Warum Social Trading nicht funktioniert (2021)

Hallo, ich bin Dominik Schwarzer und habe Anfang des Jahres 2016 über Zulutrade an dem Experiment „Social Trading“ teilgenommen. Die Gute Nachricht ist: Ich habe „nur“ ca. 600€ Verlust gemacht. Die Schlechte: Social Trading bringt nur einem etwas: Dem Broker.

Ich werde euch nun erstmal aufzeigen, warum Social Trading nicht funktioniert. Am Ende werde ich einen Erfahrungsbericht über Zulutrade und AAAfx anschließen (AAAfx ist der Broker und Zulutrade ist die dazugehörige Social Trading Plattform).

Social Trading als Diversifikation

Ich trade seit 3 Jahren selber auf CMC Markets, bisher nicht fulltime, aber ich beschäftige mich in dieser Zeit mit Traden. Zwecks Diversifikation wollte ich einen Teil meines Geldes von anderen Tradern verwalten lassen. Daher kam mir die Idee, etwas Kaptial bei Zulutrade anzulegen.

Wer sich ernsthaft mit Trading befasst wird auf jeden Fall das Buch „Market Wizards“ von Jack D. Schwager gelesen haben. In diesem Buch interviewt der Autor die weltweit erfolgreichsten Trader. Was sich wie eine rote Linie durch das Buch zieht ist die Aussage, dass man Verluste möglichst gering halten sollte, und Minus Positionen dafür schnell aufgibt. Im Gewinn liegende Positionen sollte man hingegen laufen lassen.



Verluste laufen lassen und Gewinne schnell nehmen

Bei Zulutrade passiert genau das Gegenteil. Dort stecken die Trader kleine Gewinne schnell ein und lassen Minus Positionen lange laufen. Die „besten“ Trader dort haben so gut wie keine Verlusttrades, weil sie Trades so lange laufen lassen, oft bis Minus 250 Pips oder auch bis zu 1000 Pips, und diese Trades dann am Ende bei +20 Pips schließen. Ihr Portfolio stellt nur die realisierten Gewinne/Verluste dar. Laufende Schwankungen werden ignoriert. Deswegen sieht der Verlauf des Portfolios vieler Trader, denen man folgen kann, sehr positiv aus.

Der Verfolger hat hingegen einen Stop Loss für jeden Trade, der all zu oft getriggert wird. Selber schuld? Warum folgt man auch einem Trader, der eine so hohe Margin benötigt? (Ironie!)

Hohe Margins und viel Kapital

Die Margins, die man hinterlegen müsste, um im Rennen zu bleiben sind enorm. Pro Trade muss man oft $250 bis $500 als Bewegungsraum hinterlegen können, damit das Stop Loss nicht erreicht wird. Man kann die Anzahl der Trades bestimmen, die man einem Trader zugesteht. Aber wenn man jetzt einem Trader folgt, sollte man schon möglichst jeden Trade, den er macht, auch gänzlich folgen. Sonst hat man das Problem, dass man alle Minus Trades mitnimmt, aber den einen großen Gewinntrade auslässt.

Man muss also ordentlich Kapital auf den Tisch legen, bevor man mit „spielen“ darf. Das Problem: Jeder neue Trade eines Traders kann die Höhe des notwendigen Kapitals jederzeit ändern . Ergo: Selbst wenn man das nötige Kapital pro Trade hinterlegt, kann man jederzeit raus fliegen und das Stop Loss wird erreicht.

Portfolio Verlauf negativ

Ich habe natürlich versucht, möglichst gute Trader zu finden, denen ich folgen kann. Möglichst geringes Risiko, nicht zu viele Trades, etc. Trotzdem sieht mein Portfolio Verlauf so aus:

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Social Trading Portfolio Entwickung

Folgende Trades waren die schlimmsten und besten im Sinne der Minus Bewegung:

Worst Low: Wie man sieht hat Flyingfx einen Trade bis -591 Pips laufen lassen und ihn dann bei 4,5 geschlossen. Schlimmer geht es nicht.

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Extreme Verlustrades – minimaler Gewinntrade

Best Low: Im Gegenzug sind die Trades mit den geringsten Minus Schwankungen bei 3,9/17,5/15,3 Pips geschlossen worden.

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Die besten Trades mit wenig Gewinn geschlossen

Folgende Trades waren die 3 größten Gewinner/Verlierer

Größter Gewinner: 133/93,1/92,8 Pips haben mir die größten Gewinner gebracht.

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Die drei größten Gewinner

Größter Verlierer: -477,5/-378,7/-304 Pips sind die größten Verlierer.

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Die drei größten Verlusttrades

Wenn jetzt 50 Prozent erfolgreiche Trades dabei gewesen wären, hätte ich niemals Gewinn erzielen können. Allerdings sind von 742 Trades innerhalb von 4 Monaten 457 Trades im Minusbereich gelandet und nur 284 wurden im Gewinn geschlossen.

Keine Garantie für qualifizierte Trader

Es gibt keine Garantie dafür, dass ein Trader, dem man folgt, in irgendeiner Weise qualifiziert ist. Man kann sich nur an den Daten orientieren, die von Zulutrade bereit gestellt werden. Aber sie lassen im Endeffekt keine Rückschlüsse zu, wie viel Risiko man wirklich eingehen muss.

Diese Erfahrung war vielleicht nicht 600 Euro wert, aber ich kann nur sagen: Lasst es lieber! Kauft euch lieber etwas schönes von dem Geld, oder lasst es auf der Bank irgendwo liegen, aber Gewinn durch Social Trading ist eine Fatamorgana. Denn:
Das nötige Risiko ist nicht definierbar und man landet zwangsläuftig im Stop Loss

Die Trader, denen man folgen kann, sind keine Profis. Sie lassen Verluste laufen und realisieren Gewinne zu schnell.

In dem Portfolio, dass von den Tradern angezeigt wird, werden nur die realisierten Gewinne/Verluste eingetragen. Die enormen Schwankungen werden ignoriert.

Fehlende Transparenz

Es gibt noch andere Gründe, die Finger davon zu lassen. Einer davon ist die fehlende Transparenz. Ich weiß nicht, wer die Trader sind. Ich weiß auch nicht, ob es echte Trader sind, oder ob diese Angestellte von Zulutrade oder AAAfx sind, die so traden sollen, dass möglichst viele Verluste für die Verfolger entstehen. Ich kann mich nicht austauschen mit anderen Verfolgern oder Tradern. Das ist nicht wirklich Social!

Zulutrade bietet ein Demo Konto nur für eine begrenzte Zeit an. Ich verstehe den Sinn dahinter nicht. Jedenfalls wäre das ein weiterer Punkt, der zum überdenken anregen sollte.

Meine persönlichen Erfahrungen:

Nachdem ich 1 bis 2 Wochen am Social Trading teilgenommen und die ersten Verluste eingefahren hatte, wurde ich von Zulutrade angerufen. Am anderen Ende war ein sehr netter Callcenter Typ, der mir „helfen“ wollte meine Einstellungen so zu treffen, dass ich Gewinne erziele. Zunächst fand ich seine Tipps auch hilfreich. Allerdings ist mir dann nach 400€ Verlust so langsam die Lust an Zulutrade vergangen. Ich hab dann die Anrufe ignoriert.

Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass die Anrufe nur dazu dienten, mir mehr „Hoffnung“ zu machen, damit ich länger mein Geld riskieren, und sie Gewinne einfahren können. Allerdings muss ich sagen, dass der „customer serviece“ immer sehr nett war. Ergo habe ich 600€ für guten Service und ein bißchen Zock Spaß hingelegt…

AAAfx hat Bonusprogramme. Diese sind allerdings auch wie die berühmte Möhre an der Angel. Man muss das 10 fache von dem umgesetzt haben, was man als Startkapital eingesetzt hat, um den Bonus zu erhalten. Also im Prinzip schafft man das niemals, es sei denn man ist ein Top Trader. Für Anfänger wird dieser Bonus niemals erreichbar sein. Außerdem kostet es 25 €, wenn man Geld von dem Konto abbuchen möchte… 25 €!

Hier meine Trade History mit den 742 Trades in knapp vier Monaten

tradehistory-zulutrade-aaafx

2 Kommentare zu „Warum Social Trading nicht funktioniert (2021)“

  1. Hallo Uwe, vielen Dank für dein Feedback. Ja, da muss jeder Trader selbst entscheiden, wie er vorgeht. Beste Grüße und weiterhin viel Erfolg

    Karsten

  2. Das Social Trading hat Vor- und Nachteile, doch für einen Trading Anfänger ist es ideal!
    Meiner Meinung nach sollten nicht nur auf die Risiken eingegangen werden sondern auch auf die Anlegearten. Denn wenn sich die Social Trader für die richtige Anlageart entscheiden können sie das Risiko minimieren und den Rest macht der Trader.
    Dazu kommen auch die Social Trading Plattformen, über die mann in die verschiedenen Anlegemöglichkeiten informiert.
    Aber eigentlich ein interessanter und informativer Beitrag!
    Viele grüße

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