Welchen Fehler darfst Du als Börsianer nie machen?

Was ist der wichtigste Punkt, ob man als Trader erfolgreich wird oder nicht? Darüber gibt es unzählige Bücher und Abhandlungen.

Ich bin seit mehr als 15 Jahren hauptberuflicher Trader. Dabei habe ich mehr als 10.000 Trades hinter mir und das waren nicht nur Gewinner.

Ich kenne außer mir noch drei, vier Leute, von denen ich sicher weiß, dass auch sie seit vielen Jahren mit Trading erfolgreich sind und konstant Geld damit verdienen. Und aus vielen Gesprächen weiß ich, dass sie mir in diesem einen Punkt zustimmen würden:

Ein Trader wird nur dann erfolgreich, wenn er mit seinen Verlusten richtig umgeht und das Risiko im Griff hat.

Verluste im Trading klein halten ist der Schlüssel zum Erfolg

Ich kann das gar nicht genug betonen, denn dies ist der eigentlich entscheidende Punkt, ob man erfolgreich wird oder nicht. Man muss sein Risiko im Griff haben und seine Verluste so klein wie möglich halten. Es gibt ganze Bücher über das Thema, aber meine Regeln sind hier sehr einfach gehalten und funktionieren.

Fakt ist, das jeder Trade ein Verlustrisiko hat. Bei jeder Aktie, die ich kaufe, gehe ich das Risiko ein, einen Verlust zu erleiden. Das lässt sich nicht vermeiden. Ich kenne keinen noch so guten Trader, der eine 100 % Erfolgsquote hat. Nur wenn man seine Verluste richtig managt, hat man eine dauerhafte Überlebenschance in diesem Geschäft.

Macht Euch klar, das es absolut entscheidend ist, die Verluste klein zu halten.

Ein reales Beispiel, wie man es nicht machen sollte

Ein Trader hat 50.000 € auf einem Handelskonto. Er bekommt einen Tipp und liest in einem gut recherchierten Börsenbrief, dass es eine Aktie gibt, die Saphirglas herstellt. Der Name dieser Firma ist GT Advanced Technologie.

Es gibt das Gerücht, dass Apple in Zukunft die Displays seiner iPhones mit dem Glas der Firma ausrüsten wird. Bislang hatte Apple schon über 100 Millionen Dollar in die Firma investiert.

Die Aktie sieht gut aus, es hagelt Kaufempfehlungen, wie ihr im abgebildeten Chart sehen könnt.

Der Trader nimmt seine 50.000 € und kauft die Aktie für 10 Dollar. Er scheint alles richtig gemacht zu haben; die Zahlen sind gut, denn die Aktie steigt und steigt bis auf fast 20 Dollar. Zu diesem Zeitpunkt hat der Trader 50.000 € Gewinn gemacht.

GT Advanced Technologies Tageschart im Aufwärtstrend
GT Advanced Technologies Aktienkurs im Aufwärtstrend

Erst vom realisierten Gewinn kann man sich was kaufen

Aber der Gewinn existiert bisher nur auf dem Papier, denn solange der Trader nicht verkauft, hat er den Gewinn nicht realisiert.

Der Trader bleibt weiter investiert und hofft auf weitere 50.000 €. Die Aktie fällt daraufhin auf 13 Dollar zurück und steigt anschließend wieder auf über 20 $ und erreicht sogar ein neues Hoch. Dieser Ausbruch entpuppt sich jedoch als Fehlausbruch.

Der Trader ist seit gut 6 Monaten investiert, inzwischen ist die Aktie aber wieder auf 11 $ gefallen. Der Trader hofft erneut auf 20, wenn Apple meldet, dass es Saphirglas einsetzen wird und sagt sich, dass er wohl diesmal dann verkaufen würde.

Aber es sollte anders kommen, Apple stellt sein neues iPhone vor und es hat leider kein Saphirglas… die Aktie stürzt binnen Minuten auf unter 1 Dollar ab, ohne dass der Trader den Hauch einer Chance zum reagieren hat. Aus 55.000 € werden binnen Minuten 5.000 €. Der Trader ist fassungslos und wie gelähmt, aber er kann nichts mehr tun… hätte er nur vorher verkauft… Inzwischen steht die Aktie bei 0,02 Cent und der Trader ist pleite…

Der Kursverlauf der Aktie ist real und ich habe sie selbst gehandelt. Es handelt(e) sich um GT Advanced Technologies und ich habe mit der Aktie Geld verdient. Schauen wir uns einen Chart an, was dem imaginären Trader passiert ist:

Kursabsturz der GT Advanced Technologies Aktie
Kursabsturz der GT Advanced Technologies Aktie

Zwei Fehler, die unbedingt vermieden werden müssen

Der Trader hat zwei elementare Fehler gemacht, die zum Untergang geführt haben.

Diese Fehler passieren Anfängern häufig, aber selbst Profis erwischt es hin und wieder… Der Fehler war nicht, dass er nicht bei 20 verkauft hat, denn man konnte zu dem Zeitpunkt nicht wissen, dass das mit Apple passiert und die Aktie hätte durchaus auch noch auf 25, 30 oder 50 Dollar steigen können.

Der Hauptfehler war, dass er alles auf eine Karte gesetzt hat. Er hat sein gesamtes Depot auf eine Aktie gesetzt.

Immer nur einen kleinen Teil des Depots in einer Aktie riskieren

Man kann bei Aktien niemals 100 % sicher sein, bei keiner einzigen Aktie, egal welche. Man muss immer damit rechnen, dass etwas Negatives passieren kann. Deshalb darf man nur einen Teil des Depots auf eine Wette setzen.

Ich habe die Faustregel, dass ich niemals mehr als 10 % des Depots in eine einzige Aktie investiere. D. h. der Trader hätte nur 5.000 € in GT investieren dürfen. Damit hätte er auch nur 5.000 € verloren und hätte noch 45.000 €, um weiterzumachen. Daraus folgt:

  • Regel 1: Setze niemals mehr als 10 % des zur Verfügung stehenden Kapitals für einen Trade ein!

Der zweite große Fehler bestand darin, dass der Trader keinen Stoppkurs hatte und diesen nicht nachgezogen hat. Bei jedem Trade muss man VORHER wissen, an welchem Punkt man aussteigt, wenn es nicht so läuft wie man erwartet!

Verluste gehören zum Trading dazu, selbst die besten Trader der Welt machen Verluste, aber entscheidend ist, diese Verluste gering zu halten.

Einen Stoppkurs setzen und mit der Kursentwicklung nachziehen

Ich habe für mich die Regel, dass ich versuche, niemals mehr als 10 % Verlust in einem Einzeltrade zuzulassen. Das bedeutet, wenn ich GT für 10 Dollar kaufe, schließe ich die Position automatisch, wenn der Aktienkurs unter 9 Dollar fällt. Schluss aus Feierabend! Und diesen Stopp muss ich vorher festlegen, denn wenn ein Trade erst läuft und die Emotionen wie Gier und Angst dazukommen, ist es schwer, einen kühlen Kopf zu behalten.

Nun war es aber so, dass der Trader nie hinten lag und der Trade sofort gut loslief. Hier hätte er irgendwann den Stoppkurs nach oben anpassen müssen. Das bedeutet, er sichert sich damit einen Teil des Gewinnes, falls die Aktie komplett umdreht.

Man legt einen Kurs fest, an dem man aussteigt, wenn die Aktie darunter fällt – das versteht man unter Stopp.

Es gibt hier verschiedene Möglichkeiten, einen Stopp zu setzen und nachzuziehen. Man kann dies unter den letzten Tiefs machen, beim Unterschreiten eines bestimmten gleitenden Durchschnitts oder einfach prozentual vom Hoch. Egal welche Methode man verwendet, wichtig ist, dass man eine Methode zum Nachziehen des Stoppkurses hat.

Ich selbst bin bei diesem Trade auch nicht bei 20 ausgestiegen, weil man ja nicht wissen konnte, dass sie genau dort umkehrt. Ich habe aber meinen Stoppkurs angehoben und bin bei knapp über 15 ausgestoppt worden. Ich habe den 50-Tage Gleitenden Durchschnitt in Verbindung mit dem Unterschreiten eines wichtigen Zwischentiefs genommen.

Das bedeutet, ich konnte immer noch knapp 50 % Gewinn auf den Einstandskurs realisieren. Zu dem Zeitpunkt, als die Meldung kam und der Kurs einbrach, hatte sich der Chart bereits so stark verschlechtert, dass man definitiv nicht mehr hätte investiert sein dürfen. Daraus folgt:

  • Regel 2: Setze immer einen Stoppkurs und ziehe diesen nach, wenn die Aktie steigt!

Bei Stopps habe ich die grobe Faustregel, dass ich niemals mehr als 10 % mit einem Trade verlieren möchte.

Ich fasse noch einmal zusammen, weil es so wichtig ist. Man sollte immer nur einen Teil des zur Verfügung stehenden Kapitals für einen Trade einsetzen und immer für jeden Trade Stoppkurse setzen und diese im Zeitablauf nach oben anpassen.

Ein Beispiel aus der Praxis

Zum besseren Verständnis ein Rechenexempel: Ein Trader hat ein Handelskonto von 50.000 €. Er identifiziert einen lukrativen Trade, den er gern handeln würde. Er nimmt 5.000 € (10 % vom Handelskonto) und kauft die Position. Er setzt direkt einen Stopp 10 % unter Einstand. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Die Aktie fällt unter den Stopp. Die Position wird mit 10 % Verlust verkauft. Der Trader verliert 500 Euro. Er hat noch 49.500 Euro im Depot und kann den nächsten Trade suchen.
  2. Die Aktie steigt. Wenn die Aktie komfortabel im Gewinn liegt (z. B. 10 %), zieht der Trader den Stopp auf seinen Einstand. Dreht die Position dann um, wird er dort ausgestoppt und macht +/- Null. Steigt die Position weiter, zieht er den Stopp unter die natürlichen Unterstützungen im Chart nach und lässt die Position laufen, bis sie ausgestoppt wird. Wird die Position irgendwann z. B. mit einem Gewinn von 20 % ausgestoppt, hat er einen Gewinn von 1.000 Euro gemacht und sein Depot ist nun bei 51.000€, und er kann die nächsten Trades suchen.

Die hier beschriebenen Marken von 10 % bei Positionsgröße und Stopp sehe ich als maximales Risiko an, was man langfristig eingehen sollte, gerade am Anfang. Mir persönlich wäre das schon zu viel. Ich würde am speziell am Anfang kleinere Positionen machen und die Stopps auch etwas enger halten. 

Was ist die optimale Vorgehensweise bei kleinen Konten?

Ein Problem besteht allerdings bei kleineren Depots. Wer z. B. nur 10.000€ zum Traden zur Verfügung hat, hat es schwer, diese Regel zu befolgen. Denn es macht fast keinen Sinn, pro Trade mit 1000 Euro zu agieren.

Da viele Broker Mindestgebühren pro Trade verlangen, sind die Gebühren prozentual zum eingesetzten Kapital zu hoch und verschlechtern damit drastisch die Erfolgsaussichten des Traders.

Beträgt die Mindestgebühr z. B. 10 Euro, dann hat der Trader schon 1 % Kosten beim Kauf und nochmal beim Verkauf. Das ist definitiv ungünstig, weil er jeden Trade bereits mit -2 % beginnt. In solch einem Falle würde ich ausnahmsweise dazu raten, vielleicht 20 % pro Trade einzusetzen, also 2.000 Euro.

Wer ein sehr kleines Depot hat, der ist am Anfang praktisch gezwungen, höhere Risiken einzugehen, das ist leider Fakt.

Wer also mit 10.000 € beginnt zu traden, der muss sicher sein, dass er diese 10 T€ im Zweifel auch verlieren kann, ohne unter der Brücke schlafen zu müssen. Das bedeutet, wer keine zusätzlichen Reserven hat und sein letztes Geld zum Traden verwendet, handelt grob fahrlässig, davon kann ich nur dringend abraten.

Erst wenn man einen gewissen Betrag „übrig“ hat, kann man guten Gewissens mit dem „richtigen“ Trading beginnen, sonst macht das keinen Sinn! Aus meiner Sicht sollten es mindestens 25.000 € sein.

Ein Broker mit günstigen Handelsgebühren

Wichtig ist es auch, sich eine Bank bzw. einen Broker zu suchen, der günstige Handelsgebühren hat und der finanziell solide ist. Je höher die Gebühren, desto schlechter ist von vornherein das Chance-Risiko-Verhältnis.

Es macht einen großen Unterschied, ob ich für einen Kauf oder Verkauf mit 5.000 € eine Gebühr von 8 Euro oder 20 Euro zahle. Macht man nur 50 Trades im Jahr (einer pro Woche), sind das schon 1200 Euro Unterschied, was 2,4 % auf ein 50.000 € Depot ausmacht – bei 100 Trades im Jahr schon fast 5 %!

Der Broker sollte gleichzeitig finanziell solide sein. Im Aktienbereich sind Sino mit der HSBC Trinkaus & Burkhardt als Bank und Interactive Brokers sehr gut zum Traden geeignet. Hier stimmt das Gesamtpaket.

Idealerweise hat man mindestens zwei Anbieter, auf die man seine Depots aufteilt. Interactive Brokers ist m. E. besonders für den Handel mit US-Aktien gut geeignet, auch weil hier die Gebühren deutlich niedriger als bei deutschen Brokern sind.

Abschließende Zusammenfassung

Wenn man noch einmal einen Schritt zurück tritt, läuft erfolgreicher Börsenhandel so ab:

Man schaut sich täglich eine bestimmte Anzahl von ausgewählten Aktiencharts an. Man sucht nach Erfolg versprechenden Setups in den Charts.

Diese Setups sollten einen bestimmten Vorteil bieten, welcher die Wahrscheinlichkeit eines Gewinnes erhöht. Sonst könnte man ja eine Münze werfen, dann wäre es 50:50. Wenn man wahllos Aktien auswählen würde, hätte man auf lange Sicht eine 50:50 Wahrscheinlichkeit (in der Praxis unter Berücksichtigung der Gebühren ist es unter 50 %).

Mit gut ausgewählten Setups (das wäre ein Thema für einen separaten Artikel) kann man auf 60:40 kommen, wobei ich dies nur gefühlsmäßig bestimmen und nicht wissenschaftlich belegen kann. Ist aber egal, Hauptsache es funktioniert.

Man handelt also konsequent nur die besten Setups. Aber 40 % gehen trotzdem schief, das gehört zur Börse dazu, es gibt kein System, welches zu 100 % funktioniert.

Und der entscheidende Punkt ist es jetzt, bei den 40 %, die nicht funktionieren, die Verluste so klein wie möglich zu halten.

Wenn man z. B. jedes Mal bei 5 % bis 10 % Verlust ausgestoppt wird, sind auch viele Verlusttrades hintereinander kein Problem.

Wenn es gelingt, die 60 % ins Ziel zu bringen und den einen oder anderen Trade hier mit einem großen Gewinn abzuschließen, dann macht man auf lange Sicht Gewinne, das kann gar nicht anders sein. Man muss nur die Disziplin haben, es genau so umzusetzen.

Ganz wichtig ist also der Punkt Disziplin. Es nützt nichts, ein gutes Handelssystem zu haben und ein gutes Risikomanagement, wenn man sich in den entscheidenden Phasen nicht daran hält.

Es ist absolut entscheidend, seine eigenen Regeln peinlich genau einzuhalten, auch wenn man unter Druck steht und der Puls auf 200 ist… Ich kann das gar nicht oft genug betonen, damit steht und fällt der gesamte Erfolg beim Börsenhandel.

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