Wer mehrere Depots führt, kennt das Problem: Die Zahlen liegen in drei Apps, das Gesamtbild fehlt. Portfolio-Tracker schließen diese Lücke, und Getquin ist im deutschsprachigen Raum einer der bekanntesten Anbieter. Rund 9.900 Menschen suchen den Namen jeden Monat bei Google.
Dieser Artikel beantwortet drei Fragen, die vor der Anmeldung zählen: was Getquin heute kostet, wie belastbar die Sicherheitsversprechen sind und wem die Plattform gehört. Grundlage sind ausschließlich Primärquellen — Preisseite, Impressum, AGB, das Erstinformationsblatt nach FinVermV sowie die Bewertungsprofile bei Trustpilot, im App Store und bei Google Play. Ein Punkt vorweg, weil er in fast allen anderen Tests fehlt: Getquin ist längst nicht mehr nur ein Tracker. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Getquin: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Portfolio-Tracker mit Community: Getquin bündelt Aktien, ETFs, Krypto, Immobilien und Versicherungen in einer Ansicht. Betreiber ist die QUIN Technologies GmbH in Berlin.
- Drei Preisstufen statt zwei: Free für 0 Euro, Premium für 89,99 Euro im Jahr, dazu die Stufe Wealth für 149,99 Euro im Jahr. Einen Monatspreis weist der Anbieter öffentlich nicht mehr aus.
- Neues Geschäftsfeld: Mit getquin Advisory für 499 Euro im Jahr verkauft das Unternehmen Anlageberatung. Es ist zugleich Finanzanlagenvermittler und Versicherungsmakler.
- Regulierung ist belegt: Erlaubnis nach § 34f und § 34d Gewerbeordnung, eingetragen im Vermittlerregister, mit Vermögensschadenhaftpflicht bei der Allianz.
- Bewertungen gehen auseinander: Trustpilot 3,8 bei 290 Bewertungen, App Store 4,5 bei 8.031, Google Play 3,7 bei 7.900. Der Trustpilot-Schnitt ist stark polarisiert.
- Wiederkehrende Schwachstelle: Nutzer melden über Monate hinweg Abbrüche beim Import von Trade Republic sowie fehlende Exportfunktionen.
Was ist Getquin?
Getquin ist eine digitale Plattform, auf der Anleger ihre Depots, Konten und weiteren Vermögenswerte an einer Stelle zusammenführen, auswerten und mit anderen Nutzern besprechen können.
Die Plattform läuft im Browser und als App für iPhone und Android. Nutzer verbinden ihre Konten über Schnittstellen zu Banken und Brokern, laden Abrechnungen als PDF oder CSV hoch oder tragen Positionen von Hand ein. Laut Beschreibung im Store sind Verbindungen zu mehr als 2.000 Banken und Brokern möglich. Betrieben wird sie von Getquin.
Ein Portfolio-Tracker ist eine Software, die Wertpapierbestände aus verschiedenen Depots einliest und zu einer gemeinsamen Auswertung zusammenfasst. Er handelt nicht selbst, sondern zeigt nur an.
Der letzte Halbsatz ist wichtiger, als er klingt. Getquin arbeitet nach eigener Darstellung ausschließlich mit Lesezugriff. Aufträge erteilen, Geld überweisen oder Auszahlungen veranlassen kann die Plattform demnach nicht. Wer über Getquin handeln möchte, muss das weiterhin direkt beim Broker tun.
Wer steckt hinter Getquin?
Betreiber ist die QUIN Technologies GmbH mit Sitz in Berlin, eingetragen beim Amtsgericht Charlottenburg unter HRB 217297 B. Geschäftsführer sind Christian Rokitta und Raphael Steil, die das Unternehmen 2020 gegründet haben. Die Geschäftsadresse lautet Schützenstraße 15, 10117 Berlin, laut Impressum mit dem Zusatz c/o Axel Springer SE.
Dieser Zusatz ist kein Zufall. Getquin sitzt im Gebäude des Medienkonzerns. Was das gesellschaftsrechtlich bedeutet, geht aus dem Impressum nicht hervor, und mehr als die Anschrift lässt sich daraus seriös nicht ableiten. Die erste App-Version erschien am 22. Mai 2020 im App Store.
| Anbieter | QUIN Technologies GmbH |
| Sitz | Schützenstraße 15, 10117 Berlin (c/o Axel Springer SE) |
| Handelsregister | HRB 217297 B, Amtsgericht Charlottenburg |
| Geschäftsführer | Christian Rokitta (CEO), Raphael Steil |
| Gegründet | 2020 |
| Erlaubnis Finanzanlagen | § 34f Abs. 1 S. 1 Nr. 1 GewO, Reg.-Nr. D-F-107-GD9S-57 |
| Erlaubnis Versicherungen | § 34d Abs. 1 GewO, Reg.-Nr. D-BXW6-JXTL4-73 |
| Preise pro Jahr | Free 0 €, Premium 89,99 €, Wealth 149,99 €, Advisory 499 € |
| Serverstandort | Deutschland und EU (laut eigener Angabe) |
| Depotzugriff | ausschließlich lesend (laut eigener Angabe) |
| Trustpilot | 3,8 bei 290 Bewertungen (Stand 19.08.2026) |
Diese Funktionen bietet Getquin
Der Funktionsumfang ist in den letzten zwei Jahren deutlich gewachsen. Aus dem reinen Depot-Tracker ist eine Plattform geworden, die auch Ausgaben, Verbindlichkeiten und Altersvorsorge abbildet.
Depots und Wallets verbinden
Der Import ist der Kern der Anwendung. Getquin nennt drei Wege: Schnittstellen zu Banken und Brokern, den Upload von PDF- oder CSV-Dateien und die manuelle Eingabe. Krypto lässt sich über Börsen wie Binance und Coinbase sowie Wallets wie MetaMask anbinden.
Ein API-Lesezugriff ist eine Schnittstellenverbindung, über die eine Anwendung Kontostände und Positionen abrufen, aber keine Transaktionen auslösen kann.
Genau hier liegt in der Praxis die größte Schwachstelle, und zwar seit Monaten bei einem der meistgenutzten deutschen Broker. Die Details stehen weiter unten im Abschnitt zu den bekannten Problemen.
Welche Vermögenswerte abgedeckt sind
Die Bandbreite ist ungewöhnlich groß. Neben Aktien, ETFs, Fonds und Anleihen lassen sich Immobilien, Rohstoffe, Kunst, Autos und P2P-Kredite erfassen. Seit dem letzten großen Ausbau kommen Verbindlichkeiten wie Kredite und Hypotheken hinzu, außerdem Versicherungen.
Das ergibt ein Bild des Gesamtvermögens statt nur des Depots. Für Anleger mit Immobilie und Bausparvertrag ist das ein echter Vorteil gegenüber reinen Wertpapier-Trackern. Auch Kryptowährungen lassen sich abbilden.
Auswertungen und Klumpenrisiken
Die Auswertung ist der Grund, warum die meisten bleiben. Getquin zeigt die Verteilung nach Regionen, Branchen und Anlageklassen, rechnet die Wertentwicklung über frei wählbare Zeiträume und vergleicht sie in der Bezahlversion mit Indizes.
Ein Klumpenrisiko entsteht, wenn ein zu großer Teil des Vermögens von einer einzelnen Aktie, Branche oder Region abhängt. Fällt dieser Bereich, fällt das ganze Depot mit.
Die Funktion DeepDive rechnet dabei durch die ETFs hindurch. Wer eine Tesla-Aktie direkt hält und zusätzlich einen MSCI World besitzt, sieht die tatsächliche Gesamtposition. Wie sich solche Häufungen einordnen lassen, steht ausführlich in unserem Beitrag zum Klumpenrisiko im Depot. Für die Auswahl der Fonds selbst ist getquin dagegen nicht gemacht. Diese Aufgabe übernimmt ein Portal wie justETF.
Dividenden, Budget und Ruhestandsplanung
Drei Bereiche sind neu hinzugekommen. Der Dividendenkalender prognostiziert künftige Ausschüttungen und verfolgt das Dividendenwachstum. Die Budget-Werkzeuge erfassen Einnahmen, Ausgaben und laufende Abos über alle verbundenen Konten. Die Finanzplanung berechnet eine Rentenlücke und ordnet Ziele wie einen Hauskauf zeitlich ein.
Die KI-Funktionen
Getquin führt getquin KI inzwischen als eigenen Navigationspunkt. Dahinter stehen laut Anbieter ein KI-Agent, den Nutzer zu ihrem Portfolio befragen können, sowie ein AI Score zur Einordnung von Diversifikation, Risiko und Kosten.
Für diese Funktionen gilt eine eigene Regel in den AGB. Nach § 18 sind sie nur für Personen ab 18 Jahren bestimmt, unterliegen einer Fair-Use-Grenze und dürfen nicht für Dienstleistungen gegenüber Dritten genutzt werden. Wer sensible personenbezogene Daten in den KI-Chat eingibt, verstößt nach derselben Klausel gegen die Nutzungsbedingungen.
Meine Einordnung als Trader: Solche Auswertungen sind eine Beschreibung des Ist-Zustands, keine Handelsentscheidung. Sie zeigen, wie ein Depot heute aufgestellt ist. Was ein Markt als Nächstes tut, sagt kein Score.
Die Preisstruktur hat sich grundlegend verändert. Aus zwei Stufen sind drei geworden, und die Abrechnung läuft auf den öffentlichen Seiten nur noch jährlich.
| Tarif | pro Jahr | Kern |
|---|---|---|
| Free | 0 € | unbegrenzte Konten |
| Premium | 89,99 € | KI-Analyse und Benchmarks |
| Wealth | 149,99 € | Rentenplan, Finanzplanung |
| Advisory | 499 € | Berater und Finanzplan |
Die früher genannten 8,99 Euro im Monat lassen sich nicht mehr belegen. Weder die Preisseite noch die Einträge in App Store und Google Play weisen einen Monatspreis aus. Die AGB § 8.2 erwähnen Monats- und Jahresabos weiterhin allgemein, ohne Beträge zu nennen. Belegt ist damit nur: Auf den öffentlichen Seiten steht ausschließlich der Jahrespreis.
Was in den AGB steht und selten irgendwo auftaucht
Vier Klauseln entscheiden darüber, was ein Abo praktisch kostet. Sie stehen nicht in der Produktbeschreibung, sondern in den Allgemeinen Bedingungen:
- Automatische Verlängerung (§ 6.1): Der Vertrag verlängert sich zum Ende jedes Zeitraums um denselben Zeitraum, wenn nicht gekündigt wird. Die Kündigung erfolgt über das Abschalten der automatischen Verlängerung in den Kontoeinstellungen.
- Keine anteilige Erstattung (§ 8.6): Bei einer Kündigung besteht kein Anspruch auf Rückzahlung für den restlichen Abonnementzeitraum. Wer im zweiten Monat eines Jahresabos kündigt, zahlt die vollen zwölf Monate.
- Preisanpassung bei Verlängerung (§ 9.2 und § 9.3): Der Preis kann zur Verlängerung steigen. Getquin muss darüber spätestens sechs Wochen vorher in Textform informieren.
- Widerrufsrecht (§ 13): Verbraucher können innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Anders als bei manchen Anbietern digitaler Inhalte enthält die Belehrung keine Klausel über ein vorzeitiges Erlöschen dieses Rechts.
Ein Hinweis für App-Käufer: Wer das Abo über den App Store oder Google Play abschließt, kauft nach § 8.1 zu den Bedingungen des jeweiligen Stores. Getquin erstattet in diesem Fall bei Kündigung nichts und verweist auf den Store-Betreiber. Das gesetzliche Widerrufsrecht bleibt davon unberührt.
Getquin Advisory: aus dem Tracker ist ein Finanzvermittler geworden
Das ist die wichtigste Veränderung, und sie steht in keinem der großen Vergleichstests. Getquin verkauft Anlageberatung und vermittelt Finanzanlagen und Versicherungen. Für die Einordnung der Plattform ändert das mehr als jedes Feature-Update.
Ein Finanzanlagenvermittler nach § 34f Gewerbeordnung darf Anteile an Investmentfonds beraten und vermitteln. Er braucht dafür eine Gewerbeerlaubnis, muss sich im Vermittlerregister eintragen und eine Berufshaftpflicht nachweisen.
Die QUIN Technologies GmbH hat diese Erlaubnis. Sie ist nach § 34f Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 GewO registriert unter der Nummer D-F-107-GD9S-57, erteilt am 3. Juli 2020 durch das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg von Berlin. Nachprüfen lässt sich das bei der DIHK im Vermittlerregister. Die Vermögensschadenhaftpflicht bei der Allianz deckt 1.276.000 Euro je Schadensfall.
Ein Versicherungsmakler nach § 34d Gewerbeordnung vermittelt Versicherungsverträge im Auftrag des Kunden und wird dafür in der Regel vom Versicherer über eine Provision bezahlt, die in der Prämie steckt.
Auch diese Erlaubnis liegt vor, unter der Nummer D-BXW6-JXTL4-73, zuständig ist die IHK Berlin. Die AGB widmen der Versicherungsvermittlung einen kompletten eigenen Abschnitt mit fünfzehn Paragrafen, von der Vollmacht über Maklerpools bis zur Vergütung.
Was das Advisory-Abo enthält
Für 499 Euro im Jahr gibt es einen festen Ansprechpartner. Der Ablauf ist auf der Anbieterseite in vier Schritten beschrieben: ein Analysegespräch von rund 45 Minuten, ein Zielgespräch über 60 Minuten, ein schriftlicher Plan samt Ergebnisgespräch und danach laufende Betreuung per E-Mail und Videocall.
Zwei Punkte grenzen das Angebot ein. Es gilt laut Anbieter nur für Deutschland, und die Berater sind montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr erreichbar, ausgenommen Berliner Feiertage. Ein Anspruch auf einen bestimmten Berater besteht nach § 21.1 der AGB nicht. Beworben wird das Abo mit einer Geld-zurück-Garantie über 30 Tage.
Beim Anlageansatz wird Getquin ungewöhnlich deutlich: Empfohlen wird nach eigener Darstellung ein prognosefreies, breit gestreutes und kostengünstiges Vorgehen, das den Weltmarkt abbildet, statt auf einzelne Werte oder Zeitpunkte zu setzen.
Wo Interessenkonflikte entstehen können
Getquin benennt sie in den AGB selbst, und das ist die ehrlichere Variante gegenüber Anbietern, die das Thema auslassen. Nach § 19.1 können Konflikte entstehen durch wirtschaftliche Verflechtungen mit Produktanbietern, durch Provisionen und geldwerte Vorteile sowie durch bezahlte Kooperationen auf der Plattform.
Der letzte Punkt ist der interessanteste. Getquin verkauft Werbeflächen an Unternehmen und hat dafür eigene Werbekunden-AGB. In § 19.3 heißt es sinngemäß, es sei möglich, dass auf der Plattform Finanzprodukte empfohlen werden, die von Unternehmen stammen, die dort auch Werbung schalten. Der Anbieter versichert, dass Empfehlungen unabhängig von Werbekooperationen erfolgen, räumt im selben Absatz aber ein, bei einigen Produktanbietern eine Vermittlungsprovision zu erhalten.
Nach § 22.1 kann die Vergütung dreifach anfallen: als Honorar vom Kunden, als Provision vom Produktanbieter oder als Mischung aus beidem. Der Anbieter verpflichtet sich, über Art, Höhe und Quelle jeder Zuwendung vorab zu informieren, und erklärt, bevorzugt provisionsfreie oder günstige Produkte zu empfehlen.
Was ich davon halte: Die Offenlegung ist sauber gemacht und geht über das hinaus, was viele Vermittler zeigen. Sie ändert aber nichts an der Grundkonstellation. Wer eine Plattform nutzt, die zugleich Werbeflächen verkauft, Produkte vermittelt und Beratung anbietet, sollte Empfehlungen dort mit demselben Abstand lesen wie bei einer Bank. Für das reine Tracking spielt das keine Rolle. Für das Beratungsabo schon.
Ein Widerspruch auf der Anbieterseite
Die Sicherheitsseite beantwortet die Frage nach dem Geschäftsmodell mit zwei Quellen: Premium-Abonnements und Werbung in der App. Advisory und Versicherungsvermittlung stehen dort nicht, obwohl beide als eigene Punkte in der Hauptnavigation geführt werden und in den AGB je einen eigenen Abschnitt haben.
Das ist keine Rechtsfrage, sondern eine Sorgfaltsfrage. Wer sich auf der Sicherheitsseite über das Geschäftsmodell informiert, bekommt ein unvollständiges Bild. Maßgeblich sind die AGB und das Erstinformationsblatt.
Ist Getquin seriös? Sicherheit, Daten und Regulierung
Diese Frage wird häufiger gestellt als jede andere zu diesem Anbieter, und sie zerfällt in drei Teile: Ist das Unternehmen greifbar, sind die Daten geschützt, und kann jemand an das Geld?
Das Unternehmen ist vollständig greifbar
An der formalen Seite gibt es nichts zu beanstanden. Handelsregisternummer, Registergericht, Umsatzsteuer-Identifikationsnummer, ladungsfähige Anschrift, beide Geschäftsführer, eine Telefonnummer und zwei behördlich vergebene Registrierungsnummern stehen öffentlich. Das Erstinformationsblatt nennt zusätzlich vier Schlichtungsstellen, darunter den Versicherungsombudsmann.
Ein Detail bleibt unsauber: Das Impressum beruft sich auf § 55 Abs. 2 Rundfunkstaatsvertrag. Diese Norm wurde 2020 durch den Medienstaatsvertrag abgelöst. Das ist ein Formfehler ohne praktische Folgen, aber ein Anbieter mit zwei Gewerbeerlaubnissen sollte ihn nicht stehen lassen.
Zugriff auf das Depot
Der wichtigste Punkt für Anleger: Getquin gibt an, ausschließlich lesend auf verbundene Konten zuzugreifen. Aufträge erteilen, Geld überweisen oder Auszahlungen veranlassen sei technisch nicht möglich. Der Anbieter formuliert das auf seiner Sicherheitsseite und in den Sicherheitshinweisen wortgleich.
Das ist eine Anbieterangabe, keine geprüfte Tatsache. Von außen lässt sie sich nicht verifizieren. Sie deckt sich allerdings mit der Funktionsweise: Über Getquin lässt sich nicht handeln, jeder Kauf läuft weiter über den eigenen Online Broker.
Wo die Daten liegen
Getquin nennt Serverstandorte in Deutschland und der EU, nach PCI-DSS abgesicherte Rechenzentren und Verschlüsselung mit AES-256 sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand. Nutzer können ihre Daten nach Anbieterangabe jederzeit dauerhaft löschen. Ein Verkauf von Daten wird ausdrücklich ausgeschlossen.
Eine Marketingaussage stimmt so allerdings nicht. Auf der Sicherheitsseite heißt es, man frage keine persönlichen Daten ab. Die Datenschutzerklärung listet dagegen die Verarbeitung von Name, Adresse, Kontaktdaten, Vertragsdaten und Zahlungsdaten auf, und für das Beratungsabo verlangen die AGB in § 36 sogar eine Identitätsprüfung. Für das reine Tracking mag der Datenhunger gering sein. Gar keine persönlichen Daten sind es trotzdem nicht.
Warum es Betrugsanfragen zu Getquin gibt
Wer nach Getquin Betrug sucht, findet meist nicht den Anbieter, sondern seine Nachahmer. Getquin betreibt eine eigene Warnseite zu Identitätsmissbrauch und nennt dort konkrete gefälschte Domains, unter anderem getquin.app, getquin-app-online.com und getquln.support.
Zwei Merksätze von dieser Seite lohnen sich für jeden Nutzer: Getquin kontaktiert nach eigener Aussage niemals per SMS und niemals telefonisch und fragt nie nach Passwort, PIN, Seed-Phrase oder 2FA-Codes. Die einzigen offiziellen Adressen sind getquin.com und app.getquin.com. Wer sich einloggt, sollte die Adresse tippen oder ein Lesezeichen nutzen, statt einem Link aus einer Anzeige zu folgen.
Mein Fazit zur Seriositätsfrage: Das Unternehmen ist regulatorisch sauber aufgestellt und deutlich transparenter als der Durchschnitt in diesem Markt. Die Reibungspunkte liegen nicht bei der Legitimität, sondern bei einer Marketingsprache, die an zwei Stellen mehr verspricht als die eigenen Rechtstexte hergeben.
Getquin Bewertungen: was Nutzer wirklich sagen
Die drei öffentlichen Bewertungsquellen ergeben kein einheitliches Bild, und der Unterschied ist größer als bei den meisten Anbietern.
| Quelle | Note | Basis |
|---|---|---|
| Trustpilot | 3,8 | 290 Bewertungen |
| Apple App Store | 4,5 | 8.031 Bewertungen |
| Google Play | 3,7 | 7.900 Bewertungen |
Stand: 19. August 2026.
Der Trustpilot-Schnitt ist stark polarisiert. 75 Prozent vergeben fünf Sterne, aber 10 Prozent nur einen und weitere 4 Prozent zwei. Vier und drei Sterne kommen zusammen auf 11 Prozent. Ein solcher Verlauf bedeutet: Wer zufrieden ist, ist es sehr, und wer ein Problem hat, hat ein ernstes.
Die Bewertungsbasis ist aktuell. 53 der Bewertungen stammen aus den letzten zwölf Monaten, die jüngste ist wenige Tage alt. Das Profil ist seit März 2020 vom Unternehmen beansprucht. Getquin bittet Kunden aktiv um Bewertungen und hat nach Trustpilot-Angabe 94 Prozent der negativen Bewertungen beantwortet, meist innerhalb einer Woche. Beides gehört zur Einordnung: aktives Einladen hebt Schnitte tendenziell an, konsequentes Antworten spricht für einen erreichbaren Support.
Der Anbieter selbst wirbt mit über 10.000 Fünf-Sterne-Bewertungen. Diese Zahl bezieht sich erkennbar nicht auf Trustpilot, sondern dürfte die App-Stores einschließen. Als Einzelangabe ist sie ohne Quelle nicht nachprüfbar.
Was gelobt wird
Drei Punkte tauchen quer über alle Plattformen auf. Nutzer heben die Bedienung hervor, die Zusammenführung mehrerer Depots in einer Ansicht und die Community. Ein Rezensent schreibt bei Trustpilot, er habe seine Depots und Bankkonten problemlos verbunden und einen guten Überblick über vier Konten hinweg. Eine andere Stimme nennt die Beiträge im Forum als eigenständigen Nutzen.
Was kritisiert wird
Die Kritik ist erstaunlich konkret und wiederholt sich. Sie betrifft fast nie das Konzept, sondern die technische Zuverlässigkeit. Ein Nutzer beschreibt bei Google Play im Juni 2026, die Aggregation über mehrere Portfolios hinweg sei fehlerhaft: Für denselben Zeitraum zeige die Gesamtansicht andere Veränderungen als die Einzeldepots. Derselbe Nutzer bemängelt, dass sich keine Daten exportieren lassen.
Bekannte Probleme mit Getquin
Ein Problem zieht sich durch die Bewertungen beider App-Stores, und es betrifft ausgerechnet einen der meistgenutzten deutschen Neobroker.
Der Import von Trade Republic bricht ab
Nutzer melden das seit mindestens März 2026. Ein Rezensent schreibt am 25. März, seit dem letzten Update sei keine Verbindung zu Trade Republic mehr möglich. Ein zahlender Premium-Kunde beschreibt am 18. April, der Import funktioniere gar nicht mehr, und stellt die Frage nach einer Erstattung für den Ausfallzeitraum.
Getquin antwortet in beiden Fällen öffentlich. Im März heißt es, die Sache sei bereits in Arbeit, im Mai wird auf ein App-Update und eine überarbeitete Verbindung verwiesen. Ob das Problem heute vollständig behoben ist, lässt sich von außen nicht feststellen.
Das ist der Punkt, an dem ich vor einem Jahresabo genau hinsehen würde. Wer sein Depot bei Trade Republic führt und den automatischen Import als Hauptgrund für Premium sieht, sollte das in der kostenlosen Version testen, bevor er 89,99 Euro für zwölf Monate bezahlt. Eine anteilige Erstattung gibt es nach den AGB nicht.
Kein Export der eigenen Daten
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft den Ausstieg. Ein Nutzer beschreibt die Plattform als Einbahnstraße: Daten ließen sich einlesen, aber nicht wieder herausholen. Wer Wert darauf legt, seine Historie mitnehmen zu können, sollte das vor der Entscheidung prüfen. Bei einer Open-Source-Lösung wie Portfolio Performance liegt die Datei ohnehin auf dem eigenen Rechner.
Einzelne Uploads schlagen fehl
Auch der Datei-Import läuft nicht immer glatt. Bei Trustpilot berichtet ein Nutzer Mitte August 2026, er versuche seit Tagen erfolglos, eine Datei hochzuladen.
Vor- und Nachteile von Getquin
Nach der Prüfung aller Bereiche lässt sich das Bild klar sortieren. Die Stärken liegen in Umfang und Transparenz, die Schwächen in der technischen Zuverlässigkeit und im Rollenkonflikt.
Wofür sich Getquin lohnt
- Größte Abdeckung im Markt: Aktien, ETFs, Krypto, Immobilien, Kunst, Kredite und Versicherungen in einer Ansicht.
- Ernst gemeinter Gratis-Tarif: unbegrenzte Konten und Echtzeitdaten ohne Kosten, dauerhaft.
- Belegte Regulierung: zwei Gewerbeerlaubnisse, Eintrag im Vermittlerregister, Berufshaftpflicht bei der Allianz.
- Nur Lesezugriff: Getquin kann nach eigener Angabe keine Aufträge auslösen und kein Geld bewegen.
- Erreichbarer Support: 94 Prozent der negativen Trustpilot-Bewertungen beantwortet, meist binnen einer Woche.
- Offene Konfliktdarstellung: Provisionen und Werbekooperationen stehen in den AGB, statt verschwiegen zu werden.
Wo Getquin Schwächen zeigt
- Wiederkehrende Importfehler: die Anbindung an Trade Republic fiel über Monate aus, gemeldet von zahlenden Kunden.
- Kein Datenexport: die Historie lässt sich nach Nutzerberichten nicht mitnehmen.
- Keine anteilige Erstattung: wer im Jahresabo kündigt, zahlt nach den AGB den vollen Zeitraum.
- Kein Monatspreis mehr öffentlich: die Preisseite kennt nur noch Jahresabos.
- Rollenkonflikt: derselbe Anbieter misst, berät, vermittelt und verkauft Werbung.
- Zwei Marketingaussagen halten nicht: das Versprechen zu persönlichen Daten und die unvollständige Antwort zum Geschäftsmodell.
- Polarisierte Bewertungen: 14 Prozent bei Trustpilot vergeben nur ein oder zwei Sterne.
Getquin Alternativen im Vergleich
Kein Tracker passt für jeden. Vier Alternativen decken jeweils einen anderen Bedarf ab.
| Anbieter | Für wen |
|---|---|
| Getquin | gemischtes Vermögen |
| Parqet | langfristige Anleger |
| extraETF | ETF-Sparplan-Anleger |
| Portfolio Performance | technisch Versierte |
Parqet
Parqet ist die direkteste Alternative. Die Plattform konzentriert sich auf Wertpapiere und Dividenden, verzichtet weitgehend auf alternative Anlageklassen und wirkt dadurch aufgeräumter. Wer nur Depots zusammenführen will und weder Immobilien noch Kunst trackt, kommt hier schneller ans Ziel.
Wer neben dem Depot auch Girokonten und Verträge im Blick behalten will, kombiniert den Tracker mit einer Multibanking-App. Wie weit das trägt, zeigt der Test der Finanzguru App.
extraETF
Der extraETF Portfolio Tracker geht in die Tiefe statt in die Breite. Er durchleuchtet ETFs bis auf die Einzelposition und zeigt Überschneidungen zwischen Fonds. Für ETF-Sparer ist das der stärkere Ansatz, für Anleger mit vielen Anlageklassen der engere.
Portfolio Performance
Portfolio Performance ist der Gegenentwurf. Die Open-Source-Software läuft lokal, die Daten bleiben auf dem eigenen Rechner, und es gibt keine automatische Synchronisierung. Der Aufwand ist höher, die Kontrolle vollständig. Wer den fehlenden Export bei Getquin als Ausschlusskriterium sieht, findet hier die Antwort.
Finanzfluss Copilot
Der Copilot von Finanzfluss ist der jüngste Wettbewerber und richtet sich an dieselbe Zielgruppe wie Getquin: Privatanleger, die mehrere Depots bündeln wollen. Er profitiert von der Reichweite der Marke, bietet aber weniger Anlageklassen.
Ein Blick über den Tellerrand lohnt außerdem: Eine Übersicht der gängigen Werkzeuge steht in unserem Beitrag zu Trading Software.
Für wen sich Getquin lohnt und für wen nicht
Die Entscheidung hängt weniger am Preis als am eigenen Profil. Zwei Listen machen es kurz.
Getquin passt zu dir, wenn
- du mehrere Depots plus Konten, Immobilie oder Krypto an einer Stelle sehen willst
- dir ein Gesamtbild des Vermögens wichtiger ist als die letzte Nachkommastelle
- du den Austausch in einer Community als Nutzen empfindest
- dir ein deutscher Anbieter mit Impressum und Registereintrag wichtig ist
Getquin passt eher nicht, wenn
- du dein Depot bei Trade Republic führst und auf den automatischen Import angewiesen bist
- du deine Daten exportieren und woanders weiterverwenden möchtest
- du monatlich zahlen statt dich ein Jahr binden willst
- du kurzfristig handelst und Chartanalyse statt Bestandsauswertung brauchst
- du eine Beratung ganz ohne Vermittlungsprovision suchst
Ein Wort aus meiner eigenen Perspektive. Ich handle seit 1980 kurzfristig nach Price Action. Für meine Arbeit ist ein Portfolio-Tracker das falsche Werkzeug, weil er den Bestand beschreibt und nicht den Markt. Wer dagegen langfristig aufbaut und den Überblick über verstreute Positionen verloren hat, bekommt hier für null Euro mehr, als die meisten Depotbanken liefern.
Fazit: lohnt sich Getquin?
Als Portfolio-Tracker gehört Getquin zu den stärksten Angeboten im deutschsprachigen Raum. Keine andere Plattform deckt so viele Anlageklassen ab, und der kostenlose Tarif ist kein Lockangebot, sondern für viele Anleger bereits ausreichend. Wer nur einen Überblick über verstreute Depots sucht, muss nichts bezahlen.
Die Bezahlstufen rechnen sich nur bei konkretem Bedarf. Premium lohnt sich, wenn Benchmark-Vergleiche und Dividendenprognosen regelmäßig genutzt werden. Wealth richtet sich an Anleger, die Ruhestandsplanung ernsthaft betreiben. Vor jedem Jahresabo gilt: erst in der Gratisversion prüfen, ob die eigene Bank sauber angebunden ist, denn eine anteilige Erstattung gibt es nicht.
Der ehrlichste Satz über Getquin lautet: Es ist nicht mehr nur ein Tracker. Mit zwei Gewerbeerlaubnissen, einem Beratungsabo und verkauften Werbeflächen ist daraus ein Finanzdienstleister geworden, der misst, berät, vermittelt und Werbung verkauft. Das ist legitim und wird in den AGB offengelegt. Es verändert aber, wie man Empfehlungen auf dieser Plattform lesen sollte.
Meine Einordnung: Für das Tracking uneingeschränkt empfehlenswert, mit dem Vorbehalt der Importprobleme. Für die Beratung gilt dasselbe wie bei jedem provisionsnahen Anbieter: Die Offenlegung ersetzt nicht die eigene Prüfung.
Häufige Fragen zu Getquin
Was kostet Getquin im Jahr 2026?
Der Free-Tarif kostet 0 Euro. Premium liegt bei 89,99 Euro im Jahr, die Stufe Wealth bei 149,99 Euro. Das Beratungsabo getquin Advisory kostet 499 Euro im Jahr. Einen Monatspreis weist der Anbieter auf seinen öffentlichen Seiten nicht mehr aus.
Ist Getquin seriös?
Das Unternehmen ist regulatorisch vollständig aufgestellt. Die QUIN Technologies GmbH ist im Handelsregister Berlin unter HRB 217297 B eingetragen und besitzt Erlaubnisse nach § 34f und § 34d Gewerbeordnung, beide im Vermittlerregister nachprüfbar. Kritik richtet sich nicht gegen die Legitimität, sondern gegen einzelne Marketingaussagen und die technische Zuverlässigkeit.
Wer steckt hinter Getquin?
Betreiber ist die QUIN Technologies GmbH in Berlin, gegründet 2020 von Christian Rokitta und Raphael Steil, die das Unternehmen bis heute als Geschäftsführer führen. Die Geschäftsanschrift lautet Schützenstraße 15, 10117 Berlin, laut Impressum mit dem Zusatz c/o Axel Springer SE.
Kann Getquin auf mein Depot zugreifen?
Nach Angaben des Anbieters nicht. Die Verbindung zu Banken und Brokern erfolge ausschließlich mit Lesezugriff. Aufträge, Überweisungen oder Auszahlungen seien darüber nicht möglich, und handeln lässt sich über Getquin ebenfalls nicht. Diese Angabe stammt vom Anbieter und ist von außen nicht überprüfbar.
Wo speichert Getquin meine Daten?
Auf Servern in Deutschland und der EU, nach Anbieterangabe in Rechenzentren nach PCI-DSS-Standard und mit AES-256 verschlüsselt, sowohl bei der Übertragung als auch im Ruhezustand. Nutzer können ihre Daten jederzeit dauerhaft löschen. Ein Verkauf von Nutzerdaten wird ausgeschlossen.
Bekomme ich Geld zurück, wenn ich das Abo kündige?
Nein, nicht anteilig. Nach § 8.6 der AGB besteht bei einer Kündigung kein Anspruch auf Rückzahlung für den restlichen Abonnementzeitraum. Unberührt bleibt das gesetzliche Widerrufsrecht von 14 Tagen nach § 13. Wer über App Store oder Google Play gebucht hat, kündigt dort und erhält von Getquin keine Erstattung.
Was ist getquin Advisory?
Ein Beratungsabo für 499 Euro im Jahr, bei dem ein Finanzanlagenberater per Videocall und E-Mail einen persönlichen Finanzplan erstellt und laufend betreut. Das Angebot gilt laut Anbieter nur für Deutschland, die Berater sind werktags von 10 bis 18 Uhr erreichbar. Vergütet wird nach § 22 der AGB über ein Honorar und teils über Provisionen von Produktanbietern.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels handelt seit 1980 an den Finanzmärkten und führt als Gründer die Kagels Trading GmbH. Er arbeitet diskretionär nach Price Action und war 1989 der Erstübersetzer der Elliott-Wellen-Literatur ins Deutsche.
Sein Schwerpunkt liegt im kurzfristigen Handel, nicht in der langfristigen Vermögensverwaltung. Werkzeuge wie Getquin beurteilt er deshalb aus der Perspektive des Praktikers, der Depotüberwachung und Risikostreuung seit Jahrzehnten kennt, ohne selbst Kunde der Plattform zu sein.
Für diesen Artikel hat er ausschließlich Primärquellen geprüft: Preise und Funktionen auf der Anbieterseite, Unternehmensdaten im Impressum und im Erstinformationsblatt nach FinVermV, die Allgemeinen Geschäftsbedingungen sowie Bewertungen bei Trustpilot, im Apple App Store und bei Google Play. Es besteht keine Werbepartnerschaft mit Getquin.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.



















