Tradingkurse, Bücher und Gurus

Brauchen wir sie oder brauchen wir sie nicht. Das ist die große Frage. Wer von denjenigen Tradern, die schon etwas länger dabei sind, hat noch nicht Geld zum Fenster hinausgeworfen, für irgendeinen Schrott Trading Kurs oder ein schlechtes Buch über Trading.

Warum gibt es sie überhaupt, diese Unzahl von Betrügern, Möchtegern-Tradern und falschen Coaches? Sind diese Leute, die schlechte Bücher schreiben und schlechte Kurse verkaufen, denn wirklich alle hinterhältige Betrüger?

Vielleicht ist ja eine Vielzahl der angehenden Trader einfach nicht in der Lage, das unterrichtete Material einfach richtig umzusetzen.

Das Paradoxon der Tradinglehrer

Das klassische Paradox ist ja bei jedem, der irgendwie Wissen über Trading verkauft, warum er denn überhaupt sein Wissen verkauft, wenn er doch eigentlich das große Geld in den Märkten verdienen müsste. Warum soll jemand sich die Mühe und den Aufwand machen, ein Buch über das Trading zu schreiben, mit dem er vielleicht zehn oder zwanzig Tausend Euro verdienen könnte (wenn es ein Bestseller wird), wenn er das selbe Geld in einer Woche oder an einem Tag beim Trading verdienen könnte? Warum sollte jemand überhaupt Interesse haben, dieses Wissen weiter zu geben? Will man den wirklich seine Konkurrenten ausbilden?

Die klassische Antwort auf diese Frage von vielen Mentoren ist, sie würden gerne etwas zurückgeben und anderen neuen Tradern helfen. Oder durch das Unterrichten verbessere sich ihr eigenes Trading.

Kommt schon. Wie blöd glaubt ihr eigentlich, sind wir? Helfen? Etwas zurückgeben? Leben wir denn im Gummibärchen Land? Ihr wollt helfen? Dann bitte aber auch gratis. Und nicht als Kurs oder Seminar für 3000 Euro. Das ist kein helfen. Und warum soll sich mein Trading verbessern, wenn ich ein Buch schreibe? Nicht wirklich oder?

Um auf all diese Fragen plausible Antworten zu finden, müssen wir von vorne beginnen.

Also zunächst einmal glaube ich, besser gesagt, weiß ich, dass es tatsächlich gute und seriöse Trading-Kurse, Ausbildungsprogramme und Trading-Bücher gibt. Allerdings gibt es davon leider nur sehr wenige. Die meisten Bücher, die meisten Trading-Kurse und Ausbildungsprogramme sind einfach nur schlecht.

Der klassische Werdegang eines Traders

Warum ist das jetzt so? Dazu muss man einfach den klassischen Werdegangs eines Traders betrachten. Viele Leser werden sich hier vielleicht selbst wiederfinden.

Wenn man sich als Ziel gesetzt hat, Trader zu werden, beginnt man meistens damit, dass man sich irgendein Buch über das Trading kauft. Oder dass man irgendeine Art Ausbildungsprogramm kauft. Dieses dann liest oder durcharbeitet und dann feststellt, das das nicht klappt, und man kein Geld in den Märkten verdient. Bei der Relation zwischen guten Kursen und schlechten Kursen, ist die Wahrscheinlichkeit natürlich hoch, dass man irgendetwas schlechtes kauft. Man gibt natürlich auch nicht auf. Man beschäftigt sich weiter.

Viele sagen, es gibt viele dumme Leute in den Märkten. Dem stimme ich nicht zu. Ich glaube nicht, dass die Märkte dumme Leute anziehen. Einige Ausnahmen gibt es sicher. Aber ich bin mir sicher, daß die Mehrzahl der Leute, die sich mit den Märkten beschäftigen, eher kluge Menschen sind, und in ihren Berufen eher erfolgreich sind. Kommt schon. Es gibt keine Sandler, Penner, oder Junkies von der Strasse, die Tradingbücher kaufen.

Man kauft einen neuen Kurs, ein neues Buch, arbeitet das durch, und verdient noch immer kein Geld. Das geht bei vielen über Jahre so. Man denkt sich, irgendwann muss doch etwas klappen oder? Und über all die Jahre, in denen man in dieser Schleife gefangen ist, eignet man sich jetzt ein großes Wissen über die Märkte an.

Man kennt alle Fibonacci und Gann Relationen, man kennt sämtliche Börsenkürzel und weiß, an welchen Tagen welche News rauskommen. Man weiß, was Futures sind, wie sie funktionieren, und man weiß, was Forex ist. Man weiß alles über Börsenpsychologie, und wie man seine Trades am besten dokumentiert. Man versteht das Moneymanagement, wieviel Geld darf ich pro Trade riskieren. Wie funktioniert die Börse genau, was ist das Order Buch, wie wird der Kurs gestellt. All diese Dinge hat man gelernt. Man hat sich ein unglaubliches Wissen über die Börse angeeignet, und extrem viel Zeit, Geld und Geduld investiert.

Rechnungen müssen bezahlt, die Familie ernährt werden

Aber man verdient einfach kein Geld mit dem Trading. Aufgeben nein, ich doch nicht. Leider müssen aber Rechnungen bezahlt werden, oder sogar eine Familie ernährt werden. Was macht man jetzt?

Ich glaube, ihr kennt die Antwort.

Man schreibt ein Buch oder macht einen Tradingkurs. Ist doch nahe liegend. Es muss Geld verdient werden, mit dem Trading klappt es nicht, und man weiß sehr viel über die Börse.

Ich denke das so oder so ähnlich der Weg vieler Börsen Gurus, Buchschreiber und Kursverkäufer aussieht.

Ich glaube nicht, dass die meisten schlechten Bücher und Trading-Kurse daraus entstehen, dass Leute beschließen, andere zu betrügen. Sondern vielmehr habe ich den Eindruck gewonnen, dass die Opfer aus einer Not heraus selbst zum Täter werden.

Wie weit das ganze jetzt moralisch zu bewerten ist, muss jeder für sich selbst eintscheiden.

Was aber ist jetzt mit den wenigen seriösen Anbietern von Trading-Wissen? Woher kommen die? Darauf gibt es auch eine einfache Antwort, finde ich.

Ja. die wollen auch Geld verdienen. Und die meisten werden es auch zugeben, denke ich. Weil das alleine ist ja nichts Schlechtes. Das wollen wir doch alle, oder? Deswegen bemühen wir uns ja an der Börse.

Als erfolgreicher Trader mit Zusatzgeschäften Geld verdienen

Man kann ja durchaus erfolgreich an der Börse Geld verdienen, und das Zusatzgeschäft von Trading-Signalen oder Coaching mitnehmen wollen. Nicht jeder, der an der Börse Geld verdient, ist ja auch gleich Millionär. Meines Erachtens nach, ist daran ja auch nichts auszusetzen, und solange man ehrlich ist, ist das ja eine Win Win Situation.

Zu guter Letzt stellt sich jetzt natürlich die Frage, wie kann ich nun den seriösen von dem unseriösen Anbieter unterscheiden? Gut, das ist natürlich nicht ganz so einfach. Vor allem als Anfänger nicht. Ich denke, als Anfänger ist das sogar fast unmöglich. Natürlich könnte man jetzt sagen, ich kaufe einfach gar nichts, sonder versuche mir alle Informationen aus dem Netz herauszusuchen. Ich denke aber, dass das sehr schwer ist.

Das ist so als würde man versuchen, Medizin oder Physik zu studieren, nur mit Hilfe der öffentlichen Bibliothek.

Einfach den gesunden Menschenverstand anwenden

Ich denke, man kann sehr viel herausfiltern, indem man einfach gesunden Menschenverstand anwendet und auch ehrlich zu sich selbst ist. Was nicht immer einfach ist. Weil die unseriösen Anbieter erzählen einem ja genau das, was man hören will.

Also wenn jemand versucht, euch ein Trading-System für 99 Euro zu verkaufen, und damit verspricht, euch reich zu machen, dann fragt euch mal selbst, wie wahrscheinlich ist das.

Wenn jemand einen Trading-Room hat, aber nie live Trades ansagt, sondern immer nur Trading Ideen abgibt. Dann bitte hinterfragen.

Wenn ihr ein Trading Buch lest, und die ersten 100 Seiten nur davon handeln, dass es gar nicht so toll ist, wenn man reich und erfolgreich ist. Die nächsten hundert Seiten dann davon handeln, wie mental stark man als Trader sein muss. Und wenn dann am Schluss in fünf Seiten ein lausiges System vorgestellt wird. Dann bitte hinterfragen.

Trading ist nicht komplizert

Ein guter Indikator ist auch, wenn ihr nach einiger Zeit noch immer nicht versteht, was der sogenannte Coach eigentlich genau macht. Dann ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass er versucht zu verschleiern, dass er keine Ahnung hat. Trading ist nicht so kompliziert. Das kann man schon recht gut erklären. Da seid meistens nicht ihr zu doof, sondern der Lehrer ist nicht ehrlich. Und  er versucht nur, seinen imaginären Trading Ansatz als zu kompliziert zu verkaufen.

Leider wird man es wahrscheinlich nicht vermeiden können, gar kein Lehrgeld zu bezahlen. Aber ich denke, je mehr gesunden Menschenverstand man anwendet, desto schneller wird man auch seinen Weg finden.

Viel Glück und ehrlichen Erfolg an der Börse

Thomas Thurzo

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