Ein Mathematiker ohne Erfahrung an der Wall Street hat den erfolgreichsten Fonds der Finanzgeschichte gebaut, und kaum jemand kann erklären, wie. Jim Simons ließ seinen Medallion Fund von 1988 bis 2018 im Schnitt rund 66 Prozent pro Jahr vor Gebühren verdienen. Nach Gebühren blieben den Anlegern immer noch rund 39 Prozent, über 31 Jahre und mit genau einem Verlustjahr.
Für Trader ist der Fall aus einem anderen Grund spannend als wegen der Zahl. Anfangs handelte Simons noch nach Intuition. Der Wandel kam, als seine Firma Renaissance Technologies Mathematiker, Physiker und Informatiker einstellte, in Kursdaten nach kleinen, wiederkehrenden Mustern suchte und die Entscheidungen zunehmend Modellen überließ. Hier liest du, wie das funktioniert, warum du trotzdem nicht investieren kannst und welche Teile seiner Methode auf ein privates Konto passen. Dieser Artikel entspricht unseren redaktionellen Richtlinien.
Jim Simons: das Wichtigste in 30 Sekunden
- Mathematiker und Codeknacker: Simons promovierte mit 23 Jahren in Berkeley, knackte Codes für die NSA und leitete zehn Jahre den Mathematik-Fachbereich der Stony Brook University. 1976 erhielt er den Oswald-Veblen-Preis.
- Gründer von Renaissance Technologies: Er gründete die Firma 1978 als Monemetrics, 1982 bekam sie ihren heutigen Namen. 1988 startete der Medallion Fund.
- Die beste dokumentierte Bilanz: Von 1988 bis 2018 erzielte Medallion rund 66 Prozent pro Jahr vor und rund 39 Prozent nach Gebühren. Einziges Verlustjahr nach Gebühren: 1989.
- Für Außenstehende geschlossen: Medallion nimmt seit 1993 kein Geld von außen an. Die offenen Renaissance-Fonds verlangen laut SEC-Meldung vom 1. Juli 2026 eine Mindestanlage von 5 Millionen Dollar.
- Gestorben 2024: Simons starb am 10. Mai 2024 mit 86 Jahren in New York. Forbes schätzte sein Vermögen zuletzt auf 31,4 Milliarden Dollar.
Wer war Jim Simons?
Jim Simons war ein US-amerikanischer Mathematiker und Hedgefondsgründer, der 1978 die spätere Renaissance Technologies gründete und mit dem Medallion Fund von 1988 bis 2018 rund 66 Prozent Rendite pro Jahr vor Gebühren erzielte.
Die Mathematik kam lange vor dem Geld. Simons wurde am 25. April 1938 in Massachusetts geboren, studierte am MIT und promovierte mit 23 Jahren an der University of California in Berkeley. Danach lehrte er kurz am MIT und in Harvard.
Seine erste Stelle außerhalb der Universität war die eines Codeknackers. Am Institute for Defense Analyses in Princeton arbeitete er für die US-Sicherheitsbehörde NSA an verschlüsselten Nachrichten. 1968 wurde er entlassen, weil er sich öffentlich gegen den Vietnamkrieg gestellt hatte: zuerst mit einem Leserbrief an die New York Times, später in einem Gespräch mit dem Magazin Newsweek.
Die Entlassung wurde zum Sprungbrett. Noch 1968 übernahm er die Leitung des Mathematik-Fachbereichs der Stony Brook University und führte ihn zehn Jahre lang. 1974 veröffentlichte er mit Shiing-Shen Chern die Arbeit zu den Chern-Simons-Invarianten, die heute in der Stringtheorie und der Festkörperphysik gebraucht werden. 1976 erhielt er dafür den Oswald-Veblen-Preis der Amerikanischen Mathematischen Gesellschaft, eine der wichtigsten Auszeichnungen in der Geometrie.
Simons selbst teilte sein Berufsleben in drei Abschnitte: Mathematiker, Investor, Stifter. Mit seiner Frau Marilyn Simons gründete er 1994 die Simons Foundation, die Grundlagenforschung in Mathematik und Naturwissenschaften fördert. Die Stiftung hat seinen Lebenslauf ausführlich dokumentiert.
Renaissance Technologies: wie aus Monemetrics ein Quant-Fonds wurde
1978 verließ Simons die Universität und gründete eine Handelsfirma in einem kleinen Einkaufszentrum nahe Stony Brook. Sie hieß zunächst Monemetrics und bekam 1982 den Namen Renaissance Technologies. In den ersten Jahren verließ sich Simons nach der Darstellung von Gregory Zuckerman wie andere Händler auf Intuition und Instinkt. Die Simons Foundation spricht von mehreren Fehlstarts, bevor die Firma ihren Ansatz fand.
Der Durchbruch kam, als die Entscheidung bei den Daten lag. Simons holte Mathematiker wie Leonard Baum und James Ax und ließ sie Modelle bauen, die in historischen Kursen nach wiederkehrenden Mustern suchten. 1988 entstand daraus der Medallion Fund. Seinen Namen erhielt er nach den Mathematik-Auszeichnungen, die Simons und Ax gewonnen hatten.
Ungewöhnlich war vor allem, wen Renaissance einstellte. Statt Händlern und Analysten von der Wall Street kamen Mathematiker, Physiker, Informatiker und Statistiker. Zwei der wichtigsten, Peter Brown und Robert Mercer, wechselten 1993 aus der Spracherkennungsforschung von IBM. Sie übernahmen die Führung, als Simons sich Anfang 2010 als Chef zurückzog. Seit Juli 2024 führt Brown die Firma gemeinsam mit David Lippe.
Quantitatives Trading bezeichnet einen Handel, bei dem Kauf- und Verkaufsentscheidungen aus statistischen Modellen und historischen Daten abgeleitet und meist automatisch ausgeführt werden.
Wie dieser Ansatz im Kleinen aussieht, zeigt unser Überblick zu Quantitative Trading. Die technische Seite mit Handelsalgorithmen und automatischer Orderausführung erklärt der Artikel zum Algo-Trading.
Medallion Fund: die Renditen von 1988 bis 2018
Der Medallion Fund ist der Hauptfonds von Renaissance Technologies. Er eröffnet mit mathematischen Modellen sehr viele kurzfristige Positionen und nimmt seit 1993 kein Geld externer Anleger mehr an.
Die bekannteste Auswertung stammt von einem Finanzprofessor, nicht von Renaissance. Bradford Cornell von der UCLA hat die Jahresrenditen, die der Journalist Gregory Zuckerman in seinem Buch veröffentlicht hat, in einer Studie ausgewertet. Im Schnitt lag Medallion von 1988 bis 2018 bei 66,1 Prozent pro Jahr vor Gebühren und bei 39,2 Prozent danach. Geometrisch gerechnet, also mit Zinseszins, sind es 63,3 und nach unserer Rechnung aus Cornells Tabelle 37,8 Prozent.
| Jahr | vor Gebühren | nach Gebühren |
|---|---|---|
| 1988 (Start) | 16,3 % | 9,0 % |
| 1989 | 1,0 % | minus 3,2 % |
| 2000 | 128,1 % | 98,5 % |
| 2008 (Finanzkrise) | 152,1 % | 82,4 % |
| 2018 | 76,4 % | 40,0 % |
| Schnitt 1988 bis 2018 | 66,1 % | 39,2 % |
Quelle: Bradford Cornell (2019) nach den Daten aus Gregory Zuckermans Buch, arithmetischer Durchschnitt.
Am auffälligsten ist die Verlustseite. Vor Gebühren hatte der Fonds in 31 Jahren kein einziges Verlustjahr. Nach Gebühren gab es eines: 1989 mit minus 3,2 Prozent. Im Jahr 2000, als die Technologieblase platzte, verdiente Medallion vor Gebühren 128 Prozent, im Krisenjahr 2008 sogar 152 Prozent.
Medallion verlangte außergewöhnlich hohe Gebühren. Cornells Tabelle nennt 5 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr und eine Gewinnbeteiligung von 20 Prozent bis 2000, 36 Prozent im Jahr 2001 und 44 Prozent ab 2002. Dass den Anlegern trotzdem fast 40 Prozent pro Jahr blieben, zeigt, wie groß der Vorsprung vor Gebühren war.
Die Größe des Fonds hat die Rendite nicht gebremst. Medallion wuchs laut Cornell von 20 Millionen auf 10 Milliarden Dollar, ohne dass die Renditen nachließen. Ab dieser Größe wuchs der Fonds kaum noch. Cornell weist darauf hin, dass er zeitweise kein neues Geld annahm und Gewinne deshalb nicht vollständig wieder angelegt werden konnten. Die Grafik darunter zeigt daher nur ein Rechenbeispiel: 100 Dollar von Anfang 1988 wären bis Ende 2018 vor Gebühren auf rund 398,7 Millionen Dollar gewachsen, nach Gebühren laut unserer Rechnung auf rund 2,1 Millionen.

Eine Einordnung gehört zu diesen Zahlen dazu. Renaissance veröffentlicht keine Renditen. Die Werte stammen aus Unterlagen, die Zuckerman für sein Buch erhalten hat, und sind kein testierter Rechenschaftsbericht. Cornells Studie ist eine wissenschaftliche Auswertung dieser Daten, keine unabhängige Prüfung der Fondsabschlüsse. Wie Medallion neben Soros, Druckenmiller und anderen abschneidet, steht in unserer Übersicht der besten Trader der Welt mit allen Quellen.
Wie verdient der Medallion Fund sein Geld?
Renaissance hat seine Modelle nie offengelegt. Was bekannt ist, stammt aus Zuckermans Recherchen, aus der Studie von Cornell und aus einer Anhörung im US-Senat im Jahr 2014. Daraus ergibt sich kein Rezept, aber ein klares Bild der Bauweise.
Medallion handelt sehr oft und hält sehr kurz. Vor dem Senatsausschuss sagte der Steuerexperte Steven Rosenthal 2014, die Renaissance-Fonds hätten mehr als 100.000 Trades am Tag und über 30 Millionen im Jahr ausgeführt und ihr Portfolio etwa alle drei Monate fast vollständig umgeschlagen. Laut Cornell geht der Fonds dabei gleichzeitig Long- und Short-Positionen ein, also Wetten auf steigende und auf fallende Kurse. Das Protokoll ist beim US-Kongress öffentlich abrufbar.
Die berichtete Trefferquote lag nur knapp über 50 Prozent. Robert Mercer wird bei Zuckerman mit der Aussage zitiert, Medallion liege bei rund 50,75 Prozent seiner Trades richtig. Über Millionen von Trades reiche das, um Milliarden zu verdienen. Ob ein solcher Vorsprung trägt, hängt aber nicht an der Trefferquote allein, sondern auch an den durchschnittlichen Gewinnen und Verlusten und an den Handelskosten.
Cornell fand einen negativen Zusammenhang mit dem Aktienmarkt. Seine Rechnung der jährlichen Überschussrenditen gegen den US-Marktindex ergab ein Beta von ungefähr minus 1. Das Beta misst, wie stark die Rendite eines Fonds mit dem Gesamtmarkt zusammenhängt. Ein spiegelbildlicher Verlauf folgt daraus nicht, Medallion lag ja auch in guten Börsenjahren weit vorn. Als Vergütung für getragenes Marktrisiko lassen sich die Renditen damit aber nicht erklären.
Cornell hält eine Erklärung für denkbar: Medallion könnte schlicht der bessere Market Maker sein. Ein Market Maker stellt laufend Kauf- und Verkaufskurse und verdient an der kleinen Differenz dazwischen. Wer das schneller und klüger macht als alle anderen, verdient über Millionen Geschäfte viel Geld. Cornell schreibt aber selbst, dass die Höhe der Renditen diese Erklärung bis an die Grenze dehnt. Verwandt ist der Hochfrequenzhandel, bei dem die Geschwindigkeit der eigentliche Vorteil ist.
Den Hebel holte sich der Fonds über Optionen. In derselben Anhörung erklärte Renaissance-Finanzchef Mark Silber, Medallion habe bei Deutsche Bank und Barclays sogenannte Barrier-Optionen gekauft. Sie brachten mehr Hebel und einen Verlustschutz, als über ein normales Brokerkonto möglich war. Was ein Hebel im eigenen Handel bewirkt, zeigt der Artikel zum Hebel-Trading.
Kann man in Renaissance Technologies investieren?
In den Medallion Fund kommst du nicht hinein. Seit 1993 nimmt er kein Geld von außen an, 2005 zahlte Renaissance den letzten externen Anleger aus. Seitdem ist er im Kern ein Fonds für Mitarbeiter, frühere Mitarbeiter und deren Familien.
Die aktuelle Meldung an die US-Börsenaufsicht zeigt, wem der Fonds heute gehört. In ihrem Form ADV vom 1. Juli 2026 meldet Renaissance für Medallion Holdings ein Bruttovermögen von rund 61 Milliarden Dollar ohne Abzug von Schulden und 549 wirtschaftliche Eigentümer. Rund 80 Prozent des Fonds gehören Renaissance selbst und nahestehenden Personen. Insgesamt verwaltet die Firma rund 96 Milliarden Dollar und beschäftigt 310 Mitarbeiter, davon 170 in Anlage und Forschung.
Andere Renaissance-Fonds stehen geeigneten externen Anlegern offen. Für die Fondsstrukturen des Renaissance Institutional Equities Fund und der Diversified-Fonds nennt dieselbe Meldung eine reguläre Mindestanlage von 5 Millionen Dollar. Ein Angebot für gewöhnliche Privatanleger ist das nicht. In seiner Studie von 2019 beschreibt Cornell die damaligen Ergebnisse dieser Fonds als deutlich weniger außergewöhnlich als die von Medallion, nach Zuckerman folgen sie einer anderen Strategie. Eine aktuelle Renditebewertung liefert die Studie nicht.
Eine Renaissance-Aktie gibt es nicht. Die Firma ist nicht börsennotiert. Zu den öffentlichen Unterlagen gehören das Form ADV und die vierteljährlichen 13F-Meldungen an die SEC. Letztere zeigen bestimmte meldepflichtige Wertpapierpositionen von Renaissance zum Quartalsende, aber kein gesondert ausgewiesenes Medallion-Portfolio und keine Leerverkäufe. Sie erscheinen bis zu 45 Tage nach dem Stichtag und taugen deshalb nicht als Kopiervorlage.
Sei vorsichtig, wenn dir jemand einen Renaissance-Fonds anbietet. Renaissance schreibt auf der eigenen Startseite, dass rentec.com und renfund.com die einzigen offiziellen Websites sind. Andere Websites, die vorgeben, zur Firma oder ihren Fonds zu gehören, bezeichnet Renaissance als nicht legitim. Ein Angebot darf laut Renaissance nur durch Übergabe eines vertraulichen Emissionsdokuments an geeignete Anleger erfolgen. Den Eintrag der Gesellschaft unter der CRD-Nummer 106661 findest du in der Beraterdatenbank der SEC. Er bestätigt die Firma, nicht die Echtheit eines Kontakts, der sich auf sie beruft.
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Der Steuerstreit: die Schattenseite von Medallion
Der größte Konflikt in der Geschichte von Renaissance drehte sich um Steuern, nicht um Verluste. Im Juli 2014 befasste sich der Ständige Untersuchungsausschuss des US-Senats mit den Barrier-Optionen von Medallion. Der Vorwurf: Über die Optionen seien kurzfristige Handelsgewinne als langfristige Kursgewinne verbucht worden, die in den USA deutlich niedriger besteuert werden.
Die Summen waren entsprechend groß. Der Stab des Ausschusses schätzte für die Jahre 2000 bis 2013, dass Renaissance auf diese Weise mehr als 6 Milliarden Dollar Steuern vermieden habe. Renaissance widersprach: Die Optionen seien wegen des Hebels und des Verlustschutzes gekauft worden, unabhängig von ihrer steuerlichen Behandlung, und die Steuererklärungen entsprächen dem geltenden Recht.
2021 endete der Streit mit einem Vergleich. Nach einem Brief von Renaissance-Chef Peter Brown an die Anleger, über den die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, zahlen aktuelle und frühere Führungskräfte bis zu 7 Milliarden Dollar an Steuern, Zinsen und Strafen an die Steuerbehörde IRS. Simons selbst sollte zusätzlich 670 Millionen Dollar zahlen.
Für Trader ist der Fall vor allem ein Hinweis auf die Bedingungen hinter der Bilanz. Hebel über Bankprodukte, eine eigene Steuerkonstruktion und Verhandlungsmacht gegenüber Großbanken stehen nur einem Fonds dieser Größe offen. Wie viel der Rendite auf die Modelle, den Hebel, die Kosten oder die Steuer entfällt, lässt sich aus den öffentlichen Angaben nicht trennen.
Was Trader von Jim Simons übernehmen können und was nicht
Kopieren lässt sich Medallion nicht, einzelne Grundsätze lassen sich aber übertragen. Die Grenze verläuft dort, wo der Vorteil aus Geld, Daten und Personal kommt statt aus der Methode.
Was sich aus der Methode von Simons übernehmen lässt
- Regeln statt Bauchgefühl: Der Wendepunkt bei Renaissance war der Moment, in dem das Modell entschied. Auch ein diskretionärer Trader profitiert von schriftlich festgelegten Einstiegs- und Ausstiegsregeln.
- Den eigenen Vorteil messen: Ein kleiner Vorsprung reicht, wenn er echt ist. Ob eine Regel historisch einen Vorteil zeigte, lässt sich per Backtesting prüfen. Für die Zukunft beweist das noch nichts, dafür braucht es Tests an unbenutzten Daten und realistische Kosten.
- Viele kleine Wetten statt weniger großer: Medallion verteilt sein Risiko auf Millionen Trades. Für ein Privatkonto heißt das: kleine Positionen und eine Strategie mit vielen Gelegenheiten.
- Kosten ernst nehmen: Bei einer Trefferquote knapp über 50 Prozent entscheiden Gebühren und Spread darüber, ob am Ende etwas übrig bleibt.
Was sich nicht auf ein Privatkonto übertragen lässt
- Die Infrastruktur: eigene Rechenzentren, Datenbestände über Jahrzehnte und rund 170 Mitarbeiter allein in Anlage und Forschung.
- Die Ausführungskosten: Bei mehr als 100.000 Trades am Tag zählt jeder Bruchteil eines Cents. Die Handelsbedingungen eines Fonds dieser Größe kann ein Privatkonto nicht voraussetzen.
- Der Hebel über Bankoptionen: Solche Konstruktionen stehen nur großen Fonds offen und waren Gegenstand eines jahrelangen Steuerstreits.
- Die jahrzehntelange Prüfung der Modelle: Renaissance verfügt über Daten und Erfahrung aus Jahrzehnten, und selbst das garantiert keine künftigen Ergebnisse. Ein Muster aus einem einzelnen Backtest kann reiner Zufall sein.
Wer die grüne Liste umsetzt, arbeitet bereits nach dem Prinzip, das Simons groß gemacht hat. Wie du eine eigene Regel in Code bringst und testest, zeigt die Anleitung zum Python Trading Bot. Für die Positionsgröße und die Kosten gilt dasselbe wie bei Medallion: Das Money Management entscheidet, ob ein kleiner Vorteil über viele Trades überhaupt wirken kann.
Fazit: der erfolgreichste Fonds der Geschichte und kein Bauplan zum Nachbauen
Jim Simons steht für die erfolgreichste dokumentierte Anwendung mathematischer Modelle im Handel. Rund 66 Prozent pro Jahr vor Gebühren über 31 Jahre, nach Gebühren mit einem einzigen Verlustjahr: Cornell findet dafür in der gesamten Fachliteratur kein Gegenstück. Nach der Darstellung von Robert Mercer spielte ein kleiner statistischer Vorsprung über Millionen Trades die Hauptrolle. Wie daraus Renditen dieser Höhe entstanden, lässt sich mit den öffentlichen Daten aber nicht klären. Eine allgemeine Überlegenheit gegenüber diskretionären Ansätzen beweist sie nicht.
Genau deshalb ist Medallion kein Vorbild zum Nachbauen. Alles, was öffentlich bekannt ist, deutet auf Daten, Personal, Ausführungskosten und Hebel, die nur ein Fonds dieser Größe hat. Investieren kannst du ebenfalls nicht, und die extern zugänglichen Fonds folgen nach Zuckerman einer anderen Strategie als Medallion.
Übertragbar ist die Haltung dahinter. Feste Regeln, ein gemessener statt gefühlter Vorteil und eine Positionsgröße, die viele kleine Wetten erlaubt, lassen sich auch auf einem kleinen Konto anwenden. Wie das diskretionäre Gegenstück mit wenigen großen Positionen aussieht, zeigt das Porträt von Stanley Druckenmiller und seiner Duquesne-Bilanz.
Häufige Fragen zu Jim Simons
Wofür ist Jim Simons bekannt?
Jim Simons war ein US-amerikanischer Mathematiker, Codeknacker und Gründer von Renaissance Technologies. Er lebte von 1938 bis 2024, leitete zehn Jahre den Mathematik-Fachbereich der Stony Brook University und gründete 1978 die Handelsfirma, aus der Renaissance wurde. Der Medallion Fund folgte 1988.
Wie hoch war die Rendite des Medallion Fund?
Von 1988 bis 2018 im Schnitt rund 66 Prozent pro Jahr vor und rund 39 Prozent nach Gebühren. Das zeigt die Auswertung von Bradford Cornell auf Basis der Zahlen aus Gregory Zuckermans Buch. Nach Gebühren gab es nur ein Verlustjahr, 1989.
Kann man in den Medallion Fund investieren?
Nein, der Medallion Fund nimmt seit 1993 kein Geld externer Anleger an. Er gehört laut SEC-Meldung vom Juli 2026 zu rund 80 Prozent Renaissance und nahestehenden Personen. Die offenen Renaissance-Fonds verlangen 5 Millionen Dollar Mindestanlage und richten sich an Institutionen.
Gibt es eine Aktie von Renaissance Technologies?
Nein, Renaissance Technologies ist nicht börsennotiert. Öffentlich sind das Form ADV und die vierteljährlichen 13F-Meldungen an die SEC. Diese erscheinen mit Verzögerung, zeigen keine Leerverkäufe und kein gesondertes Medallion-Portfolio.
Welche Strategie nutzte Jim Simons?
Simons setzte auf quantitatives Trading mit mathematischen Modellen, die in historischen Daten nach kleinen, wiederkehrenden Mustern suchen. Medallion handelt sehr viele kurzfristige Long- und Short-Positionen gleichzeitig. Laut Robert Mercer lag der Fonds nur bei rund 50,75 Prozent der Trades richtig und verdiente über die Masse.
Wie hoch war das Vermögen von Jim Simons?
Forbes schätzte sein Vermögen im April 2024 auf 31,4 Milliarden Dollar. Über die Simons Foundation förderten er und seine Frau Marilyn vor allem Mathematik und Grundlagenforschung. Die Stony Brook University erhielt 2023 eine Spende von 500 Millionen Dollar.
Gibt es ein Buch über Jim Simons?
Ja, „The Man Who Solved the Market“ von Gregory Zuckerman aus dem Jahr 2019. Die deutsche Ausgabe heißt „Der Meister der Märkte“ und ist 2020 im FinanzBuch Verlag erschienen. Es ist bis heute die ausführlichste Quelle zu Renaissance, auch die Renditezahlen in diesem Artikel stammen ursprünglich daraus.
Über den Autor: Bjarne Claussen
Bjarne Claussen schreibt seit 2023 für Kagels Trading. Seine Schwerpunkte sind Kryptowährungen, Prop Trading, algorithmischer Handel und Makrothemen. Den Einstieg in die Märkte fand er über Kryptowährungen, heute handelt er vor allem Rohöl und den S&P 500.
Er arbeitet mit einer datengetriebenen Strategie und baut seine Auswertungen selbst. Für Backtests, also das Prüfen einer Handelsidee an historischen Kursen, nutzt er eigene Pipelines in Python. Diese Arbeitsweise prägt auch seine Berichte: Zahlen werden gegen die Quelle geprüft, nicht aus Anbietertexten übernommen.
Für diesen Artikel hat er die Medallion-Renditen aus der Studie von Bradford Cornell Jahr für Jahr nachgerechnet. Die Angaben zu den heutigen Fonds stammen aus der SEC-Meldung von Renaissance vom 1. Juli 2026, die Aussagen zum Steuerstreit aus dem Protokoll der Senatsanhörung vom 22. Juli 2014. Als Algo-Trader interessiert ihn an Simons vor allem, welcher Teil eines statistischen Vorteils nach Kosten übrig bleibt.
Dieser Artikel wurde von Karsten Kagels final geprüft.














