Vier Tradingmythen über den Gleitenden Durchschnitt

Der Gleitende Durchschnitt (Moving Average) ist ein weit verbreiteter Trading Indikator, der von Tradern sowohl gebraucht als auch falsch gebraucht wird. Manchmal wird er auch missbraucht.

Daraus folgen unzählige Trading Mythen, die sich um das Thema des Moving Average ranken. Nun werden wir vier der wichtigsten Mythen über Gleitende Durchschnitte auflösen.

1. Je mehr Gleitende Durchschnitte, desto besser

Erinnern Sie sich an das Gesetz des sinkenden Grenzertrags? Dieses lässt sich auf die Indikatoren anwenden, die Sie in Ihre Charts platzieren.

Jeder Indikator, den Sie Ihrem Chart hinzufügen, ergibt weniger Nutzen als der vorherige.

Der erste Moving Average trägt dazu bei, den Trend zu verdeutlichen und ist von großem Nutzen gegenüber einem leeren Chart.

Moving Average - Ein gleitender Durchschnitt

Ein Gleitender Durchschnitt – Die bullische Price Action wird verdeutlicht

Der zweite Moving Average ermöglicht Signale durch Überkreuzungen. Aber gleichzeitig können dadurch widersprüchliche Signale bezüglich des Kurstrends entstehen.

Zwei Gleitende Durchschnitte - Moving Average

Zwei Gleitende Durchschnitte – Kreuzung – Brach durch den 20 SMA, aber blieb über dem 50 SMA – Verwirrung

Der dritte Gleitende Durchschnitt ermöglicht eine spezielle Betrachtungsweise. Aber brauchen Sie ihn wirklich? Ganz abgesehen davon, dass dies zur Unübersichtlichkeit und möglicher Verwirrung beiträgt.

Drei Gleitende Durchschnitte - Moving Average

Drei Gleitende Durchschnitte – Weitere Kreuzungen, die analysiert werden müssen – Der dritten Gleitende Durchschnitte zeigt nicht mehr als wir bislang wissen – es ist ein Haussetrend

Die drei Linien unterschiedlicher Farben sehen zwar wie ein Regenbogen aus, aber sie dienen allenfalls der visuellen Veranschaulichung und sind nur von geringem praktischen Wert. Natürlich gibt es Trader, die anderer Meinung sind.

2. Der Gleitende Durchschnitt bestimmt den Markttrend mit 100%iger Genauigkeit

Der Gleitende Durchschnitt ist ein unglaubliches Instrument zur Klärung des Markttrends. Seine Neigung und seine Position im Verhältnis zur Kursentwicklung sagt viel über den Kurstrend aus.

Aber vergessen Sie nicht, dass es sich um einen verzögert reagierenden Indikator handelt. Er zeigt den Trend erst, nachdem dieser sich entwickelt hat, und er kann weiterhin einen Trend anzeigen, der bereits beendet ist.

Der Gleitende Durchschnitt ist nütztlich als Richtschnur für den Markttrend, aber er ist nicht eindeutig.

Gleitender Durchschnitt und Trend

Verlassen Sie sich nicht auf den Gleitenden Durchschnitte als definitive Richtschnur. | Auf diese Kurslücke als potentielle Unterstützung zu achten ist sinnvoller. | Der Gleitende Durchschnitt hilft uns hier nicht den Trend anzuzeigen.

In einigen Märkten kann ein Gleitender Durchschnitt sinnvoll als ein Gegentrend-Indikator genutzt werden. Achten Sie auch auf die Marktstruktur und das Kurs-Momentum für Hinweise.

3. Es gibt einen magischen Beobachtungszeitrahmen für Gleitende Durchschnitte

20, 50, 200…

Das sind die üblichen Einstellungen für Gleitende Durchschnitte. Diese sind nicht festgelegt und magisch sind sie auch nicht.

Denken Sie, dass ein 200-Perioden Gleitender Durchschnitt korrekt ist? Und dass ein 201-Perioden Gleitender Durchschnitt falsch ist?

Wenn das zutrifft, sind Sie entweder besessen von der Zahl 200, oder Sie wissen einfach nicht, wie man einen Gleitenden Durchschnitt anwendet.

Wenn sich Ihr Trading-Vorteil aufgrund eines kleinen Rückschau-Zeitrahmens nahezu auflöst, dann verfügen Sie nicht über einen Vorteil, auf den Sie Ihre Position gründen könnten.

Ich will damit aber nicht sagen, dass der Zeitraum des Gleitenden Durchschnitts keine Rolle spielt. Das tut er nämlich.

Halten Sie sich nicht mit bestimmten Beobachtungszeiträumen auf. Es ist sinnvoll über kurzfristige, mittelfristige und langfristige Beobachtungszeiträume zu sprechen.

Gleitender Durchschnitt und Rückschau-Perioden

Kurzfristiger versus langfristiger Gleitender Durchschnitt | Der 200 Perioden SMA erinnert daran, dass die Wellen gegen einen etablierten Haussetrend arbeiten. | Der 9-Perioden SMA folgt der wellenmässigen Kursstruktur.

Kurzfristige Gleitende Durchschnitte sind eine enge Annäherung zum Kurs. Mittelfristige Gleitende Durchschnitte verfolgen kurzfristige Trends. Langfristige Gleitende Durchschnitte zeigen den bereits etablierten Trend, den die meisten Trader leicht erkennen können.

Es ist einfach, Beispiele für jede dieser Kategorien anzugeben: 9 ist kurz (kleiner Beobachtungszeitraum). 50 ist mittel. 200 ist lang.

Aber an welchem Beobachtungszeitraum endet die jeweilige Kategorie, so daß der Gleitende Durchschnitt aufhört, für kurzfristige Trends zuständig zu sein? Oder wann wechselt er von langfristig auf mittelfristig? Da gibt es keine eindeutige Antwort. Das ist eine graue Zone.

Wenn Sie mit dem Gleitenden Durchschnitt traden, dürfen Sie nicht aufgrund dieser grauen Zone steckenbleiben. Lassen Sie sich auch nicht von irgendeinem Indikatorwert davon überzeugen, dass dieser magisch ist.

4. Je komplizierter die Formel des Gleitenden Durchschnitts ist, desto besser

Ist Ihnen schon aufgefallen, das der Gleitende Durchschnitt den Zusatz „einfach“ bekommen hat?

Es gibt den einfachen gleitenden Durchschnitt, aber den einfachen MACD, die einfachen Bollinger Bänder oder den einfachen RSI gibt es nicht.

Warum ist das so?

Es gibt auch viele Gleitende Durchschnitte, die nicht einfach sind.

Exponentieller, Gewichteter, Dreieckiger, Jurik, Hull, MESA Adaptiver Moving Average (MAMA).

Der „einfache“ Gleitende Durchschnitt entspricht dem urspünglichen Gleitenden Durchschnitt, wobei sich dieser von den komplexeren Nachfolgern unterscheidet.

Gleitende Durchschnitte mit komplexen Formeln sind nicht besser, aber sie sind auch nicht schlecht.

Sie sind nur anders. Sie reagieren unterschiedlich auf Price Action.

Regen Sie sich nicht auf, wenn Sie von einem komplizierten Indikator hören. Machen Sie sich damit vertraut. Lernen Sie, wie man damit umgeht. Je nach dem, wie gut Sie lernen, könnte dies ein besseres Instrument für Sie sein.

John Ehlers' MAMA

MESA Adaptiver Gleitender Durchschnitt

Tradingmythen gibt es viele – Erden Sie sich mit Kursen

Wenn Sie glauben, dass der Moving Average alles ist, was Sie brauchen, dann vergöttern Sie ihn. Kein Indikator ist allmächtig, nicht einmal die komplizierten Gleitenden Durchschnitte mit dem magischen Beobachtungszeitraum.

Vergessen Sie nie, die Kurse zu betrachten. Den Wert des Gleitenden Durchschnitts können Sie nicht kaufen und verkaufen. Sie können nur am Marktkurs handeln. Lernen Sie, die Price Action zu lesen.

Hier weiterlesen:

 

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: 4 Trading Myths about the Moving Average

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

 

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