4 praktische Daytrading-Tipps für Price Action Trader (2022)

Zu lernen, wie man mit Price Action tradet, ist wie zu lernen, wie man kämpft. Mit einer Folge von Schlägen können Sie Ihren Gegner mit brutaler Gewalt besiegen. Oder Sie können einen Schritt zurückgehen und den Kampf rasch mit einem schnellen Treffer beenden. Jeder Kampf ist anders und dafür gibt es keinen richtigen Weg, solange er funktioniert.

Mit Price Action Trading verhält es sich ebenso: Sie können dem Trend folgen oder sich auf einen Ausbruch aus der Handelspanne ausrichten. Sie können das Volumen als Indikator integrieren oder einen gleitenden Durchschnitt verwenden, um die Kursmuster zu ergänzen.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, um zu agieren und zu reagieren. Und das kann durchaus zum Problem werden. Selbst wenn Sie die Price Action verstehen, die sich vor Ihnen abspielt, so lässt sich dennoch schwer herausfinden, wie man sein Trading mit dem, was zu sehen ist, verbessern kann.

In diesem Artikel stelle ich Ihnen vier praktische und wirksame Möglichkeiten zur Verbesserung Ihrer Trading Performance vor.



1. Respektieren Sie die Dynamik der Kursbewegung (Momentum)

Das Kursmomentum zeigt den Weg des geringsten Widerstandes im Markt an. Es ist prinzipiell nicht klug, sich gegen den Trend bzw. die aktuelle Machtdemonstration auszurichten, ob diese nun von den Bullen oder den Bären ausgeht.

Der folgende Chart zeigt den ersten Hinweis auf bärisches Momentum in einem fortgeschrittenen Aufwärtstrend.

ES-Future 5-Minuten-Chart Kursmomentum
1. Stetiger Aufwärtstrend 2. Erstes Zeichen von starkem bärischen Momentum; seien Sie vorsichtig mit der Aufnahme von bullischen Setups.

Der nachfolgende Chart zeigt, was nach dieser bärischen Stärkedemonstration geschah:

Kursmomentum im ES-Future
1. Stetiger Aufwärtstrend 2. Bärisches Momentum 3. Schauen Sie, was nach dem starken bärischen Schub passierte.

Die praktische Lektion lautet folgendermaßen: Folgen Sie dem Trend, aber übersehen Sie das Momentum nicht.

Während Chart-Formationen klar definiert sind, ist das beim Kursmomentum nicht der Fall.

Verschaffen Sie sich Klarheit, indem Sie Ihren gesunden Menschenverstand einschalten und sich die richtigen Fragen zu stellen. Nutzen Sie folgende Fragen, um sich mit dem Marktfluss auseinanderzusetzen:

  • Gibt es aufeinanderfolgende bullische Kursstäbe?
  • Gibt es Anschlusskäufe nach starken bullischen Kursstäben?
  • Hat der aufwärts gerichtete Swing das Hoch des letzten Swings erheblich überschritten?

Je mehr „Ja“-Antworten es auf diese Fragen gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass Sie es mit einem bullischen Momentum zu tun haben. In diesem Fall sollten Sie keine Trades aufgrund bärischer Trading-Setups eingehen oder zumindest Einstiege für Short Positionen vorläufig zurückstellen.

Das gleiche Prinzip gilt für das Auffinden von bärischem Momentum, nur eben im umgekehrten Sinn: Sie sollten in diesem Fall keine bullischen Setups als Einstiegssignal für Long Positionen verwenden oder diese Einstiege zumindest hinauszögern.

2. Verschieben Sie Ihren Einstieg

Seien Sie nie ängstlich, wenn Sie in einen Markt einsteigen. Sie werden Trading-Setups bekommen, die Sie wirklich als Einstieg nutzen wollen. Aber Sie empfinden dabei ein quälendes Gefühl der Unsicherheit. Sie sind sich also nicht völlig sicher.

In diesem Fall warten Sie einfach ab. Gedulden Sie sich und Sie werden belohnt werden. Warten Sie ab, bis die Price Action klarer wird, bevor Sie auf ein Trading-Setup eingehen. Es können drei mögliche Folgen entstehen, falls Sie Ihren Einstieg verschieben:

  1. Der Markt bewegt sich rasch in die von Ihnen vorgesehene Richtung. Sie verpassen einen Gewinntrade.
  2. Der Markt bietet einen späteren Einstieg, der besser und zuverlässiger ist.
  3. Der Markt bricht ein und macht Ihre Einstiegshypothese zunichte. Sie ersparen sich einen Verlusttrade.

Natürlich werden Sie einige großartige Trades verpassen, aber Sie werden dafür durch zuverlässigere Setups und weniger Verlusttrades entschädigt.

ES-Future 5-Minuten-Chart Geduld im Trading
1. Bullisches Pin Bar Setup mit Trendlinien Unterstützung sah gut aus. 2. Aber diese drei aufeinander folgenden bärischen Kerzen zeigten an, dass die Bären die Kontrolle übernommen haben könnten. 3. Aufgrund der Unsicherheit verzögerten wir den Einstieg und handelten stattdessen dieses Setup.

Dieser Chart des ES-Futures zeigt einen effektiv verzögerten Einstieg:

  1. Diese bullische Pin Bar, die an der bullischen Trendlinie abprallte, war ein zuverlässiges Long-Setup.
  2. Aber aufgrund der drei aufeinanderfolgenden bärischen Kursstäbe und des Verkaufsdrucks im oberen Teil des Trends wurden wir unsicher, ob sich der Trend fortsetzen würde. Daher warteten einen zweiten Einstieg ab.
  3. Dieses verzögerte Setup zeigte nur geringfügige Gegenbewegungen und machte sich besser als das erste Pin Bar-Setup.

Für weitere praktische Beispiele lesen Sie diese Forex-Wiedereinstiegsstrategie.

3. Machen Sie Gebrauch von Kursstäben mit geringer Handelsspanne (Narrow Range Price Bars)

Ich habe Ihnen nie empfohlen, Chartformationen (NR4 und NR7) mit geringer Handelspanne wahllos und unkritisch zu traden.

Warum? Kursstäbe mit geringer Handelsspanne sind möglicherweise ein Zeichen für einen konsolidierenden Markt, der wenig Gewinnpotenzial bietet. Allerdings können Kursstäbe mit begrenzter Handelsspanne auch interessante Einstiege für Trades mit geringem Risiko sein. Das heißt, wenn sie als kleine Pause vor einem Ausbruch auftreten.

Eine der besten praktischen Methoden für Daytrading greift auf Kursstäbe mit geringer Handelsspanne (narrow range bars) zurück. Setups mit begrenzten Handelsspannen während volatilen Handelsstunden bieten ein hervorragendes Ertrag-Risiko-Verhältnis.

Betrachten Sie das folgende Beispiel:

FDAX Future 1-Minuten-Chart
1. Beginn der Handelssitzung; die ersten Handelsstunden sind in der Regel volatiler. 2. NR7 Setup-Kerze 3. Hervorragendes Gewinnpotenzial
  1. In diesem Chart haben wir uns auf den Anfang der Handelssitzung für FDAX-Futures konzentriert, eine Zeit also, in der die Volatilität normalerweise hoch ist.
  2. Ein bullischer NR7 Setup-Kursstab.
  3. Trade mit hohem Gewinn und geringem Risiko (unter der Voraussetzung, dass Sie Ihren Verluststopp knapp unter dem Tief des NR7 Kursstabes platzieren).

Es ist wichtig, dass Sie bei Ihrer Suche nach Setups von Kursstaben mit geringer Handelsspanne (narrow bar) kein Overtrading betreiben. Wenn Sie jeden Kursstab mit geringer Handelsspanne, den Sie sehen, als Einstieg nutzen, werden Sie sich trotz des niedrigen Risikos pro Trade zugrunde richten.

4. Mehr Gewinn erzielen durch Kursziele

Sie wissen nun, wie man gute Einstiege mit Price Action auswählt. Also wenden wir uns nun den Trade-Ausstiegen zu.

Wann wollen Sie aus Ihrem Trade aussteigen? Trader träumen vom perfekten Ausstieg am höchsten Punkt eines Aufwärtstrends oder am tiefsten Punkt eines Abwärtstrends. Das exakte Treffen dieser Stellen ist zumeist jedoch schlichtweg unrealistisch.

Erfreulicherweise brauchen wir keinen perfekten Ausstieg, um Geld zu verdienen. Was wir brauchen, sind nur praktikable und zuverlässige Gewinnziele, wodurch wir den von uns benötigten positiven Erwartungswert bekommen.

Price Action bietet verlässliche Methoden zur Festlegung von Gewinnzielen. Neben Unterstützung und Widerstand können Sie auch Kursschübe nutzen, um Kursziele zu bestimmen. Das ist eine nützliche Fähigkeit für jeden Trader.

1. Bullischer Kursschub ist ideal für die Kursziel-Projektion. 2. Projiziertes Ziel erreicht. 3. Sie werden vermutlich mit weniger Gewinn den Trade schließen, außer Sie handeln mit einem sehr weiten Trailing Stop.

Dieses Beispiel zeigt das gleiche NR7 Setup für FDAX-Futures:

  1. Der bullische Schub eignete sich ideal zur Ermittlung des Gewinnziels.
  2. Der Markt erreichte das festgelegte Kursziel, bevor ein starker Kursrückgang (Retracement) einsetzte.
  3. Ein besseres Ergebnis ist kaum vorstellbar.

Beim kurzfristig orientierten Trading bringt ein sinnvolles Gewinnziel oft bessere Ergebnisse als ein an den Kurs angepasster Stop-Loss (trailing stop). Dies gilt insbesondere für Situationen mit begrenztem Gewinnpotenzial. Beispiele dafür sind:

  • Zeitbeschränkungen (Daytrading; Verfall von Optionen)
  • Einschränkungen des Marktes (Seitwärtsbewegung; reduzierte Volatilität)

Schlussbemerkung zum praktischen Price Action Trading

Beim Trading sind kleine Veränderungen der beste Weg zu großen Gewinnen. Es ist immer besser, Verbesserungen durch kleine Korrekturen zu erreichen. Vermeiden Sie drastische Änderungen in Ihrem Trading-Plan. Häufige, umfangreiche Anpassungen Ihrer Trading-Methoden werden Ihre Performance zerstören.

Nun sollten Sie von den beschriebenen, praktischen Hinweisen Gebrauch machen.

Wie? Fangen Sie damit an, der Price Action mehr Beachtung zu schenken. Schreiben Sie auf, was Sie beobachten und erwarten. Anschließend bewerten Sie das Ergebnis im Vergleich zu Ihren Erwartungen. Entwickeln Sie sich auf dieser Grundlage weiter.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht: 4 Practical Day Trading Tips for the Price Action Trader

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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