Wie man Price Action Chartformationen von Grund auf erkennt

Sind Sie fasziniert von den Chartmustern der Price Action? Haben Sie schon etwas über Candlestick-Formationen wie dem Engulfing und dem Harami gehört? Haben Sie bereits Volatilitätsmuster wie das NR7 und das ID/NR4 ausprobiert?

Wenn Sie die obigen Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, dann haben Sie bestimmt schon über deren Entstehung nachgedacht.

Aber noch wichtiger ist Ihnen wohl die Frage, wie man Chartmuster der Price Action ermittelt.

Sie müssen nicht länger warten. In dieser Anleitung zeigen wir Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie die Chartformationen der Price Action ermitteln können.

Doch bevor wir beginnen, gibt es noch zwei Denkblockaden aus dem Weg zu räumen.

Zum einen gilt es zu erkennen, dass es keine Monopolstellung in Bezug auf die Kursmuster der Price Action gibt.

Einige Trader könnten vielleicht versuchen, Sie an der Nase herumzuführen, indem sie diesen einen Namen geben. Aber die Kursmuster selbst gehören niemandem. Schrecken Sie also nicht davor zurück, Kursmuster ausfindig zu machen und zu handeln, die Sie im Markt wahrnehmen.

Als nächstes möchte ich Ihnen versichern, dass die Kursmuster der Price Action nichts Geheimnisvolles sind. Sie sind auch nicht sehr anspruchsvoll. Mit einiger Erfahrung können Sie diese auch erkennen, und damit können Sie sofort beginnen.

Allerdings müssen Sie bereit sein, hart zu arbeiten und viele Stunden damit zu verbringen, Charts zu analysieren.

Jetzt sind wir soweit, dass wir anfangen können.

Entdecken Sie die Kursmuster der Price Action: ausführliche Anleitung

Wir werden den Vorgang Schritt für Schritt jeweils mit einem Beispiel durchexerzieren. Dabei wird Ihnen genau gezeigt, was Sie tun müssen.

Anschließend werden wir uns ein zusätzliches Beispiel vornehmen, das Ihnen bei der Vertiefung behilflich sein soll. In kürzester Zeit werden Sie selbst nach Kursmustern der Price Action Ausschau halten können. Vielleicht haben Sie sogar bald Spaß daran, die Charts zu analysieren.

Hier werden wir uns auf einfache Kursmuster beschränken, die zwei bis drei Kursstäbe oder Kerzen umfassen. Aber Sie können auch das gleiche Verfahren anwenden, um andere Arten von Chartmustern ausfindig zu machen.

Es folgt eine Übersicht von vier Schritten:

  1. Öffnen Sie einen unbearbeiteten Chart.
  2. Zeichnen Sie eine Linie zur Bestimmung der Marktausrichtung.
  3. Kreisen Sie Ihre optimalen Einstiege ein.
  4. Fassen Sie nützliche Beobachtungen zusammen.

Von vorne und wiederholen.

1. Schritt: Erfassen Sie die Grundlagen

Geöffneter und unbearbeiteter Candlestick-Chart

Passen Sie die Vergrößerungsstufe des Charts an, um etwa 200 Candlesticks anzuzeigen. Für Tagescharts mit Candlesticks können Sie die Kursdaten des letzten Jahres laden. Sowohl Kerzen als auch traditionelle Kursstäbe enthalten jeweils die gleiche Anzahl an Kursinformationen.)

Die folgende Abbildung zeigt einen einfachen Candlestick-Tageschart von Microsoft Inc. (MSFT). Wir werden diesen Chart als Beispiel zur Erläuterung der folgenden Schritte verwenden.

Ein leerer Chart der Microsoft Aktie
Öffenen Sie einen unbearbeiteten Chart

Folgende Punkte sind zu beachten:

  • Laden Sie einen normalen Candlestick-Chart (keinen Heiken-Ashi-Chart, Renko-Chart oder andere weiterentwickelte Chartarten.)
  • Achten Sie darauf, dass keine Indikatoren geladen sind.

Falls Sie eine Chartplattform benötigen, empfehle ich Ihnen NinjaTrader oder TradingView.

Schritt 2: Ausrichtung auf die Markttendenz

Um nach Kursmustern der Price Action Ausschau zu halten, müssen wir Candlestick-Charts untersuchen.

Aber dem Laien erscheint ein Kerzenchart recht unübersichtlich. Wie fangen wir an?

Dieser Schritt hilft uns dabei, unsere Aufmerksamkeit zu konzentrieren, indem uns die Marktausrichtung als Anker vor Augen geführt wird.

Zeichnen Sie eine Linie, die den ersten Candlestick (ganz links) mit dem letzten Candlestick (ganz rechts) verbindet.

Ausrichung des Price Action Charts
Auf die Richtung des Marktes konzentrieren
  • Wenn diese Linie schräg nach oben verläuft (wie im obigen Chart) werden Sie diesen Chart als bullisch ausgerichtet betrachten. Im nächsten Schritt sind Sie ausschließlich an einer Kaufposition interessiert.
  • Wenn diese Linie schräg nach unten verläuft, werden Sie die Marktausrichtung als bärisch betrachten. Aus diesem Grund kommt für Sie ausschließlich eine Verkaufspositon in Frage.
  • Wenn die Linie mehr oder weniger waagerecht verläuft, werden Sie Ihren Chart nach Einstiegen in beide Richtungen durchsuchen.

Schritt 3: Finden Sie die besten Einstiegspunkte

Kreisen Sie die Wendepunkte ein, an denen Sie vorzugsweise kaufen oder verkaufen wollen.

Wie im letzten Schritt erläutert, sind wir aufgrund dieses Charts ausschließlich an Punkten interessiert, wo wir Longpositionen (also Käufe) einnehmen können.

Ideale Kaufpunkte in einem Price Action Chart
Ideale Kaufpunkte

Hier gibt es keine eindeutige Antwort. Jeder wird im Folgenden aufgrund seiner Vorlieben unterschiedliche Punkte auswählen:

Kurze Erklärung zum MAE:

Der MAE (Worst Adverse Excursion) ist der tiefste Minusstand während einer offenen Position. Von manchen Tradern wird diese Kennzahl verwendet, um festzustellen, wo der Verluststopp für ein System, das sie handeln, platziert werden soll. Diese Kennzahl gibt also die relative Tragfähigkeit eines Systems bei unterschiedlichen Kontogrößen an. Ein Trade endet beispielsweise mit einem Gewinn von 14 Punkten, aber während der Haltedauer befand sich die Position 13 Punkte im Verlust. Dieser Verlustbetrag entspricht dem MAE.

Machen Sie sich hier also nicht allzu viele Gedanken, und wählen Sie die Einstiegspunkte an, die Sie ansprechen.

Die ersten drei Schritte können Sie auch ohne das Verständnis von Candlestick-Charts ausführen. Für den nächsten und letzten Schritt benötigen Sie jedoch die Kenntnis von OHLC-Charts.

Es folgen einige diesbezügliche Informationen:

Anleitung für Anfänger zum Lesen der Kursbewegung
10 Candlestick-Chartmuster, die Sie kennen sollten
Trend-Kursstäbe zur einfachen Betrachtung der Price Action

Schritt 4: Untersuchung auf Ähnlichkeiten

Dieser Schritt ist der spannende Teil. Wir haben bereits die Formationen der Price Action ausfindig gemacht, die uns interessieren. Nun ist es aber an der Zeit, um sie zu Beobachtungen zusammenzufassen, die künftig hilfreich sein könnten.

Beziehen Sie umfassende Beobachtungen aufgrund der markierten Price Action.

Die Schwierigkeit, die mit diesem Schritt verbunden ist, hängt mit Ihrer Vertrautheit mit der Price Action zusammen.

Wenn Sie mit diesem Schritt zu kämpfen haben, brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Denken Sie immer an die Grundlagen und gehen von dort aus weiter.

Alle Beobachtungen, die Sie machen, müssen von den Informationen aus einem Kerzenchart stammen.

Beachten Sie also folgendes:

Welche Daten zeigt ein Candlestick-Chart?

Ein Candlestick-Chart zeigt Ihnen die Open-High-Low-Close (OHLC = Eröffnung-Hoch-Tief-Schlusskurs) Kurse für einen Zeitraum an.

Arbeiten wir also mit den OHLC-Daten. Hier sind einige Fragen, die Ihnen den Start erleichtern sollen:

  • Ist der Candlestick bullisch oder bärisch? (C > O oder C < O)
  • Was ist die Kursspanne des Candlesticks (H-L)
  • Wie unterscheidet sich der OHLC des aktuellen Candlesticks vom OHLC des vorherigen Candlesticks? Erreichte ersterer ein höheres Hoch? Schloss er höher. Hatte er ein höheres Tief?)
  • Handelt es sich um Trend-Kursstäbe oder um Dojis?
  • Gibt es ein Fenster oder eine Kurslücke zwischen den Candlesticks?

Diese Aufstellung mag zwar überwältigend sein, sie beschränkt sich jedoch auf die Muster mit OHLC. Ziel ist es, nützliche Muster für die Price Action herauszufiltern.

Nun zurück zu unserem MSFT-Beispiel. Wir haben den folgenden Candlestick-Chart vergrößert, um die eingekreiste Price Action besser sichtbar zu machen.

Was stellen Sie fest?

Beobachtungen herausfiltern beim Price Action Trading
Beobachtungen herausfiltern: 1. Diese Kerze hat ein niedrigeres Hoch und niedrigeres Tief im Vergleich zur Vorkerze. | 2. Bullisches Gap; war auch in der letzten Formation zu sehen. | 3. Bärische Trendkerze gefolgt von bullischer Trendkerze; gab es in allen drei Formationen.
  1. Jede der drei Formationen weist einen abwärts gerichteten (bärischen) Kursstab auf. Ein abwärts gerichteter (bärischer) Kursstab hat im Vergleich zum vorherigen Kursstab ein tieferes Hoch und ein tieferes Tief.
  2. Zwei der Formationen zeigten eine bullische Kurslücke kurz bevor der Markt startete.
  3. Alle drei Kursmuster beinhalten einen bärischen Trend-Kursstab, dem ein bullischer Trend-Kursstab folgte.

Wenn ich diese Formationen immer wieder in anderen Charts wahrnehme, könnten sie mich zu folgendem veranlassen:

  • Nach einem abwärts gerichteten (bärischen) Kursstab in meinen Scans für bullische Setups zu suchen.
  • Die bullische Kurslücke als Mittel zur Bestätigung eines bullischen Setups zu nutzen.
  • Sich auf den Handel von aus zwei Balken bestehende Umkehr-Kursstäbe mit Trend-Kursstäben auszurichten.

Kursmuster der Price Action: Bärische Markttendenz als Beispiel

Die obigen Schritte sind einfach. Aber Sie werden Übung benötigen, und weitere Beispiele werden Ihnen dabei helfen.

Wir werden also hier noch ein weiteres Beispiel betrachten.

Der folgende Tageschart (Candlesticks) zeigt die Aktie Lumber Liquidators Inc. (LL):

Analyse von bärischen Trade-Einstiegen
Bärische Einstiege analysieren: 1. Bärisches Gap | 2. Aussenkerzen | 3. Dramatische Ausweitung der Trading Range
  1. Diese bärische Kurslücke erinnert uns an die bullische Kurslücke, die wir im Beispiel von MSFT beobachtet haben. Bestätigen Kurslücken die Einstiege?
  2. Ein Merkmal, das wir im Beispiel von MSFT nicht gesehen haben: ein OutsideKursstab (d.h. höheres Hoch und tieferes Tief im Vergleich zum letzten Kursstab)
  3. Die Kursspanne (H-L) des Candlesticks vergrößerte sich an diesem Wendepunkt.

Sie haben vielleicht bemerkt, dass die Einstiege hier anders aussehen als beim Beispiel von MSFT.

Anstelle von übersichtlichen aus zwei Kursstäben bestehenden Umkehrungen gibt es hier eher schwer kontrollierbare Outside-Kursstäbe. Sie sehen auch größere Schwankungen bei den Kursspannen der Kursstäbe.

Was könnte den Unterschied erklären?

  • Liegt es daran, dass sich die bärischen Kursmuster (in LL) von den bullischen Mustern (in MSFT) unterscheiden?
  • Oder ist es darauf zurückzuführen, dass sich die Einstiege in einem vorherrschenden Trend (in MSFT) von den Einstiegen in einem wechselhafteren Umfeld unterscheiden (in LL)?

Analysieren Sie weitere Charts, um die Antwort herauszufinden!

Eine Anmerkung zu den Erwartungen

Nun sind Sie in der Lage, die Kursmuster der Price Action selbst zu erkennen.

Aber bevor Sie sich in Ihre Charts vertiefen, sollten wir über Erwartungen sprechen.

Viele fleißige und talentierte Trader haben sich der Analyse von Chartmustern der Price Action gewidmet. Es ist also sehr unwahrscheinlich, dass Sie Bahnbrechendes entdecken werden.

Welchen Nutzen hat es also, sich an diese Schritte zu halten, um Kursmuster der Price Action ausfindig zu machen?

Dieser einfache vierstufige Prozess hilft Ihnen, Ihren Tradinginstinkt systematisch zu verbessern.

Dieser Prozess hilft Ihnen auch, Ihr eigenes Verstandnis der Price Action zu entwickeln.

Sie werden lernen, den Markt von Grund auf zu verstehen und werden die Worte eines Trading-Gurus nicht als selbstverständlich zu betrachten.

Kurz gesagt, diese Schritte helfen Ihnen, sich als unabhängiger Price-Action-Trader zu entfalten.

Und was dann, wenn Sie die Kursmuster der Price Action erkennen können?

Was kommt als nächstes, wenn Sie jetzt einige interessante Handelsmuster für Price Action entdeckt haben?

  • Suchen Sie nach ähnlichen Preisstrukturen. Analysieren Sie dann den Marktumfeld, in dem diese relevant sind.
  • Hier haben wir uns darauf konzentriert, kurzfristige Muster herauszufinden. Erweitern Sie diese Vorgehensweise auch auf das Erkennen von Handelsmustern, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. (zum Beispiel Chartmuster)
  • Gehen Sie über OHLC hinaus, um auch Volumenmuster zu berücksichtigen.

Abschließende Betrachtung

Die Handelsmuster der Price Action sind zwar spannend, aber sie stellen nur einen kleinen Teil jedes Tradingplans dar.

Hören Sie also nicht auf, nachdem Sie ein neues Kursmuster entdeckt haben. Entwickeln sie es zu einer umfassenden Handelsstrategie mit der Identifikation der Marktausrichtung und Taktiken des Ausstiegs. Und vergessen Sie nicht, das Risikomanagement und psychologische Sicherheitsvorkehrungen zu integrieren, um Kontinuität zu gewährleisten.

Dieser schrittweise Vorgang hilft Ihnen, Handelsmuster der Price Action herauszufinden. Es handelt sich dabei zwar nicht um den Heiligen Gral, aber dieser Prozess hat einen enormen erzieherischen Wert. Wenn Sie im Laufe der Zeit Erfahrungen sammeln, werden Sie in der Lage sein, auch praktischen Nutzen daraus zu ziehen.

Mir hat diese Vorgehensweise geholfen, viele Kursmuster zu entdecken, einschließlich derjenigen, die in meinem Price-Action-Kurs gelehrt werden, dabei ist das sogenannte Anti-Climax-Muster eines davon.

Dieser Artikel wurde im Original von Galen Woods auf seiner Webseite veröffentlich: How to uncover price action trading patterns from scatch

Deutsche Übersetzung von Karsten Kagels und Gaby Boutaud

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