Trading mit dem Weihnachtsmann

Sojabohnen Bull Spread

Diese Kurzartikelreihe handelt von authentischen Erlebnissen meiner langen Tradingkarriere und soll beginnenden Tradern dabei helfen, kostspielige Fehler zu vermeiden. Dabei möchte ich aus Zeitgründen jedoch nicht zu sehr auf Details oder Fachbegriffe eingehen, die sich jeder angehender Trader selbst oder mit professioneller Hilfe aneignen sollte.

Teil 1 der Artikelreihe „Die Dämonen der Trader“

Viele Jahre meines Traderlebens verbrachte ich in Portugal. Mein erster Rohstofftrade in Form eines saisonalen Spreads an der CBOT im November 1998 (Long Lean Hogs / Short Live Cattle) brachte mir innerhalb weniger Tage einen bemerkenswerten Gewinn ein.

An einem Wintertag kurz vor Weihnachten entschloss ich mich, meinem Broker telefonisch einen Sojabohnen Bullspread durchzugeben. Bei einem solchen Trade rechnet man mit einer steigenden Nachfrage auf dem Cashmarkt und verkauft dementsprechend einen hinteren Auslaufmonat gegen den vordersten, weil das Contango-Verhältnis sich dann zugunsten des Frontmonths verändern wird.

Lange Rede kurzer Sinn, denn es geht hier nicht um Handelsstrategien oder -instrumente, sondern nur um die am Ende dieses Artikels stehenden Prinzipien.

Chartmuster, die ich aus meinen vielen Tradingbüchern erlernt hatte, zeigten eine Art Boden an und sahen in diesem Falle vielversprechend aus. Fünf Minuten später bekam ich per Email die Bestätigung einer exakten Orderausführung ohne Slippage und freute mich darüber, dass ich zum zweiten Male mit Rohstoffen alles prima hingekriegt hatte. Der nächste Erfolg lag auf dem Gabentisch.

Vorfreude und Katerstimmung

Am nächsten Tag stellte ich fest, dass sich der Trade von Anfang an nicht in meine Richtung entwickelt hatte. Darüber machte ich mir keine großen Gedanken. Hatte ich doch im damals abonnierten Wall Street Journal kurz zuvor gelesen, dass eine chinesische Delegation in den USA erwartet werde, um Verhandlungen über eine Ausweitung ihrer Importe zu führen. Mein Grundgedanke war: Wer anspruchsvolle Zeitungen liest, ist dem Markt ein Stück voraus und wird erfolgreicher sein als andere.

Also entschloss ich mich einen Tag vor Weihnachten mit meinem Hund einen Strandspaziergang zu machen, ein Glas Wein zu trinken und den sonnigen Tag zu genießen. Dabei kam mir der Gedanke, diesen Trade auch über die Feiertage oder solange zu halten bis meine tollen fundamentalen Recherchen sich bestätigten.

Als ich abends zurückkehrte stellte ich einen weiteren Verlust fest. Dieser machte mich ein bisschen unsicher, trübte meine vorweihnachtliche Stimmung jedoch kaum ein.

Diese verflog jedoch schnell, als ich nach Weihnachten plötzlich einen weiteren deutlichen Rückgang meines Tradingkontos wahrnahm, der mehr als 4 Prozent betrug. Die Longseite meines Spreads war sogar kurzfristig locked limit down gegangen.

Glücklicherweise hatte ich einen sehr effizienten und erfahrenen Floorbroker und telefonierte sofort mit ihm. Er schaffte es, diesen Trade zügig mit einer Spread Differenzialorder komplett aufzulösen. Hierbei werden beide Teile nur gleichzeitig aufgelöst und nicht in einzelnen Teilen (legging out).

Es hätte aber auch noch schlimmer kommen können. Danach verging mir der Appetit auf Sojabohnen so sehr, dass ich monatelang kein chinesisches Restaurant mehr besuchte.

Fehler über Fehler

Nach einiger Überlegung wurde mir langsam klar, dass ich so ziemlich alle Fehler gemacht hatte, die ein Trader machen kann.

  • Mir erlaubt, schlauer zu sein als der Markt.
  • Üblichen saisonalen Einflüssen vertraut
  • Nachrichten geglaubt
  • Aufkommende Zweifel mit Überheblichkeit unterdrückt
  • Meine Kenntnisse überschätzt, da zuvor doch erfolgreich auf dem Fleischmarkt
  • Die Grenze von kaltblütigem Risikomanagement und Zocken überschritten
  • In einer illiquiden Marktphase gehandelt

Mein Weihnachtsgeschenk erhielt demnach nicht ich, sondern ein smarter Trader, der von Beginn an die Gegenseite meines Trades gewählt hatte.

 

Teil 2 der Artikelfolge: Social Trading – Zwischen DAX, Currywurst und Shitstorm

Teil 3: Is Guiness really good for you?

Teil 4: Gefährliche Analyse-Cocktails

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