8 praktische Schritte zu mehr Kompetenz beim Price Action Trading

Aus Tradingbüchern und Videos können Sie viel lernen. Aber solide Tradingfähigkeiten der Price Action (Kurs- oder Preisbewegung) gehören wohl nicht dazu. Dafür sollten Sie speziell Price Action Trading-Bücher lesen. Im Idealfall können Sie lesen, wie man die Price Action tradet, und Sie fangen dann an, wie ein Profi zu traden.  Aber die Wahrheit ist, dass die meisten Trader damit zu kämpfen haben, das Trading der Preisbewegung zu beherrschen. Allein der schiere Umfang des Wissens und der Erfahrung, die man als Price Action Trader benötigt, stellt schon eine Herausforderung dar.

In kurzer Zeit ein Profi für das Trading der Kursbewegung zu werden, ist nicht realistisch. Ein großartiger Price Action Trader zu werden, kann ein schmerzhafter Prozess sein. Wie es in den meisten Bereichen des Lebens der Fall ist, ernten Sie, was Sie säen. Sie müssen Zeit und Mühe in die praktische Umsetzung investieren. Aber selbst dann gehen nicht alle Price Action Trader den gleichen Weg. Einige machen ständig Fortschritte, während andere jahrelang keine Erfolge zu verzeichnen haben. Darüber hinaus fristet das Trading der Kursbewegung ein Nischendasein in der analytischen Methode. Das müssen Sie bedenken. Es gibt einen großen Unterschied zwischen den akademischen Finanztheorien und dem diskretionären Price Action Trading. Das Traden der Kursbewegung ist in gewisser Weise mit einer Diät vergleichbar. Es ist einfach, aber keinesfalls mühelos.

Das Fazit lautet:

Ob Sie wollen oder nicht, Sie müssen äußerst hart daran arbeiten. Aber mit den richtigen Wegweisern können Sie den direktesten Weg einschlagen, der zur Verbesserung Ihrer Fähigkeiten des Price Action Trading führt. Bevor Sie also einen weiteren Trade eingehen, präsentiere ich Ihnen hiermit meine acht praktischen Tipps zum Traden der Kursbewegung. Sie sind dafür gedacht, Ihr Trading zu verbessern (und vielleicht sogar profitabel zu machen).

1. Erlernen Sie die Kursbewegung vom Grund auf

Die Hauptsünde des neuen Traders besteht im fälschlichen Denken, dass es beim Price Action Trading nur um Chartmuster geht. Sie beginnen damit, fleißig die Bezeichnungen der zahlreichen Candlesticks und der Chartformationen zu studieren. Aber das ist nicht der beste Anfang. Stattdessen müssen Sie damit anfangen, die Price Action Trading-Kompetenz von Grund auf zu erlernen. Beantworten Sie zuerst die folgende Frage: „Was sagt Ihnen eine einzelne Kerze oder Kursstab?“

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Ober Schatten (Docht) – Kerzenkörper – Unterer Schatten (Lunte) – Kursspanne

Dann, und nur dann, werden Sie die zugrunde liegende Logik der verschiedenen existierenden Price Action Chartmuster erfassen.

Übung

2. Beobachten Sie die Price Action Swings, um mit dem Trend zu gehen

Wenn Sie in einem Bereich besser werden wollen, müssen Sie trainieren, wobei das Trading hier keine Ausnahme darstellt. Es gibt keine Abkürzung, die Sie von heute auf morgen in einen erfolgreichen Trader verwandeln könnte. Wenn Sie Ihre Kenntnisse über die Kursbewegungen verbessern wollen, dann ist die Beobachtung der Marktschwünge ein großartiger Weg, um anzufangen. Den Gezeiten von Ebbe und Flut des Marktes zu folgen, stellt den besten Weg dar, um den Markttrend zu verfolgen. Die einfachen Regeln zur Interpretation von Preisschwünge lauten:

  • Höhere Hochs und höhere Tiefs – Aufwärtstrend
  • Tiefere Hochs und tiefere Tiefs – Abwärtstrend
preisschwuenge

Selbst wenn Sie kein gutes Trading-Setup ausfindig machen können, hören Sie nicht auf, die Schwünge (Swings) des Marktes zu beobachten . Diese bieten Ihnen beste Gelegenheiten, um Ihre Instinkte für das Price Action Trading zu entwickeln. Nur durch Übung wird man zum Meister.

Übung

  • Achten Sie auf die Marktbewegung und schreiben Sie alle Swings von Hand auf.

3. Achten Sie auf Unterstützung und Widerstand

Der Markt hält sich häufig über oder in der Nähe einer bestimmten Kursspanne auf. Diese Handelsspanne stellt den Unterstützungsbereich (Support) dar. Sie haben wahrscheinlich schon erlebt, dass der Markt blockiert war und nicht über eine bestimmte Kursspanne hinaus steigen konnte. Diese Handelsspanne stellt den Widerstandsbereich (Resistance) dar. Die Unterstützungs- und Widerstandsbereiche strukturieren den Markt für Trader, die sich an der Kursbewegung orientieren.

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Widerstand wird zur Unterstützung

Im Wesentlichen ist Trading ein Spiel, bei dem es darum geht, die zuverlässigsten Unterstützungs- und Widerstandslevels zu erkennen. Sie wollen natürlich am liebsten in der Nähe der Unterstützung kaufen und nahe am Widerstand verkaufen. Sie wollen eine Shortposition nahe am Widerstand eröffnen und diese glattstellen, wenn der Markt eine Unterstützung findet. Unterstützung und Widerstand sind nicht immer zuverlässig.

Ein ausgezeichneter Trader der Preisbewegung weiß jedoch, dass es sich auszahlt, darauf zu achten. Dies ist eine entscheidende Fähigkeit beim Trading der Kursbewegung. Für Trader, die eine zuverlässige Unterstützung oder einen zuverlässigen Widerstand ausfindig machen können, sind Gewinne beim Trading erreichbar.

Übung

  • Bestimmen Sie die großen Unterstützungs- und Widerstandsbereiche in Ihren Charts.
  • Beobachten Sie, wie sich die Kurse diesen Bereichen nähern.

4. Machen Sie vollen Gebrauch von Chartmustern der Kursbewegung

Viele Trader erlernen die Chartformationen von Candlesticks (Kerzen) und Barcharts (Balkencharts) als Einstiegssignale, aber nur wenige Trader verstehen, wie man ausgiebigen Gebrauch von diesen Price Action Chartmustern macht. Das Muster einer Kursbewegung hilft Ihnen dabei, in den Markt einzusteigen. Bei den Neulingen unter den Tradern endet ihr Verständnis der Preismuster bereits hier. Sie betrachten Kursmuster als Einstiegssignale.

Ein gutes Einstiegsinstrument muss klar sein. Es muss kurzerhand zum Handeln auffordern. Aufgrund dieses Kriteriums sind Kursmuster tatsächlich zuverlässige Einstiegssignale. Ein Kursmuster warnt Sie vor dem Einstieg in den Markt. Obwohl jede Candlestick Chartformation bzw. jedes Chartmuster in Barcharts definiert ist, gibt es eine Bandbreite bezüglich ihrer Qualität. Es zahlt sich aus, Chartmuster mit geringer Qualität zu meiden.

Nehmen wir die Pin-Bar als Beispiel. Die bestimmende Eigenschaft einer Pin-Bar ist der lange Schatten, was Zurückweisung vom Markt bedeutet. Betrachten Sie die beiden folgenden Pin-Bars (so wie Sie auch im Price Action Pattern Indikator definiert sind).

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Qualität von Chartmustern – Bullische Pin Bars

  Stellen Sie folgende Vergleiche an:

  • Verhältnis zwischen dem Candlestick-Körper (Kerzenkörper) und dem Schatten
  • die absolute Länge des Schattens
  • das Ausmaß der Unterschreitung des Unterstützungsbereichs
  • der Schlusskurs im Verhältnis zum Unterstützungsbereich

Sie werden feststellen, dass der Pin-Bar auf der linken Seite von minderer Qualität ist. Der Markt schreit Sie sozusagen an, dass Sie sich von dieser Pin-Bar fernhalten sollten. (Diese Beispiele habe ich gewählt, um Ihnen folgendes zu veranschaulichen: Die Form eines Chartmusters ist zwar hilfreich, aber weniger wichtig als die Einschätzung des Kontextes und der Tendenz bzw. der spezifischen Ausrichtung des Marktes.)

Ein Chartmuster der Kurse begrenzt Ihr Risiko.

Die Voraussetzung Ihres Einstiegs in einen Trade ist immer mit Ihrer Ausstiegsstrategie verbunden. Wenn Sie mithilfe eines Chartmusters einsteigen, können Sie dieses auch für Ihren Ausstieg verwenden. Jedes Chartmuster stellt ein untergeordnetes Unterstützungs- oder Widerstandlevel dar. Das bedeutet, dass das entgegengesetzte Ende des Chartmusters den Bereich des Verluststopps beinhaltet. Das ist eine einwandfreie und einfache Methode, um Ihr Risiko bei einem Trade zu begrenzen.

Ein Chartmuster zeigt Ihnen die spezifische Ausrichtung des Marktes.

In einem bullischen Markt (Aufwärtstrend) versagen die meisten bärischen Chartmuster. In einem bärischen Markt (Abwärtstrend) scheitern die meisten bullischen Chartmuster. Beobachten Sie die Chartmuster und danach die danach entstehende Price Action. Durch die Erfolge und das Versagen dieser Chartmuster können Sie den Trend des Marktes und das Momentum entschlüsseln.

Übung

  • Bewerten Sie die Qualität der Chartmuster.
  • Verwenden Sie Chartmuster zum Platzieren Ihrer Verluststopps.
  • Nehmen Sie die Versagensfälle der Chartmuster zur Kenntnis.

5. Nutzen Sie das Zusammentreffen von Price Action Signalen

Die Price Action Tradingsignale funktionieren viel besser, wenn diese zusammen auftreten. Die besten Trader sind geduldig. Sie warten ab, bis sich ein ganz hervorragendes Trading-Setup einstellt. So ein unwiderstehliches Setup ist häufig eine Ansammlung und bezieht sich auf ein Zusammentreffen von verschiedenen bekräftigenden Faktoren. Die meisten Chartmuster sind isoliert betrachtet unzureichend bzw. mangelhaft. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wie sich diese Ansammlung zeigen kann. Ein Beispiel wäre ein Long-Pullback-Setup, welches:

Übung

  • Warten Sie, bis sich ein Setup entwickelt, das von mehreren Signalen bestätigt wird, bevor Sie Ihr kostbares Tradingkapital einsetzen.

6. Ziehen Sie Nutzen aus konsolidierenden Kursen

Neben der Analyse der Kurstätigkeit sollten Sie auch die Untätigkeit der Kurse beachten. Untätigkeit bezieht sich auf den

„Mangel an Bewegung, wo eigentlich etwas zu erwarten ist oder angemessen erscheint.“

In ihrem Trading-Eifer erwarten viele Trader, dass sich der Markt bewegt. Infolgedessen bemerken sie die Konsolidierung des Marktes nicht schnell genug. Wenn der Markt konsolidiert, erfordert dies eine Veränderung der Vorgehensweise im Trading. Wenn dies nicht geschieht, wird die Konsolidierung zur Quelle ständiger Sägezahn-Bewegungen und von Frustration.

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1. Mit Beginn der Handelssitzung entwickelt sich eine Konsolidierung – Warnung. | 2. Diesen Ausbruch zu erwischen war hart.

Aber die Konsolidierung (oder Schiebezone) müssen Sie nicht meiden, ohne sich Fragen zu stellen. Außerdem können Sie es sich nicht leisten, diese Kursformation zu ignorieren. Stattdessen sollten Sie Konsolidierungen als Teil der Kursbewegung des Marktes analysieren, sie willkommen heißen und sie nutzen.

Übung

7. Unterscheiden Sie zwischen Tradingregeln und diskretionärem Vorgehen

Ich habe in den letzten elf Jahren auf die eine oder andere Art getradet. Wenn ich auf mein frühes Trading zurückschaue, was ich oft tue, lässt mich dies erschaudern. Ich hatte keine Liste von Tradingregeln. Daher hatte ich auch keine Ahnung, wie ich mich verbessern konnte. Und vor allem wusste ich nicht, ob ich aufgrund meiner Tradingregeln oder aufgrund meines Instinkts Geld verdiente (oder verlor). Das war ein gewaltiges Hindernis für beständiges Trading. Sie müssen wissen, ob Ihre Tradingregeln funktionieren. Sie müssen auch wissen, ob es einen Wertzuwachs gibt, wenn Sie sich dafür entscheiden, sich aufgrund Ihres Tradinginstinkts über diese Regeln hinwegzusetzen. Kurz gesagt, als diskretionärer Price Action Trader müssen Sie Ihre Entwicklung bzw. Ihre Fortschritte verfolgen. Dazu müssen Sie wissen, wann Sie als Trader nach eigenem Ermessen (diskretionär) vorgehen.

Übung

  • Schreiben Sie eine Liste von Tradingregeln auf – eigenes Ermessen ausgeschlossen.
  • Schreiben Sie eine Liste von Richtlinien (oder Leitlinien) für Ihr Trading auf – eigenes Ermessen möglich.
  • Kennzeichnen Sie einen Trade als diskretionär, bevor Sie ihn eingehen. (So werden Rückschaufehler vermieden. Es ist ein schmaler Grat zwischen einem gefährlichen Trade und einem, der auf eigenem Ermessen beruht.)

8. Vergessen Sie Ihre Strategie für den Ausstieg nicht

Die Price Action bietet einen soliden Weg, um in den Markt einzusteigen und aus ihm auszusteigen, aber die meisten Trader konzentrieren sich auf ersteres. Sie sind lediglich am Einstieg in den Markt interessiert.

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Die Strategie für den Ausstieg wird normalerweise nicht berücksichtigt. Vor allem gibt es häufig keinen Plan für die Gewinnmitnahme.

Es gibt viele Trader, die mit einem festgelegten Gewinnziel arbeiten, das auf einem Verhältnis zwischen Chance und Risiko (CRV) von 2 oder 3 beruht. Das ist unlogisch, weil der Markt nicht auf das Verhältnis reagiert, das Sie im Kopf haben. Er reagiert auf die Preisveränderungen im Markt. Deshalb ist die Kursbewegung eine vernünftige Methode, um die Zielvorgabe (Gewinnziel) festzulegen.

Sie können Chartmuster zum Ermitteln von Gewinnzielen verwenden. Sie können auch Unterstützung und Widerstand für den Ausstieg nutzen. Für Pullback-Trader gilt, dass diese auch nach Anzeichen für den Stillstand eines Trends suchen können, beispielsweise durch eine ausgedehnte Schiebezone (Konsolidierung) und sich wiederholende lange obere Schatten (oder Dochte) bei Candlesticks.

Übung

Verbessern Sie schrittweise Ihre Price Action Trading-Kompetenz

In diesem Artikel finden Sie viele praktische Hinweise und Übungen. Aber wenn Sie diese alle auf einmal umzusetzen versuchen, werden Sie sich überfordern. Dann ist nämlich die Gefahr groß, dass Sie aufgeben werden, noch bevor Sie überhaupt irgendwelche wirklichen Fortschritte erzielt haben. Gehen Sie langsam und bedächtig vor.

Fangen Sie mit einem Hinweis bzw. Thema an. Üben Sie und gewinnen Sie Selbstvertrauen, bevor Sie sich dem nächsten Thema zuwenden. Wenn Sie mehr Zeit mit der Live-Beobachtung der Kursbewegung verbringen, werden Sie diese immer besser lesen können. Danach können Sie damit beginnen, alles zu integrieren, was Sie über das Trading der Preisbewegung erlernt haben.

Ich hoffe, dass Ihnen diese Ratschläge und Hinweise dabei behilflich sein werden, Ihre Kompetenz beim Price Action Trading zu verbessern. Übung ist unvermeidlich.

Es ist bleibt Ihnen überlassen, ob Sie Ihre Zeit damit verschwenden, nach dem Falschen zu suchen.  

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlicht:

8 Practical Ways to improve your Price Action Trading Skills

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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