Der Leitzins der Schweizerischen Nationalbank steht seit dem 20. Juni 2025 bei null Prozent. Bis zum Entscheid hatte der Franken gegen den Euro leicht nachgegeben: Am 20. Juni 2025 kostete ein Euro 0,9415 Franken, am 25. September 2026 waren es 0,9445. Die Nationalbank nennt diese Abschwächung in ihrer Mitteilung vom 24. September selbst als einen Grund für ihre höhere Inflationsprognose. Seitdem hat der Franken wieder zugelegt: Am 7. Oktober 2026 kostete ein Euro nur noch 0,9309 Franken (EZB-Referenzkurse). Wer den SNB-Zinsentscheid nur als Zinszahl liest, übersieht deshalb den Teil, der die Kurse tatsächlich bewegt.
Hier stehen alle Termine bis Ende 2027 mit Uhrzeit, der aktuelle Stand nach der Lagebeurteilung vom 24. September und eine eigene Auswertung über 30 Entscheide, wie stark der Franken an SNB-Tagen wirklich ausschlägt. Dazu kommt der Grund, warum bei dieser Notenbank der Devisenmarkt oft wichtiger ist als der Zinssatz. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
SNB-Zinsentscheid: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Der SNB-Zinsentscheid ist der vierteljährliche Beschluss der Schweizerischen Nationalbank über die Höhe des SNB-Leitzinses. Er fällt im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung.
- Der Leitzins liegt bei 0,00 Prozent. Er gilt seit dem 20. Juni 2025 und wurde seitdem fünfmal in Folge bestätigt, zuletzt am 24. September 2026.
- Der nächste Entscheid kommt am Donnerstag, 10. Dezember 2026. Danach folgen der 18. März und der 24. Juni 2027.
- Die Mitteilung erscheint um 9:30 Uhr, das Mediengespräch beginnt um 10:00 Uhr. Die Schweiz hat dieselbe Zeitzone wie Deutschland, du musst also nichts umrechnen.
- In unserer Messung über 30 Termine bewegte sich EUR/CHF an SNB-Tagen im Mittel 1,8-mal so stark wie an normalen Tagen. Am 24. September waren es 0,20 Prozent.
- Die Nationalbank hat ihre erhöhte Bereitschaft zu Devisenmarkt-Interventionen im September zurückgenommen. Das ist die eigentliche Nachricht des Termins, denn am Zins selbst hat sich nichts geändert.
Was ist der SNB-Zinsentscheid?
Der SNB-Zinsentscheid ist der vierteljährliche Beschluss der Schweizerischen Nationalbank über die Höhe des SNB-Leitzinses. Er fällt im Rahmen der geldpolitischen Lagebeurteilung, in der das Direktorium die Wirtschaftslage prüft und eine bedingte Inflationsprognose veröffentlicht.
Entschieden wird nicht von einem großen Gremium, sondern von einem sehr kleinen: Das Direktorium der Nationalbank besteht aus drei Mitgliedern. Präsident ist Martin Schlegel. Anders als bei der Fed oder der Bank of Japan werden keine Stimmverhältnisse veröffentlicht. Es gibt kein Protokoll mit namentlichen Gegenstimmen, sondern eine gemeinsame Mitteilung.
Der Leitzins wirkt über die Sichtguthaben der Banken bei der Nationalbank. Bis zu einer bestimmten Limite werden sie zum Leitzins verzinst, oberhalb dieser Limite gilt ein Zinsabschlag von 0,25 Prozentpunkten. Über diese Schwelle steuert die SNB, wie teuer kurzfristiges Geld am Markt ist, ohne den Leitzins selbst anzufassen.
Das Mandat ist knapp formuliert und für Trader wichtig: Die Nationalbank muss die Preisstabilität gewährleisten und dabei die Konjunktur berücksichtigen. Preisstabilität bedeutet nach ihrer eigenen Definition eine Teuerung von null bis zwei Prozent pro Jahr. Details dazu stehen in der geldpolitischen Strategie der SNB.
Der zweite Hebel steht in fast jeder Mitteilung und wird trotzdem häufig überlesen. Die SNB erklärt regelmäßig, sie sei bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein. Dieser Satz ist kein Beiwerk, sondern das zweite Instrument neben dem Zins. Wie er wirkt, steht weiter unten.
Aktueller SNB-Zinsentscheid: September 2026
Die Nationalbank hat den Leitzins am 24. September 2026 unverändert bei 0,00 Prozent belassen. Es ist die fünfte Bestätigung in Folge seit der letzten Senkung im Juni 2025. Der Zinsabschlag auf Sichtguthaben oberhalb der Limite bleibt ebenfalls bei 0,25 Prozentpunkten.
Die eigentliche Nachricht steht nicht in der Zinszeile. Im März und im Juni schrieb die SNB, ihre Bereitschaft zu Interventionen am Devisenmarkt sei erhöht. Im September steht dort wieder die Normalfassung: bei Bedarf bereit, am Devisenmarkt aktiv zu sein. Einen Grund für den geänderten Wortlaut nennt die Mitteilung nicht. Die jüngste Abwertung des Frankens erwähnt sie an anderer Stelle: Zusammen mit der Geldpolitik wirke sie stützend auf die Konjunktur.
Bei der Teuerung bestätigte sich das Bild vom Sommer. Die Jahresteuerung stieg laut Mitteilung des Bundesamts für Statistik vom 3. September 2026 von 0,4 Prozent im Juli auf 0,8 Prozent im August. Die Nationalbank rechnet in ihrer Mitteilung von 0,6 Prozent im Mai auf 0,8 Prozent im August und nennt als Treiber die Preise für Erdölprodukte. Die Warenteuerung lag im August erstmals seit Mai 2024 wieder im positiven Bereich. Seit dem Entscheid kam eine höhere Zahl dazu: Im September lag die Jahresteuerung laut Mitteilung des Bundesamts für Statistik vom 1. Oktober 2026 bei 1,0 Prozent; teurer wurden vor allem Heizöl, Benzin und Diesel.
Die bedingte Inflationsprognose liegt jetzt höher als im Juni. Die Nationalbank erwartet im Jahresdurchschnitt 0,7 Prozent für 2026 sowie je 0,8 Prozent für 2027 und 2028. Im Juni standen dort noch 0,6, 0,6 und 0,7 Prozent. Als Gründe nennt sie die höher als erwarteten Ölpreise und, mittelfristig, die Abschwächung des Frankens. Auch diese Prognose unterstellt einen Leitzins von null Prozent über den gesamten Zeitraum.
Beim Wachstum hat die Nationalbank deutlich angehoben. Für 2026 erwartet sie jetzt 1,5 bis 2 Prozent nach rund einem Prozent im Juni, für 2027 unverändert rund 1,5 Prozent. Das zweite Quartal fiel außerordentlich stark aus, was die Mitteilung allerdings einordnet: Eine ungewöhnlich kräftige chemisch-pharmazeutische Industrie habe das BIP über die eigentliche Dynamik hinaus gehoben. Die Zahlen stehen in der Mitteilung vom 24. September 2026.
Der Vergleich mit der Mitteilung vom 18. Juni 2026 zeigt die Bewegung in einem einzigen Wort: Dort war die Interventionsbereitschaft noch erhöht.
Der Markt nahm den Termin gelassen. EUR/CHF schloss am Entscheidungstag 0,20 Prozent höher als am Vortag, gemessen am EZB-Referenzkurs. Das liegt unter dem Durchschnitt von 0,40 Prozent, den wir über alle 30 Termine messen, und passt zum Muster: Bestätigte Erwartungen bewegen wenig.
Was gegen einen Zinsschritt im Dezember spricht
- Die bedingte Prognose liegt mit 0,7 bis 0,8 Prozent über den gesamten Zeitraum im Zielband.
- Der Anstieg der Teuerung kommt von den Ölpreisen und damit von außen.
- Die Nationalbank hat ihre erhöhte Interventionsbereitschaft gerade erst zurückgenommen.
Was den Dezember-Termin trotzdem riskant macht
- Die Prognose wurde im September zum zweiten Mal in Folge angehoben.
- Die Warenteuerung ist erstmals seit Mai 2024 wieder positiv.
- Der Wortlaut zum Devisenmarkt ändert sich von Termin zu Termin, und jede Nuance wird gehandelt.
- Die Nationalbank nennt die Frankenabwertung selbst als Grund für die höhere Prognose. Seit dem 25. September hat der Franken gegen den Euro wieder zugelegt (EUR/CHF 0,9445 auf 0,9309 am 7. Oktober 2026).
- Die Jahresteuerung stieg im September auf 1,0 Prozent (Bundesamt für Statistik, 1. Oktober 2026).
SNB-Termine 2026 und 2027 im Überblick
Die Nationalbank entscheidet viermal im Jahr, jeweils an einem Donnerstag im März, Juni, September und Dezember. Das sind deutlich weniger Termine als bei der EZB mit acht und bei der Bank of Japan mit ebenfalls acht Sitzungen. Jeder einzelne Termin wiegt dadurch schwerer.
| Termin | Uhrzeit | Inhalt |
|---|---|---|
| Do, 10.12.2026 | 9:30 Uhr | Zinsentscheid und Prognose |
| Do, 18.03.2027 | 9:30 Uhr | Zinsentscheid und Prognose |
| Do, 24.06.2027 | 9:30 Uhr | Zinsentscheid und Prognose |
| Do, 23.09.2027 | 9:30 Uhr | Zinsentscheid und Prognose |
| Do, 16.12.2027 | 9:30 Uhr | Zinsentscheid und Prognose |
Etwa vier Wochen nach jedem Entscheid folgt ein zweites Dokument, das viele Trader nicht auf dem Schirm haben: eine Zusammenfassung der Diskussion. Sie erklärt, welche Argumente im Direktorium gegeneinander standen. Wer wissen will, wie nah die Nationalbank an einer Änderung war, findet die Antwort dort und nicht in der Mitteilung vom Entscheidungstag. Die Zusammenfassung zum September-Entscheid erscheint am 22. Oktober 2026 um 9:30 Uhr.
Zwischen den regulären Terminen kann die SNB jederzeit handeln, und sie hat es mehrfach getan. Die Übersicht der geldpolitischen Entscheide führt neben den regulären Lagebeurteilungen auch außerordentliche Beschlüsse auf, darunter die Einführung der Negativzinsen im Dezember 2014 und die Aufhebung des Euro-Mindestkurses im Januar 2015.
Uhrzeit: Wann die SNB ihren Zinsentscheid veröffentlicht
Die Schweizerische Nationalbank veröffentlicht ihren Zinsentscheid um 9:30 Uhr. Das Mediengespräch mit den einleitenden Bemerkungen des Direktoriums beginnt eine halbe Stunde später um 10:00 Uhr.
Diese Uhrzeit ist seit Jahren stabil und steht für jeden Termin im Voraus im Terminkalender der Nationalbank. Das unterscheidet die SNB von der Bank of Japan, deren Beschlüsse je nach Sitzungsdauer zwischen gut vier und knapp sechs Uhr deutscher Zeit eintreffen. Bei der SNB kannst du die Minute in den Kalender eintragen.
Eine Umrechnung brauchst du nicht. Die Schweiz liegt in derselben Zeitzone wie Deutschland und Österreich, im Winter MEZ, im Sommer MESZ. Auch die Umstellung auf Sommer- und Winterzeit erfolgt am selben Wochenende. 9:30 Uhr in Zürich sind 9:30 Uhr in Frankfurt.
Der Zeitpunkt hat eine praktische Folge, die du kennen solltest. Um 9:30 Uhr ist die europäische Handelszeit seit einer halben Stunde offen, der US-Markt schläft noch. Die erste Reaktion läuft deshalb über den Devisenmarkt und über Schweizer Aktien, nicht über den breiten Weltmarkt. Nachmittags, wenn die US-Händler dazukommen, wird eine Bewegung häufig noch einmal nachjustiert.
Wenn du den Termin handeln willst, lohnt der Blick in unseren Wirtschaftskalender, weil der Schweizer Termin regelmäßig in derselben Woche liegt wie die Sitzungen von Fed und EZB. Die Reihenfolge entscheidet dann mit, wie der Markt die Schweizer Entscheidung einordnet.
Leitzins Schweiz: von minus 0,75 auf null Prozent
Die Schweiz hat den kompletten Zinszyklus in nur drei Jahren durchlaufen und liegt heute wieder fast dort, wo sie gestartet ist. Im Juni 2022 lag der Leitzins bei minus 0,75 Prozent, im Juni 2023 bei plus 1,75 Prozent, seit Juni 2025 bei null.
Alle Zinsschritte seit der Zinswende 2022
| Beschluss | Änderung | Neuer Leitzins |
|---|---|---|
| 16.06.2022 | plus 0,50 Punkte | minus 0,25 Prozent |
| 22.09.2022 | plus 0,75 Punkte | 0,50 Prozent |
| 15.12.2022 | plus 0,50 Punkte | 1,00 Prozent |
| 23.03.2023 | plus 0,50 Punkte | 1,50 Prozent |
| 22.06.2023 | plus 0,25 Punkte | 1,75 Prozent |
| 21.03.2024 | minus 0,25 Punkte | 1,50 Prozent |
| 20.06.2024 | minus 0,25 Punkte | 1,25 Prozent |
| 26.09.2024 | minus 0,25 Punkte | 1,00 Prozent |
| 12.12.2024 | minus 0,50 Punkte | 0,50 Prozent |
| 20.03.2025 | minus 0,25 Punkte | 0,25 Prozent |
| 19.06.2025 | minus 0,25 Punkte | 0,00 Prozent |
Der letzte Satz der Tabelle ist die Stelle, an der viele Artikel falsch liegen, und zwar auch große. Der Beschluss fällt am Donnerstag, gültig wird der neue Leitzins am Freitag. Die Mitteilung vom 19. Juni 2025 formuliert das wörtlich: Der neue Leitzins gilt ab morgen, 20. Juni 2025. Ein Satz wie der Leitzins liegt seit dem 19. Juni bei null Prozent ist damit schlicht falsch.
Für dich als Trader ist der Unterschied mehr als Pedanterie. Die Kursreaktion kommt am Beschlusstag, die Verzinsung der Sichtguthaben ändert sich am Tag darauf. Wer Finanzierungskosten über Nacht rechnet, etwa bei gehaltenen Franken-Positionen, muss mit dem Gültigkeitsdatum rechnen und nicht mit dem Sitzungstag.
Bemerkenswert ist auch, was zwischen 2015 und 2022 passierte, nämlich nichts. Der Satz lag sieben Jahre unverändert bei minus 0,75 Prozent. Die Schweiz hatte damit einen der tiefsten Leitzinsen der Welt, und die Termine waren für Trader jahrelang ein Nicht-Ereignis. Diese Ruhe ist seit 2022 vorbei, auch wenn der Zins gerade wieder stillsteht.
Wie stark bewegt ein SNB-Entscheid den Franken?
Für diesen Artikel haben wir jeden Entscheid seit Einführung des SNB-Leitzinses im Juni 2019 nachgerechnet, insgesamt 30 Termine. Als Kursquelle dienen die Referenzkurse der EZB, weil die EZB sie täglich in einer Abstimmung der Notenbanken gegen 14:10 Uhr festlegt und gegen 16:00 Uhr veröffentlicht. Sie liegen damit sauber nach dem Schweizer Entscheid. Verglichen wird die Tagesveränderung an SNB-Tagen mit der an allen anderen Handelstagen desselben Zeitraums.
Das Ergebnis ist eindeutig, aber kleiner, als viele erwarten. EUR/CHF bewegte sich an Entscheidungstagen im Mittel um 0,40 Prozent gegenüber 0,22 Prozent an normalen Tagen. Das ist der Faktor 1,8. Bei USD/CHF lag der Wert mit 0,62 gegen 0,35 Prozent bei Faktor 1,8. An 22 von 30 Terminen lag der Ausschlag über dem Median normaler Tage.
Wer nur die Jahre seit der Zinswende betrachtet, sieht ein schärferes Bild. Seit Juni 2022 liegt der Faktor bei EUR/CHF bei 2,2, an 14 von 18 Terminen war die Bewegung überdurchschnittlich. Die Termine sind also nicht generell heiß, sondern genau dann, wenn eine Zinsänderung im Raum steht.
Die Ausschläge einzeln
| Termin | EUR/CHF | Anlass |
|---|---|---|
| 16.06.2022 | minus 2,81 Prozent | erste Erhöhung |
| 22.09.2022 | plus 1,41 Prozent | Schritt um 0,75 Punkte |
| 21.03.2024 | plus 1,12 Prozent | erste Senkung |
| 19.03.2026 | plus 0,53 Prozent | keine Änderung |
| 18.06.2026 | plus 0,27 Prozent | keine Änderung |
| 24.09.2026 | plus 0,20 Prozent | keine Änderung |
Das Muster dahinter ist für die Praxis wichtiger als jeder Einzelwert. Die großen Bewegungen entstanden an den Wendepunkten der Zinspolitik: bei der ersten Erhöhung im Juni 2022 und der ersten Senkung im März 2024. An den meisten übrigen Terminen blieb es bei Bewegungen unter einem halben Prozent.
Bemerkenswert ist die Richtung im Juni 2022. EUR/CHF fiel an einem Tag um 2,8 Prozent, der Franken wertete also kräftig auf, obwohl die Erhöhung kleiner ausfiel als die der Fed am Vortag (plus 0,75 Prozentpunkte). Die EZB hatte damals noch gar nicht erhöht, ihr erster Schritt kam erst am 21. Juli 2022. Nicht die Höhe des Schritts bewegte den Markt, sondern dass überhaupt einer kam. Wie Zinsdifferenzen zwischen Währungsräumen wirken, steht ausführlich im Artikel zum Carry Trade. Den Zinsabstand zwischen EZB und Fed und seine Folgen für den Euro zeigt die EUR/USD Kursprognose.
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Warum die SNB anders arbeitet als EZB und Fed
Die Schweizerische Nationalbank hat ein Problem, das EZB und Fed nicht kennen. Der Franken gilt als sicherer Hafen. In jeder globalen Krise fließt Kapital in den Franken, er wertet auf, importierte Güter werden billiger, und die Inflation fällt. Eine zu starke Währung kann die Preisstabilität in der Schweiz deshalb genauso gefährden wie eine zu hohe Teuerung anderswo.
Daraus folgt das zweite Instrument. Die Nationalbank kauft bei Bedarf Fremdwährungen, um den Franken zu bremsen. In der Mitteilung vom 19. März 2026 formulierte sie das mit Blick auf den Nahost-Konflikt so: Die Bereitschaft, am Devisenmarkt zu intervenieren, sei erhöht. Im Juni 2026 stand derselbe Hinweis erneut in der Mitteilung.
Für Trader ist diese Formulierung der eigentliche Nachrichtenwert, wenn der Zins unverändert bleibt. Ändert sich ein Wort im Devisenmarkt-Satz, ist das eine geldpolitische Aussage, auch ohne Zinsschritt. Wer nur auf die Zinszeile schaut, hält einen solchen Termin fälschlich für ein Nicht-Ereignis.
Der 15. Januar 2015 als Mahnung
Wie ernst das gemeint ist, zeigt der größte Schock, den der Devisenmarkt in diesem Jahrhundert erlebt hat. Von September 2011 an verteidigte die SNB einen Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro. Am 15. Januar 2015 gab sie ihn ohne Vorwarnung auf.
Der EZB-Referenzkurs fiel an diesem einen Tag von 1,2010 auf 1,0280 Franken, ein Minus von 14,4 Prozent. Zum Vergleich: Die zweitgrößte Tagesbewegung seit 2014 liegt bei 2,8 Prozent, und auch sie fiel auf einen SNB-Termin. Belegt ist der Fall des britischen Brokers Alpari UK: Er trat laut der Finanzaufsicht FCA am 19. Januar 2015 in ein Insolvenzverfahren ein. Im freien Fall können Stop-Orders weit vom gesetzten Kurs entfernt ausgeführt werden. Die Mitteilung vom 15. Januar 2015 ist bis heute abrufbar.
Die Lehre daraus ist keine Panik, sondern ein nüchterner Umgang mit dem Risiko. Ein Stop-Loss ist kein garantierter Preis, sondern eine Order, die zum nächsten verfügbaren Kurs ausgeführt wird. Wie groß die Lücke werden kann, steht im Artikel zur Slippage im Trading. Heute verteidigt die SNB keinen festen Kurs mehr, das Instrument selbst hat sie aber nie aufgegeben.
SNB, EZB und Fed im Vergleich
Der Schweizer Termin lässt sich nur im Verhältnis zu den beiden großen Notenbanken einordnen. Die Zinsdifferenz zum Euroraum bestimmt, wie attraktiv es ist, Franken zu leihen und in Euro anzulegen. Genau diese Differenz ist der Treiber hinter vielen Franken-Bewegungen.
| Notenbank | Leitzins | Termin |
|---|---|---|
| SNB (Schweiz) | 0,00 Prozent | 10.12.2026 |
| EZB (Euroraum) | 2,50 Prozent | 17.12.2026 |
| Fed (USA) | 3,75 bis 4,00 Prozent | 09.12.2026 |
Die Zahlen zeigen die Lage in einem Satz: Zwischen Franken und Euro liegen 2,5 Prozentpunkte, zwischen Franken und Dollar fast vier. Der Franken ist damit die billigste der drei Währungen, wenn man sie leihen will. Gegen den Dollar hat er 2026 dazu passend nachgegeben: USD/CHF stieg nach den EZB-Referenzkursen von 0,7931 am 2. Januar auf 0,8329 am 7. Oktober 2026. Gegen den Euro schwächte er sich bis zum 25. September ab (EUR/CHF 0,9296 auf 0,9445) und stand am 7. Oktober mit 0,9309 wieder fast auf dem Januarwert. In Krisen kann der Safe-Haven-Effekt die reine Zinslogik jederzeit aushebeln.
Für die Einordnung der einzelnen Termine helfen die Schwesterartikel: Wie die Europäische Zentralbank entscheidet, steht im Beitrag zum EZB-Zinsentscheid, die Systematik der US-Notenbank im Beitrag zum Fed-Zinsentscheid. Den vierten Termin im Kalender liefert Japan, nachzulesen beim BoJ-Zinsentscheid. Die britische Notenbank veröffentlicht dagegen jede einzelne Stimme, nachzulesen beim BoE-Zinsentscheid. Die Bank of Canada veröffentlicht dagegen gar keine Einzelstimmen und entscheidet im Konsens, wie der BoC-Zinsentscheid zeigt. Die australische RBA nennt immerhin das Stimmenverhältnis, im März 2026 lautete es 5 zu 4, nachzulesen beim Leitzinsentscheid der RBA.
So gehst du als Trader mit dem SNB-Termin um
Der erste Punkt ist der unbequemste: Ein Termin ohne Zinsänderung ist kein Termin ohne Risiko. Unsere Messung zeigt an den drei letzten Terminen ohne Schritt (19. März, 18. Juni und 24. September 2026) Bewegungen von 0,53, 0,27 und 0,20 Prozent im EUR/CHF. Das reicht, um einen eng gesetzten Stop zu erwischen, ohne dass sich an der Zinslage irgendetwas geändert hätte.
Zweitens lohnt es sich, die Mitteilung in der richtigen Reihenfolge zu lesen. Zuerst die Zinszeile, dann den Satz zum Devisenmarkt, dann die bedingte Inflationsprognose mit ihren drei Jahreswerten. Die ersten beiden Punkte bewegen den Markt in den ersten Minuten, die Prognose wirkt über Tage.
Drittens die Instrumente. Der Franken ist über EUR/CHF und USD/CHF am direktesten handelbar. Wer die Grundlagen im Devisenhandel auffrischen will, findet sie im Leitfaden zum Forex Trading.
Viertens die Positionsgröße. An einem Termin, an dem eine Überraschung möglich ist, gehört die Größe nach unten und nicht nach oben. Der 15. Januar 2015 ist das Extrembeispiel, aber auch der 16. Juni 2022 hat mit 2,8 Prozent an einem Tag gereicht, um Konten zu räumen, die auf engen Stops aufgebaut waren.
Fünftens der Blick über den Franken hinaus. Ein SNB-Entscheid wirkt auf die Zinsdifferenz und damit auf jede Position, die vom Verhältnis der Währungsräume lebt. Wie sich Zinsen insgesamt entwickeln, ordnet unsere Zinsentwicklung-Prognose ein.
Fazit: Ein ruhiger Zins bedeutet keinen ruhigen Termin
Der SNB-Zinsentscheid ist der planbarste der vier großen Notenbanktermine. Vier Sitzungen im Jahr, jeweils donnerstags, immer um 9:30 Uhr, in derselben Zeitzone wie Deutschland und mit einem Kalender, der bis Ende 2027 feststeht. Wer sich die fünf Termine einträgt, wird vom Zeitpunkt der regulären Entscheide nicht überrascht.
Überraschen kann dagegen der Inhalt. Unsere Auswertung über 30 Termine zeigt, dass der Franken an diesen Tagen im Mittel fast doppelt so stark schwankt wie sonst, und dass die großen Ausschläge an den Wendepunkten ihrer Zinspolitik kamen. Der 24. September 2026 hat das bestätigt: Der Zins blieb, der Kurs bewegte sich um 0,20 Prozent. Die Nachricht lag trotzdem im Text, nämlich darin, dass die Nationalbank ihre Interventionsbereitschaft nicht mehr als erhöht bezeichnet.
Ich handle Franken-Paare seit Jahrzehnten und halte am Termintag selbst nichts Großes offen. Nicht weil ich eine Zinserhöhung erwarte, sondern weil diese Notenbank zweimal bewiesen hat, dass sie ohne Vorwarnung handelt. Ein halbierter Positionsumfang kostet an einem ruhigen Donnerstag fast nichts und an einem lauten sehr viel weniger.
Häufige Fragen zum SNB-Zinsentscheid
Wann ist der nächste SNB-Zinsentscheid?
Die nächste geldpolitische Lagebeurteilung findet am Donnerstag, dem 10. Dezember 2026, statt. Danach folgen im Jahr 2027 der 18. März, der 24. Juni, der 23. September und der 16. Dezember.
Um wie viel Uhr veröffentlicht die SNB ihren Zinsentscheid?
Die Medienmitteilung erscheint um 9:30 Uhr, das Mediengespräch des Direktoriums beginnt um 10:00 Uhr. Die Schweiz nutzt dieselbe Zeitzone wie Deutschland und Österreich, eine Umrechnung entfällt.
Wie hoch ist der Leitzins in der Schweiz aktuell?
Der SNB-Leitzins liegt bei 0,00 Prozent, gültig seit dem 20. Juni 2025. Die Nationalbank hat ihn in den fünf Lagebeurteilungen danach jedes Mal unverändert gelassen, zuletzt am 24. September 2026. Auf Sichtguthaben oberhalb einer bestimmten Limite gilt zusätzlich ein Zinsabschlag von 0,25 Prozentpunkten.
Wie oft entscheidet die SNB über den Leitzins?
Viermal im Jahr, jeweils an einem Donnerstag im März, Juni, September und Dezember. Die EZB kommt auf acht Termine pro Jahr, die US-Notenbank ebenfalls. Außerordentliche Beschlüsse sind jederzeit möglich, etwa am 15. Januar 2015.
Wer entscheidet bei der SNB über den Zins?
Das Direktorium mit drei Mitgliedern unter dem Präsidenten Martin Schlegel. Stimmverhältnisse werden nicht veröffentlicht. Etwa vier Wochen nach jedem Termin erscheint jedoch eine Zusammenfassung der Diskussion im Gremium.
Wie viel bewegt sich der Franken an einem SNB-Tag?
In unserer Messung über 30 Termine seit Juni 2019 schwankte EUR/CHF an Entscheidungstagen im Mittel um 0,40 Prozent gegenüber 0,22 Prozent an normalen Tagen, also etwa 1,8-mal so stark. Seit der Zinswende 2022 liegt der Faktor bei 2,2. Die größten Ausschläge gab es an Wendepunkten der Zinspolitik.
Über den Autor: Karsten Kagels
Karsten Kagels ist Gründer und Geschäftsführer der Kagels Trading GmbH und handelt seit 1980 als diskretionärer Price-Action-Trader. Seine Märkte sind Forex, Aktienindizes, Rohstoffe und Zinsmärkte. Die Geldpolitik der großen Notenbanken verfolgt er seit über 45 Jahren.
Seine Erfahrung reicht weit in die Geschichte der technischen Analyse. Kagels übersetzte Ende der 1980er die Elliott-Wave-Standardwerke von Robert Prechter und vertrat den US-Trader Joe Ross über 17 Jahre in Deutschland, wo er zehn Ross-Bücher übersetzte und verlegte. Bis heute gibt er eigene Gruppenseminare und private Einzelschulungen.
Den 15. Januar 2015 hat er als aktiver Forex-Trader am Schirm erlebt. Für diesen Artikel wurden alle 30 Entscheide seit Einführung des SNB-Leitzinses ausgewertet und die Tagesreaktion von EUR/CHF und USD/CHF an jedem einzelnen Termin gegen die EZB-Referenzkurse nachgerechnet.
Dieser Artikel wurde von Christian Möhrer final geprüft.













