976, also auch für Vergleiche über Jahrzehnte.
  • Amtliche Quelle: Die Reihe ist Rechengröße in Verordnungen und damit genau definiert.

Grenzen der Umlaufrendite als Zinsbarometer

  • Keine feste Laufzeit: Sie mischt viele Restlaufzeiten. Für eine konkrete Laufzeit ist die Zinsstrukturkurve genauer.
  • Mischung der Risiken: Unternehmensanleihen und Pfandbriefe heben den Schnitt, der Bund allein liegt darunter.
  • Mehrere Reihen: Ohne Angabe der Reihe ist eine Zahl wie „Umlaufrendite 3,4 %“ mehrdeutig.
  • Strukturbruch 2020: Seit dem 1. Mai 2020 gilt ein angepasster Kreis von Papieren, alte und neue Werte sind nicht ganz deckungsgleich.
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Fazit: eine Zahl, drei Reihen und ein Zinsniveau wie 2008

Die Umlaufrendite ist das breiteste Zinsbarometer für den deutschen Anleihemarkt. Sie bündelt die Renditen von rund 7.500 Anleihen zu einer Zahl und reicht bis 1976 zurück. Wer sie nutzt, sollte immer dazusagen, welche Reihe gemeint ist: insgesamt, öffentliche Hand oder Bundeswertpapiere.

Das Zinsniveau ist 2026 auf den Stand von 2008 zurückgekehrt. Mit 3,79 % Ende September lag die durchschnittliche Rendite der erfassten Anleihen so hoch wie zuletzt im November 2008. Für Besitzer bestehender Festzinsanleihen gilt dabei die Grundregel: Steigt die Marktrendite einer Anleihe, sinkt bei sonst gleichen Bedingungen ihr Kurs. Wie es weitergeht, entscheidet sich aus meiner Sicht an der Bundesanleihe. Die Umlaufrendite nutze ich als Gegenprobe zur zehnjährigen Rendite.

Häufige Fragen zur Umlaufrendite

Wie hoch ist die Umlaufrendite aktuell?

Am 6. Oktober 2026 lag die Umlaufrendite aller inländischen Anleihen bei 3,62 %. Die öffentliche Hand kam auf 3,48 %, die börsennotierten Bundeswertpapiere auf 3,42 %. Am 7. Oktober standen die Bundeswertpapiere bei 3,44 %.

Wo finde ich die aktuelle Umlaufrendite?

Die Bundesbank veröffentlicht die Umlaufrenditen börsentäglich. Es gibt sie als Zeitreihen zum Herunterladen und als Tagestabelle im PDF-Format. Finanzportale zeigen oft die Reihe der börsennotierten Bundeswertpapiere, achte deshalb darauf, welche Reihe angezeigt wird.

Was ist der Unterschied zwischen Umlaufrendite und Emissionsrendite?

Der Unterschied liegt im Zeitpunkt. Die Emissionsrendite gilt für eine Anleihe am Tag ihrer Ausgabe und wird aus dem Ausgabekurs berechnet. Die Umlaufrendite misst die Rendite bereits gehandelter Anleihen zum aktuellen Börsenkurs.

Warum war die Umlaufrendite negativ?

Eine Anleihe hat eine negative Rendite, wenn ihr Kaufpreis höher ist als alle noch ausstehenden Zinszahlungen plus die Rückzahlung. Zwischen 2016 und 2021 lag der Durchschnitt der erfassten Anleihen an 701 Börsentagen unter null, das Tief stand am 9. März 2020 bei minus 0,52 %. In diese Zeit fällt der negative Einlagesatz der EZB, der von Juni 2014 bis Juli 2022 unter null lag.

Was ist der Unterschied zwischen Umlaufrendite und Bundesanleihe 10 Jahre?

Die 10-jährige Rendite steht für genau eine Laufzeit, die Umlaufrendite mischt viele. Die zehnjährige Rendite der Bundesbank ist eine geschätzte Nullkuponrendite aus der Zinsstrukturkurve, die Umlaufrendite ein gewichteter Durchschnitt vieler Emittenten vom Bund bis zu Unternehmen. Im Jahr 2026 lag die Umlaufrendite trotzdem im Schnitt nur 0,04 Prozentpunkte über der zehnjährigen Rendite.

Wie hängen Umlaufrendite und Bund-Future zusammen?

Der Bund-Future bewegt sich gegenläufig zur Rendite langer Bundesanleihen. Steigen die Renditen in diesem Laufzeitbereich, fällt sein Kurs. Die Umlaufrendite ist ein breiterer Durchschnitt und eignet sich zur Einordnung, nicht als direkter Gegenwert zum Future.

Über den Autor: Karsten Kagels

Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH. Er handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader an den Märkten, mit Schwerpunkt auf Forex, Aktienindizes, Rohstoffen und Zinsmärkten.

Ende der 1980er Jahre übersetzte er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter ins Deutsche. Über 17 Jahre vertrat er Joe Ross in Deutschland und übersetzte und verlegte dessen zehn Bücher. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.

Die Zinsmärkte gehören seit seinen Anfangsjahren zu seinen Heimatmärkten. Alle Renditen in diesem Beitrag hat die Redaktion am 7. Oktober 2026 direkt aus den Zeitreihen der Deutschen Bundesbank gezogen und nachgerechnet, die Rechtsbezüge sind am Verordnungstext geprüft.

Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.

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