5 Risiko-Lektionen für Trader aus Bestseller-Büchern

Trading ist riskant. Sie müssen ein Draufgänger sein, um zu traden.

Ist das wahr?

Das Wesen des Risikos müssen Sie kennen, um gut zu traden, aber Sie brauchen kein Draufgänger zu sein, um loszulegen. Wenn Sie glauben, dass Sie ein erhöhtes Risiko eingehen müssen, um ein Trader zu werden, haben Sie wahrscheinlich Trading als Geschäft falsch verstanden.

Es stimmt, dass sich kognitive Verzerrungen häufen, wenn wir riskante Aktivitäten betreiben. Um als Trader voranzukommen, müssen Sie in der Lage sein, das Risiko zu begreifen und auf rationale Weise damit umzugehen.

Aber ohne gründliche Untersuchung passiert es leicht, dass man verkennt, was Risiko bedeutet und wie man darauf reagiert.

Glücklicherweise gibt es ein zunehmendes Angebot an Büchern über das Risiko. Die Autoren dieser Bücher sind Experten hinsichtlich Risiko, Statistiken und Wahrscheinlichkeiten.

Mit deren Hilfe haben Laien wie wir die Möglichkeit, das Risiko, das wir eingehen, in einem völlig neuen Licht zu betrachten.

Es folgen fünf Lektionen aus fünf Bestseller-Büchern.

Die folgenden Lektionen sind vielleicht nicht die wichtigsten Lektionen der jeweiligen Bücher, aber es sind Punkte, auf die ich mich als Trader beziehen kann. Obgleich sich diese Bücher nicht nur an Trader wenden, sind die Lektionen über das Thema Risiko auf das Trading anwendbar.

1. Risiko im Verhältnis zur Ungewissheit

Im Buch „Risiko – Wie man die richtigen Entscheidungen trifft“ von Gerd Gigerenzer wird der Unterschied zwischen Risiko und Unsicherheit erklärt.


In anderen Worten:

Risiko: Sie wissen nicht, was sich demnächst ereignen wird. Aber Sie wissen, was geschehen könnte, und Sie kennen die Wahrscheinlichkeit der verschiedenen Möglichkeiten.

Ungewissheit: Sie wissen nicht, was sich ereignen wird. Sie wissen nicht einmal, was eventuell geschehen könnte, von der Wahrscheinlichkeit jeglicher Ergebnisse ganz zu schweigen.

Bedenken Sie den Unterschied zwischen der Situation, wenn Sie sich mit geschlossenen Augen in Ihrer häuslichen Umgebung befinden oder sich ebenfalls mit geschlossenen Augen an einem beliebigen Ort auf der Erde zurechtfinden sollen.

Situation 1: mit geschlossenen Augen in häuslicher Umgebung

Sie kennen sich in Ihrer Wohnung und deren räumlicher Anordnung aus. Sie wissen, was sich in Ihrem Raum befindet, und Sie können die Möglichkeiten einschätzen, sich an einem Gegenstand anzustoßen. Herumzulaufen ist riskant.

Situation 2: mit geschlossenen Augen an einem beliebigen Ort

Aber was wäre, wenn Sie an einem beliebigen Ort mit verbundenen Augen zurückgelassen werden? Sie wissen dann nicht, wo sich eine Treppe oder eine stark abfallende Felswand vor Ihnen befindet. Den nächsten Schritt zu unternehmen, bedeutet Ungewissheit.

Welche Situation ziehen Sie vor? Ich schätze, die erste Situation.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig für Sie als Trader?

Weil Ihre Aufgabe als Trader darin besteht, Risiko zu unternehmen und Ungewissheit zu vermeiden.

Als Trader müssen Sie sich darauf ausrichten zu ermitteln, wie viel Sie gewinnen oder verlieren können und auf die Wahrscheinlichkeiten des jeweiligen Ergebnisses.

Nach intensiver Untersuchung und Analyse können Sie sich vielleicht ein Bild davon machen, was geschieht und wie Ihre Chancen aussehen. Sie können dann entscheiden, ob Sie fortfahren, falls die Chancen zu Ihren Gunsten stehen.

Sie wissen beispielsweise, dass Sie eine Chance von 60% haben, 100 Dollar mit diesem Trade zu erzielen und eine Chance von 40%, 100 Dollar dabei zu verlieren. Sie treffen die Entscheidung, das Risiko zu übernehmen. Das ist keine Ungewissheit.

Bei Ihrem Tradingvorgang müssen Sie auch Ungewissheiten vermeiden, die außerhalb des Marktes gegeben sind. Ich trade zum Beispiel nur in einer Umgebung, mit der ich vertraut bin (z.B. zu Hause oder im Büro). In einer nicht vertrauten Umgebung weiß ich nicht, ob die Internetverbindung stabil ist oder häufig Ausfälle eintreten. Ich weiß einfach nicht, was aller Wahrscheinlichkeit nach schief laufen kann.

In einem derartigen Umfeld zu arbeiten, ist ein Sprung in die Ungewissheit.

Im Rahmen Ihres Tradingplans sollten Sie danach streben, sich für das eingegangene Risiko entlohnen zu lassen und unnötige Ungewissheit zu vermeiden.

2. Das Risiko aufgrund des sogenannten „Gleichartigen Fehlers“

Das Buch „The Failure of Risk Management“ von Douglas W. Hubbart (nur englische Ausgabe) enthält eine ausführliche Anleitung zu den Methoden des Risikomanagements. Es thematisiert die üblichen Mängel und Mythen im Bereich des Risikomanagements.

Eine der am häufigsten vernachlässigten Risiken, die erörtert werden, besteht aufgrund des sogenannten „Gleichzeitigen Fehlers“. Dieser bezieht sich auf das gleichzeitige Scheitern mehrerer Systeme aufgrund einer häufigen Ursache.

Der „Gleichzeitige Fehler“ ist ein Begriff aus der Statistik (Europäische Norm ISO 12100-1) und bezieht sich speziell auf die Risikoanalyse, in der damit Ausfälle bzw. Versagen aufgrund gemeinsamer Ursachen bezeichnet werden. Die internationale Bezeichnung dafür lautet „Common Mode Failure“ (CMF).

Am Beispiel eines Traders geht es um aufeinanderfolgende Verluste.

Eine lange Reihe von aufeinanderfolgenden Verlusten führt dazu, dass sich Ihr Tradingkonto reduziert. Letzlich müssen Sie mit einem sogenannten „Margin Call“ rechnen, was bedeutet, dass Ihr Konto nicht mehr ausreicht, um die Sicherheitshinterlegungen für Derivate zu gewährleisten. Dieses Risiko ist offensichtlich.

Aber es gibt auch tückischere Risiken, die viele Trader lieber ignorieren. Dazu zählen die Auswirkungen aufeinanderfolgender Verluste auf die Psyche und die Willenskraft.

Eine Verlustserie beeinträchtigt Ihr Selbstvertrauen und führt zu Zweifeln an der eigenen Tradingstrategie. Sie verursacht auch Overtrading, weil Sie die Verluste wieder auszugleichen versuchen. Diese Auswirkungen werden Ihren Untergang in den Märkten beschleunigen.

In beiden Fällen sind aufeinanderfolgende Verluste die Ursache. Dabei handelt es sich um eine gemeinsame Ursache, die verheerende Schäden anrichtet und zwar auf Ihre finanziellen und emotionalen Systeme.

Dies verursacht Schäden in zwei Bereichen oder „Systemen“:

  • Ihre finanzielle Basis bzw. Fähigkeit, um traden zu können
  • Ihre mentale Voraussetzung bzw. Fähigkeit, richtige Tradingentscheidungen zu treffen

Sie denken vielleicht, dass finanzielle Risiken und emotionale Risiken zu zwei unterschiedlichen Bereichen gehören. Tatsache ist jedoch, dass sie durch eine gemeinsame Ursache hervorgerufen werden.

Zu erkennen, dass es sich um ein gemeinsam verursachtes Risiko handelt, wird Ihnen dabei behilflich sein, einen besseren Tradingplan zu erstellen.

In diesem Fall werden Sie aufeinanderfolgende Verluste als Angelegenheit mit hohem Risiko betrachten. Sie können dann versuchen, dieses Risiko zu handhaben, indem Sie Ihren Tradingplan ändern.

Zum Beispiel könnten Sie eine  Schutzmaßnahme in Ihren Tradingplan einbauen. Dies sollte Sie dazu veranlassen, das Trading nach einer bestimmten Anzahl aufeinanderfolgenden Verlusten zu beenden.

Denken Sie nach: Welche anderen gemeinsam verursachten Risiken gibt es in Ihrem Tradingplan?

3. Sagen Sie niemals nie

In diesem Buch „When Genius Failed“ (nur in englischer Sprache) erzählt Roger Lowenstein die Geschichte vom Aufstieg und Fall des Hedge Fonds Long-Term Capital Management (LTCM).

Die lange Geschichte in Kürze:

Der Begriff „Genius“ bezieht sich auf einen früheren Chef des Bond-Trading von Salomon Brothers und auf zwei Nobelpreisträger.

Sie praktizierten „Convergence-Trading“, das folgende Eigenschaften hat:

  • Hohe Wahrscheinlichkeiten
  • Geringer Gewinn
  • Erfordert eine hohe Hebelwirkung

LTCM berechnete als Wahrscheinlichkeit einer Pleite:

1 zu einer Quadrillion (1 zu 1.000.000.000.000.000.000.000.000)

Aber diese Pleite trat ein. Es handelte sich um eine gewaltige Pleite, die eine Intervention der Federal Reserve erforderte.

Nun ist es wohl an der Zeit, einen zweiten Blick auf Ihr Auto-Tradingmodell zu werfen, das angeblich jeden Tage Gewinne erzeugt hat, nicht wahr?

LTCM ist für alle Trader ein abschreckendes Beispiel.

4. Verstehen Sie die Unbekannten

Das zentrale Thema im Buch „Der schwarze Schwan“ von Nassim Nicholas Taleb ist, das wir viel zu selbstsicher sind. Es gibt mehr Unbekannte als wir glauben, und dessen müssen wir uns bewusst sein.

Kein Wunder, dass das dargebotene Gleichnis der schwarze Schwan ist. Die Redewendung „so weiß wie ein Schwan“ war sinnvoll, bis im Jahr 1697 ein schwarzer Schwan entdeckt worden ist.

Es geht darum, dass es immer Unbekannte im Leben gibt. Aber wir neigen dazu, uns auf das auszurichten, was wir kennen, während wir das ignorieren, was wir nicht kennen.

Damit zusammenhängend: der Bestätigungsfehler. Der Bestätigungsfehler ist ein Begriff aus der Kognitionspsychologie und besagt, dass Informationen so ausgewählt und interpretiert werden, dass diese den eigenen Erwartungen entsprechen bzw. diese bestätigen.

Um diesen Fehler in unserem Entscheidungsfindungsprozess beheben, müssen wir unsere Aufmerksamkeit aktiv auf das richten, was wir nicht kennen.

Wie kann uns das Wissen des Unbekannten als Trader behilflich sein? Machen Sie Gebrauch von den Unbekannten, um Ihren Tradingplan zu verbessern.

Viele Trader richten sich auf das aus, was sie kennen. Beispielsweise sehen sie ein vollkommenes Chartmuster und wollen es beim Trading umsetzen. Sie wissen, dass es sich um ein phantastisches Tradingsetup handelt. Sie wissen, dass sich das Volumen für ihre Strategie eignet. Sie wissen, dass sie sich auf ein gutes Chance-Risiko-Verhältnis stützen können.

Sie wissen alles. Deshalb gehen diese Trader den Trade ein.

Aber sie sollten das einbeziehen, was sie nicht wissen. Zum Beispiel eine wichtige Ankündigung, die demnächst ansteht. Die Reaktion des Marktes auf diese Ankündigung ist unbekannt, zumindest für einen technischen Trader.

Wenn man dem Unbekannten mehr Aufmerksamkeit zollen würde, wäre eine sinnvollere Entscheidung möglich. Sie könnten sich dafür entscheiden, ihren Einstieg in den Trade zunächst zurückzustellen oder den Trade ganz auszulassen.

Die Einstellung, das Unbekannte zu berücksichtigen, hängt mit dem Ego des Traders zusammen. Sie müssen Ihr Ego zurücknehmen und erkennen, dass es Dinge gibt, die Sie nicht wissen.

Unternehmen Sie den ersten Schritt, und werden Sie sich des Unbekannten bewusst. Anschließend beziehen Sie dieses in Ihren Denkprozess ein.

5. Die Ironie des abgeschwächten Risikos

In seinem Buch „Foolproof“ hebt Greg Ip hervor, dass wir umso mehr in Gefahr geraten, je sicherer wir uns fühlen.

Wir sollten darüber nachdenken, wie wir das finanzielle Risiko beim Trading reduzieren können.

Unser Tradingkonto zu erhöhen, erscheint als solide Möglichkeit, das zu bewerkstelligen. Dies verschafft uns einen Puffer, um die unvermeidlichen Minusphasen unserer Tradingstrategien durchstehen zu können.

Jedoch sollten Sie diese Lösung nicht überbewerten: Mehr Geld auf unserem Tradingkonto zu haben, reduziert das Risiko und verleiht uns ein Gefühl der Sicherheit.

Aber genau deshalb, weil wir uns sicher fühlen, fangen wir an, unsere Tradingregeln zu lockern und so unterdurchschnittliche Trades einzugehen. Wir lassen unsere Regeln zur Positionsgröße außer Acht und betreiben Overtrading.

Wir sind tatsächlich diesem Einfluss zum Opfer gefallen. Nachdem ich Gewinne in meinem Tradingkonto angesammelt hatte, fühlte ich mich sicher aufgrund des finanziellen Puffers, den ich aufgebaut hatte. Daraufhin fing es an, bergab zu gehen, als ich von meinem Tradingplan abgewichen war.

Begehen Sie nicht den gleichen Fehler.

Trader sollten Risiko-Experten sein

Trader kaufen und verkaufen nicht nur. Sie übernehmen und handhaben das Risiko. Deswegen sollten Trader Risikoexperten sein.

Das sind also die fünf Bücher, auf die sich die obigen Lektionen stützen. Die Bücher erklären wesentlich mehr, als hier erörtert worden ist. Diese Bücher kann ich unbedingt empfehlen.

Zusätzliche Empfehlung:
„The Hour Between Dog and Wolf: How Risk Taking Transforms Us, Body and Mind“

Link: Tradingbücher in deutscher Spracde

 

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Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: 5 Risk Lessons for Traders from Bestselling Books

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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